Was uns verbindet

Bild Karsten Massei
Natürlich ist es leichter, anzuprangern und Fehlentwicklungen zu konstatieren, als tatsächlich selbst qualitative, relevante, konstruktive Beiträge zum Dialog zu verfassen. Aber die qualitative Ebene ist immer schwerer zu greifen, und noch schwerer zu formulieren. Zu oft bemerkt man selbst trotz ernsthafter Bemühungen das Vorherrschen von Vokabeln, Standards, Formeln, Phrasen. Eigentlich müsste die tatsächliche Erfahrung - die immer eine esoterische, d.h. mehrschichtige Qualität hat-, ja jegliche Erfahrung durch sprachschöpferische Aktivität ausgedrückt werden. Man kann nicht wirklich zurück greifen auf die Sprache und die Vorstellungen der Vergangenheit, wenn man mit Wirklichkeit konfrontiert ist - oder anders ausgedrückt: Das Jetzt fügt sich nicht in die sprachlichen Muster, die vergangen sind, und das sind sie notwendigerweise immer. Sprache beschreibt stets etwas, was bereits Konvention geworden ist. Aber auch das Denken und die Vorstellungen sind durch Sprache, Konvention und innere Kontextualisierung geprägt, durch die Geschichte eigener Erfahrung und deren Interpretation, durch einen reifen Erinnerungsleib voller gesammelter, geordneter und auch geschönter Geschichten, die so tun, als gäbe es eine zusammenhängende biografische Geschichte, die das Bild dieser meiner Person trägt. Aber auch das sind Geschichten, die eigentlich Vergangenheit sind; die aber, sobald man sie zu betrachten versucht, ein Eigenleben entwickeln; sie greifen nach einem, verwickeln einen, lassen einen in Scham, in vergangenes Glück, in stille Wünsche abgleiten, bis man sich in der alten Geschichte so verstrickt hat, dass sie das betrachtende Ich und jegliche Aufmerksamkeit verschlingt.

Ja, man muss regelrecht Stärke entwickeln vor der Kraft der eigenen Erinnerung. Man dachte, die Geschichten seien etwas wie ein abgelegter Film- aber berührt man die Oberfläche der eigenen Erzählung, erhebt sie sich, erwacht zu Leben und reißt eventuell nicht nur irgendwelche Wunden auf: Vielleicht sind es die Gespenster, die im Dunkeln kauern, die, um derentwillen man der geworden ist, der man ist- um die man eine seelische Insel gebaut hat, eine Burg, für die man gepflanzt, gesät, geackert hat, für die man vielleicht ein anständiger Mensch geworden ist, für die man geglaubt, für die man einen Beruf ergriffen oder für die man ein Vermögen angehäuft hat. Nun liegen die inneren Geister im Untergrund und reißen das Maul auf, und die eigene Welt stürzt auf sie ein.

Diese Dinge kann man nicht umgehen, wenn man „spirituell“ arbeitet. Es ist eigentlich eine Position der Stärke, der Souveränität, aus der man das seelische Gesamtbild, die biografische Struktur anschauen und das aushalten kann, dass dann auch die Brüche sichtbar werden, die Unaufrichtigkeit, das, was wie eine treibende Kraft, aber als Wunde und Schwäche, zugleich konstituiert und destabilisiert. Man muss das nicht moralisieren, mystifizieren oder mit christlicher oder anderer religiöser Begrifflichkeit überziehen; die menschliche Zwitterhaftigkeit zwischen biologisch- biografischer Erzählung und einem bewussten, aktiven Betrachter und Gestalter bedient solche Widersprüche; es ist kein individuelles Drama, oder eben doch, weil jegliche individuelle Geschichte ein solches Drama enthält. Die „Erlösung“ kann nur in dem aktiven Betrachter, in der bewussten Entität liegen, der das Drama entwirrt, sich der Geschichte, der Irrtümer und Verwirrung stellt, aber sich eben auch aus der Determination befreit. Die Souveränität im persönlichen Drama klärt die Angelegenheit und relativiert sie damit auch. Die konstruktiven Kräfte haben eine nicht mehr nur persönliche Note - zumindest nicht in dem Sinne, dass man in das eigene Drama verwickelt und von ihm getrieben wird. Aber es ist auch nicht etwas, was man ab- und weglegen könnte. Es ist eher so, dass die Kräfte, die das persönliche Trauma bindet, frei werden, und zur Verfügung stehen- als Bewusstseinkräfte, als Möglichkeit zur reinen Gegenwärtigkeit, als Möglichkeiten in der sozialen Gestaltung. So bindend die innere Wunde und die biografischen Gespenster waren, so unendlich ist die Entfaltung der vorher gebundenen Kräfte; die Entfaltung ist wie der Schnittpunkt einer kosmischen Energie- und Erkenntnisquelle. Die magische Bindung, der seelische Pflock, sie enthalten zugleich den heilenden Wendepunkt. Das ist eben die Maja, die große Illusion: Dass es kein Entkommen aus dem inneren Drama gäbe.

