Sommer- & Gott- Seligkeit

Natürlich bleiben manche Gedanken Rudolf Steiners lange (und für viele Menschen bleibt es dann auch dabei) etwas für das Kuriositäten- Kabinett: Nehmen wir seine Worte über das segensreiche Wirken des Buddha auf dem Mars. An so etwas stösst man sich als Kopfmensch natürlich die Stirne blutig. Man kann es ja auch komisch finden - so Details wie "und es gibt sehr wenig Kosmopolitiker auf dem Mars".
Andererseits: Irgend wann entdeckt man, dass sich man sich Stelen der Buddhas auch gar nicht anders nähern kann (und dass man dabei lernt, die echten von den irrelevanten Buddhas zu unterscheiden) als durch inneres Mitvollziehen der Gebärden. Jede dieser Stelen stellt eine nachvollziehbare meditative Haltung dar- als Aufforderung, zu tun, als Lehre. Jede der wirklichen Stelen ist in sich vollkommen. Man mag sich ihnen nur in Respekt nähern- wie viele Menschen werden in diesen Buddha- Gebärden Vollendung gefunden haben: Die Seligkeit.

Bei Rudolf Steiner beginnt die innere Kehrtwende mit einer zumindest situativen Befreiung von der Fokussierung auf eigene Gefühligkeiten, Selbstbilder und Theoreme: "Die höhere Selbsterkenntnis beginnt erst dann, wenn wir anfangen zu sagen: In dem, was unser alltägliches Ich ist, liegt gar nicht unser höheres Selbst. In der ganzen Welt draußen ist es, oben bei den Sternen, bei der Sonne und dem Mond, im Stein, im Tier: überall ist dasselbe Wesen, das in uns ist.“ (GA 95.132ff) In der bei ihm so genannten Rosenkreuzer- Schulung (die sich ganz erheblich unterscheidet von dem, was unter dem gleichen Namen und Verweis heute so durchs Netz grassiert) kommt es erst in der letzten, höchsten Stufe der menschlichen Entwicklung zu so etwas wie völliger „Gottseligkeit“:

"Der siebte Zustand entspricht dem orientalischen Samadhi; man nennt in hier Gottseligkeit, weil man jetzt auch aufhört, an diese letzte Vorstellung* zu denken. Aber man behält die Kraft des Denkens. Dadurch ruht man in der göttlich- geistigen Welt.

Diese Stufen der Rosenkreuzer-Schulung sind mehr innere Stufen und erfordern eine subtile Pflege des höheren Seelenlebens. In unserem materiellen Zeitalter ist die weitverbreitete Oberflächlichkeit ein starkes Hindernis für die nötige Verinnerlichung des gesamten Innenlebens; sie muß überwunden werden. Diese Schulung ist auf den Europäer zugeschnitten, sie erfordert eine gewisse seelische Energie, sie ist aber nicht schwer. Jeder kann sie ausführen, der nur ernstlich will. Doch gilt auch hier der Goethesche Satz: «Zwar ist es leicht, doch ist das Leichte schwer.»“ (GA 95.139)

Gut. Aber andererseits kann eine Art von Seligkeit- Empfinden etwas sein, was man im heutigen spirituellen Supermarkt an jeder Ecke als Produkt oder Lecture besorgen kann - oder wenn nicht da, dann in irgend einer grassierenden Ideologie, bei Geistheilern oder Schamanen: Die spirituelle Vermarktung ist doch ein Seligkeits- Markt: Ein Produkt, das stets verdunstet, wenn man danach greift, ein Hunger, bei dem man nie satt wird. Auch hier noch ein Tipp Rudolf Steiners für Fortgeschrittene in diesem Kurs: Die Seligkeit ist etwas, an dem man kleben bleiben kann- spirituell geblendet:

"Derjenige, der zunächst das erste Übersinnliche im eigenen Selbst empfindet, anschaut, er ist in dem Zustande eines gewissen Wohlbehagens, jenes Wohlbehagens und jenes inneren Glückes, auf welches ja die verschiedenen Bekenntnisse hinweisen, indem sie auf das Übersinnliche hindeuten und zugleich den Menschen aufmerksam machen, wie das Übersinnliche ihm in seinem inneren Erleben Glückseligkeit bringt. 

