Der innere Reichsbürger oder: Geistiger Bankrott an der "Schwelle"

Der Alltag eines Meisters ist auch nicht ganz einfach. Das wissen wir auch aus den Briefen Rudolf Steiners an Marie, in denen er sich während seiner Vortrags - Tourneen über eiskalte Gästezimmer und nervige Gastgeber beschwerte. Der selbstauferlegte, stramme Zeitplan seiner Vorträge, Scharen von Beratung suchenden Anhängern inmitten einer Fülle von Aufgaben, schwer zu erfüllende Publikationstermine, die Ahnung von Unheil und Aufruhr in Vorkriegs- Stimmung- das war die Situation einer Vortragsreihe in München 1913*.

Man sollte glauben, dass Steiner sich hier thematisch ein wenig in eine schwankende Beliebigkeit retten würde. Denn einerseits hatte er gerade eines seiner zentralen Bücher, „Die Schwelle der geistigen Welt“, fertig gestellt, worauf er mehrfach hinweist. Andererseits war München seit 1907 fast jährlich Ort zahlreicher Uraufführungen gewesen- sei es von Edouard Schures Dramen oder Steiners eigener Mysterienstücke. Zudem bereitete er gerade die erste große öffentliche Eurythmie- Aufführung in diesen Tagen vor. So hat man im Vortragszyklus einen thematischen Mix zwischen zeitgenössischen Anekdoten, Erläuterungen zu den Mysteriendramen, Ausflügen zu spezifischen Problemen der „Schwelle“ - des Übergangs zwischen rationalem Alltags- Denken und meditativer Versenkung-, aber auch typischen Ausflügen in menschliche Abirrungen bezüglich „ahrimanischer“ und „luziferischer“ Einseitigkeiten. Aber Steiner wäre nicht Steiner, wenn er nicht in dieser mehrfach überfrachteten und überlagerten thematischen Mixtur konstruktive, praktische und konkrete Spuren entwickeln würde, die zwar in seinem typischen Jargon und in seiner Bildsprache verbleiben, aber doch fruchtbar bis in die Gegenwart interpretiert werden können.

Was also kann man einem solchen spirituellen Vortragszyklus aktuell entnehmen? Das krisenhafte - freiwillige oder unfreiwillige - Herangeführt- Werden an eine Ausnahmesituation des Bewusstseins, der moralischen Mitte, der integralen Person, die bei Steiner 1913 noch ganz in eine Mysterien- Szenerie gebettet war, ist heute aus keiner Biografie mehr heraus zu denken. Das mentale, politische, persönliche und in die Beziehungen eingreifende Krisen- Szenario hat Steiner bereits vor dem verheerenden Ersten Weltkrieg als eines beschrieben, das als das „ideale normale Hinaufleben in die geistige Welt“ nie stattfände. Es gäbe die Seele „kaum“, die „gar keine irgendwie gearteten Störungen hätte“ (1). Positiv konstatierbar sei: „Jede Seele hat ihren individuellen geistigen Pfad“. Das reale Krisenszenario sei ein Auseinanderfallen der Persona in divergierende Impulse, denen nur durch eine „erstarkte Seele“ begegnet werden könnte. Das Ausmaß der Konsequenzen personaler und psychischer Divergenz malt Steiner quer durch den Vortragszyklus aus. Dadurch wird die damalige Ausnahmesituation, die Steiner selbst - wie er sagt- bewusst „dramatisch“ darstellte, für die heutige Situation zum biografischen Normalfall.

Mit der Affinität von Grenzsituationen an der Nahtstelle zwischen Erkenntnis und psychischer Krise haben sich schon in den 80er Jahren anthroposophische Psychotherapeuten beschäftigt (2) Auch Dr. Werner Priever bezieht sich im Aufsatz „Doppelgänger und Krankheit“ auf den oben genannten Vortrags- Zyklus. Die seelisch- geistige Gesundheit bewegt sich zwischen zwei Einflussbereichen, dem (nach Steiner “luziferischen“) individuellen und dem kollektiven („ahrimanischen“) Schatten.

Der Erste kommt auf durch das „innere Vorstellen, das Sich- Erarbeiten der Weltengeheimnisse“ (3) mit der Tendenz zum Grübeln, Sich- Verspinnen, Abkapseln, individualistische Selbstreferenz im Aufbau einer komplett eigenen Wirklichkeit, um sich schließlich zu verwickeln in das nur „Seelisch- Fühlsame“ (4). Die beobachtbaren Phänomene für den Psychotherapeuten sind „Schwärmerei, illusionäres Denken, Eitelkeit, Selbstgefälligkeit, Hochmut und aller falscher schwärmerischer Idealismus“ (4). Man sieht hier, aus heutiger Sicht, die politischen Hasardeure, spekulativen Naturen, Reichsbürger- Typen mit eigenen, selbsterrichteten illusionären Königreichen, die Narzissten und rechthaberischen Spinner.

Der kollektive Schatten umfasst dagegen Typen, die „denken nicht gerne“ (Steiner, 3) und „nehmen alles auf das Hinhorchen, auf die Autorität hin an“ (Steiner, 3), lassen sich von Trends, einer „Dogmatik der äußeren Erfahrung“ (3), von Populisten und Peergroups dominieren und mitreissen: Das jeweilige Kollektiv oder die Führer- Persönlichkeit prägt den denkfaulen, passiven, unzufriedenen Mitläufer. Man möchte heute eine Verbindung sehen zwischen dominierenden Narzissten und rebellischen Grüblern, die, sich gemeinsam aufstachelnd und als Opfer inszenierend, in ihrem Hass vereint agieren gegen Aufklärung, den Liberalismus, Meinungsfreiheit, globale Bewegungsfreiheit und Emanzipation von geschlechtlichen Rollenfixierungen; Trends, die durch das Selbstreferentielle der sozialen Netzwerke endlos verstärkt werden. Im Fake- News- Zeitalter der Trumps, Erdogans und Putins kann man die medial „auf das Hinhorchen“ gedrillten Fantasten und individualistischen Grübler in Massen politisch lenken, und zwar in einem durchaus globalen Massstab. Der kollektive und individuelle Doppelgänger, verstrickt in die Parallelwirklichkeit und in ihren Narzissmus, wirken bestens zusammen.

