Über «Tzimtzum» im Judentum, «Sunyata» im Buddhismus und «Antimaterie» in der Anthroposophie



Eine Betrachtung der Begriffe «Nichts» und «Leere» und ihre Bedeutung in der meditativen Begegnung mit dem Bösen

Jostein Sæther 


Tzimtzum (oder Zimzum, hebräisch für Kontraktion oder Rückzug) ist ein wichtiger Begriff in der jüdischen Kabbala – die eine mystische Tradition im rabbinischen Judentum darstellt und die Mystik und Theosophie betont. Das rabbinische Judentum ist die Hauptrichtung des Judentums, die Mischna (die erste umfassende schriftliche Kodifizierung der mündlichen Tora, also die fünf Bücher Mose) und den Talmud (allgemeiner Name von zwei Buchwerken der Mischna und eines Kommentarwerks) als religiös autoritative Schriften neben der Tanach (jüdische Name für die hebräische Bibel, d.h. das Alte Testament) anerkennt.

Die Vorstellung basiert darauf, dass Gott ursprünglich alles umfasste, was existierte und daher sich zusammenziehen musste, um Platz für etwas Neues zu schaffen. Somit geschah während des Schöpfungsprozesses etwas, das nicht geplant war, sodass göttliche Funken in der Welt zurückblieben – sozusagen im Exil von Gott. Diese Funken wurden in jedem Detail der Schöpfung hinterlassen. Für das Aufrechterhalten der göttlichen Ordnung ist es erforderlich, dass sie an Gott zurückgegeben werden. Im Judentum ist man in seinen Handlungen bestrebt, die Funken für Gott zu erlösen. Dies wird durch religiöse Verordnungen getan, genannt Mizwot. Durch gute Taten in Übereinstimmung mit dem, was die Tora befiehlt, kann also der einzelne Mensch Gott in der Schöpfung helfen, indem er das Gute hinzufügt.

Es war der Rabbiner und Kabbalist Isaak Luria (1534 – 1572) von Safed in Palästina, der den Begriff Tzimtzum prägte und eine umfassende Lehre über die Schöpfung und ihre Erlösung entwickelte. Bei Luria ist Tzimtzum ein Akt göttlicher Selbstbegrenzung des sogenannten En Sof (des Unendlichen). Die Schöpfung wurde erst durch diesen Rückzug oder dieses Zurückziehen Gottes möglich, der auch ein Gleichnis für alle Arten von Exil und Diaspora (griechisch: διασπορά; «Verbreitung», «Dispersion» oder «Aussaat») ist – d.h. die Auswanderung oder Zerstreuung des Volkes von ihrem ursprünglichen Ort oder aus dem Land der Vorfahren. Nachdem die Juden 1492 aus Spanien vertrieben wurden, sind den Begriffe «Exil» und «Erlösung» im Judentum eine neue Bedeutung gegeben worden.

Sunyata (Sanskrit: शून्यता; Śūnyatā) ist ein zentraler buddhistischer Begriff, der bedeutet, dass alles leer und ohne Beständigkeit ist. Der Sanskrit-Begriff Sunyata wird direkt aus der buddhistischen Lehre vom «Nicht-Selbst» abgeleitet. Es bezieht sich auf die Abwesenheit von Substanz bei allen Phänomenen wegen der Abhängigkeit von bedingten Faktoren in ihrem Erscheinen. «Leere» ist also ein Begriff, der verwendet wird, um die Abwesenheit von einem ununterbrochenen Sein, einer Eigennatur oder einem stabilen Ich, das sich in einer unaufhörlichen Verwandlung seines Daseins befindet. Bei dieser Form der buddhistischen Weltanschauung sind die Erscheinungen der Dinge in ihrer Leere ohne eigene Merkmale, ohne anhaftende Eigenschaften und damit auch nur menschlich, vorgestellte Begriffe einer Welt ohne Selbstdasein. Hier ist die Welt nicht eine Welt des Seins, sondern einer der ununterbrochenen Entstehung, in der es keine festen Stoffe und keine endgültigen Realitäten gibt.

Die tibetische Meditationslehrer und Künstler Chögyam Trungpa Rinpoche (1939 – 1987) kommentiert das sogenannte Herz-Sutra wie folgt (meine Übersetzung aus dem Norwegischen):

«Wenn wir durch unsere Begriffswelt mit dem Schwert der Weisheit hauen, entdecken wir Shunyata – die Leere, das Nichts, das Fehlen von Dualismus und Begriffen. Die berühmteste von allen Belehrungen Buddhas zu diesem Thema ist in Prajnaparamita-hridaya zu finden, auch als das Herz-Sutra bekannt. Das, was in diesem Sutra interessant ist, ist, dass Buddha selbst kaum ein Wort sagt. Am Ende der Stunde sagt er einfach: ‹Gut gesagt, gut gesagt›, und lächelt. Er schuf eine Situation, in der andere ihre Lehren über Shunyata auszudrücken konnten, anstatt dies selbst auszudrücken. Er unterließ, seine Auffassung anderen ‹aufzubürden›. Stattdessen machte er die Situation so, dass andere dazu inspiriert werden könnten, für sich selbst Shunyata zu entdecken und zu erleben. Es gibt zwölf Möglichkeiten, um Dharma zu lehren...»

