Erquicklicher als Licht...

Ingrid Haselberger

(tl, dr: Eine gute Diskussionskultur basiert […] zu allererst auf der wertschätzenden Haltung eines Philosophen. Wo, wenn nicht in Deutschland, dem Land der Dichter und Denker, sollte das zu schaffen sein?)



Daß kein einziger Mensch auf dieser Welt überzählig ist, daß jeder einzelne wie ein Ton in einer großen Symphonie ist, und daß diese Symphonie erst durch den Zusammenklang aller dieser Töne entstehen kann (1) – das empfindet offenbar auch Ali Can.

Ali Can ist der älteste Sohn einer immigrierten, türkisch-kurdisch alevitischen Familie aus dem Südosten der Türkei. Aufgrund der Diskriminierung der Aleviten in ihrem Heimatland entschloß sich die Familie 1995, in Deutschland um Asyl anzusuchen.
Über sich selbst sagt Ali Can (HBB (2) S 20):
Ich bin in der Türkei geboren und lebe seit meinem dritten Lebensjahr in Deutschland. Bis zu meinem 16. Lebensjahr habe ich nie ernsthaft über meine Herkunft nachgedacht. Unter den Jungs, mit denen ich damals auf dem Marktplatz, auf dem Schulhof oder im Jugendzentrum in Warendorf abhing, war völlig klar: Unter uns sind Türken, Kurden, Russen, Albaner, aber das geht in Ordnung. Hauptsache, du bist cool oder spielst gut Fußball.

Das klingt nach wunderbarer Integration, von Anfang an!
Allerdings (HBB S 140):

Vielleicht mache ich den Eindruck, als hätte ich nie Probleme mit dem Integrieren gehabt. Doch so einfach war es nicht – vor allem wenn ich mich ausgegrenzt fühlte oder nicht damit umgehen konnte, dass ich aufgrund meiner Herkunft »anders« bin. So ging ich zum Beispiel schon in der Grundschule mit zum Elternsprechtag, um für meinen Vater zu übersetzen. Mir war etwas mulmig zumute, weil außer mir kein anderer Schüler da war. Bei Klassenfesten wiederum sollten die Schüler ihre Eltern mitbringen und etwas zum Buffet beisteuern. Alle anderen hatten selbstgebackenen Kuchen, Nudel- oder Kartoffelsalat mit. Nur meine Eltern, die ja keinen Streusel- oder Marmorkuchen kannten, gaben mir immer türkische Speisen wie Börek oder Lahmacun mit. Dann roch es sofort im ganzen Klassenzimmer nach türkischem Essen, und die Eltern meiner Mitschüler wunderten sich, was da so anders riecht. »Na, die Mama von Ali hat wieder türkisch gekocht.« Obwohl ein allgemeines »Ohoo, toll!« ausbrach und sich alle neugierig auf das Essen meiner Mutter stürzten, bekam ich Herzklopfen, wurde knallrot und übersetzte schnell für meine Mutter, die gefragt wurde, was sie denn da gebacken habe. Ich schätze, ich habe so mancher Mutter ein falsches Rezept weitergegeben, da ich die Zutaten weder im Türkischen noch im Deutschen so genau kannte.

Auf jeden Fall aber schämte ich mich: diese ganze Aufmerksamkeit, die vielen Fragen und die Tatsache, dass meine Mutter nur gebrochen Deutsch sprach … Erst viel später verstand ich, dass Anderssein kein Makel sein muss. Bis dahin aber wäre ich so gern wie meine deutschen Freunde gewesen. Dann wäre mir auch jene peinliche Situation im Biologie-, genauer im Sexualkunde-Unterricht erspart geblieben. Das Thema der Stunde: die körperlichen Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Hierzu hatte der Lehrer eine Folie an die Wand projiziert, auf der die Genitalien von Jungen und Mädchen abgebildet waren. Als wir den Penis des Jungen genauer betrachteten, erklärte der Lehrer: »Und hier am vorderen Ende befindet sich die Eichel. Die Haut um sie herum wird auch Vorhaut genannt. Muslimische Jungs werden allerdings beschnitten, bei ihnen fehlt diese Vorhaut – nicht wahr, Ali?«

25 Augenpaare drehten sich zu mir um. Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken … […] auf dieses Erlebnis hätte ich gut verzichten können, denn natürlich wurden danach Witze über mich und meine »Eigenheit« gerissen. Und ich hatte das Gefühl, nicht dazuzugehören. Diese Gefühle von Ausgegrenztsein und Einsamkeit waren noch einmal besonders schrecklich, als ich mit ein paar anderen Jungs in eine Jugenddisco gehen wollte. Jeder von uns zeigte dem Türsteher seinen Ausweis und wurde in die Disco reingelassen. Nur ich wurde mit den Worten »Heute nicht« abgewiesen. »Wieso das denn?«, fragte ich den Türsteher, der mich aber bloß zur Seite schob, murmelte »Ist schon zu voll da oben« – und weitere Leute hineinließ. Wütend, enttäuscht und traurig fuhr ich nach Hause, wo ich das Gedicht »Ich bin Kanacke und das ist kacke« schrieb.


