Ideen für eine Zukunft Europas?

Ingrid Haselberger


Ende Jänner erlebte ich einen Vortrag und eine Diskussionsveranstaltung in Wien, von denen ich längst hier im Blog berichten wollte – nun nehme ich die „Titelstory“ der dieswöchigen Ausgabe der Wochenschrift „Das Goetheanum“ zum Anlaß, das endlich zu tun. Denn vieles, was Kai Ehlers in seinem Artikel »Europa ohne Russland?« 1) sagt, erinnert mich an Aleksandr Dugins Ausführungen in seinem Vortrag »Ideen für die Zukunft Europas« am 25.1.2018 und in der Diskussionsveranstaltung mit ihm am darauffolgenden Abend.

Es war zunächst sehr geheimnisvoll, ich kam mir ein wenig vor wie James Bond:
Kurz nach meiner Anmeldung per mail erhielt ich eine Antwortmail: »Sind Sie die Sängerin?« - Thomas Bachheimer hatte mich also sofort gegooglet; per Telefon fragte er mich dann nach meinem Geburtsdatum (wenn ich ein Datum nach 1980 angegeben hätte, hätte er mich nicht zugelassen, sagte er: die Gefahr, daß ich zur Antifa gehören könnte, wäre ihm in diesem Fall zu groß gewesen...).
Der Ort der Veranstaltungen wurde zunächst geheimgehalten und jeweils erst einige Stunden vor Beginn per mail bekanntgegeben.
In seiner Begrüßung 2) – in der Begriffe fallen wie »die absolutistische Herrscherin Deutschlands« oder »das Transatlantische Diktat«, das zu einer »gestörten Beziehung zu Rußland« geführt habe – betont Bachheimer, wieviel Mut es erfordert habe, Professor Dugin nach Wien einzuladen, gratuliert auch uns Zuhörern zu unserem Mut, hierherzukommen, und beruhigt alle jetzt vielleicht doch noch ängstlich Gewordenen: »Wir können uns hier recht sicher fühlen.«
Mein James-Bond-Gefühl verstärkt sich noch weiter, als er nach dem Vortrag auf mich zukommt und bekennt: »Vor Ihnen habe ich wirklich Angst gehabt...«

Mein erster Eindruck: das Publikum besteht hauptsächlich aus jungen Männern; auch einige ältere Männer sind hier, ein paar Journalisten – aber nur sehr wenige Frauen.
(Anthroposophen sehe ich übrigens keine. Das stimmt zusammen mit meinem Eindruck, daß der Satz: »Die Politik betrachtet sie [die Anthroposophische Gesellschaft] nicht als in ihrer Aufgabe liegend.« aus dem Gründungsstatut 1923 hier in Wien einen hohen Stellenwert hat.)

Über den „Hexenmeister“ Dugin, den feurigen Sänger blutrünstiger Lieder, hat Michael Eggert schon vor gut zwei Jahren geschrieben 3) – an diesen beiden Abenden aber erlebte man den Professor Aleksandr Dugin 4), der vor dem größtenteils andächtig lauschenden Publikum (auf Deutsch) seine Vorstellungen über die Zukunft Europas entwickelte.

Europa, so Dugin, sei dabei, seine Identität zu verlieren (»Alle Konservativen in Europa denken auch so!«). Er spricht vom »europäischen Logos«, von Apoll und Dionysos, von der 2000 Jahre lang die europäische Identität bestimmenden »vertikalen patriarchalischen Hierarchie« der »Lichtbringer«, von Platon und Aristoteles, von Schelling und den christlichen Mysterien...
Mit der Aufklärung aber sei eine neue Zeit angebrochen, man orientierte sich mehr und mehr am Materialismus und dem Glauben an ewigen Fortschritt – und heute gäbe es eine »waagrechte Hierarchie«, es herrschten präeuropäische, »subelische« Ideen (erst später finde ich heraus: Dugin bezieht sich mit »Ssubele« auf die Göttin Kybele).
Europa befinde sich derzeit in einer Untergangsbewegung (und Dugin erwähnt wiederholt Oswald Spenglers vor 100 Jahren erschienenes Werk über den »Untergang des Abendlandes«).
Am Ende dieser Niedergangsgeschichte stehe die heutige liberale EU.

Der Liberalismus – das ist ganz eindeutig Dugins Feindbild.
Denn das »Subjekt des Liberalismus« ist das Individuum, es gehe dabei also um die »Befreiung von allen Formen kollektiver Identität« (Familie, Nation, Geschlecht...), und schließlich, im Transhumanismus, sogar um die Unsterblichkeit, also um die »Befreiung vom einzigen Kollektiven, das wir noch haben als Menschen: dem Tod«.
Aleksandr Dugin aber ist überzeugt:
Der Mensch ist nur dann Mensch, wenn er eine kollektive Identität hat!

Es gehe jetzt in Europa darum, den »Fehler im Programm« zu finden und zu beseitigen, der diese Untergangsspirale in Gang gesetzt habe. Das sei eine sehr schwere Herausforderung, Europa befinde sich in einer »metaphysischen Situation«: »Wir müssen den europäischen Logos, die Lichtanschauung, die Vertikale retten!«
Das »Ereignis von Europa«, wenn es denn weiterhin existieren wolle, müßte sein: den Untergang in einen Übergang zu verwandeln.

Und Dugin spricht von einer zukünftigen multipolaren Welt, in der, wie schon Herder formulierte, die einzelnen Völker wie die Saiten einer Harfe zusammenklingen, auf der ein Gott spielt – im Gegensatz zum Schreckensbild einer vom Liberalismus beherrschten universell-globalen Welt.
Es gebe eine einzige »liberale Formula, das ich gerne unterschreiben kann. Das ist der Satz: Leben und die anderen leben lassen.«

Nun – das wenigstens klingt ja recht schön, fast könnte man an Rudolf Steiners Grundmaxime der freien Menschen denken: Leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen im Verständnisse des fremden Wollens...
 
Aber ich denke an Putins „Lizenz zum Töten“ 5); ich denke an Anna Politkowskaja, an Aleksandr Litwinenko, an Boris Nemzow, an Sergej und Julia Skripal; ich denke an Dugins zorniges »Töten! Töten! Töten!« 6) …
Und ich denke auch an sein Buch über die »Vierte Politische Theorie« 7), in dem er schreibt, der Liberalismus müsse »besiegt und vernichtet« werden (S 53) – in seiner Vision einer multipolaren Welt würde es also einen liberalen Pol nicht geben. 
Und geradezu verächtlich spricht er von der »Menschenrechts-Ideologie«, die heute »praktisch zum Zwang« werde (S 16), denn die liberale westliche Welt, das betont Dugin immer wieder, sei ein »implizit totalitäres System«.
Auch in einem erst jüngst veröffentlichten Interview 8) macht Aleksandr Dugin sehr deutlich, was er von den Menschenrechten hält:
»Das moderne, atlantische und nicht natürliche Europa pocht auf die Universalität der Menschenrechte, die für die gesamte Menschheit gelten würden, ohne dabei zu fragen, was der Mensch ist. Das Verständnis des Menschen ist von den jeweiligen Traditionen abhängig.«

Beim »Lebenlassen der anderen« geht es der Tradition, der Aleksandr Dugin sich verbunden fühlt, also ganz offensichtlich um kollektive Identitäten, nicht aber um den einzelnen individuellen Menschen.
Dieser „kollektive“ Begriff des Liberalismus 9) muß wohl zugrunde gelegt werden, wenn Dugin sagt, es gäbe heute in Rußland mehr Liberalismus als im Westen. Die russische politische Elite sei zwar »eine Katastrophe«, aber Putin sei »ein guter Zar«. 
Immerhin – er freue sich, daß es »in Österreich jetzt besser« geworden sei 10).

Mit vielen Fragen, die sich erst nach und nach in mir präzisieren, gehe ich nach Hause – und auch die „James-Bond-Gefühle“ sind wieder da: man bedeutet mir geheimnisvoll, ich werde erst morgen im Laufe des Tages erfahren, ob ich zugelassen werde zur Diskussionsveranstaltung am folgenden Abend (26. Jänner 2018), die an einem anderen (selbstverständlich ebenfalls zunächst geheimen) Ort stattfinden und zur Gänze Dugins Liberalismuskritik gewidmet sein wird.


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1) Kai Ehlers' Goetheanum-Artikel ist online nur für Abonnenten zugänglich; aber er macht seine Positionen zu Rußland in einem ganz aktuellen, längeren Aufsatz auf seiner website deutlich: http://kai-ehlers.de/2018/04/angst-vor-russland-warum-der-genauere-blick-auf-die-putinschelte/
2) Hier ein Mitschnitt der Vorreden und Auszüge aus Dugins Vortrag: https://youtu.be/gVpNx2HPmw0?t=3


4) Aleksandr Dugin leitete von 2010 bis 2014 den Lehrstuhl für Soziologie der Internationalen Beziehungen an der Lomonossow-Universität in Moskau.


6) gegen Ende dieses Videos: https://www.youtube.com/watch?v=R_63IswcVnA

7) A. Dugin: Die Vierte Politische Theorie, 25.9.2013, Verlag Arktos Media


9) Ich denke dabei auch an die Kontroverse Sommerfeld – Weise über den Geltungsbereich der Unantastbarkeit der Würde des Menschen: http://diedrei.org/tl_files/hefte/2017/Heft11-2017/17-leserforum-DD_1711.pdf

10) Seit 18.12.2017 haben wir in Österreich eine »türkis-blaue« Regierung (Koalition aus ÖVP und FPÖ).

