Andrew Cohen, ein Guru mit „big ego“

Nach dem Rückzug Andrew Cohens als Guru vieler „integral“ Bewegter und auch einer Reihe intellektueller Anthroposophen wurden sowohl bei ihm als auch in der Bewegung die Wunden geleckt. Zu tief waren viele Verletzungen, wie sie auch in einer Reihe von Aussteiger- Büchern bekannt wurden wie das van der Braaks.

Damals schrieb ich über die Rolle Cohens: „Das zweite Prinzip war eine strikte Hierarchie seiner Zuneigung, die sich so entwickelte, dass die engsten Anhänger bei ihm wohnen durften, die nächst näheren in einem benachbarten Haus, und so fort. Wenn man ihm nicht reif erschien, wurde man degradiert oder auch ganz ausgestossen, musste absurde Bußen tun, anderweitig nützlich sein, oder ihm einfach zu Diensten sein. Die Möglichkeit, sich wieder hochzudienen, war meist vorhanden.
Zunehmend kam ein weiteres Instrument zur Herrschaft hinzu, nämlich eine Art stalinistischer Schauprozesse, die in der Gruppe vollzogen wurden und vor allem dazu dienten, bestimmten Opfern Geständnisse und absurde Selbstbeschuldigungen abzuringen. Die Wahl des Opfers wirkte oft etwas willkürlich und traf sehr häufig auch diejenigen, die Cohen gerade sehr nahe standen. Cohen entwickelte sich mit den Jahren offensichtlich in dem Maß, wie die Zahl seiner Anhänger wuchs, allmählich zu einem "Soziopathen", der keine wirkliche Nähe mehr kannte, sondern immer mehr über Menschen und deren intimste Lebensbereiche zu bestimmen versuchte, sie ständig demütigte, sie in beliebige und zerstörerische Aufgaben und Erdteile schickte. 
Die grösste Strafe aber war stets der Entzug von Zuwendung und Nähe Cohens. Auch die häufigen Beleidigungen Cohens seinen Schülern gegenüber waren natürlich auch nur dazu gedacht, „unserem Ego einen Schock zu versetzen“ (..) und damit „Freiheit“ zu erreichen.

Auch zwei Jahre nach dem Rückzug (man konnte auch in Facebook- Listen Integraler lesen: Soll er doch in Indien bleiben und weiter schmollen) gesteht Cohen in einem aktuellen Blog- Eintrag zwar eine gewisse Problematik seiner Guru- Rolle zu: „AN OPEN LETTER TO ALL MY FORMER STUDENTS UPON RETURN FROM MY SABBATICAL“ , hat aber mit eben dieser Rolle nicht wirklich gebrochen. Denn er entschuldigt seine radikalen, demütigenden Methoden der Menschenführung mit den Schwächen seiner Klienten; er selbst sei revolutionär, radikal und „an evolutionary through and through“ gewesen- Cohen verweist damit auf die - so nach Alice Bailey- evolutionäre, zwangsläufige Bewusstseinsentwicklung des modernen Menschen. Er selbst sei in permanenter Entwicklung gewesen („simultaneously continuing to evolve and develop as a teacher and as a thinker“), neugierig und in permanenter Suche nach einem Ausdruck für das Unsagbare („still often creative in finding ever-new ways to express the inexpressible. And I was still curious“).

Was sich aber zusammen braute zwischen seinen Schülern - die seinem Niveau nicht folgen konnten und Widerstände aufbauten-, entsprach einer inneren Erosion der gesamten Organisation: „My closest and most devoted senior students were beginning to see through my façade, could see that I was out of control, and see that I didn’t even know it. What made matters much worse is that I ignored the evidence; I ignored their respectful pleas for me to slow down and listen to them. For over six months during this period I literally couldn’t sleep, and night after night I convinced myself that I had no idea why this was the case. My self became more and more divided. I was still an inspired teacher and speaker, but I adamantly remained steadfastly and obstinately oblivious to the growing storm I was creating.“ Cohen selbst orientierte sich noch am tibetischen Milarepa- Epos, und sah sich als dessen unnachgiebiger Lehrer, der Milarepa wieder und wieder ein Haus neu errichten lässt: „I realize that much harm has occurred, and that I am to blame. I justified my at times ruthless attacks on my students’ egos as being akin to the revered Tibetan Master Marpa’s ruthless treatment of his famous disciple Milarepa“. Dazu muss man allerdings sagen, dass Milarepa ein schamanischer Natur- Magier gewesen war, der die Magie in seinen eigenen Dienst gestellt hatte und all dies bei seinem Guru „büßen“ musste. Cohens Schüler dagegen suchten lediglich ein wenig vom großen Erleuchtungskuchen.