Trotz solcher Schwierigkeiten fühlt Ali Can sich als Deutscher. Wie sehr, das bemerkt er erst mit 16 Jahren (HBB S 21):
Ein wichtiger Meilenstein in meiner Selbstwahrnehmung war unser erster Familienurlaub in Pazarcik, meiner Heimatstadt im Südosten der Türkei. Diese Reise vor acht Jahren hatte eine große Wirkung auf meine Identität und Integration.

Als ich in Pazarcik ankam, verschlug es mir die Sprache. Eine Berglandschaft, aber kaum Grünflächen, keine richtigen Straßen, niemand hielt sich an Verkehrsregeln (ohne die türkische Gelassenheit hätte ich die Taxifahrt bestimmt nicht überstanden). Die Bevölkerung ist sehr arm, die Häuser sind klein, oft ohne Fensterscheiben und Türen. Und überall laufen gackernde Hühner herum, Katzen und Straßenhunde wühlen in den unzähligen Müllhaufen … Hier also war ich geboren, hatte aber das Gefühl, im falschen Film zu sein. Über 3200 Kilometer weit musste ich reisen, um erstmals richtig zu begreifen, dass Deutschland meine Heimat ist.


An der Realschule entscheidet der Heranwachsende sich für das Wahlfach praktische Philosophie (HBB S 155):
Ich war zwölf, als ich zum ersten Mal Philosophie-Unterricht hatte – und mich Hals über Kopf in dieses Fach verliebte. Fragen über Moral, Logik, gutes Handeln … Ich war hin und weg, über so etwas öffentlich nachdenken zu dürfen. Im Ethik-Unterricht der Oberstufe habe ich dann am eigenen Leibe gemerkt, wie wichtig die Haltung der Philosophie treibenden Menschen in hitzigen Diskussionen ist. Unsere Ethik-Lehrerin legte glücklicherweise viel Wert darauf, auch bei konträren Meinungen sachlich zu bleiben und nicht davon auszugehen, es gebe nur eine richtige Meinung. Und in der Auseinandersetzung mit dem »Dilemma« wurde mir klar, dass es bisweilen nicht die Lösung für ein Problem gibt, sondern verschiedene Blickwinkel auf ein und dieselbe Sache mit jeweils unterschiedlichen Ansätzen.


Der Unterricht dieser Ethik-Lehrerin fiel auf fruchtbaren Grund – wie sehr Ali Can diese Haltung verinnerlicht hat, zeigt sich nach dem Aufkommen der Pegida im Herbst 2014 (HBB S 9):
Mit besorgten Bürgern könne man einfach nicht reden – vor allem nicht mit jenen, die auf der Pegida- oder AfD-Welle mitschwimmen. So oder so ähnlich höre ich es immer wieder in meinem Umfeld. Selbst der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck hat sich auf die Frage, ob Pegida-Demonstranten durch Gespräche zu erreichen seien, folgendermaßen geäußert (3): »(…) wer so gründlich und ausdauernd seinen Frust pflegt, dass er nicht mehr zuhört, den erreicht man auch mit noch so vielen Angeboten für Gespräche nicht.« Als ich das las, fragte ich mich, ob er selbst denn zugehört hat und wie viele Gespräche er geführt haben muss, um so ein Urteil über tausende Menschen fällen zu können.


Soweit zur Vorgeschichte.
Wir kommen zum Februar 2016 (HBB S 11):
Als ich Anfang Februar 2016 das sogenannte Clausnitz-Video (4) gesehen hatte, war mein persönliches Fass übergelaufen: Ich war echt schockiert. Dieser wütende Mob, der einen Bus mit geflüchteten Menschen, die zu ihrer Flüchtlingsunterkunft gebracht werden sollen, blockiert. Die Männer, die aus der Meute »Ab nach Hause«, »Widerstand«, »Verpisst euch« brüllen oder chorisch »Wir sind das Volk« rufen. Und im Bus völlig verängstigte und weinende Frauen und Kinder.

[…]

Während in meinem Umfeld ein großes Pegida-, AfD- und Sachsen-Bashing stattfand, hatte ich Hemmungen, tatenlos zuzusehen. Ich wollte aktiv werden. In meinem Kopf sprudelten die Fragen: Wie komme ich als jemand mit Migrationshintergrund und -vordergrund mit aufgebrachten Bürgern ins Gespräch? Wie kann ich an ihr Mitgefühl appellieren? Wie reagiere ich auf ihre Argumente und Sprüche? Schaffe ich es, ihre Feindbilder und Sorgen abzubauen? Hat es überhaupt einen Sinn, das Gespräch zu suchen?

