Fast- Food- Okkultismus

Michael Eggert:

Die Vorstellungen, die Menschen sich von „spirituellen“ Vorgängen machen, sind eine Sache- sie zu verwechseln mit selbständiger Erkenntnis, eine andere. Ich habe als Beispiel einen Künstler vor Augen, der sich bemüht, ihm „geistig“ Erscheinendes malend zu visualisieren. Das „Herzdenken“ wird dann zu einem Strudel aus gelbem Licht in Höhe der oberen Körpermitte, das irgendwie ausstrahlt, zusätzlich vage verbunden mit einem gelben Fleck dort, wo man das Gehirn vermutet. Die Bilder stammen aus dem universellen Visualisierungsfeld bei Castaneda- Büchern, New- Agern, Anthroposophen und Integralen- es ist in zahllosen Pop- Songs verwurstet worden, in Kunst ironisiert- eine Ikone des schlechten universellen Geschmacks- so wenig fundamental wie der von Coca- Cola erfundene Weihnachtsmann.

Wenn Steiner oder Guru Hastdunichtgesehen von „höherer Erkenntnis“ sprechen, dann entsteht die Vorstellung, die Erkenntnis käme tatsächlich von oben - es gäbe dabei etwas Unteres und etwas Höheres. Das sind Vorstellungen, die im Jung´schen Sinne archetypisch geworden sind- Ikonen und Vorstellungen aus dem Bildschatz der Menschheit seit den Zeiten der Manichäer. Sie haben Aussagewert im Sinne eines Hinweises, aber der Meditierende ist gut beraten, diese Bilder nicht wörtlich zu nehmen. Jesus ist ja auch nicht wirklich auf dem Wasser gelaufen- das Bild verweist auf eine Ebene der Wirklichkeit, die nicht sprachlich oder bildlich zu fassen ist.

Seit jeher werden geistige Erfahrungen - Imaginationen - bildhaft dargestellt. Die Versprachlichung an sich macht es nötig, die Erkenntnis auf eine irdisch- bildliche Ebene herunter zu brechen. Vielfach sind verwendete Bilder als solche in unserer Kultur auch kaum mehr erkennbar- nehmen wir die Hut- Formen oder die Bart- Trachten auf babylonischen Stelen oder in traditionellen Darstellungen von Buddhas. Erst die Realisation in meditativer Arbeit macht den bildhaften Charakter solcher Darstellungen wieder erkennbar. Dies gilt auch für echte, sprechende Marien- Darstellungen.

Symbolische Bilder in dieser Art können auch verbraucht, verbrannt und korrumpiert sein- nehmen wir als Beispiel die Grals- Vorstellungen, die für viele Menschen einfach durch Missbrauch durch Okkultisten und Nationalsozialisten schlicht nicht mehr zu ertragen sind. Die verbrauchten Vorstellungen werden - ohne jeden Aussagewert- aber dennoch immer weiter gesponnen- sie erhalten nicht selten einen suggestiven, sensationellen Anstrich; etwa, wenn wieder einmal ein Fund eines Objekts in einem abgelegenen Kirchlein ausgesponnen wird- oder wenn anthroposophische Gurus daraus ganze Legenden- Folgen als "innerlich Geschautes" ausgeben und die heiße Luft dann in vielen Büchern und Vorträgen präsentieren.

Der Pseudo- Okkultismus besteht im Nachbeten und stetigen Ausspinnen der Bilder, die schon lange nichts mehr anrühren als das nackte Sensationsbedürfnis. Er ist ein naher Verwandter von Geschwätz und Gerücht. In Zeiten des Internet und im Hochkochen eines Neo- Guruismus, ja der allgemeinen McDonaldisierung des Okkulten und Religiösen ist die Bildsprache tatsächlich zum Opium für das Volk geworden. Das Internet hat es ermöglicht, dass in dieser Hinsicht nichts mehr peinlich und nichts mehr nicht verbreitet ist. Heute präsentieren sich ja allerorten Weisheitslehrer, deren dümmliche Selbstsuggestion spontanes Fremdschämen beim Betrachter auslöst, das ihnen selbst nicht nur fremd ist- sie sammeln mit ihrem Second- Hand- Okkultismus hunderte, tausende Likes, Lesergemeinden und willige Schüler, die ihnen im besten Fall lediglich ihr pekuniäres Vermögen und ihren Verstand überlassen. Die Fast- Food- Generation geht ihren Weg und verseucht durch geschwätzige Bildermassen das Feld, das sie zu bereichern vorgibt.

Kommentare

  1. Wie sich das liest. http://sustainedaction.org/German_pages/Sonntagsession%2027.%20April%201997%20mit%20Castaneda.htm

    Nun, ich ...habe das Gefühl, daß Chandra Mohan Jain ("Baghwan") und Castanaeda in ihren Anfängen wirklich inspirierte und inspirierende Menschen waren. Die an einem hochkompliziert werdenden Scheideweg zwischen einer ganz neuen Zivilcourage und einer Suche nach gesellschaftlicher Integrität... irgendwann einen Kredit ("Vertrauens -Forderung") nach dem andern aufgenommen haben, in der Hoffnung, alles werde sich .. im Status Quo .. von selbst wieder richten, einrenken.. Manchmal geht das ein Stück weit,, wenn der Mensch, der zuvor so geleuchtet hat, eine Art Offenbarungs-Erklärung abgibt. Ähnlich, wie ein Politiker, der alle Ämter niederlegt.
    Gesundheitliche Einbrüche, etwa Richard Alperts (Ram Dass, zuvor Timothy Learies Projekt-Kollege) Schlaganfall haben sogar da etwas traurig ausnüchterndes: Ram Dass empfand ich stets als "ehrliche Haut".. und eigentlich auch bißchen Spießer, der sich reichlich Lametta leisten konnte, der jedoch gerne gelebt, und engagiert auch gerne geliebt hat, und versuchte, nicht nur sich zu lieben.. Castaneda habe ich 1988 aus den Augen verloren, und tatsächlich für möglich gehalten, daß er etwas können könnte, was nicht jeder sterbliche hinkriegt. Wird mancher sagen: Da, alles vom Geheimdienst gestreute böse Verdäumlungen... nur, wer alt wurde, und - man verzeihe mir - wenn ich mal "den Abgeklärten" gebe.. wer älter wurde, und selber sah.. wie manchem der Lack abgeht, und sonst keine bescheidene Offenbarungs-"Eide" zum Vorschein kommen, keineBitte um Vergebung, oder Trauer ... sondern nur endgültige Verbitterung.. da glaubt man es, und "hört es" auch im inneren Ohr.. wie Castaneda über Tabletten und Onanie herumrelativiert, wie ein trunkener Kurzsichtiger in einem Heim ..der seine auffne Gleitsicht-Brille sucht ... und schimft...
    m.butty

