Hat Rudolf Steiner versucht, sich einen Doktortitel zu kaufen?




In der Einleitung zum soeben erschienenen Band 2 der SKA (Rudolf Steiner: Kritische Ausgabe. Philosophische Schriften) habe ich folgende Aussage gemacht:

[Steiner] arbeitete seitdem simultan an beiden Goethe-Ausgaben und siedelte im Herbst 1890 selbst nach Weimar um. Spätestens um diese Zeit lässt sich anhand seiner Briefe der Wunsch nachweisen, trotz des abgebrochenen Studiums doch noch irgendwie einen akademischen Titel zu erwerben. Verschiedene erfolglose Versuche wurden unternommen, sich mit den bereits erschienenen Grundlinien irgendwo nachträglich zu promovieren. Auch erkundete Steiner Möglichkeiten, einen sogenannten ›englischen Doktortitel‹ ohne Absolvierung einer Prüfung zu erwerben. (LXXVII).

Wegen dieser Aussage - Steiner habe versucht, einen Doktortitel ohne Prüfung zu erwerben bzw. zu "kaufen" (der übliche Weg dazu war damals, nach Steiners eigenen Angaben, die Zahlung einer Summe von etwa 600 Mark) - bin ich nun schon mehrfach der Verleumdung Steiners bezichtigt worden. Die Sache soll hier öffentlich gemacht werden, damit die geschätzte Leserschaft sich ihr eigenes Urteil bilden kann.

Die Passage in der SKA bezieht sich auf zwei Briefe Rudolf Steiners aus dem Jahr 1890. Diese hatte David Marc Hoffmann bereits 1991 in seiner Studie zu Steiners Dissertation veröffentlicht; sie sind unten vollständig wiedergebenen. Die Frage sei hiermit aufgeworfen, ob die obige Formulierung aufgrund dieser Briefe gerechtfertigt ist oder nicht. 

Betont sei an dieser Stelle, dass es sich bei dieser Diskussion nicht um eine moralische Bewertung der Bemühungen Steiners um ein Doktordiplom handelt - der Erwerb des von Steiner erwünschten "englischen Diploms" war damals offenbar ebenso üblich und legal wie entsprechende heutige Alternativen -, sondern allein um die Feststellung der historischen Tatsachen.

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Briefentwurf Rudolf Steiners an einen Herrn Direktor, ohne Datum (Mai 1890?), auf der Rückseite eine eigenhändige Abschrift eines englischen Doktordiploms (Nachlaß Steiner)

Sehr geehrter Herr Director!

Bezugnehmend auf Ihr Schreiben vom 12. Mai erlaube ich mir in der Anlage einen Abriß meines Lebenslaufes und pr. Postanweisung das Consultationshonorar zu übersenden. Ich bitte Sie nun um den weiteren Betrieb meiner Angelegenheit. Betonen aber will ich nochmals, daß es sich mir vorläufig nur um das Recht handelt, gesellschaftlich den Doctortitel führen zu dürfen. Wenn Sie mir ihn also im Sinne Ihres Briefes ohne Prüfung verschaffen könnten, so wäre mir das vor allem wert. Ich würde dann etwas später wieder um Ihre Vermittlung bitten, um den auf eine Prüfung basirten Titel zu erlangen. Vorläufig aber ist mir, wie gesagt, der Titel wichtig. Wenn Sie also die Freundlichkeit hätten, mir die erwähnten Vorbehalte kund zu geben, so wäre ich Ihnen sehr verbunden.

Ihrer freundlichen Antwort
baldigst entgegensehend
Rudolf Steiner
Wien IX Kolingasse


Briefentwurf Rudolf Steiners an einen namentlich nicht bekannten Herrn, datiert: 24. Juli 1890, korrigiert in: 24.]uni 90 (Nachlaß Steiner)

Geschätztester Herr!
Wien, 24. Juli 1890
24. Juni 90

Eben war ich im Begriffe, Ihnen um das englische Diplom zu schreiben, als der Ihnen ja vielleicht aus den Zeitungen bekannte Fall mit Peratoner* eintrat, der mich stutzig machte. Denn dieser Fall wird bei uns ja nichts anderes im Gefolge haben, als daß die Behörden gegenüber jedem Doctordiplom mit erhöhtem Mißtrauen erfüllt sein werden. Bei einem englischen Diplome liegt ja die Vermutung um so näher, es zu prüfen. Wenn nun, was Sie ja nicht ausschließen, das Diplom doch einen Haken hätte, so könnte ich in die peinlichste Lage kommen. Ich würde jedenfalls der Möglichkeit ausgesetzt sein meinen durch meine Arbeiten mir errungenen, geachteten Namen auf das Spiel zu setzen. Sie werden begreifen, daß mich das doch mit Ernst erfüllt.
Ich möchte daher noch einmal dringend um Ihren Rat bitten. Was soll ich thun? Mittlerweile arbeite ich auf jeden Fall an einer Abhandlung über: «Fichtes Wissenschaftslehre und das punctum saliens aller Erkenntnistheorie. Prolegomena zu jeder künftigen Wissenschaftstheorie». Es kann ja auf keinen Fall schaden, wenn ich die Abhandlung, die am 5.-10.Juli fertig sein kann, - wenn nötig - habe. Ich kann nur noch einmal wiederholen, daß es mir doch schwer wird, 600 M. für ein Diplom zu opfern, von dessen Echtheit Sie mich nicht überzeugt halten können. Ich wollte Ihnen sonst nemlich sehr gerne folgen und das engl. Diplom nehmen, um nachher im Herbste die deutschen Prüfungen nachzutragen. Aber ich weiß nicht, ob sie mir nicht nach dem Fall mit «Dr.» Peratoner selbst ein anderes raten wollten. .
Verzeihen Sie, wenn ich Sie mit diesen fortwährenden Bedenken und mit meiner Zauderei plage, aber die Sache steht ja doch ernst.