Ich gebe hier eine Übertragung des Herz-Sutra wieder von Kåre A. Lie – mit seiner freundlichen Genehmigung –, der den Text übersetzt hat aus Prajñaparamitahridayasutram (samkshiptamatrika) Mahayanasutrasangraha I, Hrsg. P. L. Vaidya, Darbhanga 1961 (meine Wiedergabe in Deutsch ist also aus seiner norwegischen Übertragung gemacht):

«Der edle Bodhisattva Avalokiteshvara wanderte in der tiefen, überschreitenden Weisheit und sah sich im Mitgefühl um. Er sah die fünf Gruppen der Persönlichkeitsfaktoren und er sah, dass sie in ihrem inneren Wesen leer waren.
– Sieh da, Shariputra! Form ist Leere und Leere ist Form. Die Form ist nichts anderes als Leerheit und Leerheit ist nichts anderes als Form. Das, was Form ist, ist Leere und das, was Leerheit ist, ist Form.
So ist es auch mit Gefühlen, Identifikationen, Reaktionen und Bewusstsein.
Siehst du, Shariputra! Alle Phänomene zeichnen sich durch Leere aus. Sie sind nicht entstanden und sie hören nicht auf zu bestehen, sie sind weder rein noch unrein, weder mangelhaft noch perfekt. Deshalb gibt es keine Form in der Leere, Shariputra, kein Gefühl, keine Identifikation, keine Reaktion und kein Bewusstsein. Es gibt keine Auge oder Ohr, keine Nase oder Zunge, keinen Körper oder Geist; keine Form, keinen Klang, kein Geruch und keinen Geschmack, keine Berührung, keinen Gedanke; und kein optisches Element und so weiter und auch nicht ein Element, das Sinn hat.
Es gibt kein Wissen und nicht Unwissenheit, kein Erlöschen des Wissens und nicht Erlöschen der Unwissenheit, und so weiter, und somit keinen Alter und Tod, keine Auslöschung des Alters und des Todes, keinen Leid, keine Ursache, kein Ende und nicht einen Weg und keine Erkenntnis und kein Erreichen.
Ein Bodhisattva, der sich auf die überschreitende Weisheit verlässt, hat nichts, das sein Geist blockiert. Weil er nichts hat, das sein Geist blockiert, hat er nichts zu befürchten. Er hat alle Bedenken überwunden und ist zuversichtlich, das Nirwana zu erreichen. Alle Buddhas der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft haben vollkommenes Erwachen erreicht, weil sie in der überschreitenden Weisheit ruhen.
Darum sollst du die großen Worte der überschreitenden Weisheit kennen, das Wort der großen Erkenntnis, das unnachahmliche Wort, das einzigartige Wort, das in Wahrheit alles beruhigt, was weh tut, weil es nichts Falsches enthält. Die grenzenlose Worte der Weisheit sind: gate gate paragate parasamgate bodhi svaha, was bedeutet: Gegangen, gegangen, vorbeigegangen, völlig vorbeigegangen, Erwachen, gut gesagt!»

Wenn ich meine Arme bewege, benutze und fühle, dann erlebe ich meinen physischen Körper. Wenn ich durch Konzentrationsübungen z.B. verschiedene Ideen bearbeite – sagen wir Verwandlungen von geometrischen Formen oder dem Verhältnis reiner Begriffe zueinander – dann kann ich das Denken anwenden, sodass ich meinen sogenannten Ätherleib spüre. Wenn ich solche Meditationspraxis dorthin bringen kann, dass ich irgendwie ein «Ruck» wahrnehme, eine Art Verschiebung des Bewusstseins, dann kann ich vom Erleben der Arm- und Körperbewegungen weitergehen zum Anwesend-Sein im Willenselement des Denkens. Auf diese Weise entsteht die menschliche ätherisch-astrale Gestalt – die auch Aura genannt wird – in bewusster Beobachtung.

Die Aura wird erlebt, als ganz aus Gedankenelementen oder reiner Information gewebt. In einer solchen Situation erlebte ich einmal, dass mein ganzes Leben von der Empfängnis bis zum aktuellen Meditationsmoment in Bildfolgen, in einem grenzenlosen Tableau oder etwa wie eine Monumentalmalerei erschien. In meinem Buch Wandeln unter unsichtbaren Menschen nannte ich es: Sein Initiationsmärchen zu schauen. Wenn der Ätherleib auf diese Weise für das übersinnliche Bewusstsein erscheint, tritt er nicht als räumlicher Körper hervor, sondern als ein Zeitleib. Der Ätherleib trachtet gewissermaßen danach, alle physische Materie, die der Mensch mit dem physischen Organismus in sich trägt, aufzulösen. Rudolf Steiner, der erste Anthroposoph, wies darauf hin, dass zu der Substanz, die wir über unsere Haut und Organe durch verschiedene Sekrete und verdaute Rückstände ausscheiden, gleichzeitig die entsprechende Menge an Substanz zu sogenannter «negativen Materie» verwandelt wird. Dieses saugende Prinzip in unserem Nervensystem ist besonders wirksam im Gehirn (vgl.: Rudolf Steiner: Was wollte das Goetheanum und was soll die Anthroposophie. GA 84. Seite 94ff).

Die Welt um uns herum, die sich in Naturgesetzen und Naturkräften offenbart, erscheint in erster Linie für uns als Mineralreich, Pflanzenreich und Tierreich, aber es gibt natürlich auch Übergangsformen. In der Meditation ist es möglich, dies alles auf ein gedankliches Nichts zu reduzieren. Ja, alles, was wir normalerweise als existierend wahrnehmen, kann sogar noch weiter bis auf jenseits des Nichts reduziert werden. Wenn diese Negation gelingt, erscheinen die Kräfte, die dem Schaffenden entsprechen, das wirksam ist, wenn wir in tiefem Schlaf niederliegen. Diese kreativen Ätherkräfte entsprechen den menschlichen Fortpflanzungskräften, die während der Kindheit und der frühen Jugend sich in der Regel unbewusst entwickeln. Ab einem gewissen Alter erwachen die Reproduktionskräfte und durchströmen den menschlichen Organismus, sodass sinnliche Liebe für den Einzelnen relevant werden kann. Was in der Kindheit schlafend und organbildende Kräfte war, erwacht in der Pubertät als Sexualität. Allerdings ist die Rede von denselben Kräften, die während des Schlafs das Abgebaute reproduzieren. Steiner legt nahe, dass sie in der Kindheit unbemerkt sind, weil sie in die wachsende menschliche Natur vollständig eingebettet sind. Sie werden zuerst bei der Geschlechtsreife freigegeben und können, wenn sie erwacht sind, wahrgenommen werden, mit Gefühlen von Scham und Schuld verbunden zu sein, wenn sie mit bestimmten kulturellen Werten und Verboten verbunden sind,.