Prinzipiell findet Cohen an den von ihm vertretenen Methoden nichts Anrüchiges: „I still believe in the fundamental principles that I taught and stood for all these years. I feel the Teaching is basically sound. Like someone said to me recently, the Teachings of Evolutionary Enlightenment are self-consistent.“ Seine Schüler konnten oder wollten ihm nur offenbar nicht mehr folgen. Ganz offenbar funktioniert das Guru- Prinzip nicht mehr. Ganz offensichtlich funktioniert die Entwicklung der integralen Spiritualität auch ganz gut ohne Führer.

Kommentare

  1. http://anahata-akademie.de/sebastian-gronbach/ wunden lecken?

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  2. Echter Fund, du Schlaumeister Cheesey Crook! Wie auch immer sind sie Wunde verheilt. Sebastian ist endlich aufgewachsen.

    Wer braucht Andrew Cohen wenn man sich selbst der eigene Guru werden kann?

    Möchtest du „Satsang mit Sebastian“ erleben? (Besonders in Indien!)

    http://anahata-akademie.de/satsang/

    Sebastian Gronbach versteht es, Deine praktischen Lebensfragen zum Tor für höhere Erkenntnis und tiefere Erfahrung zu machen. Freundlich, liebevoll provozierend, humorvoll und mit authentischer Tiefe öffnet er Dir die Tür zu Deinem wahren Herz.

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    Nachtrag für Cheese:

    In diesem Zusammenhang glaubst du dass die Wundmale Judith von Halle jemals sich verheilen werden? (Ob sie leckt sie oder nicht?)

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    1. Tom die Wunden von JvH muessen natuerlich offen bleiben obdass die Inspiration fliessen bleiben kann. Du weisst ohne das Blut hat man ihr nicht so wichtig nehmen koennen wie das heute noch geschieht. Blut is ein ganz besonderes Saft.

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    2. Lieber Michael, hier dann mal etwas Versöhnliches für dich und den Blog, quasi als Himmelfahrt - UND Saalschlacht-Ausklang ;-)

      Timepeace / Terry Callier:
      https://www.youtube.com/watch?v=dfC3IQ4w_Lk

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  3. Lieber Michael,

    Sebastian könnte dein allerbester PR-Manager werden! Darf ich mir erlauben, etwa klitzklein mit dem Text der Segros Satsang zu herumhantieren? Es klingt für mich nach einer echten Missionsaussage der Egoisten!

    http://anahata-akademie.de/satsang/


    Der Egoisten-Blog ist ein Zusammensein von Menschen, die durch gemeinsames Hören, Reden, Nachdenken und Versenkung in die spirituelle Lehre nach der höchsten Einsicht streben. Das Hören und Reflektieren der Wahrheit ist die Königsdisziplin menschlicher Kommunikation.

    Bei den Egoisten stehen Deine Lebensfragen im Vordergrund. Du lernst Dich und Dein Leben – mit allen Problemen und Chancen – aus der höchsten Perspektive zu betrachten. So entdeckst Du (nicht erst im Nachhinein) einen tiefen Sinn in Deiner Biografie. Du verstehst warum Du da bist und kannst so jeden Tag erfüllter und befreiter Leben.

    Michael Eggert versteht es, Deine praktischen Lebensfragen zum Tor für höhere Erkenntnis und tiefere Erfahrung zu machen. Freundlich, liebevoll provozierend, humorvoll und mit authentischer Tiefe öffnet er Dir die Tür zu Deinem wahren Herz.

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  4. Vielen Dank, sehr rührend. Endlich werden mal die gutem Seiten dieses Blogs gesehen! Das "wahre Herz" scheint im Blog meist zu Saalschlachten zu führen, aber das stellt vermutlich einen Aspekt der "Schattenarbeit" dar.

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Danke für Ihre Mitarbeit im Blog.

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