Ihrer Entscheidung gewärtig
mit besonderer Hochachtung Ihr
Rudolf Steiner


* Der Fall ›Peratoner‹ betraf einen Mann, der sich im Jahre 1890 mit einem gefälschten Diplom als Assistenzarzt in das Wiener Krankenhaus ›Wiedener‹ einschlich und dort über ein Jahr tätig war, bevor die Sache aufflog und breit in den Medien berichtet wurde.

Quelle: David Marc Hoffmann (Hg.): Rudolf Steiners Dissertation. Dornach 1991, 187 u. 181.


Post-Scriptum

In einer Live-Debatte auf diesem Blog habe ich zu dieser Frage auch folgende weitergehende Bemerkung gemacht: 

"[...] man sollte bei all den wissenschafts- und philosophiefeindlichen Äußerungen, die Steiner später gemacht hat, nie vergessen wie sehr er sich vor 1900 danach gesehnt hat, in das wissenschaftliche Establishment aufgenommen und von ihm anerkannt zu werden, eine Universitätsstelle zu bekommen (er war sogar bereit, sich einen Doktor-Titel zu kaufen, es gab da legale Wege), - und wie es ihn verletzt haben muss, dass diese Wissenschaft ihn, der so viel mehr Talent und geistige Weite besaß als die meisten Professoren - trotz des dann doch ehrlich erworbenen Doktortitels - so brüsk zurückwies. "

Dazu sei Folgendes angemerkt: Der in diesem Post verwendete Ausdruck "trotz des dann doch ehrlich erworbenen Doktortitels" war insofern ungeschickt, als statt "ehrlich" besser von "regulär" oder von "mittels einer Prüfung" hätte gesprochen werden sollen. So wurde ein moralischer Ton in die Debatte gebracht, der nicht angemessen und nicht intendiert war und von dem ich mich hiermit distanzieren möchte

Da zeigt sich einmal mehr der fundamentale Unterschied, der zwischen einer vorsichtig erwogenen Formulierung in einer Veröffentlichung und einem im Live-Gespräch spontan hingeworfenen Blog-Post besteht. Ich kann immer wieder nur auf diesen fundamentalen Unterschied hinweisen und bitten, dass meine akademischen Veröffentlichungen und meine spontanen Äußerungen im online-Gespräch nicht in einen Topf geworfen werden. Erstere sind an die Öffentlichkeit gerichtet und für sie stehe ich auch in der Öffentlichkeit gerade; letztere sind primär an den jeweiligen Gesprächspartner gerichtet, auf die jeweilige Situation gemünzt, unredaktiert und daher keine verlässliche Grundlage für eine Diskussion über meine Steiner-Deutung.


Kommentare

  1. Halloo Christian!

    Of course, for Rudolf Steiner to buy a doctoral degree, he had to have money. But since he “always depended on the kindness of strangers” to finance him, then I would like to ask you about his two great benefactors during the 1890s: Moritz Zitter and Rosa Mayreder.

    Several Steiner lecture books have an appendix called
    “Significant Events in the life of Rudolf Steiner”
    which mention Zitter and Mayreder here:

    1879-1883
    During this year he begins his friendship with Moritz Zitter (1861-1921) who will help support him financially in Berlin.

    1901
    In continual financial straits, Rudolf Steiner's early friends Moritz Zitter and Rosa Mayreder help support him.

    Have you found any more references to his financial support system?

    Tom

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    1. Nein, Tom, ich kenne die finanziellen Förderer Steiners nicht, und es interessiert mich auch herzlich wenig, wer ihn finanzierte. Wenn ich mir anschaue, welche Schlüsse meine Damen und Herren Kritiker aus der Tatsache ziehen, dass meine SKA von der Mormonen-Uni gefördert wird, verliere ich alles Vertrauen in den Wert solcher Fragestellungen. - Ich kann mir aber vorstellen, dass die Herrn Zander und Staudenmaier deine Frage sicher brennend interessiert.

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  2. Vielleicht ist der Kurzschluss ‘abgebrochenes Studium – Doktordiplom kaufen‘ ein argumentum ex silentio. Wo ist der Ingenieurstitel geblieben?

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  3. Heiner Ullrich: Rudolf Steiner Leben und Lehre: "Seine «lateinlose» Vorbildung an der Oberrealschule und sein mathematisch-naturwissenschaftliches Studium an der Technischen Hochschule liessen damals keine Promotion an einer Universitaet zu."

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  4. Hier ist auch noch ein kleiner Beitrag:
    http://www.erziehungskunst.de/artikel/zeichen-der-zeit/ohne-praedikat/

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  5. Der Terminus ist „einzügige Promotion“:

    An manchen geisteswissenschaftlichen Fakultäten konnten früher im Haupt- und in den Nebenfächern hervorragende Studenten ohne vorheriges Abschlussexamen ausnahmsweise, nach zweifacher Professorenbegutachtung, zur Promotion zugelassen werden. Diese sogenannte „einzügige“ Promotion ist nicht mehr möglich. (wiki/Promotion)

    Vgl. Zander (2011), books.google drcUAwAAQBAJ

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  6. Man könnte natürlich auch - ein bisschen ketzerisch - fragen: Warum wollte Steiner partout den Doktortitel? Ist da nicht auch ein Quentchen Eitelkeit und Äusserlichkeit dabei, ein Stück "Schein" bei dem sonst so "innerlichen" Grals- und Wahrheitssucher? Steiner wusste doch ganz genau, dass er mit seiner Esoterik nie würde im "materialistischen" Wissenschaftsbetrieb würde punkten können. Damals nicht und heute auch nicht.

