It’s the culture, stupid!


Ingrid Haselberger


Als ich gestern das hier von Michael besprochene Pamphlet von Rüdiger Keuler las, war ich zunächst einfach sprachlos und konnte nichts dazu sagen.
Heute lese ich es noch einmal, und nun gelingt es mir besser, meine Ruhe zu bewahren.

Daher soll es jetzt nicht darum gehen, meinem Entsetzen und meiner moralischen Empörung darüber Ausdruck verleihen, daß jemand sieben Jahrzehnte nach dem Holocaust allen Ernstes ein derartiges Pamphlet veröffentlicht und auch noch mit Zitaten Rudolf Steiners für seine abstruse Ansicht argumentiert – – – sondern ich versuche, das zu beherzigen, worauf Rudolf Steiner aufmerksam gemacht hat (GA 45, Anthroposophie. Ein Fragment):
»Jede Ansicht kann eine wahre sein, wenn sie treu das Beobachtete wiedergibt. Und sie ist erst dann widerlegt, wenn nachgewiesen ist, daß ihr eine andere berechtigterweise widersprechen darf, welche von demselben Gesichtspunkte aus gegeben ist. Ein Unterschied hingegen von einer Ansicht, die von einem anderen Gesichtspunkt aus gegeben ist, besagt in der Regel nichts.«
Zugegeben, es fällt mir in diesem Falle um einiges schwerer als sonst.
Aber ich stelle mich jetzt trotzdem versuchsweise auf einen Standpunkt, für den erstens Rudolf Steiners geisteswissenschaftliche Mitteilungen absolut glaubwürdig sind (denn Herr Keuler zitiert ihn ausführlich zur „Untermauerung“ seiner Thesen, ganz so, als wäre alles, was Rudolf Steiner jemals gesagt hat, eine nicht weiter zu hinterfragende und obendrein für alle Zeiten gültige Wahrheit), und von dem aus es zweitens, aufgrund dieser Mitteilungen, so aussieht, als hätte das „deutsche Volk“ eine für die künftige Menschheitsentwicklung unverzichtbare „Aufgabe“, und als wären daher diejenigen, die es an der Erfüllung dieser Aufgabe hindern wollten, die Gegenspieler der „rechtmäßigen Entwicklung der Menschheit“.

Wie groß wäre, von einem solchen Standpunkt aus gesehen, die Gefahr einer „Umvolkung“ für die weltwichtige „Aufgabe des deutschen Volkstums“? Wäre die (Rein-) Erhaltung des deutschen „Erbstroms“, des deutschen „genetischen Materials“ wirklich die unabdingbare Voraussetzung für die Erfüllung dieser „Aufgabe“ (worum auch immer es sich dabei handeln mag)? Muß derjenige, der auf dem geschilderten Standpunkt steht, also tatsächlich um die „rechtmäßige Entwicklung der Menschheit“ fürchten angesichts der Welle von Kriegsflüchtlingen aus ganz anderen „Erbströmen“?

Herr Keuler scheint Rudolf Steiner sehr selektiv gelesen zu haben.
Ist ihm nicht bekannt, daß - laut Rudolf Steiner - zwar bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts der Erzengel Gabriel das Amt des „Zeitgeistes“ innehatte, dessen Herrschaft zusammenhing »mit Kräften, die durch die physische Fortpflanzung gehen, mit Kräften, die mit der physischen Vererbung zusammenhängen« – daß wir aber seit mehr als hundert Jahren in einer Epoche leben, in der der Erzengel Michael dieses Amt übernommen hat, dessen Kräfte denen des Erzengels Gabriel »gerade entgegengesetzt« sind?
Ich zitiere aus GA 237 (Hervorhebungen von mir):
»So war durch etwa drei Jahrhunderte hindurch bis in das Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts dasjenige waltend, was man nennen kann die Herrschaft des Gabriel. Diese Herrschaft des Gabriel äußerte sich ja für den, der nicht an der Oberfläche, wie man es heute gewohnt ist, sondern in den Tiefen die Entwickelung der Menschheit betrachtet, darin, daß ungeheuer bedeutsame Impulse für das Geschehen in der Menschheit in jene Kräfte verlegt wurden, welche man Vererbungskräfte nennen kann. Niemals waren so bedeutungvoll die Kräfte der physischen Vererbung, die durch die Generationen hindurch wirken, als in den letzten drei Jahrhunderten vor dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts.
[…]
In vollständigem Gegensatze dazu wird das Zeitalter stehen, in dem Michael die Menschheit lenkt und leitet, das mit dem Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts begonnen hat, in dem wir drinnenstehen, und das seine Impulse zusammengliedert mit dem, was wir nun auch kennenlernen als das im 20. Jahrhundert beginnende lichte Zeitalter.
[…]
Ein solches Michael-Zeitalter charakterisiert sich […] insbesondere aber dadurch, daß in einem solchen Michael-Zeitalter die geistigen Interessen der Menschheit […] tonangebend werden. Namentlich wird es so sein, daß in einem solchen Zeitalter ein kosmopolitischer, ein internationaler Zug durch die Welt geht. Die nationalen Unterscheidungen hören auf. Gerade im Zeitalter des Gabriel begründeten sich innerhalb der europäischen Zivilisation und ihres amerikanischen Anhanges die nationalen Impulse.
In unserem Michael-Zeitalter werden sie im Laufe von drei Jahrhunderten vollständig überwunden werden. In jedem Michael-Zeitalter ist es so, daß ein allgemeiner Zug durch die Menschheit geht, ein allgemein-menschlicher Zug gegenüber den speziellen Interessen von einzelnen Nationen oder Menschengruppen

Wer also, wie offenbar Rüdiger Keuler, sowohl Rudolf Steiner als Autorität anerkennt als auch davon überzeugt ist, daß die mitteleuropäische, insbesondere die deutsche, Kultur etwas Unverzichtbares für die Zukunft der Menschheitsentwicklung beizutragen hat, der mache sich keine Sorgen um gefährdetes „genetisches Material“, sondern kümmere sich lieber darum, daß diese Kultur den Menschen, die derzeit hilfesuchend aus kriegs- und krisengeschüttelten Ländern herbeiströmen, geistig etwas zu geben vermag, das sie bereitwillig in sich aufnehmen wollen – statt ihnen zur Begrüßung vor allem diejenigen Teile des von dieser Kultur Hervorgebrachten entgegenzuhalten, um die es wahrhaftig nicht schade wäre, wenn sie endgültig aus der Menschheitsentwicklung verschwänden.

Kommentare

  1. "Gerade im Zeitalter des Gabriel begründeten sich innerhalb der europäischen Zivilisation und ihres amerikanischen Anhanges die nationalen Impulse.
    In unserem Michael-Zeitalter werden sie im Laufe von drei Jahrhunderten vollständig überwunden werden."

