Die Redlichkeit des eigenen anthroposophischen Anspruchs

Dass der Mensch nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst subjektiv wahrnimmt, konstatierte Rudolf Steiner in „Die Welt der Sinne“*: "Zum Zuschauer seiner selbst war der Mensch bestimmt, nicht zum In-sich-Erleben." 

Zum Zuschauer muss sich der Mensch des 21. Jahrhunderts nicht erst machen, da die Fähigkeit dazu heute zur Sozialisation gehört. Dieser Zuschauer begibt sich in eine Position unabhängiger Betrachtung der eigenen Einseitigkeiten und Beschönigungen, der selektierten Erinnerungen, der Selbstbestätigung auf Kosten Anderer, und dann der wuchernden Gefühligkeiten, der Identifikationen in Positionierungen, Berufen, Idealen.

Natürlich ist es notwendig, als ganzer Mensch in seine Aufgaben hinein zu wachsen, darin initiativ und authentisch zu arbeiten. Aber zugleich ist es heute dringend erforderlich, dass wir uns selbst auch im Spiegel unseres sozialen Kontextes zu sehen vermögen.
Wir sollten fähig sein, zu beobachten, an welchen Stellen uns in der Interaktion eine Einseitigkeit an uns selbst begegnet, in der wir z.B. Andere dominieren oder uns selbst durch unser Handeln isolieren. Wir richten unser Handeln ständig daran aus, justieren und revidieren uns selbst. Unser soziales Ich ist wandelbar und lernfähig, lebt eigentlich in der Improvisation. Das, was ein Anthroposoph „willenhaftes Sein“ oder „höheres Ich“ nennen mag- und Rudolf Steiner ganz nüchtern als „Zuschauer seiner selbst“ bezeichnet - ist in dieser Hinsicht ein Hyper- Ich, ein Bewusstsein, das (hoffentlich) klug, fair, aber auch wehrhaft dieses weite Feld der ganzen sozialen Interaktion auspendelt- aber durchaus auch das, was uns durch Neigung, Begabung oder schweres Schicksal begegnet und formt.

Die Unfreiheit liegt in der eigenen unbewussten Korruption des Denkens und Handelns. Jean Klein* nennt diesen Zuschauer den Zeugen- auch für ihn der Beginn einer Erfahrung reinen Bewusstseins, in diesem Augenblick unabhängig von den Verstrickungen des isolierten Ego- Ichs: „The witness must enter upon the scene, enabling the ego to be recognized for what it is, an object. This witness is a pedagogical device that opens the door to being. The ego cannot “know” itself because it identifies with what it thinks, feels, experiences. For the ego, there is nothing but resistance, defense, agitation.

Unfrei in diesem Sinne macht jede Anhängerschaft, auch die gegenüber Steiner selbst. Jeder backt sich seinen Steiner; notwendigerweise- da wir nun einmal immer selektieren, interpretieren und kontextualisieren. Die Frage ist nur, wie weit man sich das bewusst macht. Oder wie man mit den Abgründen, Unschärfen, auch populistischen Seiten Steiners persönlich umgeht. Wenn die Identifikation mit einem gefühlten Anthroposophentum darin besteht, die mitschwingenden Konzepte Steiners zu leugnen oder zu beschönigen, hat die innere Korruption doch schon begonnen. Am Ende steht ein aseptisches, durch nichts zu erschütterndes Second- Hand- Weltbild. Illusionäre Gewissheiten dieser Art gehören zu dem Ego, das, wie Jean Klein schreibt, so ganz in der Identifikation aufgeht, dabei aber die Unabhängigkeit um eines geliehenen Selbstbilds wegen aufgibt.

Dass das Verwickeltsein in den eigenen Denk- und Gefühls- Horizont auch zu einer stetig anwachsenden, kaum überschaubaren Fülle von verstellenden, überhöhenden Steiner- Interpretationen und -Bildern geführt hat, wie wir sie seit langem erleben, liegt offenbar eben an dieser subjektiven Bannung in die Facetten galoppierender Anthro- Zeitgeistigkeit, vom Antiamerikanismus bis zu den schwammigen Zweifeln an der demokratischen Presse.

Ich erfahre für mich die großen kosmischen Imaginationen Steiners, aber auch die wirkenden Dynamiken in Natur und Mensch als andauernde Denkanregung - auch im Sinne gesuchter meditativer Erfahrung, sehe aber andere, grundsätzliche Aspekte seines Werks kritisch: Von der Atlantis aus bis hin zum weißen mitteleuropäischen Deutschsprachigen spannt sich diese kulturell grobstichige Kulturgeschichte „geisteswissenschaftlicher“ Art. Die darin nicht vorgesehene Restmenschheit ordnet Steiner in meist herabwürdigender Art oder offen rassistisch in Gruppen ein, die dem Mitteleuropäer quasi zuarbeiten. Wenn der Doktor das so in der Akasha- Chronik gelesen hätte, dann wäre daran etwas ziemlich faul. Zudem spannt Steiner dieses post- kolonialistische, teleologisch überhöhte Weltbild in seine ganze Kosmologie ein. Das macht es nicht besser, auch wenn manche Anthroposophen das glauben mögen.