Kommentare

  1. "Kollektiver Liberalismus"

    Der Mensch ist ein kollektives Wesen. Alleine kann er weder frei sein, noch Entwicklungen durchmachen oder Ziele erreichen.
    Geistesgeschichtlich betrachtet, sind sowohl die Nationalstaaten als auch die moderne Demokratie aus der Philosophie des Liberalismus hervorgegangen. Eines Liberalismus, der heute bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurde, zu einer Floskel zur Rechtfertigung moralischer Überlegenheitsansprüche.

    Hat der "Westen" seine Funktion als Helfer für das Fortschreiten der Menschheit in seinen Entwicklungsstufen also schon ausgelebt? Wenn heute Russland nach seinem Selbstverständnis aufgrund seines "kollektiven Liberalismus" sich liberaler fühlt, als der Westen?
    Einem Westen, wo allen angeblichen Freiheiten zum Trotz man geradezu als Verbrecher dasteht, wenn man sich zu irgendeiner kollektiven Identität bekennt?

    Irgendwann wird das Ergebnis der heutigen Selbstverleugnung nicht ein Europa ohne Russland sein, sondern ein Russland ohne Europa, welches vielleicht sogar das Zeug zu einem "neuen Europa" haben könnte.

    Wenn die Entwicklung in diesem Sinne fortschreitet, in einem geistigen Gefängnis, wo z.B. das Eintreten für den Frieden einfach so als Kriegspropaganda bezeichnet werden darf, in dem vor lauter geistiger, wirtschaftlicher und militärischer Bündnistreue etwas nicht Greifbarem und Identitätslosem gegenüber, das weder europäisch , liberal noch demokratisch ist, dann ist ein anderes Ergebnis wohl kaum denkbar.

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    1. @ Anonym:

      »Der Mensch ist ein kollektives Wesen. Alleine kann er weder frei sein, noch Entwicklungen durchmachen oder Ziele erreichen.«
      Deinem zweiten Satz stimme ich zu. Aber ich sehe den Menschen nicht als ein kollektives, sondern als ein soziales Wesen. Das ist etwas anderes.

      Im von Ton verlinkten Spiegel-Interview stellt Aleksandr Dugin die entscheidende Frage:
      »Gibt es Werte, die für die gesamte Menschheit charakteristisch sind?«
      Offensichtlich beantwortet Dugin diese Frage mit »Nein«:
      »Es gibt keine universellen Werte. Die, die dafür gehalten werden, sind eine Projektion westlicher Werte.«

      Ich halte es da eher mit Isaiah Berlin (in meinem Elefant-und-Pressesprecher-Aufsatz habe ich das schon einmal zitiert):
      »I came to the conclusion that there is a plurality of ideals, as there is a plurality of cultures and of temperaments. […] There is not an infinity of [values]: the number of human values, of values which I can pursue while maintaining my human semblance, my human character, is finite – let us say 74, or perhaps 122, or 27, but finite, whatever it may be. And the difference this makes is that if a man pursues one of these values, I, who do not, am able to understand why he pursues it or what it would be like, in his circumstances, for me to be induced to pursue it. Hence the possibility of human understanding.«

      »Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß es eine Vielzahl von Idealen gibt, genauso wie es eine Vielzahl von Kulturen und Temperamenten gibt. […] Die Anzahl der Werte ist nicht unendlich: die Anzahl der menschlichen Werte, jener Werte, die ich hochhalten kann, ohne meine Menschenähnlichkeit, meinen menschlichen Charakter, zu verlieren, ist endlich – sagen wir 74, oder vielleicht 122, oder 27, aber endlich, wie viele es auch sein mögen. Und der Unterschied: wenn ein Mensch einen dieser Werte anstrebt, kann ich, obwohl ich das selbst nicht tue, verstehen, warum er ihn anstrebt, oder wie es wäre, wenn ich, in seiner Situation, mich veranlaßt sähe, ihn anzustreben. Deshalb ist menschliches Verstehen möglich.«

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    2. Herzlichen Glückwunsch, Ingrid, zu dem fabelhaften Gedanken, mal gucken zu gehen. Wir haben das im Januar verfolgt, daß der Mann da in Wien sprach, und daß man noch nicht wisse wo. Wenn der Mann da sagt, daß es in Österreich jetzt besser sei, weiß ich nicht einmal, ob auch dies ein "Insider" ist, der Ungarn u.a. miteinbezieht, denn jeder ordentliche Geschichtsrevisionist, der vom alten Europa träumt und "philosophiert" kann i. d. Fall damit auch Transleithanien, die Länder der Heiligen Ungarischen Stephanskrone meinen. Wenn das kleine Kernösterreich sich jetzt auch ummodelt, der Mann wollte eh, daß es verschwinde, gleicht es sich nur der Umgestaltung der Old Orban Professionals an.

      Es gab einmal eine Phase in meinem Leben, während der 80er Jahre, da war ich überzeugt, die Weltkriege wären Rückschläge gewesen, und nun ginge es zügig mit der Zivilisation voran. Daher wurde ich irgendwie progressiv und wollte immer noch ein bißchen mehr... warum nur denn das? Ich ahnte, wieviel Potential in jedem Menschen stecken könnte, hätten er oder sie nur die Möglichkeiten, die die meisten aufgrund ihrer Schicksale ja doch nicht haben, und niemals nur ahnen werden..
      Als die Eisernen Vorhänge aufgingen, war das für mich ein folgerichtiger Schritt zur Nivellierung des "Wohlstands" und in einer fernen Zukunft sah ich blühende Landschaften nicht nur für diese sowjetische Besatzungszone, die sie "DDR" nannten. Auch z.B. Nordkorea und Haiti, auch dort sollten einmal Menschen erst Wohlstand, dann Bildungserlebnisse, dann tiefe meditative Erkenntnisse erlangen. Das ist vielleicht noch möglich,aber ich hätte nicht gedacht, weil in einer recht behüteten Weltgegend aufwuchs, daß Rückschläge so unbarmherzig und unbedingt stattfinden würden. Jeder möchte in seinem bißchen kurzen Leben noch das Herandämmern Goldener Zeitalter sehen. Was man dann im Alter erlebt, ist das Lager, der Einmarsch der Streitmacht eines Idioten, oder der Zerfall bereits errungener Werte, oder vielleicht doch noch die Erfindung des Farbfernsehens. Und einen Willy Brandt in Warschau? In Indien heiße das Wort für "morgen" so, hörte ich neulich, wie für "gestern", wir kennen das auch ein bißchen und sagen "einstmals", "einst" versus "dereinst"...
      Doch statt Entwicklungen nur Zyklen erkennen zu wollen, ist fatal, und auch fatalistisch.
      Es gibt eine Bestimmung, die sich wirklich nicht "materiell" fassen läßt, die den Menschen zum Menschen macht ... - und nicht zum Herdenvieh, welches alle paar Jahrzehnte mittels Ideologien seine selektionsdrucksteigernden Pogrome brauche, um die Gattung doppelt widerstandsfähiger zu machen. Gesetze, die sich Menschen geben, sind ein Versuch, dieser Bestimmung Ausdruck zu verleihen: Die zehn Gebote! Waren einer dieser Versuche. Ja klar kommen sie "aus dem Himmel"! Es gibt keinen irdisch nachweisbaren Anlaß, das Töten zu unterlassen, oder nicht Übergriffe auf die zwischenmenschlichen Beziehungen unseres Nächsten zu machen, oder nicht munter zu klauen.

      Es gibt unter dem Schutz des Gesetzes und seiner Regelungen, die den Ausdruck der menschlichen Bestimmung versuchen, Kristallisierungen von Spielregeln, Mustern, die sich heranentwickelt haben, Konventionen. "Künstler" und geschickte Spieler spielen mit Konventionen, brechen virtuos Regeln auf, definieren neue, oder machen plumpes differenzierter, brechen mit Konventionen, um tieferes und höheres sichtbar zu machen usw. Manchmal gelingt es, mal auch nicht. Aber diese Menschen schonen stets das Gesetz und brechen nie mit der Bestimmung. Immer wieder aber wähnen sich Kriminelle genial, und sie und ihre Bewunderer und Anbeter wähnen sich als Schöpferische Menschen und als Künstler, weil ihnen der "geniale" Gedanke kam, die Schallmauer ihres Gewissens zu durchbrechen, es knallen zu lassen, nämlich die Gesetze zu brechen.

