„Der Ruf der geistigen Welt ertönt fortwährend“

Zeuge sein für Rudolf Steiner anstatt ein selbstausgerufener Anwalt 


Jostein Sæther 

Wenn ein Autor nicht interessiert ist oder sich verweigert, auf ein ausgewogenes Gespräch einzugehen über sein Werk oder die Werke anderer, die er aber interpretiert, sondern stattdessen sich in seinem Gedankenspiegelkabinett absondert, bleibt für mich als Leser nur noch die Möglichkeit auszuprobieren, Antworten auf aufkommenden Fragen selber zu finden, nachdem ich das Werk aufgenommen und in meiner Seele erlebt habe. Ich kann mich außerdem mit anderen Lesern zusammentun, um mit ihnen über das Werk zu sprechen, gemeinsame und widersprechende Deutungen zu beleuchten und somit das Erlebte weiter bis hin zu Erkenntnissen zu erarbeiten. Dies alles kann mit verschiedenen Bewusstseinsarten einhergehen, die ich alle Schritt für Schritt beschreiben kann, ohne den Autor des Werks persönlich anzugreifen, weil ich ihm auf diese Weise nicht nahe komme und ich anerkenne, dass eine kritische Sicht auf die Persönlichkeit des Autors wenig zum Verständnis des Werks beiträgt. Der Autor Holger Niederhausen hat einen Aufsatz geschrieben mit dem Titel Das eigentliche Problem der SKA und verwandter Projekte. Seine letzten zwei Sätze hierin lauten wie folgt: 

„Der Ruf der geistigen Welt ertönt fortwährend. Und er will nicht interpretiert werden...“ 

Ich möchte diese Sätze beleuchten – und auch interpretieren. Einige meiner Fragen sind: Drücken sie das aus, was ich unter meiner Anthroposophie erkenne? Drücken sie das aus, was Rudolf Steiner unter seiner Anthroposophie verstand? Denn Niederhausen postuliert im Aufsatz, dass es ihm darum geht, ein von ihm aufgestelltes Motto zu unterscheiden in der Diskussion um die SKA von Christian Clement: 

„Es gibt die Frage, was Anthroposophie eigentlich ist.“ 

Wer ruft? Die geistige Welt. Wem wird zugerufen? Allen Menschen? Dem einzelnen Menschen? Dem Ich des einzelnen Menschen? Es muss wohl ein ganz besonderer Ruf sein, wenn eine ganze Welt ruft. Der Ruf ist laut Autor mit einer Bedingung an den oder die Zugerufenen verknüpft: Der Ruf dürfe nicht interpretiert werden! Fordert der Rufer dies oder jemand, der den Ruf gehört hat? Niederhausen liefert in diesem Aufsatz dazu keine Antwort. Es handelt sich daher um eine Feststellung, beinahe eine reine, subjektive Interpretation einer Sachlage, die nicht näher beschrieben wird. Es wird auch nicht berichtet, ob jemand anders während seines irdischen Lebens den Ruf hörte außer Rudolf Steiner und Georg Kühlewind, um die es im Aufsatz überwiegend geht, wenn es nicht darum geht, lebende Autoren wie Michael Eggert nicht nur sach- sondern auch personenbezogen zu kritisieren. 

Aus dem Aufsatz geht nicht hervor, ob der Autor selbst den Ruf hört. Weder in diesem noch in anderen, thematisch ähnlich gelagerten Aufsätzen des Autors, die ich überflogen habe, fand ich auf diese Frage eine Antwort. Mich interessiert es jedoch, ob Niederhausen nach eigener Auffassung meint, den Ruf zu hören. Wie charakterisiert er dieses Hören? Handelt es sich eventuell nur um eine Idee von einem Ruf, der permanent ertöne, ohne dass dafür eine eigene Wahrnehmung existiert? Wie ist er zu der Interpretation gekommen, dass keinem Menschen eine Interpretationsfreiheit gegeben sei? Die Freiheit der Interpretation, die Freiheit des individuellen Erkennens-Wegs ist demgegenüber etwas, was unser Michael-Zeitalter am stärksten charakterisiert – vorausgesetzt wir befinden uns in einem solchen Zeitalter, wofür – unabhängig von Rudolf Steiners Erkenntnissen – Einiges spricht, was aber separat betrachtet werden müsste. Um Niederhausens Aussage auszuloten, zitiere ich Steiner, denn hier wird deutlich, dass es in der Geisteswissenschaft auch um Deutungen, um Interpretationen des Schauens geht: 

„In der physisch-sinnlichen Welt haben wir zuerst die richtigen Anschauungen, dann gehen wir zum gedanklichen Betrachten über; wir bilden uns die wissenschaftlichen Urteile hinterher. Beim Aufsteigen in die geistige Welt ist es umgekehrt. Da müssen wir zuerst die Begriffe und Vorstellungen entwickeln, müssen uns anstrengen, um uns objektiv in die Geisteswissenschaft einzuleben; sonst können wir niemals sicher sein, dass irgendwelche Beobachtung in der geistigen Welt von uns im richtigen Sinne gedeutet wird. Da muss die Wissenschaft eben dem Schauen vorangehen. Und das ist es, was vielen so unendlich unbequem ist: dass sie die Geisteswissenschaft studieren sollen. Das nehmen viele als unbegreifliche Zumutung hin. Denn sie streben danach, Anschauungen zu haben in der geistigen Welt. Gewiss, die kann man relativ leicht haben; aber sie richtig zu deuten, dazu gehört, dass man wirklich objektiv, selbstlos sich in die Geisteswissenschaft einlässt, sich mit ihr durchdringt.» (GA 161.161) 

Beim zitierten letzten Satz entsteht eine naive, aber berechtigte Frage, die ich nur erwähne, aber in diesem Kontext nicht näher beantworte: Wie gelang es Steiner, seine Anschauungen der geistigen Welt fachgemäß auszulegen? Im Gegensatz zu uns konnte er noch nicht auf eine existierende Geisteswissenschaft zurückgreifen, während wir ableitend argumentieren dürfen, dass nur eine vorhandene Geisteswissenschaft jemand helfen könne, seine geistigen Anschauungen „richtig zu deuten“. Wenn ich nun zu meiner Erfahrung komme, so kann ich feststellen: Ich höre den Ruf der geistigen Welt! Während vier Jahrzehnte habe ich mich mit der Geisteswissenschaft Steiners durchdrungen und mir eigene Begriffe über die geistige Welt gebildet. Wie ich sie erlebe und was aus solchem Geist-Erleben bis auf die eigene Geistes- und Karmaforschung entstanden ist, habe ich in vielen Publikationen bezeugt. 

Michael Eggert hat meines Erachtens auf seine Internetseiten viele Zeugnisse gegeben, wie er – „bildlich gesprochen“ im Sinne von Christian Clement – mit den Ruf, mit den Stimmen, mit dem Zuflüstern, ja mit dem Schweigen der geistigen Welt umgeht. Ich frage mich in Anbetracht der dialogischen Verweigerungshaltung: Hat Niederhausen sie überhaupt gelesen? Welche Motive liegen dahinter verborgen, dass unsere Ruf- und Wahrnehmen-Zeugnisse in den Aufsätzen nicht berücksichtigt werden? Ob Michael Eggert und ich den Ruf aus der gleichen Quelle vernehmen, von der Niederhausen schreibt, kann ich noch nicht beurteilen, weil mir dazu die Vergleichsmöglichkeit fehlt. Niederhausen scheint bislang nicht dazu bereit, uns sein Geist-Erleben zu beschreiben. Er beruft sich lediglich auf Steiner und andere Anthroposophen, zu denen er sich so äußert, dass sie diesen Ruf hören würden oder gehört hätten. 

Dem ungeachtet ist es so, dass ein Ruf der geistigen Welt etwas völlig anderes ist als ein Ruf unter physischen Menschen, wenn wir einander zurufen oder um Hilfe rufen. Das Wahrnehmen der geistigen Welt geht anders vor sich als die Wahrnehmung der Sinneswelt. Das, was wir die geistige Welt nennen, ist ganz anders als die äußere Natur, die sich um uns herum ausbreitet. Die Natur ist da. Ich bin hier und sie ist da. Ich beobachte sie mit ihren Blumenrabatten, Bäumen, Vögeln und den blauen Himmel vor meinem Fenster. Indem ich in der geistigen Welt meditativ erlebend und denkend erwache, ist es anders. Nicht ich trete in die geistige Welt, sondern sie dringt in mein eigenes Erleben hinein. Dieses Erleben ist nicht wie das Erleben der Blumen, nicht wie das Hören des Echos meines Rufens am Waldrand. Im Normalbewusstsein kann ich über die geistige Welt denken. Im Geist-Erleben muss ich innerlich erleben, wie ich von der geistigen Welt gedacht werde. Es ist völlig umgekehrt, aber anders umgekehrt als im Sinnesleben. Eben nicht spiegelbildlich. 