    Ja , Steiner liess als erster die Katze aus dem Sack. Bereits er widerlegte alle heute so beliebten, aber bösen VT, von den "geheimen Planungen" der "geheimen Oberen" , des Angelsachsentums oder was was ich noch, die angeblich durch Auflösung der Nationalitäten die Weltherrschaft anstreben.

    Er verkündete der Welt, der Erzengel Michael steckt dahinter!
    Er (Steiner), hatte wie immer recht. Irgendjemand muss ja schliesslich unsere Zukunft planen, mit genauen Zeitangaben, wirklich toll.

    Wer aus dem Erzengel Michael spricht, sagte er allerdings nicht.
    Das durfte er noch nicht. Appellierte er vielleicht an den gesunden Menschenverstand?

    Aber egal, Hauptsache ist und bleibt, dass irgendjemand unsere Zukunft verplant.
    Die universelle Wahrheit ist aber mehr als klar, und die thront unanzweifelbar über Allem, ............wir selbst, wir unfähiges unmündiges Völkchen dürfen das nicht, wenn sich auch das ganze Affentheater Demokratie nennt!


    AntwortenLöschen
  2. Michaela @ Ingrid: Liebe Ingrid,
    dankeschön für diesen Hinweis, die Erzengel betreffend. Wenn man will, kann man alles missverstehen.
    Gerade die geistige Einsicht in spirituelle Tatsachen ermöglicht doch uns Menschen, gemäss Erkenntnis uns zu entwickeln. Rudolf kommt mir in dem Punkt vor wie jemand, dem Du ein Fernglas gibst.
    Er sieht extra verkehrtherum durch und behauptet: Das ist ja alles gaaanz weit weg !
    Alles verschwindet in einem Nichts !
    Was des Einen Riesen sind, sind des Anderen Zwerge.

    AntwortenLöschen
  3. Michaela @ Ingrid P.S.

    Rudolf fragt ja, wer durch den Erzengel Michael spricht. Es ist der in den Wolken lebende Christus.
    Von Ihm ist gesagt, Er würde auf den Wolken wiederkommen, wiederkommen ins Bewusstsein aller Menschen.
    Wolken machen doch nicht Halt vor nationalen Grenzen ! Und der Geist, der mit diesen natürlichen Wolken verbunden ist, macht weder Halt vor Geschlechtergrenzen, noch vor "Rasse"grenzen, sofern dieser Begriff heute noch anwendbar ist. Für äussere Sinne ist dieser Geist gar nicht da. Aeussere Augen sehen nur Seine Gewänder. Aeussere Augen sehen z.B. eine sogenannte Windhose. Geistige Augen sehen den Erzengel Michael durch den natürlichen Blitz hindurch. Das geistig Gesehene steht nirgends im Widerspruch zu dem äusserlich Gesehenen. Geisteswissenschaft widerspricht auch nirgends der Naturwissenschaft, wo diese von echter naturwissenschaftlicher Erkenntnis ausgeht.

    AntwortenLöschen
  4. @ Rudolf und Michaela:

    :-)
    Naja - ich hatte mit meinem Artikel eigentlich nicht im Sinn, der Welt zu verkünden, wie der Erzengel Michael seine Herrschaft ausübt.

    Daß es in früheren Jahrhunderten sehr viel mehr als heute auf den „Erbstrom“ angekommen ist, sowohl für die persönliche Biographie einzelner Menschen als auch für die Entwicklung unterschiedlicher Kulturen – das müßte sich bei einiger Beobachtungsgabe auch für denjenigen erkennen lassen, der noch niemals etwas von Erzengeln und ihren Amtsgeschäften gehört hat. Meint Ihr nicht auch?

    Aber das scheint Herrn Keuler nicht bewußt zu sein. Und nur deshalb, weil er seine Argumente anscheinend lieber bei Rudolf Steiner sucht als in der gegenwärtigen Wirklichkeit, habe ich Rudolf Steiners Aussagen über die Erzengel Gabriel und Michael herangezogen (was, wie Michaela schon erwähnt hat, ja nicht im Widerspruch steht zu dem in der äußeren Wirklichkeit Erkennbaren).

    Ich habe nämlich – auch wenn ich das nicht gerade für eine Voraussetzung wirklichkeitsgemäßer Erkenntnis halte – nichts dagegen, daß man den sich ändernden „Zeitgeist“ als unterschiedliche Erzengel bezeichnet und diese mit Namen nennt.

    Mit dem Namen „Christus“ tu ich mir in diesem Zusammenhang schon um einiges schwerer.
    Denn der »allgemein-menschliche Zug« der von Steiner als »Michael-Zeitalter« bezeichneten Epoche gilt ja ausdrücklich nicht nur »gegenüber den speziellen Interessen von einzelnen Nationen«, sondern allgemein gegenüber den speziellen Interessen von »Menschengruppen«.
    Meint Ihr nicht auch, daß darunter auch die speziellen Interessen einzelner Religionsgemeinschaften fallen – und damit die der christlichen Religion?

    Gute Nacht!
    Ingrid

    AntwortenLöschen
  5. Michaela @ Ingrid: "Mit dem Namen "Christus" tu ich mir in diesem Zusammenhang schon um einiges schwerer."

    Liebe Ingrid,

    habe mal bei Steiner gelesen, der einzig wahre Name des Christus ist: Ich bin.

    Benennt nicht jeder Mensch sich derart ? Nur eben in unterschiedlichen Sprachen ? Unabhängig von Geschlecht, Familie,Volkszugehörigkeit und Religionen und so weiter ?

    Gute Nacht !

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Michaela,

    „Ich bin“ – ja, natürlich. Damit habe ich keinerlei Schwierigkeiten.

    Wenn das der einzig wahre Name ist – warum müssen wir dann unbedingt „Christus“ sagen, auch dann, wenn wir mit und von Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften sprechen?
    (Innerhalb eines christlichen Kultus habe ich natürlich nichts dagegen; morgen singe ich, wie so oft, wieder mal das Sopransolo in einer Haydn-Messe, im katholischen Gottesdienst…)

    So, jetzt aber wirklich: gute Nacht!
    Ingrid

    AntwortenLöschen
  7. Michaela @ Ingrid: "...warum müssen wir dann unbedingt "Christus" sagen....?"