Ja, bis zu dem Punkte, wo man sein Inneres selbst ausgeschaltet hat, war es ein gewisses Wohlbehagen, eine gesteigerte Glückseligkeit. In dem Moment aber, wo die innere Seelenruhe auftritt, da tritt an die Stelle des inneren Wohlbehagens durchaus innerer Schmerz, innere Entbehrung, wie man sie vorher nicht gekannt hat, daß man jetzt fern ist von dem, womit man im irdischen Leben durchaus verbunden ist, fern nicht nur von dem Erfühlen seines eigenen Leibes, sondern fern von dem Erfühlen der eigenen Erlebnisse seit der Geburt. Und das bedeutet eine Entbehrung, die sich zu einem ungeheuren seelischen Schmerz steigert. Von dieser Stufe schrecken manche zurück; sie finden nicht den Mut, den Übergang zu tun von einem gewissen niederen Hellsehen, und unter Ausschaltung des eigenen Seeleninhaltes nun einzutreten in ein Bewußtsein, wo innere Ruhe vorhanden ist.“ (GA 84. 227f)

Für die einfach Gestrickten unter uns (ich zähle mich zu diesem Kreis), mag der Sommer Seligkeit genug darstellen. Das innere Nachvollziehen des Wachsens, Gliederns, Sproßens, Fruchtens, Reifens um sich ist das Empfinden eines völligen Sich- Verschenkens von Natura- Sophia. Mag sein, dass sich in einem einzigen Hauch des warmen Sommerwindes alles spiegelt, was sich in diesem Augenblick ausdrückt - die faden Wolkenstränge, das weite Feld, das tausendblättrige Klappern der Pappel- Allee, der Anflug eines Bussards: Sommer- Seligkeit.

Aber um noch einmal auf den Beginn der Betrachtung zurück zu kommen: Wie man den Buddha erfahren kann, kann man bei Wilfrid Jaensch erfahren. Wenn man Buddha selbst erkunden will, trifft man auf die ganze Sphäre der Mars- Kräfte- Selbstbehauptung, Sprachentfaltung, die ganzen Verstrickungen des sich durch Abwehr selbst gestaltenden Ego. Erst inmitten eines inneren Abstands zu dieser Sphäre dauernder seelischer Entladungen- in der Friedens- Sphäre, kann der Buddha gefunden werden. In dieser Hinsicht und Aussicht darf "Buddha auf dem Mars" meditativ aufgefasst werden- als ein Grundmotiv und Friedenssymbol.

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*gemeint ist "Dann fühlt man, wie der Körper immer größer und größer wird, so groß wie die ganze Erde, ja, er wächst sogar über die Erde hinaus und alle die Dinge sind in ihm. Der Mensch lebt dann in allen Dingen darinnen.“ dito

Kommentare

  1. Eleganter Aufsatz!
    ‘Mars‘ ist hier wohl erklärlich als absteigende, materielle Entwicklungsstufe der Erde, die eine aufgehende, heilende Merkur(Buddha)-Stufe vorangeht (vgl. 104.169 f.):
    ‘Die große Aufgabe stand vor dem Rosenkreuzertum, die Frage zu beantworten: Was hat zu geschehen, daß zum Heile der Erde die Marskultur zu einem Aufstieg gelangt?‘ (130.320). Kepler beschrieb im erwähnten Wendejahr 1604 eine Supernova (‘ Stern von Bethlehem‘).

    (Etwas weiter steht bei Steiner (130.323) eine mögliche Anspielung auf Kaspar Hauser (vgl. 104.18):
    ‘Franz von Assisi ist seitdem nur einmal als Kind kurz auf der Erde erschienen und in der Kindheit gestorben und war seither nicht mehr verkörpert. Er ist seitdem verbunden mit der Tätigkeit des Buddha und einer der hervorragendsten Folger des Buddha auf dem Mars.‘ ).

    Die Gebärden Buddhas würde ich als Asanam/Inspiration deuten:
    ‘Der orientalische Leib ist noch feiner, er empfindet leicht Strömungen, die von Ost nach West, von Nord nach Süd und aus der Höhe in die Tiefe gehen; denn im Weltall fluten geistige Ströme. Aus diesem Grunde wurden die Kirchen zum Beispiel in einer bestimmten Richtung gebaut. Deshalb läßt der Yoga-Lehrer den Yogi eine bestimmte Stellung einnehmen; der Schüler muß die Hände und Füße in einer bestimmten Stellung haben, damit die Ströme in geregelter Weise durch den Körper hindurchgehen können.’ 95.127

    ‘Es sind gewisse Linienformen, Gestalten, die man erlebt. Doch nicht etwa so erlebt man sie, daß man sie vor sich in irgendeinem Raume gezeichnet sähe, sondern so, als ob man in fortwährender Bewegung mit seinem Ich jedem Linienschwung, jeder Gestaltung selbst folgte. Ja man fühlt das Ich als den Zeichner und zugleich als das Material, mit dem gezeichnet wird.’ 12.71

