Rudolf Steiners "Geheimwissenschaft" im Spannungsfeld philosophischer und esoterischer Weltentstehungspekulation: Skizze eines Forschungsprojekts

Erster Entwurf des Anfangs einer Einleitung in Rudolf Steiners Schriften zur Kosmogonie und Anthropogenese. SKA 8: Fragment einer theosophischen Kosmogonie (1904) - Aus der Akasha-Chronik (1905-1908) - Die Geheimwissenschaft im Umriss (1910).



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Da SKA 8 in absehbarer Zeit im Druck erscheinen wird, komme ich Christian Clements Bitte nach, seine anfängliche Skizze zu einer Einleitung aus dem Blog zu entfernen. 
Ingrid Haselberger

Kommentare

  1. Hier drei Fußnoten beim Text:

    Borges’ strahlende Energie nennt man heute ‘Plasma‘: “Der Begriff Plasma geht in diesem Sinne auf Irving Langmuir (1928) zurück. Da der Plasmazustand durch weitere Energiezufuhr aus dem gasförmigen Aggregatzustand erzeugt werden kann, wird er oft als vierter Aggregatzustand bezeichnet.“

    Ein gestuftes, lebendiges, aber nicht-evolutionäres Weltbild in der orphischen Tradition hatte schon Aristoteles in De Mundo (Peri Kosmou) für Alexander der Große dargestellt. (Englisch: https://archive.org/stream/demundoarisrich#page/n7/mode/2up). Das ist dann im Neuplatonismus eingeflossen.

    Eine lamarckisch-haeckelische Evolutionslehre, eine aristotelische Götterlehre und jüdisch-christliche Anthropologie scheint mir nicht weniger wichtig für ein unmittelbares Verstehen von Steiners phasierter Kosmogonie als eine theosophische Globuslehre (‘Wir müssen uns also drüber klar sein, daß vor Jahrmilliarden einmal im Weltenraum ein Körper war, der alte Saturn.‘, 97.64)

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  2. Wäre es nicht sinnvoller und wissenschaftlich exakter in der Überschrift das Wort Weltentstehungsspekulation durch Weltentstehungsfragen zu ersetzen, um jeden Verdacht einer wissenschaftlichen Voreingenommenheit von vorne herein auszuschliessen?

    Bernhard Albrecht Hartmann

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    1. Lieber Christian,
      ich schließe mich Bernhard an.

      Nicht nur, weil sehr viele Menschen mit dem philosophischen Gebrauch dieses Begriffes nicht vertraut sind und damit etwas munter drauflos Fabuliertes verbinden oder womöglich an die Finanzwirtschaft denken.

      Sondern auch, weil auch die Philosophen jeweils eigene Vorstellungen von diesem Begriff hatten und wohl bis heute haben.

      Im Hinblick auf Deine Borges-Zitate würde zwar Hegels Verständnis diesen Begriff in der Überschrift wohl rechtfertigen (»Die Spekulation anerkennt als Realität der Erkenntnis nur das Sein der Erkenntnis in der Totalität; alles Bestimmte hat für sie nur Realität und Wahrheit in der erkannten Beziehung aufs Absolute.«) — wollte man aber Kants Verständnis zugrundelegen (»Eine theoretische Erkenntniß ist speculativ, wenn sie auf einen Gegenstand oder solche Begriffe von einem Gegenstande geht, wozu man in keiner Erfahrung gelangen kann.«), das mir so ziemlich dem derzeitigen alltäglichen Gebrauch zu entsprechen scheint - - - dann scheint der Ausdruck „Weltentstehungsspekulation“ wenig zu dem zu passen, wovon Rudolf Steiner erzählt.

      Herzlichen Gruß in die Runde,
      Ingrid

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  3. Bernhard und Ingrid,

    ich verstehe die Bedenken gegen das Wort "Spekulation", die ich natürlich auch erwartet habe. Aber: ist die Tatsache, dass dieser Begriff eine Bedeutungsgeschichte hat, mit der sich Steiners Denken an bestehende Traditionen anknüpfen lässt (Ingrid wies ja darauf hin) nicht gerade ein Argument FÜR seine Verwendung in diesem Zusammenhang?

    Niemand würde sich aufregen, Platons oder Schellings Darstellungen über den Ursprung des Universums als Spekulation (im weitesten Sinne von "durch rein geistig-seelische Tätigkeit erworben", "nicht auf Sinneserfahrung basierend") zu bezeichnen. Warum also nicht auch Steiners? Ist es denn ausgemacht, dass Steiner zu seinen Vorstellungen auf völlig andere Weise kam, als sie - nur weil er vom Hellsehen redete? Für mich als kritischen Forscher nicht.

    Ausserdem: Können wir wirklich auf einen ernsthaften Dialog zwischen Philosophen und Anthroposophen hoffen, erwarten wir ernsthaft, dass ein akademisch geprägtes Lesepublikum zuhört, solange wir weiterhin über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit des "Hellsehens" und des "Lesens in der Akasha-Chronik" reden?

    Der Begriff der "Spekulation" hingegen hat eine Tradition, welche z. T. inhaltlich in dieselbe Richtung geht, in die Steiner dachte. D. h. wenn man diesen Begriff benutzt, und genau erklärt, was man damit meint, kann man Steiners Vorstellungen in eine bestehende philosophische Debatte einbringen, ohne dass man die oben genannten "Reizworte" benutzen muss und die entsprechenden Abwehr-Reflexe auslöst.

    Sicher, für einige Steineriten wird auch die Bezeichnung von Steiners Denken als "Spekulation" wieder ein Reizwort sein. Aber wer nicht an Worten klebt, und wem es um die Begriffe geht, der sollte doch kein Problem damit haben, Konzessionen an die Befindlichkeiten seiner Gesprächspartner zu machen. Wenn die Öffentlichkeit und die akademische Wissenschaft derzeit unwillig bzw. unfähig sind, sich ernsthaft über einen Begriff zu unterhalten, nur weil Steiner dafür das Wort "Hellsehen" gebraucht; müssen wir uns dann genauso verhalten und das Wort "Spekulation" ablehnen, auch wenn eine differenzierte Debatte über dessen verschiedene Bedeutungen an das heranführen könnte, was Steiner unter "Hellsehen", zumindest was er unter "reinem Denken" verstand?

    Immer wieder komme ich an den Punkt, wo sich mir der Eindruck aufdrängt, dass Steiners denkerische Impulse enorme Potentiale bereit halten, wenn man nur bereit ist, sie aus den philosophischen und theosophischen Sprach- und Denklarven zu entlassen, innerhalb der sie geboren wurden und eine gewisse Entwicklung durchgemacht haben, in denen sie aber ihre Flügel nicht werden entfalten können.

    Nun mag das Wort "Spekulation" ebenso eine philosophiegeschichtliche Sprachlarve sein, wie das "Hellsehen" eine theosophische ist. Aber wenn sich durch ihren Gebrauch ein Gespräch initiieren lässt, das durch den Verweis auf das "Hellsehen" schon im Keim unterbunden würde - ist es nicht einen Versuch wert?

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    1. Lieber Christian,

      :-) ob jemand sich aufregen würde, wenn man Platons oder Schellings Darstellungen als Spekulation bezeichnen wollte, kann ich nicht beurteilen. Auf mich würde es allerdings etwas merkwürdig wirken.

      Aber:
      »Ist es denn ausgemacht, dass Steiner zu seinen Vorstellungen auf völlig andere Weise kam, als sie - nur weil er vom Hellsehen redete? Für mich als kritischen Forscher nicht.«
      Für mich auch nicht.
      Und mir geht es auch gar nicht darum, statt „Spekulation“ nun den Begriff „Hellsehen“ zu verwenden. Auch Bernhard hat das nicht vorgeschlagen.

      »wenn man diesen Begriff benutzt, und genau erklärt, was man damit meint«
      Ja, darauf käme es natürlich an.
      Kant oder Hegel?

      Steiner selbst scheint (ebenso wie meiner Ansicht nach das heute allgemein übliche Begriffsverständnis) eher zu Kant hinzutendieren: Spekulation geht »auf einen Gegenstand oder solche Begriffe von einem Gegenstande […], wozu man in keiner Erfahrung gelangen kann«.
      Insofern halte ich „Spekulation“ für ein Reizwort. Kann man dafür nicht einen Begriff finden, der weder bei der akademischen Wissenschaft noch bei Anthroposophen leicht vorhersehbare Abwehrreflexe hervorrufen muß?

      Wenn Du bei Deinem Titel bleiben willst, dann erhebt sich auch noch die Frage, wie damit umzugehen ist, daß es in dem in SKA 8 abzudruckenden Buch „Aus der Akasha-Chronik“ heißt (Hervorhebungen von Rudolf Steiner):

      »Allein das, was ihnen [den drei „planetarischen Entwickelungsstufen“: Saturn-, Sonne- und Mondperiode, I.H.] vorangeht, verliert sich in ein Dunkel, in das geheimwissenschaftliche Forschung zunächst nicht hineinzuleuchten vermag. Denn diese Forschung beruht nicht auf einer Spekulation, auf einem Spinnen in bloßen Begriffen, sondern auf wirklicher geistiger Erfahrung. Und so wie unser physisches Auge auf freiem Felde nur bis zu einer gewissen Grenze zu sehen vermag und über den Horizont nicht hinausblicken kann, so kann auch das «Geistesauge» nur bis zu einem gewissen Zeitpunkte blicken. Geheimwissenschaft beruht auf Erfahrung und sie bescheidet sich innerhalb dieser Erfahrung

      Gute Nacht!
      Ingrid

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    2. @ Christian

      Ich denke auch, dass man den Begriff Spekulation nicht als Reizwort empfinden sollte, das sollte man doch von aufgeschlossenen und denkenden Mensch erwarten dürfen (und im Kontext deiner Arbeit sowieso) - dass eben dieser Begriff vielfältig gebraucht werden kann und muss. Sicher, einige Steinerianer werden sich an diesem Begriff stoßen, denn für sie ist Steiners Hellsicht keine Spekulation, sondern eine Tatsache bzw. Realität. Spekulation heißt doch aber auch, im Kontext - ein kritisches Prüfen oder einfach nur Be-Denken (Denken schlechthin also)? - und wäre somit doch ein wichtiger und ganz natürlicher Beginn, auch für den klassischen Geistesschüler(-Anfänger). Ist sicher auch im Sinne Steiners und zudem - ein kleiner Trost für alle diejenigen, die es nicht bis zur Hellsicht geschafft haben.

      Vielleicht könnte man den Begriff Spekulation ja auch erweitern, quasi als Konzession. Wie wäre es z.B. mit "Intuitiver Spekulation"?

      Herzl. Gruss :-)

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  4. Vielleicht habt ihr recht. Ich versuche aber trotzdem noch mal, stur wie ich nun mal bin, meine ursprüngliche Intuition hier zu retten.

    Spräche nicht für die Bezeichnung "Weltentstehungsspekulation" die Tatsache, dass dieser Formulierung jeder Mensch sich theoretisch anschließen könnte, gleichgültig wie er zu Steiner steht.

    Ein Andreas Lichte etwa, für den Steiners Kosmogonie nichts als "Science Fiction Trash" ist, könnte sich meinem Wortgebrauch anschließen und sagen: jawohl, Steiners Geheimwissenschaft ist reine Erfindung, ins Blaue hinein phantasiert, bloße "Spekulation" eben.

    Ein Anthroposoph hingegen und ein wohlwollender Philosoph könnten sich ebenfalls anschließen und sagen: ja, also wenn man "Spekulation" in dem Sinne versteht, wie etwa Thomas oder Hegel, dann könnte man Steiners Darstellung der Weltentstehung durchaus in gewissem Sinne als "spekulativ" bezeichnen. Und man könnte dann darüber diskutieren, in welchem Sinne die platonische, die böhmesche, die schellingsche und die steinersche "Spekulation" über den Anfang der Welt übereinkommen und worin sie sich unterscheiden.

    Dagegen würde auch nicht sprechen, dass Steiner selbst den Begriff Spekulation im pejorativen Sinn gebraucht hat. Denn wieso sollten wir als unabhängige Forscher uns in unserem Wortgebrauch nach Steiner richten, wir der unsere mehr Sinn macht?

    Und noch ein Punkt: ist nicht die Tatsache, dass wir heute unter Spekulation etwas Negatives verstehen nicht ein Symptom für das philosophische Elend der Zeit? Einer Zeit, die sich unter dem Denken als Wahrnehmung und Beobachtung von Gedanken(speculor: Ich beobachte) nichts mehr vorstellen kann? Könnte nicht gerade eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes im philosophischen Diskurs das Verständnis dessen fördern, was Steiner zu beschreiben versucht?