Die kritische Sichtung und Bewertung Steiners scheint mir unumgänglich zu sein- auch für sich selbst, für die eigene spirituelle Hygiene. Denn der „Zuschauer seiner selbst“, den Rudolf Steiner beschreibt- und an den er appelliert-, betrachtet auch die Redlichkeit des eigenen anthroposophischen Anspruchs.

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Rudolf Steiner, GA 134
Jean Klein, I am, ohne Seitenangabe bei Kindle

Kommentare

  1. Eine kritische Ergänzung zu obigen Artikel: Ich erlebe es so, dass es heutzutage innerhalb eines größeren Teiles der anthrop. Bewegung "in" ist, sich auf die "Abgründe, Unschärfen, auch populistischen Seiten Steiners" regelrecht zu konzentrieren (Info3, FB, Ego-Blog, Gronbach, Waldorfblog, uva).

    Selbstverständlich ist es sinnvoll und notwendig, fragwürdige rassistische Stellen in Steiners Werk aufzuzeigen, das liegt allerdings bereits seit langem in anspruchsvoller Form gut aufgearbeitet vor (Frankfurter Memorandum, vorher Flensburger Hefte).

    Was allerdings manchmal im Netz kursiert, ist nicht viel mehr als ein arrogant-spöttisches "Steiner-bashing" - mit Redlichkeit oder "spiritueller Hygiene" hat das nicht viel zu tun: Das ist m.E. vielmehr die Sorge, im individuellen Umgang mit der Anthroposophie nicht modern, zeitgemäß ("integral") genug zu sein; der Zeitgeist, der vergnüglich und triumphierend den Doktor wieder einmal bei einer vermeintlichen Schwachstelle "erwischt" hat.

    Die Frage nach dem "Zeugen", nach der Fähigkeit, kritisch auf eigene Gefühls- und Denkgewohnheiten zu blicken, ist m.E. ein gänzlich anderes Thema.

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    1. Du solltest im Karmisches Sinn auch mal was nett sein, Rainer Herzog, hat Dir doch das Blog immerhin stets treu gezeigt, was Du nicht sein willst.

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    2. Hihi, da ist sogar etwas dran. Du könntest im karmischen Sinn allerdings auch mal etwas nett gegenüber Steiner sein, hat er Dir doch immerhin stets treu gezeigt, was Du sein könntest.

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  2. Lieber Rainer,

    "Was allerdings manchmal im Netz kursiert, ist nicht viel mehr als ein arrogant-spöttisches "Steiner-bashing" usw.

    Wo GENAU siehst du dieses 'manchmal'?

    Die kritische Aufarbeitung und Positionierung gegenüber Steiners 'Lehre' so wie sie hier gerade von Michael anhand ehrlicher und persönlicher Beispiele/Intentionen aufgezeigt wird, halte ich nicht für bashing. Es ist zudem eine sehr mutige und offerne Haltung Michaels (was dieses Blog auszeichnet) - und - es bezieht sich auch sehr oft - auf AKTUELLE Erscheinungen - in der Anthroposophie (sonderliche Verschwörungstheorien, Reichsbürger und andere rechte Tendenzen und Gefahren, Okkult-Sonderliches/Bedenkliches etc. etc.)- das hat nichts mit bashing zu tun. Viele Menschen die sich der Anthroposophie nahefühlen oder -fühlten, fangen eben an auch mal näher hinzuschauen und werden schlicht nach-denklich!
    Ich halte das für sehr gut, eigenständig und auch emanzipiert.

    Was z.B. in d. FL-Heften über Steiners Rassismus gesagt wurde, sehe ich in der Art oder in Nuancen wieder etwas anders aufgebaut, als die Beiträge hier im Egoistenblog. Hier geht es auf andere Art weiter...

    Ich halte das ALLES für grundehrlich und wichtig, auch und gerade vor dem Hintergrund AKTUELLER Dinge betrachtet. Ein reines und bequemes Zurücklehnen und seine Ruhe haben wollen, in einer gemütlichen und vielleicht etwas naiven, anthroposophischen Wärme (wie vor zwanzig/dreizig Jahren, meinetwegen) ist für mich nicht mehr möglich...das Maß kann man dabei jedoch trotzdem halten und die Welt geht dabei auch nicht unter ;)

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    1. @ Valentin

      "Wo GENAU siehst du dieses 'manchmal'?" Habe ich oben geschrieben: u.a. hier auf dem Blog (da ist das "manchmal" auch m.E. ein "häufig").

      Einen Blog zu betreiben oder etwas auf FB zu schreiben, halte ich nicht unbedingt für "mutig", ebensowenig für "grundehrlich und richtig".

      Dass man (wie es hier öfter geschieht) Steiner verantwortlich macht für allerlei fragwürdige "rechte Tendenzen" halte ich für bedenklich und respektlos: Die Äußerungen Steiners über Atlantis, Rassen usw. sind äußerst marginal und sicher nicht die Essenz der Anthroposophie.

      Ich bin auch mehr oder weniger USA-kritisch; allerdings kenne ich die diesbezüglichen Äußerungen Steiners zu dem Thema kaum, sie interessieren mich auch nicht besonders, da sie in der wilhelminischen Zeit gemacht worden sind. Zu "aktuellen Erscheinungen" lese ich aktuelle Texte/Bücher.