    Liebe Ingrid,

    wir müssen`s ja nicht unbedingt tun. Doch indem wir es tun, machen wir deutlich, dass nicht die bloss menschliche Ichheit sondern die göttliche Ichheit gemeint ist. Sonst könnten andere wähnen, wir würden in den Gotteshäusern uns selbst anbeten.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Michaela,

      »Sonst könnten andere wähnen, wir würden in den Gotteshäusern uns selbst anbeten.«

      :-) Naja, diese Gefahr scheint mir denn doch nicht allzu groß zu sein.
      Für viel wahrscheinlicher halte ich es, daß andere wähnen könnten, Anthroposophie wäre missionarisch oder zumindest inklusivistisch – und das ist es, was ich gern vermeiden möchte.
      Deshalb versuche ich, außerhalb von Gotteshäusern oder dezidiert christlich-religiösen Zusammenhängen ohne den Namen „Christus“ auszukommen.

      Löschen
    2. Ja, das geht mir ähnlich genauso. Oft suche ich auch bei gläubigen und ungläubischen Katholen (und Evangelen sowieso) ohne den Namen "Christus" auzukommen, weil, das ist für die synonym der Jesus. Dieser "Jesus" ist auch mannigfaltig seltsam besetzt. Da kann ich meistens nicht anders, als wärmevollst an den seligen Klaus Kinsky zu denken...
      mischa butty

      Löschen
  8. Michaela @ Ingrid : " ...- und das ist es, was ich gern vermeiden möchte."

    Liebe Ingrid,

    es laufen schon so viele Leute umher, die für irgendwas "missionieren" wollen. So weit mir überhaupt möglich ist, Steiners Intentionen zu verstehen, wollte er keine neue Religion begründen. Doch ausser den Medizinern und Landwirten und so weiter kamen dann ja auch Kleriker zu ihm, die ihn befragten.
    Was mich persönlich an der Anthroposophie begeistert, ist der Freiheitsgedanke, dass auf Freiwilligkeit gesetzt wird, ANSTATT irgendwie suggestiv zu missionieren. Freilassen ist anthroposophische Methode.
    Es gibt da ein Innen und ein Aussen betreffs Anthroposophie. Frage ist da heutzutage etwa weniger die nach dem WAS Anthroposophie ist. Es ist die Frage nach dem WER.
    Ich selber gehöre nicht zur AG/AAG (?) dazu.
    Was Religion betrifft, habe ich gemischte Gefühle, es zieht mich nichts gefühlsmässig hin zu Kirchen.
    Eher im Gegenteil. Ein sehr gläubiger Fanatiker sagte mir, er glaube, Jesus sei im materiellen Körper über das Wasser gegangen. Er konnte " die Naturgesetze aufheben." Wie kann man sich mit so jemandem vernünftig unterhalten, sofern man Anthroposophie Steiners ernstnimmt ?
    Man müsste ja seinen Verstand vergewaltigen, um so zu denken. Steiner erklärt diese Dinge so, dass sie nicht mit dem Intellekt kollidieren müssen. Nur hat solche Erklärung - Stichwort Bilokation - Steiners mit dem Gezänk von Theologen nichts am Hut.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Michaela,

      »Freilassen ist anthroposophische Methode.«
      Ja.
      Und die Anthroposophische Gesellschaft (auch ich bin nicht Mitglied) ist eine allgemeine – für Menschen »ohne Unterschied der Nation, des Standes, der Religion, der wissenschaftlichen oder künstlerischen Überzeugung«.

      Auch wenn ich selbst nicht Mitglied der AAG bin: das Freilassen liegt mir am Herzen.
      Deshalb versuche ich, mich mit jedem „vernünftig zu unterhalten“ – ganz unabhängig vom jeweiligen religiösen Glauben.
      Als Christus damals „über das Wasser ging“, war ich nicht dabei. Ich kann also alles, was darüber gesagt wird (sei es von der Bibel, sei es von Deinem „sehr gläubigen Fanatiker“, sei es von Nichtchristen oder Atheisten, sei es von Rudolf Steiner), nicht aus eigenem nachprüfen – und lasse daher jedem seinen Glauben, der sich entschlossen hat, darüber das eine oder andere zu glauben.
      Wunderglaube (bzw Glaube an Dinge, die sich mit dem Alltagsverstand nicht erklären lassen) verhindert meiner bisherigen Erfahrung nach nicht unbedingt jede „vernünftige Unterhaltung“.
      Viel wichtiger als die eindeutige Feststellung, wie das damals wirklich war, ist mir, was der jeweilige „Glaube“ mit einem Menschen macht und wozu dieser Mensch sich vom jeweils geglaubten „Wunder“ anregen läßt...

      Löschen
  9. Liebe Michaela,

    »So weit mir überhaupt möglich ist, Steiners Intentionen zu verstehen, wollte er keine neue Religion begründen. Doch ausser den Medizinern und Landwirten und so weiter kamen dann ja auch Kleriker zu ihm, die ihn befragten.«
    Ja. Christliche Kleriker.
    Ich bin überzeugt davon, daß er zu Muslimen oder Buddhisten oder Menschen anderer Religionen ganz anders über ihre Möglichkeiten zu „religiöser Erneuerung“ gesprochen hätte. Aber diese kamen eben damals nicht, ihn darum zu bitten.
    Daraus eine Berechtigung zu christlichem Inklusivismus in Steiners Namen abzuleiten, halte ich für einen Fehler.

    AntwortenLöschen
  10. Michaela @ Ingrid..., halte ich für einen Fehler."

    Liebe Ingrid,

    damit "rennst Du bei mir offene Türen ein." Klar, das wäre ein Fehler. Steiner hielt sich nicht auf an solch äusserer "Maja", sondern er wartete, ob jemand Fragen stellte. Wenn ja war der Fragesteller offen für eine Antwort. Steiner "missionierte" nicht. Wer da "in Steiners Namen" eine "Berechtigung zu christlichem Inklusivismus" behauptet, sollte solche Behauptung an Zitat(en) festmachen. Dann könnte man das anschauen usw.
    Bilokation ist, wenn jemand physisch an einem Ort ist und geistig woanders erscheint. Wenn Du z.B. all Deine Selbstbilder aus Deinem Bewusstsein rausbringst und da ist jemand medial für solche Bilder, der sie im niederen geistigen Sehen empfängt, kann der Dich "wiedererkennen" selbst dann, wenn der Dich physisch nicht jemals gesehen hat. Es muss einem selber nichtmal bewust sein, dass diese Bilder, die man rauswirft,woanders empfangen werden per Erscheinung.