Die zurückgehaltenen Generationskräfte der Kindheit können gleichsam wie ein göttlicher Atem erlebt werden. Er atmet unschuldig im Hintergrund während wir aufwachsen. Wenn ich über Kindheitsmotive oder -erinnerungen meditiere, kann ich fast ein Gefühl von diesem geistigen Atem haben. Unsere menschliche Natur erscheint somit von zwei Seiten erlebbar. Wir haben alle quasi zwei Menschen in uns. Der erste ist das Kind bis zur Pubertät. Der andere ist der erwachte sexuelle Mensch. Dieser zweite Mensch entspricht dem tagwachen Menschen vom Erwachen bis zum Einschlafen. Es ist der Alltags- oder der arbeitende Mensch. Dann haben wir den Nachtmenschen, der dem Kindheitsmensch entspricht, vom Einschlafen bis zum Erwachen, der wiederum zweigeteilt ist. Ein Teil liegt unschuldig schlafend im Bett. Der zweite Teil schwebt im Schlaf draußen im Kosmos, in einem göttlichen Dasein, von dem wir normalerweise kein Bewusstsein haben. Der Traum entspricht einem Zwischenzustand – sowie andere Sonderzustände wie Tagträumerei, Meditationsbewusstsein und Hypnose usw., die ich hier nicht näher beschreiben werde.

Im Wachzustand sorgen wir uns um alle möglichen Verhaltensweisen, um dasjenige in uns zu reduzieren oder zu zerstören, was einige Menschen als eine niedere und sogar animalische Natur annehmen. Was nicht reine Erkenntnis, reiner Geist ist, wird in verschiedenen religiösen und spirituellen Traditionen oft als unwürdig und unmenschlich angesehen. Es wird gesagt, dass die «Abhängigkeit von bedingten Faktoren» überwunden oder gelöscht werden muss, damit wir die Nähe zu Gott erreichen oder spirituelle Erleuchtung erlangen. In der Nacht und in der Kindheit ist die göttliche Schöpferkraft – Gottes Funken – gnadenvoll auf der unbewussten Ebene wirksam. Sie entspricht also der reinen Fortpflanzungskraft in aller organischen Natur. Am Tag und beim jugendlichen und erwachsenen Menschen arbeiten die gleichen Kräfte abbauend im Organismus des Individuums, während aber die sexuelle Begegnung zweier Geschlechter dazu beiträgt, dass ein Kind geboren werden kann. (Was passiert, wenn eine weibliche Eizelle und ein männlicher Samen sich auf materiell-technischer Art und Weise durch die sogenannte künstliche Befruchtung vereinen und welche Folgen dies auf einer spirituellen Ebene haben könnte, ist ein kniffliges Thema, auf das ich hier nicht eingehen werde.)

Wir können in der Regel keine bewusste Präsenz in den menschenschaffenden Kräften erleben – weder als Kinder noch als Erwachsene. Wenn sie während des Schlafes voll wirksam sind, sind wir mit unserem Ich und unserem Astralleib außerhalb des Ätherleibes, der die Materierückstände des physischen Leibes durchdringt und die störenden Nachwirkungen von gestern beseitigt. Sobald die Zerstörungskräfte vom Ätherleib angesaugt und in Antimaterie umgewandelt wurden, wachen wir auf. Rudolf Steiner beschrieb, dass besonders in den Körperflüssigkeiten Materie «zu einem Nichts zurückführt» wird. Auf eine bestimmte Art wird Materie verbrannt, wenn ein Willensimpuls im Denken aktiviert wird. Dabei entsteht gewissermaßen das, was er Leerräume im physischen Organismus nannte.

«Diese Leerräume rufen hervor eine ganz andere Dynamik. Dadurch entsteht ja die andere Gleichgewichtslage, dass Materie in das Nichts zurückgeführt wird. Dieses Miterleben einer anderen Gleichgewichtslage, das führt dazu, dass wirklich auch der physische Leib in seinen Bewegungen folgt diesem Hervorrufen einer anderen Gleichgewichtslage, dass es zur Handlung dann kommt, die sich zunächst unmittelbar an den physischen Leib des Menschen bindet.» (Rudolf Steiner: Damit der Mensch ganz Mensch werde. Haager Hochschulkurs. Dornach 1994. GA 82. Seite 128f).

In meiner karmischen Autobiographie von 1999 beschrieb ich eine solche selbsterlebte Gleichgewichtslage der Meditation der inneren Leere mit den folgenden Worten:

«Der Apokalyptiker Johannes schildert in seinem Offenbarungsbuch in der Bibel eine Lichtgestalt, die in der rechten Hand sieben Sterne hält, von deren Munde ein zweischneidiges scharfes Schwert ausgeht, und deren Gesicht der Sonne gleicht, wenn sie in voller Kraft leuchtet. – Es übersteigt alle irdische Phantasie und ausgedachten Bilder, wie ich in dieser geistigen Schulung in meinem eigenen Wesen die Liebe des Christus aus dem eigenen Munde herausströmen erlebte, um dadurch ein Abgrund-Wesen, das seinen göttlichen Ursprung total vergessen zu haben schien, ein wenig durch Christi »Liebes-Wortes-Licht« berühren zu können. Die uralte Sexualität in meinem physischen Leib wurde durch diese Verwandlung zur Dienerin des Logos, ein Motiv, das hier nicht ausführlicher verfolgt werden soll, das aber meines Erachtens zum Kern der modernen Mysterien gehört. Was der östliche Yoga als Kundalini beschreibt, erkannte ich in dem michaelischen Yoga in meinem ganzen Wesen durch ‹Urselbst-Aufnahme-Atmung› als das ‹nicht ich, sondern Christus in mir›.» (Jostein Sæther: Wandeln unter unsichtbaren Menschen. Stuttgart 1999. Seite 271.)

