Oskar Lambert Kürten oder: Die Kunst, sich unsichtbar zu machen

Hier ein Hinweis auf Oskar Kürten, dessen kleine Bücher offensichtlich weiterhin im Verlag Die Pforte erhältlich sind, obwohl dieser Verlag eigentlich längst in den Futurum- Verlag aufgegangen sein soll. Allerdings findet sich dort auf der artifiziellen Website jedenfalls keine Spur von Oskar Lambert Kürten. Vielleicht wird da auch nur noch ein Lager abverkauft? Es sieht so aus. Und Kürten ist ja auch eine ganz andere Generation- eine Seltenheit bei derart scheinbar abgelegenen, unzeitgemäßen Arbeiten wie z.B. „Der Sonnengeist Christus in der Darstellung Rudolf Steiners“ und einem Autoren, der gar keiner sein will, dass er doch über mehrere Generationen hinweg gelesen worden ist. Und dann ist er auch noch scheinbar unoriginell, denn Kürten referiert, könnte man denken, lediglich Highlights aus den esoterischen Höhenregionen des Werks Rudolf Steiners. Aber dennoch, bis heute zumindest, ein stiller Evergreen. Wieso?

Oskar Lambert Kürten ist 1886 in Belgien geboren und starb 1973 in Berlin. Zurecht wurde in seinem Nachruf geschrieben, dass es sein Ideal war, „alle Aussagen allein durch Rudolf Steiner machen zu lassen.“ Nun behaupten das viele, aber Kürten, durch seine völlige Taubheit zurück gezogen lebend, offenbar auch ohne anthroposophische Kontakte, hat Jahre und Jahrzehnte verbracht, aus Steiners thematisch breit im Gesamtwerk verstreuten, teilweise fragmentarischen Äußerungen - ein zurückhaltendes, aber stimmiges Kondensat zu machen.

Wie gesagt, das haben Viele versucht. Häufig bemerkt man in all den Jahren des Studiums, wie radikal die Interpretationen Steiners dann doch durch den Fokus persönlicher Grundannahmen, Ehrgeiz oder Selbstüberschätzung differieren. Die hohe, rare Kunst von Oskar Lambert Kürten war, dass er sich fast vollkommen unsichtbar machen konnte. Dennoch wirkt der Test durchkomponiert, rhythmisch, stimmig. Da hat jemand endlos gefeilt. Das Ergebnis ist, dass man einzelne Zusammenhänge auch als alter Steiner- Hase zum ersten Mal erkennt. Kürten ist also doch sehr produktiv, aber hinter den Kulissen des Textes: Er legt Zusammenhänge frei.

Für den Einen oder Anderen, der sich angesichts einer kommenden winterlichen Sternen- Welt zwischen den Jahren und langen gemütlichen Abenden nach einer guten, intensiven Textarbeit zu christologischen und elementaren Zusammenhängen umsieht, möchte ich gern auf Kürten verweisen.

Sein letztes Buch, Über die Elementarreiche in der Darstellung Rudolf Steiners, ist Fragment geblieben, obwohl Kürten buchstäblich bis zu seinem Tod daran gearbeitet hat- sieben Kapitel und weitere Notizen sind fertig geworden.

Persönlich möchte ich bemerken, dass mir Kürten erst richtig die Weite des Logos- Begriffs - die Gottes- Vorstellung Steiners deutlich gemacht hat. Ich hatte die Buchstaben, aber nicht den Text. So weit Respekt für den unsichtbaren Mann.

Wofür Kürten nichts kann, ist, dass ein Titel wie der über die Naturreiche offenbar auch der rechtslastigen Kundschaft des Kopp- Verlages zusagt, denn dort ist es auch erhältlich.

Kommentare

  1. "Wofür Kürten nichts kann, ist, dass ein Titel wie der über die Naturreiche offenbar auch der rechtslastigen Kundschaft des Kopp- Verlages zusagt, denn dort ist es auch erhältlich"

    Ganz genau.
    Denn da haben diese als unfrei definierten Menschen mal eindeutig wieder ihren Zuständigkeitsbereich überschritten. Sie haben sich nicht an das ihnen zugewiesene Zwangs-Handlungsraster gehalten und sich erfrecht, sich auch mal mit etwas Positivem zu beschäftigen, also nicht im ewig Bösen zu verharren.
    Sie sind hier ganz klar aus dem ihnen vorbehaltenen Dunstkreis ausgebrochen. So etwas dürfen unfreie Menschen selbstverständlich nicht!

    Dafür kann Kürten klarerweise auch nichts und deswegen ist es auch richtig, ihn gegen alle Verdächtigungen, er würde unfreien und durch und durch bösen Menschen aus der Seele sprechen, in Schutz zu zu nehmen.

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    1. Hihihi, das ist doch das vertraute Sprach/Denkmuster von Rudolf. Warum denn auf einmal so anonym?

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  2. Michaela: "Dafür kann Kürten klarerweise auch nichts..."

    Wir Menschen sind doch entwickelungsfähig. Wer hat noch niemals im Leben geirrt ? Wer hatte noch niemals nötig, eine liebgewonnene Meinung über Bord zu werfen, weil Erkenntnis von Tatsachen das erforderte ?
    Es mag ja Zeitgenossen geben, die starrsinnig an ihren Meinungen festhalten, obwohl sie eigentlich an gewissen Tatsachen aufwachen könnten, welche diese Meinung ad absurdum führen.
    Freies Geistesleben begegnet heute einer öffentlichen mainstream - Meinung, welche Tabus setzt und bevormundet. Macht das nicht deutlich erkennbar, dass es eine Entpolitisierung der Wissenschaft braucht ? Es geht doch betreffs Klärung wissenschaftlicher Fragen um eine Unbestechlichkeit von Personen in deren Erkenntnisorientiertheit.
    Politik verfährt nach dem Motto:Teilen und herrschen. Politik polarisiert. Politik stellt sich solcher Erkenntnisorientiertheit in den Weg. Wir können gegenüber dieser Polarität aus rechts und links doch zu einer dritten Kraft werden, ohne uns selbst in eine der zwei Waage - Schalen mit rein zu setzen.

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