Individuation und Reformation

Ingrid Haselberger


In seinem neuen waldorfblog-Artikel Anthroposophische Reformation II, oder: Bis zur Unkenntlichkeit… und noch viel weiter charakterisiert Ansgar Martins den Egoistenblog als »vermutlich die informativste Diskussionsplattform zur Anthroposophie im deutschsprachigen Internet«. Martins ordnet den Blog der »liberal-anthroposophischen Spielart zu […], was nicht heißt, dass dort Anthroposophie light betrieben würde«. Als Beispiel für die von ihm beobachteten »ganz konkreten Neujustierungen« führt er Michaels Artikel über die Atlantis-Bücher von Andreas Delor an:
»Interessanterweise werden darin zwar Delors Allianzen mit jüngerer esoterischer “Atlantisforschung” demontiert. In den Kommentaren gibt Eggert jedoch eine ganz eigene Variante des anthroposophischen Atlantismythos preis. An ihr lässt sich studieren, wie sich Eggerts Kritik am breiten Spektrum des anthroposophischen Aberglaubens mit seinen eigenen esoterischen Überzeugungen vermittelt. Das sei hier nicht festgestellt, um sich darüber lustig zu machen, sondern weil sich daran wiederum die modernisierende Transformation theosophisch-anthroposophischer Themenkomplexe insgesamt griffig illustrieren lässt.«
Martins bezieht sich damit auf diesen Kommentar Michaels und meint anschließend, das mache deutlich, »wie sich Anthroposophie durch relativ geringfügige Umschreibungen von Steiners Evolutionsschilderungen aktualisiert.«
Als weitere Beispiele für die von ihm konstatierte „Reformation II“ führt Ansgar Martins Wolfgang Schad und Christian Clement an, und beschäftigt sich dann eingehend vor allem mit letzterem.

Ich finde das sehr interessant, auch vor dem Hintergrund dessen, was Jostein Sæther in seinem Buch Weisheit wahrnehmen  beschreibt: die Individuation der Anthroposophie als Voraussetzung für deren Kulmination.
„Reformation“ also, auf dem Wege vieler einzelner Individuationen - - - Ansgar Martins spricht gar von einer Reformation »bis zur Unkenntlichkeit«.

Für mich erhebt sich nun die Frage, ob Anthroposophie trotz vieler ganz unterschiedlicher Individuationen, in ihnen, „kenntlich“ bleiben kann – und wenn ja: woran.
Es ist gewissermaßen die Frage nach der Essenz der Anthroposophie.

Ich möchte diese Frage an die Leser weitergeben: was ist es, das für Euch die Anthroposophie ausmacht? Worin unterscheidet sich, Eurer Ansicht nach, die „anthroposophische“ Anschauungsart, und daraus folgend eine „anthroposophische“ Anschauung, von einer nicht anthroposophischen?

Über Antworten würde ich mich freuen. 
Aber vor allem geht es mir um die Frage – ganz im Sinne dessen, was Rainer Maria Rilke 1903 an Franz Xaver Kappus schrieb:
»[…] ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, […] Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. […] es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.«


 

Kommentare

  1. Liebe Ingrid,

    danke für deinen Blogeintrag und dessen weiten Fragehorizont.

    Darin fragst Du:

    „Worin unterscheidet sich, Eurer Ansicht nach, die „anthroposophische“ Anschauungsart, und daraus folgend eine „anthroposophische“ Anschauung, von einer nicht anthroposophischen?“

    Meines Erachtens gilt es zu unterscheiden:

    Den Vollzug von dessen philosophischer Darlegung. Schaue ich bei Steiner auf letztere, sehe ich seinerseits diese Anschauungsart in die Formulierung gekleidet: „Grundlinie einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschaung.“ Rudolf Steiner zu Folge ist das die wissenschaftliche Grundlage einer Anthroposophie.

    Im Vorwort der Neuauflage, Nov. 1923, schreibt Steiner zu den „Grundlinien“:

    „Deshalb gilt, was in dieser Schrift über das Wesen der Erkenntnis gesagt wird, auch für das Erkennen der geistigen Welten, auf das sich meine später erschienenen Schriften beziehen.“

    Gruß ~ B.

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  2. Liebe Ingrid,

    für mich sind das zwei völlig verschiedene Themen: Einerseits Deine Frage "was für Euch die Anthroposophie ausmacht", sowie, daran anschließend, die Aufforderung Rilkes "leben Sie jetzt die Fragen", andererseits der Artikel von A.Martins.

    Ich muss gestehen, dass ich mit dem Artikel von AM wenig anfangen kann (für mich ist er, schlicht gesagt, etwas "abgehoben"); der Autor gibt ja auch offen zu, dass es ihm u.a. um eine "zeitgemäße Relativierung der Anthroposophie" gehen würde.

    Beeindruckend ist es m.E. schon, dass AM mit seinen jungen Jahren solche äußerst anspruchsvollen und wissenschaftlich fundierten Texte verfassen kann; dass auf seiner Website aber eher jemand wie A.Lichte regelmäßig positiv oder bestätigend antwortet (und sonst kaum jemand) ist doch auch etwas bezeichnend.

    Deine Frage nach der "Essenz der Anthroposophie" interessiert mich auch, ich würde sie aber nicht auf dem Hintergrund des obigen Artikels beantworten.