Der Ruf der geistigen Welt höre ich nicht von außen kommend. Er taucht vom innen auf als Weckruf des eigenen Ichs. Es ist das Ich, das mit sich selber spricht. Und würde es dies im Geist-Erleben zuallererst nicht tun, dann würde es keine anderen Wesen wahrnehmen können. Das Geistige ist Erstaunen, Verwunderung und Überraschung. Es ist das Umwerfen aller bekannten Gesetze der Sinneswelt. Es ist das Abwerfen des Egos, des Ich-Schattens im Astralleib – jedenfalls für einen Augenblick. Gelingt die Demut nicht, ist es kein Geist-Erleben und eben nur Einbildung oder Aufwärmen von Berichten anderer. Gegenüber dem Hören des Rufs der geistigen Welt fühle ich mich so, wie die geistigen Waldrandwesen sich mir gegenüber fühlen müssen, wenn ich das eigene Echo höre und mich darüber freue und darin erkenne, dass dieses Echo ihrer Freude am großen Götter-Werk entspricht. Wissenschaftlich ausgedrückt bin ich dabei ein Objekt der geistigen Welt gewesen – sie aber deshalb nicht mein Subjekt, sondern ihr Subjekt mit dem ich in Einhelligkeit treten kann. Gegenüber dem Objekt „Wald“ bin ich ganz Subjekt. Oder mit Steiners Worten: 

„Und wie die äußere Naturwirklichkeit uns als Objekt gegenübersteht, so erheben wir uns zu einem Erleben der geistigen Wirklichkeit, in welchem wir selber Objekt sind; denn die geistige Wirklichkeit tritt uns als Subjekt – oder als eine Vielheit von Subjekten – entgegen.“ (GA 64.91f) 

Um überhaupt ein Geist-Erleben sprachlich zu schildern, benötige ich also die Fähigkeit und der Wille zur Interpretation (lateinisch: interpretatio; „Auslegung, Übersetzung, Erklärung“). Dies bedeutet generell das Verstehen oder die als überzeugend bedachte, subjektive Deutung einer Aussage, einer sozialen Situation – oder auf unser Thema bezogen – eines Berichts eines Geist-Erlebens. Die Schriften und das Vortragswerk Rudolf Steiners ist in diesem Sinne zunächst eine Sammlung seiner Interpretationen, die zu weiteren freien öffentlichen Interpretationen zur Verfügung stehen. Wissenschaftler dürfen es auseinanderpflücken und neu zusammenstellen nach persönlichem Befinden. Wollen sie den darin unhörbaren Ruf der geistigen Welt wahrnehmen, müssen sie auf die Ebene des Erlebens gehen. Dazu sind sie nicht verpflichtet. Dazu lädt Steiner anfangs des Buchs Theosophie den Leser ein als freie Handhabe, aber er verlangt sie nicht. Das kann nur jeder selbst anstreben, weil das Erhören des geistigen Rufs nur in der Freiheit eines Ichs erfolgt. 

Infolgedessen steht für mich Vieles im mittlerweile großen Schrifttum Holger Niederhausens dem im Wege, was zu einer freien Verfügung von Anthroposophie als selbsterlebte Weisheit führt, die durch individuelles Darstellen beschrieben werden muss, um als Anthroposophie zu gelten. Ähnlich geht es mir mit einem großen Teil des gigantischen Werks von Sergej O. Prokofieff, um nur einen anderen zu erwähnen, der ähnlich wie Niederhausen sich als Anwalt Rudolf Steiners selbst ausgerufen hatte: Dieser Großteil steht meines Erachtens einer Individuation und einer sogenannten „Kulmination der Anthroposophie“ im Wege. Ich interpretiere es deshalb als „Saulus-Botschaft“ und nicht als „Paulus-Botschaft“.* Steiner braucht überhaupt keine gegenüber Kritikern anmaßend auftretenden und quengelnden Verteidiger. Sein Werk braucht Zeugen authentischen Geist-Erlebens und neuer Geistesforschung. Ich stehe da als Zeuge Steiners. Wer noch? Ich brauche auch kein „Zeugenschutzprogramm“, um für meine Erkenntnisse im Scheinwerferlicht selbst zu streiten. Aber es braucht einen freien Raum des offenen Dialogs, damit die Zeugenschaft anwachsen kann. Diesen Raum anzubieten, liegt in der Intention dieses Blogs mit dem selbstironischen Namen Egoistenblog, der darauf anspielen will, dass es hier besonders um das Verwandeln des Egos geht und nicht um seine Steigerung. Sich daran förderlich zu beteiligen, dazu lade ich ausdrücklich auch Holger Niederhausen ein. 


* Eine umfassende Darstellung meiner Beschäftigung mit S. O. Prokofieff findet sich in meinem Buch Weisheit wahrnehmen. tredition, Hamburg 2014.

Illustration: 
Gustave Doré: Saulus auf dem Weg nach Damaskus. Holzstich um 1866. Illustration für die Prachtausgabe der Bibel in französischer Sprache aus dem Verlag Tours von Alfred Mame. Online-Quelle: http://tinyurl.com/ph46d2j

Kommentare

  1. Lieber Herr Saether,
    es ist geradezu eine freche Unwahrhaftigkeit, wie Sie Ihren Aufsatz beginnen – und mich dann ganz am Ende zu etwas „einladen“.
    „Wenn ein Autor nicht interessiert ist oder sich verweigert, auf ein ausgewogenes Gespräch einzugehen...“? Ich war letztlich vier volle Tage auf dem Eggert-Blog präsent und habe versucht, zu irgendeiner Art von Gespräch zu kommen – und was schlug mir entgegen? Vier volle Tage spöttische und zynische Kommentare. Es ist interessant, dass Sie wiederum nur zwei letzte Sätze herausgreifen und diese zerpflücken, anstatt auf irgendetwas von dem einzugehen, was in meinen letzten Aufsätzen wirklich Thema war.
    Sollte es auf dem Eggert-Blog wirklich um das Verwandeln des Ego gehen, wünsche ich weiterhin noch viele Jahre gutes Gelingen. Der Prüfstein ist immer, wie man mit anderen Menschen umgeht. Die Erfahrung des „freien Raums des offenen Dialogs“ der letzten Tage reicht mir, um wieder einmal genau zu wissen, was einer „Kulmination der Anthroposophie“ alles im Wege steht.
    Vielleicht interessiert es Sie, zum Thema Gesprächsfähigkeit meine beiden offenen Briefe an Michael Eggert und seine Antworten zu lesen, diese haben die Frage im Januar 2011 schon einmal erstaunlich erschöpfend behandelt:
    http://www.holger-niederhausen.de/index.php?id=654
    http://www.holger-niederhausen.de/index.php?id=655
    Die Frage, für welche Anthroposophie-(Deutung) man steht, und welchen Ruf man hört oder auch nicht hört, ist offenbar zutiefst unterschiedlich. Arbeite jeder auf seinem Felde daran, die Anthroposophie und den anderen Menschen immer ernster zu nehmen. Vielleicht werden dann eines Tages wahrhaftige, tiefe, wahrhaft menschliche Begegnungen möglich werden – und werden dadurch auch andere Menschen erleben, was Anthroposophie wirklich ist.

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    1. Mir ist unbegreiflich, wie Sie mit „Lieber Herr Saether“ ihren Kommentar anfangen können und im folgenden Satz behaupten, dass ich „geradezu eine freche Unwahrhaftigkeit“ präsentiere, in welcher ich Sie hätte mit einbezogen. Vielleicht habe ich Sie gemeint, vielleicht auch nicht! Ich überlasse es Ihnen, frei zu interpretieren. Unabhängig davon, ob es so sei, dass ich auch Sie gemeint habe, ging es um eine Beschreibung einer Tatsache, die ich vielmals unter sogenannten Anthroposophen begegnet bin, seitdem (1997) ich mit eigenem Geist-Erleben öffentlich unterwegs bin. Mit dem Kritisieren, Deuten und Auseinanderpflücken des Dargelegten befassen sich solche Menschen sehr gerne, aber mit dem Gespräch, Austausch und der Bereitschaft, sich auf andere Sichtweisen einzulassen, wollen diejenigen nicht, die ich gemeint habe.
      Es mag sein, dass Sie hier im Blog „spöttische und zynische Kommentare“ auf Ihre Darlegungen, Argumente und Thesen bekommen haben. Ich kenne Ähnliches und habe mich deshalb früher immer wieder distanziert, aber nun doch gesehen, dass es doch möglich ist, sich zu positionieren, auch wenn jemand mich persönlich angreift, weil es eben um die Weiterentwicklung aller Argumente und Positionen, sodass Brückenbildung und gegenseitiges Verständnis entsteht, bei der ich mich beteiligen kann, falls ich behaupte, etwas maßgeblich Neues beizutragen. Da versuche ich jedenfalls, mein Temperament zu zügeln und mit Kommentaren zu warten, bis eventuell eine Lücke da ist, in der etwas passen könnte, was ich sagen will und kann. Manchmal passt es auch nicht. Dann ist es besser zu warten.
      Sie weisen meinen Beitrag ab, indem Sie mutmaßen, dass ich nur einige Sätze aus ihrem Aufsatz „zerpflückt“ habe. Wenn Sie es so denken, bitte schön! Ich habe jedoch versucht, dem zu hinterfragen, was zu solchen verallgemeinerten Sätzen führt, und dass, falls geistige Wahrnehmung des Autors dahintersteht, es anders ausgedrückt werden müsste. Ich hätte auch andere Sätze im Aufsatz nehmen können und würde zu ähnlichen Schlussfolgerungen gekommen sein. Ich jedenfalls drücke mich anders aus, weil ich behaupte, aus Geist-Erleben zu schreiben. Darauf gehen Sie überhaupt nicht ein. Warum?
      Nur jeder Einzelne kann zeigen, dass es hier um das Verwandeln des Egos geht. Warum wollen Sie da nicht mitmachen und uns zeigen, wie Sie es tun unter solchen konkreten Menschen, die hier sind? Die Welt ist hier und nirgendwo anders. Auch die geistige Welt fließt hier in den Egoistenblog ein und Sie können sie erleben, falls Sie sich nach innen wenden, statt sofort mit ihren Anthroposophie-Gehabe loszudreschen. Die Anthroposophie ist nicht zu haben.
      „Die Frage, für welche Anthroposophie-(Deutung) man steht, und welchen Ruf man hört oder auch nicht hört, ist offenbar zutiefst unterschiedlich.“ Mag sein! Es wäre interessant jedenfalls, einmal von Ihnen ein paar Aufsätze zu lesen, in der Sie ganz von sich individuell erzählen, wie Sie „die Anthroposophie“ aus der geistigen Welt neu herausholen. Ich habe es in mehreren Büchern versucht, die Sie womöglich nicht gelesen haben.