      Grüße an Mischa, ich antworte Dir später.

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  3. Lieber Rainer Herzog

    Diejenigen Menschen, die aus sich selbst etwas hervorbringen, schöpferisch sind, oder zumindest kreativ tätig, neigen kaum zum "bashing" von irgendetwas oder Irgendjemand, es sind meist die Schüler, die Anhänger (!), Nachfolger oder gar die manischen Identitäts- weil Ideen-Räuber, die dann bis zum Durchdrehen bashen. Das ist meine Erfahrung. Es fängt, erst einmal harmlos, damit an, daß wir etwas oder Jemand zu verteidigen wünschen, dessen Ideen oder dessen Persönlichkeit wir lieben oder respektieren. Falls diese Person oder das, was sie herausgefunden, mitgeteilt hat, oder "darlebt" (wie der Anthro sagt) bei unserer Lebenskutsche zum Pferdewechsel geführt hat, uns half, unser Dasein effizienter zu gestalten, oder unsere Leere und Langeweile mit neuen Illusionen so spickte, daß es glänzte. Das sind Dinge, die auch zu anderen Zeiten, nicht nur zur augenblicklichen Epoche ein Warnhinweis und Feuerlöscher sein sollten!

    Je weniger es "gurut", deasto weniger "basht" es. Wer nichts eigenes hat, möchte sich für andere, oder für seinen Fußballverein, wenigstens engagieren! Bis hin zur physikalischen Kraftverwandlung der flammenden Begeisterung zu handfesten Stadion-Feuerwerk und heftiger Prügelei. Naja, die Symptome sind großflächig passend.

    Einmal mehr gilt der chlorreiche (weil etwas ätzende) Satz: "Tradition, das ist nicht das Weitergeben der Asche! Sondern das Weiterreichen der Streichhölzer!"

    Die Zeiten, in denen mit Steiners Werk wieder auf viel persönlichere Art und Weise gerungen werden wird, und dennoch befreit und unbedrückt darüber diskutiert, gesprochen, gelauscht und gestaunt werden wird, lieber Rainer, werden kommen. Für die, die nach uns kommen. Unser Problem in dieser Zeit ist leider ein Anderes.

    Weltweit ist der große Weltkrieg von 1914-1945 offenbar jetzt in Vergessenheit geraten. Die Jahre zwischen 1918 und 1937 / 39 waren eine andere Art von Kaltem Krieg. Auch das, was nach 1945 bis 1989 geschah, interessiert heute nur noch als Grundlage für Rechtfertigungen und Rechtsverdrehungen. Reichsbürger, Querfront, besorgte Hass-Bürger: Ihre Bewegung wird von teilweise Akademikern intellektual unterfüttert, intelligente Menschen, die imstande sind, juristische und historische Informationen zu Halbwissen zu verkürzen, oder über-interpretierend zu strecken, um daraus Giftdolche, Giftpfeile zu schmieden, deren man in einer seriösen Diskussion - ohne selber zornig zu werden - gar nicht mehr liebevoll, gar nicht mehr mitmenschlich, Herr wird. Zurück-Bashen? Oder Verstummen? Seufz..
    m.butty


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    1. Teil II
      Beim Schmieden der giftigen Stakkato- Scheinargumente haben auch Steiners Vorträge eine große Aktualität. Beim Honigmann, einem großen Supermarkt, nicht nur bei den "Gralsmacht"-Videos findet Steiner Verwendung. Auch das Gedankenungut einst alternativer Szene-Therapeuten wie Dahlke und Dethlefsen "Dein eigenes Ungelöstes springt dich von außen als Schicksal an, darum kehre vor deiner eigenen Tür" (ein Satz, der auf der Handlungs-Ebene politischer Realität nichts zu suchen hat!), oder Staubsaugervertreter-Gurus wie Carnegie "How to make friends" - Wie man geschäftliche Netzwerke (!) begründet und lebendig erhält (!) ... fließen in den rechtspopulistischen Think Tank ein. Eine vielköpfige Hydra ...

      Seit Jahrzehnten versteckten sich in der Anthroposophie, vielleicht aber auch in weiten Teilen der übrigen Gesellschaft menschenfeindliche Gedanken, wie Sporen, darauf wartend, daß für sie günstigere Zeiten kämen. In anthroposophischen Umfeldern, lieber Rainer, und liebe Runde, wurde mit verdrehten oder mißgglückten Interpretationen Steiners immer gearbeitet, um kritische Menschen ihrer Zunge zu berauben, feinere, weniger grobe, physisch nicht so derbe und nicht so tüchtige Mitarbeiter zu quälen, kulturelle Bedürfnisse als "intellektuell arimanisch" zu stigmatisieren usw. Bitteschön, gerade jetzt, in der Großen Eiterzeit ist es günstig, diese Versündigungen innerhalb der Anthroposophie mehr als einmal zu artikulieren, meinetwegen von 500 verschiedenen Standpunkten. Eiter muß fließen. Die ganzen Unbereinigtheiten von bald 100 Jahren sowohl Steiner selbst, wer weiß?, als auch von der Anthroposophie, und ihrer Institutionen sind gerade genauso entzündet und in der Eiterkrise, wie die Europäische Welt, ach, wie die Ganze Welt. Wir befinden uns in einem heißen Seelenkrieg, der auf dem "physischen Plan" nur die Spitzen der vulkanischen Abzesse erscheinen läßt. Hier ist der Teufel los, und in den Straßen fließt der Eiter, der Verkehr kann nicht mehr weiter.