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    1. Lieber Christian,

      ich habe wirklich nichts dagegen, den Begriff „Spekulation“ aus seiner derzeitigen Konnotation zu befreien, die er ja wohl schon zu Steiners Zeit hatte – ;-) diesbezüglich leidet die Welt
      wohl immer noch an einem ungesunden Kant-Glauben und versteht unter Spekulieren eher ein Phantasieren ins Blaue hinein als eine besondere Art des Beobachtens, des „Schauens“ (wie es in diesem mittelalterlichen Bild dargestellt ist).

      Interessanterweise hat speculari in meinem „Stowasser“ zwei unterschiedliche Bedeutungen:
      Wird das Wort intransitiv verwendet, so heißt es ausklugen (und entspricht damit wohl ziemlich genau Steiners Verständnis).
      Bezieht man es aber auf ein konkretes Akkusativobjekt, so heißt es auskundschaften, belauern, beobachten.

      Also das wäre wahrscheinlich eine Spur, die zu verfolgen sich lohnt – vielleicht sogar im Zusammenhang mit (:-) Achtung: jetzt kommt mein, hier bei den Egoisten längst bekanntes, „Steckenpferd“) einer neuen Betrachtung des Begriffes „glauben“, für den es im Lateinischen ja noch zwei Worte gab:
      puto – glauben, meinen, dafürhalten; also gewissermaßen unser heutiges „glauben heißt nix wissen“.
      Und credo (Wurzel: cor dare) – vertrauen, das Herz daran setzen (was man ja in Bezug auf etwas bloß ins Blaue hinein phantasiert „Spekuliertes“ sehr berechtigterweise nicht tun will) - - - - -

      Aber das ist ein weites Feld.
      Am Ende dieses Weges käme man wohl bis zu Phänomenen wie „Lügenpresse“ und „Verschwörungstheorie“...

      Und so frage ich mich halt, ob das schon die Aufgabe der SKA sein kann/will/soll…

      Und finde es nach wie vor problematisch, „Spekulation“ schon in einer Überschrift zu verwenden, noch bevor man eine eindeutige Begriffsklärung vorgenommen hat.

      Herzlich,
      Ingrid

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  5. Vorstellung Übertragung Muster I

    Für mich ist "eine Vorstellung" etwa das, was ein Hypnotiseur seinem Opfer als als Vollzug eines Musters auferlegen kann. Bekanntes Beispiel ist kataleptische Brücke etwa, wo die Vorstellung "Bügelbrett" auf das Opfer als "Muster eines Verhaltens-Zwangs" durch den Willen des Hypnotiseurs übertragen wird. Vorstellungen sind gefährlich, obschon Hypnotiseure selbst behaupten, nur der freie Wille des Hypnose-Opfers unterordne und unterwerfe sich unter den Willen des Hypnotiseurs. Es liegt in meinem eigenen Instinkt, daß ich stets im Kontext der Hypnose von Hypnotiseur und Opfer sprechen mochte, da der Wille des Hypnotiseurs stärker verändernd in Gestalt und Seele eines Andern eingreift, als etwa Friseur oder Masseur dies tun. :-))
    Im Zusammenhang mit der Hypnose und dem so genannten "posthypnotischen Befehl" (aha!) sehe ich jedoch immer auch Möglichkeiten eines Hypnotiseurs verbunden, sich die Freiwilligkeit eines Opfers zu erschleichen. Oft ist es die sich übermäßig sorgende Mutter, die vom zu erziehenden Kinde den Vollzug ihres Willens als Vorstellungs-Übetragende einfordert. In ihre Vakanz steigt später die Anthropo-Tante oder eine Gouvernante ein, oder ein anderweitig schädigender "Mentor". Negative Entartungen der mythischen Gestalt des Lebens-Orientierers, der Seelenbeschützerin, deren Gewand sie zu Leihen nehmen. Die Hexe hat ja, ähnlich dem Muster der kataleptischen Brücke, dem "Bügelbrett-Krampfen" einen Buckel, den sie als erstes auf ihre Haustiere überträgt, die bucklichte Hexe und ihre bucklichte Katze ist manchen noch ein bekanntes Bild auf alten Märchenbüchern. Auch das Bild der Verwünschung und Verhexung in ein Tier ist ja bekannt. Im Umkreis der Vorstellungs-Übertragungen der Gouvernante, die seelisch verbuckelt ist(das heißt, dem Leben gegenüber unerlöst in verbittertem Mißtrauen, der Rücken ist immer auch Bild des Unbewußten, in der Eurythmie auch Sinnbild des "geistwärts" gehens, und aus dem freien Rücken entsteht erst die wahrhaft souveräne "Aufrichtekraft"), wird jeder im Zwang einer fast unwiderstehlichen Suggestivität zum bucklicht Männlein! Vor allem freilich Männer, wenn es eine richtige Gouvernante-Tante ist. Vorstellungsübertragungen geschehen auch im Nationalsozialismus auf sehr gefährliche Weise, wenn man an die magnetisch magisch verzerrenden Fratzen gerade bei den Abbildungen der "Vorstellung Jude" (!) denkt. Die Karikatur, die zur Fratze entartet, kann einerseits heitere Überhöhung der Eigenschaften und Physiognomie sein, in der Fratze jedoch zur Übertragung von Verhaltenmustern werden. Propaganda ist immer Hypnose. Steiner erkannte schon, daß der "Schwarzmagier" ein Angsthase ist.
    m.butty

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    1. Vorstellung Übertragung Muster II
      ch sage mal so, und an der neuesten Welle Schwarzer Magie, der Verschwörungsbewegung, an der freilich keine Anthro-Gouvernante vorbeikommt, kann man das gut sehn: Da geht ein mit sich und der Welt zufriedener Mensch die Straße entlang, und plötzlich kommt der Ideologe, der Hypnotiseur. Der macht seinem Opfer, dem bisher zufriednem Menschen jetzt Angst! Wenn das Opfer dieser Angst erliegt, weil es gerade keine seelischen Immunabwehr-Erfahrungen gemacht hat, besänftigt nun der Hypnotiseur, oft durch Bestreichen des Opfers, oder durch Formeln der Beruhigung, des Trostes das Opfer und bringt es durch dieses Bestreichen oder Trösten in die Gewalt seiner Vorstellungen, die er, ähnlich der RNA eines Virus nun überträgt. Das ist ja das Interessante, daß die Suggestivität der Übertragung einer Vorstellung "ein Modell" generiert, welches dann ohne explizite "posthypnotische" Befehle Verhaltensmuster und ausführt, die beim Eintritt in die Verzauberung gar nicht abgesprochen wurden. Der Verzauberte, etwa durch eine sektiererische Ideologie, "weiß", was von ihr/ihm "erwartet" wird im Sog und Bann der übertragenen Vorstellung. Alle Traditionen und Religionen enthalten, gleich vergrabenen Minenfeldern, oft "von innen" sowieso, unerkennbare Muster und Verhaltenszwänge, die einen direkten Kontakt mit der Gegenwart, der erfrischenden Erlösung im immer sich erneuernden Leben durch Vergruftung verhindern. Das ist für mich die Welt der Vorstellungen. Ich habe dieser Kategorie sehr viel Aufmerksamkeit und Bedacht gewidmet, da ja gerade der Bann der Vorstellungen eine große Hürde darstellt, um Entwicklungen, Erkenntnisse und Erlebnisse zu haben. Der Bucklichte erlebt nur das, was ihm sein Ideologe, die Gouvernante, die Tradition zu erleben gestattet.
      mischa butty

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    2. Vision und Tableau
      Während linguistischer Studien mit den Phänomenen des Sprachwandels drang ich tiefer in die Gesetze der Morphologie ein. Dort werden Satzbau, Flexion und Wortbildung durch die Zeitfenster sprachlicher Dokumente, Quellen untersucht, und es ergibt sich ein theoretischer und manchmal auch konkreter Einblick, wie durch Suffigierung, Präfigierung und grammatische Wechsel, die sich im Laufe der Zeit ändern, Worte auch in ihrer Bedeutung variieren. Doch auch in der Bedeutungslehre, also dem, was Worte bezeichnen, gibt es Bedeutungs-Erweiterungen und Bedeutungs-Verengungen, so daß sich historische Wortbedeutungen noch erahnen und teils rekonstruieren und erschließen lassen. Die Häufigkeit, die Frequenz, mit der ein Wort benutzt, vergessen oder neu ergriffen wird, trägt zum Wandel auch der Aussprache von Wörtern bei. So geht die Form "gemolken" heute unter, da viel weniger Landwirtschaft betrieben wird, und das Melken für die Menschen nicht mehr zu Selbstverständnis und Alltag gehört. Die Vergangenheitsform wird vom unregelmäßigen Verb "gemolken" zum "gemelkt". Auch "gesonnen" wird zu "gesinnt". "Er ist uns gut gesinnt", was auf viele Faktoren, warum das so ist, schließen läßt. Es gibt in der Sprache Silben, die ein ungeheures Alter derselben vermuten lassen, und deren Herkunft sich im Dunkel der prähistorischen Zeiten verlieren. Worte mir "mo, ma, me" gehören dazu, etwa Moral, Motivation, Maß, Mond, Mitte, Medicus, Medeaa... Zu der Zeit, als ich mich intensiv mit Morphologie und Bedeutungslehre beschäftigt hatte, hatte ich immer mehr das Erlebnis eines mentalen Tableaus, was ich fast mit dem Wort "innere Schau" beschreiben könnte. Ich kannte die grammatischen Wechsel der Konjugation, der Deklination, der Beugungen der Worte in den grammatikalischen Gesetzen des Satzbaus, in Tempus und Modus, und dies eingebettet in den Vergleich von historischem Lautwandel und Sprachwandel, und dazu im Bedeutungswandel, wo Bedeutungserweiterung, Bedeutungsverlagerung und Bedeutungsverengung schwerpunkthaft zu nennen sind.
      Für mich entscheidend ist: Innert dieser Vision, innert dieses Tableau-Erlebnis folgte ich exakt wissenschaftlichen Regeln und fundierten Kategorien, die alle nachweisbar und begründbar einsichtig waren, weshalb diese "Vision" von kohärenter und evidenter Transparenz war, und nichts davon mit "Ahnungen" und "Anraunungen" zu tun hatte. Die Transparenz hätte, nicht vermutlich, sondern gewiß, zugenommen, wenn ich mich nun mit weiteren linguistischen Studien dem Altgriechisch und dem Sanskrit genähert hätte. Ich bekam einen Begriff davon, was die uralten Philosophen der Menschheit womöglich mit dem "Tao" und dem "Fluß der Dinge" gemeint hatten, oder Steiner mit dem Wort "Welt-Gedanken" und "Genius der Sprache".
      Denn ich erlebte sprachliche Wandelgesetze, die nur immer an ihrer Peripherie Unvermutetes zuließen und eindringen ließen, quasi-organische Symphonismen von Parallelitäten, Gesetze, die man in vielen Sprachen, die kulturell und geologisch bisher getrennt metamorphosiert wieder finden konnte, und mir wurde klar, daß sie im Fluß der Worte ein fast eigener Geist manifestierte, eine ganz eigene und eigenartige mentale Sphäre, die dem Sprachnutzer des Alltags oft ganz unverständlich und fern ist. Ich "schaute", wie Sprache dachte! Unabhängig vom Individuum, und sich in sich selbst ökonomisch immer neu organisierte, um zum Bedeutungs-Mittler der jeweiligen Menschheits-Epoche zu werden, durch die sie gerade hindurchfloß ...
      mischa butty


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    3. Erleben und Darinnensein in einem Geschehen