Sicherlich hätte sich Rudolf Steiner in dieser visionären Sicht nicht träumen lassen, dass ganze Teile seiner Anthroposophischen Gesellschaft nicht nur ihn selbst als reine, wortwörtlich aufzufassende Autorität missverstehen, sondern den schlichtesten okkulten und politischen Populisten folgen würden statt das eigene, selbständige Denken so zu stärken, dass es „so lebendig in der Seele lebt, wie das Wahrnehmen lebendig lebt“ (3). Das hat er nicht kommen sehen.

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*Rudolf Steiner, Die Geheimnisse der Schwelle
1 dito, S. 116f
2 Therapie seelischer Erkrankungen aus anthroposophischer Sicht. Grundlagen- Wege- Aufgaben. in: Beiträge zur Ausgestaltung einer anthroposophisch orientierten Psychotherapie. Band I, Stuttgart 1979
3 Steiner, Geheimnisse der Schwelle, S. 98f
4 Formulierung von Steiner nach Priever in 2, S. 60

Kommentare

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    1. Das ist hart: "Fünf Franken gingen dafür an den Staat, der Steiner damit der gleichen Gruppe wie «reisende Komödianten, Budenhalter, Taschenspieler, Musikanten und Karusselbesitzer» zuordnete."

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    2. NaJa, im alleralleralleralleraller weitesten Sinne ist Anthroposophie ja eine virtuelle Geisterbahn...

      s.b.

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  2. 'Sicherlich hätte sich Rudolf Steiner in dieser visionären Sicht nicht träumen lassen[...].Das hat er nicht kommen sehen.
    '
    //
    Ich denke, so blind war er nicht!
    Ein großer Teil seiner Saat ist ja aufgegangen und in allen christlichen Strömungen gilt ja das Gleichnis vom Apfelbaum, den man auch am Vorabend des Weltuntergangs noch pflanzt - an diesem Gleichnis würde er sich sicher auch orientiert haben, unabhängig von jeglicher Zukunftsprognose...

    s. birkholz

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    1. Nicht die Menschen folgen heute wie damals den Populisten, sondern der Populismus folgt bzw. ist eine Folge, man kann auch sagen ein gewolltes Nebenprodukt, der Anwendung okkultistischer Methoden.
      Steiner wollte durch seine konsequent betriebene Offenlegung okkultistischer Methoden bewirken, dass die Menschheit durch Erlangung einer höheren Bewusstseinsstufe diese Methoden durchschauen lernen sollte um sich ihren Auswirkungen zu entziehen.
      Da bis heute ein Großteil seiner Anhänger ihn aber als Autorität sehen und ihn weiter so promoten, dessen Worte so zu nehmen sind wie sie geschrieben stehen, also praktisch ein Verbot aussprechen, ihn als jemanden zu bezeichnen, der seinen Zeitgenossen verdeckte Botschaften zukommen lassen wollte, ist das Ergebnis heute immer noch dasselbe. Das bedeutet, dass seine Hinterlassenschaften weiter im okkultistischen Sinne verwendet und wirksam sein gelassen werden, mit den seit Jahrtausenden immer wiederkehrenden negativen Auswirkungen. Letztere konnten in früheren Zeiten verschmerzt und verkraftet werden, waren der Menschheitsentwicklung nicht unbedingt hinderlich, heutzutage gefährden sie allerdings wegen der technologisch veränderten Ausgangslage den gesamten Planeten.

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    2. »Steiner wollte durch seine konsequent betriebene Offenlegung okkultistischer Methoden bewirken, dass die Menschheit durch Erlangung einer höheren Bewusstseinsstufe diese Methoden durchschauen lernen sollte um sich ihren Auswirkungen zu entziehen.«
      und
      »... also praktisch ein Verbot aussprechen, ihn als jemanden zu bezeichnen, der seinen Zeitgenossen verdeckte Botschaften zukommen lassen wollte«

      Es liegt mir fern, ein solches Verbot auszusprechen.
      Aber - wie schon im vorigen thread erwähnt - es würde mich wirklich interessieren, wie Du Deine Behauptung begründest.

      Solange Du keinerlei Begründung dafür angibst, werde ich auch weiterhin die Annahme, daß Steiner seinen Zeitgenossen »verdeckte Botschaften zukommen lassen wollte«, als unsinnig betrachten.

      Ingrid

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    3. Rudolf, die ganze Anthroposophie ist nur und ausschließlich ein Komplott der alles bestimmenden anglo-amerikanischen Weltregierung mit dem perfiden Ziel, durch wildseidene Unterwäsche die deutsche Feinripp-Kultur zu zerstören - Steiner war lediglich deren Marionette.
      Ich würde mir da an Deiner Stelle keine großen Gedanken über 'versteckte Botschaften' machen...

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  3. Sieben Jahre später, in Grenzen der Naturerkenntnis (1920), nannte Steiner diesen kollektiven Dogmatismus, Wahrnehmung und Aberglauben ‘eine Metamorphose der Furcht‘ und einen ‘unbewußten Drang nach Imagination‘.