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    3. Lieber Mischa,

      »Doch statt Entwicklungen nur Zyklen erkennen zu wollen, ist fatal, und auch fatalistisch.«
      Das ist interessant, daß Du jetzt darauf aufmerksam machst.
      Ich zitiere aus Aleksandr Dugins Buch „Die Vierte Politische Theorie“:

      Das Kapitel »Die Umkehrbarkeit der Zeit« (S 70ff) beginnt so:

      »Die Ideologie der Moderne hat drei politische Theorien [Liberalismus, Kommunismus, Faschismus; I.H.] produziert. Sie alle beruhen auf der Grundlage des Fortschrittes. Fortschritt impliziert die Unumkehrbarkeit der Zeit, also einen sich vorwärtsbewegenden, prädeterminierten Evolutionsprozess.
      […] Zeit ist ein soziales Phänomen, dessen Strukturen nicht von seinen Objekten abhängen, sondern von der Herrschaft gewisser sozialer Paradigmen, denn das Objekt wird von der Gesellschaft selbst bestimmt. In der Moderne wird die Zeit als unumkehrbar, fortschrittlich und unidirektional angesehen. Das stimmt aber nicht unbedingt innerhalb von Gesellschaften, die die Moderne nicht akzeptieren. In gewissen Gesellschaften, denen eine strenge, moderne Zeitvorstellung fehlt, existieren zyklische und sogar regressive Zeitvorstellungen. Bei der Bildung der Vierten Theorie wird also Politikgeschichte im Zusammenhang einer pluralistischen Gestaltung von Zeitvorstellungen berücksichtigt. Es gibt so viele Zeitvorstellungen wie Gesellschaften.
      Die Vierte Politische Theorie […] betrachtet Fortschritt und Modernisierung in Bezug auf und in enger Verbindung mit aktuellen historischen, sozialen und politischen semantischen Gelegenheitsursachen, causae occasionales im Sinne von Occasionalismus. Fortschritt und Modernisierung sind wirklich, aber relativ, nicht absolut. Damit gemeint sind bestimmte Phasen und nicht die gesamte Entwicklung der Geschichte. […]
      Die Vierte Politische Theorie verwendet eine gesellschaftsabhängige Vorstellung von umkehrbarer Zeit. Im modernen Kontext sei die Rückkehr von einem Punkt in der Geschichte zu einer früheren unmöglich. Im Kontext der Vierten Theorie ist das aber möglich.«

      Und die Fußnote des Herausgebers:
      »Occasionalismus hat anfangs eine besonders deutliche Stelle im Islam eingenommen, wurde dann später in die christliche Theologie übertragen und auch von Descartes und seinen Anhängern aufgegriffen. Danach hätten alle Ereignisse ihre letztliche Ursache in Gott, da die Materie sie nicht zu verursachen vermag. Nach jener Theorie sei Gott auch rational; die durch ihn verursachten Ereignisse hätten folglich auch eine logische Reihenfolge.«


      Und Du sagst:
      »Es gibt unter dem Schutz des Gesetzes und seiner Regelungen, die den Ausdruck der menschlichen Bestimmung versuchen, Kristallisierungen von Spielregeln, Mustern, die sich heranentwickelt haben, Konventionen.«
      Ja.
      Aber auf diesem Gebiet werden wir wohl keine allgemein-menschliche Lösung finden — denn Konventionen, diese »Kristallisierungen von Spielregeln« (wunderbarer Ausdruck!) hängen eben sehr stark von den Spielregeln ab, die sich nach und nach in der jeweiligen speziellen (zunächst natürlichen und nach und nach auch kulturellen) Umgebung entwickelt haben.
      Da hat Dugin natürlich recht: Konventionen sind tatsächlich in jeder Kultur anders.


      Herzlich,
      Ingrid

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    4. @ Ingrid,

      "kollektiv" beschreibt mehr die de facto Situation, in die jeder Mensch zwangsläufig hineingeboren wurde oder die er sich ausgesucht hat, "sozial" mehr eine moralische Qualität. Im Kollektiv wirkt jeder zwangsläufig, für das Wirken in sozialer Hinsicht braucht es ein bisschen mehr.

      Dugin sagt nur, dass es keine universellen Werte gibt, nicht daß solche keine Existenzberechtigung hätten. Das ist schon ein Unterschied. Er meint damit solche, die auch in der Realität von allen Menschen, Kulturen, Nationen usw. anerkannt wären. Er sagt, dass solche nicht existieren, und er hat damit unwiderlegbar recht.
      Er lässt sich nicht darüber aus, ob es richtig oder falsch wäre, solche zu postulieren, ob es solche geben sollte oder nicht. Das ist ein Unterschied zur "westlichen" Auffassung, wo ja behauptet wird, es gäbe sie, und zwar nicht nur für den Westen, sondern für die ganze Menschheit.
      Dugin weist damit sehr elegant auf den seiner Meinung nach ungerechtfertigten und angemaßten westlichen Überlegenheitsanspruch hin, der keine abweichenden Werte neben den seinen toleriert.

      Er sagt ja beispielweise auch: "Europa weiß offenbar alles, es redet mit anderen wie mit Idioten".
      Er ist es, der damit eine neue Qualität des Dialogs des Westens mit anderen Kulturen und Nationen einfordert, auf Augenhöhe und im Bewusstsein der Gleichberechtigung. Interessant auch die Tatsache, dass er nicht meint, die östliche Zivilisation sei grundsätzlich der westlichen überlegen, aber jedenfalls dort, wo der "kulturelle Rassismus" des Westens zu Tage tritt, den er klar erkennt und umschreibt und wo er um diesen zu charakterisieren zum Spiegel-Gesprächspartner sagt:
      "Ich akzeptiere Sie, aber Sie mich nicht. "

      Er trifft genau den schwachen Punkt unseres Selbstverständnisses.

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    5. @ Anonym:

      »"kollektiv" beschreibt mehr die de facto Situation, in die jeder Mensch zwangsläufig hineingeboren wurde«
      Ja. Zwangsläufig. Das ist der Punkt.

      »oder die er sich ausgesucht hat«
      In Dugins Verständnis würde das nicht gelten. Er hat etwas dagegen, daß jemand sich von dem „Kollektiv“, in das er hineingeboren wurde, befreit, und sich ein anderes aussucht. Denn ein solches Verhalten wäre ja schon Ausdruck der individuellen Freiheit ... und die darf es, laut Dugin, nicht geben: in seiner Vision einer multipolaren Welt ist kein Platz für einen liberalen Pol vorgesehen.


      »Dugin sagt nur, dass es keine universellen Werte gibt, […] und er hat damit unwiderlegbar recht.«
      »Unwiderlegbar« — genau.
      Und die »westliche Auffassung« behauptet - ebenso unwiderlegbar - daß es solche universellen Werte gibt.

      Solange wir uns mit derlei behaupteten Unwiderlegbarkeiten zufriedengeben, sind wir im Reich der Dogmen. Und wenn zwei unterschiedliche Dogmen aufeinanderprallen, gibt es Krieg. Da ist dann nix mehr mit »Eintreten für den Frieden« ...

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    6. Danke, ja, Ingrid.
      Auch ohne jetzt Dugins Instruktionen und philosophischen Einladungen zu seiner Art von Gewissens-Relativismus zu lernen, ich habe mir einige Diskussionen auf der Tube angesehn, um meine Augen zu schonen, wo er beteiligt war, oder dozierte, man spürt doch, ohne es genauestens in seinen Textspuren nachweisen zu müssen, daß es Dugin darum geht, das, was ich die Bestimmung des Menschen nenne, die auch einem zivilisatorischem Fortschritt unterliegt, als Konvention darzustellen.

      Was steht höher? Inhalt, oft noch unausgesprochen. Ausdruckseite, das "Artikulierte", bzw. der Artikulationsversuch?

      Es ist förderlich, wenn wir nicht jeden Moment um unser Leben fürchten müssen? Sicher fördert es Fähigkeiten zutage, wenn ich ständig um mein Leben kämpfen darf, die mich einem Menschen aus dem Streichelzoo der wohlstands- und bildungserlebnissgesättigten Zivilisation überlegen machen, nämlich in Zeiten, wo Kriminelle uns ständig an Haut und Wäsche wollen. Dugin findet den Streichelzoo der "degenerierten Gayropäer" langweilig, er hätte gerne ein Mischen aller Karten, um danach wieder eine romantische Ständegesellschaft zu kristallisieren. Wo andere Völker womöglich, warum denn nicht?, als vierter Stand auch ihr Dasein als Sklaven zu fristen haben, wo Gottes Reich, wie die leidgeprüften Russen wissen, eh nicht von dieser Welt ist.

      Also nicht allein das bißchen Firnis von Demokratieverständnis will er wegrelativieren, sondern auch den Respekt vor dem Leben eines anderen individuellen Menschen. Er appelliert daher nicht an "Sklaven in spe", sondern an diejenigen, die anderen ihren Willen aufzwingen können! Ich hatte eine Tante aus Italien, die liebte Berlusconi, und die sagte immer: "Hört ihr mir auf, mit eurer Gesetzestreue, euren redlichen Karrieren. Ihr seid arme Leute geblieben. Es ist eine hohe Kunst, legale, aber eben auch illegale Mittel zu nutzen, um ein echter Mann und ein froher reicher Mensch zu werden! Denn Spitzbube oder Beamter zu sein, ist ein Leichtes, aber unter Verbrechern als Spitzbube sich einen Namen zu machen braucht Charakter!"

      Das sind diese Sackgassen, die im Gewande eines lebensbejahenden heiteren Optimismus eine Kapitulation und Resignation bezüglich der Bestimmung des Menschen darstellen, und Gesetze als bloßes Werk der Schlauen und Brutalen darstellen. Die eben abdrücken, statt schön den Revolver zu ziehen: Und dies eben nicht erst in Notwehr! Und dieses "es muß nicht in Notwehr sein" ist das Blinzeln und Augenzwinkern des Duginismus.

      Für mich sind die Versuche der "Zehn Gebote", die Lehren von Konfuzius oder Lao Tse, der Versuch des kategorischen Imperativ Ausdruck dessen, daß wir Menschen nicht das ignorieren, was ich "die Bestimmung" nennen möchte. Denn, ohne ein Mensch mit einer Würde zu sein, können wir gar nicht die Potentiale erschließen, die im Individuum schlummern.