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  3. Lieber Burghard, lieber Rainer,

    vielen Dank für Eure Antworten!

    @ Rainer: auf Rilke kam ich, weil ich selbst zur Zeit noch keine Antwort auf meine Frage habe — denn bisher habe ich diese Frage einfach noch nicht „gelebt“, bin mit ihr nicht umgegangen, habe sie mir nicht einmal gestellt, sie war mir ganz fremd.
    Erst was AM über „Reformation“ und „Neujustierung“ und „bis zur Unkenntlichkeit und weiter“ sagt, hat mich zu dieser Frage angeregt…

    Aber es geht mir nicht um eine Antwort vor dem Hintergrund dieses Artikels.

    Ich frage einerseits nach der „Essenz“ — andererseits aber auch nach der Erkennbarkeit.
    Und zwar der Erkennbarkeit nicht nur „von innen“: was muß „erfüllt“ sein, damit ich meine eigene Anschauung als eine anthroposophische ansehen kann?,
    sondern auch „von außen“: was muß „erfüllt“ sein, damit ich die Anschauung eines anderen (und ihre Darlegung) als „anthroposophisch“ ansehe?

    Herzlich,
    Ingrid

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    1. Liebe Ingrid,

      auch wenn folgende Antwort möglicherweise nicht allzu originell oder tiefsinnig erscheint: Dass ich sowohl meine eigene Anschauung als auch die eines anderen als "anthroposophisch" ansehe, kann man m.E. primär daran festmachen/erkennen, ob diese Anschauungen aus dem Werk Rudolf Steiners inspiriert worden sind. Sein Name, seine Person ist mit seinem Werk untrennbar verbunden, das schliesst auch eine "moderne Weiterentwicklung" nicht aus.

      "Anthroposophisch" ist das Ganze dann, wenn diese Art von Beschäftigung und Inspiration über ein bloßes (kritisches, akademisches) Interesse hinausgeht und vielerlei Bereiche des inneren, geistigen Lebens impulsiert, eventuell verändert (Sorry, das klingt dann zwangsläufig immer leicht kitschig).

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    2. Lieber Rainer,
      vielen Dank – und nein, ich finde es nicht „kitschig“.

      »ob diese Anschauungen aus dem Werk Rudolf Steiners inspiriert worden sind.« und
      »Sein Name, seine Person ist mit seinem Werk untrennbar verbunden«
      Das leuchtet mir natürlich ein... aber ich frage mich:
      Was mag Rudolf Steiner gemeint haben, als er sagte (in der Sitzung des Vorstandes der AAG am 29.12.1923, GA 260, S 57):
      »Albert Steffen ist schon Anthroposoph gewesen, bevor er geboren worden ist; das muß man ihm anerkennen.«
      Siehst Du das als humorvolle, nicht ganz ernst zu nehmende Nebenbemerkung, oder hältst Du für möglich, daß Steiner das ernst gemeint hat?

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  4. Michaela @ Ingrid: "...was ist es, das für Euch die Anthroposophie ausmacht ?"

    Liebe Ingrid,

    danke für die Frage. Ich kann sie nur dadurch beantworten, dass ich da von mir selbst ausgehe und sage, was sie mir bedeutet. Ich betrachte das Werk Steiners als etwas, das mich zuerst zur inneren Aktivität führt, grob veranschaulicht wie ein Sportgerät mich zur äusseren Aktivität führt. Das Sportgerät erfüllt erst dann seinen Sinn, wenn ich es benutze. Z.B. wäre sinnlos, ein Trimm-dich-Fahrrad aufzustellen, sofern man nicht begreifen wollte, dass es zur Aktivität da ist, nicht bloss zum Anschauen.

    Wer ist schon heutzutage ganz frei von Denkschablonen ? Sie laden ein zur Bequemlichkeit. Man macht sich irgendeine Denkweise von jemand zu eigen und kann passiv bleiben. Ganz anders die Anthroposophie Steiners. Ohne die Aktivität derjenigen, die sich mit ihr befassen, die an ihr aktiv werden, wäre sie nicht lebendig.

    Wenn jemand Sport betreiben will, muss er den guten Willen mitbringen, die eigene Bequemlichkeit an den Nagel zu hängen. Egal wie gross der Muskelkater wird, es erfordert die Überwindung eigener Passivität und eigenen Selbstmitleides usw., damit alles Früchte trägt. S.Birkholz hatte ja darauf hingewiesen -gegenüber Rudolf-, dass die Anthroposophie im Leben Früchte trägt.
    Wir erkennen "den Baum an dessen Früchten" jedoch nur dann, wenn wir daran aktiv werden und ihn schütteln, bis die Früchte runterfallen.
    Nur ein kleines Beispiel: Ich hatte Saatgut gesät, doch die kleinen Pflanzen hatten so dünne kraftlose Stengelchen, dass sie am Boden lagen. Hatte jedoch Hornmist gemacht, gemäss Steiners Anweisungen. Als ich den als Dünger gab, standen binnen ich glaube etwa 12 Stunden oder so diese Pflanzen auf. Standen gerade und wuchsen zu kräftigen Pflanzen heran. Das Leben ist da der Prüfstein. Man muss - wenn man da zu einem Urteil kommen will- aktiv werden und das ins Leben überführen.