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    1. Lieber Mischa, ich bin erst vor ein paar Jahren auf die späten Castaneda- Bücher gestossen. Sie haben dann tatsächlich noch eine andere Note- nicht das Schillernde, Faszinierende, sondern finsterer und finsterer. Was man dann bei Ellis (Amy Wallace) nach lesen kann, ist dann aber lediglich erbärmlich. Die Diskrepanz zwischen dem auf ein Millionen- Publikum wirkenden Faszinosum und dieser tatsächlich schlicht gestrickten Person Castaneda ist enorm. Aber das ist wohl die Norm bei solchen Leuten. Es ist nicht nur eine Illusion, die von ihnen ausgeht, sie bezahlen auch dafür. Es wirkt zersetzend. Man muss wirklich Erbarmen haben.

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    2. Ja, die späten Bücher waren es, - erinnere mich - die mich abgestoßen haben, und mich zum ersten Mal überhaupt an Castaneda zweifeln ließen. Mir gefiel nämlich, wie er in den ersten Bänden Lebensweisheiten in einer melancholischen Weise vorbrachte: Dazu die ganzen magischen Hintergründe und Umstände einer eher menschen-abweisenden Anderswelt, die ja eine feindliche Geistige Welt zu sein schien, in der es galt "den eigenen Raum und das innere Gleichgewicht" zu halten. Eine extreme "Geworfenheit" nicht nur in die Welt des grauen Alltags, nein, auch noch eine vollkommen trostfreie Anderswelt galt es zu bestehn.

      Die heroische Ent-Sentimentalisierung, die von allen Schlüsselfiguren (Lehrlingen und Lehrern, man unterrichtet sich oft gegenseitig nach komplexen Systemen zwischen Traum und realer Welt, in der man den Heiler und Schamanen gibt!) in Castanedas Romanen immer gleich zu Beginn abverlangt wird! Hemmingways Kriegshelden, wenn sie am Fachmann trinken und in Waffen nachts da im Dreck liegen, haben das nämlich auch, kippt! - stilistisch raffiniert in eine totale (Alpha-) Wehmut, in eine Feier....Pathos Machismo (auch die Senoras); hrm, Erhöhender Weltschmerz und prachtvolles Selbstmitleid legitimiert durch Perfektionismus der Helden und der Heldinnen lehrt den Leser ein schwer verwirklichbares Ideal von "Coolness". Die Anderswelt Castanedas enthält keine Ungeheuer, sondern kaum kommunizierbare, anonyme Wesen und fühllose Prozesse und Energiebänder, abweisende Lichterscheinungen, saugende schweigende Abgründe.

      Als jedoch immer wieder ein neues Buch erschien, und noch eines, fragte jeder vernünftige Castaneda-Fan nach und nach, was denn nun los sei: Ob man die Psychose riskieren solle, um "Spezialist" zu werden. Wenn die Clans der Zauberer sich so zu spezialiseren hatten, wozu ihnen noch folgen. Oder waren es doch alles pure Phantasiegeschichten, die jetzt allmählich in Serie gingen, vom Effekt des Pathos Machismo in der düsteren Atmosphäre menschenfeindlicher Zwischenreiche profitierend. "Muß man sich sowas antun und Zauberer werden?" fragte es sich von selbst.
      Und bald witterte mancher auch..

      Als nämlich dann bekannte Schamanen ein Castaneda-"Light" Programm zu lehren anfingen, welches mit einer bürgerlichen Existenz vereinbar war, und letztendlich nur das übliche sich herausschälte: Unkonventionelle Treffen, mit exakt derselben Funktion, die früher - seit Jahrhunderten kleine und größere z.B. Wallfahrten zum hl. Bruder Konrad hatten. Der Jakobsweg ..hat viele Namen erhalten, in der Zeit seines "Booms" .. Alles sehr ernüchternd. Im Zweifel.. lieber eine weite Wanderung mit eigenem Ziel, oder einige Tage in einem feinen "seriösen" Ashram, um Stille und Rhythmus in Distanz zu sich selbst zu üben.
      m.butty

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  2. Wie sich das damals anfühlte, und bewertet wurde, kann man hier nachlesen:
    http://schuledesrades.org/palme/books/denkstil/?Q=1/1/3/155
    Manches schien mir damals schon überkandiddelt. Akademische New-Age-Kreise, man feierte da zu viel: Die, die sich ganz selbstverständlich dazugehörten, man verlangte zu viel von denen, denen hätte klar sein müssen, von allem Anfang an: Du kannst da Kartoffelschälen und Ställe ausmisten, wirklich mitfeiern wirst du da nie. Das Wort "Exklusivität" kannte ich damals inhaltlich nur von außen. Was das Wort heißt, hatte sich mir noch nicht ganz erschlossen. "Ganzheitlich" kann auch heißen: Von allen Himmelsrichtungen und Raumesrichtugen ..unzugänglich. Weil exklusiv allwissend...
    Ich glaube, was mich - ganz persönlich - "rettete", das war der Hans Jakob Cristoffel von Grimmelshausen; dessen Figur Simplex Simplicissimus gelingt es nie, ewig Quer-Einsteiger, in irgendeiner Bühnenszene des Welt-Theaters - nahtlos identifikativ und endgültig - Fuß zu fassen. In jedem Kapitel am Ende verwundertes Kopfschütteln des Erzählers, manchmal auch Lachen und aufrichtiges Bedauern, ja, Mitgefühl eines lebenslangen "Narren" ...
    m.butty

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    1. ..was ist mir denn da wieder passiert? Es sollte heißen:
      Die, die ganz selbstverständlich dazugehörten (meist durch finanzielle Hintergründe und Netzwerke, feierten sich.

      Und man verlangte zu viel von denjenigen, denen hätte klar sein müssen, von allem Anfang an: Hier bleibst du ewig Küchenjunge, der zwischen Lob und Demut "was lernen" muß.