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  7. In den USA und Kanada (ebenso im Vereinigten Königreich und Irland) unterscheidet man laut wikipedia noch heute zwei Arten von Doktorgraden:
    Berufsdoktorate (professional degrees), die in manchen Studiengängen nach Abschluss ohne zusätzliche Promotionsleistung vergeben werden, und
    Forschungsdoktorgrade, die aufgrund eines Promotionsverfahrens vergeben werden.

    Davon abgesehen: wenn ich mir vor Augen halte, daß Rudolf Steiner selber offenbar Bedenken hatte, ob das „Kaufen“ des englischen Doktortitels ihm nicht als eine Unehrlichkeit vorgeworfen werden werden könnte, und sich deshalb dagegen entschied – dann finde ich es schon ziemlich sehr kleinlich, sich über Christians Formulierung »trotz des dann doch ehrlich erworbenen Doktortitels« zu mokieren.

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    1. Halloo Ingrid,

      What you say is true about the degrees in the USA, but what is not covered by that article is the phenomenon of "diploma mills," whereby degrees can be "bought" for minimal and trivial academic work.
      https://en.wikipedia.org/wiki/Diploma_mill

      Your equivalent is Titelmühle, nicht wahr, and this sounds more like what Rudolf Steiner was interested in.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Titelmühle

      As an example from my own Waldorf teacher training experience in the USA, the use of Titelmühle was encouraged by the two leaders of Waldorf teacher Training in the 1980s, Werner Glas in Detroit and Rene Querido in Sacramento, CA, where I attended in the early 1980s.

      They encouraged Waldorf teachers to buy their degrees if necessary for the sole purpose of impressing the parents that this way the Waldorf teachers would be recognized as having some kind of approbation (Bestätigung) from the academic world.

      And that speaks directly to akashaworld's point above, which I agree with.

      Furthermore, I believe that Rudolf Steiner was personally humiliated by his rejections from academia and like a petulant child he never forgot the hurt and then he went on to denigrate and despise the academic world because they "did him wrong."

      To me, that is the source of the prevailing anti-intellectual, anti-academic attitude among so many "true-believer" Anthroposophists today. They have internalized Steiner's own petulance (Gereizheit) and thus hold the academic world in contempt. (verachten)

      "Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht Herr Doktor." [vgl. Röm. 12,19]

      Tom

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    2. Das, Tom, finde ich ebenso einseitig wie den anthroposophischen Anti/Intellektualismus. Sicher mag das Persönliche und Psychologische hier mit eine Rolle gespielt haben - das habe ich ja selbst bereits so formuliert.

      Aber, daraus jetzt DEN (einzigen) Grund für anthroposophischen Antiakademismus und Antiintellektualismus zu machen, ist zu einseitig. Diese Tendenz gehört zur Esoterik, seit es sie gibt. Denn es gehört ja zur Selbstdefinition des Esoterischen, seit der Renaissance, sich vom Exoterischen abzugrenzen. Esoterik ist doch, in gewisser Hinsicht (z. B. nach Hanegraaffs Definition), nichts anderes als die Summe der vom kirchlichen und akademischen Establisment zurückgewiesenen Forschungs-, Diskurs- und Wissensformen.

      Vgl. etwa diesen Widerspruch schon bei Agrippa von Nettesheim: der veröffentlicht einerseits die "Occulta Philosophia", ein Standardwerk frühneuzeitlihen Okkultismus, und zugleich einen Bestseller über die "Eitelkeit aller Wissenschaften" (der esoterischen wie der akademischen).

      Den Antiintellektualismus und Antiakademismus der Anthroposophen (und deren psychologische Kehrseite, den heimlichen und uneingestandenen Neid) kann man nicht durch Steiners Biographie begründen, der gehört zur Esoterik wie der eigene Schatten.

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    3. Hallo Christian, Peter Staudenmaier stimmt dir zu. Er hat heute morgen auf der Waldorf Critics Yahoo Gruppe das Folgende geschrieben:

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      Hi Tom,

      thanks, I hadn't seen the new post at Egoisten. I largely agree with Christian's interpretation, particularly with his point that Steiner tried very hard to find an academic position, and that it doesn't make sense to hold this against him -- and on that score I fully agree with Christian's observation that there was nothing morally questionable (or even especially unusual) about the various attempts Steiner made to get a doctorate.

      I would add a couple of other relevant factors, most important that Steiner's possible route toward a doctorate was much narrower than it might have been because of the restrictive nature of the Austrian and German educational systems at the time -- he went to the 'wrong' kind of high school and the 'wrong' kind of college, and didn't take his exams at the end of his curtailed college studies. It would be foolish, in my view, to blame Steiner personally for these things; instead I would say they tell us much more about the flaws in the standard academic structures of his time.
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    4. Peter Staudenmaier fährt fort:

      “Steiner's initial schooling was at the village school in provincial Austria where his family lived at the time. He was a precocious student, and within a few years was able to jump up several rungs in the traditional Austrian educational hierarchy and ended up at the nearby Realschule, a science-oriented secondary school. In the German and Austrian system of secondary education, a Realschule stands between the less prestigious Hauptschule and the more prestigious Gymnasium. Steiner did quite well at the Realschule, and supplemented his classes in math and science etc. with his own philosophical reading.

      When he was 18 he began his college studies at the Technical College in Vienna. At first he studied primarily natural science subjects, though perhaps his most important influence came from a teacher of German literature. Steiner studied at the Technical College for four years, with excellent grades, and then left without taking his exams; in other words, he didn't graduate, contrary to common claims in anthroposophist contexts.

      During his time in Vienna Steiner was deeply involved in a variety of intellectual pursuits and evidently uninterested in academic qualifications. Most prominently, he helped edit some of Geothe's scientific works. Seven years after leaving the Technical College, having moved to Weimar, Steiner tried to re-orient toward an academic career, an option that faced several hurdles: for one thing, he hadn't gone to a Gymnasium for secondary school, the normal prerequisite for pursuing a university degree, and for another thing, he hadn't completed his studies at the Technical College.