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    1. Danke für die interessanten Hinweise. Man kann die Mudras - insbesondere die des Maitreya, wenn er als "Kommender" aufgefasst wird, sehr gut bei Pinterest studieren. Vor allem die japanischen Varianten sind sehr komplex- oder erscheinen dem Ungeübten so. Letztlich verweist dieser Maitreya, der das Irdische in seiner Grenze mit der Linken andeutet, mit der Rechten aber diese komplexe Gebärde macht, in der er sich selbst an der Wange berührt, zugleich mit den Fingern einen Kreis bildet- ein Loch, ein Nichts. Der semantische Mittelpunkt der Statue liegt in diesem Nichts. Das kann man studieren-es gibt viele Varianten. Heute braucht man keinen Yogi, keinen Rückzug, keine Stellung mehr- aber "die Ströme regeln" muss man dennoch, so weit es geht. Dein Zitat 12.71 ist eine Kategorie für sich.

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    2. Die Maitreya-Statue (auch schön dargestellt bei Junko Althaus), die Linke und das Loch läßt mich denken an die drei zukünftige Gliedmaßen beim Menschen:
      ‘Der Mensch wird dann ein Wesen mit drei Gliedmaßen sein: der Mensch am Abend, der auf dreien geht, wie die Sphinx sagt. Die ursprünglichen vier Organe haben sich differenziert. Zuerst waren die Hände auch Bewegungsorgane. Dann wurden sie Organe für das Geistige. Später werden nur noch drei Organe da sein: Das Herz als Buddhiorgan, die zweiblättrige Lotusblume in der Augenmitte und die linke Hand als Bewegungsorgan. Auf diese Zukunft bezieht sich auch die Angabe Blavatskys [von einer zweiten Wirbelsäule]. Die Zirbeldrüse und die Schleimdrüse organisieren eine zweite Wirbelsäule, die sich später mit der anderen vereinigt. Die zweite Wirbelsäule wird vom Kopf vom heruntergehen.’ 93a.42

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    3. Ja, das war ein Highlight bei Frau Althaus. Solche Hinweise bringen einen immer auf neue Spuren- schade, dass sie es nicht mehr macht.

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  2. Das Menschen nachtodlich sich durch den Planetensphaeren bewegen, wozo auch Mars gehoert ist natuerlich ebenso befremdent im Auge mancher Menschen.

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    1. Der Mensch "bewegt" sich nach dem Tod wohl weniger, "weitet" sich auch nicht (wie denn, ohne Räumlichkeit), aber durchläuft Phasen, in denen die Möglichkeit besteht, seine irdischen Erfahrungen in spezifischer Perspektive (Mars-Venus-Jupiter..) zu betrachten.

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    2. in spezifischer Perspektive (Mars-Venus-Jupiter..) zu betrachten...
      Perspektive ist aber immer etwas Ur-Räumliches; um unterschiedliche Perspektiven einnehmen zu können, MUSS man sich bewegen - Räumlichkeit kann doch erst durch Perspektive erlebt werden!

      Stephan Birkholz

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    3. Ja, das ist wahr. "Perspektive" ist an dieser Stelle metaphorisch gemeint- im Sinne von Sinn- Zusammenhängen, die je nach Tiefe der Hingabe und Selbstentäußerung, d.h. je nach Intensität des Verstehens, immer neue "Perspektiven" und Tätigkeiten eröffnen. Die "Ohnmacht" wird immer größer, weil bei maximalem (theoretischem) Verstehen dennoch keine Möglichkeit besteht, etwas zu ändern, zu bewirken. Daher entsteht überhaupt die Sehnsucht nach Inkarnation.

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    4. Ja, aber gerade auch in metaphorischer Hinsicht macht die Fähigkeit, Perspektiven und Ansichten aus sich selbst heraus verändern zu können, den Geisbereich erst zum erlebbaren Raum.
      Es ist (zumindest was mein Erleben betrifft wirklich so wie im Physischen - was ja nicht immer der Fall ist):
      Solange man an Meinungen und bestimmten Anschauungen klebt, ist die Geistige Welt nur eine Leinwand, ein mächtiges Gemälde; wenn man die eigene Perspektive variieren/verändern kann, wird diese Welt mehr zum Raum(erlebnis) - man kann sich darinnen bewegen.

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    5. Im Hinblick auf die im neuen Beitrag erwähnten 'Pixel und Bytes' sehe ich eine Hauptgefahr der visuellen/visualisierenden, aber auch akustischen Medien darin, dass sie perspektivisches Erleben/Wahrnehmen korrumpi̱e̱ren; entweder sie dampfen das Erleben auf 2D ein oder sie gaukeln mit 3D(bis XD)-Effekten mit Dolby Surround Perspektive und Raumerleben vor...