    “Der Dogmatismus aller Sorten ist nichts anderes, als ins Geistig-Seelische übersetzt dasjenige, was dann auf einer tieferen Stufe ins Pathologische übertragen in der Platzfurcht und dergleichen zu Tage tritt, und was deshalb, weil es verwandt ist, sich auch in etwas zeigt, was eine Metamorphose der Furcht ist, in allerlei Aberglauben. Aus dem, was sich da als Dogmatismus entwickelt hat, was, ich möchte sagen, aus dem unbewußten Drang nach Imagination entsteht, der aber zurückgehalten wird durch Gewaltmächte, aus dem, was sich da entwickelt, entstehen alle Arten des Dogmatismus.“ 322.107 f. (vgl. die Darstellung der Furcht in Geheimwissenschaft 13.256 und 270 f.).

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    1. Ton, Deine Steineraussage mit der Lebenslänglichen Abhängigkeit beschäftigt mich immer noch. Eigentlich ist der Zusammenhang ja recht gut nachvollziehbar, aber dass es da unterschiede zwischen westlicher und mitteleuropäischen Geheimwissenschaft geben soll, dazu finde ich keinen rechten Zugang...

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    2. @ Ingrid,

      ich gehe immer noch davon aus, dass hier (in diesem Forum) um die Möglichkeit von Meinungsäußerungen und nicht um wissenschaftliche Diskussionen geht, bei welchen alles grundsätzlich mit Beweisen und Begründungen belegt sein muss, um nicht als "Unsinn" abgekanzelt zu werden.

      Vielleicht wäre es sogar nach allgemeinem Dafürhalten angebrachter, für das "Attribut" Unsinn eine Begründung anzugeben, denn die Alternative wäre ja immer noch, abweichende Meinungen einfach stehen zu lassen.

      Mein tiefer Respekt vor der Persönlichkeit Rudolf Steiners, sowie die Gegenüberstellung seines Lebenslaufs und seines Werks mit dem, was gläubige Anthroposophen teilweise schon zu seinen Lebzeiten, im Wesentlichen aber doch posthum aus ihm gemacht haben, führen mir persönlich unmissverständlich vor Augen, dass er dies unmöglich selbst so gewollt haben kann.

      Anders herum ausgedrückt, so etwas anzunehmen, also beispielsweise auch , dass seine Mitteilungen über die geistige Welt wörtlich zu nehmen sind, und nicht im Sinne von Gleichnissen, bzw. Beschreibungen der Instrumentarien und Anleitungen für das eigene geistige Schaffen und das selbstbestimmte Denken, käme für mich geradezu einer Verhöhnung Rudolf Steiners gleich.

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    3. Steiner behauptete hier (1920) eigentlich, dass er 1. selber erfahrungsgemässer, christlicher, mitteleuropäischer Eingeweihter sei (er braucht daher für sein Wissen keine Quellen zu geben), und 2. ‘lebenslänglich‘ abhängig von seinen Schülern sei (quasi umgekehrt wie beim Guru).

      Und so möchte ich denn heute zu Ihnen von einer Tatsache sprechen, die nach der Meinung namentlich westlicher Vertreter der Einweihungswissenschaft eben nicht besprochen werden soll. 197.36
      In westlichen Ländern ist es heute mit der gebräuchlichen Einweihungswissenschaft noch vielfach so, daß sie ferne steht dem Christentum; …
      Es ist eine Eigentümlichkeit dieser westlichen Einweihungswissenschaft, daß derjenige, der dort eingeweiht ist, nur etwas hat von seiner Einweihung, wenn er wenigstens einen Schüler hat, der seine Vorstellungen wiederholt. …
      In der Tat, wenn es so ist, dann gilt es, daß derjenige, der einem andern verrät, daß er selber ein Eingeweihter ist, lebenslänglich in die Gewalt dieses andern kommt; denn der andere kann ihm den Dienst aufsagen und kann ihm sagen: Ich wiederhole deine Vorstellungen nicht. - Es kommt eine gewisse Abhängigkeit heraus unter diesem Prinzip. Das gehört im wesentlichen zu den charakteristischen Eigenschaften derjenigen Einweihungswissenschaft, von der ich Ihnen oftmals von andern Gesichtspunkten aus als herrschender Einweihungswissenschaft des Westens erzählt habe. 197.37

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    4. Danke, Ton!

      In westlichen Ländern ist es heute mit der gebräuchlichen Einweihungswissenschaft noch vielfach so, daß sie ferne steht dem Christentum

      ...das ist wohl der Schlüssel zum Verständnis, den unter dem Einfluss des Christuswirkens unterliegen alle Abhängigkeitsverhältnisse einem andern Prinzip...

      s. birkholz

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    5. ‘Die seelisch- geistige Gesundheit bewegt sich zwischen zwei Einflussbereichen … das eigene, selbständige Denken‘
      Beim aktuellen Thema gibt es also ebenfalls ‘einen mittlerer Zustand‘, einen Tun zwischen Denken und Wahrnehmen:

      “Man kann aber einen mittleren Zustand einhalten, sozusagen zwischendurchgehen. Man braucht weder bloß zu verweilen in dem abstrakten, grüblerischen Denken, wobei man sich einsiedlerisch in der Seele abschließt, noch sich hinzugeben dem bloßen Hinhören und Hinsehen auf das, was die Ohren und Augen wahrnehmen können. Man kann noch ein anderes tun, indem man das, was man denkt, innerlich so lebendig macht, so kraftvoll macht, daß man den eigenen Gedanken wie etwas Lebendiges vor sich hat und in ihn lebendig sich vertieft wie in etwas, was man draußen hört und sieht, so daß der eigene Gedanke so konkret wird wie das, was man hört oder sieht.“ 147.98 f.

