»... und mehr bedarfs nicht.« II

Ingrid Haselberger

Inmitten der Apokalypse now, die wir derzeit erleben, habe ich in den letzten Wochen in Wien einige großartige Aufführungen zeitgenössischen Musiktheaters erlebt. Eine bewegende Eurythmieaufführung fügte sich gestern in mir mit diesen Erlebnissen zu einem Ganzen.

Zunächst Textausschnitte aus zwei Opern (man könnte den Eindruck gewinnen, wir seien dazu verurteilt, die Geschichte immer und immer wieder zu wiederholen...):

Der in Wien geborene Ernst Krenek emigrierte 1938, nach dem Anschluß Österreich an das nationalsozialistische Deutschland, in die USA. Seine Oper Pallas Athene weint spielt zur Zeit des Peloponnesischen Krieges. Im demokratischen Athen treffen drei Schüler des Sokrates aufeinander: der skrupellose Populist und glänzende Feldherr, der geschickte Intrigant und der naive Pazifist. Jeder der drei interpretiert (man könnte auch sagen: mißdeutet) die empfangenen Lehren auf seine Weise... und die Bürger Athens sind »knetbar, auf ihren Gefühlen wird gespielt wie auf einer Harfe«.
Der Untergang Athens ist unvermeidlich, die geistige Gegenwartsnähe unheimlich (die Oper entstand 1955, zehn Jahre nach dem 2. Weltkrieg und gegen Ende der McCarthy-Ära), damals wie heute...

PALLAS ATHENE WEINT (1955)
Text und Musik von Ernst Krenek

Ende des 1. Aktes:
Sokrates:
In Freiheit entzweit – sind wir machtlos.
In Zwang geeint – sind wir sinnlos.
Sinn ohne Zwang – wann scheint dein Licht durch unsere Nacht?
Mitte des 2. Aktes:
Dialog zwischen Sokrates und Agis, dem König von Sparta, der ihn höhnisch auffordert, ihn seine berühmte Weisheit zu lehren:
S: Ich kann dich nicht belehren, Freund, denn alles, was ich weiß, ist, daß ich nichts weiß.
A: Hoho! So tiefe Weisheit kann ich mir nicht gestatten: mir genügt, daß ich weiß, was der Welt nottut.
S: So lehre mich, was der Welt nottut.
A: Ordnung, vor allem Ordnung.
S: Und warum, o Freund, muß Ordnung sein?
A: Ordnung muß sein, damit Friede sei.
S: Und warum führst du dann Krieg?
A: Um Ordnung zu schaffen.
S: Du schaffst nicht Ordnung, nur Gefahr.
A: Gefahr macht stark.
S: Gefahr schafft Angst.
A: Wer Angst hat, hält Ordnung.

* * *

Der Fernsehfilm Staatsoperette von Otto M. Zykan und Franz Novotny verursachte Ende Oktober 1977 einen handfesten Skandal – Bombendrohung gegen den ORF inklusive. Das Thema: Der Austrofaschismus der 30er Jahre  (Bundeskanzler Prälat Ignaz Seipel) – die österreichische Zwischenkriegszeit bis zum „Anschluß“.
In der bald vierzig Jahre danach realisierten Bühnenfassung agierten die Darsteller sowohl als Singschauspieler als auch als Puppenspieler (Puppen: Nikolaus Habjan). Und jedesmal, wenn die Puppe in den Vordergrund trat, hatte man den Eindruck: jetzt erst zeigt der jeweilige Politiker sein wahres Gesicht... 
Eingerahmt wird das Geschehen von zwei Frauengestalten aus dem Volk, die jeweils die Ansichten und Sorgen der „Rechten“ und der „Linken“ ins Spiel bringen. 
Beklemmend, erschreckend... auch, weil die Darsteller einige Gelegenheit zum Extemporieren haben...
Skandal? Nicht die Spur. So katholisch ist Österreich längst nicht mehr
(in der an die Ausstrahlung des Fernsehfilms anschließenden Club2-Diskussion fiel damals der Satz: »Es wäre niemals möglich in einem mohammedanischen Land, mit Zitaten des Herrn Mohammed, bitte, eine Staatsoperette zu machen!«).