      Wenn dann der Genießer den Eiter des Steiner-Bashings um des Bashings willen in Flaschen abfüllt, um was zu Naschen zu haben, dann? Interessiert mich das nicht mehr. Auch dieses Phänomen der Mitläuferschaft bei der anspruchsvolleren Steiner-Kritik wird wieder verschwinden. Wenn - wie gesagt - bessere Zeiten wieder da sein werden, und die Menschen erkennen, wie wertvoll Demokratie und das, wofür sie steht (sie ist entwickelbar, Diktatur ist nur Wdh des immer Gleichen Menschen-Bashings) für die Menschenwelt ist, solange es noch Menschen auf diesem Planeten gibt.

      Herzlich
      mischa butty

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    2. Lieber Mischa,

      natürlich ist es sehr unterschiedlich und subjektiv, ob man etwas als "berechtigte Kritik an Steiner" oder als "Steiner-bashing" bezeichnet.

      Dass ich mich mit der "gängigen" unreflektierten Steiner-Verehrung von vielen orthodoxen Anthroposophen nicht identifizieren kann, wirst Du wahrscheinlich auch wissen.

      Was mich aber an obigen Artikel von Michael "stört" (ist mir erst im Laufe des Tages mehr und mehr bewusst geworden), ist der Umstand, wie selbstverständlich diese 2 Themen: Einerseits Zuschauer seines Bewusstseins sein, Zeuge sein, andererseits die "kaum überschaubare Fülle von verstellenden, überhöhenden Steiner- Interpretationen" zu hinterfragen, bzw. zu modernisieren, miteinander verknüpft werden.

      Resümee des Artikels ist: Je mehr man zu seinem wahren Zeugen, seinem wahren Ich erwacht, umso mehr hat man eine Berechtigung, den "wahren" Steiner von den verstellenden, zeitbezogenen Aspekten herauszudestillieren, umso mehr Berechtigung, Steiner zu kritisieren.

      Das ist natürlich Quatsch (bzw. hat nichts miteinander zu tun): Man kann sich auch umgekehrt im Gewahrwerden des inneren Zeugen mehr und mehr selbstkritisch fragen, aus welchen Motiven heraus man meint, Steiner erneut bei irgendetwas "erwischen" zu wollen (Zumal wenn, wie ich finde, dieses "jetzt haben wir ihn wieder erwischt" häufig mit einer gutgelaunten und sehr selbstzufrieden-triumphierenden Haltung einhergeht).

      Aber, wie gesagt, alles subjektiv, wie unterschiedlich wir diese Dinge wahrnehmen.

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  4. Man kann nur bashen, wozu man selbst eine gewisse Affinität besitzt...

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    1. Und die aber ist in den Tiefenstrukturen sehr differenzchen, diese Affinität :-)) .. alldieweil diese Geschicht' mit dem "in Resonanz sein" öfter eine exotisch Esoterische Leere ist, um Begründungen zu produtzieren, die mehr zudecken, als aufdecken!

      Ich schreibe hier immer "gerne", wenn es um Steinerzitate oder Anthroposophie - zur Rechtfertigung - von Rassismus, Autoritarismus, Antisemitismus, Militaristischen Geschichts-Revisionismus, Polizistischem Polizeistaatuismus, HaueHaueIsmus, Verfluchissmus und Hierarchismus geht. Ursprünglich liebte ich eine Vorstellung einer Waldorfschule, weil's da keine Noten gäbe, habe selber nie eine besucht. Ursprünglich liebte ich eine Vorstellung von Anthroposophie, weil es mir so vorkam, es ginge um ein Harmonisieren von religiösen Menschheitsfragen, philosophischer Anarchie, Realpolitik, Kunst und Kreativität, und menschheitsfreundlichem Einsatz von Technik und dem Erringen von Frieden für die Entwicklung der Menschheit auf diesem Planeten.

      Aufgewachsen in einer Zeit, in welcher unter nicht wenigen Jugendlichen solche obigen Gedanken auf sonderbare Weise "modern" waren, aber anders als Markenklamotten, gab es in der Politik, den Behörden und Institutionen immer noch den heftigen Nachhall der Kaiserzeit und der Nationalsozialistischen Feiern und Erbarmungslosigkeiten. Nun scheint mir, daß sich die Erbarmungslosigkeit und der Autoritarismus durchgesetzt haben, und wieder Tradition geworden sind. Denn die alten Generationen sind jetzt fast alle schon gestorben. Doch Worte wie "Der Schandvertrag von Versailles" sind wieder da. Dafür ist denen Steiner gut. Gegen die "degenerierten" "Intellektuellen" und gegen "die verweichlichten Reichen" hat auch der Postkartenmaler aus dem Männerwohnheim geschimpft. Steiner ist feiner, weil er das mit der Forr-Säähung besser erklären konnte. Zudem seh ich heute deutlich, welch ein Saatgut in aller Esoterik und Geistessehnsucht lag, denn finde doch mal einen esoterischen Blogg, der auf die Kaskade Chemtrails, Geo-Enginiering, USA und Zionismus, FED-Notenbank, Rothschild und Weltverschwörung freiwillig verzichten kann, und, falls er Deutsch ist, auf Reichsbürger-Netzwerke verzichtet?