Diese Betrachtungen sind von der Beschreibung der Tzimtzum, des göttlichen Zusammenziehens in den Schöpfungsvorstellungen der jüdischen Mystik, über die Sunyata des Buddhismus, die göttliche Leere, zu der Idee des Wiedergewinnens (Rezirkulation) in Nichts in der anthroposophischen Meditation gegangen. Ich begann mit dem Beginn der Schöpfung aus jüdischer Sicht, verweilte bei der Lehre des Buddha von der Überschreitung der Gebundenheit ans Irdische und kam zu Perspektiven für ein zukünftiges Umwandeln des tatsächlichen Menschen, der in sich scheint, das Männliche und das Weibliche vereinen zu können, und damit beizutragen, dass die Begegnung mit dem Bösen nicht schädlich für einem selbst wird, sondern zu einem Nichts zurückgeführt wird, zu einem Zustand bevor die kosmische Kontraktion eingetreten ist. Ich stelle fest, dass diese drei Leeren wechselseitige Gleichheiten haben, aber sie scheinen trotzdem zu drei verschiedenen Ebenen zu gehören. Tzimtzum ist ein rein geistiges Phänomen. Sunyata wird auf einer spirituellen Ebene erstrebt. Das Nichts der negativen Materie korrespondiert mit der physischen Ebene.

Es ist nicht die Gottheit, die eine Bergung der «Funken des Exils Gottes» – entsprechend den sieben Sternen in der Hand von Johannes – bereitet, sondern ein freier und kreativer Mensch, der die Überwindung seiner früheren Beschränkung übt. Statt der Einschränkung, die bisher existiert hat und die Materie und Geist in zwei Kategorien spaltet, wird durch das kontemplative Überschreiten des Denkens und des Willens etwas veranlasst, dass Materie in einem Leerraum im physischen Leib absorbiert wird, die dann zu Antimaterie im Nichts übergeht, die der Ausgangspunkt für alles ist. Das Erleben, ein «Strauß» göttlicher Funken zu sammeln, ist gleichzeitig die Schaffung einer geistigen Brücke zur Tat des Buddhas im kosmischen Bereich der Kriegstreiberei – der sogenannten Marssphäre – die Rudolf Steiner in internen Gesprächen besprach. Sie vereint klassische jüdische Mystik, traditionelle buddhistische Lehre und zeitgemäßer Anthroposophie zu einem Strauß wahrgenommener Weisheit.


Illustration:
Chenresi mit vier Armen. Avalokiteshvara (Sanskrit,
अवलोकितेश्वर, Avalokiteśvara; etwa: Herr, der mit Mitgefühl sieht), auf Tibetisch Chenresi oder Chenrezig [tçεnrεsi], ist ein Bodhisattva im tibetischen Buddhismus.
Online-Quelle: http://no.wikipedia.org/wiki/Avalokitesvara

Kommentare

  1. Leere und Abbau werden in Steiners Erkenntnisschulung (GA 13 und 25 bis 27) besonders verbunden mit der Inspiration (Einweihung, Sphärenharmonie).

    Über Rückentwickelung, Abbau und Inspiration im Menschen s. auch GA 67, 343 f., über Zahnwechsel und Pubertät als Stromüngen s. GA 170, S.46-7.

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    1. Danke Jostein für die ausführliche Beschreibung. Ich war in den vergangenen 2 Tagen krank im Bett gelegen, daher erst jetzt meine Antwort. Ich konnte sozusagen die sich zurückziehenden sowie wiedererstarkenden Kräfte selbst erleben, habe auch viel geschlafen. Es geht mir gut, baue mich gerade mit Toastbrot und veganem Essen wieder auf. Man fühlt sich da wie neugeboren, tatsächlich.

      Nun hätte ich schon gerne gewusst, ob atheistische Menschen irgendeine Beschreibung, oder Erlebnisberichte oder sonst irgendetwas Wirkliches beisteuern können, worin genau diese Aufbauvorgänge bestehen.

      Du Jostein, stimmt das wirklich was du über die Sexualität geschrieben hast, oder ist damit nicht auch allgemein die Lebensenergie gemeint?

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    2. Anderswo im Netz habe ich auch von der Erdenenergie, wie sie in den Jahreszeiten zu finden sind, gelesen. Es heisst in der ersten Jahreshälfte atmet die Erde ein, also bis Johanni, und danach atmet sie aus bis Wintersonnenwende...
      Das würde also heissen dass wir heute dazu beitragen, welche Kräfte dieses Jahr zum Tragen kommen werden...

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  2. Ich habe noch nicht alles durch, Jostein, aber besonderen Dank für diesen Kulturen überschreitenden spirituellen Beitrag. Deine Beschreibung zur "Übergang in das Lebens" - aber sehr wohl vollkommen bewusst. :"Wenn ich durch Konzentrationsübungen z.B. verschiedene Ideen bearbeite – sagen wir Verwandlungen von geometrischen Formen oder dem Verhältnis reiner Begriffe zueinander – dann kann ich das Denken anwenden, sodass ich meinen sogenannten Ätherleib spüre. Wenn ich solche Meditationspraxis dorthin bringen kann, dass ich irgendwie ein «Ruck» wahrnehme, eine Art Verschiebung des Bewusstseins, dann kann ich vom Erleben der Arm- und Körperbewegungen weitergehen zum Anwesend-Sein im Willenselement des Denkens." Der "Ruck interessiert mich natürlich. Der Übergang wird durch so viele im seelisch- ätherischen Raum auftretenden Erlebnismöglichkeiten individuell erschlossen- durch aufspringende Quellen beispielsweise, die diesen inneren Leib erfüllen und sättigen. Man wird "genährt", wenn man im reinen Willen besteht, aber auch sich "flüssig" machen kann. Wenn man Glück und große Fragen hat, landet man vielleicht in einer Imagination, in die man nur eintreten kann. Die Imaginationen sind doch eher wie ein Bienenstock voller Bedeutungsebenen, eine weite Landschaft, die bei jedem Schritt, bei jeder Initiative und Hingabe Fragen erschließt. Das nur als erste Reaktion. Das ist schon genügend Material für ein paar Beiträge, Diskussionen und Erörterungen.