      Doch die Helden der Szene teilen irgendwie das Schicksal von Hollywood-Steil-Karrieristen.
      "Dekadenz" wäre nur ein moralistischer Vorwurf, der nicht das ganze falsche Konzept dahinter sieht.
      m.butty

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    2. "Der Mensch ist erst wahrhaft Mensch, wo er spielt"

      In den Arkana des Tarot ist und hat "Der Narr" die Ziffer Null.
      Darin liegt wohl ein Hinweis auf die Eigenschaften "Leere" und "Selbstvergessenheit", ... womöglich sogar "Risiko" !

      Im Spiel lernt der Mensch in voller Hingabe und Aufmerksamkeit. Er muß sich darauf auch einlassen.

      Die Figur des Simplex Simplicissimus im Roman von Grimmelshausen ist ein "Narr": Auch ein Spielball seines Schicksals, er nutzt seine Chancen. Leichtfertig nennt man dieses Roman "Schelmenroman", doch Ausnahmezustände erfordern auch unkonventionelle Lösungen, die ein moralistisches Korsett nie fassen kann. Es würde öfter den Tod des "Schelmen" bedeuten, der ohnehin genug gebeutelt wird.

      Der Narr übertritt jedoch auch als Schelm nie das Prinzip seiner Grundehrlichkeit. Er möchte nie mehr, als das Geschick ihm zugesteht. Und war wohl stets genug "bei sich selbst" und aufmerksam genug, um sich an einer Lebenswende im Alter an ein Lebensresumee zu wagen.

      Der Spieler, der Trickster, der Gambler.. ist auch eine Null, ein Narr. Doch von allem Anfang an ist er so veranlagt, daß es ihm immer weniger nahegeht, anderen wehzutun, und seine Aufmerksamkeit schielt stets nach "mehr" und nach starken Triumph-Gefühlen... vermute ich. Es gibt etliche Spieler in der Welt, und im Bereich der menschlichen Beziehungen ist der Begriff "Borderliner" ein Mode-(Schimpf)-Wort. Wie fein und philosophisch klingt "Grenzgänger", wie übel die Verletzungen, die "der Borderliner" immer wieder einfordert, oder beide sind ...

      (Die Seite "Schule des Rades" ist spannend, wenn man bedenkt, daß die dortigen Texte und Ursprünge in die frühen 80er Jahre hinunterreichen, eine Zeit der Euphorie für viele politisch vorerst Enntäuschte. Mit den dort präsentierten Texten kann man ja "reden"!)

      m.butty

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    3. http://members.chello.at/reni/castaneda/weg%20mit%20herz.htm
      Dieses Zitat stammt wohl aus dem vierten Band, der vieles mit Khalil Gibran gemeinsam hat, nur eben auf "Mexiko" ... Ich mochte das, mag es teils noch heute als eine Art Orientierung in schwieriger Lebenslage, wo reine Nüchternheit allein nichts gibt.
      Na klar, Schlager, Kitsch und Kleine Prinzen... :-))
      m.butty

      "Jedes Ding ist eins von Millionen Wegen. Darum musst du immer daran denken, dass ein Weg nur ein Weg ist.
      Wenn du fühlst, dass du ihn nicht gehen willst, musst du ihm unter gar keinen Umständen folgen.
      Um soviel Klarheit zu haben, musst du ein diszipliniertes Leben führen. Nur dann wirst du wissen, dass ein Weg nur ein Weg ist,

      und dann ist es für dich oder für andere keine Schande, ihm nicht zu folgen, wenn es dein Herz dir sagt.

      Aber deine Entscheidung, auf dem Weg zu bleiben, oder ihn zu verlassen, muss frei von Furcht oder Ehrgeiz sein.
      Ich warne dich. Sieh dir den Weg genau und aufmerksam an. Versuche ihn, sooft es dir notwendig erscheint.
      Dann stell dir, und nur Dir selbst, eine Frage. Diese Frage ist eine, die sich nur alte Männer stellen:
      Ist dieser Weg ein Weg mit Herz?
      Alle Wege sind gleich: sie führen nirgendwo hin.
      Ist es ein Weg mit Herz?
      Wenn er es ist, ist der Weg gut; wenn er es nicht ist, ist er nutzlos.
      Beide Wege führen nirgendwo hin, aber einer ist der des Herzens, und der andere ist es nicht.
      Auf einem ist die Reise voller Freude,
      und solange du ihm folgst, bist du eins mit ihm.
      Der andere wird dich dein Leben verfluchen lassen."

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    4. Lieber Mischa (nehme ich an), ja. Folge dem Weg des Herzens. Spiele das Spiel des flexiblen Narren. Aber wenn man nach dem Stern greift, begegnet man der Situation an der Schwelle, wo die Luft dünn wird. Es ist möglich, dass man feststellen muss. Den Weg des Herzens hat man ergriffen, weil man die Wunde in sich selbst verdecken musste. Den Narren hat man gespielt, weil man am Abgrund getanzt hat, solange es ging. Jetzt steht alles offen, die Wunde steht vor Augen, und man muss erkennen, dass die großen Lebenslinien in dem Kontext dessen, was gegeben war, authentisch waren, aber im Grunde doch nur ein Loch verdecken mussten, das dich nun angähnt. Der Augenblick der vollkommenen Illusions- Losigkeit ist das, wovor du dein Leben lang fortgelaufen bist. Nun hat es dich eingeholt. Du beugst den Kopf und kannst nur noch Schritt für Schritt setzen. Du hast dem Nichts ins Auge gesehen. Du kannst dich auf kein Konzept mehr lehnen. Du musst lernen, aus dem Nichts zu leben. Das ist der Preis, den der Rabe zahlt.

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    5. Ja,.. die Wunde, - und die Illussionen zerplatzen. Fortlaufen und womöglich einen gemütlichen Halb-Marathon herantrainieren, das Genießen einer "Alpha-Rolle" durch einen perfekten Hormonhaushalt und viel Sauerstoff in allen Blutbahnen, scheee woas! Ram Dass, und seine leuchtenden Augen, und dann
      https://www.youtube.com/watch?v=s_5ujaDxc2A
      ... der Schlaganfall.
      https://www.youtube.com/watch?v=2K6lD6EeGBU

      Ich möchte Castanedas Absturz nicht beschönigen, noch meine Faszination früher für seine Art als etwas mehr als Sehnsucht - ein Supermann (mit Herz) - werden zu können ansehn. Man möchte "schön" sein... und schön sein.. und sich selber mögen...für das Geben und Nehmen im Spiel des Lebens.. Oft sind viele schönen Dinge aber Illussionen selbst, oder stiften dazu an... vor der Wunde fortzulaufen.. die ja nur die eigene sein kann.