      Ist es mein subjektiver Steiner, der nach der Shoah gewiß von seinem Antisemitismus geheilt gewesen wäre!?

      Gewiß, ich habe gegen den Wiederholungszwang der Geschichte keine Chance. Meine Resonanz zu dem Thema besteht darin, daß die "alternativen Oasen zwischenmenschlicher Begegnung in einer konsum- und anpassungs-, und karrieregeilen Welt" inzwischen genau den Ungeist des Nachhalls der Kaiser- und Nazi-Zeit beherbergen, - und das habe ich - noch - nicht ganz verarbeitet. Aber fast!
      m.butty

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    2. Und, "man kann nur das bashen, wozu man Affinität hat".. Wir befinden uns hier in der Sphäre der "Schwingungen", der "Resonanzen", der Musik, der Sphäre von Takt, Harmonie, und Achtung! Jetzt kommt es: Entweder auch von Tanzstunde und Höflichkeit, vom Zwang zu bürgerlichen Symmetrie, wo es sich zu reimen hat - oder auf dem Weg zum Intersubjektivem Ausgleich!

      Letzteres erfordert einen wachen, offenen Geist in der Empathie. Das waren eines formalen guten Tons aber, da genügt die vorauseilende Unterwerfung unter jeden Konsens, auch eine Art von Empatie. Klar ist auch vorauseilender Gehorsam kreativ!

      Es reicht nicht, harmonisch in Resonanz zu gehn, da sind wir uns einig!

      Bin ich aber unbewußt zu etwas in Resonanz, zu dem ich in Dissonanz gehe? Nein, mir kann und darf meine Dissonanz bewußt sein. Ich darf "verarbeiten", sagen wir besser: Klären, Bereinigen. Um diese Resonanz zu lösen.

      Die esoterische Szene sagt im kollektiven Konsens: "Kehr vor deiner eigenen Tür." Und nutzt das, was Rüdiger Dahlke oder Thorwald Dethlefsen schon in Gesprächskreisen ihrer idealistischen Jugendtage wo aufgeschnappt haben: "Könnte es sein, daß all dein Ungelöstes in dir selbst dich affin macht, so, daß deine Ungelöstheiten dich von außen anspringen?!" Daß also der Einbrecher einsteigt in deinen Geiz. Der Eisberg einsteigt in die Zwangsneurose "Unsinkbar" der Titanic.

      Spannende Gedanken können das sein. Was macht ..Pegida hätte ich jetzt fast gesagt ... was macht die Szene daraus: Die Flüchtlinge sind selber schuld, wenn sie Faßbomben auf's Dach kriegen. Und wenn du in uns Nazis siehst, dann liegt das in deinem unbewußten Haß auf Nazis, weil du, du, du einer bist, hähä! Wir aber sind nur besorgte Bürger!

      So. So läuft das ab. So sieht es in den Köpfen mancher Esoteriker aus!

      Denn das mit der Affinität, den Vaibräischenns, den Schwingungen und Resonanzen, Projektionen, Korrespondenzen, das sind therapeutisch interessante und gewiß wertvolle Blaupausen für den, der sie dann künsterlich mit Gehalt und Inhalt füllen kann. Doch wer dumpf mit diesen Formeln hantiert, baut nur Schrott. Und verspottet damit erbarmungslos jeden Menschen jenseits seines kleinen Identifikationskreises, verhöhnt damit jeden Kritiker.

      Wir finden ähnliches beim Karma. "Onkel August geht am Krückstock, böses Karma. Der hat ganz klar was verbockt im Vorigen. Dem stell nur ruhig ein Bein; fliegter auf die Schnauze, das ist aber gut für ihn. Hähä!" Steiner hat etwas gesagt darüber, das vorige Inkarnationen außen vor bleiben sollen, wenn wir mit einem Menschen etwas gemeinsam unternehmen wollen oder uns für ihn beurteilend interessieren wollen oder sollen.

      mischa butty

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    3. Mischa,

      Was kann Steiner dafür, wenn sich Deine ursprünglich harmonisierte Vorstellung von Anthroposophie nicht mit der Wirklichkeit deckt?

      Was kann Steiner dafür, wenn manche Menschen den ganzen Tag nur noch im Netz sind und deshalb überall "Chemtrails, Geo-Enginiering, USA und Zionismus, FED-Notenbank, Rothschild und Weltverschwörung" Pegida und Antisemitismus wittern?

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    4. Ätsch, das erklär ich Dir nicht. Nur eins: Das Netz erschuf nicht all diese Geschichten. Die wurden von Menschen erdacht. Oder hat Hitler im Männerwohnheim vorm Internet gehangen?

      Was hat es mit Steiner zu tun, daß Steiner zuweilen antisemitische Sachen sagte?