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  3. Über dieses Aufwachen mit einem inneren Ruck sagte Steiner 1923:
    Es ist schon so, daß dieses Erfassen eines Geistesweges dem modernen Menschen unerläßlich ist. Er braucht dieses Erfassen eines Geistesweges gerade gegenüber der toten Kultur, die in dem durchaus nicht herunterzusetzenden, sondern von der anderen Seite aufs höchste zu schätzenden Mechanismus unseres heutigen Lebens besteht. Aber es gehört, ich möchte sagen, ein innerer Ruck dazu, damit der moderne Mensch auf diesen Geistesweg komme. Und diesen inneren Ruck - ich habe es vor kurzem hier einmal ein wirkliches Aufwachen genannt - möchten viele nicht entwickeln. Und das macht eigentlich die moderne Gegnerschaft gegen die Anthroposophie aus, daß dieser Ruck nicht mitgemacht werden will in der Seele. Es hat etwas Unbequemes, diesen Ruck mitzumachen. Man wird gewissermaßen durch diesen Ruck in den Strudel des kosmischen Werdens hineingerissen. Man möchte ruhig bleiben mit seinen starren, scharf konturierten Begriffen, die nur auf das Tote gehen, das sich nicht wehrt im Erfassen der Welt, während das Lebendige, wenn man es mit den toten Begriffen erfassen will, sich wehrt, sich bewegt und aus den Begriffen herausschlüpft. Das ist dem modernen Menschen unbequem. Er fühlt das. Er kleidet es in allerlei andere Dinge, und er wird geradezu wild, wenn er hört, daß man von einer gewissen Seite aus ein ganz anderes Erfassen der Welt auf den verschiedensten Gebieten des Lebens will. GA 221, 136

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    1. Rudolf Steiner: "Aber es gehört, ich möchte sagen, ein innerer Ruck dazu, damit der moderne Mensch auf diesen Geistesweg komme. Und diesen inneren Ruck - ich habe es vor kurzem hier einmal ein wirkliches Aufwachen genannt - möchten viele nicht entwickeln."

      "2. Das Kreuz als Kultursymbol

      Das Kreuz nur als saekulares Sinnzeichen fuer die Gesamtheit der europaeischen Kultur in ihren unterschiedlichen positiven und negativen Auspragungen im Verlauf einer 2000-jaehrigen Geschichte verstehen zu wollen, ist ein absolutes Novum, eine Erfindung der unterschwellig oder offen machtbetonten Kreuzeskaempfer wider das ohnehin sehr
      religionsfreundliche BVerfG. Niemals bisher war das Kreuzsymbol oder gar das Kruzifix etwas anderes denn ein religioeses Symbol. So sehen das nicht nur die vom BVerfG genannten zwei kirchlichen Standardlexika, sondern auch etwa die Brockhaus Enzyklopaedie, das Woerterbuch des Christentums (1988), die Encyclopedia Britannica (1985), das Grand Dictionnaire Encyclopedique Larousse (1982), The Jewish Encyclopedia, New York 1965
      (Nachweise haupts. bei Rux, Der Staat 1996, 537 f.). Selbst das groeszte aktuelle deutschsprachige theologische Lexikon, die Theolog. Realenzyklopaedie (TRE), enthaelt auf ueber 65 Seiten zum Thema Kreuz keinen Hinweis auf das Kreuz als allgemeines Kultursymbol. Das Kreuz als bloszes Kultursymbol hat es nie gegeben; es ist eine speziell
      bayerisch-katholische Erfindung des Jahres 1995. Vom Kreuz ist niemals seine zentrale religioese Bedeutung abzuloesen. Nur so auch erklaeren sich die groszen Erregungen und Gefuehlsausbrueche eines breiten und rechtlich uninformiert gelassenen Publikums, bis hin zu den 50 Morddrohungen im Fall Seler, die bei einem rein saekular-kulturellen Symbolverstaendnis nicht vorstellbar waeren." Autor ist der ehemalige Verwaltungsrichter Czermak.

      https://groups.google.com/forum/#!topic/de.soc.politik.texte/N1Cnm5GeiEo

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    2. Fortsetzung:

      Finde zufällig heute obigen Text. Also die religiösen Traditionen kommen sehr durcheinander. Der "Ruck" von dem Rudolf Steiner spricht, ging 1995 auch durch die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft. Das "Vereinen" der verschiedenen traditionellen geistigen Strömungen kann letzten Endes nicht das vereinigen der Symbole bedeuten, wie gestern Abend vor dem Brandenburger Tor der von den Muslimen veranstalteten Demonstration zu sehen war, als solche Schilder von Menschen in die Höhe gereckt wurden. Das sinnentleerte der Symbole zeigt sich. Sind dann all die Charakterisierungen Steiners etwa zum Judentum, zum Islam, zur Katholischen Kirche unter den aktuellen Ereignissen neu zu bewerten. Dieser innere Ruck fehlt, die Menschheit bleibt an den äußeren Religionen stecken?! Steiner als Rassisten und Feind des Judentums zu beschreiben, wie es dieser Tage geschieht, ist letztlich die Angst vor der inneren Freiheit, welche im Sinne der Aufklärung durch Herrn Clement auch noch für Anthroposophen ansteht, die in vielfacher Hinsicht kein anderes Lebensverständnis aufzeigen, wie die in die "Gefangenschaft" geratenen Religionen. Steiners Worte waren prophetisch, der "Ruck" muß-t-e kommen, aber auch für die AAG..... .
      Die innere Freiheit ist das bewußte Überschreiten des Gefängisses als inneres und äußeres Symbol, der "Sauerstoff" ist das Erwachen des Geistes im Individuellen. Las gestern Ga 89. An diesem Text Steiners wurde bewußt, wie Christus nicht religiös verstanden werden kann, sondern das Urbild des Menschen selbst ist, unser eigenes "Ich-Bin". Die Religionsführer haben dieses innere kosmische Wissen verloren, deswegen war und ist der "Ruck" - das Aufwachen - notwendig. Für Mitleser bitte GA 89 lesen, viele Fragen und Antworten werden dann auch mit der SKA verständlicher, auch der Aspekt, da Herr Clement von "Religion" schreibt in Hinblick auf "Anthroposophie". Sie hat sich -leider- als solche entwickelt und wird von den kleinen und großen "Führern" der AAG so behandelt. Die SKA als Wissenschaft kann den überbordenden religiösen Charakter innerhalb der AAG auflösen, die doch irgendwie verderblich-religiöse Sehnsucht nach den Erzengel Michael, der ominösen Michaelsschule..... .