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    2. Holger Niederhausen hat auf meinen Kommentar oben in einem anderen Tread geantwortet, deshalb habe ich ihn ausgeschnitten und hier eingefügt:

      Holger Niederhausen / Sonntag, 29. März 2015 um 19:18:00 MESZ

      „Lieber Herr Saether, wenn ein ganzer Aufsatz sich mit einer einzigen Person und einigen Worten aus deren Aufsatz beschäftigt – wie soll man dann nicht auch die einleitenden Sätze auf diese Person beziehen, die einen Absatz beginnen, in dem ohne jede weitere Überleitung diese Person am Ende namentlich genannt wird? Ich denke, nicht nur ich habe dies so gelesen.
      Warum ich nicht „mitmachen“ will? Eben wegen der offensichtlichen Unterschiede, und weil ich eben kein Missionar bin. Die Art Anthroposophie, die Michael Eggert vertritt, ist nicht die meine – und ich empfinde kein Bedürfnis, ihn von etwas anderem zu überzeugen, wozu auch? Ich habe vier Tage lang versucht, zu zeigen, was für mich Verwandeln des Ego bedeutet. Wenn die geistige Welt auch in den Egoistenblog einfließt, ist sie eben auch durch mich vier Tage lang eingeflossen und tut dies im Moment immer noch. Gewollt wurde sie in dieser Form fast durchweg nicht.
      Sie brauchen nur die letzten Kommentare von Stephan Birkholz zu lesen – Herr Birkholz, müssen Sie sich an mir nach Tagen noch immer abreagieren? Warum tun Sie das?“

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    3. @ die Geistwelt Herrn Niederhausens fließt ein

      "Wenn die geistige Welt auch in den Egoistenblog einfließt, ist sie eben auch durch mich vier Tage lang eingeflossen und tut dies im Moment immer noch"

      ich, ich, ich, immer nur ich ... wo bleibt da nun die Geistwelt ab? (würde sicher auch ein R. Steiner fragen, bei so viel Selbstlosigkeit und Bescheidenheit)..

      h.gr. ich-los


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    4. Die Art Anthroposophie, die Michael Eggert vertritt, ist nicht die meine...(H. N.)
      Wer kann überhaupt auf die Idee kommen, von MEINE Anthroposophie zu reden?
      Der Himmel des Herrn Eggert ist auch nicht der MEINE - Herr Eggert wohnt unter dem Himmel von Korschenbroich und ich wohne unter einem Stück Himmel bei Stuttgart...

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    5. Nach meiner Auffassung geht es überhaupt nicht darum, aus Steiners Werk (oder besser aus Steiners greifbarer Hinterlassenschaft) einen Extrakt zu bilden und als Niederhausens Anthroposophie oder Eggertsche Anthroposophie (gibt' s in Dosen an der Tankstelle) zu verkaufen.
      Wenn man (wie Proko es oft betonte) Anthroposophie als Weltumfassendes Wesen betrachtet (Wie der Himmel über Korschenbroich, Stuttgart, Provo, Wien...), dann arbeitet eben jeder mit dem Stück Anthroposophie, dass ihn unter seinem anthroposophischen Himmel gerade erreicht (mal wolkiger, mal sonniger)...
      //
      [Anthroposophie ist keine private Wurzelhöhle...]

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    6. "Ein wunderschönes Buch für Kinder von vier bis acht Jahren, zum Vorlesen und selber lesen."

      Ach ja, jedem seine kleine Welt...ich lasse z.B. die Ostereier bemalen von den Mainzelmännchen...ganz selbstlos...und verkaufe sie anschließend auf dem Markt für nur 5 Euro d. Stck. (aber legen darf sie immer noch der Feldhase, mein bester Freund, sonst wird er ja arbeitslos...das sehen die auch ein mittlerweile)...

      h.gr.

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    7. "Anthroposophie ist keine private Wurzelhöhle"


      Einspruch....meine schon....;-)

      Jedem das Seine, aber mir das Meine....

      Das ist ja das Geile an der Anthroposophie....dass sie niemandem allein gehört....sondern jedem der sie besitzen will....

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  2. Was moechte schon das Wort Pseudo Esotericus zu bedeuten?

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  3. Lieber Holger,

    meiner Überzeugung nach will der „Ruf der geistigen Welt“ nicht nur interpretiert werden, sondern die geistige Welt ist in ihrer Entwicklung sogar davon abhängig, daß dieser Ruf von Menschen gehört und interpretiert/übersetzt wird.

    Indem die SKA die unterschiedlichen zu seinen Lebzeiten erschienenen Text-Versionen der Schriften Rudolf Steiners sichtbar macht, dokumentiert sie sein Ringen um die Interpretation des „Rufes der geistigen Welt“.

    Ich zitiere dazu aus Rudi Lissaus Buch Geistige Schau und irdischer Ausdruck (Verlag Freies Geistesleben, 2001):

    »[…] die geistige Welt spricht weder deutsch noch englisch noch sonst eine Erdensprache. […]
    Die Vokabeln unserer Sprachen stammen […] größtenteils aus dem Bereich der Sinneswelt, manchmal auch aus den Bedürfnissen der menschlichen Seele. So überrascht es nicht, dass Steiner immer wieder ausruft, unsere Sprache sei einfach nicht imstande auszudrücken, was wirklich geschieht, wenn Wesen mit Wesen verschmilzt. Immer wieder begegnen uns als Leser der Vorträge Steiners Stellen wie «ich kann das nur andeuten» oder «ich kann das nur in stammelnden Worten sagen». Das ist keine falsche Bescheidenheit, das sind keine Floskeln, das ist einfach eine Tatsache oder auch manchmal Ausdruck der Verzweiflung. Ein erschütterndes Beispiel findet sich in dem Dornacher Arbeitervortrag vom 17. März 1923. Steiner beschreibt da seine mühevolle Vorbereitung auf den Vortrag, die Suche nach geeigneten Worten und sagt, dass der ärgste Augenblick immer erst nach Beendigung des Vortrags komme. Denn «nachher … kriegt man erst recht Angst, dass die Worte eigentlich nicht das Richtige bezeichnet haben».«

    Indem die SKA die Veränderungen aufzeigt, die Rudolf Steiner für jede Neuauflage an seinen Schriften vorgenommen hat, macht sie sein Ringen um den angemessenen Ausdruck dessen deutlich, das er in Worte zu fassen suchte. Dem Leser wird bewußt, daß kein Text Rudolf Steiners ohne weiteres gleichzusetzen ist mit seinem Sinn, und daß jeder dieser Texte ein Näherungsversuch ist (Steiner nennt sein Interpretieren/Übersetzen in eine irdische Sprache manchmal das »Herunterholen aus der geistigen Welt«).
    Die so entstandenen Texte wiederum bedürfen der Interpretation, der Rück-Übersetzung, durch den Leser – sonst bleiben sie aneinandergereihte Buchstaben. Und auch bei diesen „Rück-Übersetzungen“ handelt es sich um Näherungsversuche...

    Diese Näherungsversuche setzen sich bis heute fort, und das wird – hoffentlich! – auch in Zukunft geschehen:
    »Geisteswissenschaft wird nicht immer die Form behalten, die sie heute hat. Die Sprache kann ja nur in äußerst dürftiger Weise ausdrücken, was sie möchte. In der Geisteswissenschaft wird es mehr darauf ankommen, wie man etwas sagt, als was man sagt. Das wird international sein, das kann in jeder Sprache leben.« (GA 140)

    Noch einmal Rudi Lissau:
    »Im Vorwort zu seiner neuen Übersetzung der Philosophie der Freiheit ins Englische spricht Michael Lipson von der wunderbaren Möglichkeit, die englisch sprechende Menschen haben, von Zeit zu Zeit dieses Werk in ihre Sprache zu übersetzen. […]
    Gerade die Tatsache, sagt Michael Lipson, dass wir wissen, dass unsere englische Sprache nicht die idealen Worte für Steines Ausdrücke besitzt, gibt uns ein lebhaftes Gefühl für sein Ringen, das Unsagbare in Worte zu fassen. So kann Michael Lipson sein Vorwort mit den Worten schließen: «Hier haben wir einen Vorteil deutschsprachigen Lesern gegenüber, die der Versuchung unterliegen, ihre Version des Textes für die endgültige zu halten.»«

    Lieber Holger – vor diesem Hintergrund möchte ich Dich fragen, was genau Du gemeint hast mit Deinen Sätzen hier: »Der Ruf der geistigen Welt ertönt fortwährend. Und er will nicht interpretiert werden…«

    Herzlich,
    Ingrid

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    1. Liebe Ingrid, wie ich den Satz „Der Ruf der geistigen Welt will nicht interpretiert werden“ meinte, erschließt sich aus dem Zusammenhang des Aufsatzes, in dem er stand. Ich schrieb zuvor: „Nicht profaner soll das Anschauen werden, sondern spiritueller – in allem.“ Das akademische Interpretieren und Deuten kommt an das Geistige nicht heran, aber der deutende und interpretierende Intellekt kann mit seinen Deutungen sehr zufrieden sein und glauben, er habe etwas Wesentliches erreicht. Die akademische Wissenschaft ist sich immer selbst genug – aber ihre Bewusstseinsart hat zentralen Anteil am Aufrechterhalten des profanisierenden, abstrakten Denkens überhaupt. Schon damals hat Rudolf Steiner darauf hingewiesen, dass Philosophie zu Anthroposophie werden müsse, und doch wird immer weiter akademisch philosophiert, ausgelegt, erklärt und man ist’s zufrieden. Das meinte ich.