      Machen wir wieder Sklaven und Tödteriche aus Menschen, wenn wir es schaffen, sie einzuschüchtern, um uns dann mit Betrug und Grausamkeit zum König salben zu lassen. Wie es die Mafia immer getan hat, und immer tun wird, da sie die gegenmenschliche Welt ist, und mitnichten eine kreative Alternativ-Kultur entwirft - Hoffnungskultur, jenseits von "Mainstream" und "Anti-Mainstream". ;-)

      Natürlich ist der Rückfall möglich. Natürlich können überwundene Zustände wieder die meisten wertvollen Individuen zu spezialisierten Robotern machen, zu Bauern, Soldaten, Prostituierten usw. wo allein der Pate, die Chefin, der König weiß, "daß Gott tot ist" und "das Leben an sich keinen Sinn" hat, während die übrigen in der machtpolitischen Klammer einer Scheinreligion Ikonen küssen müssen, sonst ... und somit nur Paten und Chefinnen wissen, warum es auch gut sein mag, nicht zu töten!

      "Du sollst nicht töten!" z.B. ist menschliche Bestimmung, weltweit. Womit der initiale Übergriff, mitnichten die reaktive Notwehr gemeint war. Es ist mitnichten "Konvention".

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    7. @ Ingrid,

      das ist jetzt aber wirklich nicht viel mehr als ein netter Sophismus? ;))
      Oder?
      Es ist aber doch unwiderlegbar so, dass Dugin eine Tatsache beschreibt, die westliche Auffassung" hingegen etwas nur behauptet.

      Klar ist es unwiderlegbar, dass der Westen behauptet, dass es universelle Werte gibt. Wir wollen aber doch nicht soweit gehen anzunehmen, Behauptungen hätten Beweischarakter. Oder doch?

      Außerdem, wo hat Dugin denn gesagt, dass es keine individuelle Freiheit geben darf?
      Ich gehe mal davon aus, dass es in einer multipolaren Welt grundsätzlich mehr Freiheit (als Wahlmöglichkeit für das Individuum wohlgemerkt) gibt als in einer unipolaren, da auch erstere nicht zwangsläufig einen "liberalen Pol" ausschließen muss.

      Wobei aber doch vertieft werden müsste, wenn man nicht riskieren sollte aneinander vorbei zu reden, was darunter, oder grundsätzlich unter Liberalismus zu verstehen ist.
      Denn wenn es etwas sein sollte, dass auf undemokratische Art Begriffe festlegt, also "Behauptungen Beweischarakter verleiht", und derart die Vorbedingung für den kulturellen Rassismus und Überlegenheitsansprüche schafft, hätte dieser Liberalismus - der somit jedes Aufeinander zugehen, jeden Dialog verhindern würde - auch reichlich wenig mit "Eintreten für den Frieden" zu tun.
      Höchstens noch mit "Krieg führen für den Frieden" eben.

      Ich gehöre einfach nicht der "Krieg ist Frieden"-Partei an. Meine Auffassung vom Erreichen des Friedens beginnt beim gleichberechtigten Gespräch auf Augenhöhe, also beim Verzicht auf den eigenen Überlegenheitsanspruch.

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    8. Lieber Mischa,

      »"Du sollst nicht töten!" z.B. ist menschliche Bestimmung, weltweit. Womit der initiale Übergriff, mitnichten die reaktive Notwehr gemeint war. Es ist mitnichten "Konvention“.«

      Ich fürchte, genau das könnte (wieder) zur Diskussion stehen, wenn Dugins Vision Wirklichkeit wird.
      Das Gebot (das eigentlich, wie etliche der zehn „Gebote“, ein Verbot ist) wird von den meisten Menschen heutzutage als Verbot der Tötung von Menschen verstanden.
      Wenn aber Menschenwürde und Menschenrechte nicht, wie es in der westlichen Welt Konvention geworden ist, für alle Menschen dieser Erde Geltung haben sollen, sondern nur für einen auserwählten Kreis (so groß dieser Kreis auch sein mag) - - - ???
      (Welchen Zweck mag wohl die Kleine Anfrage der AfD im Deutschen Bundestag haben?)

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    9. Das Gebot "Du sollst nicht töten" ist für die gesunden Menschen am leichtesten und auch ohne juristische Erbsenzählerei nachzuvollziehen.
      Warum, das mögen die Wissenschaftler klären, ich bin keiner. So alt werde ich nicht mehr, um noch einer zu werden. Ich müßte den ganzen Tag nur noch Bücher lesen, um mich im Blog rechtfertigen zu können.

      Das Problem ist, daß es wirklich keinen Grund gibt, einen anderen Menschen am Leben zu lassen, der nicht augenblicklich widerlegt werden könnte. Die Mitte der Welt, Europa, zwischen Mongolei, China, Sibirien über dem Ural und Brasilien, Kanada und Kalifornien überm großen Teich hat zu wenig Freude und Lust daran, ... am Töten und am Diskutieren auf universitärem Niveau, warum man manchen besser leben läßt. Was sagt Dugin zu Hannah Arendt? Schwieriges Thema..

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    10. Liebe Ingrid
      Mit meinem Sarkasmus habe ich mich auf Dr. anonym bezogen, der gleich wieder viele Philosophische Fässer gleichzeitig eröffnete in seinem durchaus geschult geistreichen Kommentar. Die Anfrage der AfD war ja schon deswegen eine Unverschämtheit, weil sie Listen über Listen einforderte, Statistiken, deren Erstellung lang, lang dauert, wo jeder eh weiß, daß da oben im Unausgesprochenem eine Wolke schwebt, wo "Euthanasie in der NS-Zeit" draufsteht ...

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    11. @ Anonym:

      »Außerdem, wo hat Dugin denn gesagt, dass es keine individuelle Freiheit geben darf?
      Ich gehe mal davon aus, dass es in einer multipolaren Welt grundsätzlich mehr Freiheit (als Wahlmöglichkeit für das Individuum wohlgemerkt) gibt als in einer unipolaren, da auch erstere nicht zwangsläufig einen "liberalen Pol" ausschließen muss.«

      Daß Du Dich da nur nicht täuschst.

      Dugin schließt die Freiheit (als Wahlmöglichkeit für das Individuum wohlgemerkt) explizit aus (S 53ff in „Die Vierte Politische Theorie“):

      »Liberalismus muß besiegt und vernichtet, das Individuum von seinem Pedestal herabgeholt werden. Könnten wir irgendetwas dem Liberalismus entnehmen - eben diesem hypothetisch besiegten und desorientierten Liberalismus?
      Ja. Es ist die Idee der Freiheit […] Die Vierte Theorie soll eine Theorie der absoluten Freiheit sein […] Freiheit ist der größte Wert der Vierten Theorie, denn sie deckt sich mit ihrem Zentrum und ihrem dynamischen, energetischen Kern.
      Der Unterschied besteht darin, daß diese Freiheit als eine menschliche aufgefasst wird und nicht als Freiheit für das Individuum. Als die vom Ethnozentrismus verliehene Freiheit, die »Daseins«-freiheit, die Kulturfreiheit, die Gesellschaftsfreiheit und die Freiheit zu allen Subjektivitäten - außer der eines Individuums.«

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    12. Lieber Mischa,

      »Das Gebot "Du sollst nicht töten" ist für die gesunden Menschen am leichtesten und auch ohne juristische Erbsenzählerei nachzuvollziehen.«

      Es geht mir nicht um juristische Erbsenzählerei, sondern um die Tatsache, daß das Tötungsverbot eben nicht etwas zu allen Zeiten ganz selbstverständlich Gültiges ist: die Todesstrafe ist längst nicht in allen Ländern abgeschafft, und selbst in den Ländern der „westlichen Welt“ ist ihre Abschaffung noch nicht sehr lange her (Deutschland 1949, Österreich 1968, Frankreich 1981...)
      Und weder die (unverbindliche) UN-Menschenrechts-Charta (1948) noch die (für die Staaten, die sie unterzeichnet haben, verbindliche) Europäische Menschenrechtskonvention (1950) sind etwas „Gottgegebenes“.
      Sondern sie sind Menschenwerk – von den Menschen der „westlichen Welt“ vor noch nicht einmal 100 Jahren errungen.

      Das sollten wir doch im Bewußtsein behalten.

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  2. Dugin ging 2014 in Der Spiegel noch weiter:
    “Die Fünfte Kolonne - das sind jene Liberalen, die Russland als Teil der westlichen Welt sehen, sie arbeiten gegen Putin. Die Sechste Kolonne aber hat sich innerhalb des Machtzirkels eingenistet, sie arbeitet und lebt mit Putin zusammen. Der Unterschied: Die Fünfte Kolonne ist gegen Putin, die Sechste für ihn. Aber alle sind sie liberale Westler.“

    “Er [Putin] ist eine gespaltene Persönlichkeit. Es gibt den lunaren und den solaren Putin, wie ich ihn nenne. Der solare Putin ist der Putin, wie ich ihn sehen möchte. Der lunare aber betrachtet die Welt aus der Perspektive von Verträgen, Kooperationen, Gaslieferungen. Das ist der Pragmatiker. Zwischen beiden gibt es einen Konflikt. Putin ist eine zutiefst gespaltene Person… Er hat beim Geheimdienst gearbeitet - vielleicht sagt er deswegen immer genau das Gegenteil von dem, was er meint.“
    „Jeder Westler ist ein Rassist“, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-128101577.html

    Ein politischer Dualismus kann die europäische Russophilie erklären. In dem modernen, dualistischen, manichäischen Weltbild, wählen anti-amerikanische Europäer für Russophilie (d.h. Putinophilie). Tertium non datur.