    AntwortenLöschen
  11. Michaela @ Ingrid :"Wunderglaube"

    Liebe Ingrid,

    was Leute glauben, ist deren Sache, und es stimmt, es ist möglich, mit allen zu reden. Der Fanatiker, den ich erwähnte, ist ein wunderbarer Mensch. Ob der noch lebt, weiss ich leider nicht. Ingrid, folgendes Wunderbare ist nicht beweisbar. Es ist aber wahr. 2006 träumte mir, ein schlanker junger Priester bat mich, ihm Geld zu LEIHEN. Ich trug - im Traum - eine dreifach gefärbte Pelzmütze.
    Nachher im Wachbewusstsein schrieb ich den Traum auf und nähte mir eine solche Mütze , allerdings aus Lammfell, färbte die mit Filzstiften gemäss Traum. Wäre never ever mit der Mütze zum Einkaufen gegangen.
    2007 klingelte es an der Türe. Ein weiter weg von uns lebender Nachbar stand da. Gemäss Selbstauskunft ein LAIEN - Prediger einer Kirche. Schlanker junger Mann ! Mein Mann war woanders, trotzdem liess ich ihn rein. Ob ich ihm 200,00 Euro LEIHEN würde. Der Traum kam in mein Bewusstsein zurück...Ich stellte die Bedingung, während der Uebergabe diese selbstgemachte Pelzmütze tragen zu dürfen. Erzählte ihm von dem Traum, den wir dann sozusagen realisierten.
    Mein Mann schimpfte mich aus, wie ich so leichtfertig sein könne. Doch pünktlich wie die Maurer zahlte der Mann mir die Kohle zurück. Später habe ich dem helfen dürfen. Man verlangt ja keine Kohle zurück, wenn ein Traum-Laien - Prieser sie braucht. Trotzdem war der Mensch auch ein Fanatiker erster Güte. Aber ein herzensguter Kerl.

    AntwortenLöschen
  12. @ Michaela und Ingrid,

    Wenn ich Eure Diskussion hier um den Christus verfolge, dann bestätigt das nur meine bisherigen Erfahrungen. Nämlich dass Christus im anthroposophischen Kontext schwer greifbar ist. Abweichend vom gemeinhin als Sohn Gottes bekannten und verehrten Jesus als zentrale Figur der Bibel, mal die zwei Jesusknaben, mal der Menschensohn, mal der Ich bin, mal die Reinkarnation des Zarathustra um nur einige Abwandlungen des Christus zu nennen, und jetzt auch noch der "Christus der in den Wolken lebt". Gggrrrr....

    Aber eigentlich ist es mir reichlich egal, welche Nichtmenschen durch den Erzengel Michael sprechen sollen.
    Letzlich sind es immer Menschen, die durch ihre eigenen Vorstellungen von Erzengeln, Geistern oder Göttern sprechen. Der wahre Gott spricht nicht, er ist und zeigt sich dem Suchenden.
    Dass es nicht Gott ist, oder auch der Sohn Gottes der durch den Erzengel Michael spricht, erschliesst sich mir schon aus der simplen Überlegung, dass Gott den Menschen in die Freiheit entlassen hat und ihm nicht seine Zukunft verplant und schon gar nicht voraussagt.

    Gott sagt dem Menschen doch nicht, dass es in 300 Jahren keine Nationen mehr geben wird und demzufolge ein Weltherrschaftsystem. Schwachsinn finde ich sowas. Es wäre ausserdem die Negierung der menschlichen Freiheit durch Gott selbst, also im Grunde genommen eine Verhöhnung Gottes oder seines Sohnes.

    Und auch durch alle anderen Phantasiegebilde und "Geister", die in der vom Menschen geschaffenen "geistigen Welt" herumspuken, sprechen einzig und allein Menschen. Ich sage , es sind Menschen, die uns unsere Freiheit und unser Selbstbestimmungsrecht missgönnen, es uns absprechen wollen.

    Ob es dieselben Menschen sind, welche eine Weltregierung installieren möchten, bleibt natürlich Spekulation, wenn auch entsprechende Vermutungen bei Anwendung des folgerichtigen Denkens durchaus nicht abartig sein sollten.
    Dass es solche Menschen gibt, ist auch sicher, denn Hochmut, Machtgier und Dummheit gehören zu den wenigen menschlichen Eigenschaften, die in doch einigen Menschen unendlich sind.

    AntwortenLöschen
  13. @ Rudolf:

    Wie schon gesagt, ging es mir in meinem Artikel nicht etwa darum, zu verkünden, was der Erzengel Michael sagt oder tut.
    Ich wollte einzig und allein darauf aufmerksam machen, daß heutzutage Vererbung für die Entwicklung sowohl von Einzelbiographien als auch von Kulturen eine sehr viel kleinere Rolle spielt als noch in früheren Jahrhunderten, und daß man das sogar dann entdecken kann, wenn man ausschließlich Rudolf Steiner liest, statt in die Welt zu blicken.

    Und:
    »Nämlich dass Christus im anthroposophischen Kontext schwer greifbar ist.«
    :-) Das würde mich ja schon interessieren, in welchem Kontext der Christus leicht »greifbar« sein sollte (und welchen Wert es dann noch haben sollte, überhaupt von ihm zu sprechen...).

    Gute Nacht!
    Ingrid

    AntwortenLöschen
  14. Sie sprechen mir aus der Seele bei diesem Thema - wie auch Michael Eggert, wenn es um 9/11, Amerikafeindlichkeit und Verschwörertum geht...
    Danke!
    herzlichen Gruß
    Wolfgang Stadler

    AntwortenLöschen
  15. @Ingrid,

    Greifbar ist Christus in keinem Kontext, schon klar. Aber ist es denn so schwer mal nicht billige Ausflüchte zu suchen? Also mal bewusst nicht auf das Bemühen zu verzichten, auch mal zwischen den Zeilen der anderen lesen zu wollen?

    Christus ist der Wert an sich! Er dedarf keiner Menschen, die fortwährend -ihn bis zur Unkenntlichkeit verfälschend - immer neue Spielarten von ihm und gänzlich andere Vorstellungen seiner wahren Natur ins Spiel bringen.

    Der wirklich respektvolle und realistisch denkende und empfindende Mensch unterscheidet zwischen der Wahrheit - des Glaubens und der ihr innewohnenden Kraft, der Freiheit - die derart eine reale geistige Krücke ist, gerade weil sie gleichzeitig auch die Freiheit des Denkens garantiert, und den Fälschungen dieser Krücke, welche die Freiheit negieren und sich selbst in überheblicher Manier über alles stellen, indem sie sagen, wir haben jetzt "wissenschaftlich" bewiesen, dass der Glaube und sogar Gott tot sind. Und wir im Besitz der absoluten Wahrheiten sind!

    Und von all Jenen, die diese Fälschungen nicht "erkennen", sagt, sie seien auf dem Weg der "Erkenntnis" nur noch nicht so weit fortgeschritten, also mit anderen Worten ausgedrückt, Dummköpfe!

    AntwortenLöschen
  16. Lieber Rudolf,

    genau darauf will ich hinaus:

    »Christus ist der Wert an sich!« – das ist ein Glaubenssatz.