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    3. Das Kreuz hat 1907 bei Steiner eine absteigende und eine aufsteigende Bedeutung:

      Plato sagt, indem er zusammenfaßt, was in Pflanze, Tier und Mensch lebt: Die Weltenseele ist am Kreuze des Weltenleibes gekreuzigt. - Die Weltenseele, die durch Pflanze, Tier und Mensch geht, ist am Weltenleibe gekreuzigt. So ist immer von der Geisteswissenschaft das Kreuz erklärt worden. GA 56, S.203

      Und hier kommen wir zu jener tiefen Bedeutung, die das Kreuz hat und die bewirkte, daß es als Symbol jene grundsätzliche und tatsächliche Bedeutung im Christentum gefunden hat. Was ist das Kreuz? Drei Reiche sind es, zu denen die Menschennatur hinaufstrebt: das Pflanzenreich, das Tierreich und das Menschenreich. Heute ist der Mensch im Mineralreich verwirklicht …GA 93, S.162

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    4. Danke für den Hinweis auf GA 93.

      Finde gleich am Anfang dies:

      »Wir wollen eine Kultur begründen , die den Erdball umspannt, ohne Unterschied von Rasse, Geschlecht, Beruf und Bekenntnis.«

      Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposphie, am 1.2.1906

      Finde erstmals diesen Gedanken von Steiner. Viele Streitfragen, wie die Rassismusdebatte usw. sind dadurch überflüssig, letztlich von den Wissenschaften der Gegenwart nur der Versuch, Rudolf Steiner auf das geistige Niveau der Gegenwart zurechtzubiegen. Dies geschieht auch da, wo versucht wird Steiner zu unterstellen, er habe andere Menschen herabgesetzt (Philosophen) um sich selbst zu erhöhen.

      Steiner wurde nicht verstanden, weder von den MitgliederInnen der AAG, noch von seiner Ehefrau Marie Steiner.

      Wir haben hier zusammengearbeitet, sogar im Streit.... .

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    5. Auch die religiösen Streitfragen (sowohl der Streit zwischen unterschiedlichen Religionen als auch die vermeintlich unüberwindliche Kluft zwischen Wissenschaft und Religion) könnten, wenn man Rudolf Steiner folgt, überflüssig werden:

      »Der letzte Teil der Meditation ist dann das Erzeugen der devotionellen Stimmung in sich gegenüber dem, was Einem das Höchste, das Göttliche ist. Da kommt nicht diese oder jene Vorstellung vom Göttlichen in Betracht, sondern diejenige, welche uns – nach unserer Subjektivität – wirklich intim ist. Dem Christen kann es Christus, dem Hindu der „Meister“, dem Mohammedaner „Mohammed“ sein, ja es kann sich ein moderner Wissenschafter in die „göttliche Natur“ devotionell versenken. Es kommt auf das devotionelle Gefühl an, nicht auf die Vorstellung, die man sich vom Göttlichen macht.« (Rudolf Steiner an Horst von Henning in Weimar 12. August 1904, zitiert nach SKA 7, S 176)

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    6. Verzeihung, Fehler in der Quellenangabe, richtig muß es heißen:
      zitiert nach SKA 7, S 376.

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    7. Liebe Ingrid,

      hatte zufällig kurz vor Deinen Hinweis im Internet diese Information gelesen:

      "Samstag, 3. Januar 2015
      Erzbischof Gänswein warnt vor Islamisierung Europas

      Vatikan/Innsbruck (kathnews). Der Privatsekretär des Papstes mahnt den Kontinent, die Gefahren, die von einer Ausbreitung des Islam ausgingen, nicht zu unterschätzen. Auch Marlon Possard von kathnews warnt vor einem „Kultur- und Religionskrieg“, der bereits im Gange sei.

      Schleichende Islamisierung Europas

      Der Privatsekretär von Papst em. Benedikt XVI. hat vor einer drohenden Islamisierung Europas gewarnt. „Die Islamisierungsversuche im Westen sind nicht wegzureden”, sagte S.E. Erzbischof Dr. Georg Gänswein. „Die damit verbundene Gefahr für die Identität Europas darf nicht aus falsch verstandener Rücksicht ignoriert werden.”"

      http://herz-jesu-bulletin.blogspot.de/2015/01/erzbischof-ganswein-warnt-vor.html

      Deine Worte von Steiner setzen einen individuellen Ansatz, also einen wesentlichen Aspekt voraus, danach ist es erst egal, zu was der Mensch betet, denn es kommt auf die devotionale Haltung an. Die Religionen sind -leider- kollektiv in einer Sackgasse, deshalb kann "Wissenschaft" ein Lösungsweg sein, Wissenschaft, welche das Geistige im Menschen verstehbar macht, wie das "Selbstbewußtsein" im Nachtbereich.
      Sah gestern ein Video von Franziskus in Sri Lanka, die Begegnung der Religionen. Wie da die östlichen Religionsführer in ihren Sitzen saßen, atmete die gesamte "Vorstellung" die Dekadenz des Religiösen. All die aufgereihten Symbole auf der Bühne, sie vermögen nicht, die Welt friedlich zu vereinen..... .

      https://www.youtube.com/watch?v=21A6-BZuKEQ

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    8. Die heutige Islam sei nach Steiner (1924) nicht arabisch, sondern mongolisch-türkisch geprägt und daher ungeheuer geistig, aber kunst- und wissenschaftsfeindlich, im Gegensatz zum ursprünglichen Mohammedanismus.