      But Steiner persisted, at first attempting to have a book he wrote in 1884 accepted as a dissertation. When this failed, he contacted a professor at the university in Rostock, which Steiner never attended, who agreed to serve as his doctoral supervisor from afar. In 1891 Steiner submitted a dissertation -- published a year later and now available in English under two different titles, 'Truth and Science' and 'Truth and Knowledge -- which was accepted, just barely, by the philosophy department at the university of Rostock, and Steiner received his PhD.

      In my view, these sorts of certification are much less important than Steiner's substantive intellectual background and the content of his publications and, later, his lectures. Steiner did not end up obtaining an academic position, but this tells as much about the academic institutions of the time as it does about his own abilities.

      Experiences like these may, however, offer possible insights into the tenor of some of Steiner's later complaints about scholarship, after his esoteric turn, and into the specific forms of anti-intellectualism that have been a conspicuous part of anthroposophy from its beginnings."

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    5. Peter beantwortet mich:

      “[Tom], I also think you made a perceptive comment at the Egoisten:

      "I believe that Rudolf Steiner was personally humiliated by his rejections from academia and like a petulant child he never forgot the hurt and then he went on to denigrate and despise the academic world because they "did him wrong." To me, that is the source of the prevailing anti-intellectual, anti-academic attitude among so many "true-believer" Anthroposophists today. They have internalized Steiner's own petulance and thus hold the academic world in contempt."

      PETER: That seems fairly accurate to me, though I think Steiner's disappointment in the academic world was often genuine and legitimate. I also think his esoteric turn after 1900 exacerbated this sort of resentment; an anti-intellectual stance was and is widespread throughout much of the modern occult milieu, not just in theosophy or anthroposophy.

      What is perhaps most noteworthy about the latter-day anthroposophical antipathy toward the academic realm is its thoroughly naive character; so many of Steiner's followers today simply have no idea how hard Steiner himself tried to join the academic universe that they claim to despise. This is also, unfortunately, a common pattern among enthusiasts of the occult, including all too many anthroposophists.

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  8. Ich würde sagen: irregulär (ohne Magister- oder Ingenieursdiplom) aber doch ehrlich.

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  9. Schluss mit diesem absolut sinnlosen Steiner-bashing!

    Natürlich kann man über angebliche "Schwindeleien" Steiners debattieren, aber du Clement, befindest dich in einem eklatanten Widerspruch!
    Erhebst einerseits den Anspruch Steiner in den akademischen Diskurs bringen zu wollen, möchtest ihn auf das Level eines Goethe, Fichte, Hegel, Swedenborg und wer weiß ich noch alles heben, ihn also zu einer "wissenschaftlich zitierfähigen" Figur machen, und dann kramst du 90 Jahre nach seinem Tod solche persönlichen Dinge hervor.
    Da sollten wir uns schon fragen, was du wirklich für Ziele verfolgst, wenn du versuchst Steiner auf diese Weise persönlich ins Zwielicht zu stellen, ganz egal ob ihm jetzt juristische oder nur moralische Verfehlungen vorgehalten werden sollen.

    Als ob es heute etwas bringen würde im Leben anerkannter Persönlichkeiten die längst nicht mehr leben und deswegen unabhängig ihres persönlichen Werdegangs, allein durch das was sie in die Welt setzten, Realitäten in unserer Kultur- und/oder Geistesgeschichte darstellen, nach irgendwelchen persönlichen Fehlern in ihrem Leben zu suchen.

    Das ist ja geradezu die Mutter aller Widersprüche!

    Einerseits Steiners moralische Integrität anzweifeln, ihn aber gleichzeitig in den wissenschaftlichen und akademischen Kontext rücken wollen.

    Ich kann über so eine Vorgangsweise nur lachen. Genauso wie über jemanden, der im Leben von akademisch nicht anzweifelbaren Größen wie Goethe, Fichte oder Swedenborg nach dunklen Stellen suchen würde.

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    1. Wieso sollen Menschen mit "akademisch nicht anzweifelbarer Grösse" eigentlich keine "dunklen Stellen" haben? Gibt es dafür irgendeinen Grund - und welch naives Menschenbild steht dahinter? Voltaire, Luther, Marx, Darwin, Wagner, Steiner, Haeckel, Heidegger, Benn, Jünger, Ezra Pound und viele andere: überall kann man dunkle Stellen finden, Antisemitismus, Rassismus, ganz zu schweigen von der Frage, ob sie alle in ihrem Ehrgeiz gute Ehemänner, Freunde und Väter waren usw. Also das ist kein Kriterium. Man muss sogar danach fragen, um zu sehen, dass diese (zweifellos wichtigen) Menschen keine "Lichtgestalten", sondern Menschen waren, mit allem, was dazu gehört. Auch Steiner.

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    2. @ akashaworld

      Ich habe nicht gesagt, dass irgendwelche Menschen keine dunklen Stellen haben oder haben sollten.
      Bitte genau lesen und im richtigen Zusammenhang zitieren.

      Meine Kernaussage ist, dass es keinen Sinn macht, bei anerkannten und lange verstorbenen Persönlichkeiten danach zu suchen. Klar hat ausnahmslos jeder Mensch, so wie auch Steiner, dunkle Seiten!

      Es geht mir um die Frage, was Clement für ein Ziel verfolgen könnte, wenn er auf widersprüchliche Art und Weise für Steiner einerseits die akademische Anerkennung einfordert, gleichzeitig aber denigratorisch dunkle Stellen aus seinem persönlichen Leben ausbreitet!
      Bleiben wir doch bitte bei der Sache!