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    6. Die Beweglichkeit, innere Wandlungsfähigkeit, Improvisation, aber auch durchschlagend tief- existentielle Empfindsamkeit sind die Elemente des Geistselbst. Wenn es sich - gelegentlich, unter unwahrscheinlichen Umständen - manchmal auch bewegen lässt - also Membran wird- steht die Welt still, und der Sternenhimmel wird sichtbar - oder eine der großen Imaginationen, in die man eintritt und darin steht, wie unter dem Sternenhimmel, aber auch im Angesicht der eigenen Biografie. Wie man so sagt- Sternstunden.

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  3. Michaela @ S.Birkholz: " Räumlichkeit kann doch erst durch Perspektive erlebt werden !"

    Ja, was diese materielle Welt betrifft samt deren Raum und Zeit - Dimensionen ist das wahr.
    Doch es gibt auch folgende Art von moralischer Perspektive: Jemand wird per Schock aus dem normalen Bewusstseinszustand raustorpediert und ist nun in einem Bewusstseinszustand, in dem ganz andere Raum- und Zeitdimensionen und dadurch völlig andere Perspektiven herrschen.

    Man erlebt ein moralisches Gesehenwerden und hält zunächst diese Perspektive nicht aus.
    Man hält nicht aus, dass der materielle Leib räumlich vor einem ist und ein Spiegel ist, in dem das ganze bis da gelebte Leben moralisch - bildhaft rückwärts in der Zeit abläuft. Es sind dann die Dinge, die man unterlassen hatte, quälend erlebbar : O ! Dies und jenes habe ich NICHT erlebt !
    O ! Dies und das hätte ich ganz anders tun müssen. Nun sehe ich, wie blind ich war.
    Es ist eine moralische Perspektive ausser der Zeit. Und aus dem "eigenen" materiellen Körper grinst einen der Todesengel an. In Wirklichkeit ist er das Tor, das die Rückkehr in den Leib ermöglicht, doch nur der Richter kann rückführen, kann erwecken, wenn wir schon kapituliert haben.
    Diese Kapitulation vor dem (vermeintlich realen) Tode ist das sich Herausziehen aus dem Leib, und es wirkt auf die Gestalt des Todesengels zurück. Dieser verschwindet und gibt den Weg frei, der in den Körper zurückführt, der in einen über - wachen Bewusstseinszustand führt.
    Nun ist da wieder die Raum - Perspektive und Zeit - Perspektive der Sinneswelt erlebbar, hinzu ist nun geistig sichtbar und ohne Angst aushaltbar ist dieses Sehen der leuchtenden Lebenskräfte, die Steiner wohl "Lichtäther" nennt.

    Doch wenn man dieses Aethersehen nicht durch Uebungen sich erarbeitet hatte, verschwindet es als Leihgabe auf Zeit nach wenigen Stunden. Da ist man dann so lange geistig blind wie ein Maulwurf, bis man sich die Dinge auf moralischem Wege - durch lange Arbeit,Uebung wieder ermöglicht. Dann sind die Wahrnehmungen weniger intensiv im Vergleich zur Schock - Methode und deren sehr intensiven überwältigenden Schauungen usw. Doch da ist es bleibende Errungenschaft.
    Also das Moralische gehört zum Begriff der Perspektive hinzu.
    Paradox, wenn ausgerechnet ich das behaupte. Mag jeder darüber denken, wie er will.

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    1. Zum Raum wird hier die Zeit...
      //
      Ich meine nur, dass der Übergang vom physichen Erleben zu Bewußtseinszuständen nicht bedeutet (bedeuten muss), dass jede Form von räumlicher Qualität damit aufhört.
      Es gibt ja auch den Wanderer in den geistigen Welten - und wenn man sich in Bewußtseinszuständen bewegen kann, Freiheitsgrade des Bewegens besitzt, dann hat man auch 'räumliche Qualitäten'...

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    2. Das, was Michaela beschreibt - am Rand des Todes- dass man o eine "moralische" Perspektive auf das eigene Leben einnimmt, aber es Szene für Szene, in jedem Detail, nur ohne die eigene eigensüchtige Umdeutung in der stets bereinigten Erinnerung. Man erlebt es wirklich haarklein nach - aber nun sind auch die eigenen Motive des Handelns transparent. Und dann sträuben sich über einen selbst im Nachhinein die Nackenhaare. In der normalen Schulung tritt diese Phase der Erinnerungen auf- aber sie kommen szenenhaft, in Situationen, die man so wirklich nicht in der Erinnerung hatte, Portion für Portion. Man kriegt was eingeschenkt. Und die Schulung dauert so ellenlang, weil das Verdauung all dessen so lange dauert.