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    1. Mag sein, dass einige das tun.
      Klar ist aber auch, dass der primitive Dualismus der Befürworter der unipolaren Welt diese dazu bringt, alle Gegner als Russophile zu bezeichnen. Ein grösserer Schwachsinn ist kaum denkbar.

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  3. Lieber Ton,

    »In dem modernen, dualistischen, manichäischen Weltbild, wählen anti-amerikanische Europäer für Russophilie (d.h. Putinophilie). Tertium non datur.«
    Ja. Protestwahlen, in denen man sich gegen etwas ausspricht, ohne sich eingehend damit zu beschäftigen, wofür man sich damit entscheidet, werden uns ebensowenig weiterbringen wie dieses Dualismus-Strickmuster »entweder USA durch und durch gut, Putin durch und durch böse - oder USA durch und durch böse, Putin durch und durch gut«.
    Deshalb hab ich mich wirklich gefreut, Dugin persönlich erleben zu können (übrigens warst Du es, durch den ich auf diese Möglichkeit aufmerksam wurde - danke!), ihm sogar im Anschluß an die Diskussionsveranstaltung eine Frage stellen zu können, um auf diese Weise zu versuchen, mir ein etwas differenzierteres Bild zu machen (dazu, wie gesagt, in meinem nächsten Aufsatz).

    Übrigens kam auch das Thema solarer/lunarer Putin zur Sprache: jemand fragte (mit glitzernden Augen... Putin als Werwolf???), ob das rhythmisch abwechsle, etwa im Zusammenhang mit den Mondphasen ...
    Nein, sagte Dugin. Das geschehe unberechenbar, es hänge wohl vom jeweiligen Thema ab.

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    1. Ingrid, nehmen die Egoisten via Dugin Einfluss auf das Weltgeschehen?
      Sieht Dugin (aus einer GRU-Familie), in einer grotesken Verdrehung, in Putins Pragmatismus einen lunaren Aspekt (der behäbige Bürger ‘John William Smith‘ und inkarnierte Ahriman bei Steiner, 195.54) und in Putin als unberechenbare ‘Lichtkrieger‘ seine solare Seite (der gute Geist Ormuzd)?

      In seiner Zeitauffassung (und damit zusammenhängend Endzeit, Messianismus, Lichtkrieg und Dualismus) ist Dugin stark beeinflusst von iranischen Ideen:
      https://4threvolutionarywar.wordpress.com/2017/07/30/alexander-dugin-iran-in-anticipation-of-the-end-of-the-light/

      Steiner hatte 1916 der Eurasianismus (Chomiakow, Danilewsky ) und den iranischen Einfluss auf den russischen Slawophilen dargestellt:
      “Ein merkwürdiger Panasiatismus, 1885 von Jushakow ganz programmmäßig in einem dicken Buche ausgesprochen! Er sagt: In einem schönen Mythos - der aber wahr ist - haben diese asiatischen Völker ihr Schicksal dargestellt. Da gibt es die iranischen Völker drüben, welche gekämpt haben gegen Ahriman, so sagt Jushakow, gegen den bösen Geist Ahriman, der Unfruchtbarkeit und Dürre und Unmoralität wachruft gegen die Menschen, alles dasjenige, was die menschliche Kultur stört. Verbunden haben sie sich mit dem guten Geist Ormuzd, dem Gott des Lichtes, dem Geist, der alles die Menschen Fördernde gibt.“ 65.446
      Vgl. auch Steiner 24.313 f. (1915) über Danilewskys Kritiker, Wladimir Solowjow, der 1884 aus seiner christlichen Sichtweise den Schutz der Juden als wichtigste Aufgabe seines Lebens sah.

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    2. Lieber Ton,

      »Ingrid, nehmen die Egoisten via Dugin Einfluss auf das Weltgeschehen?«

      :-) Meinst Du etwa, weil Putin die österreichische »balancierte Position in aktuellen Fragen« gelobt hat?

      Also: ich bin zwar sicher, daß jeder einzelne von uns in irgendeiner Weise Einfluß auf das Weltgeschehen nimmt — denn wir alle miteinander sind ja das Weltgeschehen (vgl meinen Aufsatz über den ganzen, den rühmlichen Teppich...)
      Ob es gerade via Dugin geschieht, erscheint mir allerdings doch eher zweifelhaft.
      Freilich: ich habe zwei kurze Gespräche mit ihm geführt. Das erste sogar unter vier Augen, vor der Diskussionsveranstaltung, als ich ihn allein im Saal antraf… ich nutzte die Gelegenheit, ihn zu fragen, was er in seinem Vortrag mit „Ssubele“ gemeint hatte. Er erklärte, das sei eine prä-europäische, gewissermaßen prä-kulturelle Naturgöttin, die für Sinnlichkeit und Materialismus stehe (erst später begriff ich die mißverständliche Aussprache: er meinte Kybele. Im Russischen steht der Buchstabe y für u, und in der Aussprache gibt es den Kentum-Satem-Unterschied, vgl Kaiser-Zar...).
      Und als er sich wunderte, wieso alle anderen im Nebenraum seien, erklärte ich ihm, daß sie am dort aufgebauten Buffet ihren „subelischen“ Impulsen folgten. Da stutzte er erst kurz (eine solche Bemerkung hatte er offensichtlich nicht erwartet), und dann lachte er.
      Falls diese Mini-Episode tatsächlich irgendeinen Einfluß auf ihn gehabt haben sollte, dann war es sicher nur ein sehr sehr kleiner.

      Von meinem zweiten Kurzgespräch mit ihm, nach der Diskussionsveranstaltung, erzähle ich dann im zweiten Teil meines Berichts.

      Danke für die Steiner-Hinweise! Das werde ich mir noch näher anschauen.

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    3. Der Verweis Dugins auf die Kybele ist auch deshalb aufschlussreich, weil dieser uralte Muttergöttin- Kult, der an jedem Backofen mittels Figurinen zelebriert würde, in der römischen Variante zum cäsarischen Staatskult avancierte- eine dunkle Wiederererweckung zur Stärkung der Macht. Auf der anderen Seite wurde daraus die Verehrung Demeters und die konkrete, kultische Veredelung des Getreides. Kybele hat also zwei scharf voneinander getrennte Seiten. Das Christentum hat sie mit dem Marienkult assimiliert. Wieder einmal verweist Dugin auf vorchristliche Kulte, aber auch auf seine esoterische Stellung.

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    4. Lieber Michael,

      »Wieder einmal verweist Dugin auf vorchristliche Kulte, aber auch auf seine esoterische Stellung.«
      Ja. Wobei Kybele das Feindbild ist.
      In diesem Video vom November 2016 sieht er Hillary Clinton als Vertreterin dieser »Naturgewalt eines matriarchalen Grauens«:
      »Clinton ist das Abbild der wahnsinnig gewordenen Großen Mutter Kybele, die ihre Liebhaber kastriert.« (Minute 2.25; auf Russisch sagt er interessanterweise nicht „Ssubele“, sondern „Kibele“...)

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    5. Liebe Ingrid,
      Hillary Clinton als archaische Erdenmutter erscheint mir dann schon etwas Gaga als Vorstellung. Aber okay- Donald Trump als Präsident ist ja auch sehr bizarr.

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    6. Ja klar. Es ist viel Bizarres um diesem neuen Rasputin.
      Übrigens auch, was seine großteils andächtig lauschenden Zuhörer betrifft.

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    7. Kybele (Mutter Erde) als drittes Prinzip sei Dugins eigene post-Nietzscheanische Entdeckung.

      Siehe, Noomahia (Geisteskampf), Lecture 1, auf Englisch, www.youtube.com/watch?v=D90G1Efx950,
      Cybele (Rhea) ab 50:50. Inhalt:
      “The basic idea of Noology is: there are three main Logos that include in them countless variants. 1. The Logos of Apollo. Definition. Light. Verticality. Pure patriarchy. Androcraty. The Gilbert Durand’s concept of regime of diurne. The day, the Heaven. Platonism. The God Father. Law. Straight line. From top to the bottom.
      2. The Logos of Dionysus. Definition. Semilight, dawn, duality, dialectic. Earth and Heaven. Pair. Man and woman. Androgyne. The dance. The rhythm. The circle. The curve.
      3. The Logos of Cybele. The Great Mother. Matriarchy. The Earth and hell. Underworld, Tartarous. Hades. Materialism, growth, progress. From the bottom to top.
      The main principle of Noomahia: three Logos are in insoluble conflict, they fight. They fight for the form of Nous that would dominate over culture.”

      Vgl. die drei Logoi-Theorie bei Steiner z.B.: in der antiken Mysterienweisheit (8.71 f. Vater, Sohn, Mutter), in der slawischen Mythologie (121.178 f. Himmelsvater, Segenskind, Erdenmutter), und als drei Göttergenerationen (180.133 f. mit Gäa, Rhea und Hera).

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    8. Danke, Ton!

      Und Aleksandr Dugin sieht Apoll und Dionysos nicht als unvereinbare Gegensätze: diese beiden patriarchalen, vertikalen Hierarchien bildeten gemeinsam die Grundlage des europäischen Logos (siehe hier, Minute 12.10).
      Diesen apollinisch-dionysischen Logos habe Europa heute verloren, es herrsche der präeuropäische Logos der Kybele (der »ssubelische« Logos).

      Für Dugin scheint es einen übergeordneten insoluble conflict zu geben zwischen Apoll/Dionysos auf der einen und Kybele auf der anderen Seite.