Nachdenkliche Gesichter, begeisterter Applaus – und danach geht man wohl zur Tagesordnung über...

STAATSOPERETTE – DIE AUSTROTRAGÖDIE 
Text und Musik: Otto M Zykan
(1977 Film von Franz Novotny; 
2015 Bühnenfassung von Michael Mautner und Irene Suchy)



EPILOG

Duett mit Chor

DIE LINKE:
Heut, sagen manche Leut, wär's Zeit, beieinander z'stehn,
denn wenn's so weitergeht, sag'n manche Leut,
könnt die Welt dabei untergehn, könnt dabei untergehn.
Heut, sag'n manche Leut, wird sich's zeigen,
wohin ma wollen,
denn wenn's so weitergeht, sag'n manche Leut,
könnt uns morgen schon der Teufel hol'n,
könnt uns der Teufel hol'n.
Dann ist's sicher z'spät.
Wenn euch die Reu' überkommt,
dann könnts euch hamdrahn,
dann wird's euch owezahn,
hauts eure Schädeln nur ein,
's wird sicher net schad drum sein.

DIE RECHTE:
Sah ein Knab ein Röslein stehn
Röslein auf der Heiden
War so jung und morgenschön
Lief er schnell, es anzusehn
Röslein, Röslein, Röslein rot.

ENTFERNTE STIMMEN (Chor):
Wir beherrschen,
wir besiegen alles, alles in der Welt.
Für das Vaterland, für das Vaterland.
Für unser Vaterland.

DIE LINKE: 
Denn wenn's so weitergeht, sag'n manche Leut,
ist der Gspaß vorbei, kommt a böse Zeit, 
die sicher niemand freut.

(mit Hall)
ROT-WEISS-ROT BIS IN DEN TOD??

DIE LINKE UND DIE RECHTE:
Röslein auf der Heiden

ENTFERNTE STIMMEN:
sind wir alle heut entbrannt.

ENDE

* * *
 
Mein schmerzlicher Eindruck nach diesen Aufführungen, in Zusammenhang mit den tagesaktuellen Nachrichten: es kann sein, daß uns noch eine ganze Weile lang nichts anderes übrigbleiben wird, als dabei zuzusehen (und mitzuwirken!), wie die Geschichte sich wiederholt... und gleichzeitig bin ich froh, in einer Zeit zu leben, in der solche Opern entstehen und aufgeführt werden!


Gestern nun gastierte das Stuttgarter Else-Klink-Ensemble in Wien, mit einer dramatischen Eurythmie-Komposition zum Thema Verrat und Gewissen.

DAS RÄTSEL DES JUDAS
Künstlerische Leitung: Benedikt Zweifel

Im Programmheft heißt es:
Unser aktuelles Programm kann besonders in der gegenwärtigen Weltlage als eine existentielle Frage erlebt werden, als eine, die uns alle betrifft: Judas der Verräter. Im Grunde genommen lebt heute Judas in uns allen. Judas ist der heutige Mensch. Wir werden täglich zum Verräter an unserer Umwelt, an unseren Mitmenschen, an uns selbst.Verrat entsteht durch Gewissenlosigkeit. Die Erweckung des Gewissens in uns ist die Heilung des Judas! 
Die – wie aus einem Guß wirkende – eurythmisierte Collage aus Texten und Musik beginnt mit Musik von Isabella Arazian und Maria Pitea und dem Gedicht Landschaft aus Schreien von Nelly Sachs.
Ich fühle mich in den Kosmos hinausgetragen: die Planeten selbst sind es, die schreien, ausweglos, in alle Ewigkeit...