      Denn andere Wunden trösten, stillen... ist ja öfter auch ein Spiel mit Versuchung, Eitelkeit, erhöhte Selbstwerts-Flüge im Spaceshuttle von oben alles so klein...

      So wird man manchmall still. Oder herausgeworfen (Unfälle, Hörstürze, Schlaganfälle, Oberschenkelhals-Frakturen, "mysteriöse" Trennung und Entfremdungen im Zwischenmenschlichen) .. dann wird der Alpha-Flow unterbrochen. Nichts mehr mit "Glückes Schmied"! Man hat keine erlebte, nachvollziehbare "Schuld" auf sich geladen, wird aber aus der Selbstverantwortung unangenehm herausgeworfen, und kann nur noch bis zur nächsten Ecke sehn..

      Auch das muß man immer wieder lernen... in den Schatten zu gehn, und im Schatten zu stehn. Unauffällig zu werden, ..vergessen zu werden ... nach und nach. Auch.
      Ganz mit sich und "dem Loch".. alleine .. welches sich erst nach Tagen und Wochen als eine Weite und eine große Stille ..zeigen mag ? ..

      LG mischa butty (m.butty)

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    6. "Jedes Ding ist eins von Millionen Wegen. Darum musst du immer daran denken, dass ein Weg nur ein Weg ist." Dieses - erstmal - alles über einen Kamm realitivieren, im obigen Castaneda-Zitat auch, ist .. meiner Erfahrung nach - bis heute - so typisch "Nju Äitsch"..
      Das im Prinzip eh alles sch..egal sei, darf nie fehlen da.. Es würde jetzt zu weit führen, warum, aber ich mag das nicht mehr so sehr.

      Vielleicht, Michael, ist Deine obige Antwort viel tiefer noch, als mein (mich .. den Leser) Fragen, was darauf folgte... Danke aber.
      mischa butty

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    7. Lieber Mischa, ich stimme Dir ganz zu. Früher oder später wird man "heraus geworfen" aus der Selbstgewissheit. Mit der Wunde konfrontiert, ohne Schuldzuweisung- noch nicht einmal mit Erklärung. Was man auch erlebt haben mag, es sitzt im Gewebe, in den Zellen und Knochen- man hat das mitgebracht. Und aus der inneren Distanz heraus sieht man, dass man so vieles vermehrt hat, statt es auszugleichen oder besser zu machen. Das ist die Situation, in der man nackt vor dem Nadelöhr sitzt- oder vor "der geistigen Welt". Man möchte niemanden mehr belehren, schweigen, sich zurück nehmen. Aber es ist auch eine Stärke, *hier* zu bestehen- ohne Sentimentalität, im "kühlen Wind" der rationalen Spiritualität.

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    8. ..alsdann! :-/ ... / .... :-)
      m.butty

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    9. "Aber wenn man nach dem Stern greift, begegnet man der Situation an der Schwelle, wo die Luft dünn wird. Es ist möglich, dass man feststellen muss. Den Weg des Herzens hat man ergriffen..." Und so weiter.

      Der tiefe Wunsch spiritueller Lehrer sein zu wollen. Kenne ich, geht vorbei.

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    10. Meine Affinität zu Widerworten ist mir geblieben, noch ist sie da! :-)
      Also: In der zarten und tüchtigen, idealistischen Jugend reift bei manchem der unverklärte Herzenswunsch heran, immer zwischen den Zeilen das Ungesagte mithören zu können, lernen, spüren zu wollen, warum es geht!

      Später, durch Verführungen, Genüsse und Weigerungshaltungen von Welt und Vorgesetzten nach und nach verdorben ... und vergeßlich geworden,...

      Wird der Mensch gern schwerhörig in der Seel, und spricht, ans Laute gewöhnt, nur noch mit sich selbst. Andere Schwerhörige verstehn ihn, und man lacht laut und gröhlt herum.
      Alles geht schließlich vorbei. Jeder Desperado, der alle Hoffnung fahren ließ, weiß das! Es ist eben alles, wenn man so will, wie .. alles! :-/
      ;-)
      mischa butty

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    11. "Wird der Mensch gern schwerhörig in der Seel, und spricht, ans Laute gewöhnt, nur noch mit sich selbst" Da ist dann irgendwann die Gefahr, dass das Ganze kippt in eine übererregte, überempfindliche psychische Daueranspannung.

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  3. "In Zeiten des Internet ......ja der allgemeinen McDonaldisierung des Okkulten und Religiösen ist die Bildsprache tatsächlich zum Opium für das Volk geworden"

    Im Sinne einer Gegenmeinung folgendes:
    Es findet heute keine "McDonaldisierung des Okkulten und Religiösen" statt. Die Bildsprache wird auch nicht zum "Opium des Volkes", sondern könnte höchstens als profaner Abklatsch des dahinterstehenden wirklichen Opiums gesehen werden.

    Beises (Mc Donaldisierung und Bildsprache) sind - im Zeitalter des Internets.... - nur Mittel und Wege um auf okkulte Weise das eigentliche "Opium des Volkes", das immer schon da war, entweder als solches irgendwie zu erhalten und es somit vor dem Untergang zu bewahren - oder aber wirklich endgültig zu liquidieren.

    Die offene Grundfrage bleibt also immer noch diejenige, ob und auf welche Weise das Okkulte der Menschheit im aufgeklärten Zeitalter des "allgemeinen Allwissens" ( "des Internets..." ) überhaupt noch zu irgendetwas dienlich sein kann.
    Oder ob es sich, im Sinne eines notwendigen Tributs an veränderte gesamtgesellschaftlich vorhandene und wirksame, sich weiterentwickelnde Bewusstseinszustände - wie wir es ja augenscheinlich gerade erleben - selbst auf okkulte Weise langsam zurückzieht.

    Wenn das Okkulte profaniert wird, verliert es seine Wirksamkeit und stirbt! Deswegen kann es derart auch nicht selbst zum "Opium" werden.

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    1. Lieber Rudolf, ich bin jetzt nicht auf dem neuesten Stand (da es mich nicht sehr interessiert), aber das klassische Okkulte ist - wenn auch häufig im Kleid moderner Lifestyle- Beratung- ist zumindest auf dem Buchmarkt präsenter denn je. Ich habe etwas von 1/3 des gesamten Umsatzes im Hinterkopf. Dazu das Gewahrsein- Üben , Yoga- Wochenende und Klangschalen- Therapie bei Chiropraktiker. Heute ist das halt weniger wie vor 40 Jahren "Seelensuche" als Effektivitätsinstrument zur besseren Job- Bewältigung. Aber die Sinnsucher gibts natürlich auch.