      Oft spricht man in der Theologie von Offenbarungsreligion, versus Erlebnisreligion. Die Begründungen, warum eine Offenbarungs-Religion mehr wert sei, als eine religiöse Erfahrung zu machen, sind unterschiedlich. Auch der Islam spricht von "Buchbesitzern". Soweit ich das verstanden habe, geht es um Ordnung und Regeln für den Bereich der ansonsten beliebigen Metaphysischen Sphäre. Privat kann ich an die Mickey Maus oder an meine Geliebte glauben, wenn ich niemandem damit belästige, doch amtlich und öffentlich soll ich mich verbindlich zu einem Gemeinschafts-Glauben bekennen, um mir darunter etwas vorzustellen. Damit ich weiß, was der oder die Stifter dieser Offenbarung (Prophet, Propheten) von mir, etwa moralisch, erwarten. Diese gemeinschaftlich verbindliche Offenbarung wird von Hütern (Priestern) überwacht, im Notfall auch von Religionswächtern. So stehen also Hüter (Wächter) von Offenbarungsbüchern denjenigen auf natürliche Weise gegenüber, die eine Lebens-Erfahrung zu machen wünschen, die nicht immer eine spirituelle Erfahrung zu sein braucht. Oft sind Vorstellung, Vorschrift und sogar Anleitung ein großes Hindernis, sich selbst in eine Erfahrung zu entlassen. In der Zeit der Lebensratgeber tritt uns oft eine besondere Spezies von Schriftgelehrten in den Weg. Wir können lieben und fürsorglich und zärtlich sein, wie wir wollen: Wenn dies nicht der Vorstellung des Buches oder Lebensberaters entspricht, dem der Schriftgelehrte sich hingibt, der uns den Weg zu versperren sucht, so tun wir es "nicht wirklich, nicht richtig, nicht echt". Diskussionen stellen hier eine Falle dar, um die Lebensenergie in Rechtfertigung und Empörung zu binden, die wir eigentlich für unsere Entwicklung benötigen.
      Wer sich in das Erleben und Leben zu entlassen vermag, wird erst vollständig, weil er einen Weg betritt, der Erfahrungen erlaubt, der Fehler erlaubt und Korrekturen dieser Fehler erschließen kann. Die wirkliche "Bildung" nimmt zu, und die "Belehrung" wird zur Seite geschoben und erst wieder hervorgeholt, falls sie nach bestandenen Abenteuern und Risiken noch übereinstimmende Inhalte zu bieten hat. Das Leben wählen hat mit Gesundheit, Vollständigwerden, Erlösung, ja Befreiung zu tun, so, daß ein lebendiger, lebensbejahender Mensch etwas geschwollen gesprochen als ein "heil gewordener", nämlich als ein "Heiliger" bezeichnet werden kann.
      Der Heiliger ist damit das Gegenteil des religiösen Hüters, denn der Heilige ist unterwegs und mitten im Strom des Lebendigen, der Hüter hat seinen Sitz mitten in den Siedlungen, in der Versammlung von Eigentum und Besitz, wo er über das Buch im Tempel zu wachen hat.
      "Die Verantwortung über Pflichten und Haben" sind das Metiers des Priesters. "Die Kunst des Begehrens und das Hinnehmen des Seins" das des Heiligen.
      Das Problem ist, daß Menschen oft eine spirituelle Erfahrung suchen, sprich: Wunder erleben. Eine Erfahrung hat zwar den Charakter, daß man sich in ihr aktiv bewähren darf und muß, und sich womöglich.. verbessern kann, aber sie überwältigt hin und wieder auch Angst, Bedenken, Kummer und Sorgen durch ihre Direktheit, mit der sie uns in die reine Gegenwart hereinholt, in das "Hier und Jetzt". Jedoch, meine obig beschriebene "Vision" kann eine ganz andere "Erfahrung" sein, nämlich ein Erlebnis, welches durch enorme innere Betätigung und Vorbereitung überhaupt erst möglich wurde, und tatsächlich nichts mehr im herkömmlichen Sinn "sinnliches" aufwies. Solche Erfahrungen bedürfen eher einer Askese und einer Phase zwangloser, freiwilliger Abgeschiedenheit.
      mischa butty

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    4. Spekulation und Mutmaßung

      Spekulation hat für mich immer das Konnotat des "Sich etwas Erhoffen"s. Man spekuliert ja auf Aktienkurse. Man nutzt hierbei, oder man versucht es, eine Art Instinkt und eine Ahnung. Teilweise ist es das, was Steiner eher als Rudimente alten Hellsehens bezeichnete, was da provoziert und evoziiert werden soll, wenn ich dann hierfür das Wort "spekulieren" wähle. Man wünschelt sich was, und braucht zur Verlängerung und Verfeinerung der Sensibilität eine Wünschelrute, den wünscheln ist das Finden von Verborgenen... Die Zeit, in der das Wünschen noch geholfen hat, das war die Zeit, wo das Finden und wieder Auffinden vom Verborgenen, von versunkenen Wirklichkeiten (?) noch leichter gewesen sein muß. Spekulieren ist für mich immer eine Mutmaßung, verbunden mit einer großen Hoffnung, "richtig" zu liegen! "Wetten, immer wenn der Herr da drüben einen Whisky bestellt, kam die vierzehn. Laß uns das nächste mal wieder auf die vierzehn setzen, falls er noch einen nimmt!"
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      So, jetzt habe ich mal versucht, meine Gedanken, pffüüh, :-) auszubreiten, die ich bei dem Wort Spekulation als "Synonym in spe" für "Hellsehen" so vor mir hatte. Ein kurzer Moment. Aber bis das dann ausgebreitet ist. Aber vielleicht liefert es Anregungen für diese Diskussion! Würde mich freun, Herzlich,
      mischa butty

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  6. Lieber Leser,

    meines Erachtens ist der Begriff „Spekulation“ der allein zutreffende. Es gibt keinen anderen Ausgangspunkt; denn das reine, oder spekulative Denken, so bestimmt sein soll, wie eine Selbstbeobachtung im Weltgeschehen des Menschen sich ereignet. Die Selbstbeobachtung im Denken ist daher zugleich das Geschehen des Menschen, bei dem der zur Beobachtung stehende Vorgang, wie das denkende durchdringen desselben die Tat ein und desselben Täters und so seine Selbsterkenntnis ist. Da dieser Vorgang zudem die einzige mögliche Ausgangspunkt für die wahre Selbsterkenntnis ist, daher ist das spekulative Denken ein Vorgang der Selbstgeburt.

    Folglich gilt es weiterhin zu erforschen, ob und wie, unter Aufrechterhaltung desselben, das übrige Weltgeschehen des Menschen, als ein Vorgang aus den Selbstgeburtskräften des Denkens, erkundet werden kann. Nicht von ungefähr bedeutet Natur, ins Deutsche übersetzt: Geburt. Selbstgeburt ist Selbsterzeugung und das sich selbst Erzeugende ist das Denken. Letzteres bezeichnen wir als eine Tätigkeit im Geiste.

    Mithin, Geistesforschung beinhaltet, die Natur als die Natur des Denkens zu erforschen. Wer zunächst die Natur des Denkens im reinen Denken erforscht, der ist bereits geisteswissenschaftlich in Tätigkeit begriffen. Und so jemand wird weiterhin auch die natürliche Welt des Denkens ebenso geisteswissenschaftlich erforschen wollen.

    Im weitesten Sinne wird das Streben der Geisteswissenschaft sein, sich als Wissenschaft des sich selbst erzeugenden Denkens zu gewahren und so zunehmend sich in jegliche Bereiche der Natur zu weiten suchen. Jedem Naturgeschehen soll die Möglichkeit eröffnet werden, sich in Mündigkeit, als die Selbstgeburt des Denkens, auszusprechen zu können. Konnte doch bereits Emanuel Kant sagen: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.“

    Mündig ist also jemand, der die Aufgabe der Selbstgeburt denkend erfüllt. Das erfüllende Denken, ist eben Brunnenschale und Quell in einem. Es ist Selbsterfüllung.

    ~ B.

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  7. 1901 hat Steiner die entwickelungstheoretische Spekulationen von Hegel und von Haeckel mit einander verglichen und sprach von einer ‘Umkehrung der Denkrichtung‘ (18.411 f.).

    Entwickelung war bei Haeckel keine anthropomorphe Präformation, sondern Epigenesis, gestufte Neuentwickelung. Der (saturnische) Vormensch war für Haeckel vom Anfang an beobachtbar in der Evolution anwesend (18.556 f.). Das war in der Selbstdarstellung (Vorbemerkungen 1909) auch Steiners (und nicht Schellings) idealistisch-empirischer Ansatz.

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  8. Michaela @ C.Clement: "..., den Bildern als solchen kommt dabei nur insofern Bedeutung und Wirklichkeiten zu, als sie den Zugang zum Erleben des Unbewussten aufzuschliessen vermögen." Und: " Wer die Bilder für die Sache nimmt, weiss nichts von Esoterik."R.S.

    Ja, das scheint mir ein ganz wesentlicher Punkt zu sein, auf den Sie da hinweisen, auf den auch Steiner hinwies. Wenn wir nur diese Dinge ins Leben überführen, kommen wir darauf, wie das gemeint sein könnte. Z.B. wies ja Steiner u.a. auch auf Träume hin, die er als letzten Reste atavistischen Hellsehens bezeichnete. Jemand erwacht und erinnert, zwei Bilder geträumt zu haben. Dies ist nur ein Beispiel aus dem Leben. Ein Bild ist das eines Wolfes. Das andere ist das eines Ganges. Der Wolf führt jemand in einen Gang hinein.
    Man könnte jetzt in jedes einzelne Bild etwas hineinfantasieren. Doch in Wirklichkeit deuten die Bilder Wolf und Gang nur hin auf den Namen:Wolfgang. Sofern man die Bilder für die Sache nähme, käme man nicht bewusst bis zum Wort, bis zum Namen hin.
    Wie gesagt ist dies nur ein Beispiel aus dem Leben.
    Doch beim Begriff "Spekulation" assoziiert der eine Mensch dieses Bild, der andere Mensch assoziiert damit eine andere Vorstellung. Der eine denkt dabei an Hegel, der andere an Börsenkurse usw. Das Wesentliche liegt jedoch jenseits dieser Bilder. Wenn man den Begriff aus dem Kontext heraustrennt, macht jede/r sich sein eigenes Bild von der Sache. Nur sind die Bilder noch längst nicht die Sache selber.
    So ist es doch auch mit Gottesbildern und Selbstbildern und so weiter. "Im Urbeginne war das Wort..."

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  9. Nun, wie man es auch nennen will: wichtig wäre es, zu klaren Begriffen zu kommen einerseits für das, was Rudolf Steiner als „Spinnen in bloßen Begriffen“ bezeichnete, andererseits für das, was er „wirkliche geistige Erfahrungen“ nannte --- und den Unterschied zwischen diesen beiden „Tätigkeiten“/„Erlebnisarten“ herauszuarbeiten.

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    1. Genau, und das wäre doch ein spannendes Projekt.

      Denn es ist ja nicht so, dass das "Spinnen in bloßen Begriffen" und die "geistige Erfahrung" völlig unterschiedliche oder entgegengesetzte Dinge wären. Im Gegenteil ist geistige Erfahrung etwas, dass nur zustande kommt, wenn man das "bloße Spinnen in Gedanken" dazu bringt, dass es eine andere Dimensionen annimmt. Das "Spinnen in Gedanken" ist somit die Voraussetzung geistiger Erfahrung. Ohne "Spekulation" (im alltäglich-trivialen Sinn) kommt man nicht zur "Spekulation" im Sinne Hegels. Und auch ohne Spekulation im Sinne der Börse (also im Sinne von gerichteter Willenstätigkeit) kommt man nicht dazu. Da wäre dann also Hegel durch Böhme/Schelling zu ergänzen, um in Richtung Steiner zu kommen: ohne den Willen geht nix, denn der ist ursprünglicher als die Reflexion. (Vgl. die "Theosophie", wo der "Intentionale" Aspekt des Geistes die höheren Regionen der Geistwelt ausmacht, und der "gedankliche" Aspekt die niederen.)

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    2. Lieber Christian,

      »Genau, und das wäre doch ein spannendes Projekt.«
      :-) Es ist zwar erst Jänner, aber dieser Satz scheint mir ganz gute Chancen zu haben für die Untertreibung des Jahres.


      Weiter unten sagst Du:
      »Was die Frage angeht, ob "seelische Beobachtung" eine "naturwissenschaftliche Methode" ist oder sein kann, da werden die Meinungen sicher weit auseinandergehen.«
      Soviel ich verstanden habe, erhebt Rudolf Steiner nicht den Anspruch, daß „seelische Beobachtung“ an und für sich schon eine „naturwissenschaftliche Methode“ sei (dieser Anspruch bleibt wohl der Psychologie überlassen), sondern er postuliert daß seelische Beobachtung nach naturwissenschaftlicher Methode nicht nur möglich, sondern auch die Voraussetzung sei für das, was er „exakte Clairvoyance“, exaktes Hellsehen, nennt und von dem „Spinnen in bloßen Begriffen“ deutlich abgrenzt.

      Deshalb habe ich so meine Schwierigkeiten damit, wenn Du sagst:
      »Im Gegenteil ist geistige Erfahrung etwas, dass nur zustande kommt, wenn man das "bloße Spinnen in Gedanken" dazu bringt, dass es eine andere Dimensionen annimmt.«

      Also, ich will das als Möglichkeit nicht ganz in Abrede stellen.
      Aber daß das „Spinnen in Gedanken“ (Steiner spricht vom „Spinnen in bloßen Begriffen“, was noch ein bisserl etwas anderes ist) geradezu eine unabdingbare Voraussetzung sein soll für jede wirkliche geistige Erfahrung, und daß es nur darum gehen soll, diesem „Spinnen“ (wie?) eine andere Dimension zu verleihen — dem kann ich nicht so ohne weiteres zustimmen.