    Wenn es nicht um Glauben, sondern um Erkenntnis gehen soll, müßte der Satz meiner Ansicht nach lauten:
    »Innerhalb der christlichen Religion wird der „Wert an sich“ mit dem Namen „Christus“ bezeichnet.«

    AntwortenLöschen
  17. Michaela @ Ingrid: Thema Wissen und Glaube.

    Liebe Ingrid,

    Steiners grosses Verdienst besteht darin, dass er die Dinge, welche bisher die christliche Religion exklusiv für sich unter dem Begriff des Glaubens verwaltete, zum Thema der neuen Geisteswissenschaft machte.
    Da geht es um eine Christus - Erkenntnis, um die Erkenntnis eines objektiven Geistigen.
    Zitat Steiner aus dem "Lebensgang": " ... der Mensch sich hingibt und die äussere Geistwelt in sich zur objektiven Erscheinung bringt, während der Mystiker das eigene Innere verstärkt und auf diese Art die wahre Gestalt des objektiven Geistigen auslöscht." GA 28, S. 173
    Steiner hat auch 1910 schon darauf hingewiesen, dass ab etwa der Zeit der 1930 er und 1940 er Jahre manche Menschen "direktes Wissen vom Christus" bekommen würden, dass sie Ihn schauen würden im "neuen Aethersehen" bzw. im "Aetherhellsehen". Ich behaupte, zu wissen, dass es wahr ist.
    Daher ist mir möglich, Steiner in dem Punkt sehr ernst zu nehmen, was Rudolf offenbar nicht vermag.

    AntwortenLöschen
  18. Michaela : Muss mich korrigieren: "Mein Lebensgang" -GA 28 - ist korrekt, nicht jedoch"S.173"

    AntwortenLöschen
  19. Liebe Michaela,

    ich zweifle nicht daran, daß Menschen „direktes Wissen vom Christus“ haben bzw ihn „schauen“ können.
    Aber ich halte diese Bezeichnungen für eine Deutung, nicht für das Erlebnis selbst:

    Daß Menschen ihr Erlebnis mit dem Namen „Christus“ in Zusammenhang bringen, das hängt meiner Ansicht nach damit zusammen, daß sie außerdem von Christus gehört oder gelesen haben, in christlich-religiösen Zusammenhängen (zu denen ich auch Rudolf Steiners „Fünftes Evangelium“ zähle).
    Deshalb ist der Name „Christus“ für mich nach wie vor mit dem Glauben verbunden.
    Übrigens selbst dann, wenn man sich gegen einen solchen Glauben stellt: schließlich wäre auch eine dezidierte Leugnung der Wirklichkeit Christi ohne das Christentum nicht möglich.

    AntwortenLöschen
  20. Michaela @ Ingrid : Liebe Ingrid,

    woraus ich spreche, ist ein selbst Durchlebtes und Erlebtes. Und es ist gar nicht meine Sache, gegen irgendeinen religiösen Glauben zu agieren. Ich bekenne, der Evangelischen Kirche zugehörig zu sein und ihr auch Kirchgeld usw. freiwillig zu zahlen. Die Tatsache, dass die christliche Religion da ist, dass heutzutage die Evangelien da sind, ist ja Teil der Lebenswirklichkeit. Und es ist das Verdienst christlicher Glaubensgemeinschaften, dass die Evangelien tradiert wurden, deswegen habe ich kein Problem damit, denen etwas zu zahlen und manchmal den Gottesdienst zu besuchen.
    Was "Deutung" betrifft, so deutet Paulus ja hin auf den Christus IN ihm, nicht auf Ihn AN Paulus, und dieser Mensch deutet nicht zuerst auf sich selbst.
    Und dieser Paulus hat auch eine Schule begründet, in der es um Geisteswissenschaft ging. Urchristen waren noch Eingeweihte der Mysterien. Kirchenvater Hieronymus hat laut Steiner eine Urschrift des "Matthäusevangeliums" übersetzt, von der er laut Steiner immerhin wusste, dass nur Initiaten der Mysterienhochschulen sie würden verstehen können. Und laut eben Rudolf Steiner bekannte Hieronymus, dass er selbst kein Initiat dieser Mysterien war, übersetzte trotzdem den Text und warf dasjenige raus oder änderte es um, von dem er glaubte, es müsse Ketzerei sein.

    AntwortenLöschen
  21. Liebe Michaela,

    auch ich bin evangelisch getauft und habe weder ein Problem damit, weiterhin evangelischen Kirchenbeitrag zu zahlen, noch damit, an vielen Sonntagen im Jahr katholische Gottesdienste als Sängerin mitzugestalten. Es liegt mir wirklich sehr fern, gegen irgendeinen religiösen Glauben, welcher es auch sei, aufzutreten.

    Nach allem, was Du erzählst:
    Ist es denn nicht so, daß Du, schon bevor Du Dein Christuserlebnis hattest, von Christus gehört hattest, und Dein Erlebnis deshalb als „Christuserlebnis“ deuten konntest?

    Ich kann nicht sagen, ob man überhaupt nicht zu einem derartigen Erlebnis kommen könnte, ohne schon vorher von Christus gehört zu haben – ob also der „christliche Weg“, zumindest die „christliche Sozialisierung“ in irgendeiner Form (wie gesagt: möglicherweise auch in der Ablehnung) die Grundvoraussetzung für solche Erlebnisse an sich ist, oder nur die Voraussetzung für ihre Deutung im christlichen Sinne.

    Es wäre sehr interessant zu erforschen, ob die „höchsten spirituellen Erlebnisse“ nichtchristlicher Religionen Ähnlichkeiten haben mit dem „Schauen des Christus“, und wenn ja: in welche Begriffe sie gefaßt, mit welchen Namen sie benannt werden.
    Dazu aber müßte jede einzelne Religion sich für zwei Möglichkeiten öffnen:
    Einerseits dafür, daß es in anderen Religionen um dieselben Wahrheiten und „höchsten spirituellen Erlebnisse“ gehen könnte;
    Andererseits dafür, daß es innerhalb der einzelnen Religionen „höchste spirituelle Erlebnisse“ geben könnte, zu denen jeweils andere Religionen (also auch das Christentum) keinen Zugang haben.

    Die Voraussetzung für eine solche interreligiöse Forschung wäre freilich, daß jede einzelne Religion (auch das Christentum, und natürlich auch das Christentum in seiner derzeitigen anthroposophischen Ausgestaltung) ihren Anspruch aufgibt, von vornherein die „einzig wahre“ zu sein – und zwar ohne daß Gleichgültigkeit und Beliebigkeit eintritt (denn dann wäre es überhaupt vorbei mit „höchsten spirituellen Erlebnissen“).