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    1. Liebe Michaela,
      danke für Deinen „Aufruf“ zu innerer Aktivität, und für Deine aus dem Leben gegriffenen Vergleiche dazu!

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  5. Liebe Ingrid,

    deine Frage:

    „ Worin unterscheidet sich, Eurer Ansicht nach, die „anthroposophische“ Anschauungsart, und daraus folgend eine „anthroposophische“ Anschauung, von einer nicht anthroposophischen?“,

    die sollte in dem Licht mitbedacht sein, das R. Steiner, auf die Frage hin: Was denn, von seinem Werk, in ferner Zukunft, ( ich ergänze: dann weiterhin von einem gegenwärtigen Frageimpuls ) noch Bestand haben werde, antwortete: „Die Philosophie der Freiheit“.

    Was will das bedeuteten, für eine Antwort auf deine Frage, im Jahr 2016?

    Aus einem rein akademisch orientiertem Interesse wird niemand R. Steiners Schriften so studieren können, wie es, ihrer Anlage nach, allein möglich ist. Wie? Anhand der persönlichen Seelen-substanz. ( Da wird C.C. noch sein blaues Wunder erleben, mit seiner „akademisch orientierten SKA“ )

    Damit will ich sagen: I

    Indem jemand sich gegenwärtig Steiner zuwendet, ist das stets ein karmischer Impuls. So einer, der sich in zwei Richtungen auswirken will. Einerseits ein „Umbau“ von altem Karma und andererseits die Inkraftsetzung desjenigen Willenlebens im Denken, dessen es im Leben nach dem Tode bedarf, so man für die Freiheitsgestalt des Menschen, in Mitarbeit, sich finden will.

    Gruß ~ B.

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    1. Lieber Burghard,
      vielen Dank, besonders für Deinen Hinweis auf die „Philosophie der Freiheit“!
      Ich denke dabei spontan nicht nur an moralische Intuition und moralische Phantasie, sondern auch an moralische Technik — und natürlich an die Grundmaxime des freien Menschen...

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  6. Liebe Ingrid,

    Schöne Frage. Die Begegnung mit Anthroposophie kann einer Art mystischer Erfahrung gleichen. Sie ähnelt der Jungfrau in der jüdischen Pardes-Mystik, die sich lange in ihrem Palast (peschat) und hinter ihrem Schleier verbirgt, und dann plötzlich einen Wink (remez) gibt. Sie wirft z.B. ein Buch – ‘Theosophie‘ oder ‘Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes‘ – aus dem Fenster. Später redet sie einige klare Worte (derasch) durch die Verschleierung, vielleicht über Erkenntnisstufen oder reines Denken. Hoffentlich lüftet sie den Schleier und spricht von Angesicht zu Angesicht (sod) mit ihren begeisterten Bewunderern über Weltwesen oder Erdenentwicklung.

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    1. Lieber Ton,
      wunderbar, danke!
      Besonders freue ich mich über sod, das Sprechen von Angesicht zu Angesicht.
      Ja. Diese unmittelbare Erkennbarkeit läßt sich natürlich nur schwer, eigentlich gar nicht, in Worten ausdrücken...

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  7. Eine wunderbare Frage, viel wertvoller und wichtiger als die nach Selbstverständnis des Anthroposophen.

    Ich bekenne, wie oft ich in den sechsunddreißig Jahren meines existenziell gelebten Anthroposoph-Seins schon Menschen entgegengehalten habe: Du bist ein interner Gegner. Das fing an, als jemand 1995 eine Nähe von Daskalos (Στυλιανός Αττεσλής) zu Rudolf Steiner behauptete mit der Begründung: Daskalos habe für seine „Heilungen“ kein Geld angenommen. Natürlich sehe ich den betreffenden Menschen heute noch im Irrtum mit dieser Argumentation. Aber muss er deshalb kein Anthroposoph sein; weiß ich das wirklich über ihn?

    Und ich weiß, wenn ich heute auf deine Frage antworte, werden etliche meiner Freunde genau über diese Antwort sagen: „Das ist doch nicht anthroposophisch!“

    Essenz: Nun da halte ich’s tatsächlich, wie in der ersten Antwort hier schon gesagt, zunächst mit der erkenntnistheoretischen Grundlegung in den »Grundlinien« und dann mit Rudolf Steiners einziger (ja – auch den vielzitierten Leitsatz 1 sehe ich nicht als „Definition“ i. e. S. an) Definition: „Unter Anthroposophie verstehe ich eine wissenschaftliche Erforschung der geistigen Welt, welche

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  8. die Einseitigkeiten einer bloßen Natur-Erkenntnis ebenso wie diejenigen der gewöhnlichen Mystik durchschaut, und die, bevor sie den Versuch macht, in die übersinnliche Welt einzudringen, in der erkennenden Seele erst die im gewöhnlichen Bewusstsein und in der gewöhnlichen Wissenschaft noch nicht tätigen Kräfte entwickelt, welche ein solches Eindringen ermöglichen.“ Das muss ich nun nicht in eigenen Worten zu sagen versuchen. Und zu dieser Essenz gehört auch, dass die Anthroposophie als eine Christologie von einem unmittelbar erfahrbaren Gott spricht, dessen Wesen nicht in Allmacht und Allweisheit sich auslebt, sondern in der Überwindung der Todeskräfte, und dessen weitere Entwicklung vom Menschen abhängt, wie die frühere menschheitliche Entwicklung von einer Bestimmung durch einen Gott.

