Schwafler, Schwefler und Polizisten

Rudolf Steiner über die Rezeption seiner „Philosophie der Freiheit“

 

»Dieser Hinweis auf dasjenige, was sich der Mensch in seiner Seele erst selbsterzieherisch erobern muß, um wirklich der Freiheit teilhaftig zu werden, dieser Hinweis führte dann dazu, daß ich notwendigerweise suchte die Fortsetzung desjenigen zu geben, was angedeutet war in der <Philosophie der Freiheit>. […] Und im Grunde genommen nur eine Summe alles desjenigen, auf was dazumal in meiner <Philosophie der Freiheit> hingewiesen worden ist, sind die Ausführungen der anthroposophisch gehaltenen Schriften der nächsten Jahre.
[…]

Allerdings, das darf heute, ja muß heute sogar betont werden: jene nebulose Mystik, welche viele Menschen meinen, wenn sie von diesem inneren Quell der Seele sprechen, jenes unklare Schweben und Schwafeln, das sich inneren Träumereien überläßt, das war da nicht gemeint. Deshalb hat sich allerdings ein Doppeltes herausgestellt: das eine, daß diejenigen Menschen, die sich nicht der heute ja unbequem empfundenen Sache zuwenden wollten, die Wege eines klaren Denkens zu verfolgen, sich wenig angezogen fühlten gerade durch das, was in der Richtung meiner <Philosophie der Freiheit> lag. Das andere, das sich ergeben hat, ist, daß allerdings eine genügend große Zahl von Schwaflern und Schweflern, die auf unklaren, nebulosen Wegen alles Mögliche suchen möchten, sich anhängten an dasjenige, was mit Klarheit erstrebt werden sollte durch  anthroposophisch-orientierte Geisteswissenschaft, und daß durch dieses Anhängen dann übelwollende Geister genug gekommen sind, die heute kämpfen gegen dasjenige, was Leute sagen, mit denen ich nichts zu tun habe, die aber, indem sie kämpfen, mir selbst alles dasjenige anhängen, was die Schwefler und Schwafler, die nebulosen Mystiker herausziehen als ihre eigene Mache aus dem, was gerade gemeint war für die intensivst notwendige Kultur der Gegenwart. Denn das ist, was wir auf der einen Seite ganz besonders notwendig haben: Klarheit eines inneren Strebens. Jene Klarheit eines inneren Strebens, die ja den wahren Naturforscher heute auszeichnet beim äußeren Streben. Aber eben eine Klarheit des inneren Strebens. Das ist es, was wir auf der einen Seite brauchen. Nicht Dunkelheit und Dämmerung, nicht dämmerhafte Mystik, sondern helle, lichte Klarheit in alledem, womit das Denken zu tun hat. Das ist das eine.       
Das andere, worauf begründet werden sollte, was ich aussprechen wollte durch meine <Philosophie der Freiheit>, das ist das soziale Vertrauen. Wir leben in einem Weltalter, in dem jeder einzelne innerhalb eines individuellen Bewußtseins streben muß nach der Richtung seines eigenen Denkens, Fühlens und Wollens. Wir leben nicht mehr in einer Zeit, in der die Menschen es wahrhaft ertragen, nur durch Autorität geführt zu werden. Wir leben auch nicht mehr in einer Zeit, in der die Menschen es wahrhaft ertragen, daß ihr ganzes Wesen organisiert werde. Das Organisieren hat sich ja nur ergeben wie eine Art von Gegenpol . . . 
Wird jener Quell in der Menschheit eröffnet, von dem ich als der wahren Intuition in meiner <Philosophie der Freiheit> spreche, dann kann man in den höheren Angelegenheiten des Lebens eine ebensolche soziale Gemeinschaft auf Vertrauen gründen, wie man auf Vertrauen schließlich gründen muß das alltägliche Leben. Denn es geht ja nicht an, daß, wenn sich zwei Menschen auf der Straße begegnen, ein Polizist hinzutritt und einem sagt: du mußt da gehen, damit du nicht an andere anstößt. Diese Selbstverständlichkeit des Alltagslebens, sie kann hineingetragen werden in das höhere Leben, wenn Ernst des Lebens da ist, Ernst des Lebens kultiviert werden kann.
[…]
Und niemals habe ich ein Hehl daraus gemacht, daß es mir, indem ich die <Philosophie der Freiheit> und dann die darauf gebaute anthroposophisch-orientierte Geisteswissenschaft vertrat – nie habe ich ein Hehl daraus gemacht, daß es mir nicht ankam auf diesen oder jenen Inhalt, auf diese oder jene Einzelheit. Ich habe immer mit einer gewissen Ironie von denjenigen gesprochen, denen es die Hauptsache ist, zu hören: aus wieviel Gliedern besteht die menschliche Natur? Was ist in diesem oder jenem Bezirk der geistigen Welt zu finden? Immer mit einer gewissen Ironie habe ich über ein solches Bestreben gesprochen. Dagegen kam es mir immer darauf an, die Frage zu beantworten: was wird aus dem ganzen Menschen, aus der menschlichen Haltung seelisch, leiblich und geistig, wenn er sich bemüht, dieser Mensch, nicht so zu denken, wie es ihm die bloße Naturwissenschaft gibt heute, nicht so zu wollen, wie es die Organisationen ihm einimpfen, sondern so, wie es im Sinne der <Philosophie der Freiheit> und der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft ist.«

(Rudolf Steiner am 15. Juni 1920, in GA 335; zitiert nach Otto Palmer: Rudolf Steiner über seine Philosophie der Freiheit)

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P.S.: Wer sich fragt, was das Foto mit dem Text Rudolf Steiners zu tun hat: zunächst nichts. Aber beim Lesen dieser Ausführungen entstand in mir ein Bild, an das ich mich erinnert fühlte, als mein Mann mir gestern dieses Foto zeigte.
Beim Lesen der zweiten Kampfschrift Archiatis gegen die SKA war es umgekehrt: da erinnerte ich mich während des Lesens an das schon vor ein paar Jahren entstandene Foto, das ich dann dort dazugestellt habe.