      Was hat es mit Steiner zu tun, daß Anthroposophen ihn selektiv nutzen, um ihre eigenen völkischen Thesen mit seinen Zitaten zu verschönern?

      Rainer! Zu all diesen Fragen hast Du die Bringschuld der Antwort. Ich erkläre Dir doch nicht hier die Welt. :-)

      Ein bissi mußt Du auch selber tun. Denken, nicht nur fühlen. Hehe! ;-)

      Wobei ich vermute, daß Du mich verstehst. Und Dich nur rhetorisch camouflierst. In meinen Augen weigerst Du Dich gerade, den Blick ein wenig in Richtungen zu drehen, wo ich - hinschaue - und argumentierst, ich wolle von Dir, daß Du - mich - anschaust. Will ich nicht. Schau dorthin, wovon ich oben sprach, auch wenn ich in dem Panorama, was ich oben schilderte, als Randsubjekt unter "ferner liefen" vorkomm...

      m. butty

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    5. Was kann der S. dafür dass ich so bös bin?
      Spricht er doch nur meine Ungelöstheiten aus...

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  5. Michaela: Was kann Steiner denn dafür, dass manche ihn missverstehen wollen ?
    Er war Mitglied im "Verein gegen Antisemitismus". Thema "Waldorfschulen". Den Namen haben diese Schulen von der Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik. Eine bekannte anthroposophische Autorin teilte mir brieflich mit, Steiner habe gesagt, diese Waldorfschulen seien sinnlos, wenn sie unter staatl.Verwaltung kämen. Ausserdem behauptete sie, dass jedoch bereits alle deutschen Waldorfschulen unter staatl.Verwaltung stünden. Wenn dem so ist, dann sind diese Schulen gemäss der Meinung ihres Gründers ein Etikettenschwindel. Als Gipfelpunkt von Heuchelei empfinde ich folgendes: Ich fand mal beim Surfen im Internet ein kurzes Video. Der Schulleiter einer "Waldorfschule" verkündete stolz: " Wir sind rauchfrei !"
    Warum will er dann am Namen "Waldorf" festhalten ? Steiner ging es um die Freiheit der Schulen gegenüber einem autoritären Staat ! Und der heutige Staat erzwingt suggestive Warnhinweise auf Tabakwaren, nicht jedoch auf den Erzeugnissen der Schnapsnasenindustrie. Der Plazeboeffekt ist ein Beweis dafür, dass Suggestionen eigene reale Symptome verursachen. Um ihn nachweisen zu können, musste man alle realen Wirkstoffe ausschliessen. Man müsste gemäss dieser wissenschaftlichen Erkenntnis -wenn man Stoffwirkungen belegen will- alles Suggestive ausschliessen.
    Ansonsten könnte man irgendein reales Symptom, das beim Raucher beobachtet wird, nicht auf eine eindeutige Ursache zurückführen. Geistige Verursachung ist zwar als Tatsache belegt, doch man ignoriert diese Dinge seitens Politik.

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    1. Ja gell, was kann der Steiner denn dafür, wenn man sein unmissverständiches Plädoyer gegen Antisemitismus (im Verein gegen Antisemitismus) missversteht...

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    2. Vielleicht ist auch einfach nur sinnfrei, heute noch auf Begrifflichkeiten von anno 1900 herumzukauen, während andere schon damit befasst sind, den Staat von übermorgen zu entwerfen...

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  6. Michaela @ S.Birkholz: Dem Steiner ging es darum, das Unzeitgemäss des völkischen Nationalismus -unabhängig davon, ob es ein deutscher, englischer, jüdischer oder italienischer usw. Nationalismus sein würde-erkennbar zu machen.
    Er sagte am 8.Mai 1924 (GA 353):" Solch eine Sache ist heute gar nicht zeitgemäss; denn denn heute ist dasjenige zeitgemäss, dem jeder Mensch, ohne Unterschied von Rasse und Volk und Klasse und so weiter sich anschliessen kann."
    D.h., er wandte sich sowohl gegen den aufkommenden deutschen Nationalismus als auch gegen den zionistischen Nationalismus. Beides betrachtete er als reaktionäres Denken, das nicht mehr zeitgemäss sei.

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    1. Ja klar,zu dieser Interpretation kann man gelangen - aber der Weg dort hin bietet eben reichlich Raum für Missverständnisse...

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  7. Michaela @ S.Birkholz: " Staat von übermorgen-Bedingungsloses Grundeinkommen" ?

    Na schön, wenn übermorgen dieser Staat bei mir anklopft und mir erklärt: Wir erbauen nun das Schlaraffenland. Sie erhalten nun jeden Monat genug Kohle, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Arbeitenmüssen war vorgestern Lehnen Sie sich gaaanz entspannt zurück ! - dann wär`ich ja blöde, das Angebot abzulehnen.
    Nur müsste ich mich fragen, ob denn wirklich irgendein Einkommen "bedingungslos" zustandekommen kann ? Wodurch hat denn bitteschön Geld seinen realen Wert ?
    Muss dieser Wert nicht von Menschen erarbeitet werden ?
    Betreffs der Zukunft frage ich mich eher nach den Plänen der Abschaffung des Bargeldes.
    Umfragen ergaben, dass angeblich viele dafür seien. Schöne neue Welt ? Da bräuchten nur Negativzinsen eingeführt werden, um uns auszuplündern.
    Wer heutzutage z.B. Tagesgeldkonten hat, wird bemerkt haben, dass Negativzinsen gar nicht so weitab der Möglichkeit liegen.