    Aber, viiiel interessanter und intimer: a) Wie steht es mit der inneren Gewissheit, Anthroposophie zu repräsentieren und nicht ein reduziertes oder gar ein Zerrbild davon? b) Nach welchen Kriterien beurteile ich ein Buch, eine Äußerung, eine Initiative, als „anthroposophisch“?

    a) Anthroposoph bin ich, seit ich täglich mit der Grundsteinmeditation lebe. Das ist etwas plakativ in dieser Kürze, aber letztlich sehe ich tatsächlich: Wie die ersten Anthroposophen vom Ersten Goetheanum umgeben sein konnten und Rudolf Steiners Wort hören konnten, dort und anderenorts, so kann dies alles, gewissermaßen von geistiger Umgebung nun zum Punkt in mir metamorphosiert, durch mich wieder zurückgewandelt werden in eine Weise, dorthinaus zu blicken, zu denken, zu fühlen und Initiative zu entfalten, tiefen Willen zur anthroposophischen Kulturwirksamkeit für die Welt, weil dieser Punkt in mir die Grundsteinmeditation ist, die verdichtet alles enthält.

    Nun stimmt das, was ich eben geschrieben habe, in einem unscheinbaren Wort nicht ganz, nämlich wo ich vom Anthroposoph SEIN schreibe. Das Anthroposoph-IM-WERDEN-BLEIBEN kommt hinzu und wird unter anderem, vor allem durch das beständige Studium der Leitsätze und durch den Gedankenaustausch mit Mitanthroposophen, ständig belebt, entzündet, erneuert.

    b) – noch schwieriger zu beantworten: Wenn ich bemerke, dass ein Mensch von ähnlichen Erfahrungen ausgeht wie ich sie kenne, dann kann ich mit ihm in ein Gespräch treten, in dem auch sein Anthroposoph-Sein sich entweder enthüllt oder eben nicht. Das ist eine schwer als objektiv zu beschreibende Prüfung, aber sie erweist sich als gültig nach dem Durchnehmen des Gesprächs-Erlebnisses durch Nächte. Auch das Lesen eines Aufsatzes ist in diesem Sinne ein „Gespräch“: Das heißt, ich bin auch da nicht (mehr) Inquisator im Dienst reiner Lehre, sondern Partner, das eine oder andere innerlich zurechtrückend, aber dem Mutigen, der da auf anthroposophischem Boden oder in anthroposophischer Sprache schreibt, die Hand reichend, wie man am Händedruck empfindet, ob jemand einem angehört oder nicht. Ganz anders sieht die Sache aus, wenn sich eine Einrichtung das Label: „anthroposophisch“ zuspricht, aber Anthroposophie in der Fachmethodik und Leitbild-Grundhaltung nur noch leer versprochen wird und nicht „drin ist was draufsteht“. Da ist die Probe aufs Exempel freilich leicht: Wo die darin Tätigen über Anthroposophie spotten, wird das Bestreben einiger Gründerpersönlichkeiten niemals dauerhaft die Kraft haben, eine solche Einrichtung der Anthroposophie zu erhalten.

    Das ist ein Antwortanfang nur. Aber da ich hier nicht regelmäßig lese, muss es dabei erst mal bleiben. Mir selbst Ingrids Fragen weiterhin stellen werde ich sicher noch lange, meine weiteren Antworten hier niederlegen nur sehr unwahrscheinlich.

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  9. Ergänzung:
    «Anthroposoph bin ich, seit ich täglich mit der Grundsteinmeditation lebe.» heißt natürlich in keiner Weise, dass ich dasselbe von anderen je erwartete.

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  10. P.S. Ich habe vorhin meiner Frau von Ingrids Fragen erzählt und auch, dass ich hier entgegen meinen Gewohnheiten beigetragen habe, und uns kam eine Erinnerung: Vor vierzehn Jahren habe ich an einer „anthroposophischen“ Fachschule einen Kurs: „anthroposophische Menschenkunde für sozialberuflich Tätige“ mit Fragen begonnen, die Ingrids heutigen ganz analog waren:
    1) Was ist für Sie die Essenz des Mensch-Seins?
    2) Auf welche Weise legen Sie sich Rechenschaft ab darüber, ob Sie selbst ein Mensch sind?
    3) Mithilfe welcher Wahrnehmungsmittel kommen Sie zu dem Urteil, dass das Wesen dort drüben auf der anderen Seite des Seminarraums ein Mensch ist?
    Es ist doch aufschlussreich, dass man die Fragen nach der Anthroposophie ähnlich stellen kann wie die nach dem Mensch-Sein: Anthroposophie wird so ganz konkret „Bewusstheit des Menschentums“! Sie tritt gewissermaßen als ein „Mensch“ in der Welt auf; in ähnlicher Weise ist wohl zu verstehen, dass ihr Bau, das Erste Goetheanum, „Mensch“ wird.
    Aber das ist nur ein Aperçu und soll von Ingrids eigentlichen Fragen, die ja ans persönliche Erleben gerichtet waren, nicht ablenken.