Ingrid Haselberger

Kommentare

  1. Klare Denkmystik braucht wahre Naturwissenschaft. Der Post-Text weist hin auf das universell-absolute Wesen (Clement, Einleitung MA) oder das allgemeine, universelle Ich (Steiner, Die Mystik). Das Naturfoto beim Text deutet dann auf sinnliche Wahrnehmung, d.h. auf das individuell-persönliche Wesen (Clement) oder das Individuum, das beschränkte Ich (Steiner).

    Aristoteles stellt dar, “… dass die wirkliche Wahrnehmung auf das Einzelne geht, während die Wissenschaft das Allgemeine erfasst, und letzteres gleichsam in ein und derselben Seele ist. Deshalb kann man etwas bedenken, was man will, aber wahrnehmen nicht; dann muss das Wahrnehmbare vorhanden sein.“ (Aristoteles, Über die Seele, II.5, S.85-86, eoMCAAAAQAAJ ).

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    1. Vielen Dank, besonders für den Hinweis auf Aristoteles!

      Mit dem „allgemeinen, universellen Ich“ scheint auch Ravagli so seine Schwierigkeiten zu haben (»Ist Clement tatsächlich dieser Auffassung? ...«).

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    2. Ravagli kritisiert hier wieder Clement, wenn dieser über das ‘universell-absolute‘ Wesen im Menschen spricht. Zwar zitierte Ravagli noch 2013, in einem Aufsatz über ‘Die Mystik‘, Steiner über “das in uns wirkende Allgemeine“, d.h. über klares, reines, universelles, inhaltvolles, intuitives oder sinnlichkeitsfreies Denken.

      Soziales Vertrauen (und dogmatische und phobische Gegenteile) sind 1920 ebenfalls, wie reines Denken und Zweifelsucht, ein Thema in ‘Grenzen der Naturerkenntnis‘, z.B.:
      Dadurch, daß man sich ein solches Denken angeeignet hat, wie es allmählich hervortritt im Verlaufe der «Philosophie der Freiheit», kommt man nun wirklich in die Lage, so scharf innerlich seelisch arbeiten zu können, daß man, indem man wahrnimmt, ausschließt das Vorstellen, daß man das Vorstellen unterdrückt, daß man sich bloß dem äußeren Wahrnehmen hingibt.(GA 322, S.113).
      (Eine Leseprobe aus Otto Palmers Buch auf Englisch gibt es in: Y91vKuF2ACEC)

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    3. »Ravagli kritisiert hier wieder Clement, wenn dieser über das ‘universell-absolute‘ Wesen im Menschen spricht.«
      Ja. Angesichts der erwähnten früheren Zitate Ravaglis ist das etwas seltsam...

      Zudem spricht Ravagli schon im Titel seiner Rezension von einem »Rückfall« in den Mythos, während mein Eindruck ist, daß Clement den Versuch einer Verbindung sieht – was sogar aus Ravaglis Rezension hervorgeht:
      *** Steiner suchte […] laut Clement nicht nur »den Anschluss an die mythischen Ursprünge« des abendländischen Denkens, sondern auch die »Anbindung des präreflexiven mythischen Bildbewusstseins an jene neuzeitlichen Errungenschaften des Geistes, in denen die Grundlage des modernen Selbstverständnisses des Menschen geschaffen wurde«. Steiners Ziel sei kein geringeres gewesen, »als die Tiefe, Konkretheit und Realitätsnähe des alten mythischen Bildbewusstseins mit der Klarheit, Schärfe und Logik des neuzeitlich-wissenschaftlichen Denkens zu einer Synthese zu bringen«. ***

      Eine Synthese ist, für mich jedenfalls, etwas ganz anderes als ein Rückfall in einen der„Einzelteile“...


      Das „soziale Vertrauen“ klingt auch schon in der PhdF an, in der »Grundmaxime des freien Menschen«: »Leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen im Verständnisse des fremden Wollens« - - -


      Ich habe SKA 7 noch nicht vollständig gelesen – der Rezension Anna-Katharina Dehmelts würde ich aber schon jetzt grundsätzlich zustimmen (auch den Kritikpunkten: leider etliche Druckfehler; und, wie sie es ausdrückt, »eine gewisse überbordende Kommentarfreude« ;-)).


      Vielen Dank für den link zur englischen Leseprobe des Buches von Otto Palmer! Das freut mich.

      Noch ein Fund aus diesem Buch:
      »Es war deshalb ganz selbstverständlich, daß ich auf der einen Seite die „Philosophie der Freiheit“ versuchte zu schreiben, so schlecht und recht natürlich, als sie sein konnte, weil man nicht gleich auf den ersten Anhub alles gut machen kann. Auf der anderen Seite aber mußte gerade auf das Mysterium von Golgatha hingewiesen werden durch meine „Mystik“ und mein „Christentum als mystische Tatsache“. Diese zwei Dinge gehören einfach zusammen. Aber diejenigen Menschen, die nun äußerlich darinnen einen Widerspruch finden, die finden, ich verfahre eigentlich so, wie wenn sie auf der einen Waagschale Gewichte haben und auf der anderen Waagschale Fleisch und nun sagen: was ist das für ein Unsinn! – das gehört zusammen. Und nun nehmen sie die Gewichte weg und werfen sie zum Fleisch dazu. Da ist natürlich kein Gleichgewicht. So machen es die heutigen Kritiker… « (Vortrag vom 26. Mai 1922, GA 212)