    So weit sind wir meiner Ansicht nach noch lange nicht.
    Aber ich freue mich, wenn jemand sich auf einen solchen Weg zu machen versucht – ich denke dabei vor allem an János Darvas, auf den ich vor einiger Zeit aufmerksam zu machen versucht habe.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Ingrid, "Ist es denn nicht so, daß Du, schon bevor Du Dein Christuserlebnis hattest, von Christus gehört hattest, und Dein Erlebnis deshalb als „Christuserlebnis“ deuten konntest?" Das ist so besonders schwer zu besprechen wegen der Tradition des Christlichen, in der wir stehen. Dieses Darstellungsproblem bezieht sich aber auf jede "geistige" Erfahrung. Wenn man eine Imagination "hat", erlebt man es nicht, als etwas, was man produziert- man tritt in sie ein. Das Subjektive daran ist die eigene Perspektive darin. Das "Bild", der sich über den ganzen Himmelsraum erstreckt- aber in alle Richtungen, ist kein "Objekt" der Betrachtung. Man bringt es auch nicht hervor. Es ist auch kein "Bild", kein "Raum", sondern ein Koordinatensystem voller Bedeutung. Bei einer Begegnung mit einem Geistwesen wird es schwierig, zu sagen, ob die Stimme "des Anderen" von Innen oder Außen kommt, von Ich oder Du, denn es gibt kein Innen und Außen. Man ist im innigsten Gespräch, das möglich ist, ohne ein Du verrotten zu können. Dennoch weiß man, wie in der Imagination, dass man das nicht "produziert". Es gibt durchaus Gespräche und Begegnungen dieser Art, in denen man nicht "weiß", wer oder was das ist. Man deckt das nicht mit einem Namen oder Begriff zu. Es bleibt ein Rätsel. Aber man fühlt zutiefst, dass es gut ist- gut im denkbar tiefsten Sinne des Wortes.

      Löschen
  22. Michaela @ Ingrid : "Ist es denn nicht so, dass Du, schon b e v o r Du Dein Christuserlebnis hattest, von Christus gehört hattest, und Dein Erlebnis d e s h a l b als "Christuserlebnis" deuten konntest ?"

    Liebe Ingrid,

    vielleicht ist dies mein letzter Kommentar hier. Das liegt nicht nur in meiner Verantwortung. Wie auch immer, Du kennst ja meine Geschichte ein wenig. Zu Deiner Frage: Wenn jemand christlich getauft wurde, wie Du und ich auch, dann versteht sich ja von selbst, dass wir gehört und gelesen haben vom Christus und von der Auferstehung. Z.B. hatten wir Religionsunterricht in der Schule. Die Frage nach Gott kam b ei mir erst existentiell auf durch mein Leiden an der fantastischen Krankheit, die ausser mir selber niemand bemerkte.
    Mein Erdenleben erschien mir mit 17 Jahren kaum noch lebenswert. Und dann kam es zu einer Nahtoderfahrung. Heute - wo ich Rudolf Steiners Dinge gelesen habe über den "Vergessenheitstrunk" der alten Mysterien - meine ich, davon damals etwas zuviel verzehrt zu haben. Was es physisch ist, gehört nicht hierher. Doch es ist in der Zeit der 1930 er und 1940 er Jahre angeblich wiederentdeckt und entwickelt worden.
    Es waren im Wesentlichen zwei diametral entgegengesetzte Bewusstseinszustände. Zuerst "Mitternacht am hellen Tag". Wachkoma. Vermeintlich realer Tod. Schreck. Der Leib begann zu erstarren. Ich riss mich raus aus dem Körper, dachte: Lieber entspannt sterben - als verkrampft gegen den Todesengel anzukämpfen.
    Hinter mir geistig fühlbar ein Richter, der mich prüfte, ob ich den moralischen Anblick des Todesengels aushalten würde. "Mein" Körper schien ausser mir , dabei der Todesengel.

    Dann Begnadigung zum neuen Leben, Rückgeführtwordensein in den Leib. Indem ich aus diesem mystischen oder vermeintlich realen Tod aufstand, war das Auferstehung. Verjüngtwordensein um die bis da gelebten 17 Jahre. Der neue Bewusstseinszustand war nun Freude,Staunen, geistiges Sehen der leuchtenden Lebenskräfte im überwachen Bewusstseinszustand, den ich als Paradies benannte, Schauen Gottes während realem Gewitter, zuvor Erinnerung an eine Szene aus vorigem Erdenleben, und bevor dieses Hellsehen und so weiter wieder komplett verschwand, Empfang von Anweisungen und einfachen Sätzen zur zukünftigen Meditation OHNE dieses physische Mittel.
    Nach dieser Auferstehung aus vermeintlich realem Tod war mir klar, dass dieser Richter der Christus IST.

    Anschliessend war ich wieder geistig blind wie ein Maulwurf. Meditierte, um ohne dieses physische Mittel wieder Kontakt zur Geistwelt zu bekommen. Stiess später auf Steiners Uebungen, verschlang auch erstmal "alles" von ihm, um dahinterzukommen: Wie beurteilt er dieses physische Mittel ?
    Er bringt das zusammen mit "zwei Massnahmen", die früher in den alten Schulen ergriffen wurden. Eine Verflüssigung des Gehirns. Und einen Schrecken, der Katalepsie des Leibes bewirkte. Mein Glück war, dass beides bei mir eintraf. Letzteres wahrscheinlich durch die Ueberdosierung, und , dass ich bereit war aufgrund meiner fantastischen Krankheit mich aus dem Leib rauszureissen,BEVOR die Erstarrung des Körpers mir diesen einfach hätte wegnehmen können.
    Also diese Erfahrung führte mich zu Rudolf Steiner hin, zur regulären (!) Schule. Das vorige war Weg ohne Regel gewesen, der nicht in seiner wahren Gestalt öffentlich darstellbar ist.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Als Referenz: eine ‘frostige Einsamkeit‘ und Paradies-Imagination hat Steiner 1913 ausführlich dargestellt.

      Und wenn diese beiden Kräfte, der Egoismus, der sich zu Weltinteressen ausdehnt, und die
      frostige Einsamkeit zusammenwirken, dann nähert man sich immer mehr und mehr der Paradieses-Imagination. 145.137f.