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    1. "Mithilfe welcher Wahrnehmungsmittel kommen Sie zu dem Urteil, dass das Wesen dort drüben auf der anderen Seite des Seminarraums ein Mensch ist?"

      Hallo Ernst - bist Du's?

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    2. Ob Ernst oder nicht: Lustig ist die Frage (wie auch die vorige) allemal.

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  11. Um (mich selbst) nun genau zu zitieren, habe ich mal die alte Datei von 2002 herausgesucht.

    a) Was ist für dich das Wesentliche am Mensch-Sein?
    b) Auf welche Weise legst du dir Rechenschaft ab darüber, ob du selbst ein Mensch bist?
    c) Mithilfe welcher äußerer und innerer Erkundungsmittel kommst du zu dem Urteil, dass der, der da vor der Tafel steht, Mensch ist?

    Später kam noch die Frage hinzu, was ist für dich ein Un-Mensch.

    Ja, lustig fanden die Studierenden vor allem den Begriff: „Erkundung“. Lustiger finde ich hier die Identifikationsfrage per negationem: »Bitte bestätigen Sie, dass Sie kein Robot sind. Ich bin kein Roboter ☒.« Da fällt mir das Essay über Maschinenrechte des Juristen Malte-Christian Gruber ein, ein Lesegenuss sondergleichen auf https://www.jura.uni-frankfurt.de/44269273/Gruber_Maschinenrechte_05_120814akz.pdf. Er erzählt da Isaac Asimovs Novelle: “The bicentennial Man“ aus dem Jahr 1976 nach:

    „Asimov erzählt die Geschichte des Zweihundertjährigen aus einer für das Genre typischen, in eine fiktive Zukunft gerichteten Perspektive; sie beginnt in einer vorgestellten Zeit, in der die technologische Entwicklung von künstlicher Intelligenz und Robotermechanik es ermöglicht, Maschinen als autonome Automaten in artifiziellen Körpern zu konstruieren und als Produkte zu vermarkten. Eines dieser Produkte, ein Haushaltsroboter mit der Seriennummer „NDR“, wird an eine Familie namens Martin geliefert. Die jüngste Tochter kann sich die Seriennummer nicht merken und gibt ihm schon bald den Namen „Andrew“, den auch die übrigen Familienmitglieder später übernehmen. Andrew stellt auf Befehl, aber auch aus „Spaß“, wie er selbst sagt, erstaunliche Kunstwerke her, die der Familienvater gewinnbringend verkaufen kann. Für die erzielten Einnahmen richtet dieser ein Konto auf den Namen „Andrew Martin“ ein und zahlt dort einen Teil des Gewinns ein. Mit dem Guthaben finanziert Andrew zunächst seine im Laufe der Zeit anfallenden Reparaturen. Nach einiger Zeit bietet Andrew – unterstützt von der jüngsten Tochter – dem Familienvater sein gesamtes Geld an, um sich „freizukaufen“. Der Vater weigert

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  12. sich jedoch. Darüber kommt es schließlich zu einem Rechtsstreit, den ein Richterspruch zugunsten des Roboters entscheidet: „Freiheit ... kann keinem Objekt abgesprochen werden, das geistig fortgeschritten genug ist, den Begriff zu verstehen und den Zustand wünschenswert zu finden.“ Einige Zeit später, der Familienvater ist bereits verstorben, beginnt Andrew, Kleidung zu tragen. Von den meisten Menschen wird er deswegen belächelt. Nachdem zwei Fremde bemerken, dass Andrew niemandem gehört, dessen Eigentum verletzt werden könnte, greifen Sie den Roboter tätlich an. Aufgrund dieses Vorfalls setzt sich Andrews Familie erfolgreich für ein neues Gesetz zum Schutz von Robotern ein. Andrew fasst in der folgenden Zeit weitere Pläne: Er beginnt, ein historisches Werk über Roboter, ihre Erlebnisse und Empfindungen, zu schreiben. Außerdem versucht er, nunmehr auch in körperlicher Hinsicht menschlich zu werden. Deshalb lässt er von seiner alten Herstellerfirma seinen gesamten (Maschinen-)Körper – mit Ausnahme seines Gehirns als „Sitz“ seiner Persönlichkeit und als „Besitzer“ seines Körpers – gegen einen menschenähnlichen (Androiden-)Körper austauschen. Er lässt sich weitere Organprothesen implantieren, die ebenso bei menschlichen Patienten eingesetzt werden können. Andrew muss jedoch noch immer feststellen, dass er trotz seiner Bemühungen nicht als Mensch im Rechtssinne anerkannt wird, mithin auch keine Menschenrechte genießt. Enttäuscht stellt er fest: „De facto ein Mensch zu sein genügt mir nicht. Ich möchte nicht nur wie ein Mensch behandelt werden, ich möchte offiziell als Mensch identifiziert werden. Ich möchte de jure ein Mensch sein.“ Die ersehnte Anerkennung als Mensch erlangt Andrew schließlich erst, nachdem er sein künstliches Gehirn in ein sterbliches Organ verwandeln lässt. Wie alle anderen Menschen auch muss er sterben.“

    Wenn ich diese Geschichte damals gekannt hätte, dann hätte ich das ganze Seminar über „Bewusstheit des Menschentums“ damit eingeleitet und auch die beiden zentralen Themen anthroposophische Christologie und Willensfreiheit aus den so gewonnenen Blickwinkeln zum Menschsein betrachtet.