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    9. Liebe Ingrid

      Um mit Dugin und über Dugin sprechen zu können, und auch um gegen Dugin in dessen Sprache zu sprechen müßten wir erst einmal etwas über die scheinbare und tatsächliche Gegensätzlichkeit von Mythos und Logos in Erfahrung bringen. Und dann, innert des Mythos - hier im altgriechischen Mythos - über das, was das Titanische ausmachen könnte, und was das Olympische ausmachen könnte. Nur kurz: Titanen, alle die Söhne der Urmatriarchin Gaia, sind alle Vatermörder und die Väter Kinderfresser. Das ist kein Urteil, sondern Bestandteil der Erzählungen, der Sage. Und alles Titanische ist identisch mit dem zyklischen Prinzip, der ewigen Wiederkehr das gleichen. In einer Interpretation könnte man sagen: Die Titanische Welt ist daher erst der Raum, "Matrix", und mit den Göttern kommt die Zeit. Erst ab hier kommt wirklich Geschichte und Entwicklung. Doch das Titanische versucht immer neu, auch dies wieder in Weltenzyklen, die somit "Wahr-Sage" werden, Prognose, die Zeit der Götter zu vernichten, um die Zeit in einem riesigen - Titanen gegen die Götter - Kampf wieder in den zeitlos zyklisch, pendelnden Raum zurückzurelativieren.

      Über diese Dinge, die ich nun da von Dugin höre, habe ich entzerrter hin - und wieder ein bißchen was an der Uni gemacht, und bißchen gelesen. Mir fehlt das Graecum, und ein Sanskritstudium wäre auch was gewesen.. aber kein Mensch kann am all das ermessen, was es da an Forschungsmöglichkeiten noch gibt, wo halt jetzt Dugin Mahlzeit hält...

      Was ich schon bei der Beschäftigung mit dem Thema "Antisemitismus und Anthroposophie" erfahren mußte, war, daß man als ungebildeter und steinerlesender Simplex Simplicissimus (als Hanauer Kalb in Camphill Praktiken zum Beichpiel) sich einen Sehfehler erwerben kann, weil Rudolf Steiner manchmal mit sanfter Gewalt, aber eben doch gewaltsam sein offenbar stupendes Wissen auf seine Anthroposophie eingenordet hat. Kurz: Ich habe erlebt, daß als Anthroposophen sich wähnende hohe Figuren der Szene echten wissenschaftlich in der Geschichte des Judentums ausgebildeten Experten glaubten, erklären zu können, was das Judentum sei.

      Etwas, ich mir zwar nie angemaßt hätte, aber mich, solches teils abseits beobachtend, dabei ertappte, daß ich das, was ich wußte, fast schon reflexhaft in einer steinerschen Geschichtsinterpretation verarbeitet und eingeordnet hatte. Ich war zwar nicht anthroklassisch antijudaistisch unterwegs, aber ich sah- intim für mich - im Judentum, und eben auch in - allen - anderen Religionen, auch im Amtkirchentum übrigens, chronologisch die unzähligen Vorläufer, die nach und nach das Zeitalter der Bewußtseinsseele vorbereiten. (Zu dessen Andämmerung dann auch die noch gaanz junge juristische und schließlich organisatorische Verankerung der Abschaffung der sog. Todesstrafe ;-) für mich gehörte..) Und habe das niemand verraten. Aber für mich immer als ein Pi mal Daumen Maßstab hergenommen.

      Mythenforschung war in der Epoche des fin de siecle, der "Hohen Rilkezeit" groß angesagt, und hatte einen optimistischen Nimbus und Stellenwert. Denn diese Forschung, in der altgriechischen Betrachtungsvariante, ist in Freuds Psychoanalyse eingeflossen, und von Freuds Schülern, je nach deren Temperament und Schwerpunkten spezifiziert worden. Hesse war mit der indischen Mythologie beschäftigt und gestaltete daraus grundlegende Prinzipien, nach denen er seine Romane aufbaute. Und großartiger Mythos-Rezeptionist war Thomas Mann, der im Zauberberg die ewige Wiederkehr des Gleichen, und was sie in der Moderne bedeuten kann, zur Grundlage der Handlungsentfaltungen genommen hat.

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    10. Dugin würde den Zauberberg an guten Tagen sicher als Satire auf einen gayropischen schwindsüchtigen Steichelzoo goutieren, die unbewußt gewordene Mühle ewig gleicher Vorgänge, auf dessen Oberfläche hinfällige Eitelkeit schillern, die alsbald sang - und klanglos verschwinden.. Im Josephsroman wandte sich Thomas Mann - durch einen Hinweis Goethes inspiriert - der alttestamentlichen Mythologie zu, und intensivierte für dieses große Projekt seine Forschungen zu diesem Thema. Als diese kreativen Zeiten endgültig untergingen, requierierten die Nazi nochmal diesen Begriff für sich, und sprachen vom Mythos (Mythus) des 1000jährigen Reiches, um möglichst viele Simplexe einzufangen, um sie mit in den Untergang nehmen zu können.. hrm .. ;-)

      Ich selbst habe bis heute noch nicht das Bahai um den "Logos" begriffen. Was ein Mythos ist, das verstehe ich. Was aber der Logos sein soll, das scheint mir vom Zusammenhang des jeweiligen Kontextes, in dem er Terminus ist, abzuhängen. Ich sah darin immer nur ein Ausdruck von Logik ergo Folgerichtigkeit, ergo Lineares Denken. Wohingegen Mythos eben die "Wahrsage" beinhaltet, daß die titanische Welt der Gezeiten vom göttlich inspirierten Menschen verständnisvoll ausgesönt begriffen werden, um darin von Festzeit zu Festzeit eine Entwicklung aus dem Traum in mehr und mehr Bewußtsein zu ermöglichen.

      Dem dumpf titanischen Matriarchat der immerweinden Gaia, die nur Söhne liebt, die Väter aber haßt, wo Väter Söhne verspeisen, Söhne Väter entmannen, der Herrschaft der Gaia (man sehe sich nur im mediterranen Raum die Männer gebeugt unter der Last der Gaiastandbilder, als "Maria" getarnt, und der Kronos mit der kleinen Sichel, als "Jesulein" getarnt, mit einem "Lilienzweig" statt dem Sichelchen) .. all dem entgegengesetzt sah ich die Vorläuferinnen der Gleichberechtigung von Mann und Frau, Artemis, Pallas Athena, Aphrodite, die in ihrer Wachheit "männlichen" Göttinnen, Freunde der männlichen Götter, die auch "Männinen" sind, als Wegbereiterinnen einer Gesellschaft, in der Mann und Frau schließlich soverän gegenüberstehn. Auch Dionysos ist kein Titan mehr. Auch der Hephaistos nicht. Letztere stehn dem titanischen freilich sehr nah!

      Ich glaube, Dugin lenkt hier sehr vom Mütterchen Rußland ab, auch von den weinenden Mütterchen, die als schwarze Witwen rund um den Ätna wohnen, die von ihren Söhnen den Richter Falkone entmannen ließen....

      Rhea ist übrigens diejenige Titanen, die sich des Zeus erbarmt, und damit die Herrschaft der Götter, die Herrschaft des Olymp vorbereitet! Gaia was not amused! :-))

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    11. Ich bin soo sorry über die Fehler, die sich in meine Texte einschleichen. Allein, meine Augen sind nicht mehr so gut, und ich bemerke nicht im Ansturm der Formulierungsmöglichkeiten, daß ich mich im Laufe des Schreibens wieder für eine andre entschieden hab..

      Egal, hier noch etwas zum besseren Anverständnis, um sich ans Duginische (m E extrem willkürlich interpretierende )Denken anzutasten:

      Aus: Hermann Kurzke. Mondwanderungen. Wegweiser durch Thomas Manns Josephs-Roman. Frankfurt am Main. 1993

      Kurzke schrieb ein Erläuterungsbuch zum Roman „Joseph und seine Brüder“, der in vier großen Bänden hauptsächlich die Kapitel 25-50 der Genesis in einen beeindruckenden Historien-Roman ausdehnt. Thomas Mann suchte das Rätsel der Ewigen Wiederholung von Gleichem und den Einlösungsweg individuellen Schicksals innert der Gezeiten einer gewaltigen geschichtlichen Menschheits-Epoche zu erfassen.

      Zitat:
      Das Wort »Mythos (oder „Mythus“ , wie Thomas Mann in der
      zu seiner Zeit üblichen Weise meistens schrieb), bezeichnet zunächst
      die Summe der Bilder, Legenden, Geschichten und Weisheiten,
      in denen das Sclbstbewußtsein einer Kultur in nichtbegrifflicher
      Weise zum Ausdruck kommt. Mythos als sinnlichkonkrete
      Art des Erkennens steht insoweit im Gegensatz zu
      Wissenschaft als begrifflich abstrahierender Art des Erkennens.
      Mythos ist jedenfalls Erkenntnis, nicht einfach Erfindung und
      blinde Lügenfabel. Daß schon der Mythos Aufklärung sei, betonten
      auch Horkheimer und Adorno in der Dialektik der Aufklärung,
      denn er gibt dem unbegriffcnen Sein der Dinge und des
      Lebens eine Sprache, mit der es sich beherrschen läßt. Umgekehrt
      ist jede Wissenschaft auch Mythos. sofern keine je auf
      Bilder verzichten konnte und noch das abstrakteste Regelsystem
      als eine Art Erzählung verstanden werden kann, die,
      wie die Mythen der alten Völker, das furchterregende Chaos
      des unbegriffenen Lebens und der Natur in eine verstehbare
      Ordnung zwingt.
      S.23

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    12. Nochmal ein Zitat, wasmir immens wichtig scheint, weil hier Thomas Mann auf den Mißbrauch der Magie mythischer Bilder anspielte, in der Versuchung, Entwicklung zu verneinen...