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    6. Wobei es Steiner um einen aktiven Ausgleich geht, um eine bewusst hergestellte Balance: die Sensorik in ihrer Dominanz meditativ zurück halten, und stattdessen das sonst eher passive Denken stärken. Gemeint ist ein meditativer Bewusstseins- Zustand, nicht nur ein *Ausgleich*.

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    7. @ Ton,

      ja danke, Steiner als "Anti-Guru", das hat was in sich.
      Steiner wirkt, durch das was seine Schüler aus ihm machen.

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    8. vgl. auch Achtsamkeit, bei Freud: kritiklose Selbstbeobachtung
      https://de.wikipedia.org/wiki/Achtsamkeit_(mindfulness)

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    9. @ Ton:
      »Steiner behauptete hier (1920) eigentlich, dass er 1. selber erfahrungsgemässer, christlicher, mitteleuropäischer Eingeweihter sei (er braucht daher für sein Wissen keine Quellen zu geben), und 2. ‘lebenslänglich‘ abhängig von seinen Schülern sei (quasi umgekehrt wie beim Guru). «

      Ich finde nicht, daß Steiner das behauptet.
      Er unterscheidet zwischen „westlich“ und „mitteleuropäisch“.

      Ein paar Zeilen unter dem von Dir Zitierten heißt es:
      »Diese Anschauung, die überwunden werden muß von der neueren Zeit, die kann gar nicht in Mitteleuropa gelten, und es muß gerade der Geist, der in Mitteleuropa sein sollte, diese Anschauung bekämpfen.«
      und etwas später (und damit Stephan Recht gebend):
      »Nun gibt es gegenüber dieser Abhängigkeit von der Anhängerschaft nur ein einziges: Die Gemeinschaft zu haben mit dem Christus, der ja seit dem Mysterium von Golgatha auf der Erde wirklich zu finden ist. Wer in dieser Gemeinschaft nicht mit einem nichtsinnlichen Menschenwesen, sondern mit dem unter die Menschen gegangenen ersten Bruder die Gemeinschaft hält, […] der braucht nicht davor zurückzuschrecken, seine eigene Weisheit an die Mitwelt mitzuteilen.«

      :-) Übrigens haben wir darüber schon einmal gesprochen, hier habe ich damals ausführlicher aus GA 197 zitiert...

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    10. Wer heute aus Angst das Wort "mitteleuropäisch" überhaupt in den Mund zu nehmen, weil möglicherweise negativ besetzt, bewusst oder unbewusst einer Analyse der betreffenden steinerschen Texte mit Widerwillen gegenübersteht, kann auch niemals ein Verständnis für die Hinweise Steiners zu Mitteleuropa entwickeln, die heute absolut nichts an Aktualität eingebüsst haben.

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    11. Klar Ingrid, Steiner behauptet das nicht, daher sage ich zugespitzt: ‘eigentlich‘. Es gibt Unterschiede zwischen beide Eingeweihten: das Erfahrungsmässige (eine eigene Weisheit), und das Christliche (das was Stephan den Schlüssel nennt).
      Aber, wie ich es lese, gilt die umgekehrte Abhängigkeit für beide, ‘eigene Weisheit‘ oder nicht, ‘ersten Bruder‘ oder nicht:
      ‘.. wenn er wenigstens einen Schüler hat der seine Vorstellungen wiederholt. Es nützt gar nichts, die Einweihungswissenschaft nur für sich allein zu haben.‘

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    12. @ Ton:

      »Es gibt Unterschiede zwischen beide Eingeweihten: das Erfahrungsmässige (eine eigene Weisheit), und das Christliche (das was Stephan den Schlüssel nennt).«
      Meinst Du, laut Steiner habe der „mitteleuropäische Eingeweihte“, im Gegensatz zum „westlichen“, keine „eigene Weisheit“?
      Das sehe ich nicht so: Steiner spricht ja ausdrücklich davon, daß der „mitteleuropäische Eingeweihte“, so er »die Gemeinschaft hält« mit dem Christus, nicht davor zurückzuschrecken braucht, »seine eigene Weisheit an die Mitwelt mitzuteilen«.
      Dieser „christliche Eingeweihte“ hat also sehr wohl durch eigene Erfahrung erworbene Weisheit – aber er kann sie anderen als seine eigene Weisheit mitteilen, was der nicht-christliche lieber nicht tut, um nicht in Abhängigkeit zu geraten.

      Diese Abhängigkeit des Eingeweihten von seinem Schüler resultiert daraus, daß der „westliche Eingeweihte“ seine eigenen geistigen Begriffe nur dann wahrnehmen kann, wenn er »auf die Wiederholung [seiner] Vorstellungen bei einem anderen schauen« kann. Und der Schüler könnte sich weigern, diese Vorstellungen zu wiederholen…

      Das finde ich interessant, wenn auch noch nicht ganz begreiflich:
      Wenn der „westliche Eingeweihte“ seine eigenen geistigen Begriffe ohne Wiederholung durch einen anderen nicht wahrnehmen kann, wie könnte er sie dann einem Schüler überhaupt mitteilen, damit der sie dann wiederholt?
      Und: was spräche dagegen, diese Vorstellungen, falls der Schüler die Wiederholung verweigert, einem zweiten, dritten oder vierten Schüler mitzuteilen?
      Oder würden diese Vorstellungen dem Eingeweihten nur vor, nicht aber nach der ersten Mitteilung wahrnehmbar sein?