    Doch nun beherzt von der Frage, ob ich Ernst bin (verneint), zurück zu Ingrids Fragen!

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    1. Lieber cbl (:-) nein, Friederike, bei diesem Anonymen handelt es sich wirklich nicht um Ernst!),
      danke für Deine reichen Antworten.
      »Und zu dieser Essenz gehört auch, dass die Anthroposophie als eine Christologie von einem unmittelbar erfahrbaren Gott spricht, dessen Wesen nicht in Allmacht und Allweisheit sich auslebt, sondern in der Überwindung der Todeskräfte, und dessen weitere Entwicklung vom Menschen abhängt, wie die frühere menschheitliche Entwicklung von einer Bestimmung durch einen Gott.«
      Hiezu hätte ich die Frage, inwieweit Du bei einem Anthroposophen sein Selbstverständnis als Christ voraussetzt, bzw ob Du es für möglich hältst, daß dieser auf den Menschen angewiesene Gott, dessen Wesen sich in der Überwindung der Todeskräfte auslebt, auch in anderen Religionen unmittelbar erfahrbar sein könnte.

      Und besonders – ;-) wenn auch hier wohl ein klein wenig o.t. – danke ich für den köstlichen Essay von Isaac Asimov!

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  13. Ganz herzlichen Dank für Eure Antworten!

    Ich will aus jeder dieser Antworten etwas herausgreifen, was mich persönlich besonders anspricht – ohne damit das, was Ihr sonst noch sagt, irgendwie „schmälern“ zu wollen! Aber ich bin ja noch immer beim Leben der Fragen, auf der Suche nach meiner eigenen Antwort…

    In umgekehrter Reihenfolge:

    cbl:
    „Unter Anthroposophie verstehe ich eine wissenschaftliche Erforschung der geistigen Welt, welche die Einseitigkeiten einer bloßen Natur-Erkenntnis ebenso wie diejenigen der gewöhnlichen Mystik durchschaut, und die, bevor sie den Versuch macht, in die übersinnliche Welt einzudringen, in der erkennenden Seele erst die im gewöhnlichen Bewusstsein und in der gewöhnlichen Wissenschaft noch nicht tätigen Kräfte entwickelt, welche ein solches Eindringen ermöglichen.“

    Anthroposoph-IM-WERDEN-BLEIBEN

    »Das heißt, ich bin auch da nicht (mehr) Inquisator im Dienst reiner Lehre, sondern Partner, […] dem Mutigen, der da auf anthroposophischem Boden oder in anthroposophischer Sprache schreibt, die Hand reichend, wie man am Händedruck empfindet, ob jemand einem angehört oder nicht.«

    Ton:
    ein Wink (remez) – einige klare Worte durch den Schleier (derasch) – schließlich (hoffentlich) Sprechen/Erkennen von Angesicht zu Angesicht (sod) . . .

    Burghard:
    »Indem jemand sich gegenwärtig Steiner zuwendet, ist das stets ein karmischer Impuls.«
    »R. Steiner [antwortete] auf die Frage hin: Was denn, von seinem Werk, in ferner Zukunft […] noch Bestand haben werde […]: „Die Philosophie der Freiheit“.«

    Die Grundmaxime des freien Menschen (Hervorhebung von mir):
    »Leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen im Verständnisse des fremden Wollens« — das paßt, ebenso wie der „karmische Impuls“, gut zu

    Michaela:
    »Wir erkennen "den Baum an dessen Früchten" jedoch nur dann, wenn wir daran aktiv werden und ihn schütteln, bis die Früchte runterfallen.«

    und trifft sich in mir auch mit
    Rainer:
    »"Anthroposophisch" ist das Ganze dann, wenn diese Art von Beschäftigung und Inspiration über ein bloßes (kritisches, akademisches) Interesse hinausgeht und vielerlei Bereiche des inneren, geistigen Lebens impulsiert, eventuell verändert.«

    Nochmals:
    Vielen Dank für Eure Antworten!

    Herzlichen Gruß in die Runde,
    Ingrid

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    1. Liebe Ingrid,

      einen Hinweis will ich noch hinzufügen. Die Anthroposophie Rudolf Steiners ist bereits eine "Individuation" im Weltgeschehen des Menschen.

      Ebenso wie das künstlerische Schaffen von, hier als ein Beispiel, Pablo Picasso. Und so wie das, aufgrund dieser Individuation, keine weitere zulässt, ebenso ist es mit der Anthroposophie von R. St.

      Es kann also nicht darum gehen, was Du w.o. schreibst: "die Individuation der Anthroposophie als Voraussetzung für deren Kulmination. „Reformation“ also, auf dem Wege vieler einzelner Individuationen."

      Weiterhin kann es also auch nicht mehr um eine Kulmination gehen. Picasso ist bereits "einer" der Höhepunkte*.