      Aber dann kamen aus den weiten Gegenden Asiens herüber andere Völkerschaften, deren Nachkommen heute die Türken sind. Mongolische, tatarische Völkerschaften kamen. Die wirkten in Kriegen gegen die arabischen Leute. Und das Eigentümliche dieser mongolischen Bevölkerung, deren Nachkommen dann die Türken sind, ist das, daß diese eigentlich gar keine Natur gehabt haben. Die haben dasjenige gehabt, was der Mensch in ältesten Zeiten hatte: keinen Blick für die Natur, den die Griechen dann so stark haben. Das haben sie sich bewahrt. Die Türken brachten sich aus ihren ursprünglichen Wohnsitzen keinen Sinn für die Natur mit, aber einen ungeheuren Sinn für einen geistigen Gott, für einen Gott, den man nur in Gedanken fassen kann, den man gar nirgends anschauen kann. Und diese besondere Art, den Gott anzuschauen, die ging jetzt auf den Islam, auf den Mohammedanismus über. Die Türken nahmen die mohammedanische Religion von den Besiegten an, aber sie veränderten sie nach ihrer Gesinnung. Und während die mohammedanische Religion eigentlich viel von der alten Zeit, von Kunst und Wissenschaft, angenommen hat, schmissen die Türken eigentlich alles hinaus, was Kunst und Wissenschaft war, und wurden eigentlich kunst- und wissenschaftsfeind. Und sie waren der Schrecken der westlichen Bevölkerung, für alle diejenigen, die das Christentum angenommen hatten. GA 353,S.109

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    9. Klingt ganz so, wie mit den heutigen, geistentleerten christlichen Großreligionen, die gar keine positive Botschaft, oder Verbindung mit Lebensbereichen wie Beruf, Familie, Kunst, Musik, Philosophie u.A. mehr bereiten wie es sich für eine richtige Religion gehört.

      Da meine Familienmitglieder überwiegend einigermassen praktizierende Katholiken, wenige wohl praktizierende Evangelische (Theologiestudium), aus ihren Kirchen ausgetretene Evangelische, Muslime sowie 1 Anthroposophin (Ich) sind, und die Verbindung ja fehlt, dank der heutigen Kräfte, gibt es an sich keine Möglichkeit, sein Weltbild zum Ausdruck zu bringen.

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    10. Die drei Arten von Christentum (östlich-orthodox, römisch-katholisch und evangelisch, GA 353) sind bei Steiner auch verbunden mit seinen drei Erziehungsprinzipien (Nachahmung, Autorität und eigenes Urteil):

      So ist eigentlich, während das Christentum ursprünglich die eine Gottheit in drei Gestalten hat, das Christentum auseinandergefallen in drei Bekenntnisse. Jedes Bekenntnis hat ein Stück, ein richtiges Stück vom Christentum. Durch eine bloße Vereinigung der drei Stücke wird es aber nicht gehen, daß man das ursprüngliche Christentum wiederfindet. Man muß es aus der richtigen Menschenkraft selber heraus wiederfinden, wie wir schon angefangen haben zu zeigen in der Darstellung, die ich neulich gegeben habe. GA 353, S.113

      Und jetzt wächst der Mensch heraus aus dem Prinzip der Autorität. Er wächst hinein in das Prinzip, welches nach der Geschlechtsreife im Menschen sich andeutet, allerdings in persönlich-individueller Weise, anders als in bezug auf die ganze Menschheitsentwickelung. Heute lebt der Mensch einer Zeit entgegen, wo es notwendig wird, in ihm auszubilden dasjenige, was nicht von selbst ausgebildet werden kann. GA 200 (Die neue Geistigkeit), S.116

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    11. @Ton Majoor, i.d.R.:

      Herzlichen Dank für diesen Hinweis:
      „Und jetzt wächst der Mensch heraus aus dem Prinzip der Autorität. Er wächst hinein in das Prinzip, welches nach der Geschlechtsreife im Menschen sich andeutet,“

      Jetzt wird das Zusammenwirken der Katholischen Kirche mit Symbol und Geschlechtsreife noch verständlicher. Die Kinder soll-t-en an die Autorität gekettet werden. Das Evangelische kennt nicht mehr diese vordergründige Corpus-Verehrung, sie hat mehr das einfache Symbol.
      Welche Probleme die Katholische Kirche hat, zeigt dieser heutige Beitrag des Passauer Bischofs:
      „…..Gleichwohl erleben wir – das wissen Sie alle - unsere Kirche in Deutschland zur Zeit in einer Krise, die aus meiner Sicht sehr tiefgreifend ist. Und wir erleben die Symptome dieser Krise auch hier im Dekanat Regen. Wir erleben nicht erst jetzt, sondern im Grunde seit Jahrzehnten eine Art schleichenden Glaubensverlust, eine Art schleichende Entfremdung "von unseren religiösen Überzeugungen…..“

      http://kath.net/news/49070

      Ihre Gegenüberstellung der verschiedenen christlichen Strömungen mit „(Nachahmung, Autorität und eigenes Urteil)“ ist interessant, da wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, wie in evangelischen Gebieten Wirtschaftsunternehmen erfolgreicher sind, durch individuelle Eigeninitiative. Dieser Impuls führte wohl auch von den evangelischen Priestern zur Christengemeinde als Weiterentwicklung.
      Immerhin hat nun Papst Franziskus erstmals offiziell öffentlich anerkannt, „Männer“ können viele Fragen der Frauen gar nicht verstehen. So manche Beziehungsprobleme in Ehen hängen mit diesem Rätsel zusammen.