Einer der wenigen anthroposophischen Autoren, der diese wirklich spirituell- allgemeingültigen und vielschichtigen Themen bearbeitet, ist Karsten Massei. Auch in seinem neuesten Buch, „Erde und Mensch. Was uns verbindet“, geht er in aphoristischen Betrachtungen nicht nur auf das innere Drama, sondern auch auf das Verhältnis zur Natur und auf das Leben nach dem Tod ein. Der innere Wendepunkt klingt bei ihm so: „Durchaus ist eine innere Kraft nötig, um auszuhalten, was passiert, wenn ich mich den Bildern meines Lebens überlasse. Es kann leicht geschehen, dass ich übermannt werde von Erinnerungen, dass dadurch ein Nacherleben beginnt, das für mich schwer zu ertragen ist. Ich stürze dann in die Erlebnisse ab, vor denen ich mich bisher wohlweislich zu schützen wusste.“ (S. 132) Das „Licht der eigenen Aufmerksamkeit“ hellt eben auch das auf, was eben diese Aufmerksamkeit in Beschlag zu nehmen vermag, dem man schwer standhalten, ja das man kaum erkennen kann, obwohl es für andere Menschen vielleicht ganz offensichtlich ist. Für einen selbst ist es ein blinder Fleck im Auge.

Und zugleich, in dieser Blindheit und Schwäche, gilt eben auch das, was Massei als das eigentliche Wesen der bewussten Entität beschreibt: „Das Ich ist der Name, den man sich selbst gibt; aber es ist mehr, es ist die Kraft, aus der unsere Individualität hervorgeht, und es ist noch mehr: es ist das Wesen, in dem sich unser höheres Wesen, unser göttliches Selbst äußert. Wir sind unserer Natur nach geistige Wesen, eigentlich Götter. Im Ich, seinem für uns zwiespältigen Wesen, seiner Flüchtigkeit und Macht, offenbart sich unsere göttliche Natur.“ (S. 126)

Bei Karsten Massei sieht man in seinen über die letzten Jahren erschienenen Büchern eine immer weiter gehende Öffnung. Zuerst klang er wie ein hellsichtiger Heiler, der sich ganz den Pflanzenkräften und elementaren Wesen widmen will. Das scheint auch tatsächlich die Ebene zu sein, auf der Massei seinen Zugang findet. Aber von da aus widmet er sich dem Menschen und Schicksal in einem immer umfassenderen Sinne. In vieler Hinsicht trifft er dabei auf allgemein gültige Punkte, die für jeden spirituell interessierten und arbeitenden Menschen von Interesse sind - die Sprachbilder (Imaginationen), in denen sich Massei sich ausdrückt, erhalten eine Transparenz und Tiefe, die sich von Buch zu Buch steigert. Er wird damit zu einem der wenigen echten zeitgenössischen spirituellen Lehrer aus anthroposophischem Zusammenhang.

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Karsten Massei, Erde und Mensch. Was uns verbindet, Basel 2018
Website Karsten Masseis

Kommentare

  1. In der Anthroposophie wird Spiritualität und nachhaltige Wirtschaft zusammengefasst. Früher hat man oft den Fehler gemacht, Spiritualität und Wirtschaft zu trennen. In einer holistischen Weltanschauung ist hingegen alles eins. Mehr dazu auf meiner Internetseite (bitte auf meinen Nick-Namen klicken).

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  2. "Natürlich ist es leichter, anzuprangern und Fehlentwicklungen zu konstatieren, als tatsächlich selbst qualitative, relevante, konstruktive Beiträge zum Dialog zu verfassen".

    Exakt so ist es. Es ist auch nicht nur leichter, es kann entlasten und Spannungen abbauen: Im Anprangern blickt man auf die Anderen, auf deren Fehler und Schwächen, man muss die eigenen Schattenseiten nicht anschauen. Es entsteht auch ein vermehrtes "Wir-Gefühl" und Überlegenheitsgefühl. Bringt zudem auch mehr Klicks, Likes und Aufmerksamkeit.