      Du zitierst Borges: »Did Steiner dream these things? Did he, because they once happened, at the beginning of time?«.
      Diese Auffassung scheint mir besser zu passen: nicht das tageswache „Gedankenspinnen“ fortsetzen in der Hoffnung, es möge sich irgendwann metamorphosieren und eine andere Dimension annehmen, sondern innezuhalten in diesem „Gedankenspinnen“, um Raum zu schaffen für „wirkliche geistige Erfahrung“.
      Geht es nicht, ganz folgerichtig, im anthroposophischen Schulungsweg genau darum: einen solchen „spinnwebfreien“ Raum zu schaffen als Voraussetzung für „Erkenntnisse der höheren Welten“?

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    3. Ich habe einen Freund, der ganz besondere und sehr originelle Theaterstücke schreibt (er ist inzwischen 94 Jahre alt). Wenn man das liest oder aufgeführt sieht, könnte man wohl (ähnlich wie bei Steiners Mitteilungen aus der Akasha-Chronik) auf den Gedanken kommen, er habe einfach seiner Phantasie freien Lauf gelassen und sich alles „zusammenspintisiert“.
      So ist es aber nicht. Sondern die zukünftigen Figuren mit all ihren Problemen und Eigenarten kommen in der Nacht zu ihm, in „Träumen“, wenn die alltäglichen Gedanken zur Ruhe gekommen sind (»Es ist so, als würde der Briefträger seinen Sack vor meiner Tür ausleeren«, sagte er mir) - - - und seine (mühevolle!) Arbeit besteht dann darin, die einzelnen Teile zu ordnen und zu einem in sich konsistenten und kommunizierbaren Ganzen zusammenzusetzen.

      Auch Rudolf Steiner spricht immer wieder von der Arbeit, die es bedeutet, das eigentlich Unaussprechliche aus der geistigen Welt „herunterzuholen“, es aussprechbar und damit kommunizierbar zu machen… was ihm, auch das sagt er, nicht immer zu seiner eigenen Zufriedenheit gelingt.

      Und auch Timaios (Du erwähnst ja diesen Platon-Text) ist sich dessen bewußt, daß er über eigentlich Unaussprechliches berichtet, und bittet daher, sich nicht über Unvollkommenheiten in seiner Darstellung zu wundern: so müßt ihr schon zufrieden sein und bedenken, daß wir alle, ich, der Vortragende, und ihr, die Beurteiler, von nur menschlicher Natur sind, sodaß es sich bei diesen Gegenständen für uns ziemt, uns damit zu begnügen, wenn die Dichtung nur das wahr zu sein Scheinen für sich hat, und wir nichts darüber hinaus verlangen dürfen.

      Und noch etwas: Rudolf Steiner sagt ganz deutlich, daß auch das „Geistesauge“ nur bis zu einer bestimmten Grenze blicken kann, daß sich der Geistesforscher also innerhalb der ihm möglichen Erfahrung bescheiden muß.


      Im Gegensatz dazu kommt man, zumindest meiner Erfahrung nach, beim „Spinnen in bloßen Begriffen“ zwar prinzipiell ins Unendliche, Grenzenlose (da man dem „Ausgesponnenen“ keine Erfahrung zugrundezulegen braucht), aber immer nur zu Aussprechlichem.

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  10. Michaela: Klare Begriffe und geistige Erfahrung.
    In dieser Welt bzw. im gewöhnlichen Sinnesbewusstsein be-greifen wir die Dinge selbst.
    Wir ertasten z.B. die Form eines Gegenstandes und denken darüber nach, was mit dem Gegenstand es auf sich hat usw. Wir bilden uns ein Urteil selbst. Unser Bewusstsein entsteht dadurch, dass wir - sobald wir etwas be-greifen, anfassen, auch uns selbst spüren.
    Wer geistige Erfahrung hat, weiss, dass in der geistigen Welt das Erleben anders ist, dass da erlebt wird: Ich werde begriffen. Ich werde gesehen.

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  11. @ Christian und Ingrid
    Lese ich Ihren Textentwurf frage ich mich, ob es wirklich so ist, dass sich Rudolf Steiner nicht auf naturwissenschaftliche Beobachtung, was seine Quellen betrifft, beruft. Seinen Verweis auf eine >innere Empirie< öffnet in meinen Augen eine Verbindung zur seelischen Beobachtung bei der es doch wohl ebenfalls um ein inneres Feld der Empirie geht. Und im Untertitel zu seiner Philosophie der Freiheit spricht R.St. ausdrücklich von „seelischen Beobachtungsresultaten nach naturwissenschaftlicher Methode.“
    Weiter ist zu fragen, ob sich R.St. hier nicht auch auf der Linie von Emanuel Kant bewegt, der doch davon spricht, dass sich Begriffe auf ein Erfahrungsfeld zu beziehen hätten. Die berechtigte Ausschluss von Swedenborg durch Kant aus dem Kreis wissenschaftlich philosophischen Denkens hat ja dann bekannter Weise in das heutige Elend der Philosophie hinein geführt, in die totale Abstraktion.
    In meinen Augen ist der Umstand dieser Entwicklung aber nicht als Elend zu bezeichnen, sondern als notwendig. Kant hat zu seiner Zeit einen Damm errichtet gegen vagabundierendes visionäres Denken. Die heutige Bewusstseinsverfassung aber ist eine andere, als die zu Kant`s Zeiten und R.St. scheint die innere Absicht geleitet zu haben dem Rechnung tragen zu wollen, dass es nach Jahrhunderten der Hinwendung der Naturwissenschaft auf die äussere Welt nunmehr an der Zeit sei der inneren oder geistigen Welt eine ebenso exakte wissenschaftliche Zuwendung angedeihen zu lassen.
    Er knüpft, wie ich es sehe, darüber hinaus auch unter veränderter Bewusstseinsverfassung an Aristoteles an, indem er durch seinen inneren Blickwinkel in den „Grundlinien einer Erkenntnistheorie“ das Denken als eine >Erfahrung in der Erfahrung< zu sehen auf die Kraftgestalt des Denkens, den >actus< verweist.

    Bernhard Albrecht

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    1. @Bernhard,
      Keine Frage, viele weitere Traditionen müssten und könnten hier mit einbezogen werden. Ich muss mich allerdings auf Weniges beschränkten und kann nur exemplarisch andeuten, in welche Richtung eine philosophiegeschichtliche Kontextualisierung der Geheimwissenschaft sich bewegen könnte.

      Aristoteles hat natürlich einen wichtigen Stellenwert für Steiner, doch hat sich dieser explizit auf dessen Philosophie vor 1911 kaum bezogen. Sicher hat er ihn gelesen und gekannt, aber nicht ausdrücklich rezipiert. Daher wird er in meiner Liste nicht ausführlich genannt. Er wird aber natürlich angesprochen werden, zum einen weil er die platonische Kosmologie weitgegehend rezipiert und übernommen hat, dann aber gegen die Möglichkeit einer Entstehung des Kosmos argumentierte. (Platon und Steiner hingegen versuchen, die Welt als ewig und zugleich als entstanden zu begreifen.) Auch im Zusammenhang mit Schelling wird er zu Wort kommen, da natürlich die schellingsche Potenzenlehre wie auch die Steinersche Kosmologie und Anthropologie ganz wesentlich auf dem aristotelischen Modell von "Potenz" und "Aktualität" aufbauen.

      Zu Ihrer Bemerkung über Kant: da stimme ich auch weitgehend überein, und habe ja auch in meiner Einleitung zu Band 2 ensprechend argumentiert, dass Steiner sich in gewisser Hinsicht tatsächlich "auf der Linie von Kant bewegt". - Und werde dafür sicher auch die entsprechende Schelte von beiden Seiten einstecken müssen.

      Was die Frage angeht, ob "seelische Beobachtung" eine "naturwissenschaftliche Methode" ist oder sein kann, da werden die Meinungen sicher weit auseinandergehen. Ich würde dafür plädieren, deutlich zwischen beiden zu unterscheiden - Naturwissenschaft basiert nun mal, wie sie sich heute selbst versteht, auf sinnlicher Beobachtung -, wohl aber zu fragen, ob und inwieweit beide sich gegenseitig anerkennen, annähern und ergänzen können, indem sie (wie Sie ja auch sagen) in der empirischen Fundierung eine Gemeinsamkeit erkennen. "Geist" und "Natur" sind nun mal, jedenfalls in der menschlichen Erfahrung, unterschiedliche Bereiche die deshalb wohl auch unterschiedlicher Methoden zu ihrer Erforschung bedürfen. Beide sollten aber auch ihre eigene Begrenztheit akzeptieren und die Berechtigung der jeweils anderen anerkennen.

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    2. Hallo Christian

      Ich finde äußerst befremdlich was du hier schreibst.
      Erst einmal sind Geist und Natur keine unterschiedlichen Bereiche in der menschlichen Erfahrung und dann ist
      Steiners Werk ja geradezu gekennzeichnet von einer Durchdringung/Wechselwirkung von Geist und Natur. Und wie Ingrid schon aufgezeigt hat, ging es Steiner gerade um seelische Beobachtung NACH naturwissenschaftlicher Methode.
      Psychologie und Neurowissenschaften forschen längst ausgiebig auf diesem faszinierenden Gebiet.

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    3. Wieso "äußerst befremdlich"? Was sich mir als "Natur" darstellt, etwa als der Baum vor meinem Fenster, ist in meiner Erfahrung ein ganz anderer Bereich als dasjenige, was sich mir als "Geist" darstellt, also etwa mein Bewusstsein davon, das ich den Baum ansehe.

      Ich habe doch nicht behauptet, dass der Baum und mein Bewusstsein von dem Baum ihrem Sein nach verschieden sind, ich habe nur behauptet, dass sie sich in meiner gewöhnlichen Erfahrung als verschiedene Bereiche oder Seinsarten darstellen. Daher scheint es mir legitim, ja notwendig, zunächst einmal mit verschiedenen Methoden an das eine und das andere heranzugehen. (So kann ich den Baum sinnlich beobachten und als raum-zeitliche Gestalt beschreiben, mein Bewusstsein von ihm jedoch nicht.)

      Man kann ja postulieren oder glauben, dass der Baum und mein Bewusstsein von ihm, dass "Natur" und "Geist" nur zwei verschiedene Äußerungen ein und desselben Seins sind. Vielleicht ist es sogar denknotwendig, diese Einheit anzunehmen. Aber das ändert ja nichts daran, dass sie in der gewöhnlichen Erfahrung als unterschiedlich erscheinen. Auch wenn der Unterschied nur "Schein" sein sollte, der "Schein", als solcher, ist wirklich und konstituiert die die Wirklichkeit, in der wir leben. Die kann ich doch nicht einfach ignorieren oder überspringen.

      Solange uns die Wirklichkeit als Natur und Geist erscheint, scheint mir eine deutliche methodische Unterscheidung zwischen Naturwissenschaft und Geistwissenschaft angemessen und notwendig. Das war mein Punkt.

      Bevor wir an eine abstrakte Einheitswissenschaft denken, die beide Bereiche abdeckt, wäre es vielleicht sinnvoller, zunächst dafür einzutreten, dass eine Geistwissenschaft neben der Naturwissenschaft zunächst einmal ihr Recht bekommt. Was dann in der Auseinandersetzung der beiden miteinander passiert, kann man mit Spannung abwarten.

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    4. Wie sollte denn eine Geistwissenschaft ihr Recht bekommen, sie muß doch als solche verifizierbar sein. Wie sollte das deiner Ansicht nach möglich sein?

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    5. Och Bernhard Albrecht, mach doch noch weiter, bitte, wenn es genehm ist.

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    6. Friederike schrieb: "Wie sollte denn eine Geistwissenschaft ihr Recht bekommen, sie muß doch als solche verifizierbar sein. Wie sollte das deiner Ansicht nach möglich sein?"

      Jetzt bin ich aber "befremdet". Was wäre denn das Lebenswerk Steiners anderes, als der Versuch einer Antwort auf diese Frage?

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  12. Michaela: Der Begriff "Spekulation", wie ihn Rudolf Steiner anwandte. Bezug: GA 333 Seiten 44 und 45:

    "...immer stehen gewisse Grenzen da, von denen der Naturforscher sagt:Über diese Grenzen kannst du nicht hinauskommen.
    Der Naturforscher tut recht in seinem Gebiet, wenn er bei Grenzen stehenbleibt. Der Geistesforscher kann dies nicht tun. Aber er darf auch nicht durch irgendwelche blossen Spekulationen, durch blosses Phantasieren über diese Grenzen hinauskommen wollen."

    Steiner selber nennt also - sofern der Vortrag korrekt mitstenographiert wurde usw.- etwas "Spekulation", das er im selben Satz mit dem Begriff "blosses Phantasieren" verbindet. Um deutlich erkennbar zu machen, dass dies eben nicht die Methode des Geistesforschers sein kann.