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    3. Herr Birkholz, im Gegenteil. Jede ernsthafte Schulung erfordert die Bildung eines "inneren Raums", der im Wachstum unbegrenzt ist- theoretisch. Denn praktisch ist wohl eine moralische Integrität erfordert, die ich leider nicht erbringen kann. Und es ist eher die Verzweiflung über das eigene Versagen, die überhaupt irgend eine integre Tür öffnen kann. Es ist das Wissen, Fühlen und Schauen dieses Nichts, das irgend eine Türe öffnen kann- vielleicht.

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  4. Michaela @ Michael Eggert : " Denn praktisch ist wohl eine moralische Integrität erfordert, die ich leider nicht erbringen kann."

    Geht mir da ähnlich, denn z.B. ist mir nicht gelungen, länger als ca. sechs Monate mit dem Rauchen aufzuhören. Tabakrauchen. Bin nikotinsüchtig. Und mir ist klar bewusst, dass das nach dem realen Tod Qualen bringt, falls mir nicht vorher gelingt, das zu beenden.
    Andere Schwäche: Seit 1993 meditiere ich täglich am Morgen, direkt nach dem Aufwachen, was ich kann. Doch abends bzw. nachts direkt vor dem Einschlafen fällt mir schwer, den Tageslauf rückwärts zu meditieren, da penne ich meist ein, bevor diese kurze Meditation durch ist.
    Immer wieder passiert mir das, seit Jahrzehnten noch.
    Jemand sagte mir, ihr fiele schwer, am Morgen kurz zu üben. Doch die geht früh schlafen.
    Selbst die leichteste Uebung -Dauer fünf Minuten - fällt mir oft sehr schwer.
    Sportler trainieren stundenlang jeden Tag. Die sind mir moralisch weit überlegen.

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    1. Nikotinsüchtige sind vom Nikotin abhängig, Meditierende von der derart freigestzten (wahrscheinlich) rein geistigen Energie, stundenlang trainierende Sportler von den körpereigenen glücklichmachenden Stoffen, die derart im Körper freigesetzt werden.

      Ich sehe da keinen Unterschied in Bezug auf Moral, bzw.moralische Über- oder Unterlegenheit.
      Mit Moral, oder auch Mangel an Moral hat das alles nicht das geringste zu tun, "nachtodliche Entzugserscheinungen" pure Spekulation.
      Und wenn es sie tatsächlich gäbe, wer könnte denn ausschliessen, dass nicht auch die Sportler und die Meditierenden von diesen heimgesucht würden.

      Wenn man Moral oder moralisch integres Handeln als eine positiv ausgerichtete Kategorie definiert, bzw. ansieht, und zwar sowohl auf das Individuum bezogen als auch auf die Gemeinschaft, dann ist es wohl - und zwar bei allem - nur eine Frage der Dosis, ab welcher sich die positive Ausrichtung in ihr Gegenteil verkehrt.

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    2. Liebe Michaela, ich denke, man legt sich, seinen persönlichen Inkarnations- Gegebenheiten entsprechend, seinen Arbeitsstil zurecht. Wenn man Morgenmensch ist, dann nutzt man am besten "diesen Wind"- wenn man Rückenschmerzen hat, liegt man. Ich plädiere da für pragmatisches Vorgehen. Manche "schwache Seite" wie das Rauchen bringt man von einer Zeit voller Spannungen mit, man kann es nicht so leicht ablegen oder auflösen. Die innere Zerrissenheit in Widersprüchen ist wohl heute ganz typisch- manchmal geht der innere Prozess sogar zu Lasten des gesundheitlichen Gleichgewichts, zumindest zeitweise. Aber: Es kommt alles auf den Tisch, die ganzen Elemente dieses Patchworks, das man Ich nennt.

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    3. Abhängig? Der Atmer ist so sehr vom Sauerstoff in der Luft abhängig, daß er sogar beim Tieftauchen etwas zu Schnaufen mitnehmen muß, um länger unter Wasser zu bleiben. Beim Sport nimmt die Sauerstoffsucht stark zu. Und ja, beim - regelmäßigem! - Laufen werden ähnliche Hormönchen angeregt, wie sie auch der Nikotingenuß provoziert. Sport, der die Muskeln trainiert, führt nachgewiesenermaßen zu besserer Konzentrationsfähigkeit, und während des Trainings kommen körperliche regelrechte Lust-Prozesse in Gang, die sich aber auch erst bei regelmäßigem Training einstellen. Die Koordinationsfähigkeit nimmt zudem zu.
      Abgesehn von Sucht nach Genußgiften, die den Körper und den Apparat der Psyche zerrütten, schwächen, macht alles "süchtig", wenn es sich als sture Gewohnheit einnistet. Andererseit braucht der Mensch Organisation und Rhythmus. Hier immer das Maß zu finden, in einer Balance zu bleiben, ohne sich zu verlieren, ohne festzufahren, das ist Glücksache plus Lebenskunst.