Um Antworten zu finden, musste ich vor Ort sein, also jene Gegenden aufsuchen, die ich nur aus den negativen Berichten kannte. Und so beschloss ich, die aufgebrachten Menschen aus den Nachrichten zu treffen, um wenigstens miteinander und nicht übereinander zu sprechen. Denn ich war der Überzeugung, dass dies ein, wenn nicht sogar der einzige Weg zu gegenseitigem Verständnis sei.


Ali Can entschließt sich also, gegen die eindringlichen Warnungen von Familie und Freunden, zu einer Reise nach Sachsen.
Die erste Station ist Leipzig. Auf der gerade stattfindenden Buchmesse macht er Erfahrungen darüber, wie das „Setting“ ein Gespräch beeinflussen kann (sobald sich Zuschauer einstellten, beobachtete er, daß sowohl er selbst als auch sein Gegenüber, mit dem er sich zuvor friedlich und »auf Augenhöhe« unterhalten hatte, nervöser wurden und nicht mehr authentisch miteinander sprachen).
Aber (HBB S 13):
Abgesehen von einzelnen schlechten Erfahrungen habe ich in Leipzig fast nur interkulturell aufgeschlossene und weltoffene Menschen getroffen. Ich musste meine Schubladen im Kopf also dringend aufräumen. So merkwürdig es klingen mag: Ich war wirklich verblüfft, wie schön Leipzig ist und wie offen die meisten Menschen dort sind. Zwar hören die Leipziger das nicht gern, aber ich fand, es lag schöne Berlin-Stimmung in der Luft.


Auf dem Theaterplatz in Dresden findet gerade eine Pegida-Veranstaltung statt.
Während auf der Bühne fremdenfeindliche Reden geschwungen werden, gelingt es Ali Can auch hier (allerdings erst, nachdem er seine Kamera wieder eingepackt hat), mit einzelnen Menschen ins Gespräch zu kommen. Man spricht über Goethe und Schiller, über die Semperoper, ist sich einig über den wichtigen Beitrag des Theaters zur »moralischen Erziehung«; jemand klagt über die Jugend, die keinen Sinn mehr für Theater besitzt und lieber am Handy klebt...

Und dann bricht der nächste Sprechchor los (HBB S 17):
»Abschieben, abschieben, abschieben.« Prompt gingen mir meine eigene Geschichte, das Schicksal mancher Freunde und die Bilder aus dem zerstörten Aleppo durch den Kopf. Wohin abschieben? Warum? Ich konnte einfach nicht glauben, dass all diese Menschen den Schutz von geflüchteten Menschen infrage stellten. Von weitem erblickte ich den netten, älteren Herrn von vorhin. Auch er rief mit. Ich war fassungslos. War das Flüchtlingsthema womöglich ein Ventil für andere Probleme? Auf jeden Fall meinte ich zu spüren, dass alle um mich herum unzufrieden waren, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.


Dann hilft der Zufall weiter – in Gestalt eines Schokolade-Osterhasen, den Ali Can zufällig in der Tasche trägt. Als er ihn herausnimmt, um ihn zu essen, zieht er damit die Aufmerksamkeit der Umstehenden auf sich. Man schmunzelt – und es gibt einen Anknüpfungspunkt für ein Gespräch (HBB S 18f):
Spontan zügelte ich meine Lust auf Schokolade und spazierte mit dem goldenen Schokohäschen durch die Menschenmenge auf dem Theaterplatz. Vielleicht hatte ich ja endlich das gewisse Etwas in der Hand. Demonstrativ hielt ich den Osterhasen hoch, dazu ein charismatischer Blick … Und? Hatte ich zuvor das Gespräch mit den Pegida-Anhängern gesucht, wurde ich nun auch mal von ihnen angesprochen.

[…]

Mit meinem Schokohasen in der Hand gelang es mir, viele Gespräche zu beginnen und die anfängliche Barriere des Misstrauens aufzulösen. Mit dem einen oder anderen konnte ich auch diskutieren, ohne dass wir uns gegenseitig verletzten. Die meisten verabschiedeten sich mit einem freundlichen Lächeln. […] Dank des Osterhasen in meiner Hand nahmen die Demonstranten meine positive Haltung ihrer Kultur gegenüber wahr, so dass einige sich automatisch von dem Schubladendenken, das auf der Bühne fabriziert wurde, distanzierten.

Ali Can fährt wieder nach Hause, um einige Erfahrungen reicher (HBB S 20):
Mein Fazit? Wer bei besorgten Bürgern wie Pegida-Demonstranten eine wertschätzende Haltung gegenüber Migranten anstoßen möchte, muss den Demonstranten erst einmal selbst mit Wertschätzung begegnen.
[…]

Auf meiner »Osttour« habe ich jedenfalls Sorgen mitbekommen, die ich nachvollziehen kann.