      Mythos und Fortschritt

      Sofern alles Leben nur Wiederholung vorgegebener Muster ist.
      kennt das mythische Denken keine Zeit. Alles ist ewige Gegenwart.
      Thomas Mann hat jedoch versucht, in dieses System der
      Zeitlosigkeit doch eine Zeitkomponente einzubauen, die es erlaubt,
      ein Fortschreiten der Menschengeschichte denkbar zu
      machen. Leben ist zwar Wiederholung, aber manchmal auf einer
      höheren Stufe. Im Laufe der Geschichte schrauben sich die Wiederholungen
      immer höher und erfahren dabei eine Veränderung,
      die im günstigsten Falle als Vergeistigung, Transzendierung,
      Spiritualisierung und Zivilisierung erfolgt. Aus der Tat
      wird das Zitat, aus dem Ereignis das Zeichen, aus der Gewalthandlung
      die bloße Anspielung, aus der wirklichen Aggression
      die symbolische. Am Anfang bedurfte es des Menschenopfers,
      um einen gekränkten Gott gnädig zu stimmen. Es wird im
      Zuge des Zivilisierungsfortschritts durch das Tieropfer ersetzt.
      Er-lösung heißt ursprünglich Auslösung eines Pfandes, die
      Auslösung der Gott zustehenden Erstgeburt durch das Tier zum
      Beispiel. Abraham will seinen Sohn Isaak opfern, Gott schickt
      ihm aber im letzten Moment einen Widder. Die Brüder tränken
      Josephs buntes Kleid mit dem Blut eines Lammes, das Jaakob
      stellvertretend Josephs Tod anzeigen soll. Der Kreuzestod Jesu
      wird erinnernd im Meßopfer wiederholt. Brot und Wein vertreten
      Fleisch und Blut. Solche Spiritualisierungen des Mythos, die
      die Bluttat durch das Zeichen ersetzen, sind die entscheidenden
      Gesittungsfortschritte. Thomas Mann zeigt in der Joseph-Figur
      das mythische Denken auf einer hohen Gesittungsstufe, wo es
      human und humorvoll mit den mythischen Urprägungen umzugehen
      gelernt hat. „Das ist aber der Vorteil der späten Tage,
      daß wir die Kreisläufe schon kennen, in denen die Welt abrollt,
      sagt Joseph tröstend zu seinem Vater“.

      Daß es Rückfälle gibt - als schlimmsten Rückfall in barbarische
      Stufen des Mythos hat Thomas Mann den Nationalsozialismus
      empfunden -, zeigt der Roman humoristisch im Kapitel Urge-
      blök. Als Sterbender fällt Isaak ins Ur- Unflätige des noch nicht
      zivilisierten Mythos zurück. Er kündet

      von dem Blute des Schafbocks, das als sein, des wahrhaften
      Sohnes, Blut habe angesehen werden sollen, vergossen zur
      Sühne ftir alle. Ja, dicht vor seinem Ende versuchte er mit dem
      sonderbarsten Erfolge wie ein Widder zu blöken [ ... ] „Einen
      Gott soll man schlachten, lallte er mit uralt-poetischem Wort
      und lallte weiter, den Kopf im Nacken, mit weit offenen, leeren
      Augen und gespreizten Fingern [ ... ] „Siehe, es ist geschlachtet
      worden, hörte man ihn röcheln, faseln und künden,
      ohne daß man gewagt hätte, nach ihm zu schauen, „der
      Vater und das Tier an des Menschen Statt und des Sohnes, und
      wir haben gegessen. Aber wahrlich, ich sage euch, es wird
      geschlachtct werdcn der Mensch und der Sohn statt des Tieres
      und an Gottes Statt, und aber werdet ihr essen.“ Dann blökte
      er noch einmal naturgetreu und verschied.
      S.26-27

      Aus: Hermann Kurzke. Mondwanderungen. Wegweiser durch Thomas Manns Josephs-Roman. Frankfurt am Main. 1993
      (ein kleines Büchlein, in zwei Stunden ist man fürs erste durch!)

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    13. P.S.: Was ich oben angeschnitten hatte, und eben noch mahnend erwähnen wollte: So, wie Steiners Vorträge absolut nichts taugen, auch ohne die antijudaistischen Dinger, das Judentum zu verstehn, und die gewaltige Komplexität jüdischer Geschichte, Philosophie und deren Historienstränge, so wenig taugen auch Steiners Hinweise auf die Alten Griechen, Altbabylonier, indische Vedenzeit. Ergänzend können sie inspirieren, den Erwerb einer ureigenen Orientierung nicht erstzen.

      Die Rezeptionsgeschichte altgriechischer Überlieferung ist gerade in der Zeit des fin de siecle und der 20er Jahre bis zum Geschichts-Abgrund 1933 höchst faszinierend. Denn da tritt Heidegger auf, dazu kommt Jaspers, da tritt Friedrich Georg Jünger auf und Walter Otto, die sich intensiv mit den Quellen von Hesiods Theogonie, Ovids Metamorphosen .. und waaas der Deiwel was alles ...und anderen auseinandergesetzt hatten. Menschen, die absolut sattelfest auf dem damaligen Forschungsstandpunkt zu antiker Überlieferung waren, und noch heute faszinieren. Leider stelle ich fest, daß neurechte Kreise sich schon damit befaßten, bevor es den antieuropäischen Rechtsruck gab, was eben mit dieser Faszination des fin de siecle und der Zwischenkriegszeit zusammenhängt, die in ihrer Art von "Spiritualität" und Philosophie nach 1945 verdrängt wurde.

      Jostein Saether erwähnte mal, wie kreativ diese Zeit war. Genau so empfand ich auch, und noch just, wo ich Jostein loben wollte, forschte ich noch einmal nach, und brach mitten im puren Lobenwollen zusammen, und merkte zu meiner Überraschung, wie sehr diese Zeit noch einer Bereinigung bedarf, denn dieser Rausch auch des Jugendstils für das Mythische, Magische war immer auch durchwuchert mit Größenwahn, Antiintellektualismus gerade durch höchst Intellektuelle, Antisemitismus (und das allgegenwärtig extremst!), Chauvinismen, verworrenen Männer - und Frauenbildern... es bedarf eines Ausgleichs, einer nüchternen Distanz (wie schade! ;-) ) .. denn sonst wird diese Zeit bis heute toxische Nachwirkungen ... zeitigen! In einer Wdh. des Gleichen ..

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    14. Und was willst Du uns damit sagen?

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    15. Zu einen "euch" sprechen wir in Europa nicht, Genosse. Denn dazu müßte man erst einmal Ziehharmonika spielen, und den Kopf dazu so schieflegen, in der Komsomolze-Baracke. Da kann man bei Woodga von der Subele klönen.

      Nein, ich wollte ein wenig den Interessierten mit goldenen Glöckchen erläutern, aus welchen reichhaltigen Schatz sich der Gaiasohn Dugin, Herakles zerriss solche Titanen in der Luft!, da sie ohne die Blut - und Bodenhaftung der immerweinenden Klagewitwe keine Superkäfte mehr besaßen - , bedient hat.

      Es gibt eine nach meiner Erfahrung eine gesündere und therapeutische Art, Phänomene mythisch zu deuten, als die toxische Methode Dugin!

      Die "vierte Theorie" ist eine Falle. Soviel merke ich jetzt schon, auch wenn ich noch nicht alle Aspekte dieses Antigens, wo ja auch "Arbeit" drinsteckt, mir vor mein Immunsystem geführt habe.

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    16. Dugin schmückt die Mafia mit Attributen, die sie nicht verdient. Schergen und Despoten schmücken sich stets mit Skalps und den liebsten Dingen ihrer erbeuteten Sklaven, schlüpfen in die Häute, die sie ihnen abgezogen haben und lesen sich deren erbeutete Liebesbriefe vor. Mafia ist immer im unerlöstesten Sinn gäisch. Der Macho und der Chauvi sind urmatriarchale Figuren, auch wenn sie die Mütter demütigen, die über sie klammernd herrschen. Sie brechen zusammen mit dem Typhon aus dem Tartaros hevor, um Zeus und Apollon die Herrschaft streitig zu machen. Es ist wieder einmal ein "Haltet den Dieb" auf höchstem akademischen Niveau, wenn Dugin den Europäern unterstellt, sie wären kybelisch (Attis und Gentrifizierung) und im gewissen Sinne titanisch, statt uranisch vertikal zentrifugal. Es gibt sehr wohl überall titanische Menschen. Das ist jedoch individuell verschieden über den ganzen Erdkreis.

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    17. Wer sich zum Beispiel über Dionysos ein Bild machen möchte, der mag bei Walter F Otto fündig werden.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_F._Otto
      https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Walter_F._Otto
      Es ist allerdings eine Fülle von Material. Nach meiner Ansicht ist es wertvoller, als so manche krude Steinerlektüre aus dem Giftschrank. Ich glaube, wenn die Anthro-Onkels und Tantens des Anthro-Adels einen Funken Anstand besessen hätten, sie hätten auch andere Literatur überliefert, gepflegt, weiterempfohlen. Die ganzen ernsten Herrschaften haben sicher z.b. Walter F Otto gekannt. Wissen ist Macht, und weil ihr nüscht wisst, wird nüscht gemacht! wie ein Sprüchwort der preußischen Armee lautete..