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    2. Es gibt ja vermutlich auch gewisse Gründe, weswegen man als neuer Erdenbürger erst mal einen Bobby Carunter den Hintern bekommt, bevor man dann mit 18 den Führerschein machen darf.

      Bei den Anthros ist es eben das Rudi-Mobil - in jedem Fall ruiniert man sich damit eben lediglich die eigenen Schuhe...
      //
      Wer sich zu einem verantwortungsvollen Umgang mit esoterischem Wissen/Können durchringt, wird auch nicht nur ein Surrogat erhalten...

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  4. Lieber Michael,

    da stimme ich vollkommen überein. Gerade die Omnipräsenz der sich aus ehemals "okkultem Wissen" ableitenden "Effektivitätsinstrumente" belegt die Profanierung des (ehemals) Okkulten und im Grunde auch dessen Wirkungsverlust.

    Gerade dort wo es nicht mehr "Seelensuche" ist, sondern Bemühen um Effizienzsteigerung oder gar Anpassung an "Lifestyle- und Modetrends", geht die okkulte Wirkung der "geistigen Welt", einer jeden Religion, auch die des Glaubens an oder des "Wissens" um das Übersinnliche verloren.

    Vereinfacht ausgedrückt....der Weg ist nicht mehr das Ziel, sondern das (ehemalige) Ziel wird zum Weg herabgewürdigt.

    Auch besteht der eigentliche "Okkultismus´" ja nicht aus der Summe der heute in aller Öffentlichkeit ausgebreiteten Anwendungsgebiete des "klassischen Okkultismus".
    Entscheidend ist die Art des Wirkens der okkult wirken Wollenden und der von ihnen verwendeten Instrumente und Vorgangsweisen.
    Jede politische Partei, jede Religionsgemeinschaft, jeder Geheimbund, jede geistige Gemeinschaft, sicher auch die Anthroposophie, im Grunde genommen sogar jeder effizient arbeitende Wirtschaftsbetrieb, arbeitet (auch) okkult, wenn du verstehen kannst/willst, was ich meine.

    Die eigentliche Frage ist dann die, ob mit dieser restlosen Offenlegung des Okkultismus und seiner Methoden auch ein individueller wie gesamtgesellschaftlicher "Effizienzverlust" einhergeht und ob dieser möglicherweise von einer Art hypothetischem neuen Okkultismus 2.0 sogar gewollt und ganz gezielt angestrebt wird.

    Lg
    Rudolf

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  5. Neben der SKA gibt es demnächst eine weitere kritische Neuauflage eines anderen Autoren:

    http://www.titanic-magazin.de/postkarten/karte/historisch-kritische-ausgabe-8196/

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    1. Ausserdem kommen demnächst die ersten zwei Bände einer anderen SKA (Steiner korrigierte Ausgabe) heraus:

      Band 1: Rudolf Steiner - So habe ich das gar nicht gemein
      Band 2: Rudolf Steiner - Was ich alles nie gesagt habe

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    2. Und wie üblich bei einem solchen Projekt natürlich auch das zugehörige Korrigendum:

      Band 1: Rudolf Steiner - So habe ich das gar nicht gemeint

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    3. Dazu kommt noch eine von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien geforderte KA, eine kommentierte Ausgabe von GA 107 (erschienen) und GA 121 (steht aus).
      https://waldorfblog.wordpress.com/2012/05/13/das-karma-der-unwahrhaftigkeit/

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    4. Und Ralf Sonnneberg, wird er sich auch für seine Recherchen entschuldigen müssen?
      Für ihn war R. Steiner eben AUCH eine ambivalente Person, so dass durchaus ein ambivalentes Bild entsteht. Warum hat man nur so Angst dieses Bild anzusehen? Z.B. wenn Steiner in Briefen an M.Sievers andere Dinge über das Judentum bzw. jüdische Persönlichkeiten schreibt und denkt, als hier und da in öffentlichen Vorträgen?
      Z.B. auch, dass man jüdische Ärzte meiden solle, weil sie ein materialistische Gedankengut in sich tragen? Die jüdische Elite stand insgesamt in seinem Fokus...man sollte das nicht einfach verdrängen, finde ich... Ralf Sonnenberg hierzu:
      http://www.hagalil.com/antisemitismus/deutschland/steiner-5.htm

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    5. ...echt, ?... so hat er in Briefen gesagt? .."..jüdische Ärzte meiden, weil sie ein ... Gedankengut ..." in sich tragen... als Infekt quasi.. ein ererbter und vererbbarer? .. so geht das doch, mit dem Denken und Fürchten ..einer Mentalität? Aber , oho, gerade dann noch Ärzte, differenzierende, zumindest doch in der Regel fest auf dem Boden stehende Realisten.. warum sollten die nicht etwas "materialistisch" sein dürfen? Sind getaufte Akademiker da ... geistlicher? Wenn es um die Syphilis geht, z.B.
      Was meint der Steiner da, wenn er in dem Zusammenhang von "materialistisch" redet? Diese Denke war ja selber ein spießiger Virus, ererbbar und vererbbar, ... wenn es dumm läuft. Ich kenne die Briefe nicht. Fürchte aber, weil Steiner nicht dumm war, daß seine Argumentation darin auch noch "auf einem gewissen Niveau" daherkommt. Ich fänd das schon gut, wichtig und orientierend, wenn sowas aufgegriffen, kommentiert, besprochen wird, und der Fehler der antisemitischen Keule eingekreist wird.. und erklärt wird, wieso Steiner sich selbst da ein Bein stellt, und seinen eigentlichen Ambitionen, seinem Lebenswerk keinen Gefallen tat...
      m.butty

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    6. Und schon sind wir wieder mal beim sogenannten "Antisemitismus" Steiners... Hurra! Habe den von Valentin verlinkten Sonnenberg-Text gerade gelesen.