Kurz darauf erhält Ali Can einen Anruf (HBB S 26):
Wenige Wochen nach meiner Tour durch Ostdeutschland rief mich eine Frau an, die ich auf dieser Reise kennengelernt hatte. Wir hatten uns über muslimische Männer und die Silvesternacht in Köln unterhalten, darüber, dass ihr das, was man so in den Medien höre, sehe und lese, Angst mache. Nun, sagte sie, müsse sie mir von einer Begegnung berichten, die sie sehr bewege.

»Neulich hat mich ein Flüchtling an der Bushaltestelle nach dem Weg gefragt. Ich habe ihm den Weg erklärt und bin auch ein Stückchen mitgegangen, weil er kaum Deutsch konnte. Er war mir dafür so dankbar, hat gar nicht mehr aufgehört, sich zu bedanken. Ich war richtig gerührt. Der war eigentlich ganz nett …« Diese positive Erfahrung wollte sie nun mit mir teilen. Die Reise zu Pegida und Co. trug also erste Früchte, worüber ich innerlich jubelte.


Und da Ali Can nicht jeden Montag nach Dresden fahren konnte, um der »Migrant des Vertrauens« zu sein, entschloß er sich zur Einrichtung der »Hotline für besorgte Bürger«. Seither kann man jeden Mittwoch- und Donnerstagabend am Telefon mit Ali Can (und einigen anderen ehrenamtlichen Mitarbeitern) anonym über alle mit Flüchtlingen, Asyl, Migration und Integration zusammenhängenden Themen und Sorgen sprechen.
Auf der website der hotline (5) heißt es:
Was uns wichtig ist: Wir sind FÜR etwas, nämlich für freie Meinungsäußerung und gelebte Demokratie, bei der es eben auch Meinungsverschiedenheiten geben darf.
[…]

Wir sind nicht GEGEN etwas. Nicht gegen Politiker, Parteien, Sie als besorgter Bürger, nicht gegen eine spezifische Meinung, nicht gegen eine spezielle Partei. Wir sind ausschließlich FÜR etwas! Das Besondere unserer Hotline ist also unsere parteiübergreifende, überkonfessionelle und möglichst neutrale Position, daher können Sie gerne anrufen, egal, welche Partei Sie wählen oder nicht wählen.

Unser Motto, frei nach Evelyn Beatrice Hall, die dem französischen Aufklärungsdenker Voltaire folgendes in den Mund gelegt haben soll:

»Ich mag verdammen, was Du sagst! Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst!«


Diese niemals destruktive, sondern durchwegs konstruktive Haltung läßt mich an ein Bonmot von Karl Kraus denken: »Würde ist die konditionale Form von dem, was einer ist.« So steht es in seinem 1908 in der Fackel erschienenen Essay über die Menschenwürde (6), der Kraus die Eigentümlichkeit zuschreibt, »immer dort zu fehlen, wo man sie vermutet, und immer dort zu scheinen, wo sie nicht ist« – womit die Spitze seiner Feder, wie so oft, auf einen bedauerlichen zu beobachtenden Tatbestand gerichtet ist.
Wenn ich diese Sätze allerdings in anderer Richtung weiterdenke, indem ich nicht nur das betrachte, was mein Gegenüber in diesem Augenblick ist, sondern auch auf seinen Konditional blicke, auf seine Würde – auf das, was er sein könnte; wenn ich mich bemühe, in Gesprächen »auf Augenhöhe« den Reiter anzusprechen, und nicht den Elefanten, über den ich mich vielleicht grad ärgere (7) – dann wirke ich mit daran, dieser Möglichkeit zur Wirklichkeit zu verhelfen.
Ich denke auch an eine Stelle aus Jens Peter Jacobsens Roman Niels Lynhe:
»Du sollst nicht gerecht sein gegen ihn; denn wohin kämen die Besten von uns mit der Gerechtigkeit; nein; aber denke an ihn, wie er die Stunde war, da du ihn am tiefsten liebtest...«

Ali Cans Anliegen ist das Brückenbauen, mithilfe des Gesprächs von Mensch zu Mensch.
Er ist davon überzeugt, daß wir alle unsere Ängste verlieren, »wenn aus Fremden Bekannte werden«, und plädiert für »Räume des Miteinanders, wo wir einander kennenlernen und wo sich kulturelle Werte im Tun und Erleben vermitteln.«
Dabei kümmert Ali Can sich natürlich nicht nur um „besorgte Bürger“, sondern er bemüht sich auch darum, jungen Geflüchteten die Verfassung näherzubringen, »zum Beispiel in Sachen Religionsfreiheit. Es geht nur in beiderseitigem Bemühen.«

Die grüne Schlange aus Goethes Märchen (8) fällt mir ein, die ihren eigenen Körper als Brücke über den Fluß zur Verfügung stellt:
„Was ist herrlicher als Gold?“ fragte der König.
„Das Licht,“ antwortete die Schlange.