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    4. Indem Ingrid auf den Vortrag vom 26. Mai 1922 (GA 212) hinweist, finden sich diese Worte nun von Rudolf Steiner:
      "Daher ist es so wichtig, daß wir in der Umgebung des Kindes in diesem Lebensalter bis in die Gedanken und Gefühlsformungen hinein nichts geschehen lassen, was nicht von dem Kinde aufgenommen und angeeignet werden kann. Mit dem Zahnwechsel beginnt dann für das Kind die Möglichkeit, sich nicht wie ein Sinnesorgan zu verhalten, sondern das Vorstellungsmäßige aufzunehmen. Das Kind beginnt - und bildet es dann immer mehr und mehr aus -, das, was man ihm sagt, zur Richtschnur zu nehmen. Vorher nimmt es alles das zur Richtschnur, was man in seiner Umgebung tut, nachher kommt es dazu, zu erfassen, was man ihm sagt. Daher wird zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife die Autorität für das Kind maßgebend. Das Kind muß in selbstverständlicher Weise das befolgen können, sich nach dem richten können, was man ihm sagt. Die Sprache selbst lernt das Kind noch durch Nachahmung; aber was in der Sprache ausgedrückt werden kann, was also der Erwachsene durch die Sprache dem Kinde mitteilen kann, das wird maßgebend für das Kind erst vom Zahnwechsel an. Und die eigentliche Urteilsfähigkeit, wo das Kind oder der junge Mann oder die junge Dame, wie man jetzt sagen muß, anfangen, die eigene Urteilskraft geltend zu machen, das beginnt mit der Geschlechtsreife. Da erst soll man voraussetzen, daß das Kind anfängt, Urteile zu bilden aus dem eigenen Inneren heraus.“

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    5. Fortsetzung:
      Die Worte von Steiner machen in ihrer Einfachheit verstehbar, wie ein Mensch sich in die Welt hereinfindet. Erstmals wird mir nun klar, warum Geschlechtsreife und Symbol in Beziehung stehen.
      Ich kannte bisher nur den Hinweis von Steiner, welcher mir vor Jahren von Herrn Michael Heinen-Anders am Telephon gesagt worden ist, erst später in den Vorträgen und nun der erkennbare Grund, warum „vor“ der Geschlechtsreife das „Abbild“ negativ auf die Entwicklung des Menschen wirken muß.
      Wie ein Gegenimpuls zu dieser bisherigen Indoktrinierung durch die Katholische Kirche heute Morgen im Deutschlandfunk Pater Manfred Kollig aus Münster. Er hebt hervor, wie im Zweiten Vatikanischen Konzil auf das Gewissen hingewiesen worden ist und Papst Franziskus habe kürzlich auf die Stimme des Gewissen als das Heiligste im Menschen hingewiesen. Es ist interessant, als der ehemalige Waldorfschüler Mollath vom Psychiater Pfäfflin wegen Stimmenhören befragt wurde, dieser antwortete, seine innere Stimme sage ihm. Der Psychiater Pfäfflin nahm dies als Anlaß darin ein mögliches Symptom für Schizophrenie zu erkennen und führte dies in seinem Gutachten aus. Also das Gewissen, die innere Stimme des Menschen wird einerseits als das Heiligste im Menschen bezeichnet (Franziskus) aber auch als Symptom einer Geisteskrankheit gesehen.
      In diesem Spagat befindet sich der Streit um die Person Rudolf Steiner und es ist noch nicht klar, wohin die Öffentlichkeit gelenkt wird. Die „Parteien“ streiten sich noch. Mir kommt es so vor, viele Menschen projizieren nur ihr Verständnis, so wie der Psychiater auf den ehemaligen Waldorfschüler, auf Steiner. Geboren wird dann eigentlich nur das eigene Wunschdenken. So wie Psychiatrie und Katholische Kirche die Stimme des Gewissens verschieden interpretieren, verstehen können (klar ist auch, es lässt sich leicht auch die Gewissensfrage von Außen manipulieren, aber das wäre keine echte Gewissensprüfung des Individuums), so ringt sich gegenwärtig die Frage Europa, Religionen, Arbeit und wie ein Symbol wird das Licht am Kölner Dom heute Abend abgeschaltet. Steiners Hinweise können als Impuls verstanden werden, eine Ethik aus dem Menschen heraus zu entwickeln, so wie er nachvollziehbar die seelisch-geistige Entwicklung des Kindes, des Jugendlichen beschreibt, also eine Ethik ohne Religion…. …und siehe da, so manche Verwicklung letzter Jahrzehnte wird klarer, auch das Versäumnis der Verantwortlichen der AAG, welche intern zu Auswüchsen mit Stigmatisation führen musste, fast zwangsläufig. Es kann sein, wenn Herr Clement seine persönlichen Charakterwertungen, Analysen weglässt, er wird noch mehr mit seinen Bemühungen nach Aufklärung verstanden werden, dann wenn der Mut Dritter besteht, Fächerübergreifend, die Impulse Steiners zu verstehen, gerade da, wo er mit seinen Impulsen zunächst scheiterte…… .
      Wir ergreifen, erkennen seinen Impuls, als Spiegel unseres eigenen Wesens, handeln dann aus uns, sind dann mehr, als nur Mitglied der AAG, sind individuell verantwortlich zur freien T-A-T…. .

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    6. Schon eine Synthese von WE und SE beim esoterischen Steiner scheint nicht einfach zu sein, da er sie offen lässt. Die erste Stufe des Schulungsweges heißt bei Steiner nicht Imagination, sondern Ästimation (GA 266a) oder Studium (Urteilskraft, GA 13). Die Trias (Dehmelt) ist eine Tetrade: Imagination ist eigentlich die zweite Stufe der Gliederung (vgl. Ravagli). Eine der Intuition entsprechende, vierte Stufe fehlt also in WE, aber Steiner nennt diese anderswo Magie oder Meisterschaft.