      Das Wort "Moral" erlebe ich immer mehrdeutig, und wenig festgelegt. Eine Kritik des Moralismus ist ja, daß eine Vorstellung von Moral (Tugendlehre, Codex) die Definitions-Basis bereitstellt, von wo aus man sich über "charakterlich schwächere" hinausqualifizieren kann. Womit man unerwünschte Personen von sich fernhält, diffamiert, eventuell in ihnen das anprangert, was man selber in sich am meisten fürchtet. Könnte man als "Moral im Dienst der Kontrolle, der Macht" bezeichnen. Da geht es um Hierarchie, um Intrige, um "unreine" Dinge.. Naja, z.B.: Und das "Moralische" wird ein eher mechanischer Begriff... "der ist faul, er hat zu wenig Willen", "er kann sich nicht genug beherrschen", "sie ist gefährlich, weil sie sicher traumatisiert ist und sich nicht im Griff hat", "sie hat mich beklaut, weil sie böswillig ist, und dieses wollen nicht ausjätet", "er ist schmutzig, weil er sich nicht gerne wäscht"..

      Wenn wir die eher neurotische Ebene der Ängste, Kontrolle, Verurteilung, Vergeltung verlassen könnten, um zur Empathie durchzudringen, der Welt des "Gebens und Nehmens in Einem", und da ist eigentlich der Moral-Begriff z.B. Steiners, zu findem.

      m.butty

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    4. Beispiel Rückschau Biographie. Ein Mann und eine Frau, frisch verliebt. Irgendwo im Süden. Urlaub. Plötzlich fangen beide sich in der fremden Stadt zu verlaufen an. Die verliebte Frau bemerkt es noch nicht, und träumt hingegeben an die fremde welt, sich bei ihrem Freund geborgen fühlend. Dieser aber bemerkt, daß beide die Orientierung verlieren, und allmählich in eine Art sozialen Brennpunkt geraten. Dem Mann steigen Geschichten von Freunden aus der Heimat ins Bewußtsein, die ihm erzählten, wie sie übelst überfallen, ausgeraubt wurden. Der Mann verdrängt das wieder, wird jedoch unruhiger, hin und wieder fast panisch. Jetzt sieht er, wie die Freundin offenbar vollkommen anders "schwingt", immer noch das Flanieren genießt, und verträumt dahingeht. Er wird wütend auf sie, fängt auf einmal an, mit ihr heftig zu schimpfen, daß auch sie mitdenken müsse, denn sonst würde man sich verlaufen. Da die Freundin nicht wirklich emotional angesteckt wird, und nicht auf sein heftiges Schimpfen eingeht, wird er plötzlich grob und beleidigt sie, er verliert die Fassung, und geschafft: Sie fängt zu weinen an. Jetzt wird ihm klar, daß er nur aufgrund seiner Panik die Fassung verlor, und beide aus einer stabilen seelischen Balance herausgeworfen hat. Man wurde ja gar nicht überfallen, es ist ja längst noch nichts passiert, und verirrt hat man sich auch noch nicht. Doch der Mann hatte Glück: Er merkte es, auch wenn bereits die Stimmung gekippt war. Es gibt Menschen, die den weiterzanken, wenn sie selbst gerade verlegen und verunsichert sind, und ganze Konstrukte aus solchen Situationen errichten, die dann auch richtig Beziehungen zerstören, oder sogar die Sicherheit auf Reisen gefährden etc. Solche Dinge dämmern dann womöglich in einer psychotherapeutischen Sitzung, einer Meditation, vorüberziehend, und peinlichst empfunden, und in der Lebensrückschau wird ähnliches usw. in großer Scham "geschaut".. in einer Allgegenwärtigkeit des "zeitlichen Tableaus" ... manchmal eben auch nach einer Trennung, in der Bar, bittertraurig, nach 5 Getränken und einer Schachtel Zigaretten, beim Tagebuch-Schreiben..
      m.butty

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    5. Lieber Mischa,
      man meint immer, dass die Sauerstoffversorgung das einzig zentrale des Atmens ist; tatsächlich geht es aber genau so um die Abatmung von CO2.
      Ein erheblicher Anteil von Patienten mit Atemproblemen haben gar kein Problem damit, genügend Sauerstoff zu bekommen - aber sie werden Ihr CO2 nicht ausreichend los - das Blut wird stocksauer...
      Also je nach Konstitution liegt der Atemaspekt eher auf Einatmen (O2 aufnehmen) oder eher auf Ausatmen (CO2 abatmen).
      Idealerweise sollte das Verhältnis natürlich ausgeglichen sein...
      Diese Qualitäten/Unterschiede sind insbesondere auch im Hinblick auf meditative Atemkontrolle interessant...