      Vielmehr geht es darum, das jeweilig ein Einzelmensch "seine" Seelensubtanz so umzugestalten und zu "erhöhen"* sucht, das er sie, in Folge, für "seine" Individuation, frei zur Verfügung hat.

      Werke des künstlerischen Schaffens noch einer Kulmination zuzuführen, das wäre gar vollkommen paradox. Die wenigsten dulden ein daneben, geschweige denn ein Miteinander. Das Ergebnis wäre eine komplettes Durcheinander.

      Es gibt dabei auch keinen Zusammenklang von Kunstwerken. Denn, auch die sind bereits jeweils eine Individuation.

      Weiterhin geht es einem Künstler nie um Reformation. Hier im Sinne einer Erneuerung der Kunst. Welcher denn? Gibt es doch keine Kunst an und für sich.

      Der Hinweis wird zu lang.

      Gruß ~ B.


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    2. Lieber Burghard,

      »Werke des künstlerischen Schaffens noch einer Kulmination zuzuführen, das wäre gar vollkommen paradox.«

      Ich würde Dir vollkommen zustimmen, wenn es hier um das künstlerische Werk Pablo Picassos oder auch Goethes oder Schillers ginge.
      Allerdings schon mit dem wissenschaftlichen Werk Goethes (o.t.: dessen Mutter übrigens heute vor 285 Jahren geboren wurde) verhält es sich wohl anders – wünschte er sich nicht, daß andere Wissenschaftler nach ihm kämen, um weiterzuarbeiten an dem, was sich ihm ergeben hatte?

      Oder hältst Du Steiners Werk wirklich für ein rein künstlerisches?

      Den Ausdruck „Kulmination“ habe ich nicht nur aus Josteins Buch, sondern von Rudolf Steiner selbst (:-) ja, klar, nur via Mitschrift, aber ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln, daß er das tatsächlich gesagt hat. Du?):

      »Und das wird einem die Kraft geben, nun weiter zu wirken; denn diejenigen, die heute Anthroposophen sind, im ehrlichen, wahren Sinne Anthroposophen sind, die werden einen starken Drang haben, bald wiederum zur Erde herunterzukommen. Und innerhalb der Michael-Prophetie sieht man voraus, wie zahlreiche Anthroposophenseelen mit dem Ende des 20. Jahrhunderts wiederum zur Erde kommen, um das, was heute mit starker Kraft als anthroposophische Bewegung begründet werden soll, zur vollen Kulmination zu bringen.« (GA 240, S 306f)

      Herzlich,
      Ingrid

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    3. Liebe Ingrid,

      R. St. spricht hier von der "Anthroposophischen Bewegung". Und die ist nun einmal nicht seine Anthroposophie.

      Bei dieser Gelegenheit will ich noch einen Steiner-Passus, im Hinblick auf das künstlerische Handeln, einbringen.

      Zuvor noch ein Hinweis. Die Konstellation "Goethe und Schiller", die ist ein Geschehen in anthroposophischer Bewegung.

      Dazu Steiner:

      „Diejenigen, die nicht gelernt haben, durch die Schönheit sich die Wahrheit zu erobern, werden niemals ein Vollmenschliches in sich aufnehmen, das sie wappnet gegenüber den Anforderungen des Lebens. Die deutschen Klassiker haben das vorausgeahnt, wenn auch nicht in voller Tragweite betont. Aber sie haben damit kein Verständnis gefunden. Sehen Sie doch, wie Goethe die Wahrheit durch die Schönheit sucht. Hören Sie, wie Goethe sagt: Die Kunst ist eine Manifestation geheimer Naturkräfte, - was ja nichts anderes besagen will, als dass man durch die künstlerische Erfassung der Welt erst zu der lebendigen Wahrheit gelangt, während man sonst nur zur toten Wahrheit kommt. Und Schillers schönes Wort lautet: Nur durch das Morgentor des Schönen dringst du in der Erkenntnis Land! - Bevor nicht der Sinn dieses Weges: durch das Künstlerische, durch das Artistische in das Wahrheitsgebiet hineinzugehen, im allertiefsten Sinne durchdrungen wird, kann auch nicht die Rede sein davon, dass die Menschheit sich ein wirkliches Verständnis für die übersinnliche Welt im Sinne des Zeitalters der Bewusstseinsseele aneigne.“

      Rudolf Steiner in der GA 217, S. 137

      Gruss ~ B.

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    4. Lieber Burghard,

      danke für Deinen obigen Hinweis. Dazu könnte man möglicherweise ergänzen, dass die Aussage Goethes und Schillers über Kunst, Schönheit, Erkenntnis auch mit deren sehr eigenen (klassischen) Kunstauffassung verbunden ist und anderen künstlerischen Ausdruck teilweise sehr kritisch bis ablehnend beurteilt haben (Hölderlin, Kleist, C.D.Friedrich, Runge u.v.a.).

      Deshalb nehme ich auch an, dass G. und S. unsere heutige, z.T. verbreitete Auffassung "Jeder Mensch ist ein Künstler" nicht unbedingt unterschrieben hätten.