      Dieses Interesse für die äußeren sinnlichen Erscheinungen wird im Okkultismus «Aestimatio» genannt .. GA 266a, 364

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    7. Nachtrag zur "Erziehung":

      Als ich vor etwa zwei Jahren „hier“ auf den ehemaligen Waldorfschüler aufmerksam machte, da konnte es scheinen, als würde ich übertreiben?! Finde nun zufällig die Rezension des Vorsitzenden Richters eines Strafsenates am Bundesgerichtshof:

      „Auf Seite 8 in der Wochenzeitung DIE ZEIT vom 23. Dezember 2014 rezensierte Professor Dr.jur. Thomas Fischer, Vorsitzender Richter des 2. Strafsenats am Bundesgerichtshof, in einem ganzseitigen Artikel das Buch von Gerhard Strate. „Der Fall Mollath ist ein Skandal, weil er nicht einen zufälligen Fehler offenbart, sondern das systematische Versagen einer Landesjustiz, die mit dem albernen Anspruch der Unfehlbarkeit umherstolzierte und die Korrektur offenkundiger Fehler jahrelang mit all der Macht verweigerte, die einer großen Bürokratie zu Gebote steht. Ein Skandal, weil er einen erschreckenden Blick in ein mögliches Zusammenspiel von Strafjustiz und Psychiatrie ermöglicht, das Kontrolle ausschaltet, statt sie zu gewähren... Machen wir uns nichts vor: Vom deutschen Maßregelvollzug nach Guantanamo ist es nur ein kleiner Schritt...““
      Quelle: www.epochtimes.de

      Da Herr Mollath aktenkundig darauf verwies, wie der Psychiater Herr Pfäfflin in seinem Gutachten festhielt: „Er bringt verschiedene Beispiele seiner Kritik und sagt, dass er diese kritische Haltung in der Rudolf-Steiner-Schule gelernt hatte.“

      ist es erstmals gerichtsmassig belegt, wie die Waldorfpädagogik kritisches Denken hervorrufen kann. Ich habe mir das Buch von Herrn Strate besorgt. Er verweist auf die Bloggerin Frau Ursula Prem, auf ihre Aufzeichnungen der Prozesstage. Auf Seite 13 in „Der Fall Mollath – vom Versagen der Justiz und Psychiatrie“:
      Mollath hatte in den letzten zwei Jahren viele Unterstützer. Hervorheben möchte ich vor allem Gabriele Wolff und Ursula Prem mit den von ihnen initiierten Blogs. Hier wurde seit dem Dezember 2012 auf höchstem Niveau die Entwicklung des Wiederaufnahmeverfahrens und des Prozesses in Regensburg dokumentiert und diskutiert.“
      Ursula Prem ist selbst etwa drei Jahre auf der Rudolf-Steiner-Schule in Nürnberg gewesen, wie Mollath.
      Wieder hat ein Prozeß mit anthroposophischem Hintergrund Rechtsgeschichte geschrieben.
      Rudolf Steiner hat wohl zu recht von dem Recht als der höchsten Form der Kunst gesprochen, da sie unmittelbar mit dem Menschen zu tun hat.

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    8. Der Humanistische Pressedienst übernimmt am 05.01.2015 einen Text von Andreas Lichte, der früher auch hier im blog fleißig mitschrieb.

      „Rudolf Steiners rassistischer Science-Fiction-Trash”
      http://hpd.de/artikel/10883

      Wer auf den Ort der ursprünglichen Veröffentlichung klickt, findet weitere Kommentare, welche das Bild Steiners in der Öffentlichkeit prägen, formen sollen, indem willkürlich aus dem Zusammenhang Worte von Steiner ins Netz gestellt werden.
      Die Zielrichtung ist die Waldorfpädagogik. Herr Lichte, so scheint es, arbeitet sein Trauma mit seiner Ausbildung zum Waldorflehrer ab und es könnte dann fast so scheinen, als könnte die Arbeit von Herrn Clement ebenfalls lediglich als Abarbeitung eines Traumata angesehen werden, also die indirekten bis direkten Charakterbilder des Moralischen, so wie bei Herrn Lichte die Charakterisierung Steiners als Kranker.
      Herr Lichte übersieht eines, er traut sich nicht heran, wie krank muß Christus im Kopfe sein, um zu glauben, er könne mit seiner TaT auf Golgatha den Keim für die Rettung des Menschen legen. Also wenn "Krankheit", dann liegt sie im Christentum begründet, diesen Part der Geschichte lässt Herr Lichte weg.
      Klar ist, reiße ich aus dem Zusammenhang Sätze heraus, dann kann dies als psychiatrische Krankheit gelten. Nehme ich die Stimme des Gewissens als Halluzination wahr - im Gegensatz dazu verweist Franziskus auf das Heiligste im Menschen und versteht sich damit mit Steiner - , dann kommt Psychiatrie als Wissenschaft daher und verdammt diese durch Waldorfpädagogik hervorgerufene Gewissensprüfung (Mollath), als persönlichen Wahn. Nehmen wir die geschichtliche Bedeutung des Gerichtsprozesses in Regensburg, das Zusammenwirken von Psychiatrie und Justiz in der Verfolgung eines Menschen, dessen Gedankentätigkeit den an der Macht Befindlichen "quer" kommen, so "beweist" gerade das Leben, wie Waldorfpädagogik und Geisteswissenschaft dem Individuum helfen, ganz alleine dazustehen, ganz aus sich heraus die Gewissensprüfung und Gewissensentscheidung sogar öffentlich zu vertreten; all das Bemühen, Steiner als Kranken abzustempeln, ist damit zu erklären, der Mensch wird nur zwischen Geburt und Tod gedacht, erlebt. "Lebensimpulse" aus dem Vorgeburtlichen, oder Nachtodlichen "darf" es nicht geben. Aber gerade die Impulse außerhalb von Zeit und Raum fördern die bewußte Entwicklung der Menschheit.
      So wie Herr Strate die Blogs Dritter als bedeutsam und wertvoll erachtete, so ist auch dieser blog wertvoll, alleine die Jahre, als ich nur auf diesem blog las, Impulse aus dem Werk Steiners in mir aufnahm, sei es aus den von Herrn Michael Eggert hereingestellten Beiträgen oder den vielen Kommentaren Dritter. In den letzten Tagen ging mir erst auf, was Ingrid unter dem Wort "Freundschaft" erfasste......