    Vielleicht beinhaltet der Begriff "Spekulation" mehr, als blosses Fantasieren. Wer z.B. über Börsenkurse spekuliert oder über Goldpreise spekuliert, der weiss einerseits ja, dass diese Dinge normalerweise nicht vorausberechenbar sind. Trotzdem muss solche Spekulation nicht unbedingt nur an ein "Bauchgefühl" gekoppelt sein. Denn jemand kann schon beobachten, welche Tendenzen da sind und kann anhand dieser Beobachtungen Logik anwenden und dem gemäss als Spekulant handeln. Z.B. beobachtet jemand, wie eine Tendenz zum Chaos da ist. Logik sagt ihm, dass dann die Securitybranche expandieren wird. Usw.

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  13. “Platon und Steiner hingegen versuchen, die Welt als ewig und zugleich als entstanden zu begreifen.“

    Der aristotelische Dualismus von Geist (Unbewegter Beweger) und Seele (Demiurg) gab eine alternative Lösung für Platos Frage. Auch Aristoteles hat unvergängliche Substanzen (Gott und Himmelskörper) und vergängliche Substanzen (der Lebewesen) unterschieden. Die individuell entstehende Lebewesen haben aber Anteil an der Ewigkeit, indem sie mittels der Fortpflanzung ewig bestehen. Dieser Anteil ist nach Aristoteles möglich durch die Anwesenheit von unvergänglicher, vitaler Wärme (Pneuma, Äther, fünftes Element) im sublunaren Bereich.

    Allerdings rezipierte Steiner anfangs kaum Aristoteles, sondern eher die Scholastik (Die Mystik, SKA 5). Die Scholastiker wollten ‘die Spuren des Göttlichen in der Welt durch wissenschaftliches Nachdenken erfassen‘. Steiner hat sich ja oft auf die disziplinierende, naturwissenschaftliche Forschungsart und Denkweise berufen (‘Selbsterziehung‘, Geheimwissenschaft), nicht auf Naturbeobachtung oder empirische Erkenntnisse per se.

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  14. Lieber Christian,

    »Solange uns die Wirklichkeit als Natur und Geist erscheint, scheint mir eine deutliche methodische Unterscheidung zwischen Naturwissenschaft und Geistwissenschaft angemessen und notwendig.«
    Du hast natürlich recht: in Bezug auf ihr jeweiliges Forschungsobjekt unterscheiden sich Natur- und Geist-Wissenschaft. Unterschiedliche Forschungsobjekte verlangen unterschiedliche Forschungsmethoden, und dessen sollte der jeweilige Forscher sich natürlich bewußt sein.

    Allerdings das allererste, hauptsächliche und unverzichtbare Mittel der Erkenntnis ist bei beiden dasselbe: nämlich der menschliche Geist.
    Auch wenn Du den Baum sinnlich beobachtest und als raum-zeitliche Erscheinung beschreibst, tust Du das mithilfe Deines Geistes.

    Daher ist es sowohl für den Natur- als auch für den Geisteswissenschaftler eine wichtige Voraussetzung, die Eigenarten dieses menschlichen Geistes (und seine Wechselwirkungen mit Seele und Körper) zu kennen, und zu erforschen, wie Erkenntnis zustandekommt.

    Als Zeugen für die Wichtigkeit des Innehaltens im „Gedankenspinnen“, um Raum zu schaffen für die „andere Dimension“, die geistige Erfahrung, möchte ich nicht Rudolf Steiner heranziehen, sondern zwei Naturwissenschaftler:

    August Kekulé (1829 -1896) war dabei, die Struktur der Kohlenwasserstoffverbindungen zu erforschen. Schon zuvor hatten ihm dabei „Träumereien“ (Wachträume, während er in einem Omnibus saß), in denen er die Atome tanzen sah, den Weg gewiesen – aber das Benzol war noch eine offene Frage geblieben. Den entscheidenden (und berühmt gewordenen) Traum schildert er so:
    »Die Atome gaukelten vor meinen Augen. Kleinere Gruppen hielten sich bescheiden im Hintergrund. Mein geistiges Auge, durch wiederholte Gesichte ähnlicher Art geschärft, unterschied jetzt größere Gebilde mannigfacher Gestaltung. Lange Reihen, vielfach dichter zusammengefügt; alles in Bewegung; schlangenartig sich windend und drehend. Und siehe, was war das? Eine der Schlangen erfaßte den eigenen Schwanz und höhnisch wirbelte das Gebilde vor meinen Augen. Wie durch einen Blitzstrahl erwachte ich; den Rest der Nacht verbrachte ich, um die Konsequenzen der Hypothese auszuarbeiten.«

    Und auch Dmitrij Mendelejew (1834 - 1907) fand die Lösung für sein Problem, eine sinnvolle und brauchbare Ordnung der einzelnen chemischen Elemente, in einem Traum:
    »Ich sah im Traum die Tabelle, in der alle Elemente so verteilt waren, wie es sein mußte. Ich erwachte sofort und schrieb alles auf ein Stück Papier. Nur an einer Stelle erwies sich später eine Korrektur als nötig« – und das uns heute vertraute Periodensystem war geboren.

    Den Seinen gibt’s der Herr also im Schlaf, offenbar auch dann, wenn sie Naturwissenschaftler sind...

    Ich sage nicht, daß es nicht wichtig ist, sich „Gedanken zu machen“ – im Gegenteil, ohne sich im wachen Bewußtsein intensiv mit einem Problem beschäftigt zu haben, wird einem wohl kaum die Lösung geschenkt werden.
    Aber daß die wirkliche geistige Erfahrung ein Geschenk ist, das man entgegennimmt, und nicht etwas, zu dem man „automatisch“ gelangt, wenn man das „Spinnen in bloßen Begriffen“ nur lange genug weiterlaufen läßt — davon bin ich überzeugt.

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  15. So ab und zu lese ich hier noch mit, aber es wird wieder ganz klar, das demontieren Steiners geht noch immer lustig weiter. :) es ist auch klar das die SKA sich immer mehr selbst untergrabt methodisch gesehen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis das Projekt implodiert. Danke fuers Spekulieren! :)

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    1. Ich segne Euch alle! Vor allem aber Cheese, der diesen ganzen langen Thread bis unten gelesen hat.

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    2. Und dass uns die Verdammnis seiner Geringschätzung den Egoisten gegenüber zuteil wird, ist ja nun ein RITUAL. Vielleicht auch eine Obsession? Man weiß es nicht. Vielleicht juckt ihn ab und zu das spirituelle Gewissen mit uns armen Seelen, das wirds sein. Cheese, Du bist der Erzengel an unserer Schwelle, die uns vom Gral abhält. Uns dürstet es, aber der Eingang ist verschlossen.

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    3. Und wie das Projekt implodiert, lieber Kees!

      Drei Bände in drei Jahren veröffentlicht, der vierte im Entwurf fertig für 2016, der fünfte im Zeitplan für 2017 (mit Vorwort von Wouter Hanegraaff). An den restlichen drei Bänden arbeiten fähige Mitarbeiter an der Sorbonne, der Johns Hopkins University und der Alanus Hochschule. - Der anthroposophische Affenaufstand hat sich weitgehend gelegt, es gibt eine sachliche Debatte um meine Steinerdeutung, es werden regelmäßig Kolloquien zur Edition abgehalten - und Helmut Zanders Kritiken werden, seit er sich selbst zum Erzoberlenker der Steinerforschung ernannt und öffentlich vorgeschlagen hat, mir das Projekt aus der Hand zu nehmen, selbst von seinem bisherigen Sprachrohr NZZ offenbar nicht mehr abgedruckt.

      Ich kann nur sagen: wenn so die Implosion eines Editionsprojekts aussieht, lasse ich es mir gefallen.

      Wie steht's denn umgekehrt um dein Projekt, die Enthüllung der trojanischen SKA-Verschwörung? Implodiert das auch so schön?

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    4. Hui, Michael, du segnest alle. Ich denke, dass das ironisch gemeint ist und auch mich einschließt?

      Ich möchte meine Intention hier ganz klar machen: Ich finde es sehr gut, dass Christian seine SKA veröffentlicht und denke, dass die meisten Kommentatoren hier das auch so sehen.
      Außer Cheese natürlich, der alten Giftpfeife.

      Großen Dank an dich,Christian, für all die Mühe, die dir da aufbürdest! Und auch danke, dass du hier bei den Egoisten veröffentlichst.
      Aber wenn du schreibst  "Geist" und "Natur" sind nun mal, jedenfalls in der menschlichen Erfahrung, unterschiedliche Bereiche die deshalb wohl auch unterschiedlicher Methoden zu ihrer Erforschung bedürfen. “ dann stimme ich mit dir überhaupt nicht überein.
      Geist und Natur sind nicht unterschiedliche Bereiche der menschlichen Erfahrung. Viele Naturwissenschaftler, Max Planck, Einstein, Heisenberg u.v.a. hatten geistige Bilder, die ihren Thesen vorausgingen und dann in die Quantenphysik führten. Faszinierend wie „geistige Schauungen“ den Naturwissenschaften zu Grunde liegen.

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    5. Liebe Friederike,

      Geist und Natur sind insofern unterschiedliche Bereiche menschlicher Erfahrung, als die Natur durch die Sinne erfahren wird, für das Bewußtsein also „außen“ ist *), während der Geist im Bewußtsein selbst, also „von innen“ erkannt wird.
      Daher auch die – auch von Rudolf Steiner häufig verwendeten – Ausdrücke „esoterisch“ und „exoterisch“.

      *)
      Ich will dadurch nur hindeuten, wie wir gerade durch die Sinnesorgane der Außenwelt zugeordnet sind, wie wir in unseren Sinnen Golfe haben, durch die sich die Außenwelt in uns hineinerstreckt gerade durch das Unorganische. (GA 314, S 150)

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    6. Vergleiche die frühe Golf-Vergleichung in Die Mystik:
      “Ein Vorgang außer dem Menschen muß einen Vorgang im Menschen erregen, wenn im Blickfeld die Erscheinung «rot» auftreten soll. Es fragt sich nur, was ist draußen, was ist drinnen? Draußen ist ein in Raum und Zeit ablaufender Vorgang. Drinnen ist aber zweifellos ein ähnlicher Vorgang. Ein solcher ist im Auge und setzt sich ins Gehirn fort, wenn ich «rot» wahrnehme. Der Vorgang, der «drinnen» ist, den kann ich nicht, ohne weiteres, wahrnehmen ; ebensowenig, wie ich die Wellenbewegung « draußen» unmittelbar wahrnehmen kann, welche die Physiker der Farbe «rot» entsprechend denken.“

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  16. Mal was anderes. In Band 8 möchte ich auch auf die anthroposophische Literatur etwas genauer eingehen und eine erste Umschau ergab folgende vielversprechende Titel. Kennt jemand weitere empfehlenswerte neuere Literatur zu den Themen Kosmogonie und Anthropogenese? Oder gibt es ein älteres Standardwerk, das zu erwähnen wäre?

    Dankmar Bosse. Die gemeinsame Evolution von Erde und Mensch. Entwurf einer Geologie und Paäntologie der lebendigen Erde. (2008)

    Martin Basfeld: Wärme: Ur-Materie und Ich-Leib. Beiträge zur Anthropologie und Kosmologie. (2008)

    Martin Basfeld: Wie Denken uns zu Menschen macht. Vom selbständigen Umgang mit der Anthroposophie. Die Geheimwissenschaft Rudolf Steiners. (2010)

    Georg Kühnewind: Die Esoterik des Erkennens und Handelns: in der Philosophie der Freiheit und der Geheimwissenschaft Rudolf Steiners. (2009)

    Günther Röschert. Metaphysik der Weltentwicklung. Rudolf Steiners Geheimwissenschaft im Umriss. (2011)

    Andreas Neider: Die Evolution von Gedächtnis und Erinnerung. Lesen in der Akasha-Chronik. (2014)

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    1. Lieber Christian, interessiert es dich eigentlich, Steiners "Spekulationen" über die Entstehung des Kosmos mit den Erkenntnissen moderner Astrophysik abzugleichen? Einfach um mal zu sehen, ob es da überhaupt Berührungspunkte gibt? Welchen Sinn sollte die "Geheimwissenschaft" sonst haben? Nur Beschreibung unserer Innerlichkeit zu sein, sicherlich nicht. Denn Steiner ging ja davon aus, dass der Geist im Menschen mit dem "Geist im Weltenall" zusammenhängt. Ich denke, dass für eine zukunftsfähige und diskursfähige Anthroposophie unbedingt dieser Dialog mit der Astrophysik und Evolutionsbiolgie gesucht werden muss, sonst bleibt alles eine reine Meditationsübung im Inneren, zu der man dann aber kritisch nachfragen kann: Wenn in der äusseren Welt in puncto Kosmogonie nachweislich alles ganz anders ablief, wieso sich dann "falschen" inneren Bildern aussetzen? Und Steiner selbst hat ja den unbedingten Anspruch, über die äussere Welt zu sprechen. Beim Dialog mit der Naturwissenschaft ergäbe sich dann auch folgende interessante Frage: Welchen Wert haben Steiners "Spekulationen" (oder besser "Imaginationen", wie er es selbst nannte), wenn er bestimmte Sachen noch gar nicht wissen konnte: Urknall, Hintergrundstrahlung, Alter des Universums, Daten des Hubble-Space-Teleskop, dunkle Materie, dunkle Energie etc.)? Ergänzen seine Bilder die Daten der Wissenschaft oder sollen sie neue Forschungen auf den Weg bringen? Beschreiben sie nur unser seelisches Erleben der Evolution oder auch tatsächlich faktische Abläufe?