Es folgt eine Szene, die mich an den „Prolog im Himmel“ aus Goethes Faust denken läßt:
Der Satan wettet mit dem Christus: wird Judas dem Satan die Treue halten, selbst wenn dieser ihn einige Zeit lang auf Erden so weit losläßt, daß er dem Christus folgen kann?

Gethsemane: Der einsame Christus von Christian Morgenstern.
Verrat des Judas und Jesu Gefangennahme.
Judas allein. Der Versucher (Luzifer) tritt an ihn heran und verspricht ihm alle Reiche dieser Erde – da erst begreift Judas Christi Wort: Mein Reich ist nicht von dieser Welt - - - sein Gewissen erwacht, seine Verzweiflung ist groß.

Im Kosmos spottet der Satan zunächst des auferstandenen Christus:
Ich habe meinen Feind überschätzt. Lerne denn abermals, Himmelsfürst: Wäre mir verstattet, in eigener Person zur Erde zurückzukehren, nicht auf dreißig Jahre, sondern auf dreißig Stunden – ich machte alle Menschen mir anhangen, und alle Versuchungen des Himmels könnten auch nicht einen einzigen bewegen, mich zu verraten...
Doch Judas bleibt aus, der Satan wird ungeduldig und unsicher...
Als Judas schließlich erscheint, schweigt er.
Da ruft der Satan aus (wieder aus Thornton Wilders „Hast du nicht achtgehabt auf meinen Knecht Hiob?“):
Was haben sie dir getan, mein vielgeliebter Sohn? Welche letzte, armselige Rache haben sie an dir versucht? Komm zu mir! Hier ist Trost für dich. Hier kann all diese Gewalttätigkeit wiedergutgemacht werden. Der vergebliche Haß des Himmels kann dich hier nicht erreichen. - Aber warum sprichst du nicht zu mir? Mein Sohn, mein Kleinod!
Doch als Judas schließlich Worte findet, ist es ein Fluch, den er gegen den Satan schleudert... und der Satan muß weichen.

Nach der eurythmischen Dramatisierung der von Ursula Ostermai und Rüdiger Fischer-Dorp eindringlich gestalteten Texte erklang die 10. Klaviersonate von Alexander Skriabin.
Für mich schließt sich damit der Bogen zum Beginn mit den schreienden Planeten:
Wieder fühle ich mich in den Kosmos hinausversetzt.
Doch nun „schreien“ die Planeten nicht mehr – sie bewegen sich in einer unbeschreiblichen „Himmelsharmonie“, die nicht nur in der Musik und in den Bewegungen auf der Bühne, sondern nun auch in meinem Herzen waltet.

Besonders berührt es mich, daß die Darsteller des Judas, des Satan und des Christus nun Teil des Eurythmie-Ensembles sind. Sie haben sich von den Persönlichkeiten, in denen sie in erdgebundenen Zusammenhängen verkörpert waren, gelöst – und mir wird bewußt, wie sie alle mitgewirkt haben an der großen Aufgabe der Verwandlung. Die Erde allein ist der Ort, an dem diese Verwandlung geschehen kann!

Und ich fühle, daß ich nicht nur Judas, sondern auch den Satan und den Christus in mir trage. Meine eigene Seele ist der Ort, an dem diese Mächte im Kampf miteinander liegen...

Und ich denke – wieder – an die Worte, mit denen Konrad Paul Liessmann seine Rede zur Eröffnung der diesjährigen Salzburger Festspiele geschlossen hat:
Vielleicht leben wir in den kostbaren Augenblicken, da wir solch einem Gelingen beiwohnen dürfen, vielleicht sogar dazu etwas beitragen können, nicht wie Götter; aber wir leben – endlich – einmal so, wie Menschen leben sollten.
Und mehr bedarf's nicht.


siehe auch:

Kommentare

  1. Hallo Ingrid,
    danke für diesen schönen Beitrag!

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    1. Liebe Friederike,
      vielen Dank - ich freue mich, daß Du mit meinem Versuch, meine Erlebnisse mitzuteilen, etwas anfangen kannst.