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    9. Lieber Ernst,

      »In den letzten Tagen ging mir erst auf, was Ingrid unter dem Wort "Freundschaft" erfasste...... «
      Danke, daß Du das aussprichst (es zeigte sich für mich schon länger in Deiner Art zu schreiben), ich freue mich sehr darüber.

      Und auch wenn ich immer noch meist nicht viel zu Deinen Beiträgen sagen kann – ich möchte Dir doch bei dieser Gelegenheit sagen, daß auch mir immer deutlicher aufgeht, wie Du es meinst.

      Herzlichen Gruß,
      Ingrid

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  2. Danke Ingrid, lese heute morgen Deinen Hinweis auf GA 335.
    Daraus aus der Inhaltsangabe:
    "Kritik des geisteswissenschaftlichen Christus-Verständnisses.
    Christus nicht bloß Sündenerlöser, sondern Auferwecker für den
    Menschheitsfortschritt."

    i.d.R.:

    Der Inhalt verspricht beim Lesen der Inhaltsangabe Rudolf Steiner als Impulsgeber noch besser zu verstehen. Debatten um Charaktereigenschaften irgendwelcher Personen lenken nur ab.

    Interessant ist, wie Steiner Aristoteles als Urheber bestimmter Gedanken aufzeigt:

    "Meine sehr verehrten Anwesenden, diese Idee ist keine christliche.
    Diese Idee ist eine aristotelische. Aristoteles war es, der aus
    der Dekadenz des Griechentums heraus, aus nicht mehr verstandenem
    Piatonismus heraus, diese Entstehung der Seele mit dem Leibe
    gelehrt hat und damit die einseitige Unsterblichkeit bloß nach dem
    Tode. Und so vertreten die christlichen Bekenntnisse, indem sie die
    Präexistenz leugnen, nicht etwas Christliches, sondern sie vertreten
    etwas Aristotelisches, etwas, was durchaus in seinen Tiefen mit dem
    Christentum nichts zu tun hat."

    Der Umgang der Kirchen mit Vorgeburtlich und Nachtodlich ist in der Gegenwart mangelhaft. Die Personen, welche dem individuellen Menschen ermöglichen, selbst Erfahrungen mit der Präexistenz und dem Bereich nach dem Tode zu erleben, helfen der Menschheit, sie betreiben wahre Aufklärung. Es erscheint akademisches Denken letzten Endes nur dazu zu dienen, Gedankengebäude zu errichten und damit den Strukturen zu dienen, welche mit politischer Macht die Menschen zu beherrschen versuchen. Insofern war und ist Steiner "Individueller Anarchist", die einzige Schublade (als Wort-Schublade), welche Steiner akzeptierte, "Anthroposophie" lehnte er ab und insofern kann von einem gelebten, gesprochenen "Bruch" im Leben Steiners gesprochen werden. Es wird also immer die Tendenz geben, ihn als hohen Eingeweihten oder Wahnsinnigen begreifen zu wollen.

    Der neue Impuls von Ingrid führte zu dem Wahrnehmen der aufgezeigten Inhaltsangabe.

    Christus als "Auferwecker" befreit von der einseitigen Anbetung, welche nach wie vor von der Katholischen Kirche mit Mittel der "Sündenvergebung" forciert wird. Während der sündenbeladene Mensch politisch geknechtet wurde und wird, erfährt sich der durch Christus erweckte Mensch als Individualität, damit frei von weltlicher und kirchlicher Obrigkeit.
    Die Priesterschaft kann als bloßer Verwalter für Angelegenheit der Sündenvergebung gelten, diese fördern und fordern. Der Blick von Franziskus auf das individuelle Schicksal als Beginn einer möglichen Änderung des bisherigen Kirchenverständnisses. Die "Brücke" für die Präexistenz und das Nachtodliche bildet nur die eigene Erfahrung, welche jegliche Diskussion um Charaktereigenschaft vergangener und lebender Menschen auflöst, als nichtig erfahren lässt.

    Wer trägt tatsächlich zur "Aufklärung" bei, wer trägt in sich einen Auferweckungsimpuls (eben kein Missionsimpuls).
    Ein neues Bewußtsein zeigt sich, Menschen mit individueller Erfahrung des Vorgeburtlichen und Nachtodlichen. Predigten passen nicht mehr in die Gegenwart, da sie in unzulänglicher Weise nur auf das nachtodliche Abzielen, mehr oder weniger mit Ängsten arbeiten und Menschen dazu anhalten, dem "Kaiser" zu geben... .

    Es kann verstanden werden, warum Steiner sogar gehasst wird, weil sein ganzes Bemühen war und wohl auch ist, Vorgeburtlich und Nachtodlich den Menschen bewußt werden zu lassen, damit individuell frei.... .

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  3. @ weil sein ganzes Bemühen war und wohl auch ist, Vorgeburtlich und Nachtodlich den Menschen bewußt werden zu lassen, damit individuell frei.

    Hat er das wirklich? Er hat auch an sich gebunden und Stempel hinterlassen, meiner Meinung nach....das sieht man sehr deutlich an einigen Gruppen und Menschen der Anthroszene...es scheint also nur eine andere, fast subtile Art der Predigt gewesen zu sein, innerhalb einer festen, organisierten Gruppe (die laut Albert Steffen auch nachtodlich noch Vorträge gemeinsam halten/anhören, so ernst nahm man das alles)...