      Aber wie dem auch sei: für Steiner folgt offenbar daraus, daß die „Initiationsweisheit“, wenn es nach der westlichen Anschauung ginge, weiterhin geheimgehalten würde. Daraus aber könne sich kein zeitgemäßes Vorwärtskommen im Sozialen ergeben:
      »Und wenn aus der westlichen Initiationsweisheit allein herausgeboren würde ein soziales System, so würde das darauf beruhen müssen, daß die Initiationsweisheit selbst bis in weite Gebiete herunter […] geheimgehalten wird. Aber mit dieser Art von Geheimhaltung ist ja von vornherein nicht vereinbar das Prinzip der Gleichheit aller Menschen, welche immer mehr und mehr angestrebt wird von dem neueren europäischen, überhaupt vom modernen zivilisierten Menschentum.«

      Die „Abhängigkeit“, in die sich der „mitteleuropäische, christliche Eingeweihte“ begibt, ist also nicht eine Abhängigkeit von einem Schüler, sondern es ist eine Abhängigkeit vom Christus.
      Ist das nicht etwas fundamental anderes als eine Abhängigkeit von einem anderen Menschen?

      Insofern sehe ich immer noch nicht, wieso Du meinst, Steiner würde hier (in GA 197) „eigentlich“ behaupten, daß er »‘lebenslänglich‘ abhängig von seinen Schülern sei (quasi umgekehrt wie beim Guru).«


      Dennoch sehe auch ich eine Abhängigkeit Steiners von anderen Menschen – allerdings nicht, was die Mitteilung von bereits „fertigen“ geisteswissenschaftlichen Ergebnissen betrifft.
      Sondern Steiner konnte offenbar nur dann zu Antworten kommen, wenn ihm andere Menschen die „richtigen“ Fragen stellten: Marie Steiner fragte nach der Esoterik, Graf Keyserlingk nach der Landwirtschaft, Ita Wegman nach der Medizin… wo es keine Fragen gab, da konnte er auch keine Antworten geben.
      Eine zweite Abhängigkeit ergab sich natürlich mit dem Tod Rudolf Steiners: denn es hängt von den Lebenden ab, ob sein Impuls auf Erden weiterlebt oder nicht.

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    13. Ich meinte der „mitteleuropäische Eingeweihte“ habe laut Steiner gerade „eigene Weisheit“, d.h. Erfahrung (Aufmerksamkeit) kombiniert mit verschärftes Denken, ‘Einweihungswissenschaft‘.

      Siehe auch die bekannte Passage aus Mein Lebensgang über Steiners ‘eigene Forschung‘:
      “Ich hatte auch niemand gegenüber eine Verpflichtung zur Geheimhaltung. Denn ich nahm von «alter Weisheit» nichts an; was ich an Geist-Erkenntnis habe, ist durchaus Ergebnis meiner eigenen Forschung.“ Usw. 28.390 (vgl. auch Blavatskys eigene Offenbarungen 28.424)

      Die Abhängigkeit von Schülern entsteht dann, weil diese die vermittelte Begriffe individualisieren sollen d.h. zu eigenen Vorstellungen machen (Vorstellung ist individualisierter Begriff, PhdF).

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    14. »“Ich hatte auch niemand gegenüber eine Verpflichtung zur Geheimhaltung. Denn ich nahm von «alter Weisheit» nichts an; was ich an Geist-Erkenntnis habe, ist durchaus Ergebnis meiner eigenen Forschung.“«

      Andererseits gilt (auch für Rudolf Steiner, nicht wahr?) das Gesetz der universellen Brüderlichkeit:
      »Es können also selbst schon bekannte Tatsachen in der geistigen Welt nur geschaut werden, wenn man sich entschließt, sie auf gewöhnlichem Wege mitgeteilt zu erhalten und sie kennenzulernen. Das ist das Gesetz, das in der geistigen Welt für alle Zeiten hindurch die universelle Brüderlichkeit begründet. Es ist unmöglich, in irgendein Gebiet hineinzukommen, ohne sich zuerst zu verbinden mit dem, was schon von den älteren Brüdern der Menschheit erforscht und geschaut worden ist. Es ist in der geistigen Welt dafür gesorgt, daß keiner ein sogenannter Eigenbrötler werden und sagen kann: Ich kümmere mich nicht um das, was schon vorhanden ist, ich forsche für mich allein. - Alle die Tatsachen, die heute in der Theosophie mitgeteilt werden, würden von auch noch so sehr Ausgebildeten und Vorgeschrittenen nicht gesehen werden können, wenn man nicht vorher davon erfahren hätte. Weil dem so ist, weil man sich verbinden muß mit dem, was schon erforscht ist, deshalb mußte auch die theosophische Bewegung in dieser Form begründet werden.« (GA 264).

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    15. @Ton "Die Abhängigkeit von Schülern entsteht dann, weil diese die vermittelte Begriffe individualisieren sollen d.h. zu eigenen Vorstellungen machen ". Das nehme ich aus dieser Diskussion als Quintessenz- geradezu als Credo. Die "lebendig" (wortwörtlich aufgefasst) gewordenen eigenen Vorstellungen, zu denen Steiner nicht mehr als den Anstoss gab, machen den von Steiner so genannten "christlichen" meditativen Weg aus. Dieser zeichnet sich aus durch radikale Individualisierung.

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    16. Ein herkömmlicher Lehrer ist doch gerade dann wieder frei, wenn sich der Schüler das Vermittelte ganz individualisiert zu eigen gemacht hat und sich der Schüler dadurch ganz vom Lehrer losgelöst hat.
      Beide sind dann wieder frei, das ist gemeinsame Arbeit...