      Löschen
    2. Liebe Michaela, die Wenigsten haben den Mut, ein solches Erlebnis darzustellen. "Irregulär" sind sie meist, aber die Art und der Umgang sind sehr verschieden. Man kommt ja nicht immer bis an den Punkt, dass sich die meisten Menschen darüber austauschen wollen oder auch können- es fällt in das nahezu Sprachlose hinein. Es ist noch lange nicht gesagt, dass es dem Einzelnen möglich ist, etwas davon in der Anthroposophie wieder zu finden- selbst wenn sie sich lange damit beschäftigen sollten. Es bleibt manchmal etwas ungemein Intimes- etwas ganz am menschlichen Kern. Oder sie sehen gar nicht das "Besondere" daran- es bleibt bei einer Out-of-Body- Erfahrung, etwas von einer nächtlichen Begegnung, etwas von einer Auflösung in Strömen um den Körper herum. Die Suchbewegung, es selbständig greifen zu wollen, setzt einen erheblichen Willen voraus, der Jahre und Jahrzehnte lang wirken und bestehen muss. Das ist nicht selbstverständlich, ganz im Gegenteil. Wenn man den Hang hat, das "Irreguläre" wieder und wieder aufzusuchen - ohne den mühseligen Emanzipationsweg- kommt man dem Todesengel sehr nah - zu nah. Die wahrhaftige innere Begegnung kann dann korrumpiert werden- es ist immer noch Licht, es ist immer noch rein - aber es kann zerstörerisch werden wie kaum eine andere Kraft auf Erden. Dann verliert man die innere Verbindung zum wirklichen Geist und verfällt dem eiskalten Engel. Der Geist der Wahrheit berührt einen- aber dann muss man ihm entgegen leben- wie Sie sagen, "blind wie ein Maulwurf". Und die Versuchung ist immer da.

      Löschen
  23. Michaela @ Michael Eggert : Lieber Herr Eggert.

    woran sind denn Sie persönlich ganz besonders interessiert ? Gibt es da irgendetwas, das Sie irgendwie mehr fasziniert als manches andere ? Musik ? Bilder ? Sie ernähren sich ohne Zucker, oder ?
    Wobei geht Ihnen das Herz auf ? Was oder wen verabscheuen Sie vielleicht besonders ?
    Gibt es eine(n) Promi, die oder den Sie lieben ?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Michaela, ich mache das hier - die "Egoisten" - seit 19 Jahren, wie man in den Archiven des Internet sehen kann, wenn man möchte. Vorher gab es Vorformen. Es ist, von mir aus, alles auserzählt, was "persönlich" wäre. Der Impuls, in Worte zu fassen, was ich zu greifen suche, wird immer schwächer. Das, was relevant ist, liegt auf der Hand, fordert Tag für Tag. Das kann der Garten sein, ein großes Bild, Beziehungskrisen Anderer, Krankheit, Tod. Von mir aus finde ich, dass ich in einem Alter bin, in dem es klar und bestimmt Zeit ist, Dinge zu ordnen und sich auf eine nicht allzu lange Reise vorzubereiten. Ich sehe dieses Leben als etwas an, in dem ein grundsätzlicher Zugang gefunden werden musste. Verwirklichen kann ich das noch nicht wirklich- nicht im sozial wirksamen Rahmen. Oder nur im ganz kleinen, winzigen Kreis. Das ist wirklich nicht der Rede wert. Dank der Anthroposophie kann man die inneren, relevanten Koordinaten finden und einen ersten Anfang finden. Die relative Kontinuität und Sicherheit war ein großes, exquisites Geschenk. Das wird es nie wieder geben, das ist mir bewusst. Daher lebe ich darauf zu, in völliger Ungewissheit zu leben. Die Ungeduld ist meine größte Schwäche. Ist das "persönlich" genug?

      Löschen
    2. @ Michael Eggert :
      Sind die Inhalte von egoisten.de jetzt andernorts verfügbar?

      Löschen
    3. Lieber Herr Birkholz, nein. Wollen Sie etwas machen? Geben Sie mir eine Host- Adresse für FTP, zur Archivierung?

      Löschen
  24. Michaela @ Michael Eggert : Lieber Herr Eggert,

    wenn das vor 19 Jahren begann, dann liegt der Beginn in einer sehr besonderen Zeit. Ist nur meine Empfindung, Erinnerung, dass das so war. Ja klar ist das "persönlich" genug. Dankeschön.
    Diese "Ungewissheit", die kann aber auch das Leben spannend machen. Vielleicht ist sie auch Ergebnis Ihres Mutes. Es gibt ängstliche Menschen, die alles verplanen müssen.
    Wer weiss, ob nicht das Leben doch noch ein exquisites Geschenk für Sie bereit hält.

    Gute Nacht

    AntwortenLöschen
  25. Liebe Michaela,

    danke für Dein abermaliges Erzählen – in dem ich keinen Widerspruch finde zu dem, was ich bisher hier gesagt habe.

    Lieber Michael,
    »weiß man, dass man es nicht „produziert“«
    Ja.
    Und dennoch kann man „Ich bin“ als den „einzig wahren Namen“ ansehen.
    Wobei, meinem Erleben nach, die Betonung auf dem Verbum liegt: Ich BIN.

    Herzlichen Gruß,
    Ingrid

    AntwortenLöschen
  26. Michaela @ Ingrid: Liebe Ingrid,

    wie Du das denkst ("Betonung") ist für mich höchst interessant. Steiner sprach auch über Christian Rosenkreutz und über dessen Art, Schüler zu gewinnen. Jemand - so Steiner - geriet irgendwie in Gefahr. Und er hörte dann geistig etwas, eine Stimme, die ihn warnte. Dadurch erkannte er die Gefahr und wurde gerettet. Manche - so Steiner - dachten zuerst, es sei eine sinnlich wahrgenommene Stimme.

    Nun ist ja bekannt durch "Anweisungen für eine e.S.", welche Mantren Steiner gab: Ich bin.Es denkt.Sie fühlt.Er will.
    Wenn Du willst, denke Dir, Du gehst in die Vorstellung:Ruhe. Alles eigene Denken verschwindet samt allen Bildern usw. Du bist aber wach. Wenn Du nun - ähnlich wie im o.g. Beispiel - einen Satz empfängst, nur eben aus Deinem Inneren heraus in Devotion empfängst: Ich bin. Dann erlebst Du das als ein: Es denkt.
    Es denkt eine höhere Ichheit in mir. Und das geht weiter ins Fühlen. Du breitest in Liebe die Arme aus und umarmst die Erde, die Deine Liebe fühlt. Du erlebst: Sie fühlt.
    Zu dem:Er will. sagt Steiner sinngemäss Er = Gott. Sein WILLE lebt hinter unserem menschlichen Müssen.
    Wir müssen atmen, ob wir selber wollen oder nicht, wir müssen atmen, wir müssen trinken, müssen essen und müssen verdauen, ausgenommen etwa J.v.H. Die muss ja angeblich nicht essen. Das steht auf anderem Blatt...Atmen muss sie trotzdem, ob sie will oder nicht, der Mensch kann nur für begrenzte Zeit Atemsubpression betreiben.