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    2. Lieber Holger,

      statt mich jetzt am „unheiligen Interpretationsstreit“ zu beteiligen, möchte ich Dich fragen, ob Du dem, was ich über die „Näherungsversuche“ gesagt habe, zustimmen kannst, und auch diesen Sätzen:

      Der „Ruf der geistigen Welt“ will gehört und interpretiert (in irdische Worte und Taten übersetzt) werden. Die geistige Welt ist in ihrer Entwicklung abhängig davon, daß Menschen ihren Ruf hören und interpretieren/übersetzen.

      Ich würde mich freuen, wenn Du dazu etwas sagen wolltest.

      Herzlichen Gruß, und Gute Nacht!
      Ingrid

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  4. Ich erinnere mch, wie einmal in einer Küche in einem Camphill, wo ich kochte, über Steinervorträge zuerst, und darauf ein wenig über Sternenkonstellationen gesprochen wurde. Da stundt ein Mann von der Sitzbank am Tisch fast auf im Gespräch - er war Landwirt und Heilpädagoge, und er hätte uns am liebsten alle am Schlawittchen gepackt, und sprach:
    "In jedem Vortrag Rudolf Steiner wird mit jedem Vokal und Konsonant haargenau die augenblickliche Sternenkonstellation gegriffen und exakt in Worte umgesetzt. Allein darum sind die Vortrags-Skripte für unsere Tage fast wertlos! Es ist darin die Umsetzung geschafft worden für die exakte Sternenkonstellation aus der meditativen Arbeit heraus!" Mich nervte solches Gebaren nach und nach in anthr- Einrichtungen. (Einmal wetterte einer: "Das Essen muß getrunken werden, das Trinken gegessen! Wohin kommen wir kuturell, wenn die Leute die wertvolle Nahrung nur 20 Mal pro Bissen kauen und dann sogleich unterschlucken, und dazu genauso flach schwätzen bei Tisch! Aber gut, ich halte mich zurück!")
    Mich nervte das "wettern" doch ich sagte selten etwas, weil ich primär erstmal verstehn konnte. Denn einfache Leute tragen in diesen Dingen ihr Herz auf der Zunge. Ihre Sehnsucht etwa, einem Göttlichen näherzukommen...doch da wurde alles rasch sehr mystisch. Auch mir fehlen gerade die Worte, diese Bedrückung darzustellen, die von der Sehnsucht nach Reinheit und ..einer Perfektion ausging. Steiner hat gewiß in größter Aufmerksamkeit nach um Worte gerungen. Aber der Zwang dieses Mannes, der auf uns ausgeübt wurde, jetzt Steiner ja als "Sternenleser" zu "sehn", der in einem von dem Manne ... vorgestellten (!) ..Überbewußtsein ... quasi nur scheinbar .. auf Erden am Rednerpult stehend sinngemäß "kosmische feinste Details in die Ätherleiber seine Zuhörer einarbeitete".. das hatte etwas von SciFi .. und Scientologie.. Es mag ja vereinzelt solche Situationen gegeben haben, aber ich vermute doch, daß Steiner auch als Mensch, nicht als fast schon außerirdisches Geistwesen da geheime Sternbotschaften sekündlich übertragen hat aus dem Kosmos. Ich schreibe das und teile das mit, weil es diese Über-Ehrfurcht beschreibt, die (mich) oft in anthroposophischen "Szenen" bedrückt.
    m.butty

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    1. Lieber Mischa,

      also, mit Sternkonstellationen kenne ich mich nicht besonders gut aus, dazu möchte ich nichts sagen.
      Aber daß die nachgeschriebenen Vorträge Rudolf Steiners für unsere Zeit nicht dieselbe Bedeutung haben können wie für den Augenblick, in dem sie gehalten wurden, das sehe ich schon auch so. Deshalb finde ich es sehr angebracht, daß die SKA sich auf die für die Allgemeinheit gedachten Schriften Rudolf Steiners beschränkt.

      :-) Trotzdem zitiere ich als Beleg für meine Ansicht aus einem Vortrag (13. Februar 1915, Stuttgart):

      »Was die äußere rein materielle Wissenschaft tun kann, daß sie alles über einen Leisten schlägt, das kann beim Spirituellen nicht der Fall sein, weil es ein Lebendiges ist, und weil ich zu Ihnen so sprechen muß, wie es von mir nicht ein abstrakter wissenschaftlicher Geist fordert, sondern wie es sich in mir belebt, indem ich gerade vor Ihnen stehe. Denn nicht aus meinem Herzen, aus Ihrem Herzen heraus tue ich es, so gut ich es kann. Und dienen möchte ich dem geisteswissenschaftlichen Impuls, der denjenigen, welcher in die geistige Welt etwas hinaufschauen kann, anweist, sich auszuschalten und auszusprechen, was in den Tiefen der Seelen derjenigen liegt, die ihm zuhören. In gewissem Sinne darf gesagt werden: Was ausgesprochen wird in dieser oder jener Betrachtung, es entspringt aus den Tiefen der Seelen der Zuhörer. Denken Sie auch über dieses nach! Wir müssen die Geisteswissenschaft nehmen als etwas, was lebt, und nicht als ein Abstraktes gewußt wird. […] Wenn wir hingehen zu dem anderen mit der Meinung, ihn durchaus überreden zu wollen, mit der Meinung, daß er unsere Meinung annehmen soll, so erleben wir schon nicht richtig spirituell. Und dieses Erleben, dieses Erfassen im unmittelbaren Erleben der geistigen Welt, das wird die Aura hervorbringen, die die Menschheit in der Zukunft haben muß.«
      Für mich stimmt das sehr gut zusammen mit dem vorhin Zitierten: »In der Geisteswissenschaft wird es mehr darauf ankommen, wie man etwas sagt, als was man sagt. Das wird international sein, das kann in jeder Sprache leben.«

      Herzlich,
      Ingrid

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    2. Auch ich verstehe doch herzlichst wenig von Sternenkonstellationen, aber .. ja siehst Du:

      "Denn nicht aus meinem Herzen, aus Ihrem Herzen heraus tue ich es, so gut ich es kann. Und dienen möchte ich dem geisteswissenschaftlichen Impuls, der denjenigen, welcher in die geistige Welt etwas hinaufschauen kann, anweist, sich auszuschalten und auszusprechen, was in den Tiefen der Seelen derjenigen liegt, die ihm zuhören. In gewissem Sinne darf gesagt werden: Was ausgesprochen wird in dieser oder jener Betrachtung, es entspringt aus den Tiefen der Seelen der Zuhörer."

      Das klingt doch ganz anders, als die Drohgebärde: "Steiner hat sämtliche kosmischen Weltzusammenhänge in seine Vorträge rhabarbararbarber!"

      Denn .. jede Mutter, die ihr Kind stillt, jeder Kellner, der gern kellnert und serviert, jeder Tellerwäscher, der zu seinem Abwasch singt, jeder Patient, der seinen Arzt versteht, weil der sich keine Zeit mehr nehmen darf, jeder Busfahrer, der vorsichtig für die Fahrgäste bremst, usw. usw. beginnt solches..

      Auch wenn das jetzt anmaßend klingt: Wenn ich das Steinerzitat lese, merke ich, daß ich solches ähnliches auch schon ab und an getan habe. Dennoch kann ich Steiner höchstwahrscheinliche Meisterschaft und Überlegenheit bezüglich meiner ähnlichen Fähigkeiten ungezwungen zuschreiben. Ich darf.. lernen.. ich darf .. mitgehen..

      Bei der Variante der übersteigerten Demut der Seite 30 "Wie errlangt man Erkenntnis", da soll ich spüren... "vergiß es.. wage nicht .. mitzugehn.. realisiere dein Unwürdigsein" .. ab einem gewissen Intenstätsgrad wird es destruktiv, und ich möchte sagen.. ansteckend destruktiv.. Mit dem rechten "wie" jedoch macht es auch Mut, und entbindet Kraft und Hingabe-Fähigkeiten.
      m.butty

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    3. Lieber Mischa Butty, ich verstehe Ihre Bemerkungen zum gedanklichen Ghetto und zu Parzival, der in die Welt ziehen muss, sehr gut. Natürlich kann die Anthroposophie nur in voller Freiheit aufgenommen werden, alles andere wäre furchtbar (und was Sie an Erfahrungen berichten, ist wirklich ein Horror-Szenario). Natürlich ist Eurythmie besser als moderner Tanz, weil sie geistiger ist. Aber zu dieser Erkenntnis und auch zu der Sehnsucht nach dem Geistigen muss der einzelne Mensch in der Seele ja selbst kommen. Wenn alles in einem noch die physische Welt sucht, wird man den modernen Tanz tausendmal besser finden und die Eurythmie überhaupt nicht begreifen, in ihrem innigen Bezug zum Geistesmenschen überhaupt nicht empfinden. Dann nützen auch schöne Heftchen nichts – und dennoch wurden diese von Menschen geschrieben, die ihre Mitmenschen auf etwas hinweisen wollten. Wie schwer das alles ist und wie schnell mitten in der Gefahr des Dogmatischen, wissen Sie ja.
      Parzival... Man kann sagen, die Menschheit geht schon seit langem einen Amfortas-Weg. Parzival ist der reine Tor – das ist der Mensch schon seit Langem nicht mehr. Ein Clown und Poet vielleicht noch am ehesten, die Menschheit als Ganze aber längst nicht mehr. Die Frage der geistigen Welt ist: Wie lange sucht die Menschheit wie in der Pubertät, aber längst schon gefährlich darüber hinaus, noch die Welt mit all ihren Sinnesfreuden und ihrer erschreckend wachsenden Geistlosigkeit, und wie lange empfindet sie den Weg zum Geist noch wie einen Weg in ein gedankliches oder anderes Ghetto? Das „mitten ins Leben hinein“ ist definitiv kein Widerspruch zu einem Leben mit und in der Harmonia – das beste Beispiel ist doch vielleicht Rudolf Steiner. Wie stand dieser Mensch im Leben! Aber er stand auch mitten in einem Leben im Geiste, und er scheute die Mühen und Entbehrungen nicht, die dies verlangte. Es ist immer die Frage der tiefsten Sehnsucht und ob man diese hört – oder eine andere. Rudolf Steiner bedauerte oft, wie wenig die Menschen das geistige Leben erlebten – denn täten sie es, würden sie sich nach einem „mitten ins Leben“ des Geistes (!) über alles andere sehnen. Und sie würden auch in alles übrige Leben den lebendigen Geist hineintragen, ohne dass irgendetwas an Ghetto denken ließe.