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    17. Steiners ‘eigene Forschung‘ war augenscheinlich einen erfahrungsmässigen, genaueren, wissenschaftlich-phänomenologischen Weg, nicht ein christlich-rosenkreuzerischen Weg:
      z.B. in Mein Lebensgang (Kap.22):
      „Das änderte sich völlig vom Beginne des sechsunddreißigsten Lebensjahres angefangen. Mein Beobachtungsvermögen für Dinge, Wesen und Vorgänge der physischen Welt gestaltete sich nach der Richtung der Genauigkeit und Eindringlichkeit um. Das war sowohl im Wissenschaftlichen wie im äußeren Leben der Fall. ... Eine vorher nicht vorhandene Aufmerksamkeit für das Sinnlich-Wahrnehmbare erwachte in mir.“ 28.316 (vgl. der ‘genauere‘ Weg in Geheimwissenschaft 13.343 f. und in Grenzen 322.103 f.)

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    18. Mit dem retrospektiven Blick auf das durch ihn Geschaffene hat er wohl nicht einen prädefinierten Weg beschritten, sondern das ihm Entgegengekommende weiterzuentwickeln und zu verbinden versucht:

      Erkenntnis- und Naturwissenschaft, Kulturtechniken (Pädagogik, Landwirtschaft, Medizin) und Esoterik/Spiritualität in ihren unterschiedlichen Manifestationsformen.

      Mit der zunehmenden Erkenntnis, dass das Christusmysterium das zenrale Ereignis des Erdenwerdens ist, hat er die Schwerpunkte entsprechend verlagert/gesetzt - wohl erkennend, dass keine andere Erdenströmung ohne dieses zentrale Element lebensfähig sein könnte.
      Steiner war ein Entwickler und Förderer für Entwickler und darum keiner vorbestehenden Strömung auf' s Strengste Verpflichtet - offen für alles, was Zukunftskeime einer bestimmten moralischen Qualität enthielt...

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    19. Ja, diese Steiners ‘zunehmende Erkenntnis‘ sei seine ‘Geistanschauung, die die Geistwelt genau wie die sinnenfällige im Wahrnehmbaren am Menschen und in der Natur erleben wollte‘, ein ‘Anschauen des Christentums‘, ein ‘Denken, das aus der Naturerkenntnis folgen kann‘, ein ‘Erkennen im besonnenen Bewußtsein‘ (Lebensgang, Kap.26), also das Gegenteil einer mystischen Erkenntnis.

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    20. @"radikale Individualisierung"
      super
      E.S.

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    21. Gibt's s da einen Unterschied zur individuellen Radikalisierung?

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    22. Ja, die Feinrippisierung kennt keinen Humor und verstellt die Perspektive.

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    23. "mitteleuropäisch" ... hat tatsächlich Aktualität, weil Europas Demokraten gerade ordentlich zusammenrücken und zu erwachen scheinen (inkl. vieler junger Europäer), um führende, weiße
      Feinri(a)pper und andere Radikale mehr und mehr den Stecker rauszuziehen ;))

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    24. sorry, führenden, weißen etc...

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    25. @ Valentin,

      ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen, um ja nicht in die Feinripp-Falle zu tappen. Nicht nur den weissen Radikalen den Stecker ziehen, sondern überhaupt allen Weissen, denn was haben die schliesslich heute in Mitteleuropa noch verloren? .... .;-)
      Mir fällt nur gerade kein passendes Steinerzitat ein, obwohl er sich doch an unzähligen Stellen dahingehend äusserte, einfach nur dumm.....

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    26. Ja, Rudolf!
      Leider ist Anthroposophie mit ihrer Seidenunterwäsche-Mission gescheitert, darum muss nun der Hula-Hula-Rock oder gar die Nackedei der Feinripp-Kultur endgültig den Garaus machen...
      //
      Leider wieder zugeschnappt!

      Aber zum Trost noch ein kleiner Witz:

      Kennst Du die?

      Was ist orange und geht über die Berge?
      Eine Wanderine.

      Was ist violett und sitzt in der Kirche ganz vorne?
      Eine Frommbeere.

      Was ist rot und sitzt auf dem WC?
      Eine Klomate.

      OK, aber den bestimmt nicht:

      Was ist rot und hält Vorträge?

      Ein Rudieschen!

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    27. Rudolf Steiner tatsächlich ein Roter, also einer von Euch?

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    28. @mitteleuropäisch
      Dumm gelaufen,wenn man Steiner einfach zu wörtlich nimmt...im Grunde war alles nur Schleichwerbung für die Marke "Alpinaweiss"....

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    29. Mitteleuropäisch sei ‘Streben nach Individualität … nicht etwa bloß die Deutschen‘ (287.38)
      Und Wiki/Mitteleuropa:
      “Mitteleuropa is also used in a cultural sense, to denote a fertile region whose thought has brought many fruits, artistic and cultural. It is also sometimes denote with the expression "Habsburg thought and culture." The rich Mitteleuropean literary and cultural traditions include Polish philosophy, Czech avantgarde literature, Hungarian social theory and science, Austrian lyric poetry, and the common capacity for irony and linguistic prowess.”

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    30. Danke für Hinweis auf GA 287

      Kannte bisher diesen Vortrag nicht.
      Interessant "Das Erleben des kosmischen Kreuzes".

      Inhalt des Vortrages verspricht, die Philosophie der Farbenspiele besser zu verstehen.
      E.S.

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    31. Ihr macht Euch doch nur alle miteinender lächerlich

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    32. @Ton
      Ja,sicher...
      Allerdings Individualisierung scheint ein dehnbarer Begriff zu sein...wohin soll die Reise gehen DEINER Meinung nach? Man sieht darin jedenfalls auch viele Egoismen oder skurrile Auswüchse ... und Kulturarroganz kann es doch auch nicht sein...wir sind und waren nicht besser oder schlechter als andere Völker ... wohin soll die Reise gehen? Und haben z.B. Esoteriker eine konstruktive Lösung angeboten oder gar nur uneindeutiger gemacht?

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    33. Individualisierung innerhalb einer Gemeinschaft zu leben ist sicher auch eine Kunst...vielleicht eine völkig neue, zu erlernende Kunst...

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    34. @Valentin
      Ja, ich glaube das ist es - aber ob das radikal geht?

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    35. ...konsequent (oder so) ist mir hier sympathischer als radikal .

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    36. ...und nicht zu vergessen - mit einer wie auch immer aussehenden Individualisierung ist immer auch der Überlebenskampf des Erdenmenschen verbunden, der natürlich auch seine Auswirkungen hat auf eine Individualität ... da bleiben negative Folgen nicht aus, wie z.B. wirtsch. oder gar ideologischer Opportunismus etc. ... deshalb ja auch die nicht ganz neue Diskussion um das Grundeinkommen für alle, den fairen Handel etc.. ... es fließen also auch soziale und wirtsch. Fragen mit ein...

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    37. Ich denke nicht, dass Individualisierung mit 'sich durchsetzen' verwechselt werden darf, sondern eher so, dass man innerhalb der Gemeinschaft den Platz findet, den man nur ganz individuell einnehmen und ausfüllen kann.
      Wenn man die Gemeinschaft im 'Kampf ums Überleben' zertrümmert, dann wird sie diesen Platz nicht mehr bieten können.
      Genauer betrachtet sind ja 'Egoismen' auch meist Gruppenegoismen und weniger individuelle Einzelegoismen...

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    38. Der konsequente radikale Individualismus passt sich nicht ein und an, um zu gefallen, sondern weil er andere Standpunkte versteht, akzeptiert und mitträgt. Er entscheidet sich, ohne mit zu schwimmen, aber auch ohne habituell gegen den Strom zu schwimmen.

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    39. Ich bin selbst mitteleuropäisch von österreichischen, tschechischen, polnischen und ungarischen Freudinnen beeinflusst. Und politisch-kulturell von scharfen Denker wie Konrad und Kundera:

      According to the Hungarian writer György Konrád, the Mitteleuropean spirit is "an aesthetic sensibility that allows for complexity and multilingualism, a strategy that rests on understanding even one's deadly enemy," a spirit that "consist of accepting plurality as a value in and of itself."
      Czech author Milan Kundera (emigrant to France) thus wrote in 1984 about the "Tragedy of Central Europe" in the New York Review of Books. Consequently, the English term Central Europe was increasingly applied only to the westernmost former Warsaw Pact countries (East Germany, Poland, Czechoslovakia, Hungary) to specify them as communist states that were culturally tied to Western Europe.


      Noch Steiner (1910) über Deutschland: “In der Zersplitterung der gemeinsamen deutschen Nation in die kleinern Volkspartien haben Sie ein Zusammenspiel der abnormen Geister der Persönlichkeit [Asuras] mit dem Erzengel. Solche Völker haben etwas wenig Zentralisiertes, sie sehen mehr auf die Ausbildung der Individualitäten.“ 121.63

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    40. Die Frage, wie sich eine Individualität in der Gesellschaft widerfindet, sich formt, geformt wird, ob sich "Egoismus" bildet, ist eine Erziehungsaufgabe, die meist an staatlichen Schulen vorgenommen wird. Fand gestern aktuell-erhellende Worte von Prof. Dr. Friedrich Funke:

      "Kinder und Jugendliche bilden sich ihr Weltbild im dialogischen Abgleich mit (gleichaltrigen und erwachsenen) Vorbildern und wahr-genommenen Normen. Besser noch als durch Vorbilder gelingt dies durch das (Vor-)Leben von Werten wie Freiheit, Solidarität, Respekt. Arbeitgeberverbände mögen gern noch Zuverlässigkeit und Leistungsbereitschaft hinzufügen. Empathie, sich in andere hineinzuversetzen, mit (weltanschaulicher, ethnischer, sexueller) Vielfalt umzugehen, "Emotionsregulation", also Konflikte, Rückschläge und Scheitern zu verkraften, dies sind Dinge, die gelernt werden müssen, geübt im doppelten Wortsinn. Wenn Kindern das vorgelebt wird, dann kommen sie aus sich heraus - induktiv - zum (jüdischen) Gebot der Nächstenliebe und zu Kants Kategorischem Imperativ. Man kann dies unterstützen, durch Politik- und Demokratiedidaktik, durch sozialpädagogisches Handeln, auch durch Musik-, Kunst-, Werk- und Sprachunterricht, schließlich auch durch selbst gewählten Religionsunterricht. Das Erfahren eigener Selbstwirksamkeit ist die Grundlage für den Respekt gegenüber Anderen und Anderem."
      http://www.freiepresse.de/LOKALES/MITTELSACHSEN/MITTWEIDA/Taugt-das-Kreuz-in-Schulen-zur-Wertevermittlung-artikel9866107.php




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    41. ,Radikal, passt irgendwie weder in der Bedeutung 'vollständig, gründlich', noch im Sinne von 'rücksichtslos, brutal'.
      'Entschieden, Konsequent' ist da einfach die erfolgversprechendere Variante...