„Was ist erquicklicher als Licht?“ fragte jener.
„Das Gespräch,“ antwortete diese.

[…]
„Was hast du beschlossen?“
„Mich aufzuopfern, ehe ich geopfert werde.“

In seinem Buch Hotline für Besorgte Bürger. Antworten vom Asylbewerber Ihres Vertrauens berichtet Ali Can, wie es zu dieser Hotline kam, und dokumentiert sowohl den Wortlaut einiger Telefongespräche als auch, unmittelbar anschließend, seine Empfindungen und Gedanken während dieser Gespräche.
Die Anrufer sind einerseits Menschen, die ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe tätig sind und dabei auf so manche kulturell bedingten Schwierigkeiten stoßen, andererseits (die eigentliche Zielgruppe) „besorgte Bürger“, die der Pegida und der AfD nahestehen.
Im Verlauf eines dieser Gespräche staunt man gemeinsam über die Fragen aus dem Einbürgerungstest, die »ein junger Mann aus Köln, der sich über integrationsunwillige Migranten aufregt« selbst nicht alle beantworten könnte. Und ein AfD-Mitglied bietet Ali Can schließlich sogar die Mitgliedschaft in der AfD an; er würde annehmen, antwortet Ali Can – allerdings nur unter der Bedingung, daß die AfD seine Werte übernehme, und daß ihr Kürzel künftig „Ali für Deutschland“ bedeuten solle...
Nun, so weit ist es doch noch nicht.
Und es geht natürlich auch nicht immer so glatt, wie man jetzt vielleicht meinen könnte. In manchen Fällen hilft auch kein Schoko-Osterhase... Ali Can gibt trotzdem nicht auf:
Es gibt auch gewalttätige Rechtsextreme, die wollen nicht mehr reden. Aber um die geht es eher weniger bei meinem Angebot. Ich richte mich an diejenigen, die AfD wählen, zu Pegida gehen, die unzufrieden sind, die sich vielleicht auch rechtspopulistisch äußern. Die sehe ich wie in einer Drehtür: Die können nach rechts gehen, aber sie können auch wieder umdrehen. Die sind orientierungslos. Und je mehr wir uns gegen sie positionieren, umso mehr identifizieren sie sich als Rechte. Auf meiner Reise durch den Osten haben mir viele gesagt: Wenn wir immer als Rassisten abgestempelt werden, sobald wir den Mund aufmachen, dann sind wir es eben auch.

(Interview mit Hendrik Ternieden (9))


In seinen Gesprächen mit „Menschen in der Drehtür“ versucht Ali Can, jegliche Etikettierung zu vermeiden – und damit auf seine Weise »neue Impulse im Selbstverständnis rechtsgesinnter Menschen zu setzen« (HBB 112f):
Mit meinen Gesprächen will ich schließlich das Individuum erreichen und nicht irgendeine vermeintlich homogene Gruppe. Das kann ich jedoch nur, wenn ich den Gesprächspartner nicht sofort in eine wie auch immer geartete Schublade stecke. Ich spreche ja nicht mit dieser oder jener Partei, sondern mit einem ihrer Mitglieder. Insofern durfte ich Herrn Wengert natürlich weder vorwerfen, er habe meinen Gesprächsansatz nicht verstanden, noch mich persönlich von seinem Gutmenschen-Stempel angegriffen fühlen. Stattdessen hielt ich kurz inne, wenn ich mich über eine Aussage ärgerte, und konzentrierte mich auf einen möglichen gemeinsamen Nenner, den ich heraushörte. Ich picke mir also heraus, was allgemein vertretbar ist, und bestätige es. Erst danach nehme ich mir die Aspekte vor, die ich nicht teile.


Denn, so ist Ali Can überzeugt (HBB S 156):
Eine gute Diskussionskultur basiert […] zu allererst auf der wertschätzenden Haltung eines Philosophen. Wo, wenn nicht in Deutschland, dem Land der Dichter und Denker, sollte das zu schaffen sein?


Ich wünsche diesem besonderen jungen Mann von Herzen viel Erfolg für sein Brückenbau-Projekt!