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    5. Lieber Rainer,

      "dass die Aussage Goethes und Schillers über Kunst, Schönheit, Erkenntnis auch mit deren sehr eigenen (klassischen) Kunstauffassung verbunden ist"

      Das ist sehr wahr, kann auch zunächst nicht anders sein bzw. zeigt direkt oder indirekt, dass die Kunstauffassung und der Schönheitssinn (etc.) etwas sehr individuelles ist! Wenn man z.B. (ganz elementar jetzt), einen Menschen betrachtet oder kennenlernt (seine Kultur, Charakter), ob nun mit schwarzer, weisser, gemischter, gelber oder roter Hautfarbe, kann man sich im posivsten Falle doch ganz natürlich dazu durchringen und sagen: "Der Mensch ist schön" oder "der Mensch ist be-Wunderns-WERT". Und durch Verstehen (auch der negativen Dinge), kann man immer zum Menschlichen durchdringen oder es auch verteidigen oder auf Distanz gehen.
      Hat man allerdings eine rein ideologische, vorurteils-behaftete oder undifferenzierte Brille auf, dann kann folgende pauschale Äußerung passieren: "Ein Indianer ist hässlich da unterrassig" oder "ein Schwarzer ist hässlich da triebgesteuert" usw.

      Daran erkennt man, wie alles steht und fällt mit dem Charakter des Individiums!

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    6. Lieber Valentin,

      ich würde das grundsätzlich trennen, die obigen Auffassungen über Ästhetik, Schönheit und Erkenntnis und die Rassismusthematik. Dass sich "zum Menschlichen durchdringen" ist m.E. auch eher eine Frage der Ethik.

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    7. @Rainer
      Ja, das kann man machen, die Ethik gesondert einbringen.
      Für mich liegt das alles jedoch oft eng beieinander...Schönheit, Kunst etc. hat für mich eine vielseitige Bedeutung...auch der Mensch ist für mich ein Kunstwerk...

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    8. ...allerdings hat das in einigen Fällen auch seine Grenzen ;))

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  14. Lieber Burghard,

    »R. St. spricht hier von der "Anthroposophischen Bewegung". Und die ist nun einmal nicht seine Anthroposophie.«
    Vielen Dank für das klare Auseinanderhalten.

    Dazu möchte ich nachfragen:
    Bedeutet das, daß es eine Anthroposophie, die nicht ganz dasselbe ist wie Rudolf Steiners Anthroposophie --- daß es eine solche „Anthroposophie“, Deiner Ansicht nach, überhaupt nicht geben kann?

    Wie würde das allerdings passen zu Rudolf Steiners weiter oben zitierten Definition:
    »Unter Anthroposophie verstehe ich eine wissenschaftliche Erforschung der geistigen Welt, welche die Einseitigkeiten einer bloßen Natur-Erkenntnis ebenso wie diejenigen der gewöhnlichen Mystik durchschaut, und die, bevor sie den Versuch macht, in die übersinnliche Welt einzudringen, in der erkennenden Seele erst die im gewöhnlichen Bewusstsein und in der gewöhnlichen Wissenschaft noch nicht tätigen Kräfte entwickelt, welche ein solches Eindringen ermöglichen.«

    Diese Worte verstehe ich so, daß eine derartige Erforschung der Welt (also: Entwicklung der gewöhnlich noch nicht tätigen Seelenkräfte als Voraussetzung, Durchschauen der beiden genannten „Einseitigkeiten“, wissenschaftlicher Anspruch an sich selbst) als „Anthroposophie“ gelten könnte, auch wenn sie nicht von Rudolf Steiner inspiriert wäre.

    Würdest Du mir darin zustimmen?

    Herzlich,
    Ingrid


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  15. Lieber Michael,

    ich hoffte, das Du „hier“ die Gelegenheit findest, einer meinerseits an dich gerichteten Bitte, zu entsprechen.

    Welcher?

    Am Sonntag d. 26.10. 2014 / 14.35 hast Du geschrieben:

    „Da steht das sektierische, separatistische, extreme Rechthaben dann da und gibt sich als Anthroposophie aus. Mag sein, dass das stabilisierend für bestimmte Gruppierungen ist. Aber es macht anthroposophisches Arbeiten unmöglich.“

    Darauf hin schrieb ich:


    Lieber Michael, während Du schreibst:

    „Aber es macht anthroposophisches Arbeiten unmöglich.“, dabei schaust auf etwas hin. Dir, wie besagter Arbeit nachspürend, eben darauf, wie so eine Arbeit in deinem Horizont erscheint. Denn, das ist die Voraussetzung für deine Aussage.

    Daher nun meinerseits eine Bitte an dich: Das Du, im Anriss, hier schilderst, wie Du deinerseits anthroposophisches Arbeiten, in anderen Umständen, tätigen würdest.

    Deine Anwort lautete:

    „Ein anderes Mal gerne, Burghard!


    Worauf gründete mein Hoffen? Darauf, dass die folgende Frage von Ingrid:

    „Für mich erhebt sich nun die Frage, ob Anthroposophie trotz vieler ganz unterschiedlicher Individuationen, in ihnen, „kenntlich“ bleiben kann – und wenn ja: woran. Es ist gewissermaßen die Frage nach der Essenz der Anthroposophie. [] Ich möchte diese Frage an die Leser weitergeben: was ist es, das für Euch die Anthroposophie ausmacht?“

    ….., aus meiner Sicht, auch meine an dich gerichtete Bitte mit beinhaltet.

    Gruß ~ B.


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