Kurswechsel am Goetheanum?

Vom etwas, das Ich und Weltgeschehen im Wege steht und von etwas gleichem, was jenes überwindet 

Bringt die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft und die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft noch etwas für die individuelle meditative Praxis und die Zusammenarbeit, die erforderlich ist, um geistig forschen zu können? 

Jostein Sæther

Im unmittelbaren Arbeitsvorhaben der Vertreter der globalen, anthroposophischen Bewegung wird aktuell auf eine Michaeli-Konferenz 2016 am Goetheanum hingearbeitet, die das 100-jährige Gedenken an die Weihnachtstagung von 1923/24 im Voraus anpeilen soll. Dazu fand eine Herbstklausur am 9.-11. Oktober statt, bei der die teilnehmenden Vertreter eine vorhandene Krise im Sozialsektor des Anthroposophischen konstatierten. Trotz der Tendenz, dass die drei Bereiche – Hochschule, Gesellschaft und Lebens- und Berufsfelder – voneinander relativ getrennt bestehen, erhoffen sie sich nun, dass die Entwicklungs- und Zukunftsfragen engagiert gestellt würden. Der anthroposophischen Bewegung steht somit zukünftig quasi ein Kurswechsel bevor. 

Dabei gehe es weniger um eine kollektive Strategie, sondern um das Achten der individuellen Wege, sodass die soziale Veränderung zielgerichtet, aber offen sich entwickeln können, ohne dass im Voraus etwas boykottiert oder von Leitungsgremien aus überlieferten Vorstellungen gesteuert wird. Dieser Kurswechsel kann metaphorisch verglichen werden mit einer Flotte von Schiffen, die mit Wind und Wellenschlag ringend, zu neuen Ufern aufbrechen will. So ergab es sich wahrscheinlich auch nicht zufällig, dass im Kasseler Arbeitszentrum eine Arbeitstagung zur meditativen Praxis stattfand mit den konkreten Fragen: 

Wie kann ich meditieren? 
Was ist und wie komme ich zu geistigem Erleben? 
Wie bilde ich meine individuelle meditative Kultur? 

In welchem Zusammenhang die Ereignisse dieser Tagung zu sehen sind mit den Vorsätzen und konkreten Arbeitsvorhaben, die sich aus der Herbstklausur am Goetheanum ergeben, kann auf meinem Blog weiterverfolgt werden… 


Illustration: © Jostein Sæther: Goetheanum vom Südwesten fotografiert am 8. November 2013.
 

Kommentare

  1. Es gäbe sogar zwei anthroposophische Blickrichtungen (siehe GA 243), klassisch dargestellt von Lievegoed in: Schulungswege, der Weg des einzelnen und der Weg in karmischer Gemeinschaft (1992). D.h. eine platonische und eine aristotelische geisteswissenschaftliche Methode, jede mit ihren eigenen Inhalt, ein absteigender und ein aufsteigender Pfad. Vergleiche die erste drei und die folgende drei rosenkreuzerische Stufen (13.393, 96.153 f.).

    Ich denke, man kommt für das Verstehen der Originalität seiner geistigen Forschung nicht ganz ohne Steiners Selbstdarstellungen aus.

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