= = =

1) vergleiche dazu meinen Aufsatz Der ganze, der rühmliche Teppich... https://egoistenblog.blogspot.co.at/2018/01/der-ganze-der-ruhmliche-teppich.html
2) Ali Can: Hotline für Besorgte Bürger. Antworten vom Asylbewerber Ihres Vertrauens
3) Sächsische Zeitung 11.12.2015, http://www.sz-online.de/nachrichten/pegida-missbraucht-den-ruf-wir-sind-das-volk-3274376.html
4) http://www.spiegel.de/video/fluechtlinge-rechte-bepoebeln-bus-mit-fluechtlingen-clausnitz-video-1651667.html
5) http://www.hotline-besorgte-buerger.de/
6) Karl Kraus: Menschenwürde (Essay), http://gutenberg.spiegel.de/buch/-4687/44
7) siehe I.H.: Der Elefant und sein Pressesprecher – und ein mögliches Erwachen, https://egoistenblog.blogspot.co.at/2018/01/p-margin-bottom-0.html
8) Goethe: Das Märchen, http://gutenberg.spiegel.de/buch/-3633/1
9) http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/fluechtlinge-ali-can-bietet-hotline-fuer-besorgte-buerger-an-a-1111169.html

Kommentare

  1. Liebe Ingrid,

    danke, anregend war für mich der von dir gesetzte Titel. Der begleitete mich bei der nachstehenden Selbstbefragung.

    Was ist erquicklicher als das Licht? Das Gespräch? Und warum das? Das Licht des Verstandes, es beleuchtet Sachverhalte? Halt? Also Stillstand? Das Gespräch hingegen ereignet sich bereits zwischen zwei Menschen? Der In- Halt so eines Sprechens ist begleitet von dem Zurückhalten jeglicher Sachverhalte? Also reine Fürsprache? Erzeugt durch Innehalt aus Gegenseitigkeit? So werden Gegensätze gesteigert? Wer steigert? Der dritte im Bunde? Wer ist das? Das Sprechen? Von wem? Der Sprache? Welcher? Derjenigen, die jeglichen Vorgang in Sprache kleiden kann? Also der Sprache, die einem jeden Vorgang vorausgeht? Daher das Wort: Vorgang? Und der ist erquicklicher als Stillstand? Für wen?

    ~ B.

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    1. Lieber Burghard,

      danke fürs Teilen Deiner Selbstbefragung!
      Ich habe sie, und Deine Frage „Für wen?“, durch die Nacht genommen, wie man so schön sagt — und erwachte mit diesem Satz:

      Wo zwei oder drei im Namen des Logos versammelt sind, da ist der Logos mitten unter ihnen.

      Herzlich,
      Ingrid

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  2. Liebe Ingrid,

    ganz toll, vielen Dank für die Denkanstöße.

    Es ist wie immer, die Gegensätze die sich vereinigen sollten, das Yin und Yang, man könnte auch sagen das Gute und das Böse, die naturgesetzhaft jeweils ihre Rollen tauschen können, je nach dem Blickwinkel bzw. dem Standort des Betrachters.

    Ich sehe das alles als einen wunderbaren Appell für das aufeinander zugehen, das sprechen miteinander, gerichtet aber eben an beide Seiten. Nur darauf kommt es an.
    Das Anliegen des Ali Can, so sehe ich es, ist ja vor allem die Aufforderung an alle Ausländer auf die Deutschen zuzugehen, mit ihnen zu reden. Und nicht Letzteres nur von den Deutschen zu erwarten.
    Vereinfacht ausgedrückt, wenn es nur Ali Can's gäbe, gäbe es auch keinen Rassismus mehr.

    Wenn wir jetzt vom Beispiel mit der Disco ausgehen, lehrt uns dies, dass nicht der Türsteher zwangsläufig ein Rassist ist, weil er Ali Can abwies, denn er hatte die Order des Betreibers "Anti-Ali Can's" abzuweisen. Dies vermutlich aufgrund von Erfahrungswerten, dass bei einem zu hohen Ausländer-Anteil in der Disco (worunter sich dann eben tatsachenbedingt nicht nur Ali Can's sondern auch zu viele Anti-Ali Can's befunden hätten) die Sicherheit und das wirtschaftliche Gelingen des Unternehmens Disco gefährdet wären.
    Der Betreiber der Disco muss eben gerade deswegen auch nicht zwangsläufig ein Rassist sein, denn er muss die Disco nach den Grundsätzen eines wirtschaftlichen Unternehmens führen und ist für die Sicherheit seiner Gäste juristisch auch voll verantwortlich.
    Das bedeutet, dass wenn er die Erfahrung machte, dass zu viele "Anti-Ali Can's sich in der Vergangenheit weigerten auf die anderen Besucher zuzugehen und mit diesen zu reden und die Folgen diejenigen waren, dass die Besucherzahlen zurückgingen und die Sicherheit für Personen und Einrichtung in Frage gestellt war, die Entscheidung des Betreibers eben nicht rassistisch bedingt ist, sondern rein wirtschaftlich.

    Das Fazit sollte natürlich die Erkenntnis sein, dass miteinander reden und aufeinander zugehen die "Königsmittel" sind zur Überwindung rassistisch motivierter Vorbehalte im Umgang mit Ausländern, das allerdings - und das ist das Entscheidende - natürlich auf beiden Seiten.