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  2. Danke Ingrid! Besonders diesen Satz finde ich wichtig "Und ich fühle, daß ich nicht nur Judas, sondern auch den Satan und den Christus in mir trage. Meine eigene Seele ist der Ort, an dem diese Mächte im Kampf miteinander liegen... " Es kommt mir vor als ob es manche gibt die das angesichts der Weltlage vergessen. Vergessen daß das Gegenüber wie sie selber auch ein Mensch aus Gut und Böse ist. Vielleicht aus der homöopathischen Idee heraus wird da versucht das Böse im Gegenüber mit eigenem Bösen, kontrolliert (?), auszutreiben. Oder macht man sich da was vor und merkt gar nicht wie das eigene Böse triumphiert weil es "seinen Menschen" mal wieder überwältigt hat indem es ihn glauben macht sich für das Gute einzusetzen :-( ? Da wird sich die Geschichte wohl noch lange wiederholen müssen...

    MfG
    Ich

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    1. Danke!
      Ja. Manche Menschen, oder vielleicht besser: in manchen Situationen neigen wir alle zum Schwarz-Weiß-Sehen. Dann halten wir unser Gegenüber entweder für durch und durch „gut“ oder für durch und durch „böse“. Und vergessen, daß sowohl das Gegenüber als auch wir selber eine Mischung aus „Gut“ und „Böse“ sind…
      Und reflexartig antwortet unser eigenes „Böses“ dem „Bösen“ im anderen Menschen, und umgekehrt, und immer so weiter… Aug um Auge, Zahn um Zahn…
      Erst wenn es uns gelingt, diesen Mechanismus zu überwinden und „die andere Wange darzubieten“, statt zurückzuschlagen, können wir aus diesem Wiederholungsrad aussteigen.

      Sehr interessant finde ich Deine Assoziation zur homoöpathischen Idee, Gleiches mit Gleichem heilen zu wollen.
      Das macht mich sehr nachdenklich: könnte es sein, daß das „Böse“ in der Welt unser eigenes „Böses“ zur „Heilung“ braucht?
      Allerdings wohl nicht so, wie wir es in uns auffinden. Auch Hahnemann wendete die Heilmittel ja nicht unverdünnt an:
      Er »nahm an, dass durch das besondere Verfahren der Potenzierung oder „Dynamisierung“ eine „im innern Wesen der Arzneien verborgene, geistartige Kraft“ wirksam werde. Zur Begründung der Hochpotenzen ging er davon aus, dass sich hier „die Materie […] roher Arznei-Substanzen […] zuletzt gänzlich in ihr individuelles geistartiges Wesen auflöse“«, wie es in der wikipedia heißt.

      Ob wir das „Böse“ in uns in ähnlicher Weise potenzieren/dynamisieren können, indem wir es erkennen und uns bewußt damit auseinandersetzen?

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    2. Liebe Ingrid, ich glaube das Böse in der Welt und das Böse im Menschen brauchen sich insofern zur Heilung als man es dadurch erkennen lernt. Durch die Reaktion auf das Böse was man außerhalb von sich selber wahrnimmt lernt man sein eigenes Böses sehen und verstehen - wenn man denn will. Aber da hört es dann auf mit der Homöopathie. Jetzt mit gleicher Münze heimzuzahlen, also das Similimum zu verabreichen, läßt einen Teufelskreis bzw. aufrecht erhalten. Nein, so wie ich es sehe muß man dann allopathisch vorgehen. Haß mit Liebe begegnen. Wobei Liebe in Extremsituationen auch heissen kann in Notwehr sich und andere zu schützen. Entscheidend ist dabei die innere Einstellung zum besten aller Beteiligten handeln zu wollen. Leicht gesagt, schwer getan.