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    2. @ akashaworld:

      »Wenn in der äusseren Welt in puncto Kosmogonie nachweislich alles ganz anders ablief«

      Wie genau lief denn nun, laut Astrophysik und Evolutionsbiologie, nachweislich alles ab?
      Und ich meine wirklich: alles.

      Nach meinem bisherigen Eindruck besteht das bisher Nachgewiesene bisher nur aus einzelnen, durch Hypothesen verbundenen „Strängen“, und die „Gesamtanschauung“ befindet sich daher in ständiger Veränderung – wie es auch dem wissenschaftlichen Anspruch entspricht.

      Sehen Sie das anders?

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    3. @akashaworld - Natürlich sind das legitime Fragen, auf die aber in einer Einleitung zu Rudolf Steiners "Geheimwissenschaft" wohl nicht unbedingt eingegangen werden muss - zumal ich weder von Astrophysik noch von Entwicklungsbiologie viel verstehe und deshalb die entsprechende Literatur, selbst wenn ich die Zeit hätte sie zu lesen, sicher nicht entsprechend einordnen könnte.

      Ich bleibe also lieber bei meinen Leisten und beschränke mich auf eine philosophie- und esoterikgeschichtliche Kontextualisierung

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    4. Mathematik vermittelt imaginative Erkenntnis für (organische?) Wissenschaften:
      “Aber wie es eine Möglichkeit gibt, das Sonnensystem durch die Mittel der mathematischen Vorstellung als Bild des räumlich-zeitlichen Geschehens vor die Seele zu stellen, so ist es der übersinnlichen Erkenntnis möglich, das mathematische Bild mit seelischem Inhalte zu durchsetzen. usw.“ 13.439.
      Vgl. 243.185: Es ist also hier zur Abfassung meiner «Geheimwissenschaft» der Versuch gemacht worden, die ganz bewußte Vorstellungswelt [Haeckels oder Huxleys], die sich sonst nur auf äußerliche Naturgegenstände bezieht, innerlich zu nehmen und damit die imaginative Welt zu imprägnieren. Da ergab sich dann die Möglichkeit, in diese ganze Kette: Saturn, Sonne, Mond einzudringen.

      Steiner sprach u.a. über Kant-Laplace’sche Urnebel, Monden- und Kometenentstehung, benachbarte Planetensysteme, Sonne und Fixsternen als Löcher im Äther, und lemniskatische Planetenbewegungen (z.B. http://anthrowiki.at/Stern).

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  17. Mitteilung der Administratorin:

    An den Teilnehmer, der sich hier "Office Manager" genannt hat:
    Da die Egoisten keinen Office Manager eingestellt haben und auch keinen Grund dafür sehen, einen solchen Eindruck zu erwecken, müssen Sie sich einen anderen nickname suchen, wenn Sie hier Ihre Ansichten kundgeben wollen.

    @Hermann:
    Aus technischen Gründen mußte auch Deine Antwort gelöscht werden, hier ist sie nochmal:

    Hermann Finkelsteen:
    https://youtu.be/9Lohwt9bDWA
    Für alle die nicht wissen was ein Office Manager ist.

    Herzlichen Gruß in die Runde,
    Ingrid

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  18. @"Office Manager":

    Einen Eindruck erweckt man schon dann, wenn der Leser, um einen anderen Eindruck zu erhalten, erst auf einen link klicken muß - was nicht jeder Leser tut.

    Daher nochmals: suchen Sie sich einen anderen nickname, meinetwegen auch mehrere, oder posten Sie anonym.

    Ingrid (Admin)

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    1. Das sieht stark nach dem Pseudo- Linken Andreas Lichte aus, der seine lächerlichen Kreuzzüge im Internet momentan gegen Christian Clement führt. Ich erkenne das an relativ häufig geklickten Links, die auf Lichte als Autor oder Kommentator verweisen. Typisch die Wahl seiner Gegner, die selten tatsächlich gegen Rechte und den Einfluss der Rechten auf die Szene gerichtet sind, sondern sich vielmehr als Troll gegen Einzelne und Websites aufspielt.

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    2. Ramon de Jonge oder Verachtert ist es eher statt Andreas Lichte.

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    3. Offenbar habe ich mich geirrt. Hier der zutiefst in seiner Ruhrbaronen- Ehre getroffene Blitz- Lichte:
      "Sehr geehrter Herr Eggert,

      hiermit unterrichte ich Sie, dass ich NICHT (mehr) auf Ihren Blogs kommentiere.

      Ich kommentiere hier NICHT: http://egoistenblog.blogspot.de/2016/01/rudolf-steiners-geheimwissenschaft-im.html


      Diesbezügliche Unterstellungen bitte ich zu unterlassen,

      und entsprechende Kommentare von "Michael Eggert" – und anderen – umgehend zu entfernen:



      Michael EggertSonntag, 17. Januar 2016 um 14:00:00 MEZ
      Das sieht stark nach dem Pseudo- Linken Andreas Lichte aus, der seine lächerlichen Kreuzzüge im Internet momentan gegen Christian Clement führt. Ich erkenne das an relativ häufig geklickten Links, die auf Lichte als Autor oder Kommentator verweisen. Typisch die Wahl seiner Gegner, die selten tatsächlich gegen Rechte und den Einfluss der Rechten auf die Szene gerichtet sind, sondern sich vielmehr als Troll gegen Einzelne und Websites aufspielt.




      Mit freundlichen Grüssen

      Andreas Lichte"

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    4. Herr Lichte hat immer noch Dinge auf dem Herzen, die ich gerne an die weiter gebe, die an seinen vor Entrüstung bebenden Lippen hängen:
      "Sehr geehrter Herr Eggert,

      ich habe Sie aufgefordert, Kommentare mit falschen Behauptungen über mich zu LÖSCHEN.

      Das haben Sie nicht getan.


      Stattdessen schreiben Sie weiter Kommentare, siehe "Michael EggertSonntag, 17. Januar 2016 um 17:51:00 MEZ", unten

      Was beabsichtigen Sie eigentlich?

      Wollen Sie Christian Clement NOCH LÄCHERLICHER machen, als er es jetzt schon ist?

      Welcher "seriöse Wissenschaftler" würde denn bei den Egoisten – einer Spielwiese für durchgeknallte Esoteriker – Kommentare schreiben, geschweige denn Artikel publizieren?



      MfG

      Lichte"

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  19. Aha, ein weiterer Betrüger, Ingrid H. Ich habe meine zweite Kommentar unter dem Namen 'Office Manager Antroposofia.be' gegeben und Sie handeln als ob Ich wie 'Office Manager'. Was ist nicht klar auf den Namen 'Office Manager Antroposofia.be'?

    Ich gehe nicht in , bei Ihren Vorschlag. Die Verwendung mehrerer Namen klingt eher wie ein Hochstapler. Das überlasse ich Anthroposophen und andere Betrüger.

    Wie der Sockenpuppe Christian Clement: http://www.antroposofia.be/ramondejonghe/anthroposophical-academic-christian-clement-and-his-sockpuppet-scam/

    Wie schwer ist es für Anthroposophen einmal fair zu sein, wie auch von Ihrem Fahrlässigkeit nachgewiesen.

    @Michael Eggert, die sogenannte 'kritische' Anthroposoph (das ist ein Paradox)

    Trollen?? Sehen Sie nicht wohin der Link führt? Ihr Kollege-Antroposoph Christian Clement ist der Troll. :-)

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    1. Ich habe keine Probleme damit, Fehler zuzugeben. Einer davon war zu glauben, dass Blog-Administratoren Pseudonyme nicht öffentlich preisgeben, ein noch größerer, mich mit ihresgleichen überhaupt je auf eine inhaltliche Diskussion einzulassen. Nun, ich habe daraus gelernt.

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    2. @ Office Manager Antroposofia.be:

      (Den Zusatz „Antroposofia.be“ bei Ihrem zweiten Kommentar hatte ich übersehen. Ein Versehen, tut mir leid.)

      Die Verwendung unterschiedlicher nicknames ist, ebenso wie das anonyme Posten, an und für sich kein Problem, sondern einfach Bestandteil der Netzkultur.
      Solange solche „Sockenpuppen“ nicht mißbräuchlich verwendet werden (zB indem man sich, den Tatsachen widersprechend, ein Amt oder sonst eine „Autorität“ oder aber den Namen einer anderen, tatsächlich existierenden Persönlichkeit anmaßt), sind sie daher auch hier bei den „Egoisten“ zugelassen.

      Der link, den Sie angeben, bestätigt vor allem, daß Michael Eggert eine feine Nase für Andreas Lichte hat – und für alle, die ihm zuarbeiten.

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  20. Clement: 'Ich habe keine Probleme damit, Fehler zuzugeben. Einer davon war zu glauben, dass Blog-Administratoren Pseudonyme nicht öffentlich preisgeben'

    Unter normalen Umständen, aber es ist in einer Online-Diskussion nicht ehrlich unter verschiedenen Nicknames über sich selbst zu sprechen. Anthroposophen finden dass offensichtlich normal.

    Ich habe es in Internet- Diskussionen so oft gesehen, dass Anthroposophen in der dritten Person über sich sprechen.

    Ich weiß nicht, was Andreas Lichte damit zu tun hat. Mein Kommentar ist für mein Konto. Eggerts Nase scheitert.

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  21. @Clement

    Es ist bemerkenswert , dass Sie Ihr Betrug nicht als falsch erleben, aber nur die Tatsache, dass Sie dachten, ein Administrator würde Ihnen der Tauschung erlauben.

    Wo ist die Moral?

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    1. Letzte Bemerkung, 17. Januar 2016 um 17:22:00 MEZ, war meins , Office Manager Antroposofia.be

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  22. @Ingrid: Sie tun so, als wären die Erkenntnisse über die Entwicklung des Universums nur ein paar vorläufige unverbindliche Hypothesen, während z.B. die Urknalltheorie schon durch ziemlich viele Fakten und Beobachtungen abgesichert ist. Genauso verfahren Kreationisten, wenn sie sagen: Evolutionstheorie ist ja nur eine THEORIE, es kann ja alles auch ganz anders gewesen sein. Sowohl Evolutionstheorie als auch Astrophysik bestehen aber aus hunderten, von zigtausend Forschern getesteten Einzelerhebungen, die also eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit aufweisen, auch wenn solche Theorien verändert werden können. Steiners Kosmogonie aber wird durch gar keine Fakten gestützt und durch keine zigtausend andere Forscher bestätigt, nur durch ihn allein vertreten - und er hat auch noch vieles z.B. von der Blavatsky übernommen. Steiners Erkenntnisse stehen in keinem Forschungszusammenhang von anderen drin, der sie bestätigen oder verwerfen könnte, sie sind einfach - wie Popper sagen würde - nicht falsifizierbar, also nicht wissenschaftlich. Und wer würde heute schon sagen wollen: was zigtausende Forscher in Jahrzehnten zusammengetragen haben, hat Steiner dadurch übertroffen, was er nur in seinem Inneren schaute. Das wäre absurd, auch wenn manche Anthros so denken. Ich bleibe daher bei meiner Frage: Was nützt uns Steiners Kosmogenie in einer Zeit, wo so viele faszinierende Entdeckungen in der Astrophysik und Astronomie gemacht werden? Was ist der definitive Mehrwert? Bitte nicht drum herumreden, sondern diesen Mehrwert einfach mal konkret benennen. Schaut er das "Innere" der Evolutionsprozesse, die "Seele" der physikalischen Kosmogenese? Gibt es so etwas? Dichtet er einen poetischen Hymnus auf die Entwicklung des Universums, der uns emotional berühren und erheben soll? Ist die Geheimwissenschaft ein Kunstwerk, das uns in erhabene Stimmungen versetzen soll? Kann das nicht auch schon alleine durch die überwältigende Schönheit der Hubble-Teleskop-Fotos geschehen? Hat Astrophysik nicht alleine schon genug Magie, so dass sie eigentlich auf einen solchen Zusatz-Mythos verzichten könnte? Oder wird sie als zu trocken, materialistisch empfunden, so dass Steiners kosmische Hymnen quasi heilend und ergänzend dazukommen müssen? Leider habe ich auf solche ganz handfesten Fragen noch nie eine überzeugende Antwort bekommen. Ohne sie wären für mich auch die an sich guten Bemühungen von Christian irgendwo unvollständig.