      Also: ich finde schon, dass man so reden darf wie der Steiner. Es ist eben nicht jede kritische Sicht auf Aspekte des Charakters eines Volkes automatisch eine Feindseligkeit diesem Volk gegenüber. Und ebenso wenig automatisch ist jede derartige Äußerung eine Missachtung des einzelnen Menschen innerhalb des Volkes. Die läge erst dann vor, wenn man die dem Volk bzw. der Rasse zugeordneten Attribute blind auf die ihr zugehörigen Individuen übertrüge. So denkt Steiner aber eben nicht. Ich habe schonmal versucht zu erklären, dass Volk und Rasse für Steiner nur Kleider der menschlichen Individuen sind, nicht aber diese selbst. Kein Mensch muss so sein wie sein Volk.

      Deshalb kann Steiner so lässig Positives wie Negatives über Völker und Rassen sagen. Er kann, im Gegensatz zu denjenigen, die jede seiner diesbezüglichen Äußerungen moralisch ausdiskutieren müssen, die menschlisch Individualität denken.

      Es gibt ein Essay von Norbert Rohlfs, das Steiners geistesgeschichtliche Einordnung des Judentums und damit auch seine Äußerungen darüber im Zusammenhang erklärt. Was zu dem Thema zu sagen ist, ist meiner Meinung dort gesagt. "Rudolf Steiner - ein Judenfeind?
      oder: Die Weltgeschichte geht verschlungene Wege"
      Mir ist natürlich klar, dass denjenigen, die unbedingt "Aufarbeitung" und "Distanzierung" wünschen, das nicht reicht. Sie denken eben, dass Steiner hier Opfer geheimer völkischer Abneigungen wurde, kurzfristig seine sonstigen spirituellen Fähigkeiten ablegte und, das Allerschlimmste, geistige Begründungen vorschob um völkischen Aversionen Luft zu machen. - Ich halte das Gegenteil für wahr, aber was ist diesbezüglich vor "Kritikern" schon beweisbar?

      Als hier mal die Rede davon war, dass Steiner "Mitteleuropa" in fragwürdiger Weise in den Mittelpunkt der Entwicklung stelle, habe ich das ganze Thema schon mal versucht recht ausführlich abzuhandeln. Vielleicht mag's ja irgendwer lesen, der's noch nicht kennt: Link.

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    7. @Stefan Oe
      Was Du da schreibst, mag Bestandtteil einer fortgeschrittenen Insider-Diskussion für Steiner-Versteher sein. "Steiner, love him, or leave him..." .. Ansonsten .. ?
      Und lernen, und üben, auch bereinigen und klären.. bedeutet auch.. immer wieder und immer wieder das lästige Wiederholen. Die "Finger-Übungen"! Und, klar war Steiner "Opfer" der Strömungen seiner Zeit, und mußte sich mit "seinem Ding" daraus hervorwühlen. Sorry, wenn ich da jetzt Gegensprech-Anlage spielte. usw.
      m.butty

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    8. Lieber Mischa,
      ich verstehe deinen Beitrag so: schön, ihr fortgeschrittenen Steiner-Versteher dürft euch das mit dem Antisemitismus natürlich mit Blümelchen zurechtreden, damit ihr euren Helden auch weiter bedenkenlos lieben könnt. Wer hingegen differenzierter denkt, der "lernt", "bereinigt" und "klärt", daher braucht es eine Wiederholung und Ausdiskussion des Antisemitismus-Vorwurfs. -- Die "Außensicht" auf Steiner muss wahrscheinlich so sein.

      Auch der allgemein sehr besonnen schreibende Herr Sonnenberg umgeht die eigentliche Wirklichkeitsfrage: er setzt voraus, Steiner habe seine wertenden Aussagen aus Ressentiments heraus getätigt. Auch Sonnenberg diskutiert nicht den entscheidenden Punkt: Hat Steiner Erkenntnisse gehabt, die ihn zu seinen Aussagen bewegten?

      Das ist das typische Problem dieser Art Diskussionen: Einzelne Statements eines Philosophen/Esoterikers werden moralisch diskutiert und bewertet bis zum Abwinken, die Frage der Tatsächlichkeit ihres Inhaltes wird aber nicht gestellt. Nur: davon hängt eben alles ab. "Fakten" anführen um die Negativbewertung einer Menschengruppe zu rechtfertigen, dass tun alle Braunen, Nationalisten, Gruppenbewegte. Negative Bewertungen aussprechen, weil man Fakten beobachtet hat, das tut möglicherweise Steiner. Und weil die Sache so rum liegen könnte, deshalb relativiert sich möglicherweise auch die negative Bewertung, die er ausspricht. Es wird nämlich klar, dass sie niemals so ausufern wird, wie das Urteil eines Nationalisten. Die Orientierung an der Wirklichkeit anstatt am Ressentiment erzeugt insgesamt eben doch einen differenzierten Blick. Und das erklärt auch, warum sich Steiner z.T. so widersprüchlich äußert. Die Wirklichkeit ist differenziert.

      Aber, was rede ich, ich habe das alles schon mehr oder minder argumentiert... Ich kann's eben einfach nicht stehen lassen, was da immer wieder gesagt wird. Naja, das sollte ich dann auch mal üben...
      Stefan

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    9. Puh, ich mach hier gerade den Apologeten. Merke mal wieder, dass das nix bringt...

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    10. Ist doch alles okay, Stefan. Ich finde Deine Stimme im Chor angenehm, keinesfalls verbohrt oder ideologisiert.

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    11. Hallo Stephan Oe.

      Ich stimme Michael voll! Und zudem - es wird hier offen diskutiert, wo passiert das noch?!

      Ich finde nur, dass man Menschen und Denker wie z.B. Sonnenberg nicht von vornherein abtun sollte, quasi vollends dicht macht. Zudem - es gab (oder gibt?) leider auch Anthroposophen die Steiners Worte missbrauchten und zu einseitigen Vorverurteilungen neigten, so tickt Mensch nun mal auch. Und überhaupt, wir haben/hatten in Deutschland nun mal eine besondere Situation geschichtlich, politisch usw.

      Aber zurück zu Sonnenberg. Zitate Steiners aus besagtem Beitrag/Link:

      "Nicht zufällig ist es, dass die Männer, welche durch ihr scharfes, klares, aber ganz materialistisches Denken den stärksten Einfluss in der letzten Zeit auf die europäischen Massen gehabt haben, Marx und Lassalle, Juden waren."(68) Der "jüdischen" Denkweise setzt der Verfasser des Briefes das zukunftsträchtige, da "embryonale" Denken von Repräsentanten einer "christlich-germanisch-slawischen" Kultur wie Bismarck (!), Haeckel oder Tolstoi entgegen. Zwar anerkennt Steiner die Unverzichtbarkeit des materialistischen Denkens innerhalb der Menschheitsentwicklung und spricht somit auch dem jüdischen "Zersetzungsferment" eine notwendige Funktion innerhalb der okzidentalen Geschichte zu, doch fällt sein abschließendes Urteil über die Auswirkungen des semitischen Einschlags keinesfalls wertneutral aus: "Alle unsere Theologie, Jurisprudenz, Pädagogik sind von Zersetzungsstoffen angefüllt. Die Zersetzung ist ja schon zum Kindergift pädagogisch in den Kindergärten geworden.." usw.