    AntwortenLöschen
  27. Liebe Michaela,

    danke – ich kenne Steiners „Anweisungen“; und ich kenne auch jemanden, die vor vielen Jahren durch eine solche wie sinnlich wahrgenommene Stimme gerettet wurde.

    Aber:
    »wie Du das denkst ("Betonung") ist für mich höchst interessant.«
    Ich sprach nicht davon, wie ich das denke, sondern ich versuchte, mein Erleben in Worte zu fassen.

    Während Du erzählst: »war mir klar, dass dieser Richter der Christus IST.«
    so wäre mein eigenes Erleben (das ich hier nicht im Detail schildern möchte) besser ausgedrückt in den Worten: » ... daß dieser Richter Ich BIN.«

    AntwortenLöschen
  28. Michaela @ Ingrid: Liebe Ingrid,

    Dein Erleben betrifft ja mein Gestammel, das ich absonderte, nicht mein Durchlebtes und Erlebnis.
    Meine Intention war die, auf eine höhere Ichheit hinzuweisen, nicht auf mich persönlich.
    Ich selber bekenne, weder der Richter noch die Staatsanwältin zu sein.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Michaela,

      mein Erleben betrifft weder das, was Du Dein „Gestammel“ nennst, noch auch Dein „Durchlebtes und Erlebnis“.
      Sondern mein Erleben ist zunächst einmal mein Erleben, ganz unabhängig von Deinem.
      Ähnlichkeiten zu dem, was Du erzählt hast, scheinen mir sowohl in dem „Richter“ als auch in der „höheren Ichheit“ zu liegen (deshalb schrieb ich nicht: ich BIN, sondern: Ich BIN).

      Aber ich kann es gut stehenlassen, wenn die Ähnlichkeiten sich damit erschöpfen.

      Löschen
  29. Michaela @ Ingrid : Liebe Ingrid,

    Steiner sagte ja, der einzig wahre Name des Christus ist: Ich bin. Und nun weist Steiner ja auf Paulus hin, der sagte: Nicht ich sondern der Christus in mir.
    Meine Lesart - die auch mit meinem Erleben harmoniert - ist die, dass da im Paulus zwei Ichheiten leben.
    Eine höhere und eine niedere, die bloss menschlich ist. Letztere ist nicht gemeint. Sondern er sagt ja direkt:Nicht ich...Sondern...
    Wenn ich da etwas betonen sollte, müsste ich es so ausdrücken: Nicht ich selber, nicht mein bloss menschliches Ich bin ist gemeint. Sondern gemeint ist die göttliche Ichheit in mir, die heisst:ICH BIN.

    Bevor ich Steiners Esoterik kennenlernte, las ich in einem anderen esoterischen Uebungsbuch, die Schüler sollten meditieren: " Ich bin Gott." Habe das Buch beiseite gelegt. Wo bliebe da die Devotion ?
    Steiner weist hin auf Devotion, welche seine Schüler mitbringen sollten oder entwickeln können.
    Unter Gewitter ist Devotion leicht zu empfinden ! Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt.
    Ballmer sagte: " Den Christus erkennen heisst: der Christus sein."
    Wo ist da Devotion ? Im "erkennen" ?
    Paulus erkannte, WER ihn berief. Doch der behauptete nicht, selber dieser WER zu sein.
    Wie auch immer, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste ! Ich kann auch irren.

    AntwortenLöschen
  30. Liebe Michaela,

    mein Erleben (das ich ausdrücke in den Worten: »Ich BIN«) steht nicht in Büchern, auch nicht in solchen von Rudolf Steiner; ich versuche nicht, es dort nachzulesen, und ich suche dort auch nicht nach Anweisungen, was ich „soll“ oder „nicht soll“.

    Aber bei Rudolf Steiner habe ich (lange nachher) von der „Umstülpung“ zwischen „innen“ und „außen“ gelesen, und vom Erkennen in der geistigen Welt, das „Wesensverschmelzung“ ist – und darin habe ich etwas von meinem eigenen Erleben wiedererkannt. Wegen dieser Qualität meines Erlebens schreibe ich: Ich BIN (was nicht das Geringste mit mangelnder Devotion zu tun hat).

    Und bei Rudolf Steiner habe ich (ebenfalls lange nachher) gelesen, daß es in der „geistigen Welt“ um Bewegungen geht, um Richtungen, um Tätigkeit, und daß man in ihr nicht sehr weit kommt mit dem Gegenstandsbewußtsein des Alltags; und ich habe davon gelesen, daß die Verstorbenen Zeitwörter sehr viel besser verstehen können als Substantive... – und auch darin habe ich etwas von meinem eigenen Erleben wiedererkannt. Wegen dieser Qualität schreibe ich: Ich BIN.

    Aber, wie schon gesagt: ich kann es gut so stehenlassen, wenn Du es anders erlebst als ich.

    AntwortenLöschen
  31. Michaela : Ein Gedicht gemäss: Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben"

    DIE TAUBE

    Es führte ihr Leben im Lotter
    Eine uralte Kreuzotter
    Beim Rosenquarz, beim Stein
    Da hatte sie ihr Heim.

    Die alte Haut ward ihr zu eng.
    Am Stein rieb sie die runter ! Peng !
    Oh Wunder.
    So hat verjüngt sich dieses Tier
    Zwischen zwei Uhr und viertel vor vier.

    "Sie ist verjüngt, wie kann das sein ?"
    Begann Professor Streut zu schrei`n.
    "Sie müsste doch gealtert sein !
    Während der Häutung an dem Stein !
    Doch seht es hat verjüngt sich dieses Tier
    Zwischen zwei Uhr und viertel vor vier !"

    " Wie dünn sie ward - Und seht den Glanz !"
    Rief da der alte Förster Franz.
    "Woll`n wir uns reiben an dem Stein ?
    Woll`n wir nicht selber ? Jünger sein ?
    Wir singen, tanzen Rock`n Roll
    Und sind nicht mehr so alt, so oll !"

    Man sagt, sie noch heut`am Tanzen.
    Vom Förster fand man noch den Ranzen.

    Die Taube hat es nicht gehört.
    Sie sagt`dazu kein einzig`s Wört.
    Die Otter war taub.
    Sie verschwand dann im Laub





    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich find' s jedenfalls spannend, wie in Eurem Austausch Ideogenese mitschwingt: Mal die Innenansicht, mal die Außenpersektive und die Wirklichkeit, wie sie sich aus all den unterschiedlichen Standpunkten ergibt.

      ICH BIN - DU BIST - ER IST
      ICH BIN NICHT DU UND DU BIST NICHT ICH, ABER
      ICH BIN WEIL DU BIST UND DU BIST WEIL ICH BIN
      UND WIR SIND WEIL ER IST

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Danke für Ihre Mitarbeit im Blog.

Egoistisch am meisten gelesen: