Burghard Schildt: Von der Freiheit des Autors

Das Denken ist das sich selbst tragende Urwesen. Das Weltgeschehen ist der Wille des Denkens, sein Wesen in Selbstoffenbarung zu entfalten. Jedes Wesen ist lebendig. Und so ist das Weltganze das Gedankenleben des Denkens. Es gehört zum Wesen des Lebens, das es mit allen seinen Teilen in inniger Verbundenheit lebt. Dieses Lebewesen ist die Sozialgestalt des ursprünglichen, also freien Denkens. Als das ist es das aus Freiheit handelnde Geistwesen. Es gehört zum Wesen des freien Geistes, das Geistesleben der Freiheit zu sein. Zu dem Buch „Die Philosophie der Freiheit“, sagte Rudolf Steiner: „Dieses Buch ist nicht so wichtig durch das, was drinnen steht; natürlich, das, was drinnen steht, wollte man schon auch damals der Welt sagen, aber das ist nicht das Allerwichtigste, sondern das wichtigste bei diesem Buche ist, dass zum ersten mal ganz und gar selbstständiges Denken in diesem Buche ist.“ Der Buchtitel will also rückwärts gelesen werden. Eben so, dass das Freiheitswesen als Autor des Buches gewahrt ist. Vom selben Autor erschien das Buch: „Die Kernpunkte der sozialen Frage“. Mit „sozial“ ist gesagt, das es das Weltlebewesen ist, das diese Frage darlebt und deren Kernpunkte in Gedanken kleidet. Der Untertitel lautet daher: In den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und der Zukunft.  Das Lebewesen selbst wird in dem Buch mit dem Wort 'Mensch' benannt. Der soziale Organismus der Selbstoffenbarung des Urwesens ist offenbar ein Mensch. Damit ist vom Autor der Begriff desjenigen Menschen aufgestellt, den ein jeder Mensch idealisch in sich  trägt. Dazu Rudolf Steiner: "Der durch abstrakte Schlussfolgerung angenommene Gott ist nur der in ein Jenseits versetzte Mensch..

Mithin: Der idealische Mensch in Rudolf Steiner ist der Autor der angeführten Schriften. Damit ist darauf hingewiesen, dass sie als Allgemeingut der Menschheit zuteil geworden sind. Das Allgemeingut verdankt sich der Güte derjenigen, die aus gutem Willen ihre Güter der Menschheit als Guthaben überweisen konnten. Auf Rudolf Steiner bezogen bedeutet das: Aus gutem Willen konnte er seine Seelensubstanz zu freier Verfügung stellen. Dafür, das der idealische Mensch in ihm, sich ihrer bedienen kann.

Dazu Rudolf Steiner: „Es handelt sich dabei nicht um ein Konstruieren oder Schaffen einer subjektiven Welt, sondern darum, dass wir gleichsam Seelensubstanz aus uns heraus spinnen. Und die höheren Welten, in die wir uns hineinleben, müssen diesen Umweg wählen, damit wir ihnen gegenübertreten und sie erkennen können. Sie müssen erst durch unsere eigene Seelensubstanz, die wir ihnen zur Verfügung gestellt haben, durchkriechen." Rudolf Steiner gelingt das, indem er sich von seiner Seelensubstanz unterscheidet. Und so, in Verschiedenheit, sich in idealischer Selbstkritik findet. Mithin in der Selbstunterscheidung desjenigen Menschen, der in der Menschheit seine Sozialgestalt darlebt.

Dazu Rudolf Steiner: „Es ist der Inhalt der Sachen, die durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gegeben werden, nicht so, dass er irgendwie sich eignet für eine sektiererische Bewegung; sondern er ist durchaus so, dass er hineingestellt werden kann als etwas, was Impulse abgeben kann für Weltwirkung. Aber dazu ist eben notwendig, dass jeder seine Kraft einsetzt.“ Die erwähnten Schriften sind so verfasst, das ein gewillter Leser sich in Unterscheidungskraft üben kann. Mithin dafür, das sich jemand, anhand ihrer, in die Schulung begeben kann, aus der man eines guten Tages diejenige Kraft zu freier Verfügung hat, die Seelensubstanz für den Autor, also den idealischen Menschen, hingeben kann.


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