      Dann bitte auch benennen, wer denn zu der Zeit, von den unendlich vielen, auch maßgeblich, verantwortlichen Urdeutschen oder den Normalos, nicht materialistisch oder gar besetzt war mit Vorurteilen. Das soll alles von den Juden gekommen sein?? - Schau dir den Wilhelm inkl. Konsorten an mit ihrer Großmannssucht usw. usf. Und Bismark? - sein Pragmatismus in Ehren, aber, naja...die Juden mussten immerschon für alles herhalten....

      Oder dies von Steiner, gibt mir auch sehr zu denken:

      "Es wäre zum Beispiel sehr natürlich, dass in den verschiedenen Ländern Europas nicht mehr Juden Ärzte wären, als sie prozentual zu der Bevölkerung sind. Ich will nicht sagen – bitte, mich nicht misszuverstehen! –, dass man das durch ein Gesetz festsetzen sollte; das fällt mir durchaus nicht ein." Aus: Steiner: Wesen des Judentums, S. 187.

      Wie wollte Steiner das denn rein technisch regeln ohne Gesetze? (seine Relativierung in Ehren, aber es klingt eher rein rethorisch). Abgesehen davon dass ich diese Aussage einfach schräg finde und nichtjüdische, deutsche Ärzte zu der Zeit nun wirklich nicht anders waren, ja sogar später viel schlimmer waren, siehe Mengele oder andere SS-Ärzte (mein Großvater war übrigens auch glühender Naziarzt)...Wollte Steiner das also durch Mundpropaganda regeln? Oder durch ständiges, öffentliches Hinweisen, dass die jüdischen Ärzte bitte weniger werden sollen oder gar zu meiden seien?

      Davon mal abgesehen - es gab viele gute bzw. gütige und liberal-jüdische Ärzte und andere, die ihren Glauben kaum noch orthodox oder wie auch immer lebten (ich habe darüber viel gelesen und Dokus gesehen) inkl. erstklassischer Anwälte, Musiker, Künstler usw usf. ... Kamen dann fast alle ins KZ durch Verat und Hasspropaganda der so tollen und braven Deutschen oder der vermeintl. geistigen Elite!

      Viele Deutsche hätten von vielen Juden bzw. andersdenkenden Menschen, ihren Mitbürgern lernen können, weil eben viele nichtjüdische Deutsche einfach noch wie auf dem Mond lebten, intellektuell, menschlich, geistig usw. oder sich wie taube Lemminge verhielten!

      LGr.

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    12. Sorry, "Ich stimme Michael voll ZU" sollte es oben heißen, bitte um Nachsicht wegen der kleinen Schreibfehlerchen, die Augen ;-) ...

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  6. Eben eine Frage in die Runde hier. Hat Ingrid als Schreiber und Moderator abgehackt? Oder nur ein Ruhepause angefangen?
    Stefan Oe, dank fuer deinn Beitrag und den Link zu frueheres.!

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    1. Keine Sorge, Ingrid hat persönliche Gründe und kommt bestimmt wieder, wenn ihre Zeit es erlaubt.

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    2. Schoen ! Ich vermisse sie schon als Blogsheriff..

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  7. Wie Michael schon gesagt hat - ich habe aus persönlichen Gründen gerade kaum Zeit für den Egoistenblog und lese daher derzeit nur sporadisch mit. Außerdem bin ich überzeugt davon, daß Ihr alle erwachsene Menschen seid, die sich selber moderieren können. ;-)

    Hierauf aber möchte ich nun doch reagieren, denn dieses Zitat hatten wir schon vor Jahren einmal, damals habe ich gründlich nachgelesen (ich habe jetzt keine Zeit, das betreffende Bloggespräch herauszusuchen, vielleicht war es auch im anderen Blog):

    »Oder dies von Steiner, gibt mir auch sehr zu denken:

    "Es wäre zum Beispiel sehr natürlich, dass in den verschiedenen Ländern Europas nicht mehr Juden Ärzte wären, als sie prozentual zu der Bevölkerung sind. Ich will nicht sagen – bitte, mich nicht misszuverstehen! –, dass man das durch ein Gesetz festsetzen sollte; das fällt mir durchaus nicht ein." Aus: Steiner: Wesen des Judentums, S. 187.

    Wie wollte Steiner das denn rein technisch regeln ohne Gesetze?«


    Lieber Valentin, wie kommst Du darauf, daß Rudolf Steiner das überhaupt „technisch regeln“ wollte? Davon kann keine Rede sein. Er sagt es ja extra dazu, daß er nicht meint, daß man das regeln sollte.
    Steiner spricht doch nicht davon, daß eine gleiche prozentuale Verteilung „wünschenswert“ wäre! Sondern er sagt, sie wäre „sehr natürlich“.
    Das Zitat geht weiter:
    »Aber das ist gar nicht der Fall. In den meisten Ländern sind eine viel größere Anzahl Juden Ärzte.«
    Es geht Steiner hier nicht darum, etwas daran zu ändern, sondern es geht einfach um eine Sachverhaltsfeststellung: merkwürdigerweise waren damals sehr viel mehr Juden Ärzte, als es ihrem prozentuellen Anteil an der Bevölkerung entsprochen hätte.
    Und Steiner begründet diese Merkwürdigkeit so:
    »Das stammt noch aus dem Mittelalter; sie fühlen sich noch zu der Medizin sehr hingezogen, weil es ihrem abstrakten Denken entspricht.«

    Ohne das „abstrakte Denken“ der Ärzte hätte sich die Schulmedizin nicht in der Weise entwickeln können, wie es geschehen ist: abs-trahere bedeutet ab-ziehen, loslösen.
    Und noch vor einigen Jahrzehnten ging es in der Schulmedizin tatsächlich vor allem darum, einzelne kranke Organe zu „reparieren“, ohne sich groß um das Ganze zu kümmern – ich habe es als junges Mädel selbst erlebt: für eine schwere Operation mußte mein Brustkorb eröffnet und das Brustbein nachher wieder zugeklammert werden. Danach ging ich jahrelang instinktiv mit gebeugten Schultern und eingefallenem Brustkorb spazieren… denn niemand war auf den Gedanken gekommen, mir mittels Physio- oder sonstiger Therapie zu zeigen, wie ich mich wieder ganz normal hätte aufrichten können (das lernte ich erst Jahre später, im Laufe meiner Gesangsausbildung) – mit der OP war die Aufgabe für die Spitalsärzte erledigt.
    Heute wäre das wohl (hoffentlich!) anders.
    Viele heutige Schulmediziner sind offen für ganzheitliche Ansätze – obwohl sie immer noch sehr genau wissen, wie man „Einzelteile repariert“ (wofür ich von Herzen dankbar bin).