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    4. Lieber Mischa,

      »Auch wenn das jetzt anmaßend klingt: Wenn ich das Steinerzitat lese, merke ich, daß ich solches ähnliches auch schon ab und an getan habe.«
      Für mich klingt das nicht anmaßend. Mir geht es nicht anders, und ich bin überzeugt, daß viele Menschen es tun, manchmal wohl, ohne es überhaupt zu bemerken.


      »Bei der Variante der übersteigerten Demut der Seite 30 "Wie errlangt man Erkenntnis", da soll ich spüren... "vergiß es.. wage nicht .. mitzugehn.. realisiere dein Unwürdigsein“«
      ??? Das begreife ich nicht. So etwas habe ich bei Steiner bisher nicht gelesen, schon gar nicht auf S 30 (da ist nicht einmal von „Demut“ die Rede).
      Freilich spricht Steiner (auf S 20) davon, daß wir uns nur dann »zu einem Höherem hinaufentwickeln« können, wenn wir »das tiefgründige Gefühl in uns entwickeln, daß es etwas Höheres gibt«. Aber eben: es geht darum, daß wir uns hinaufentwickeln. Und wie sollte das möglich sein, wenn wir uns dessen unwürdig fühlen und nicht wagen, mitzugehen… ???
      Ich habe nicht die gesamte GA gelesen. Aber ich kann mir derzeit nicht vorstellen, daß Steiner jemals so etwas gesagt oder geschrieben hat.

      Bei Steiner liest es sich so: »Höhe des Geistes kann nur erklommen werden, wenn durch das Tor der Demut geschritten wird. Ein rechtes Wissen kannst du nur erlangen, wenn du gelernt hast, dieses Wissen zu achten.« Und er beklagt: »Unsere Zivilisation neigt mehr zur Kritik, zum Richten, zum Aburteilen und wenig zur Devotion, zur hingebungsvollen Verehrung. […] Aber jede Kritik, jedes richtende Urteil vertreiben ebensosehr die Kräfte der Seele zur höheren Erkenntnis, wie jede hingebungsvolle Ehrfurcht sie entwickelt.« und betont, »daß es sich beim höheren Wissen nicht um Verehrung von Menschen, sondern um eine solche gegenüber Wahrheit und Erkenntnis handelt.« –
      Ich lese das im Zusammenhang mit dem berühmten Satz aus der „Philosophie der Freiheit“:
      »Man muß sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft.«
      und mit dieser Stelle aus „Wahrheit und Wissenschaft“:
      »Aber es gibt eine Art der Selbstbeobachtung, die sich um die Gesetzlichkeit des eigenen Tuns fragt, und welche für die soeben geschilderte Naivität das Bewußtsein eintauscht, daß sie genau die Tragweite und Berechtigung dessen kennt, was sie vollführt. Diese wollen wir kritisch nennen. […] Wir nennen ein Verhalten kritisch, das sich der Gesetze der eigenen Tätigkeit bemächtigt, um deren Sicherheit und Grenzen kennen zu lernen.«

      Daraus erhellt für mich, daß Rudolf Steiner zwei Arten von „Kritik“ unterscheidet: einerseits das Aburteilen anderer, das die höheren Erkenntniskräfte vertreibt, andererseits das Bewußtsein der „Gesetze der eigenen Tätigkeit“, das sichere Erkenntnis erst ermöglicht.

      Herzlich,
      Ingrid

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    5. Uiih? Das war doch die Seite 30, in der Schrift "Wie erlangt man Erkenntnis etc" wo das mit der Devotion und Ehrfurcht vor Höherem drinsteht? 'Zuerst' vor einer Autorität, konkret, 'später' vor Prinzipien und vor den Ursprüngen der Ideen... Aber mir ging es um etwas, was ich spontan einmal als "Depression der Demut" bezeichnen möchte.
      Da gibt es dieses Gebet "Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach, doch sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund!" Meßopfer, Katholistan :-)
      So: Was ich meinte, ist eine Erfahrung, die ich bei "Anthros" (und zeitweise auch bei mir) gemacht habe... dieses überhand-nehmende Gefühl.. nicht genug zu sein. So, daß es den Menschen lähmen kann. Das sind dann womöglich noch Leute, die mit traurigen Augen ein Lächeln versuchen, ihr Stibium D 8 für Erdenschwere und ihr Ferrum Siderum D 13 gegen Lebensängste und innere Verzweiflung einnehmen, dennoch wird es nicht besser. (Ein fünftägiger Urlaub in der "Großstadt bei Nacht" wirkte bei manchem auf einmal mehr "Wunder" als ein Badekur-Aufenthalt mit Heil-Eurytm... ) Es geht um einen grundsätzlichen "Funken", schwer zu erklären, der auch mal trotz Scheitern wieder 5 gerade sein lassen kann. Denn ich sagte "da soll ich spüren... daß ich es fast besser lasse"... nicht daß das Steiner gesagt hätte, im Gegenteil! Aber manche Menschen in gewissen Institutionen, die seit 10 Tagen kein Frei mehr hatten, oder nach dem Eurythmiestudium noch zwei Jobs machten, und sich über sich ärgerten, das ihnen kein Heiligenschein wuchs, sondern ein Börn-Out... vermittelten oft ansteckend das Gefühl, daß "wir noch übermenschlichere Leistung und nochmals Leistung" zu bringen hätten. Und dies nicht aus der Alpharolle, in der Rudolf Steiner war, sondern für fremde Institutionen... Steiner hat nicht noch nach Feierabend bei Dombrowskys die Wäsche gebügelt und Babysitter gemacht... Daran denke u.a. ich bei Michael Eggerts Satz, sich .. sinngemäß nicht von einem gewissen Milieu finanziell abhängig zu machen.
      Dazu gehört auch die Ansicht, nämlich die unausgesprochene, daß nur Steiner "etwas taugte", "wir" aber "als Anthroposophen" immer den Ball flach zu halten haben... Ich schildere ja nur eine Atmosphäre, eine lähmende. Vielleicht versteht der eine oder die andre, was ich meine. Ich muß erst einmal ins Bett. Liebe Grüße und gute Nacht
      m.butty

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    6. Lieber Mischa,

      in meiner „ahrimanischen GA“ auf HDD (die ja, soviel ich weiß, scans der GA-Bücher enthält) geht es auf S 30 um Augenblicke innerer Ruhe, in denen man das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden lernt...

      Aber wie dem auch sei:
      Ich habe längst nicht soviel Erfahrung mit dem anthroposophischen Milieu wie Du und kann (und will) Dir daher darin nicht widersprechen.
      Jedenfalls weiß ich noch gut, wie unbehaglich es mir zumute war, als sich ein Kollege vor vielen Jahren finanziell vollkommen abhängig von einer anthroposophischen Institution machte (er als begeisterter Waldorflehrer, seine Frau im Sekretariat, und sie hatten auch noch eine Dienstwohnung…). Meine Befürchtungen haben sich damals allerdings nicht bewahrheitet – er führte währenddessen (ebenfalls in dieser Institution) seine Gesangsausbildung fort, hörte nach ein paar Jahren als Waldorflehrer auf, ist heute ein sehr beliebter und vielbeschäftigter Sänger und fühlt sich der Institution nach wie vor verbunden, wenn auch längst nicht mehr finanziell. Es kann also offenbar auch gutgehen.
      Dennoch stehe ich zu meinem damaligen unbehaglichen Gefühl… wenn er nicht der Mensch gewesen wäre, der er ist, hätte das auch ganz anders ausgehen können.

      Zu dem Satz:
      »Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach, doch sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund!«
      Ich bin nicht katholisch, erlebe aber aus beruflichen Gründen sehr häufig katholische Messen mit. Dieser Satz ist mir daher sehr vertraut.
      Wenn ich ihn freiwillig ausspreche und nicht (wie ich es leider, leider bei vielen Menschen beobachte) bereits nach den ersten Worten »Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach« mein waches Bewußtsein verliere und in ein automatisches „Leiern“ gerate, sondern auch das Ende des Satzes: »sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund!« ganz bewußt ausspreche - - - und wenn ich auch noch das »Nicht ich, sondern der Christus in mir« des Paulus dazuhalte, und nicht etwa als eine „moralische Forderung“, sondern als Schilderung eines Erlebnisses - - - dann drückt dieser Satz aus der katholischen Messe für mich eine ermutigende Wahrheit aus, und ist nicht etwa ein moralisch entmutigend drohender Zeigefinger.

      Nun hoffe ich, daß ich mich verständlich ausgedrückt habe...