    Demzufolge können wir daraus auch lernen, dass die bloße Aussage (eigentlich eine unbestreitbare Tastsache), dass es eben auch "Anti- Ali Can's" gibt, unmöglich eine rassistisch motivierte Aussage sein kann, wie es trauriger weise gang und gäbe ist, sondern eben gerade eine die, wenn schon, dazu beitragen kann Rassismus zu verhindern. Einfach nur wegen des in die moralische Pflicht nehmen auch der Ausländer.

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    1. Lieber Rudolf,

      »die bloße Aussage (eigentlich eine unbestreitbare Tastsache), dass es eben auch "Anti- Ali Can's“ gibt ...«
      Nicht zu vergessen die bloße Aussage (eigentlich eine unbestreitbare Tatsache), daß es eben auch rassistische Türsteher gibt.

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    2. Liebe Ingrid,

      "Nicht zu vergessen die bloße Aussage (eigentlich eine unbestreitbare Tatsache), daß es eben auch rassistische Türsteher gibt"

      Klar gibt es die, hatte ich ja auch keinesfalls geleugnet. Genauso wie es nicht geleugnet werden kann, dass es auch rassistische Anthroposophen oder Krankenpfleger gibt.

      Ebenfalls nicht vergessen sollten wir aber die Tatsache, dass wer in solchen Zusammenhängen den Eindruck erwecken will, die Türsteher seien immer und ausschließlich Rassisten und die Ausländer immer und ausschließlich diskriminierte Opfer, selbst ein Rassist bzw. Diskriminierer ist.

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    3. Lieber Rudolf,

      wie schön – wir sind uns also einig, daß es auf beiden Seiten solche und solche gibt.
      Auch Ali Cans Gespräch mit dem AfD-Mitglied endet mit dem beiderseitigen Versprechen, in Zukunft nicht mehr zu pauschalisieren.

      »wer in solchen Zusammenhängen den Eindruck erwecken will...«
      Ich sehe hier niemanden, der einen solchen Eindruck erwecken will.

      Das Anliegen Ali Cans ist dasselbe wie meines:
      Wir kommen nur dann ins Gespräch miteinander, wenn wir uns aus dem, was der andere (sei er nun Asylwerber, Türsteher, Krankenpfleger oder Blogkommentator) sagt, zunächst »das allgemein Vertretbare herauspicken«, also Aussagen, denen wir zustimmen können. Dadurch entsteht Gemeinsames (man könnte es auch „Rapport“ nennen), auf dessen Grundlage dann Vorurteile, natürlich auf beiden Seiten, abgebaut werden können.

      Dafür finde ich es allerdings wenig hilfreich, fiktive Zusammenhänge oder pauschale Aussagen zu konstruieren, nur um die fiktiven Protagonisten (den armen antirassistischen Türsteher und den ebenfalls antirassistischen Diskothekenbetreiber, die aus rein wirtschaftlichen Gründen gezwungen sind, sicherheitshalber auch friedliche Ausländer abzuweisen, weil die „Elefanten“ – sowohl ihre als auch die der inländischen Diskobesucher – sonst möglicherweise unfriedlich reagieren könnten; den fingierten Urheber des ebenso fingierten »immer und ausschließlich«-Pauschalurteils) anschließend in die eine oder andere Schublade einordnen zu können.

      Wie wärs damit, solche pauschalisierenden Fiktionen in Zukunft einfach bleibenzulassen?

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    4. Liebe Ingrid,

      ich bin ganz klar und dezidiert auf Deiner Seite.
      Puschalierende Fiktionen sind zu vermeiden, als Grundregel. Selbstredend muss es natürlich so sein, dass eine Grundregel von allen Beteiligten an einem Gespräch beachtet werden muss, sonst würde sie Entzweiung statt Ausgleich bewirken.

      In diesem Fall sehe ich es so, dass - solltest du eine meiner Aussagen als "pauschalierende Fiktion" aufgefasst haben - eine solche keinesfalls von mir erfolgte noch intendiert war, und wenn man eine solche als derartig interpretieren könnte, sie ganz objektiv nur eine (vielleicht auch in gewisser Weise provozierende) Reaktion meinerseits auf eine Aussage von dir war.