    Heute kann man, finde ich, auch nicht mehr sagen, daß „abstraktes Denken“ etwas spezifisch Jüdisches wäre. Darin zeigt sich, was Rudolf Steiner vorhergesagt hat: das, was wir heute noch als „Rassen“ bezeichnen, wird sich in Zukunft ganz aufhören. Wir sind mittendrin in dieser Entwicklung.
    Und so gibt es heutzutage einerseits genug „Abstraktlinge“, die mit dem Judentum nicht das Geringste zu tun haben — und es gab andererseits auch zB den jüdischen Arzt Max Gerson, der schon 1946 eine ganzheitliche (und eben nicht abstrakte, Einzelteil-orientierte) Methode zur Heilung schwerer Krankheiten entwickelte…


    So, und nun verabschiede mich wieder, wohl noch für einige Zeit.
    Herzlichen Gruß in die Runde,
    Ingrid

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    1. Hallo Ingrid,

      weiss nicht, das überzeugt mich nicht wirklich...sieht nach sehr dünnem Eis aus, auf dem du dich da gemeinsam mit R. Steiner bewegst.....und ob es nach Steiner mehr jüdische Ärzte gab weiss ich nicht und wenn schon....so, so, es stammt also noch aus dem Mittelalter, hat er gesagt und das wird dann wohl so sein? ... oh ja, da gabs die ersten stümperhaften Anfänge und Versuche in der Medizin, sowohl von Juden als auch von Nichtjuden und Quaksalbern, das kann man dann gerne dazusagen oder? Aber alles in allem klingt das bei dir und R. Steiner so, dass letztlich durch die Masse an jüdischen Ärzten (aus dem Mittelalter herrührend) - materialistisch-abstrakt-denkende Medizin überhaupt entstehen konnte (mit kleineren etwas ganzheitlichen Ausnahmen)?

      lg

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    2. P.S.: Vielleicht sollte man i.d. Zusammenhang wieder Lessings Nathan lesen, ein großartiger Versuch diese ganze verbohrte Feindschaft der Religionen aufzubrechen...Wie sagte der Jude Nathan (der Weise) u.a. so schön: "Christ und Jude sind erst Mensch und dann Christ und Jude".



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    3. Valentin, dieses Insistieren auf dem Thema fällt nicht nur mir auf. Bitte PM an mich. Ich würde gerne Deine Motive kennen.

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  8. Hallo Michael,

    meine Motive sind sind i.d. Falle die, dass ich grundsätzlich versuche herauszufinden, welche Motive hinter einer allgemeinen Judenfeindlichkeit stehen könnten und dass ich mir da schon auch Sorgen mache. Bei R. Steiner empfinde ich i. einigen Fällen schon auch eine gewisse Subtilität in seinen Äußerungen und bin da durchaus auf Sonnenbergs Seite, wenn er Bedenken ausspricht (obwohl er durchaus auch differenzieren kann). Ich versuche i.d. Zusammenhang auch zu verstehen, warum das Thema Juden überhaupt für Steiner so wichtig war und - dass da womöglich auch hängen bleiben KANN oder gar soll, dass nun allein die Juden an einer Art materialistischen Ader hängen, einem rein materialistischen Denken verhaftet sind und dieses in Europa oder gar weltweit verbreitet haben, mit allen - auch - negativen Folgen...

    lg

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    1. P.S.: Aber ich kann das Thema auch wieder zu den Akten legen jetzt. Ich mach mir dann halt meine ganz eigenen Gedanken dazu...Meine Motivation war ja mal am Anfang auch die, dass sich Forscher und 'Kritiker' (schon gar nicht Herr Clemens) womöglich entschuldigen müssten im Nachhinein, dafür, dass sie auf ihre Art versuchen Licht oder Ordnung in eine Sache zu bringen...

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    2. NPD?? Um Gottes Willen, nein!!
      Woraus läßt sich das nun schließen? Ich bin total geschockt!
      lg

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    3. @Michael
      Im Ernst jetzt, würd mich wirklich interessieren, wie Sie darauf gekommen sind mit der NPD. Weil ich Nathan den Weisen erwähnt habe, den Prototypen eines Weltbürgers? War Lessing denn ein Nationalist oder ähnliches? Dann könnte ich Ihre Bedenken ja irgendwie verstehen...

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    4. Wenn ich mich geirrt haben sollte, täte es mir leid. Die Art, wie Sie hier das Thema eingeführt und Spuren gelegt haben, erscheint mir typisch dafür, wie Blogs und Foren von dieser Seite attackiert werden. Es gibt noch Hinweise anderer Art. Da ich in letzter Zeit rund 10 Personen bei Facebook habe blocken müssen, gibt es sicherlich momentan ein erhebliches Misstrauen auf meiner Seite, da es offensichtlich eine Kampagne gibt.

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    5. @Herrn Eggert

      danke für Ihre Antwort! Nun bin ich wohl durch ein Missverständnis (oder Schusselligkeit), was auch immer, ein Gebrandmarkter geworden...Nein, es war nicht meine Absicht hier irgendwelche rechte Spuren o.ä. zu legen, um Himmelwillen...Ich wußte bis vorhin nicht einmal, dass es so etwas abscheuliches wie Reichsbürger-Gruppierungen gibt, die die Anthroposophie unterwandern wollen...Ihre allgemeine Skepsis als Blogbetreiber und Admin wegen einiger Verrückter, kann ich nun sehr gut nachvollziehen. Alles Gute Ihnen und Dank auch an die vielen Kommentatoren hier, es war mir eine Freude dabei zu sein.

      lg

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