      S. Birkholz

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    6. Danke, Stefan Birkholz. Für die mir wichtige Information. Allerdings: Mein "Atmer" und dessen "O2-Sucht" sollte ein Scherz sein. Habe mich schon geärgert, wenn Menschen mit erheblicher Nikotin, Drogen- oder Alkohol-Problematik "umgesuchtet" haben auf Sporttreiben. Ganz krass: Wirft man auch Hartz-Vierern vor, "hängen bei Mc Fit 'rum, statt sich noch mehr anzustrengen" usw. Dann flucht man, daß Menschen kettenrauchen, alles vertrinken, das soziale Gesundheitsnetz belasten. Was ist besser? Süchtig auf - Sport, Yoga und Autogenes Traning üben? Oder ...?... was macht am Ende vieleicht lebensfroher + lebenstüchtiger, wenn ein weiterer therapeutischer Schritt event. zu neuer Selbst-Definition gegangen wird ? :-))
      Du, ich glaube sogar, daß das Abatmen des CO2 mit regelmäßigem Laufen, oder Schwimmen (ein richtiger "Lungensport") erheblich gebessert wird, wenn die Atemferment-Schwächen oder das COPD nicht gerade chronisch geworden sind. Du wirst Dich da gewiß viel besser auskennen.
      Das Pranayama, das "kontrollierte" (beobachtete) Atmen wird irgendwo bei Steiner erwähnt, verweise in eine zukünftige Epoche, in welcher den Mensch irgendwie anders atmen würde. Steiner gibt ja keine Atem-Übungen an. In Samadihi-Tanks wird ein Pranayama-Effekt erzielt, ein teilweiser Atemstillstand bei Versorgung mit reinem Sauerstoff. Ein Samadhi-Tank würde mich durchaus noch einmal neugierig machen. Die Sinneswahrnehmung aufgehoben, der Körper treibt auf Salzwasser, wie auf den "Toten Meer", wenn jetzt noch in der Luxus-Variante ;-) .. reiner Sauerstoff eingeleitet wird (für eine Weile eben nur), dann wird auch die Notwendigkeit des Atem-Reflexes so beruhigbar, daß dieser aufgehoben wird. Naja, psychedelische Sensationsgier ist da viel bei. Beim beruhigenden Beobachten des Atems geht es bescheidener, nämlich nicht "künstlich" zu.Es ist m E bei allem Üben des Meditativen so, daß "Ziele" in der Praxis - weil sie Vorstellungen sind - ablenken.
      m.butty

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    7. Lieber Mischa,
      ich habe Dich schon richtig richtig verstanden - wollte Dich dabei nur noch etwas ergänzen/bestätigen...
      //
      Die Sucht, vom einen nicht genug haben zu können und das andere einfach nicht loswerden können etc.
      Und dabei der schmale Grat der 'harmonischen' Ballance aus Einatmen und Ausatmen...

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  5. Michaela : Lieber Herr Eggert,

    darf ich fragen, ob auch Sie eine innere Zerrissenheit in Widersprüche erleben ?
    Welcher Art ?
    Wenn man einen Menschen liebt, wird dieser Mensch interessanter für einen selber, als das eigene Selbst. Ohne Liebe würde man nur noch sich selber umkreisen. Mir scheint, dass die Liebe das einzige ist, das uns davor bewahrt, zum "Trabanten" zu mutieren, der nicht mehr geerdet wäre.
    Spira beschreibt ja Menschen, die sich selbst für "Götter* halten.

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    1. Liebe Michaela, man ringt sich doch immer etwas ab. Und darum geht es auch- das erwirbt man sich; es wird Fähigkeit. Das, was gegeben ist, enthält viele ungeläuterte Antriebe- manchmal als alter Stress- Abbau- Mechanismus übrig geblieben. Viel schlimmer und letztlich undurchschaubarer sind die unerkannten Masken und Reaktions- Mechanismen, die enger am Persönlichkeits- und Problem- Kern sitzen und umdurchschaut bleiben. Meist "schlucken" sie alle inneren Energien, werden nach Außen ins Soziale gestülpt, wodurch das Leben monoton und mechanisch wird. Die offensichtlichen Probleme- mit denen geht man wenigstens um.