      Ich

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  3. Wenn man "das Böse" vor allem in der eigenen Seele wahrnehmen will, lebt man in einem einigermaßen sicheren oder auch reichen Land. Viele Menschen haben aber nicht das "Selbstverwirklichungsprivileg" dem Bösen mit Innenschau und Meditation zu begegnen, die müssen mit Krieg, Kriegsgefahr, extremer Armut, Unterdrückung und sonstwas leben.

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    1. Lieber Rainer,

      weder mir noch dem anonymen „Ich“ geht es darum, das „Böse“ dort draußen in der Welt auszublenden, um auf sicherem Terrain erbauliche Selbstverwirklichung zu betreiben (ich denke, die Textausschnitte der beiden Opern zeigen das auch; selbst wenn es relativ harmlose Stellen sind. Die heftigeren Szenen zu zitieren, hätte den Rahmen des ohnehin schon überlangen Aufsatzes gesprengt).

      Es geht darum, auf das „Böse“ draußen in der Welt nicht reflexartig mit dem „Bösen“ in der eigenen Seele zu reagieren, sondern sich ihm gegenüberzustellen, um nicht auch innerlich unter seine Knechtschaft zu geraten.

      Du hast schon einmal einen ähnlichen Einwand erhoben, unter diesem Artikel - und ich stehe zu meiner damaligen Antwort.

      Unsere Seele ist nunmal der einzige Ort auf der ganzen Welt, an dem wir das „Böse“ verwandeln können.
      Wenn wir diese Chance nicht ergreifen, wird sich nichts ändern können an dem Kreislauf des Auge um Auge, Zahn um Zahn

      Herzlich,
      Ingrid

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    2. Ich denke mal, dass nicht nur die Seele der Ort ist, um das "Böse" zu verwandeln. Auch wenn wir verstandesmäßig das "Böse" erkennen, birgt das die Chance in sich, es zu besiegen.

      Es muss ja nicht gleich "Auge um Auge, Zahn um Zahn" geschehen, also mit den gleichen Waffen, denen des "Bösen", wie z.B. Krieg.
      Wichtig wäre schon mal, das Böse zu erkennen, es als solches zu bezeichnen, d.h. auch es überhaupt erst mal beim Namen nennen zu dürfen, um dann diejenigen, die sich als die "Guten" bezeichnen, in Wirklichkeit aber "böse" sind, nicht nur als solche zu bezeichnen, sondern im Anschluss auch dem allgemeinen Gelächter preiszugeben.
      Das wäre sicher eine wirksamere Art der Bekämpfung, als z.B. das heute übliche "Krieg führen um des Friedens willen". Also Freiheit der Gedanken und der Rede, als Voraussetzung wie auch Garantie das Böse in den Taten verhindern zu können.

      Das heute übliche - meist einseitige - Ausblenden des Bösen in der Welt abzustellen, wäre zweifelsohne ein erster Schritt. Er müsste aber bei den innersten Schichten um uns herum beginnen, also in unserem näheren Umfeld, bevor wir dazu übergehen den "Schuldigen" weit weg von uns zu suchen, wie es leider in unserem System die Regel zu sein scheint.
      Also z.B. dieses permanente "Russland-bashing" gerade in diesem Blog, während westliche Politik geradezu heilig gesprochen wird. Das "Böse" rein geografisch oder politisch zu definieren, ist einfach nur einfältig.
      In Wahrheit trennt die Grenze zwischen Gut und Böse kein Land, kein politisches System und keine Menschen von jeweils "anderen" Ländern , Systemen und Menschen.
      Sie verläuft ausnahmslos im Inneren eines jedes Landes, Systems, einer jeden "Lehre" wie auch durch das Herz eines jeden einzelnen Menschen.
      Eiseitige Darstellung des "Bösen" verzerrt die Weltsicht und liefert mit Sicherheit nicht die wirksamsten Ansatzpunkte für dessen Überwindung.
      Ganz im Gegenteil, es schützt es auf indirekte aber praktisch sicherere Weise als offene Verteidigung.