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    1. @akashaworld:

      »Und wer würde heute schon sagen wollen: was zigtausende Forscher in Jahrzehnten zusammengetragen haben, hat Steiner dadurch übertroffen, was er nur in seinem Inneren schaute.«
      :-) Ich jedenfalls nicht, nur um das unmißverständlich klarzustellen.

      Ich wollte nur darauf hinweisen, daß es, soviel ich weiß, zur Zeit keine allgemein akzeptierte Theorie gibt für den allerersten Anfang, für das ganz frühe Universum und die Entstehung von Materie, Raum und Zeit aus einer angenommenen „ursprünglichen Singularität“:

      »Aus der angenommenen Universalität der derzeit bekannten Naturgesetze folgt, dass sich die Entwicklung des Universums als Ganzes mittels der allgemeinen Relativitätstheorie beschreiben lässt, und die darin ablaufenden Prozesse mittels der Quantenfeldtheorie. Dabei tritt allerdings das Problem auf, dass die beiden Theorien nicht miteinander vereinbar sind. Quanteneffekte werden relevant, wenn bei sehr großer Materiedichte auch die Raumzeitkrümmung sehr groß ist. Deshalb ist die überzeugende Beschreibung des sehr frühen Universums derzeit nicht möglich. Der Punkt des Urknalls selbst und eine sehr kurze, darauf folgende Zeitspanne von deutlich mehr als einer Planck-Zeit ist mit den derzeitigen Theorien nicht beschreibbar, und der Begriff „Urknall“ kann als Bezeichnung für diesen unverstandenen Teil verstanden werden.«
      (wikipedia: Urknall)

      Früher bezeichnete man den unverstandenen Teil als „Gott“ und sprach vom „Unbewegten Beweger“, heute heißt es also „Urknall“ bzw „Singularität“ – ich habe nichts dagegen.

      Wenn Sie nach dem „definitiven Mehrwert“ fragen, und danach, was Steiners Kosmogonie „uns nützt“, so antworte ich Ihnen mit Anton Zeilinger: »Das ist das Wesen der Grundlagenforschung: daß man beim Forschen noch nicht weiß, wozu es gut ist.«
      Geforscht wird aus Interesse, und nicht, weil man schon vorher weiß, daß und wofür genau es nützlich sein wird (auch Kinder fragen zu allererst: „Warum?“, und nicht etwa: „Wozu?“…)

      Ich glaube nicht, daß es Steiner darum ging, seine Leser in „erhabene Stimmungen“ zu versetzen, sondern darum, mitzuteilen, was er „geschaut“ hatte.
      Es bleibt dem Interesse der Wissenschaftler überlassen, aus Steiners Schriften zur Kosmogenese Anregungen für künftige Forschungsaufgaben zu schöpfen – oder eben nicht.
      Meiner Ansicht nach kann das nicht auch noch Aufgabe der SKA sein.

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  23. Michaela @ akashaworld : " Urknalltheorie" und "Kreationismus"

    Meine Auffassung der Anthroposophie Steiners ist die, dass sie imstande ist, diese beiden Lager miteinander zu versöhnen. Die wirklichen Erkenntnisse, welche durch moderne Wissenschaft zutage gefördert wurden, stehen nirgends im Widerspruch zu denjenigen Erkenntnissen, die durch anthroposophische Methoden erlangt worden sind.

    Die geistige Tatsache, die zum Ausdruck kommt durch das Johannes-Evangelium: Im Urbeginne war das Wort... usw., die steht nirgends im Widerspruch zu all dem, was die gewöhnliche Wissenschaft an Erkenntnissen erlangt.

    Nur braucht es eben mehr als nur die Verlängerung äusserer menschlicher Augen, was ein Teleskop ist, um dieses Wort schauen zu können. Solches Schauen, das zum äusseren Sehen hinzu kommt, will anthroposophische Esoterik ermöglichen helfen.

    Solches Schauen nimmt doch dem äusseren Glotzen nichts weg ! Im Gegenteil. Es fügt etwas hinzu. Wenn der Herr Lehrer erklärt, da oben im All habe "es" urig geknallt, dann kann der esoterische Schüler dazu sagen: Dieses "Es" ist geistig sichtbar für meine geistigen Augen, und dieses "Es" denkt in mir.

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  24. Michaela @ akashaworld: "Urknalltheorie" P.S.
    Also der esoterische Schüler muss ja nicht zum Verfechter der "Urknalltheorie" sagen: Du bist ein Ur-Knallkopf ! Ja ?

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  25. @ Akashaworld
    Zu Deiner Frage "Was nützt uns Steiners Kosmogenie in einer Zeit, wo so viele faszinierende Entdeckungen in der Astrophysik und Astronomie gemacht werden?" - Steiners Kosmogenie (z.B. in seiner "Geheimwissenschaft") zeigt die parallele und aufeinanderbezogene Entwicklung vom Universum, geistigen Wesen (Hierarchien) und vom Menschen. Damit verbunden die Aufgabe der moralisch-geistigen Entwicklung des Menschen (an der, vereinfacht gesagt, Universum und Hierarchien ein Interesse haben).

    Steiners Kosmogenie "nützt" mir dadurch z.B., dass sie meine persönlichen "Sinnfragen" in einen größeren, überpersönlichen Bedeutungszusammenhang stellen.

    "Wissenschaftlich" ist das wohl nicht, interessiert mich aber auch nicht.

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    1. Ja, Rainer - genau da wird' s richtig spannend, wenn neueste moderne Forschung mit anthroposophisch-geistewissenschaftlichen Anschauungen in Einklang stehen...

      S. Birkholz

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    2. Der Prolog des Johannes-Evangeliums referiere an Steiners planetare Zustanden:
      „Auf dem Saturn haben wir den physischen Leib als den Ausdruck des Logos. Auf der Sonne kommt hinzu der Ätherleib als der Ausdruck des Lebensgeistes: Der Logos ward Leben. Auf dem Monde kommt hinzu der Lichtleib: Das Leben ward Licht!“ (103.40)

      Einsteins Spezielle Relativitätstheorie hat Steiner 1914 völlig akzeptiert (allerdings hat Einstein anfangs ein statisches Universum postuliert):
      “Der Relativitätstheorie für die physische Welt wird man nicht entkommen; man wird aber eben dadurch in die Geist-Erkenntnis getrieben werden. In dem Erweisen der Notwendigkeit einer Geist-Erkenntnis, die unabhängig von der Naturbeobachtung auf geistigen Wegen gesucht wird, liegt das Bedeutsame der Relativitätstheorie.“ 18.592 f.

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    3. "in einen größeren, überpersönlichen Bedeutungszusammenhang stellen."

      Ich finde ja, das Universum ist schon sehr überpersönlich, allein durch seine Größe ;))
      Ach, wir kleinen Lichter hier auf der Erde im eiskalten Raum dahinfliegend, inmitten von abermilliarden Galaxien...das macht mich demütig und staunend...

      Was ich an der Wissenschaft ja so toll und spannend finde ist, dass sie nicht stehenbleibt. Ohne die Wissenschaft, ohne Forschen und Entdeckerlust/kunst wäre die Erde immernoch eine Scheibe und die Sonne dreht sich um die Erde usw...G. Bruno kam als Ketzer auf den Scheiterhaufen, weil er u.a. die These vertrat, dass die kleinen Lichtpunkte am Himmel Sonnen seien! Ach ja, immer diese Religionen und Dogmen...Mir sind die Forscher und Wissenschaftler irgendwie lieb, auch weil sie so manchen Firlefans widerlegen, manche Engstirnigkeit aufbrechen konnten...

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    4. @ Valentin
      "Mir sind die Forscher und Wissenschaftler irgendwie lieb" Mir auch! Ich bin immer wieder überrascht und amüsiert, wie entspannt auf diesem Blog die anspruchsvollsten wissenschaftlichen Theorien (Relativitätstheorie, Paläoontologie, uvm) diskutiert werden.

      Allerdings habe ich manchmal schon ein wenig den Verdacht, dass in den meisten Fällen vielleicht gerade mal ein Buch gelesen wurde, bzw. ein paar Wikipedia-Artikel (gerade durch letzteres werden wir regelrecht ermuntert, uns als Hobby-Wissenschaftler profilieren zu können).

      Mich erinnert das Ganze an die plötzlich überall auftretenden Fachingenieure, die kurz nach 9/11 allerlei hastig angelesenes über Gebäudestatik und Betonbeschaffenheiten zu vermitteln wussten.

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    5. Das Relativitätsprinzip gelte für die physische Welt, aber nicht mehr für das Leben, für die organische Welt:

      … für leblose Körper kann man nur sagen, die Sache ist ungewiß, wie stark sich der eine oder der andere bewegt. Aber der lebendige Organismus! … es ist so mit dem Eisenbahnzug, mit dem Sonnensystem, mit den Bewegungen der ganzen Welt. Soweit ist sie ganz richtig…. In dem Augenblicke, wo man aufhört, es mit der Geometrie zu tun zu haben, wenn man ins Leben kommt, da hört das Vergnügen auf, da geht das aus einem anderen Ton! usw. 352.167 f. (1924) Vgl. Hinweise zu GA 324a.

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  26. @Christian: Aber du wolltest doch gerade den Dialog mit der Wissenschaft, die Diskussion zwischen Anthroposophie und der akademischen Welt. Und da sind eben, wenn Steiner über den Kosmos und die Evolution spricht, Physiker und Biologen die Partner. So wie Philosophen die Partner wären, wenn Steiner über Hegel und Fichte spricht, die Germanisten, wenn er über Goethe, die Kunsthistoriker, wenn er über Raffael, Turner oder Böcklin spricht.
    @Rainer: Könntest du näher erläutern, inwieweit Steiners Kosmogonie deine Sinnfragen in einen grösseren Bedeutungszusammenhang stellt. Was heisst das konkret?

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    1. Sicher. Anregen zum Dialog möchte ich, und durch das Instrument der SKA eine solide Textbasis dafür zur Verfügung stellen. Führen müssen den Dialog diejenige, die was von den Sachen verstehen. Ich kann weder für die Anthroposophie noch für die Naturwissenschaften sprechen, sondern nur für meinen (philosophischen) Ansatz.

      Von diesem Ansatz her ist mein Verständnis, dass Steiners esoterische Texte nicht primär zur Information, sondern vor allem zur Initiation da sind. Es sind - wie die Texte Platons, Fichtes oder Heideggers - keine Lehrbücher, sondern Übungsbücher, Erlebnisbücher. Das meine ich jetzt nicht in einem engen, anthroposophischen Sinn, sondern ganz allgemein. Sie laden ein, in die geistige Welt des Autors einzutauchen und dadurch das eigene Denken und Wahrnehmen zu schulen, zu erweitern, sensibler, flexibler zu machen.

      Was die Esoterik der Naturwissenschaft zu geben hat, sind meiner Auffassung nach nicht bestimmte Inhalte oder Konzepte, sondern bestimmte Methoden und Denk- bzw. Erlebnisarten. Im Dialog zwischen Anthroposophie und Naturwissenschaft käme es somit nicht darauf an, dass die Astrophysiker die Idee des "Alten Saturn" akzeptieren oder dass die Esoteriker jetzt an schwarze Löcher glauben - vielmehr käme es darauf an, dass die Naturwissenschaftler sich vom Wesen des Esoterischen befruchten ließen, um das rein lineare und kausale Denken zu überwinden, und dass die Esoteriker umgekehrt die Strenge, Disziplin und kritische Grundhaltung der modernen Wissenschaft verinnerlichen und das Schwärmen und das Glauben überwinden.

      So jedenfalls könnte ich mir eine fruchtbare Annäherung zwischen Naturwissenschaft und Esoterik vorstellen. Das reine Vergleichen von "Ergebnissen" und "Lehren" der Naturwissenschaft und der Anthroposophie hielte ich für eine ganz an der Oberfläche verbleibende Sache. Übereinstimmungen in diesem Bereich könnten bestenfalls Anregung für Verbohrte sein, auf das jeweils andere neugierig zu werden und sich vielleicht doch einmal darauf einzulassen. Dieses Sich-Einlassen selbst aber beträfe eine ganz andere Ebene.