    Und die Freiheitsaussichten, Meditationen und Thesen der PDF (reines, leibfreies Denken, Leben und Leben lassen etc.etc.) - warens zunächst nur fromme Wünsche, also ferne Ziele, auch des Urhebers selbst? Ein spiritueller Lehrer sollte nämlich nicht binden auf der anderen Seite - z.B. mit vielerlei Übersinnlichem bzw. Everyday-Akasha-Chroniken, das war Dauerbeschuss und ließ wahrscheinlich kaum Freiraum zum Atmen (und für die PDF) und es grub sich wahrscheinlich tief in die glaubenden Seelen ein...es fütterte die mystische Seite der Menschen immens und weckte sicher auch große Neugierde und Sensationslust...vielleicht muss man sich dann einfach mal entscheiden als Verantwortlicher, aber beklagen brauch man sich hinterher auch nicht ;-)

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  4. Nachtrag - aber wie man ja weiß - auch er war ein Getriebener, eines unsichtbaren, verborgenen Meisters, wie er sagte ... er konnte also nicht anders, als einer unsichtbaren Autorität zu folgen...Freiheit sieht anders aus ;-)

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    1. "Nachtrag - aber wie man ja weiß - auch er war ein Getriebener, eines unsichtbaren, verborgenen Meisters, wie er sagte ... er konnte also nicht anders, als einer unsichtbaren Autorität zu folgen...Freiheit sieht anders aus ;-)"

      Die Einwendungen sind insgesamt durchaus berechtigt, sie gelten in diesem Sinne auch für Jesus Christus und für den "Gott", all den Vorstellungen.
      Aber wie früher durch und mit Ingrid ausgetauscht, folgte Steiner den Intentionen seines Meisters, weil dieser ihn "überzeugte", nach Außen, also exoterisch zu wirken. Nach Steiner wäre nur philosophische Schriften entstanden, diesen Impuls hat er aufgegeben, aber nicht wegen der Autorität, als Getriebener, sondern weil die Autorität ihn überzeugen konnte. Gegen solche Autoritäten ist nichts zu sagen und wie 1995 in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht wurde (Hans Holzhaider), wäre "Herr S." sogar "Katholik" geworden, wenn die Kirche ihm einen "Lehrer" hätte anbieten können. - Ich hatte das damals mit dem Eintritt eines Kindes in die Schule mit dem Ortspriester Herrn Denk besprochen, ihn um Weiterleitung meiner Bitte an den Bischof gebeten. Mir ging es darum, neben dem Impuls, das Kind auch in den katholischen Religionsunterricht gehen zu lassen, damit es nicht als Außenseiter "herausgenommen" wird aus dem Klassenverband, durchaus auch positiv sich neben dem wöchentlichen Erleben des Katholischen Ritus (nach Hinweisen Steiners, da sei noch Geistiges zu finden), den Christlichen Impuls insgesamt.... ...eben wie Steiner dies ausführte. Steiner ging es darum, weg von der Obrigkeitsgläubigkeit in weltlicher und kirchlicher Sicht. Was Freiheit ist, wird individuell erlebt, erfahren, kann nicht als Begriff erfasst werden.

      Ich denke, die Begrenztheiten sind Steiner selbst mehr als bewußt, doch verdanken wir ihm ein mögliches Verstehen der verschiedenen Kulturen als sinvvollen Ablauf der Geschichte zu verstehen. Nirgendwo anders gibt es offen allgemein zugängliche Hinweise. Gehen sie zu den Zeugen Jehovas, finden Sie die Weltgeschichte, die Kulturen nur als Sündenabfall der Babylonischen Sprachverwirrung, nur Dämonenbilder, etwa Ägyptische Kultur (die natürlich ihre Niedergangsepoche hatte).

      Freiheit ist eine lineare Entwicklung, in der sozialen Wirklichkeit. Erleuchtung mag persönliche Freiheit beinhalten, diese strebe ich nicht an.
      Der sündenvergebende Christus ist ein anderer als der auferweckende Christus, dies fiel mir auf, ganz unabhängig angeblicher oder tatsächlicher Charaktereigenschaften von Ruidolf Steiner.

      Jeder könnte ganz leicht dieser Tage Gott selbst verfluchen, wenn er die Nachrichten hört und sieht, alleine weil er das Böse mitgeschaffen hat, das Rätsel, an dem Nietzsche zerbrach... .

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    2. Vielen Dank Herr Seler.

      Gut, wenn also Steiner überzeugt wurde und frei entschied/entscheiden konnte, dann will ich ihm das glauben - darin läge dann das Element der freien Wahl, also der Freiheit.

      „Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen, dass er, kräftig genährt, danken für Alles lern und verstehe die Freiheit aufzubrechen, wohin er will.“

      Friedrich Hölderlin

      Guten Rutsch!

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  5. @Jeder könnte ganz leicht dieser Tage Gott selbst verfluchen, wenn er die Nachrichten hört und sieht, alleine weil er das Böse mitgeschaffen hat, das Rätsel, an dem Nietzsche zerbrach...

    Ja, ich verstehe Ihren Hintergrund. Das Böse ist notwendig und gewollt vom Vatergott als ein Freiheitselement, bei späterer Umkehr und Reue versteht sich...

    Aber wird Christus, der laut Steiners Intentionen - als zu dankender Befreier DER GANZEN MENSCHEIT (in Verbindung mit unserem Ich) gelten soll - auch von anderen Religionen angenommen? Wie soll das geschehen, ohne erneut Religionskriege herauf zu beschwören?

    Sollte man hierfür vielleicht völlig neue Namen oder Begriffe finden (durchaus auch aus der östlichen Kultur) oder das einende in allen Kulturen suchen? - oder gar ganz auf Namen verzichten?

    Dann wäre ich für Begriffe - wie eben - Freiheit und Liebe - das versteht jeder ....

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    1. "Dann wäre ich für Begriffe - wie eben - Freiheit und Liebe - das versteht jeder ...."