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    3. @ Rudolf:

      »diejenigen, die sich als die "Guten" bezeichnen, in Wirklichkeit aber "böse“ sind«
      Wie schon erwähnt: Ich bin überzeugt davon, daß es weder „Gute“ noch „Böse“ gibt, sondern nur Mischungen von „Gut“ und „Böse“.

      »Ich denke mal, dass nicht nur die Seele der Ort ist, um das "Böse" zu verwandeln.«
      Und ich bin überzeugt davon, daß die menschliche Seele der einzige Ort ist, wo „Böses“ (oder auch „Gutes“) überhaupt existieren kann.
      Weder Naturphänomene (Schwerkraft, Magnetismus, Elektrizität...) noch Sozialsysteme (Kapitalismus, Kommunismus … sonst ein ismus) können „böse“ sein. Sie funktionieren nach den ihnen innewohnenden Gesetzen, ohne sich um „Gut“ oder „Böse“ zu kümmern.
      Auch ein Löwe, der eine Gazelle tötet, handelt nicht „böse“. Er tut, was er tun muß, weil er ein Löwe ist.

      Und ich bin überzeugt, daß nicht einmal die in der Anthroposophie als „Widersacher“ bezeichneten Mächte, für sich genommen, „böse“ sind. Es kommt einzig darauf an, wie der Mensch mit ihnen umgeht.

      Unter dieser Voraussetzung (also, daß politische Systeme oder „Lehren“, für sich genommen, nicht „böse“ sein können) stimme ich Dir zu:
      »In Wahrheit trennt die Grenze zwischen Gut und Böse kein Land, kein politisches System und keine Menschen von jeweils "anderen" Ländern , Systemen und Menschen.
      Sie verläuft ausnahmslos im Inneren eines jedes Landes, Systems, einer jeden "Lehre" wie auch durch das Herz eines jeden einzelnen Menschen.«


      Und ich sage nicht, daß es niemals angebracht sein kann, mit ähnlichen Waffen „zurückzuschlagen“: es sollte, meiner Ansicht nach, halt nicht reflexartig geschehen, sondern in dem Bewußtsein dessen, was man da tut.

      Natürlich fällt mir dazu wieder mal Mahatma Gandhi ein (von dem man wohl nicht wird sagen können, er habe das „Böse“ dort draußen in der Welt ausgeblendet):

      Jemand fragte Gandhi:
      »Stell Dir vor, Du sitzt auf einer Wiese. Am anderen Ende dieser Wiese liegt ganz friedlich ein kleines Baby. Da siehst Du, wie eine Kobra sich diesem Baby nähert - gleich wird sie es erreicht haben!
      Es ist viel zu weit weg, als daß Du noch rechtzeitig hinlaufen, das Baby auf Deine Arme nehmen und es so aus dieser Gefahr retten könntest, und außer Dir ist niemand in der Nähe.
      Neben Dir liegt ein Gewehr. Würdest Du schießen?«
      Und Mahatma Gandhi antwortete:
      »Ja. Wahrscheinlich würde ich schießen.
      Aber niemals würde ich sagen, daß das „gut“ ist!!!
      Sondern es wäre eine Folge meiner eigenen Unvollkommenheit: denn wenn ich vollkommener wäre, dann wäre es mir möglich, diese Situation mit Liebe zu lösen statt mit Gewalt.«