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    42. Klingt sehr
      gut anonym...
      Ja, das sind alles gute Ansätze hier im Austausch ... schwierig wirds ja nur wenn der Beton schon angerührt und kurz vorm Aushärten steht...es bedarf da neben Offenheit, good will und etwas reflektieren,sicher auch einer gewissen Bildung mit einigerm. Spektrum...

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    43. Mathematik und Naturwissenschaft wirken disziplinierend, bildend und daher individualisierend.

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    44. @Valentin
      "Ja, das sind alles gute Ansätze hier im Austausch ... schwierig wirds ja nur wenn der Beton schon angerührt"

      dann wird´s manchmal "radikal"....

      E.S.

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    45. Wenn man nicht flexibel ist, kann man mit allem radikal verfahren, sogar mit der Zeitumstellung an diesem Wochenende - aber ob' s was taugt?

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  4. @ Stephan,

    deine Unterhosenweisheiten widerlegen sich wohl von selbst, auch ohne Rückschlüsse auf den Geisteszustand des Urhebers.

     Anders ist es mit dem Prinzip der Beweislastumkehr. Da hast du tatsächlich einen Punkt mit höchster Relevanz in der Entwicklung des heutigen Rechts- und Geisteslebens  angesprochen. So wie es im Rechtsleben sehr problematisch wird, was heute vielerorts stattfindet, wenn ein Angeklagter seine Unschuld beweisen muss, anstatt die Ankläger seine Schuld, so verhält sich dies  auch auf dem Gebiet des Geistigen.

    Wenn derjenige,  der etwas Unbeweisbares oder Unbewiesenes anzweifelt, beweisen muss, dass er recht hat, weil er sonst als jemand bezeichnet wird, der Unsinn preisgibt, dann wirft das ebenso bedenkliche Streiflichter auf die Art  des heutigen kollektiven Umgangs miteinander und die Richtung, welche die Entwicklung des Geisteslebens heute eingeschlagen hat. Das stimmt für die Zukunft nicht gerade zuversichtlich.

    @ Ingrid,

    ein klarer Widerspruch Steiners. Dieser löst sich aber wie alle anderen auf, wenn man ihn nicht wörtlich nimmt, sondern das Gesagte als Beschreibung der Grundlagen, der  geistigen Wirkungsmechanismen  bzw. als Vorbedingungen für geistiges Wirksamseinwollen auffasst.
    Als die Eingeweihten noch eine elitäre zahlenmässig sehr eingegrenzte Gruppe mit Führungsanspruch waren, war das Gesetz der spirituellen Brüderlichkeit Vorbedingung und Wirkungsmechanismus gleichermassen für das Funktionieren des Einweihungsprinzips, auf welchem ihre Wirksamkeit und Macht beruhte.

    Steiner war der erste, der die Möglichkeiten zur Selbsteinweihung für jedermann aufzeigte  und im Prinzip sich eine Welt vorstellen konnte, in dem dadurch,  dass theoretisch wie praktisch, jeder Eingeweihter sein könnte, das alte elitäre Prinzip selbst überwunden werden kann. Denn wenn jeder ein im Geistigen forschender und hinzufügender Eingeweihter wird, dann wird es auch unmöglich all seinen Vorgängern zu folgen und sich das bisher "Erforschte" mitteilen zu lassen. Es kann nicht jeder jedem folgen.

    Meiner Meinung nach wollte Steiner damit  beweisen oder aufzeigen, dass auch dieses Prinzip der Vergangenheit angehört, bzw. seine  Gültigkeit an eine zeitlich begrenzte Epoche der geistigen Menschheitsentwicklung gekoppelt war, also nichts "universelles" ist, sondern eben eine Vorbedingung bzw. ein möglicher Wirkungsmechanismus für geistige Führung und Machtausübung ( nicht im negativen Sinne) in einer gewissen nun dem Ende entgegengehenden Epoche der Menschheits- und Geistesentwicklung.
    Er konnte und durfte es nur nicht offen sagen, ist meine Ansicht.

    Ich werde natürlich auch weiterhin kurze pauschale Unsinnsbekundungen  und lange und als Antwort oder Beweise  ungeeignete Steinerzitate gelassen hinnehmen.

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    1. Schön Rudolf, dass ich Dir das Prinzip der 'sich selbst widerlegenden Weisheiten' anhand eines simplen Unterhosenbeispiels etwas näher bringen konnte...

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    2. Und wenn Du Dich jetzt ganz tüchtig anstrengst, wird es Dir vielleicht auch langsam möglich werden, solche Gedankenbasteleien wie beispielsweise diesen Deinen '@ Ingrid-Schmarrn' als eine solche, sich selbstoffenbarende Unterhose zu begreifen...

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    3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    4. Deutsche Feinripp-Kultur hat es in sich:

      Hagen Grell, Moderator, Unternehmer, Visionär aus der tiefbraunen, dunkeldeutschen Provinz zählt die Durchschnittsgrößen von Männern unterschiedlicher Nationalität auf. Der deutsche Mann ist scheinbar durchschnittlich 1,80 m groß:
      "…Eure Männer müssen sich weder vor Afrikanern, Asiaten, Amerikanern oder Australiern verstecken. Sie gehören zu den stärksten und besten Männern der Welt…"

      Männer sind harte, kompromisslose Krieger:
      "…Wir Männer nehmen einen Angreifer Körperteil für Körperteil auseinander…Die einzige Achillesverse des tapferen, deutschen Mannes ist allerdings die Frau…"

      Mutiger Feinripp-Kreuzritter vorm Badezimmerspiegel:
      http://videos.huffingtonpost.de/news/aufreger-video-eure-maenner-gehoeren-zu-den-groessten-staerksten-und-edelsten-der-welt_id_5205374.html

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