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    3. @Rudolf,

      "sinnlos" ist nicht mein Beitrag, sondern dein Versuch, die von mir initiierte Diskussion als "Steiner-bashing" hinzustellen. Es geht eben hier nicht darum, "dunkle Stellen" in Steiners Biographie hervorzukramen, sondern Tatsachen richtigzustellen und Beschuldigungen als unsinnig zu erweisen.

      Die wirklich interessante Frage ist, warum du und warum so viele Anthroposophen die Klarstellung einer völlig harmlosen Tatsache so empfinden, als sollte Steiner damit diskreditiert werden. Vielleicht, weil sie Rudolf Steiner als Menschen zeigt, als "einen von uns", und nicht als vom Himmel herabgestiegenen Halbgott und Propheten?

      Auch das ist lachhaft, mir den oben genannten Widerspruch in meinem Umgang mit Steiner nachweisen zu wollen. (Es mag in meinem Ansatz Widersprüche geben, hoffentlich fruchtbare, da hab ich gar nichts dagegen, aber eben nicht den oben implizierten.) Gerade weil es mir darum geht, Steiner in der akademischen Welt zu etablieren, muss mir jeder Anlass willkommen sein, ihn als Menschen zu zeigen und zu verstehen und den anthroposophischen Mythos vom "Übermenschen" Steiner zu überwinden.

      Gläubige Anthroposophen verstehen offenbar einfach nicht, dass die Überwindung des "Mythos vom Eingeweihten" Steiner nichts damit zu tun hat, die Möglichkeit einer übersinnlichen Erkenntnis zu leugnen oder auch nur zu diskreditieren. Nur darum geht es, den Fokus von einer irrationalen Idealisierung der Person Steiners weg- und auf eine sachliche Diskussion über seine Aussagen hinzuleiten. Der Akademiker kann und muss sich unvoreingenommen und sachlich fragen: Was meint Steiner mit "Hellsehen"? und Lässt sich die Möglichkeit eines solchen Hellsehens rational begründen? Ob Steiner "Eingeweihter" war oder nicht, geht den Akademiker nichts an, das ist Glaubenssache.

      Persönlich mag ja jeder Steiner verehren und bewundern, kein Problem, vielleicht ist das für den meditativen Zugang sogar notwendig. Bewunderung mag sogar legitimer Anlass und Ansporn des akademischen Umgangs mit ihm sein, nicht aber darf sie Inhalt oder Aspekt des akademischen Umgangs mit ihm sein.

      Wer und was Steiner war, wissen wir nicht. Das ist, ich wiederhole es, Glaubenssache. Was wir wissen ist, was Steiner tat und was er geschrieben hat, und unsere Aufgabe als Akademiker besteht darin, das Getane und Geschriebene zu deuten, zu verstehen, zu überprüfen, auch praktisch und empirisch - so unvoreingenommen wie möglich und so kritisch wie nötig.

      Hat es etwa Bedeutung für die Bewertung der euklidischen Geometrie, ob Euklid ein "Eingeweihter" war oder nicht? Ja, hätte es irgend einen Sinn, wenn Esoteriker und Mathematiker darüber debatierten? Die Antwort ist Nein - selbst wenn er faktisch ein "Eingeweihter" gewesen wäre.

      Eine fruchtbare Diskussion zwischen akademischer Wissenschaft und Anthroposophie kann es, meiner Meinung nach, nur geben, wenn die Anthroposophen das Dogma vom "Eingeweihten" Steiner und wenn die Wissenschaft das Dogma von der Unmöglichkeit übersinnlicher Erkenntnis aufgeben oder zumindest für die Diskussion eine Zeitlang methodisch ausklammern.

      Ich finde es schwer nachzuvollziehen, warum das - auf beiden Seiten - so schwer ist.

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    4. Als ‚moralische Verfehlungen‘, persönliche Fehler‘ oder ‘dunkle Stellen‘ stellt Zander (drcUAwAAQBAJ, Kap. ‘Der freigeistige Philosoph’) dar: dass Steiner sich eigentlich zu Höherem berufen fühlte und dass er „zu wenig Energie“ in eine akademische Qualifikation investiert hatte.

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    5. P.S. Nur um dies klarzustellen und empörten Posts vorzubeugen: Was den "Mythos von Einwegeihten Steiner" zum Mythos macht, ist nicht die Frage, meiner Ansicht nach, ob Steiner wirklich Eingeweihter war der nicht. (Ebenso wie der Zeus-Mythos nicht davon abhängt, ob Zeus existiert oder nicht.)

      Was den Mythos zum Mythos macht ist die Struktur seiner Argumentation und seine soziale Funktion.

      Die Vorstellung, dass Steiner Eingeweihter war, ist natürlich für die Anthroposophische Bewegung als esoterische Gemeinschaft essentiell. Sie ist funktional "Mythos", weil sie die Gemeinschaft begründet und fundiert - unabhängig davon, ob Steiner Eingeweihter war oder nicht.

      Und sie ist argumentativ Mythos, weil sie vom "gewöhnlichen" kritischen Denken nicht bewiesen oder widerlegt werden kann.

      Also, nur um dies für bestimmte Freunde hier klar auszubuchstabieren. Die Rede von "Mythos des Eingeweihten Steiner" beinhaltet kein Urteil darüber, ob er tatsächlich Eingeweihter war oder nicht.

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    6. Auch der Begriff ‘Einweihung‘ könnte akademisch relevant sein:

      Einen Menschen, der in die geistige Welt zu schauen vermag, nennt man in der Esoterik einen «Hellseher». Aber nur Hellseher sein, ist nicht genug. Ein solcher könnte wohl sehen, aber nicht unterscheiden. Derjenige, welcher sich die Fähigkeit erworben hat, die Wesen und Vorgänge der höheren Welten zu unterscheiden voneinander, wird ein «Eingeweihter» genannt. 15.56 (1911)

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    7. @ Ton: "Auch der Begriff ‘Einweihung‘ könnte akademisch relevant sein"

      Sicher, das will ich nicht bestreiten. Jeder Begriff ist akademisch relevant. Was "Steiner unter "Einweihung" bzw. einem "Eingeweihten" verstand, also auch.