      Alle Ihre Bedenken und vorgetragenen Punkte sind bedenkenswert. Hinsichtlich "Gott" scheint mir persönlich der von Dritten (anderswo) vorgetragene Gedanke - nach dem Erleben im Nachtodlichen, die Person war eine Dreiviertelstunde real tot, mit auftretenden Todesflecken, als sie wieder zurück ins Leben geschickt wurde - Gott erfährt individuell im Menschen seine göttliche Größe, aufs Neue, in allen religiösen Vorstellungen usw.. Diese (Vorstellungen) werden sich also durch den Lauf der Geschichte ändern. Ein Gott der bewußt im Menschen, Sünde, Reue, Vergebung erfährt, um sich selbst zu erfahren, kann als "rasa-lila" Gottes verstanden werden, wenn auch der Schmerz im Menschen das erst ausschließen muß. Aber wie ich individuell ganz anders mit dem Ableben von nahen Verwandten umgehen kann, es keinerlei Trauer, Verlust gibt, so wird sich das Gottesbild außerhalb und im Menschen wandeln. Es wird nicht von Begriffen abhängig sein.
      "Freiheit" und "Liebe" sind derzeit oftmals noch ganz egoistisch erlebt, siehe Eifersucht.
      Es hat mich hier auf dem thread der von Ingrid hereingestellte link gebracht, wo dort "soziales Vertrauen" auftauchte.
      Ich denke dieses Vertrauen beinhaltet dann mehr als die Gottesvorstellung und Moralvorstellung. Also die außenbestehende Gottesvorstellung wandelt sich zum sozialen Vertrauen, als Gott im Zwischenmenschlichen, aber ohne Sünde, Hoffung auf Belohnung oder Hölle und Paradies. Das Verstehen des Nachtodlichen und Vorgeburtlichen löst die verfestigten Begriffe auf, denn natürlich gibt es solche höllischen Zustände, paradiesische Zustände. Die Sackgasse des Christentums und des Islam sind die Ewigkeitsaspekte von Himme und Hölle, wiewohl "unser" Steiner ja auch erklärt, was erklärt er nicht, wie es sein mußte dieser Glaube in diesem Leben entscheiden zu müssen, als einziges Leben, die Wahl zu treffen, also Himmel und Hölle als Ewigkeitsaspekt, Widerspruch.

      Nicht Begriffe fehlen, es fehlen Realitäten..... aus denen neue Begriffe geboren werden mögen... .

      -- weil Gedanken vielleicht zu kompliziert: durch den Ewigkeitsaspekt von Himmel und Hölle wurde der Mensch faktisch-praktisch genötigt, sich für Christus entscheiden zu müssen, obwohl faktisch der Mensch mehr als ein Leben hat. Wer uns das eingebrockt hat, mag seine Version der Menschheitsentwicklung in sich getragen haben. Insofern ist der Aspekt des Dalai Lama verständlich, eine Ethik aus dem Menschen, ohne Religion, oder eine Bemerkung Steiners, soll es mit den Religionen so weitergehen, wie seit tausenden von Jahren. Insofern mag der Clementsche Hinweis gelten (von mir frei übersetzt) Steiner habe Glaubende geschaffen, recht hat er, Herr Clement. Es gibt zu wenig Wissende in der AAG?!

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  6. Guten Rutsch allerseits, und allen Gesprächsteilnehmern und Mitlesern ein "gutes" Neues Jahr (was auch immer "gut" für jeden einzelnen bedeuten mag)...

    Herzlichen Gruß,
    Ingrid

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    1. Liebe Ingrid, da schließe ich mich ganz herzlich an.

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    2. Danke, ein gutes Jahr für alle!
      m.butty

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  7. Klar, Begriffe sollten auch mit Leben erfüllt sein...aber der gute Wille und Freiheitsimpulse sind in allen Kulturen schon vorhanden, es keimt überall, wenn auch zart :-)

    Die Hoffnung stirbt zuletzt bzw. nie :-)

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  8. Woher, wohin?

    Wo sich Ewigkeiten dehnen,
    Hören die Gedanken auf,
    Nur der Herzen frommes Sehnen
    Ahnt, was ohne Zeitenlauf.

    Wo wir waren, wo wir bleiben,
    Sagt kein kluges Menschenwort;
    Doch die Grübelgeister schreiben:
    Bist du weg, so bleibe fort.

    Laß dich nicht aufs neu gelüsten.
    Was geschah, es wird geschehn.
    Ewig an des Lebens Küsten
    Wirst du scheiternd untergehn.

    http://gutenberg.spiegel.de/buch/schein-und-sein-4145/3

    Mysterien-Weisheiten von Wilhelm Busch
    LG, zum neuen Jahr..
    mischa butty

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  9. ...ich habe das Gedicht von Wilhelm Busch gestern zur Betrachtung eingestellt, nicht um meine eigenen Ansichten damit zu bebildern. Es ließ mich nicht los, wegen "der Küsten". Diese Metapher impliziert das Meeer, und das sprach mich an. Es ließ mich nicht los, wegen des Verbs "scheitern", und zwar in Verbindung mit dem Adjektiv "ewig". Klare Aussagen macht das Gedicht nämlich nicht für mich. "Gott schuf das Meer, der Friese die Küste"... überhaupt ist das Gedicht von einem melanchloischen Küstennebel umgeben. Nicht so dezidiert, wie die Hallersche Abweisung "Ins Innre där Natuhr dringt kain erschaffner Gaist!" .. was Goethe zum "oh du Philister!" provozierte, sondern nicht Endgültiges, nur ein temporäres Aufseufzen. Das jedoch ist wohl mein eignes In Resonanz Gehen zum Küsten-Nebel-Gedicht, wie ich das "woher, wohin?" heute mal nennen möchte, eine kurzes Sinkenlassen der Arme, "eeewig" an diesen... Küsten ... scheitern.. seufz.. ein-maaal nicht scheitern... Busch sagt ja nicht "An den Küsten des Lebens wirst du am Ende endgültig ersaufen!"