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  8. Zurück zu einem obigen Satz von Michael, den ich „gedankenerweckend“ (norw.: tankevekkende) finde, mich jedoch trotzdem nicht zu einem Anhänger von dessen Erzeuger macht:

    „Unfrei in diesem Sinne macht jede Anhängerschaft, auch die gegenüber Steiner selbst.“

    Dabei denke ich an einem anderen Satz von Jiddu Krishnamurti (1895 – 1986), den ich vor kurzen wieder las:

    „Der Glaube ist eine absolut individuelle Angelegenheit und man kann und darf ihn nicht in Organisationen pressen.“

    Er löste 1929 den von der Theosophischen Gesellschaft 1911 für ihn bzw. zu seiner Unterstützung gegründeten Orden „Order of the Star of the East“ mit u. a. folgenden Worten auf:

    „Ich behaupte, dass die Wahrheit ein pfadloses Land ist und dass es keine Pfade gibt, die zu ihr hinführen – keine Religionen, keine Sekten. Das ist mein Standpunkt, den ich absolut und bedingunglos vertrete. Die Wahrheit ist grenzenlos, sie kann nicht konditioniert, sie kann nicht auf vorgegebenen Wegen erreicht und daher auch nicht organisiert werden. Deshalb sollten keine Organisationen gegründet werden, die die Menschen auf einen bestimmten Pfad führen oder nötigen. Wenn ihr das einmal verstanden habt, werdet ihr einsehen, dass es vollkommen unmöglich ist, einen Glauben zu organisieren. Der Glaube ist eine absolut individuelle Angelegenheit und man kann und darf ihn nicht in Organisationen pressen. Falls man es tut, wird er zu etwas Totem, Starrem; er wird zu Gier, zu einer Sekte, einer Religion, die anderen aufgezwungen wird. Die Wahrheit wird in Formen gepresst und zu einem Konsumgut für die Schwachen, die nur eine momentane Unzufriedenheit spüren. Der Mensch kann die Wahrheit nicht zu sich herabziehen, sondern muss sich bemühen, zu ihr aufzusteigen…“

    Hätte Rudolf Steiner noch 1929 gelebt und diese Haltung Krishnamurtis mitgekriegt, hätte er womöglich die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft wieder aufgelöst, um mehr auf die Individuation und weniger auf die Sozialisation zu setzen. Dann wäre auch das ganze Palaver im Jahre 1935 und alle späteren inneranthroposophischen Konflikte, die ein Ausdruck der „unbewussten Korruption des Denkens und Handelns“, aber vor allem des Fühlens, nicht gekommen.

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    1. Lieber Jostein, ich denke, es nimmt die so lang währende Beschäftigung mit Steiner nichts, wenn man ihn selbst als dieser bestimmte Mensch seiner Art und Zeit nicht ganz mit dem identifiziert, der über die Mitternachtsstunde nach dem Tode referiert. Da gibt es ja viele Dinge, die bewegen einen gänzlich als seelischer Mensch. Daran, was man da liest, ist nichts Fremdes. Ihn so zu sehen, aber gleichwohl dann über andere seiner Vorstellungen mehr als nur zu stolpern- sie tatsächlich abzulehnen-, das muss man wohl leider aushalten.

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    2. Das Besondere am anthroposophischen Impuls (Steiners) ist, dass höhere Erkenntnis, höheres Bewusstsein in die Kulturpraxis hineingebracht werden sollte - das macht sie unikal, das unterscheidet sie von allen(?) anderen sprirituell-esoterischen Strömungen.
      Allerdings fordern praktische kulturelle Einrichtungen auch immer ein gewisses Maß an Struktur; Steiners großes Ringen beinhaltet auch zu einem erheblichen Teil den Ballanceakt, konkrete Einrichtungen im Spannungsfeld zwischen persönlicher Individuation und stukturellen Notwendigkeiten funktionsfähig zu erhalten.
      Die Wahrheit kann nicht vom Menschen herabgezogen werden, aber sie kann von denjenigen, die (mühevoll) etwas zu ihr hinaufgestiegen sind, in Form kultureller Früchte auf ins Alltagsleben hereingebracht werden.
      Anthroposophie ist nicht als Erlösungsweg des einzelnen Individuums veranlagt - das bekommt man (wenn man wirklich nicht von selbst drauf kommt) spätestens vom großen Hüter der Schwelle gesagt...

      S. Birkholz

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    3. @Stephan. "Anthroposophie ist nicht als Erlösungsweg des einzelnen Individuums veranlagt - das bekommt man (wenn man wirklich nicht von selbst drauf kommt) spätestens vom großen Hüter der Schwelle gesagt..."

      Lieber Stephan,

      danke. Anknüpfend kann ich sagen:

      Ich ordne stets so, das in einer Anthroposophie beinhaltet ist, dass das Weltgeschehen der Umgang des Menschen mit sich selbst ist.