      Aber: die unhinterfragebare Voraussetzung "Steiner war ein Eingeweihter" - die kann für einem akademisch arbeitenden Menschen nicht Grundlage seines Arbeitens sein. Sie kann Grundlage seines persönlichen Glaubens sein; er kann sogar als Akademiker über diese Voraussetzung als Glaubensvoraussetzung reflektieren und sie kritisch untersuchen.

      Er kann und darf aber nicht von dieser Voraussetzung als einer Tatsache ausgehen und sagen: Steiner Aussagen sind Aussagen eines hellseherisch begabten Menschen, ergo ... usw. usw.

      Naja, er kann natürlich, aber er würde dann den Boden kritisch-akademischen Arbeitens verlassen.

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    8. Ich wollte sagen: ‘Einweihung‘ ist – neben dem auch von Steiner verwendeten, allgemeinen Begriff mit Hüter, Schwellen, Proben, Eide, Tempel, Stätten – ein spezifisches Konzept, eine Stufe der esoterischen Schulung, die bei Steiner rationell zugänglich ist. Daher: “die Wesen und Vorgänge der höheren Welten zu unterscheiden voneinander“ (FM), “der Verkehr mit den höheren Wesenheiten des Geistes“ zu eröffnen (WE).

      Steiner nannte diese spezifische ‘Einweihung‘ später ‘Inspiration‘: die “innere Eigenschaften von Wesen kennen“, “die Beziehungen zwischen den Wesenheiten der höheren Welt“ erkennen (GU).

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    9. Ja. Dann könnte man wohl den Titel „Eingeweihter“ ähnlich benutzen wie sonst einen akademischen Titel — im Vertrauen darauf, daß derjenige, der ihn berechtigterweise führt, die entsprechende Schulung durchgemacht hat.

      Aber da erhebt sich die Schwierigkeit, daß es bisher keine Institutionen gibt, die einen solchen Titel in Vertrauen stiftender Weise verleihen können.
      Und es bleibt die Frage: wenn man – wie es immer wieder behauptet wird – nur aufgrund des anthroposophischen Schulungsweges zur von Anthroposophen als „gültig“ anerkannten Einweihung gelangen kann - - - wie hat dann Rudolf Steiner selbst es gemacht, zu einer Zeit, als der anthroposophische Schulungsweg noch nicht in der Welt war?
      Als Antwort auf diese Frage habe ich von Anthroposophen schon sehr sehr oft gehört, daß die Voraussetzung dafür eben seine Hellsichtigkeit bereits in der Kindheit gewesen sei (man denke an die Tante am Bahnhof).

      Womit wir wieder bei der von Christian angedeuteten Schwierigkeit wären: Steiners Aussagen wären dann eben doch die Aussagen eines von Kindheit an hellseherisch begabten Menschen – woran man einfach zu glauben hätte.

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    10. Voraussetzung für Anthroposophie wäre, neben natürlichem Hellsehen (Erleuchtung, Photismos, Ananda), Reinigung (Vorbereitung, Katharsis, Chit) durch dreijähriges mathematisches Studium und Einweihung (Henosis, Sat) durch das Schreiben der PhdF.

      Wir haben aus Gedanken, die vorher mehr oder weniger abstrakt im reinen Denken geschwebt haben, inhaltsvolle Kräfte gemacht, die jetzt in unserem Bewußtsein leben, und es ist Inspiration geworden, was früher reiner Gedanke war. 322.122

      Dann tritt für den Beobachter das ein, was man ein Verstehen der Bedeutung der imaginativen Erlebnisse nennen kann. 12.73

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    11. »Voraussetzung für Anthroposophie wäre, neben natürlichem Hellsehen (Erleuchtung, Photismos, Ananda), Reinigung (Vorbereitung, Katharsis, Chit) durch dreijähriges mathematisches Studium und Einweihung (Henosis, Sat) durch das Schreiben der PhdF.«

      Gut möglich.
      Aber wenn man das unterschreiben will — wie kann man dann jemals dazu kommen, den von Rudolf Steiner angeleiteten anthroposophischen Schulungsweg (der übrigens gerade kein „natürliches Hellsehen“ voraussetzt) als den „einzig berechtigten“ anzusehen?
      Müßte dann nicht jeder einzelne Mensch, auch ganz unabhängig von der Anthroposophie, seinen eigenen „berechtigten“ Weg finden können von schicksalhafter „Erleuchtung“ über disziplinierte „Reinigung“ zur endlichen „Einweihung“?

      Oder will man hier etwa das „Gesetz der spirituellen Brüderlichkeit“ bemühen: da Steiner es war, der die PhdF (und noch vieles andere) geschrieben hat, käme von da an niemand, der Ähnliches „entdecken“ will, darum herum, sich mit Steiner und seinen Schriften zu beschäftigen… ?
      Was offenbar zu dem Schluß führen kann, Steiner selbst habe sich gründlich mit den alten Schriften (sowohl der Theosophen als auch der Mystiker als auch der Idealisten als auch der Naturwissenschaftler) auseinandergesetzt und dadurch nicht nur diesem „Gesetz“ Genüge getan, sondern auch seinen Lesern die eigene Auseinandersetzung damit erspart…
      Meiner Ansicht nach wäre das ein Fehlschluß.
      Aber ich habe das vor einiger Zeit ziemlich wörtlich so gehört — und wundere mich seither weniger darüber, daß in der bisherigen Rezeption der SKA fast nie von den hier herausgegebenen Schriften Rudolf Steiners und dafür umso mehr von Christian Clements Einleitungen die Rede ist.
      Denn wer auf einer solchen Schlußfolgerung aufbauen wollte, für den wäre es nur logisch zu denken, daß Christian Clements Deutungen dem Leser die eigene Beschäftigung mit Steiners Schriften ersparen könnten...