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  6. Michaela: Thema Atemübungen

    Es gibt das Buch: " Rudolf Steiner Anweisungen für eine esoterische Schulung
    Aus den Inhalten der "Esoterischen Schule". Erschienen im Rudolf Steiner Verlag Dornach / Schweiz 1999
    Auf den Seiten 38 unten bis Seite 40 ist u.a. auch eine Morgenmeditation beschrieben, zu der auch Atemsubpression nach dem Ausatmen gehört.
    Ich habe das 17 Jahre lang trainiert, danach geraucht. Das Rauchen erschien mir nicht als Problem.
    Im Buch steht nichts drin von Rauchen, nur: " Alkohol ist absolut zu meiden"
    Steiner nennt das Atemanhalten nach dem Ausatmen :" Rekapitulation des Jupiterzustandes", und das Atemanhalten nach dem Einatmen nennt er "Rekapitulation des Mondzustandes".
    Die Atemanhaltungen nach dem Ausatmen sind eine Gegenbewegung zum Rauchen, das ja genau betrachtet eine Rekapitulation des Mondenzustandes ist.
    Man atmet "Feuerluft" ein, inhaliert sie und behält sie drinnen in den Lungenflügeln, dann atmet man sie aus. Vielleicht ist mir das Rauchen deswegen verträglich, weil ich 17 Jahre lang die Atemübungen anwandte ? Wer weiss ?

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  7. Michaela : P.S. Thema Atemübungen

    Es sind ja nicht die Gesündesten, die gleich nach offenen Fenstern rufen, wenn im Wohnraum geraucht wird !

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    1. Für mich ist das Atmen eher Indikator meiner Ballance als aktiver Übungsinhalt; wenn ich mrke, dass ich etwas hektisch nach Luft schnappe, dann weiss ich, dass es woanders nicht ganz stimmt.
      Ansonsten halte ich die von Herrn Eggert erwähnte Pragmatik für den einzig angemessenen Umgang: Genau so viel bewusster Umgang mit der Atmung, dass man sich dadurch nicht selbst zur Witzfigur macht...
      Für Ingrid (beispielsweise) wird im Gesang sicher ein ganz anderen Umgang mit der Atmung pragmatisch-angemessen sein als beispielsweise für mich in meiner Arbeit...
      Ich muss mich mehr in die 'gestörten' Atmmuster anderer Menschen 'hineinatmen', sie immitieren um eine Empfindung dafür zu bekommen, durch welche Regulierungen ich dem anderen ein besseres Atmen ermöglichen kann.

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  8. Die drei Vedanta-Aspekte ‘Sat-Chit-Ananda‘ hat Steiner 1904 folgenderweise unterschieden:
    ‘Erstens die äußere Wahrnehmung = Chit; zweitens das Pleroma = Anânda; drittens die Sphärenharmonie = Sat‘. (51.215 f.). Ein vierter Aspekt würde die Rhythmisierung des Lebens sein.

    ‘So fühlt sich der Mystiker in dem Weltenlicht beseligt. Er fühlt sich beseligt verwebt mit diesem Äonenlicht. Da ist er nicht getrennt von der Wesenheit der Dinge; da ist er teilhaftig der unmittelbaren Schöpferkraft. Das ist, was der Mystiker als seine Beseligung in dem schöpferischen Lichte bezeichnet. Die Vedantaweisheit bezeichnet die Weltenweisheit als Chit, aber die Beseligung, wo der Mystiker untertaucht in die Dinge, wo die Seele ganz mit den Dingen verschmilzt, bezeichnet die Vedantalehre als Anânda. …
    So wie der Mensch die Erfahrung machen kann, daß er verschmilzt mit dem Äonenlichte zu dem Pleroma, so kann er auch verschmelzen mit dem kosmischen Weltgedanken. Dann fühlt er die Weltgedanken in seinem eigenen Innern auftönen. Wenn der Mensch gewahr wird den Gedanken, der das Gesetz zum Dasein bringt in den Dingen, und dies als eigenes Gesetz in sich aufquillen fühlt, dann tönen die Dinge in ihrem eigenen Wesen in seiner Seele wider, daß er intim mit den Dingen wird, wie der Freund mit dem Freunde intim wird. Dieses Wahrnehmen der ganzen Welt bezeichneten die Pythagoräer als Sphärenharmonie. usw.‘

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    1. Lieber Ton, in dem letzten Abschnitt des Zitates finde ich mich persönlich ganz zuhause, was die lebenslange Suchbewegung betrifft.

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