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    2. @ Akashaworld
      Für mich persönlich ist Steiners Kosmogenie (wie sein Gesamtwerk) eine Antwort auf den "Sinn des Lebens": Ich kann mir bewusst machen, dass ich meine "moralisch-geistige Entwicklung" nicht nur für mich privat durchführe, sondern, dass zahllose geistige Wesen (Hierarchien, Elementarwesen, Christus) daran ein immenses Interesse haben. Wie z.B. Paulus im Römerbrief (8.19.) schreibt, dass die Schöpfung eine Sehnsucht nach eben dieser Entwicklung des Menschen hat.

      Das Ganze hat dann meinetwegen mehr einen religiösen als wissenschaftlichen Charakter, ähnliche Aspekte gibt es in der christlichen Esoterik in bezug auf das Neue Jerusalem (Die Flensburger Hefte zum Thema "Naturgeister", die ich sehr schätze, behandeln diese Dinge ausführlich und detailliert).

      Die Bewusstwerdung dieser Zusammenhänge, ihre "Anwendbarkeit" im Alltag ist nicht immer eindeutig und schon gar nicht vollständig durchdrungen von mir, manchmal ist es mehr eine Hintergrundmelodie, oder, wie es anthroposophisch häufig heisst, es "wirkt keimhaft".

      Das ist alles wahrscheinlich mehr "alte Anthroposophie", also eher weiter entfernt von den Entwicklungen von z.B. Info3, SKA, usw.

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    3. @Christian: "Vielmehr käme es darauf an, dass die Naturwissenschaftler sich vom Wesen des Esoterischen befruchten ließen, um das rein lineare und kausale Denken zu überwinden." Der Entstehungsprozess wiss. Theorien ist ja übrigens auch nicht nur linear und kausal, sondern von intuitiven und manchmal auch metaphysischen Annahmen durchsetzt. Kepler, Newton, Einstein, Heisenberg u.a. waren also durchaus auch "Visionäre", vielleicht ist es heute ein Stephan Hawking oder String-Theoretiker auch. Der Begründungsprozess aber hat dann auf Tatsachen, Messwerte, logische Stringenz, experimentelle Wiederholbarkeit zu schauen. In was führt dich Anthroposophie als "Initiationsakt" ein? Du musst doch selbst so etwas schon mal ansatzweise erlebt haben. Ins bildhaft-mythische statt begriffliche Denken, in "Kräfte" hinter der stofflichen Erscheinungswelt? Mach es doch bitte z.B. am Beispiel des Wärmekörpers des Alten Saturn einmal konkret deutlich, was du meinst. Oder am Beispiel der "Hierarchien": wieso müssen personenhafte Geister- und Engelwesen bei der Evolution des Kosmos mithelfen? Und @Rainer: wieso genügt es dir nicht, dass du ALLEINE moralische Impulse entwickelst und damit ANDEREN helfen kannst, ohne Hilfe von geistigen Wesen? Wenn Kant uns aufforderte, den EIGENEN Verstand ohne die Hilfe anderer zu benutzen, ist das ja auch schon ein moralischer Akt, von mir auch aus ein "spiritueller", da er ja damit dem autonomen Ich eine grosse, fast "heilige" Bedeutung zuspricht. Ein Kind oder Jugendlicher, das "Ich" sagen lernt, spürt das so - warum müssen "Wesen" im Hintergrund mitwirken? Damit wir uns nicht so alleine fühlen? Dies sind keine besserwisserischen Fragen, sondern ich suche selbst nur nach Erkenntnis.

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    4. @ Akashaworld
      Ich bin natürlich keineswegs der Ansicht, dass ich durch die, im weitesten Sinne, "Beschäftigung" (Verbundensein) mit geistigen Wesen automatisch mehr (oder tiefere) moralische Impulse entwickeln könnte, als bei jemanden, wo das nicht der Fall ist (der sich vielleicht mehr mit Kant oder der PhdF verbunden fühlt).

      Aber da Steiner z.B. mehr als 20 Jahre seines Lebens unermüdlich auf das Zusammenwirken von geistigen Wesen und Menschen hingewiesen hat und es auch innerhalb der anthrop. Bewegung erfreulicherweise immer mehr Menschen gibt, die in dieser Richtung arbeiten (In den 2 Bänden "Zusammenarbeit mit Elementarwesen" von Thomas Mayer gibt es z.B. Interviews mit 35 Menschen, u.a. Ärzten, die von entsprechenden Erfahrungen berichten) kann ich doch diese "Hilfestellung" dankbar annehmen. Das schliesst auch eine Beschäftigung mit "wissenschaftlich-philosophischen Fragen" nicht aus.

      Die Thematik berührt nicht nur die alte (jahrzehntealte!) Debatte zwischen der Priorität des frühen und des späteren Steiner; nach meiner Beobachtung der "Szene" ist die zunehmende Infragestellung der Existenz von "geistigen Wesen" auch ein bisschen eine anthrop. Modeerscheinung, ursprünglich mehr oder weniger ausgelöst von Info3 (Heisterkamp, Gronbach), anspruchsvoll weitergedacht von C.Clement.

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  27. Clement: 'So jedenfalls könnte ich mir eine fruchtbare Annäherung zwischen Naturwissenschaft und Esoterik vorstellen.'

    Herr 'Doktor' Steiner hat es versucht, aber es war Ihm bald klar dass die Einrichtung einer Sekte leichter war, und predigte einfach nur für seine eigene Kirche.

    Rainer Herzog: 'Für mich persönlich ist Steiners Kosmogenie (wie sein Gesamtwerk) eine Antwort auf den "Sinn des Lebens": Ich kann mir bewusst machen, dass ich meine "moralisch-geistige Entwicklung" nicht nur für mich privat durchführe, sondern, dass zahllose geistige Wesen (Hierarchien, Elementarwesen, Christus) daran ein immenses Interesse haben.'

    Sie sind Anthroposoph. Ich bin mit der antroposofischer 'Kultur' vertraut und aus anthroposophischen Kontext über moralisch-geistige Entwicklung sprechen, das ist wie der Pornoindustrie , die die Botschaft der Liebe bringen würde.

    Anthroposophie ist immer noch nicht mehr als eine Art esoterische Shop für sie die ernsthafte Philosophie zu kompliziert finden?

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  28. Michaela: Wenn hier "Office Manager Anthroposofia.be" behauptet, Dr.Steiner habe eine "Sekte" gegründet und habe "für seine eigene Kirche" ausserdem "gepredigt", so ist das eine Unwahrheit. Wahr ist, dass ein Schüler Steiners, der Theologe Friedrich Rittelmeyer eine christliche Glaubensgemeinschaft gründete.
    In dem Buch des Rittelmeyer:" Meine Lebensbegegnung mit Rudolf Steiner" erzählt der Autor, wie es zu dieser Gründung kam. Dem Rittelmeyer träumte von einer Kirche, die - so der Traum - Steiner erbaut hatte. Und gemäss diesem Traum ist diese Gemeinde entstanden. Davon nun abzuleiten, es sei Steiners "eigene Kirche", für die er "gepredigt" habe, ist völlig absurd. Weder war es Steiners Intention, eine "Sekte" zu gründen, noch hat er "gepredigt". Warum diese Unterstellungen ? Warum dieser Versuch, Dr.Steiner öffentlich zu demontieren ?

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  29. @terminus, hier http://clement-als-trojanisches-zugpferd.blogspot.nl/2015/04/woran-ein-autor-gemessen-werde-sollte.html gibt es noch mehr Wissenschaftliches von Clement gesammelt im Laude def Zeit auf diese Egoistenseite.

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  30. @cheese curve: diese Seite hatte ich gestern schon gefunden. Ich bin dafuer, Polemik aus einer Diskussion herauszulassen. Aber in diesem Fall ist es eine Spurensicherung, die ich wichtig finde. Hatte das nicht erwartet, und war auch ueberrascht hier zu lesen, dass C. Clement als Fehler ansieht, gedacht zu haben die Administratoren wuerden die Verwendung mehrerer Pseudonyme nicht publik machen, aber nicht die Tatsache, dieses ueberhaupt zu tun.

    Ich nehme diesen Fall zum Anlass fuer folgende Gedanken: dass es in Zukunft vielleicht sein koennte dass Wissenschaftler und Schreiberlinge auftauchen, mit der bewussten Absicht die Anthroposophie zu verunglimpfen und die dann in so einem Fall intelektuell "richtig" handeln, dh sie sind sich bewusst dass es moralisch falsch ist mehrere Pseudonyme zu verwenden, und gerade weil sie dass wissen, entschuldigen sie sich dann dafuer (und nicht fuer das Nichtwissen ueber die Administratoren). D.h. rein inhaltlich kommt man dann demjenigen nicht auf die Spur.

    Dieser Gedankengang bezieht sich aber nicht auf C. Clement, da ich mich nicht berechtigt fuehle in dieser Hinsicht ueber ihn zu urteilen.

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  31. Einige weitere Anmerkungen zum gewärtigen Diskurs:

    Ohne einer Vereinheitlichung der Wissenschaften, der Naturwissenschaft und der Geisteswissenschaft das Wort reden zu wollen, gibt es bei der unterschiedlichen Ausrichtung nach aussen, bzw. nach innen doch eine beide übergreifende Gemeinsamkeit ihrer Forschungsmittel. Beide kommen nicht ohne das Denken aus.
    Nun macht aber Rudolf Steiner eine oft übersehene, bzw. nicht wirklich gewürdigte Aussage über das Denken, der zu Folge das Denken sinngemäss das am wenigsten kenntnisreich durchschaute Instrument des Geistes sei. Von allen gebraucht, aber in innerer Anschauung wirklich verstanden, geschweige denn erlebend durchdrungen, von wie vielen? Versuche ich mir das Denken von dieser Fragestellung ausgehend - im Bemühen einer Annäherung mich vorsichtig voran tastend - als ein inneres Blickorgan zu vergegenwärtigen, welche Konsequenzen ergäben sich aus einem solchen Verständnis?
    So paradox das anmuten mag, aber es gäbe zunächst kein Unterscheiden zwischen innen oder aussen. Wir lebten in einem reinen Anschauen dessen was ist, in der Unmittelbarkeit blossen Staunens und damit im Sinne des Aristoteles im Proteus-Status allen Philosophierens. Wir lebten in der Möglichkeit alles durchgreifenden Erfahrens schlechthin. Dann, wenn wir das Denken als ein Blickorgan uns zur Anschauung bringen wollten.
    Diesen Schritt in eine forschende innere Empirie hinein aber wirklich zu tun, das fordert immer wieder neu meinen ganzen Mut heraus, denn ich werde damit, wie einst Moses als Vorläufer einer gegenwärtig nunmehr allgemeinen Möglichkeit einer durch und durch individualisierten Bewusstheit, im inneren Erfahren vor den brennenden Dornbusch gestellt, was heisst alle bisherigen Vorstellungen meines gegenwärtigen Wirklichkeitsverständnisses zu verbrennen. Dass sich einem solchen Ansinnen einiges an inneren, wie gleicherweise an äusseren Widerständen fortlaufend entgegen stellt, das wird zu einer handgreiflichen Erfahrung für jeden, der sich zu Schritten in dieser Richtung immer wieder neu aufraffen mag. Es ist wie beim Schwimmenlernen, ich muss mich überwinden den Sprung vom Beckenrand des Schwimmbeckens zu wagen, um damit die Erfahrung einfordern zu können, dass die Kraft eigener Bewegung mich im Wasser nicht untergehen lässt.
    Im Zuge damit einher gehender Erfahrungen könnte sich dann auch ein weiteres Erfahrungsfeld auftun; dieses nämlich, dass der Urknall, den die gegenwärtige Naturwissenschaft zeitlich in einer fernen Vergangenheit terminiert, in der inneren Erfahrung zu einem gegenwärtigen Ereignis der Erfahrung werden kann. Dies so zu sagen ist nicht als Widersprechen gegenüber der auf das äussere Erfahrungsfeld gerichteten Naturwissenschaft zu lesen, sondern als eine Ergänzung im etwas tieferen forschenden Durchdringen dessen, was uns mit dem Erfahrungsphänomen des Denkens in der Erfahrung gegeben ist.
    Rudolf Steiners Geheimwissenschaft als im Widerspruch zur gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Forschung zu sehen resultiert aus meiner Sicht auf einem letztlich noch nicht ganz auf die Füsse gestellten Umgang mit dem Denken von Immanuel Kant, dass alles auf Erfahrbarkeit zu stellen sei, mithin auch der Begriff Denken. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Phänomenen des Denkens in der Erfahrung, also z.B. wie oben angedeutet mit der Möglichkeit, dass das Denken ein Blickorgan sei, könnte möglicherweise zu gegebener Zeit auch einen Aha-Effekt auslösen, was dem von Kant so benannten „Ding an sich“ zugrunde liegt.

    Bernhard Albrecht

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