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    12. Natürlich, mystische Erleuchtung kann jede(r) ersetzen durch Phänomenologie: direkte, bildliche Wahrnehmung mit Ausschaltung des Denkens. Der anthroposophische Schulungsweg beruhe also auf eine Kombination von zwei unabhängigen Methoden, von reinem Denken und reiner Wahrnehmung.

      … wenn wir uns durchdringen mit all der Sattheit der Farben, der Sattheit des Tones dadurch, daß wir nicht begrifflich, daß wir symbolisch, bildlich zu unserer Schulung die Vorstellungen innerlich erleben…. Dieser Weg in die Imagination hinein, er kann so vollzogen werden, angemessen unserer abendländischen Zivilisation, daß man versucht, sich ganz nur der äußeren phänomenologischen Welt hinzugeben, diese unmittelbar auf sich wirken zu lassen mit Ausschluß des Denkens, aber so, daß man sie doch aufnimmt. 325.105 und 113

      So hatte sich, ich möchte sagen, historisch erwiesen dadurch, daß Schelling bis zu intellektuellen Anschauungen vorgeschritten war, aber nun nicht zur wirklichen Imagination kommen konnte, dadurch, daß Hegel auch gezeigt hat, daß man mit dem reinen Denken, wenn man nicht zur Imagination kommt, auch nicht bis zur Inspiration, also bis zu den Naturgeheimnissen kommt, es hatte sich erwiesen, daß man dadurch in der Entwickelung des Abendlandes in eine Sackgasse hineingekommen war. 322.126

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  10. Was ich noch nicht recht begreife an der ganzen Geschichte:
    Rudolf Steiner spricht ja in den zitierten Briefentwürfen davon, »das engl. Diplom [zu] nehmen, um nachher im Herbste die deutschen Prüfungen nachzutragen.« Bei dem in Erwägung gezogenen „Titelkauf“ handelte es sich laut Steiner also »vorläufig nur um das Recht […], gesellschaftlich den Doctortitel führen zu dürfen.«

    Warum war es ihm so wichtig, diesen Titel „gesellschaftlich“ (also wohl nicht: in offiziellen akademischen Zusammenhängen) schon vor der geplanten Absolvierung der entsprechenden Prüfungen führen zu dürfen?

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    1. Die Briefe stammen aus der Zeit Mitte 1890. Damals war das Arrangement mit von Stein in Rostock noch nicht abgeschlossen. Das kam erst Ende 1890 zustande. Seinen Titel hat er dann erst Ende 1891 bekommen.

      In anderen Worten: zur Abfassung der Briefe konnte Steiner nicht sicher wissen, wann und ob überhaupt er je eine universitären Doktortitel bekommen würde.

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  11. Liebe Leser,

    Nur mit dem naturwissenschaftlichen Bewusstsein und Denken kann heute eine "hellseherische" (dh durch spezifische Meditationsmethoden erfolgte) Forschung in unserer Welt sinnvoll erfolgen.

    Deshalb ist die Wissenschaft der beste Ausgangspunkt fuer die Ausarbeitung einer (von Steiner sogenannten) "Geisteswissenschaft", wie sie in der Anthroposophie erfolgte.

    Dieser Grundgedanke ist bei Steiner zu finden, und viele Versuche gingen in die Richtung, mit den damaligen Wissenschaftlern eine vorturteilslose Diskussion zu suchen.

    Die Aussage, Steiner haette wissenschafts- bzw philosophiefeindliche Aussagen gemacht, ist falsch. Im Gegenteil!

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    1. Steiner hat sich aber nach seinem Wiener Studium so gut wie nicht mehr intensiv mit den modernen Naturwissenschaften beschäftigt, da liegt ein grosses Versäumnis. Er erwähnte zwar gelegentlich Max Planck und Haeckel, aber nur im Vorübergehen, ohne intensiv auf Physik und Biologie einzugehen. Was wahrscheinlich auch damit zusammenhängt, dass sich diese Wissenszweige damals derart auszudifferenzieren begannen, dass eine gründliche Beschäftigung unmöglich war. Das war schon um 1820 so, aber um 1900 noch viel mehr. Zudem verfiel Steiner der "Droge" der indisch getönten Theosophie und übernahm Spekulationen über Lemuria, Atlantis, Chakren, Karma etc. Er setzte eben den Weg Goethes nicht fort oder nur am Rande. Damit haben die "Goetheanisten" bis heute zu tun und versuchen mühsam, anthroposophische mit biologischen oder physikalischen Erkenntnissen zusammenzubringen, etwa Wolfgang Schad, Bernd Rosslenbroich, Wilfried Sommer oder Johannes Grebe-Ellis. Leider fehlt weitgehend die Anerkennung des wiss. Establishments. Olaf Müller scheint mit seinen Forschungen zur Farbenlehre anerkannt zu werden, aber dort fehlt der Bezug zu Steiner. Vielleicht kommt er ja noch.

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    2. Hat Steiner sich nicht 1899 in ‘Haeckel und seine Gegner‘ mit dem Neo-Darwinismus und der Weissmann-Barriere (30.189 f.), mit Anthropologie und Homo Erectus (30.183 f.) beschäftigt? Oder 1911 mit Thermodynamik und Spektralanalyse (60.458f., Was hat die Astronomie über Weltentstehung zu sagen?). Oder 1917 mit Neuroanatomie und Engramme (72.41 f.)? Und 1919 mit Atlantis und Eiszeiten (300a.87f.)?