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    7. S.13 über S. 15 ff .. "..der Pfad der Verehrung"...
      "wie erlangt man Erkenntnis der höheren Welten?" Taschenbuch, Dornach 1975- 22. Auflage
      Habe schon lange nicht mehr reingeschaut, ich kannte die in den 80ern fast auswendig, es ist ein relativ dünnes Büchlein..
      m.butty

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    8. Wäre ich "Guru-Therapeut", würde ich diesen Satz über der Tür stehn haben und meinen Schülern als Mantra geben! Weil ich gestern sehr müde war verwirrte sich das in meinen Artikulations-Anstrengungen: Der Satz vor dem Meßopfer ist mein "liebstes" Gebet, vor allem nämlich das: "Sprich nur - e i n - Wort!" .. . kehrt das ganze "ich bin unwürdig, wie ich und jeder andre ja genau wissen!" :-)) :-)) :-)) .. kehrt alles um!
      m.butty

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    9. "Sprich nur - e i n - Wort!" .. . kehrt das ganze "ich bin unwürdig, wie ich und jeder andre ja genau wissen!" :-)) :-)) :-)) .. kehrt alles um!

      Ja.
      Ich freue mich wirklich sehr, daß Du das ebenso erlebst.
      Und ich leide immer wieder darunter, daß gerade dieser Satz entsetzlich mißverstanden wird, indem man nur den ersten Teil in sein Bewußtsein aufnimmt.
      Ich erinnere mich sogar, daß ein Chorsänger mal vor sich hin murmelte, es sei scheinheilig, zur Kommunion zu gehen, nachdem man gerade gesagt habe, daß man eben nicht würdig sei... ich machte ihn auf den zweiten Teil aufmerksam; er wurde ganz still, und ich hatte den Eindruck, daß er zum allerersten Mal versuchte, zu begreifen, was er da sicherlich schon viele tausend Male vor sich hingeleiert hatte.

      Ich sehe dieses Mißverständnis – moralisch drohender Zeigefinger statt herz-liche Ermutigung auch des „Unwürdigsten“ – als eine große Tragik an. Sowohl in katholischen als auch in anthroposophischen Zusammenhängen.

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    10. Und noch zu GA 10:
      »es ist ein relativ dünnes Büchlein..«
      Ich habe es als Skriptum aus einem Antiquariat, mit der Maschine geschrieben (Hervorzuhebendes ist g e s p e r r t getippt – es rührt mich sehr, so deutlich vor Augen zu haben, welche Mühe jemand sich damit gegeben hat, das alles so getreu wie nur möglich abzutippen) und dann vervielfältigt und gebunden; natürlich mit ganz anderen Seitenzahlen.

      »"..der Pfad der Verehrung“«
      Ja.
      Verehrung, Devotion, wie auch immer man es nennen will.
      Gelernt in der Kindheit, in Erlebnissen mit Menschen, zu denen Kinder »in heiliger Scheu … emporblicken« - - - nicht etwa, weil jemand ihnen sagt: „Verehre mich/XY gefälligst!“, sondern ganz natürlich, weil sie eben verehrungswürdigen Menschen begegnen.
      Und später wird »die erst kindliche Verehrung gegenüber Menschen zur Verehrung gegenüber W a h r h e i t und E r k e n n t n i s. Die Erfahrung lehrt, daß diejenigen Menschen auch am besten verstehen, das Haupt frei zu tragen, die verehren gelernt haben da, wo Verehrung am Platze ist. Und am Platze ist sie überall da, wo sie aus den Tiefen des Herzens entspringt.«
      Also auch hier: kein moralischer Zeigefinger, der Verehrung gebietet, keine Anleitung, wie man es „machen muß“, sondern Erlebnisschilderung, seelische Beobachtung der „Tiefen des Herzens“, aus denen Verehrung entspringt, wenn sich Verehrungswürdiges zeigt…

      Wenn ich aus diesen Schilderungen eine „moralische Verpflichtung“ ableiten wollte, so könnte es nur die sein, gerade Kindern gegenüber ganz besonders auf authentisches und wahrhaftiges Verhalten zu achten, um sie nicht durch Lügen oder sonstige Scheinheiligkeiten vor den Kopf zu stoßen und damit jeden Keim von „Verehrung“ von vornherein zu ersticken.
      Aber um diese Verpflichtung zu empfinden, brauche ich nicht erst Rudolf Steiner zu lesen, das bringt – für mich – die Begegnung mit Kindern mit sich.

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    11. Ich habe dieses "dünne Büchlein", allerdings auch im geistigen Sinne "dünn", wie mir schien, vor langer Zeit auch gelesen.

      Zu Verehrung fähig zu sein, Verehrung empfinden zu können ist zweifelsohne eine sehr positiv gerichtete und wichtige menschliche und moralische Qualität.

      Was hier aber auf den Kopf gestellt wird, ist die Tatsache, dass das "Verharren in Devotion, Verehrung usw..." hier als Vorbedingung für die Erkenntnis dargestellt wird, und nicht als deren sinnvolle und natürliche Folge.

      Wirklich moralische Qualität kann Verehrung nur aufweisen, wenn ich die Güte und/oder Qualität eines Menschen, einer Lehre, eines Prinzips erkannt habe, und eben nicht vorher, als Vorbedingung für deren Erkenntnis sozusagen.

      In dem dünnen Büchlein wird aber die notwendige Verehrung ziemlich am Beginn als eine der Vorbedingungen für die Erkenntnis dargestellt.

      Dies aber ist eine vollständige Umkehrung der simpelsten aus dem natürlichen Empfinden eines jeden einigermassen vernünftig denkenden und aufrichtig fühlenden Menschen klar ableitbaren Prinzipien. Krasser gehrt es kaum!

      Was spricht denn dagegen erkannt zu haben, wen oder was man "verehren" sollte?

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    12. Lieber Rudolf,

      »Was spricht denn dagegen erkannt zu haben, wen oder was man "verehren" sollte?«

      Rudolf Steiner spricht zunächst vom kindlichen Verehren.
      Kleine Kinder erkennen noch nicht bewußt. Aber sie können es empfinden, wenn ihnen ein verehrungswürdiger Mensch begegnet.
      Auf diese Weise, also noch nicht verstandesmäßig, lernen sie das Gefühl der Verehrung kennen.

      Wer dieses Gefühl der Verehrung kennengelernt hat, kann es später verwandeln – nun wird aus Verehrung für einen Menschen Ehrfurcht nicht vor einem Menschen oder einer Lehre, sondern, wie Steiner sagt, das »tiefgründige Gefühl […], daß es etwas Höheres gibt, als wir sind«, und ohne das wir nicht »in uns die Kraft finden, uns zu einem Höheren hinaufzuentwickeln.«
      Und Steiner betont dabei ausdrücklich, daß es sich hier »nicht um Verehrung von Menschen, sondern um eine solche gegenüber Wahrheit und Erkenntnis handelt.«

      Ehrfurcht vor Wahrheit und Erkenntnis, verbunden mit der Sehnsucht, danach zu streben, scheint mir tatsächlich eine Vorbedingung jeglicher „Erkenntnisse der höheren Welten“ zu sein.

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    13. „Ein liebendes Herz ist der Anfang aller Erkenntnis.“

      “A loving heart is the beginning of all knowledge.”
      Thomas Carlyle (1795 - 1881) war ein schottischer Essayist und Historiker.

      Kurz bevor ich als 18jähriger „Wie erlangt man Erkenntnisse...“ in den Händen in einer skandinavischen Übersetzung hielt, hatte ich viel in Carlyles Roman „Sartor Resartus“ (Der neumaßgeschneiderte Schneider) von 1831 gelesen, in dem sein Spruch in einer besonderen Geschichte umgesetzt ist, eine Geschichte als Parodie auf Hegel und den deutschen Idealismus im Allgemeinen. Bis heute ging es in meinem beweglichen Leben zuerst darum, das liebende Herz am Leben zu halten, danach um Erkenntnis zu suchen.

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    14. Liebe Ingrid,

      "Ehrfurcht vor Wahrheit und Erkenntnis, verbunden mit der Sehnsucht, danach zu streben......."

      Wenn diese zwei Dinge auf ein und dasselbe Objekt bezogen sind, dann ist obiger Satz ein Widerspruch in sich, denn diese zwei Dinge können nicht miteinender verbunden sein, da sie nicht zeitgleich in einem einzigen Menschen bestehen können.
      Ich kann nicht die Wahrheit (von etwas Bestimmten) erkannt haben, mich aber gleichzeitig danach sehnen erst nach deren Erkenntnis streben zu wollen.
      Hier liegt meiner Meinung nach der erste Hund begraben.

      Der zweite liegt in der Tatsache, dass Steiner zwar von "kindlicher Verehrung" spricht, aber im Zusammenhang mit erwachsenen Menschen. Er fordert von erwachsenen Menschen, dass sie wie Kinder, also "kindlich verehren" sollten.

      Es ist klar, dass Kinder ein erkenntnisloses Urvertrauen z.B. zu ihnen nahestehenden Menschen haben, bzw. dass es sehr positiv ist, wenn sie dies entwickeln.
      Das meinte Steiner aber mit Sicherheit nicht, dass nur diejenigen Menschen als Erwachsene die geistigen Welten "erkennen" würden, welche als Kind verehrt hätten oder sich dieser Art von Verehrung hingegeben hätten.

      Er meinte schon, dass wir - und zwar vor der Erkenntnis nach der wir streben - das Objekt dieser Erkenntnis "kindlich" verehren sollten.

      Das ist es, was ich nicht akzeptiere. Wir sollen werden oder empfinden wie Kinder um zu erkennen??? Eine sehr sonderbare Theorie.....
      Wieder mal werden natürliche Empfindungen (und sehr wahrscheinlich auch die Wahrheit) vollständig auf den Kopf gestellt!