      Ich hatte ja in meinen beiden Beiträgen sehr positiv geschrieben, nur auf das Verbindende hingewiesen, d.h. auf die Wichtigkeit des Schaffens einer Gesprächsbasis als Voraussetzung für das aufeinander zugehen können, im konkreten Fall war das der Hinweis auf den zunächst "unschuldigen" weil nicht notwendigerweise rassistischen Türsteher, also eine positive und daher "verbindende" Aussage.
      Ich hatte geschrieben, dass ich es toll finde, wie Ali Can auf die Gesellschaft zugeht, nur das Positive und Verbindende hervorhebt, Gespräch sucht, Lösungen findet und daher auch auf alles andere als Ablehnung stößt.
      Deine erste Reaktion aber war die Aussage, dass "es auch rassistische Türsteher gibt".
      Sicher richtig und eine Tatsache, aber eben keine positiv ausgerichtete, versöhnliche, auf den gesellschaftlichen Ausgleich zugehende Aussage.
      Das empfinde ich viel eher "pauschalierend" als meine "Unschuldsvermutung" dem Türsteher gegenüber. Eine Aussage, die geeignet ist, Vorurteile eher zu fördern als sie zu eliminieren.
      Genauso pauschalierend - und eigentlich sogar mit einer Prise des für den Egoistenblog so charakteristischen ironisch-spöttischen Untertons garniert - finde ich deine Bezeichnung "armer antirassistischer Türsteher", die meines Erachtens kaum als Basis für ein aufeinander zugehen und ausgleichendes Gespräch dienen kann, da genau dies eine negative Aussage ist, also ganz und gar nicht etwas, das wir uns "herauspicken" sollten. Also viel eher eine "pauschalierende Fiktion".

      Ali Can schreibt von seinen wunderbaren Erlebnissen als Folge des aufeinander Zugehens und miteinander Redens, die er als Aufforderung an seine Landsleute, gleichzeitig aber auch als ermutigendes Beispiel an die Deutschen gerichtet verstanden haben will. Das geht eben nur, wenn man richtigerweise nur das, was verbindend wirken kann, in den Vordergrund stellt.
      Das habe ich getan, nicht mehr und nicht weniger.

      Ich widerspreche dir ja eher selten und auch ungern, hier kann ich aber nicht anders ;-))

      Hat dich vielleicht nicht doch, hier in diesem speziellen Fall dein eigener oder ein anderer Elefant geritten, als du eine negative Aussage allgemein und auch mir gegenüber brachtest, die hier eben gerade nicht als Grundlage für ein gesamtgesellschaftlich annäherndes, verbindendes und problemlösendes Gespräch dienen kann? Die also hier nicht über den "beiden Seiten" steht und damit geeignet wäre, tief in der Gesellschaft und in vielen Elefanten steckende Vorurteile wirklich zu überwinden?

      Lg

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    5. Lieber Rudolf,

      »Deine erste Reaktion aber war die Aussage, dass "es auch rassistische Türsteher gibt“«
      Ja - das war meine unmittelbare Reaktion auf Deine positive Aussage hier, daß es »auch "Anti- Ali Can's" gibt«.
      :-) Ich habe extra darauf geachtet, meinen Satz ebenso wie Deinen zu formulieren — und ich finde meine Aussage immer noch ebenso positiv wie Deine.

      Herzlich,
      Ingrid

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    6. Ok, wenn wir das so stehen lassen können, dass dezent-sachliche Hinweise auf Tatsachen keine "pauschalierenden Fiktionen" sein können, und dein Hinweis auf solche nicht auf eine von mir formulierte Erstaussage bezogen war, geht dies für mich in sehr positivem Sinne in Ordnung.

      ;))

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  3. Gegen Ende des Buches gibt es übrigens einen interessanten »persönlichen Exkurs«. Ali Can schildert seine Erfahrungen mit Meditation:
    ***Das ist für mich einer der interessantesten Aspekte der Meditation: dass wir das Denken beim Meditieren nicht bewerten sollen. Es geht also nicht darum, das Denken abzuschalten, sondern das Bewerten. Beim Sitzen gibt es keine guten oder bösen Gedanken. Wenn sie aufkreuzen, schaue ich sie mir an und stelle fest, dass der Geist aktiv ist: »Aha, ich habe gerade wieder gedacht.« Damit ist aber nicht automatisch der Inhalt des Gedankens Realität, sondern der Gedanke selbst – und den kann ich vorüberziehen lassen wie eine Wolke am Himmel.***
    (HBB S 153)

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  4. @ Ingrid

    Ja, wenn es mir gelingt Gedanken, die mich zu bestimmen suchen vorüberziehen zu lassen, dann komme ich „beobachtend“ dem Denken und mit ihm im Gespräch dem Licht näher, denn ich behalte das Heft des Handelns in Händen, führe die Aktivität meiner Aufmerksamkeit. Ich nenne das in der Anschauung dessen verbleiben, was ich tue, was letztlich nichts anderes ist als seelische Beobachtung zu üben. Andernfalls überlasse ich, meist unversehens, dem Pressesprecher meines Ego das Feld. Damit aber wird dann der dualen Konfrontation oder mindestens dem Missverstehen Tür und Tor geöffnet.
    Meiner Erfahrung nach kann in Gesprächen nachhaltig Gemeinsames nur wachsen, wo ich vorbereitend den aktiven Dialog mit meinem eigenen Denken in mir pflege, wo ich im Spiegel meines Denkens mir selbst zu begegnen bereit bin - mit allen, auch schmerzlichen Konsequenzen. Ali Can ist ein ermutigendes Beispiel dafür.

    Bernhard Albrecht

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