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    12. Und die orientalische (Vater)Religionen wirken mehr mit Vorbild, Kultus, Ritualien (vgl. Niyama bei Patanjali):

      Gerade dasjenige, was heute nur noch in der Nachahmung des Kindes lebt, das lebte in einer gewissen Weise durch den ganzen Menschen hindurch innerhalb der alten orientalischen Struktur. Diejenigen Menschen, die aus den Mysterien heraus wirkten, wirkten mit einer so starken Kraft, daß ihnen die anderen Menschen folgten, wie das Kind den Erwachsenen folgt, die in seiner Umgebung sind. (GA 200)

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    13. "orientalische (Vater)Religionen"

      Es wird möglicherweise für Prof. Clement interessant sein, Steiner erwähnt bezüglich der orientalischen Religionen die Figur des Dalai Lama und fügt hinzu, auch der Papst ist ein (überholtes) Vatermodell der orientalischen Religion. - Nach einem erfrischen Waldspaziergang taucht die Idee auf, auch die "Staatspräsidenten" sind letzten Endes die Vater-Figur des Volkes. Es kann also sein, neben den Religionen befinden sich auch Staatsgebild in einer Infragestellung, wie die Menschen von Oben nach Unten regiert werden (die Parteisoldaten sind ja meist gezwungen, nur Abzunicken, um bei der nächsten Wahl von der "Partei" wieder aufgestellt zu werden) Hier hat der frühere Vater-bundespräsident Weizsäcker vor der "Parteiendemokratur" gewarnt. Auch "Mutti" in Berlin ist eigentlich immer noch "Vater"..... .

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    14. Gibt einem ein gutes Gefühl, eine Familienstruktur zu sehen im Staatswesen oder der Natur, in den Wesen: so ist jeder und jede mit allem und alles miteinander verwandt.
      Aber ich kann mir vorstellen, der neuzeitliche Geist will lieber den selbstverantwortlichen Menschen in der Natur, und den Weltbürger usw

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    15. Im neuzeitlichen Christentum sei ein Papst sogar Stellvertreter/ Sohn und daher bartlos (Guten Hirten), im Gegensatz zum orthodoxen Patriarchen (Vater) und zu den weiblichen anglikanischen Bischöfen (Geist).

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    16. Kerstin S.:"Gibt einem ein gutes Gefühl, eine Familienstruktur zu sehen im Staatswesen oder der Natur"

      Diese Sehnsucht und Realisierung ist zu verstehen. Finde passend einen Beitrag vom Deutschlandfunk vom 1.1.2008 in welchem auch auf die Religionen, die vielen Götter eingegangen wird, warum sogar "Zeus" ein Problem hat und wie mit einer Verordnung des Bayerischen Staates "die Ordnung" wieder hergestellt werden soll.

      Die Geisteswissenschaft Steiners ist genauso elendig, verwirrend, bis das Individuum selbst sein Bewußtsein erweitert, das ist die ganze Kunst. Es ist ein ganz anderes "Gefühl", als die Familienstruktur oder das Staatswesen. Damit soll dies nicht verachtet werden. Aber vielleicht zerbrechen die gegenwärtigen Strukturen, weil "Staat" und "Familie" nicht mehr ausreichen, ausreichen dürfen.

      Hier der Titel der Sendung mit link
      "Psychische Verelendung"

      http://www.deutschlandfunk.de/psychische-verelendung.1184.de.html?dram:article_id=185246

      Ausgehend von "Depression", der Hinweis von Prof. Clement hierzu, wäre eben "Aufklärung" die Fortsetzung der Bemühungen der Philosophen, dem Impuls von Rudolf Steiner, der hinzukommt, das Mittel um über dem Erleben der inneren Ordnung, die zerbrechende äußere Ordnung (Staat und Familie) neu zu gründen.. ...eine spannende Zeit. Es bleibt fraglich, ob die "alten" Religionen, wie interessant sie auch sind, gegenwärtig noch helfen?! (s. Dalai Lama: "eine Ethik ohne Religion").

      Zitat aus dem Beitrag:

      "Die Säkularisierung unserer Gesellschaft ist Quell einer Bereicherung und einer Verunsicherung zugleich. Es gibt viele Götter, viele Werte, viele Bedeutungen, nichts hat den Status der Verbindlichkeit. Rührend nehmen sich da die Versuche einiger konservativer Politiker hierzulande aus, per Verordnung, etwa durch Kruzifixe im Klassenzimmer, diese Ordnung wieder herstellen zu wollen. Das Individuum in unserer Gesellschaft steht vor der Last der Wahl: es muss sich für Werte und Bedeutungen entscheiden in einer Welt, in der kaum noch Verbindlichkeiten existieren."

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  4. Zum Glueck haben wir etwas wie ein SKA als Beruhigungsmittel. :)

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  5. Ich bedanke mich sehr herzlich für alle bisherigen Kommentare zu diesem umfassenden Thema, das viele Ausweitungen und Vertiefungen ermöglicht!
    Auf Kerstins Frage zur Sexualität weiter oben möchte ich zunächst einen Hinweis zu einem anderen Text von mir geben, worin einige Anhaltspunkte und Klärungen zu dieser Fragestellung geben sind:
    http://gamamila.blogspot.de/2013/08/sexualitat-und-geistige-schulung.html

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    1. Danke, habe ich gelesen! Sehr empfehlenswerter Beitrag, auch im Vergleich zu einer früheren Satire vom Egoblog

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  6. Tagesmenschen und Nachtmenschen gibt es bei Steiner 1923 als den sichtbaren Menschen und den unsichtbaren Menschen in der Schwangere (in GA 221). Schon Aristoteles beschreibt in Über die Seele II.1 (eoMCAAAAQAAJ S.57) die wachende, 2. Wirklichkeit (Entelechie) und die schlafende, 1. Wirklichkeit (Entelechie) der Seele.

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