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    15. Zwischen der kindlichen Verehrung und der Verehrung, von der Rudolf Steiner als Bedingung für höhere Erkenntnis spricht, liegen Welten. Wer jedoch als Erwachsener keine Ehrfurcht kennt, kann nicht verstehen, was Steiner hier meint. Ehrfurcht vor der Wahrheit – dies kann ganz allgemein gepflegt und unendlich vertieft werden. Von nichts anderem spricht Steiner hier. Hätten Sie Ehrfurcht vor der Wahrheit, könnten Sie seine Worte so lesen und verstehen, wie sie gemeint sind, ohne dagegen zu polemisieren. Jeder Mensch hat ein Gefühl für Wahrheit und weiß auch, was Erkenntnis ist. Dieses Bewusstsein zu vertiefen und zugleich die Empfindung der Ehrfurcht damit zu verbinden lernen, das ist es, was Steiner meinte. Dies ist die Bedingung für höhere Erkenntnis – denn die Geistwelt verschließt sich dem, der diese Ehrfurcht noch nicht in sich lebendig gemacht hat, und andere Mächte haben leichtes Spiel, die Seele an andere Orte zu führen. Sobald man Ehrfurcht empfinden kann, öffnen sich einem Augen und man sieht, was man vorher nicht gesehen hat. Das gilt für alles, und es gilt gerade auch für Worte/Texte eines anderen Menschen. Machen Sie den Versuch!

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    16. @ Jostein, danke.

      „Ein liebendes Herz ist der Anfang aller Erkenntnis.“

      ja, das ist genau etwas, was auch meiner Meinung nach Zukunft haben könnte, auch als Vermittlerfunktion zwischen Akademikern und Anthroposophen - sozusagen als 'Schmiermittel' für Einseitigkeiten...aber wohin die Reise dann gehen soll weiss ich auch nicht...

      Dank auch an Burhhard, ich ging ebenso mit den Themen der Kontrahenten eine Zeit schwanger, aber MIR fehlten die Worte, schweigen war mir dann lieber...Ich habe dann allerdings folgendes von R. Steiner gefunden in meinem kleinen Privatarchiv und ließ mich inspirieren dann grundsätzlich etwas zu verstehen - nämlich dies ganze Ringen hier im Blog und da draußen...

      Hier mal die Gedanken und Fragen Steiners, zitiert aus Anthrowiki mit Vorwort des Betreibers:

      Der Mensch als zehnte Hierarchie

      Der Mensch ist dazu berufen, sich künftig als zehnte Hierarchie in den Chor der geistigen Wesen einzureihen und als Geist der Freiheit und Liebe dem Kosmos völlig neue Eigenschaften einzugliedern.

      Ausschnitt aus GA 110 S. 125:

      "Ist wirklich Anlaß vorhanden, sich zu sagen: Da stehen wir auf unserer Erde, wir werden höhere Stufen erreichen in der Weltentwickelung, wir werden selbst heraufsteigen in der Hierarchie, aber die Wesen, zu denen wir werden können, sie sind schon alle da, und unsere eigene Stufe ist ja früher von anderen Wesenheiten beschritten worden! Ist das so ? Das ist die große Konsequenzfrage, die eigentlich jedem, der unbefangen die Vorträge hat auf sich wirken lassen, vor die Seele treten muß. Haben wir es bloß mit einem Menschenwerden zu tun, das sich ewig wiederholt, dann sind wir wie die Geister der Persönlichkeit auf dem alten Saturn, wie die Erzengel auf der alten Sonne, wie die Engel auf dem Mars. Für uns mag das wichtig sein, für die höheren Götter wäre es nur eine Vermehrung ihrer Geschöpfe, und sie hätten nichts Sonderliches als Fortschritt erreicht. Eine andere Frage ist es aber: Werden sich die Menschen vielleicht einmal gerade dadurch, daß sie auf der Erde Mensch werden, zu Wesenheiten entwickeln, die etwas können, was die Engel nicht können, was auch die Erzengel und die Geister der Persönlichkeit nicht können? Hat die ganze Schöpfung etwas dazugelernt dadurch, daß sie nach den Erzengeln und Engeln Menschen erzeugt hat? Hat die Schöpfung einen Fortschritt gemacht? Hat der Mensch dadurch, daß er sich dazu bequemt hat, tiefer herunterzusteigen, hat er vielleicht dadurch Anwartschaft darauf, noch höher hinaufzusteigen? Diese Frage stellen wir uns einmal als eine Art Konsequenzfrage hin."

      Und genau das scheint mir auch wichtig: Fragen stellen bzw. Hinter-Fragen bei wachem Bewußtsein, denkend...

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    17. Lieber Rudolf,

      »Ich kann nicht die Wahrheit (von etwas Bestimmten) erkannt haben, mich aber gleichzeitig danach sehnen erst nach deren Erkenntnis streben zu wollen.«
      Davon habe ich aber auch gar nicht gesprochen.
      Was ich meinte: ohne ein Gefühl dafür, daß es Wahrheit und Erkenntnis gibt, und ohne etwas wie „Ehrfurcht“ vor dieser existierenden Wahrheit und Erkenntnis, werde ich nicht die Kräfte entwickeln können, danach zu streben.

      Steiner »fordert von erwachsenen Menschen, dass sie wie Kinder, also "kindlich verehren" sollten.«
      Nein.
      Es mag sein, daß es irregeleitete Anthroposophen gibt, die solches fordern.
      In der hier diskutierten Schrift (GA 10) aber spricht Rudolf Steiner ganz ausdrücklich von der Verehrung gegenüber einem Menschen, die man als Kind erleben und lernen kann, und die sich dann beim erwachsenen Menschen verwandelt in die Verehrung gegenüber Wahrheit und Erkenntnis.
      Er fordert von erwachsenen Menschen also gerade nicht „kindliche Verehrung“.

      »Das meinte Steiner aber mit Sicherheit nicht, dass nur diejenigen Menschen als Erwachsene die geistigen Welten "erkennen" würden, welche als Kind verehrt hätten oder sich dieser Art von Verehrung hingegeben hätten.«
      Vielleicht nicht nur. Ich will nicht ausschließen, daß man die Verehrungskräfte auch dann noch entwickeln kann, wenn man sie nicht schon als Kind entwickelt hat.
      Aber Rudolf Steiner spricht jedenfalls davon, daß Menschen, die als Kind verehren gelernt haben, die besseren Voraussetzungen haben für „Erkenntnisse der höheren Welten“ (ich zitiere weiter aus GA 10):
      »Gewisse Eigenschaften muss er in sich bis zu einem bestimmten hohen Grade entwickeln, dann können ihm die höchsten Geistesschätze zuteil werden.
      Eine gewisse Grundstimmung der Seele muss den Anfang bilden. Der Geheimforscher nennt diese Grundstimmung den Pfad der Verehrung, der Devotion gegenüber der Wahrheit und Erkenntnis. Nur wer diese Grundstimmung hat, kann Geheimschüler werden. Wer Erlebnisse auf diesem Gebiete hat, der weiss, welche Anlagen bei denen schon in der Kindheit zu bemerken sind, welche später Geheimschüler werden. Es gibt Kinder, die mit heiliger Scheu zu gewissen von ihnen verehrten Personen emporblicken. Sie haben eine Ehrfurcht vor ihnen. […] Aus den Reihen dieser Menschenkinder gehen viele Geheimschüler hervor. […] Es ist ein Glück für jeden heranwachsenden Menschen, solche Gefühle als Anlagen in sich zu tragen. Man glaube nur ja nicht, daß solche Anlagen den Keim zur Unterwürfigkeit und Sklaverei bilden. Es wird später die erst kindliche Verehrung gegenüber Menschen zur Verehrung gegenüber Wahrheit und Erkenntnis. Die Erfahrung lehrt, daß diejenigen Menschen auch am besten verstehen, das Haupt frei zu tragen, die verehren gelernt haben da, wo Verehrung am Platze ist. Und am Platze ist sie überall da, wo sie aus den Tiefen des Herzens entspringt.«
      Ich finde, das ist sehr deutlich.

      Ich möchte hinzufügen, daß Rudolf Steiner niemals Verehrung fordert. Sondern er schildert hier wenn-dann-Beziehungen:
      Wenn ein Mensch als Kind Verehrung gelernt hat, dann hat er die besseren Voraussetzungen, Geheimschüler zu werden und Erkenntnisse der höheren Welten zu erlangen.
      Niemand aber muß (oder auch nur soll) Geheimschüler werden.

      Herzlich,
      Ingrid

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  5. @Ingrid H. Sonntag, 29. März 2015 um 22:15:00 MESZ
    „… daß die nachgeschriebenen Vorträge Rudolf Steiners für unsere Zeit nicht dieselbe Bedeutung haben können wie für den Augenblick, in dem sie gehalten wurden, das sehe ich schon auch so. Deshalb finde ich es sehr angebracht, daß die SKA sich auf die für die Allgemeinheit gedachten Schriften Rudolf Steiners beschränkt.“

    Und warum sollen die 90 oder noch mehr Jahre alten „für die Allgemeinheit gedachten Schriften“ für unsere Zeit noch dieselbe Bedeutung haben? Anliegen der SKA ist doch gerade auch, die Veränderungen von Auflage zu Auflage zu dokumentieren; als Steiner dann tot war und nichts mehr umschreiben konnte, hat er dann das Endgültige hinterlassen?

    Das smiley deutet es an, Sie wissen, dass Sie sich natürlich widersprechen, wenn Sie zum Beleg ausgerechnet aus einem Vortrag zitieren, nur – warum tun Sie's dann?

    Seltsame Inkonsequenzen.

    –––––

    Konsequent für unsere Zeit bedeutungslos und überwunden scheinen wenigstens einige Poster hier und da (nicht Ingrid H.) den Vortragspassus „Wenn wir hingehen zu dem anderen mit der Meinung, …“ zu halten. Genauso wie einige Gegner der SKA mit ihren beschämenden Verleumdungen und Niederträchtigkeiten. Na, Weiterentwicklung halt.