      ~ B.

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    4. @ Stephan,

      "Anthroposophie ist nicht als Erlösungsweg des einzelnen Individuums veranlagt"

      ich stimme Dir zu, mit einer Einschränkung: Das wäre wohl das Ideal, wenn man die eigene "höhere Erkenntnis" gleich in "praktische kulturelle Einrichtungen" einbringen könnte - viele Menschen leben allerdings aus verschiedensten Gründen äußerst zurückgezogen, bzw. sind innerlich kaum in der Lage, aktiv gestaltend in der Welt zu agieren.

      Ich glaube vielmehr, dass die Anthroposophie so groß ist, dass auch solche Menschen dort 100%ig zuhause sein können, die eher eine "spirituell-meditative Erbauung" in ihr suchen.

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    5. Lieber Rainer, und liebe Runde

      So Worte wie "Spirituell meditative Erbauung" klingen in meinen Ohren irgendwie immer lustig, ich treibe gerne Schabernack mit Archaismen und solchen, die es werden wollen. Ein Archaismus ist ein altbacken Wort. Mich dünkt, gerade "wertekonservative Kreise" zu denen nicht wenige Erbauungs-Anthroposophen gehören, schmücken fleißig ihre Sprachschätze damit, um selbige noch erbaulicher zu machen. Aber Klamauck beseite: Ich weiß was Du meinst, und stimme Dir zu.

      Ich würde diese Art Menschen, zu denen ich ein Stück weit selbst gehöre, als Menschen bezeichnen, die nicht nur das religiöse Staunen (Erbauung, Ergötzung, sich ergetzen) bei Steiners Vorträgen suchten, gesucht haben, suchen - sondern auch Heilung. Vor allem Selbst-Heilung. Resilienz und Neu-Ertüchtigung nach schwerer Zeit in seinen Schriften auch usw. Denn, dies bedenkend, sieht man, daß derjenige, der erst einmal aufatmet, weil er nicht mehr kann, und sich umsieht mit Steiners Hilfe und Hinweisen - nicht wertloser ist, als der, der frisch die Ärmel hochkrempelt, um was zu schaffen, um darin Dinge zu erfahren, die er unter andermm mit Steiners Hinweisen vergleichen mag. Denn daß da ein Gefälle unausgesprochen da ist, weiß jeder. "Der, der sich .. erbauen möcht'? Naja.." usw. :-)

      Jeder kann sich, insofern er redlich ist, eine Anthroposophie erschaffen und heranziehen, so, wie man einen Garten anlegt, und eine Hütte baut. Darin wohnt dann das ur-eigene Verhältnis zum Umkreis der Welt, der Welt, die mich hervorgebracht hat, und dereinst wieder zu sich nimmt. So sagt denn auch Burghard "Ich ordne stets so, das in einer Anthroposophie beinhaltet ist, dass das Weltgeschehen der Umgang des Menschen mit sich selbst ist." insofern ich ihn recht verstanden hab?

      LG, mischa butty


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    6. Lieber Rainer, lieber Mischa,

      Stephan spricht davon, ...„ dass höhere Erkenntnis, [] ...in die Kulturpraxis hineingebracht werden sollte - das macht sie unikal,......“

      Damit ist hingewiesen: Der Mensch ist das „Unikat Weltgeschehen“. Der Hinweis bedeutet: Das Kultur - und Rechts - und Wirtschaftsleben ist darauf hin auszurichten, dass es als derjenige soziale Organismus seine Ausgestaltung findet, der sich zunehmend als der Handlungsspielraum entpuppt, in dem der freie Mensch sich entfaltet.

      Meditative „Erbauung“ ist also stets förderlich dafür, das man eines guten Tages, als ein freier Mitarbeiter, in der “Bauhütte für den sozialen Organismus des universellen Menschen“ auftreten kann.

      ~ B.

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  9. Macht nachdenklich. Ich lese zwei Aspekte im Beitrag: die Redlichkeit und der Zuschauer.
    Das Zuschauersein stellt die Gefühls- und Willensseite dar, peinlich erlebbar in der Rückschau. Die Redlichkeit betrifft eine Denkanregung, z.B. die mitteleuropäische Gruppe scheint mir hier unredlich überhöht zu Kosten von der irischen Atlantis-Gruppe.
    Vgl. der innere Zuschauer und das Geistreichwerden (65.172 f.) in: ‘Menschenseele und Menschengeist‘ (1915, öffentl. Vortr.)

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  10. 1914 charakterisierte Steiner die Mitteleuropäer (Deutsche und Slawen) als individualistisch:

    Wenn wir für die mitteleuropäische Kultur nach einem Worte suchen, das wir an die Stelle des Wortes «Nationalität» setzen müssen, so finden wir, schon rein angesichts der geographischen Notwendigkeit, das Wort «Streben nach Individualität». Und mit diesem Wort «Strebennach Individualität» können wir nicht etwa bloß die Deutschen charakterisieren, sondern da müssen wir noch eine ganze Anzahl von anderen Völkern zu Mitteleuropa rechnen. 287.38

    Vgl. https://waldorfblog.wordpress.com/2012/05/13/das-karma-der-unwahrhaftigkeit/

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