    Ich selbst frage mich, obschon mir in der anthroposophischen Sprachgestaltung der Satz mitgeteilt wurde, dessen Zitatbeleg ich einmal wieder schuldig bleibe
    "Der Mensch lernt am Sprechen Denken, und beim Spracherwerb beginnt das Ich an seiner 'Organisation' zu arbeiten"

    (eingedenk der Ingridschen Zitate hinsichtlich der philiströsen Begierde mancher Seelchen nach Ordnung und Definition hinsichtlich "Ich habe immer mit einer gewissen Ironie von denjenigen gesprochen, denen es die Hauptsache ist, zu hören: aus wieviel Gliedern besteht die menschliche Natur?")

    ob klare, wirklich kristallklare Gedanken und Erkentnisse als Ahnungen dämmern, keimen, um nach und nach deutlicher und schließlich als Offenbarung eines fließenden, strömenden und rhythmisch pulsenden Reigen uns mitnehmen, und Worte daher immer nur Ausdruck jeder speziellen Epoche in Biographie und Menschheits-Geschichte sein können, Sandkörner, die uns aus den Händen rieseln werden zu manchen Zeiten zu Glasperlen, mit denen wir tief sinnvolle Ornamente und Muster und Mosaike konstruieren uns auslegen, bis der kosmische Besen sie wieder zusammenfegt....

    mischa butty

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    1. Lieber Mischa,

      danke für dieses Mysterien-Gedicht von Wilhelm Busch und Deine Gedanken dazu!

      »Sandkörner, die uns aus den Händen rieseln werden zu manchen Zeiten zu Glasperlen, mit denen wir tief sinnvolle Ornamente und Muster und Mosaike konstruieren uns auslegen, bis der kosmische Besen sie wieder zusammenfegt….«
      Ja. Oder die leuchtenden Farbenorgien, die das gestrige Feuerwerk in den nächtlichen Himmel gezaubert hat - - - kurz aufgeleuchtet und schon wieder vorbei… aber (wenn man einmal absieht von allem, das man dagegen haben kann): schön war es doch!


      Und das Meer und die Küsten: wenn man sich nicht an den Sternen orientieren will oder kann, findet man an den Küsten zwar leichter Orientierung als auf hoher See; aber an den Küsten lauern eben auch die Klippen, an denen man scheitern kann…
      Beim „Scheitern“ denke ich einerseits an ein Zitat von Samuel Becket, das ich vor kurzem gehört habe:
      »Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.«
      und andererseits (wieder mal) an Rainer Maria Rilke:

      Der Schauende

      Ich sehe den Bäumen die Stürme an,
      die aus laugewordenen Tagen
      an meine ängstlichen Fenster schlagen,
      und höre die Fernen Dinge sagen,
      die ich nicht ohne Freund ertragen,
      nicht ohne Schwester lieben kann.

      Da geht der Sturm, ein Umgestalter,
      geht durch den Wald und durch die Zeit,
      und alles ist wie ohne Alter:
      die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,
      ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.

      Wie ist das klein, womit wir ringen,
      was mit uns ringt, wie ist das groß;
      ließen wir, ähnlicher den Dingen,
      uns so vom großen Sturm bezwingen, -
      wir würden weit und namenlos.

      Was wir besiegen, ist das Kleine,
      und der Erfolg selbst macht uns klein.
      Das Ewige und Ungemeine
      will nicht von uns gebogen sein.
      Das ist der Engel, der den Ringern
      des Alten Testaments erschien:
      wenn seiner Widersacher Sehnen
      im Kampfe sich metallen dehnen,
      fühlt er sie unter seinen Fingern
      wie Saiten tiefer Melodien.

      Wen dieser Engel überwand,
      welcher so oft auf Kampf verzichtet,
      der geht gerecht und aufgerichtet
      und groß aus jener harten Hand,
      die sich, wie formend, an ihn schmiegte.
      Die Siege laden ihn nicht ein.
      Sein Wachstum ist: der Tiefbesiegte
      von immer Größerem zu sein.

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  10. Und hier mal wieder etwas über das Gegenteil des von Steiner eingangs Beschriebenem:

    "jene nebulose Mystik, welche viele Menschen meinen, wenn sie von diesem inneren Quell der Seele sprechen, jenes unklare Schweben und Schwafeln, das sich inneren Träumereien überläßt,..."
    --------------------------------------------

    (Rudolf Steiner, GA 342, Seite 96)

    "Dasjenige, was intellektualistischer Seeleninhalt ist, ist im besten Falle nur Bild des Geistigen, es ist sterblich wie der menschliche Leib. Denn gerade das Intellektualistische wird restlos durch den Leib vermittelt. Alles Seelenleben, das intellektualistisch vermittelt wird, entsteht nach der Geburt und geht mit dem Tode zugrunde. Dasjenige, was in der Seele ewig ist, ist erst hinter dem Intellektualistischen. Also, kein abstrakter Begriff geht durch die Todespforte mit uns, sondern nur dasjenige, was wir über abstrakte Begriffe hinaus im Leben erlebt haben. Daher ist es auch so, daß aus der jetzigen Bevölkerung heraus viele Seelen nach dem Tode ein langes Schlafleben führen müssen, weil sie nur eingespannt waren in Intellektualitat und weil die Intellektualität abdämmert nach dem Tode und der Mensch sich dann erst in langer Zeit einen überintellektualistischen Inhalt erobern muß, den er wiederum verarbeiten kann für das nächste Erdenleben. Es ist tatsächlich so, daß vieles von der jetzigen Lebenszeit durch das intellektuelle Leben für die Menschen in ihrer Gesamtentwickelung verlorengeht."

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    1. Weshalb das von Dir Zitierte das „Gegenteil“ des von mir Zitierten darstellen soll, wird mir nicht klar. Ich lese es (wie meistens bei Steiner) als Ergänzung:
      Sowohl unklares „Schwafeln und Schwefeln“ als auch reiner Intellektualismus sind Irrwege, die nicht zu sozialem Vertrauen führen, sondern zum Auftreten von „Polizisten“, die anderen sagen, wo sie „gehen“ sollen.

      :-)
      LG, i.




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  11. Der klare Unterschied von Innen und Außen wird bei Steiner in EG (Kap. Das Urphänomen ) und in MA (SKA 5, Kap. Nicolaus von Kues; das mittlere, ‘empirische‘ Kapitel) schon in Frage gestellt bezüglich der Sinnesempfindung. ‘Innen‘ heißt dort: leiblich-organisch. Rot, blau oder grün seien ebenso sehr innen als außen. Das Wahrnehmen der Anderen kann man von diesen Sinnesempfindungen nicht ganz ausschließen.

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