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  12. Danke an Ton für den Hinweis auf GA 322! Da heißt es (S 110):
    »In meinem Buche „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“ ist zwar durchaus ein sicherer Weg in die übersinnlichen Gebiete hinein charakterisiert, aber er ist so charakterisiert, daß er gewissermaßen für jedermann taugt, daß er vor allen Dingen für diejenigen taugt, welche nicht durch ein eigentliches wissenschaftliches Leben hindurchgegangen sind. Ich will ihn heute im Speziellen so charakterisieren, wie er eben mehr für den Wissenschafter taugt. Für diesen Wissenschafter muß ich auch nach allen meinen Erfahrungen als eine Art Voraussetzung ansehen – wir werden gleich nachher hören, in welchem Sinne das gemeint ist –, ich muß ansehen als eine richtige Voraussetzung dieses Erkenntnisweges das Verfolgen dessen, was in meiner „Philosophie der Freiheit“ dargestellt ist.«

    Dazu paßt, womit Eckart Förster sein Vorwort zu SKA 2 beschließt:

    »… ist dieses Buch [die Philosophie der Freiheit, I.H.] m. E. zu Recht auch als Übungs- und Schulungsbuch bezeichnet worden.
    7. Diesen Aspekt, den man mit Steiner vielleicht als den wichtigsten bezeichnen könnte, wird auch eine philosophische Rezeption Steiners zur Kenntnis nehmen müssen, will sie an seinem eigentlichen Anliegen nicht vorbeigehen. Ohne den bereitwilligen Versuch, ein solches sich selbst erzeugendes Denken im Sinne Steiners selbst auszubilden, wird sich über dessen Wirklichkeit nichts entscheiden lassen. Was uns Wahrheit und Wissenschaft und Die Philosophie der Freiheit heute philosophisch sagen können, wird auch von der Bereitschaft abhängen, über eine bloß historisch-kritische Analyse der darin gemachten Aussagen (deren Berechtigung ich nicht in Frage stelle) hinauszugehen.«

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  13. Soeben kommt die erste Besprechung von Band 2 heraus, in der Wolfgang Vögele auch auf das hier besprochene Thema eingeht:

    "Wird die anthroposophische Bewegung diesmal mit mehr Gelassenheit auf das Erscheinen des neuen Bandes der SKA reagieren? Es wäre zu wünschen im Interesse einer breiteren Rezeption des Werks Steiners auch in der akademischen Welt.

    Nichts Gutes verheißt in dieser Hinsicht die gerade ausgebrochene Debatte um die Promotionsbestrebungen Steiners. Es ist der Satz in der Einleitung: „Auch erkundete Steiner Möglichkeiten, einen sogenannten ‚englischen Doktortitel‘ ohne Absolvierung einer Prüfung zu erwerben.“ (LXXVII), der Clement den Vorwurf [der Verleumdung Steiners] eingetragen hat. Hier hat Clement direkt reagiert und betont „dass es sich bei dieser Diskussion nicht um eine moralische Bewertung der Bemühungen Steiners um ein Doktordiplom handelt – der Erwerb des von Steiner erwünschten ‚englischen Diploms‘ war damals offenbar ebenso üblich und legal wie entsprechende heutige Alternativen –, sondern allein um die Feststellung der historischen Tatsachen“.

    Neu ist der ganze Vorfall auch nicht, Steiner-Archiv-Direktor Dr. David Marc Hoffmann hatte die beiden Briefe aus dem Jahr 1890 bereits 1991 in seiner Studie zu Steiners Dissertation veröffentlicht. Insofern bleibt zu hoffen, dass dieses gerade in Deutschland skandalträchtige Thema nicht die grundsätzliche inhaltliche Debatte um den neuen Band der SKA in den Hintergrund drängt."

    Da kann man Vögele nur zustimmen. Er schreibt weiter:

    "Es sei auch daran erinnert, dass es vergleichbare Proteste zum Diskurs um die SKA schon zu Steiners Lebzeiten gab, sobald ein unabhängiger Publizist öffentlich für Steiner eintrat. Seinen Anhängern gab Steiner damals zu bedenken: “Man sollte sich [...] doch auch einmal freuen können, wenn auch etwas für, von ganz außenstehender Seite für unsere Sache auftritt.“ [Vortrag Stuttgart, 13. Mai 1917, GA 174b, S. 231] Das Zitat geht wie folgt weiter: „Bis jetzt aber haben wir es vielfach erfahren, dass gerade denjenigen Steine in den Weg geworfen worden sind von Seiten unserer Mitglieder, welche sich für unsere Sache einsetzen wollten.“

    Wie die Bilder sich gleichen ...

    Hier der link zur Besprechung:


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  14. Denn in Wien nannte man zum Beispiel denjenigen einen Doktor, der eine Brille hatte.
    Man kümmerte sich nicht um das Diplom, sondern um das Exterieur.
    Wer sich einen Fiaker leisten konnte, war ein Adliger, ein Baron. Es war das Exterieur.
    Man hatte noch das Gefühl dafür, man will noch in etwas drinnen leben, was man mit Worten bezeichnet.
    Das ist der große Übergang zu der neueren Zeit, daß Mensch und Mensch sich ihrer inneren Anlage gemäß, gemäß dem, was die Seele fordert, hüllenlos gegenüberstehen, daß aber noch nicht die Fähigkeiten erworben sind zu einem solchen hüllenlosen Sich gegenüberstehen.
    Vor allen Dingen haben wir uns noch nicht die Möglichkeit erworben, ein Verhältnis zu gewinnen zwischen Ich und Ich.

    Geistige Wirkungskräfte im Zusammenleben von alter und junger Generation
    Pädagogischer Jugendkurs 12e vtr 14. Oktober 1922

    Mit jeder Definition – Doktortitel - des Menschen setzen wir uns eigentlich eine Brille auf, um den individuellen Menschen nicht sehen zu können.GA217/62

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