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    18. Laruelle (Aleksandr Dugin: A Russian Version of the European Radical Right?, Kennan Institute 2006)
      nannte Dugins Antisemitismus: ‘A veiled anti-semitism’ (p.17-19): ”In Dugin’s texts, the distinction is different: the “good” Jews are the citizens of Israel, as well as those who choose to leave for Israel, because this act signals their awareness of their irreducible Jewish specificity. The “bad” Jews are those who continue to live in the diaspora and try to be assimilated by the surrounding cultures, be it in the Atlanticist or the post-Soviet world.” https://www.wilsoncenter.org/sites/default/files/OP294.pdf

      Steiner hatte sogar einen dreifachen Dionysos unterschieden: Zagreus (der Ältere 129.108 f.), Dionysos (der Jüngere) und Jakchos (der Zukünftige 232.158). Der Letztere nicht bei Otto (google Englisch XCDvuoZ8IzsC) oder Dugin.

      Ebenfalls bei Steiner (273.81 f.) die drei Weltmütter (Rhea, Demeter und Proserpina). Feiertag (Descensus ad Inferos) am 9. November (Keyserlingk, IhKwMKcExV8C, p.88).

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    19. Vielen Dank, Mischa und Ton!
      Es ist ein riesiges „Faß“ ... und natürlich kann ich jetzt nicht sofort allen Euren Hinweisen ausführlich nachgehen. Aber ich notiere mir alles...

      :-) Danke besonders für die Überlieferung des preußischen Sprüchworts!

      Herzlich,
      Ingrid

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    20. Und Dugins Fass (Traditionalismus) hat auch eine riesige innere, esoterische Seite. Er war schon früh von Guénon beinflusst, z.B. in einem übersetzten Text (englisch) über ‘Russische Orthodoxie und Einweihung‘ (Die Mysterien Eurasiens Kap.8, 1991):

      ”… in the past centuries, “counter-initiation” has manifested itself all the more clearly in the degraded initiatic organization of the “hermetic type” in the West. This can refer to the “offshoots of Masonry” as well as neo-Rosicrucianist or neo-alchemic organizations. These groups, which inherited the secrets and rituals of “virtual initiation”, gave rise to a whole range of pseudo-initiatic occult and theosophist societies in the 19th century which later formed the basis of what has acceptably been called “neo-spiritualism” (Guenon ranked magnetism, spiritism, the theosophism of Madame Blavatsky and Bezan, the occultism of Papus, the anthroposophy of Steiner, and all the extensions and variations of such neo-mysticist and pseudo-esoteric trends as “neo-spiritualisms.”. https://4threvolutionarywar.wordpress.com/2016/05/13/russian-orthodoxy-and-initiation-alexander-dugin/

      Vgl. auch Blackhirst: Rudolf Steiner, Anthroposophy, and Tradition.
      http://www.sacredweb.com/online_articles/sw5_blackhirst.pdf

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  4. Es sollte doch beim Namen genannt werden. Individuelle Freiheit ist diejenige, die sich als Eigenwille darlebt. Menschliche Freiheit ist diejenige, die stets, aus freiem Willen, weitergereicht wird.

    Für diejenigen Vorgänge im „Universum des Menschen“, die durch den Eigenwillen individueller Wesen ihr Weltwesen erleiden. Also „Träger“ sind dafür, das Eigenwille sich entfalten kann.

    Diese Träger tragen die Taten der Eigenwilligen. Warum? Darum. Das Wesen eines Eigenwilligen ist, das er flieht, anderes mitzutragen. U.s.w.u.s.f.

    Dieser Beitrag ist allein ein Tun meinerseits für diejenigen "Begriffe", die diesen Text tragen.

    ~ B.

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    1. Angeregt durch eine Beitragspassage, hier im Blog, ergab sich mir die nachstehende Textfolge. Als ein erneuter Versuch für so einen Text, der sich selber folgt.

      Hier zunächst die Passage von „Anonym“. (Freitag, 13. April 10: 31 ) „Dugin sagt nur, dass es keine universellen Werte gibt, nicht daß solche keine Existenzberechtigung hätten. Das ist schon ein Unterschied. Er meint damit solche, die auch in der Realität von allen Menschen, Kulturen, Nationen usw. anerkannt wären. Er sagt, dass solche nicht existieren, und er hat damit unwiderlegbar recht.“ -

      Damit ist ebenso gesagt: Das Universum selbst ist das Wesen, innerhalb dessen solche Werte gesetzt werden können, die sich als Gegensatz darleben. Und damit ist weiterhin gesagt: Das Universum selbst, es wirkt sich in Gegensätzlichkeit aus.

      Das sagt man so daher. Und von daher das Ende gleich noch mit in diesen Anfang: Indem das Wort universell ausgesprochen ist, dabei ist zugleich ein Wert mit ausgesprochen: Die Freiheit. Daher ist dieser Wert zugleich ein Selbstwert des Universums.

      So also die Menschen einen, für alle Menschen, gegensatzlosen Wertekanon anstreben täten, so wäre damit der Grundwert des Universums selbst ohne menschliche Anerkennung. Diese Verkennung des Universums hätte unweigerlich zur Folge, das die Menschen zunehmend ihren Entwicklungsfluss von dessen Quelle abtrennen. Und das hätte zur Folge, das der „Fluss des Lebens“ ausufert. Eine Imagination davon ist die „Sündflut“.

      s. w.u.

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    2. Eine Umkehr ereignet sich durch den Bau der Arche. Griechisch – arche – Anfang. Eben eine erneuerte Hinwendung zur Quelle. Und das ist „die“ Anarchie, also die Selbstbeherrschung.

      Werte sind also das „Organ“ einer organisierten Selbstbeherrschung. Und das besagt: „Die“ eine Menschheit ist ein Werteorganismus.

      Und da wir noch im Anfang sind: Mit dem Wort „Universum“ ist gesagt: „In eins gekehrt“. Also: Das Eine, das dadurch seine Einheit aufrecht erhält, indem es stets all sein Tun zugleich in Umkehrung vollzieht.

      Was ist Umkehrung? Das ist eine Umwendung. Und wohin? Dahin. Und das da ist? Stets das Dasein. Wessen? Das des Seins. Mithin der sich wendenden „eins“. Und dieser Vorgang ist? „In eins gekehrt“.

      Das Dasein ist also dem Sein immanent. Und daher ist das Dasein stets ein Tun oder Geschehen im Willen des Seins.

      Dasein bedeutet also im Weiteren: Ein Vorgang ist da, ein anderer ist dort. So ein dort oder so ein „dieser Ort“, ist dort, da er vom Sein, als so ein dort, selbst gesetzt ist. Folglich ist die Hinwendung des Seins, auf sein selbst gesetztes Dasein, das Tun des Seins, bei dem es sich seinen „bereits vollzogenen“ Taten zuwendet.

      Da diese Taten bereits vollzogen sind, daher ist diese Zuwendung zugleich eine Rückbesinnung. Und da das ein Vorgang „des Universums“ im einförmigen Umgang mit sich selbst ist, daher ist diese Rückbesinnung zugleich die Selbstbesinnung des Universums. Diese Selbstbesinnung ist die Eigenschaft, sich selbst vernehmen zu können. Also ein vernünftiger Vorgang. Folglich ist Vernunft das sich selbst beobachten können des Universums.

      Mithin: Das Wesen, das in Selbstbeobachtung zugleich in dem, „was“ es beobachtet, sein alleiniges Tun gewahrt, das ist das Wesen, das seinen Willen auch in seinen Taten, eben hier im Dasein des Seins, gewahrt sieht. In diesem Gewahren erzeugt das Sein stets und auf ein Neues seine Wahrheit. So, in Wahrheit sich gewahrend, ebenso lebt das Sein sich zugleich in Selbsterkenntnis dar.

      Dieses Erkennen in Selbstbesinnung ist zugleich der Kern der Selbstbestimmung. Und als das der universelle Kern der Freiheit. Und so der Kern, der diejenigen Samen in sich trägt, die in ihrer weiteren Entwicklung stets den Trieb der Selbsterkenntnis in sich tragen.

      Und, da wir kein anderers Wesen als einen Menschen kennen, das Selbsterkenntnis vollziehen kann, daher ist das Erkennen so eines Menschen in „Übereinstimmung“ mit der Selbsterkenntnis des universellen Menschen.

      Indem das Wort Universum ausgesprochen ist, dabei ist zugleich ein Wert mit ausgesprochen: Die Freiheit. Und die ist daher ein universeller Wert des Menschen.

      Ende des Anfangs ~ B.

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    3. Dem würde ich 100%ig zustimmen, ich sehe es genauso. Eine Lösung des obigen Problems könnte in einer sinnvollen Verbreitung von Antinatalismus (die Entscheidung, nicht geboren zu werden) liegen:

      http://www.zeit.de/kultur/2018-04/antinatalismus-theophile-de-giraud-bevoelkerungswachstum-feminismus

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    4. "Wissen ist Macht und weil ihr nüscht wisst, wird nüscht gemacht!" ---

      Herrlich :)) da ist sicher was dran, denke ich...

      oder - Wissen ist Macht und weil ihr nüscht wiist, die Bude kracht ;)

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