    Konsequent für veraltet scheint man auch beim Rudolf Steiner Verlag das: es kommt mehr darauf an „wie man etwas sagt, als was man sagt“ zu halten, sonst gäb's da nicht diese Menge an herausgeber-verpfuschten Texten, unter dem Autorennamen „Rudolf Steiner“. Anthroposophie, weiterentwickelt, über alte Vortragstexte hinweg.

    s.

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    1. @ s.:
      »Und warum sollen die 90 oder noch mehr Jahre alten „für die Allgemeinheit gedachten Schriften“ für unsere Zeit noch dieselbe Bedeutung haben?«
      Das habe ich nicht behauptet.
      Ich wollte nur auf den Unterschied aufmerksam machen zwischen für die Allgemeinheit konzipierten und sorgfältig ausgearbeiteten Schriften einerseits und spontan und für eine bestimmte Zuhörerschaft gehaltenen Vorträgen andererseits.
      Ich bin überzeugt davon, daß die Bedeutung dieser Schriften, sich mit der Zeit und dem Verständnis der Leser wandelt, sodaß wir heute noch gar nicht abschätzen können, welche Bedeutung sie in der Zukunft haben werden.

      »als Steiner dann tot war und nichts mehr umschreiben konnte, hat er dann das Endgültige hinterlassen?«
      Er hat seinen letzten Näherungsversuch hinterlassen.
      Aus meinem posting geht wohl hervor, daß ich der von manchen heftig kritisierten Aussage Wolf-Ulrich Klünkers zustimme, daß »keine Textversion, letztlich kein Text verbindlich sein kann.«

      :-) Und warum ich aus diesem Vortrag zitiert habe, geht wohl aus dem Inhalt des Zitates hervor.
      Ich habe schließlich nicht behauptet, daß die Nachschriften der Vorträge Rudolf Steiners für unsere Zeit und heutige Leser keine Bedeutung mehr hätten.

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    2. P.S.: Aus meinem posting geht wohl hervor, daß ich der von manchen heftig kritisierten Aussage Wolf-Ulrich Klünkers zustimme, daß »keine Textversion, letztlich kein Text verbindlich sein kann.«
      Gemeint ist mein posting hier.

      Gute Nacht!
      i.

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    3. " »als Steiner dann tot war und nichts mehr umschreiben konnte, hat er dann das Endgültige hinterlassen?«
      Er hat seinen letzten Näherungsversuch hinterlassen. "

      Ich glaube, verstanden zu haben, daß doch eben hier "der Wurm begraben liegt", weshalb - einige - Menschen die in der Thematik der Anthroposophie bewandert sind und sein möchten, Probleme mit der SKA ... am liebsten würde ich sagen "hatten".. und haben.

      In meinen Verständnis-Kosmos drückt sich dies aus in dem oben von mir geschilderten Extrem, wo ein engagierter und hochmotivierter Mann in Steiners Vorträgen .. eine Offenbarung erblicken möchte, die "biblisch mystisch magisch" ist; ein für das menschliche Alltags-Bewußtsein unauslotbarer metaphysischer Vorgang, innert dem alle Galaxien und Sternkonstellationen ium die im All einverwobene Erdkugel n den durch Steiner vorbereiteten deutschen Sprachgenius einfließen, die Engel umwalten in Scharen den geheiligten Ort des Vortrages. Jeder andere empathisch meditative Annäherungs-Vorgang eines Künstlers oder Redners vor Publikum ist dagegen primi-profan.
      Und nun auch in die Schriften sind geheime für uns Heutige unsichtbare gedankliche Runen eingeheimnist, und Steiner sah exakt schon vorher, wann in 1000 Jahren werr dieses oder jenes Inspiratorium seiner Schrift entbinden würde....
      Daher ist der letzte Versuch einer Schrift - nach okkultem Gesetz, uns Profanen verborgen, der wahre Ur-Text, der nun offenbarend in die Welt ausgegossen ist...

      Ich möchte gestehn, wenn ich so, wie ich es oben beschrieb, die Dinge sehen wollte, begebe ich mich ja so heftig in eine Vorstellung hinein, daß psychotisch werde.

      Was ist dann - nicht - psychotisch? Ich würde sagen, wenn wir akzeptieren, daß "hinter dem Schleier" immer "nicht-profanes" ist, das " dem Alltagsbewußtsein Ungeheuerliches und Unauslotbares" immer und mit jedem und jederzeit geschieht. Und "der Schleier", daß wir dies nicht fassen, seinen Sinn hat ... und durch Schulung kann "der Schleier" transparent werden ohne das wir Schaden nehmen, oder anderen schaden..

      Und dann "darf" auch "ein Steiner" wieder profan sein. Und seine Werke sind Werke eines besonders vielfältig begabten Mitmenschen, die man textkritisch in dessen biografischer Geschichte sichten kann. Und jede letzte Ausgabe war nicht die geheiligte letzte geweihte Urfassung als Orginales Abbild des "geistigen Vorbildes", sondern auch wieder ein letzte Annäherung.

      Irgendwie verliere ich sonst den Faden, und man redet allerlei in Zungen und Fußnoten, ist nett zueinander, oder ärgert sich wieder, und am Ende ist wieder Morm.. Verschw. .. und "böse SKA" .. Und daher möchte ich die Haltung, Denkhaltng, Geisteshaltung(en) begreifen und fassen können, "warum" die SKA ..nach langer oder kurzer Diskussion, wo sie ganz aus dem Fokus verloren wird, wenn wir bei ihr wieder ankommen, immer noch "schlimm, überflüssig, unseriös" ist.
      Mit herzlichem Gruß wünscht gute Umstellung auf Sommerzeit
      mischa butty

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    4. Hier ist ein Punkt der SKA-Kritik, den ich noch immer nicht recht begreife, gerade wenn ich versuche, mich in diejenigen einzufühlen, die sich weigern, Rudolf Steiner, wie Du es vorschlägst, zu „profanisieren“ und als nichts weiter als einen „besonders vielfältig begabten Mitmenschen“ anzusehen:

      Wenn ich Rudolf Steiner als „Eingeweihten“ betrachte, gar als den „Meister des Abendlandes“ - - - gerade dann müßte ich doch Wert darauf legen, jeder der Veränderungen, die er im Laufe seines Erdenlebens an seinen Schriften vornahm, so genau wie nur möglich nachzugehen.
      Und wenn ich dazuhalte, daß, wie er sagte, »Geisteswissenschaft […] nicht immer die Form behalten [wird], die sie heute hat [also zu seiner Zeit hatte, i.h.]« - - - würde ich mich dann nicht darum bemühen wollen, aus diesen Veränderungen Hinweise zu gewinnen auf die „Richtung“, in der es weitergehen könnte... ???

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    5. @Ingrid, das ist das mit dem "Tabu" dessen, was "geheiligt" ist, dieses "nicht wagen, dran zu rühren"... was mit der "Depression der Demut" ... also aus einer neurotisch falsch verstandenen Demut und Ehrfurcht erwächst..

      Darum hab ich ja oben gestern so gerungen, die Atmosphäre etwas zu veranschaulichen, in der man alles, was "durch Steiner gegeben" sei, erst in einem groben Entwurf erfassen könne, alles sei künftigen Generationen vorbehalten, die dann weiter sind.

      Daher muß besser mal alles versigelt bleiben, am besten wie bei einer Pyramide, ein "anthroposophischer Kyffhäuser" am besten... bis dereinst der ätherische Christus in Dornach daraus sich hervorarbeitet, nach Generationen altbackener Kontinuität ... diese Dinge klingen lächerlich, - wabern aber im Unausgesprochenem...

      Dabei müssen wir uns doch befreien aus der Depression einer falschen, nämlich neurotischen Demut!

      Auch wenn ich was angestellt hab, Fehlerhaftigkeit offenbart habe, dann komme ich nicht weiter, wenn ich sage: Daher darf ich mich eh nicht entwickeln, darf nicht an mir arbeiten! Das dürfen nur Fehlerfreiere. Auch das ist eine Haltung, die damit korrespondiert. "Unwürdig"...? "Tabu"..? Es sind dies konventionelle "Muster".

      mischa butty

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  6. 90 Jahre sind eine lange Zeit, aber manche Menschen können in einem Leben diesem Zeitraum umfassen. Jedenfalls ist Rudolf Steiner heute vor neunzig Jahren gestorben – vielleicht das größte und lebendigste Menschenparadox in der Menschheitsgeschichte. Ein Paradox auf der einen Seite, weil seine zentrale Mitteilung an andere Menschen war, ihr individuelles Ich ernst zu nehmen und aus einer Erleben und Erkennen seiner geistigen Fähigkeit, die Freiheit in Bezug auf die Gesellschaft und die geistige Welt verwirklichen zu wollen. Ein Paradox auf der anderen Seite, weil sein Werk so umfangreich war, dass so viele Menschen sich seinem Ich unterwarfen im Glauben, dass diese Ehrfurcht gegenüber einen Eingeweihten davon handelt, die Freiheit zu realisieren. Mögen seine Worte und Taten dem Einzelnen helfen, sich von seinen Worten und Taten zu befreien – und von aller Unterwerfung unterdrückender und zweckloser Autoritären!

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  7. Ja lieber Herr Saether,

    ich teile Ihre Meinung.

    Ich persönlich bin Rudolf Steiner ganz besonders dafür dankbar, dass er in exemplarischer Weise aufgezeigt hat, wie weit die Macht von Menschen über Menschen getrieben werden kann, natürlich unter Ausnutzung menschlicher Schwächen, deren potentiell so gut wie unendliche Ausmasse er uns - wie es klarer kaum noch möglich wäre - vor Augen führt.

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Danke für Ihre Mitarbeit im Blog.

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