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    4. Klar gibt es keine allgemeingültige Definition des Bösen, bzw. des Guten. Es kann nur subjektiv sein, auf eine Person selbst, auf eine mehr oder weniger große Gemeinschaft von Menschen, oder auch z.B. einen ganzen Staat bezogen. Je weiter von uns weg die betroffene Hülle reicht, umso schwerer fällt es uns, irgendwelche gemeinsamen, d.h. auf alle sich darin befindlichen Individuen anwendbare Begriffsdefinitionen des Bösen zu finden.
      Vieles was heute für die Bürger schlecht ist, kann vom Standpunkt der Regierenden aus betrachtet gut sein, und natürlich auch umgekehrt. Blickwinkel und Standpunkt sind entscheidend.
      Problematisch wird´s eben dann, wenn man als Bürger mit Denk- und Redeverboten belegt wird, man nicht mehr frei aussprechen darf, was man meint was für einen selbst gut ist.
      Die heute immer mehr grassierende arrogante Bevormundung durch die Hüter der political correctness, die augenscheinlich und offensichtlich nicht mehr dem Wohl des Einzelnen dient, sondern nur einer immer enger gefassten Schicht von Profiteuren Vorteile bereitet, ist das wirklich epochal Gefährliche in der heutigen Zeit.
      Dann kommt es unweigerlich zu dieser zwanghaften fatalen Schwarz-Weiss-Sicht aller Dinge, mit dessen Rückenwind eine Minderheit sich anmaßt zu entscheiden, was für die Mehrheit sowie auch für jeden einzelnen gut und böse ist.

      Die Anmaßung der Deutungs- und Definitionshoheit des Bösen im Sinne eines geistigen Machtinstrumentes, sozusagen.

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  4. Liebe Ingrid

    Nur zwei Gedankensplitter. Vielleicht zum Mitbedenken, hier in diesem Zusammenhang.
    Mit einem lieben Gruss, Bernhard Albrecht


    „Früh morgens“(08.11.2016) www.wege-der-befreiung.blogspot.com

    … der Ver-Führungen sind nicht wenige …
    zu Deinem Heile!

    Sie sollen Dich stark machen
    Deine innere Mitte
    kraftvoll zum Ausdruck zu bringen …


    „Die grosse Täuschung“(23.09.2016) www.wege-der-befreiung.blogspot.com


    … Ist die Wahrheit also ein Boxsack der politischen Eliten
    der beliebig in Rotation versetzt werden kann
    im Pingpong Spiel wechselseitiger Täuschungen oder?
    Zeigt dieses Pokerspiel nur auf
    unser aller tagtägliche Masken Scharade
    mit der wir den Blick in den eigenen Spiegel meiden? …

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  5. @ Ingrid: " Ich bin überzeugt davon, dass es weder "Gute" noch "Böse"gibt, sondern nur Mischungen von "Gut" und "Böse"."

    Liebe Ingrid, Du hast zwar "Rudolf" geantwortet, aber "Rudolf" und ich sind nicht identisch ! Finde das Thema wert, behandelt zu werden und meine, es geht uns alle ja an. Bin auch der Meinung , dass in jedem Menschen diese "Mischung" da ist. Jeder Mensch kann lieben und kann aber auch hassen.
    Möchte dazu Rudolf Steiner zu Wort kommen lassen. Zitat aus GA 175, S. 241:
    "Es wird eine Zeit kommen, da wird man sagen: Wie redet ihr von Gut und Böse ? Gut und Böse, das macht der Staat. Was in den Gesetzen steht, dass es gut ist, das ist gut; was in den Gesetzen steht, dass es unterlassen werden soll, das ist böse. Wenn ihr davon redet, dass es ein moralisches Gut und Böse gibt, so seid ihr krank !
    Und man gibt ihnen Arzneien, und man wird die Leute kurieren.Das ist die Tendenz. Das ist keine Uebertreibung, das ist nur das Fenster, durch das ich Sie blicken lassen möchte. Dahin geht der Lauf der Zeit. Und was im siebenten nachatlantischen Zeitraum folgen wird - durch dieses Fenster will ich Sie vorläufig nicht blicken lassen. Aber wahr ist es."

    Tendenzen bzw. Trends gibt es schon. Nur ist eine Frage, wer Trends selber setzt und wer Trends einfach nur nachläuft. Es gibt heute schon den Trend zur "political correctness". Aber ich bekenne, diesen Trend nicht selber mit gesetzt zu haben und bekenne auch, ihm nicht nachlaufen zu wollen.

    LG: Michaela

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