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  3. Wenn ich den folgenden Satz als verallgemeinernd aus dem Pronomen »man« geschrieben lese, ist er für mich nicht selbstverständlich, selbsterklärend, ich meine: er behauptet etwas Allgemeingültiges, was ich nicht so bejahen kann:
    »Natürlich ist es leichter, anzuprangern und Fehlentwicklungen zu konstatieren, als tatsächlich selbst qualitative, relevante, konstruktive Beiträge zum Dialog zu verfassen.«
    Ich würde eine solche Aussage differenzieren, zu einer Ich-Botschaft umwandeln und dann neu überlegen, wie ich ein ähnlicher Satz formulieren würde. Für mich würde er so aussehen:
    »Manchmal überfällt mir die Neigung, anzuprangern und Fehlentwicklungen zu konstatieren, aber, wenn ich mir bewusstwerde, dass es für meinen Kontrahenten und die Sache, das Thema besser ist, tatsächlich selbst qualitative, relevante, konstruktive Beiträge zum Dialog zu verfassen, dann überlege ich, wie ich dies demnächst tun kann.«
    Ich erlebe, dass du hier, Michael, im Verhältnis zum Autor Karsten Massei, gerade dies getan hast: einen qualitativen, relevanten, konstruktiven Beitrag zum Dialog geschrieben hast!
    Würde dies jedes Mal geschehen, wenn Autoren und Kommentatoren etwas online posten, wäre der Dialog zu spirituellen Themen und Erfahrungen fortschrittlicher, als er heute noch ist. Dann bräuchten wir keine spirituellen Lehrer auch im anthroposophischen Zusammenhang nicht. Denn der Dialog wirft ein erquickliches Licht in unsere Biographien hinein, die auch die geistige Welt nicht geben kann. Egal wie eingeweiht ein Geistesforscher sein würde, in der geistigen Welt findet er die Qualität einer menschlichen Dialoggemeinschaft nicht. Sie ist ein sinnlich-geistiges Phänomen, nach dem die Hierarchien lechzen!
    Meine einzige Kritik ist, dass ich das »man» gänzlich weglassen würde, um zu schauen, welches Pronomen dann relevant wäre. Ich fühle mich mit dem »man› nicht angesprochen und lese bei solchen Texten selten zu Ende. Ich war gerade auf der Website der Zeitschrift »Die Drei« und las die Gratisaufsätze. Auch da häuft sich das Verwenden des »man« in den Himmel hinauf, aber dieser wendet sich davon ab!

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    1. Lieber Jostein, Du hast sehr recht, die Neigung zur Verallgemeinerung ist auch ein Versuch, die eigene Meinung mit Tarnfarbe zu versehen. Es kann ein aggressiver Akt sein, der Versuch, ein Stück öffentliche Meinung zu besetzen. Dennoch bin ich mit Dir einer Meinung, dass es Anlässe zur Auseinandersetzung, aber auch solche gibt, die auf reiner Konstruktivität beruhen. Man muss eben immer sehen, inwieweit man noch dialogisch produziert, den Dialog behindert, monologisiert oder gar aggressiv manipuliert. Insgesamt hat das Netz dazu geführt, dass der aggressive Monolog grassiert. Aber es gibt in der Szene, die wir hier betrachten, auch insgesamt nicht so viele erfreuliche Erscheinungen- erfreulich insofern, dass man bei einem Autor eine kontinuierliche Entwicklung betrachten, ja ihr von Buch zu Buch folgen kann. Meist erlebt man bestenfalls eine Mühle der immer gleichen Meinungen, oft eine elaborierte Sprache, selten reale Originalität. All das erlebe ich bei Massei- und zwar so, dass sowohl der allgemein interessierte Leser als auch der Praktizierende (und zwar aus jedweder Schule) Gewinn ziehen kann, Einblicke nimmt, tiefe Imaginationen verarbeiten und auf sich wirken lassen kann. Das ist einfach auch tröstlich für alte Anthroposophen, dass es doch auch wieder tatsächlich spirituell relevante Autoren gibt.

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    2. @ Jostein und Michael

      Ja genau so sehe ich es auch, der Himmel wendet sich ab gegenüber Deklinationen wie „wenn man dieses oder jenes in die Wege leiten würde dann …“ und so weiter. Es geschieht nichts, solange „ich“ nicht konstruktiv wertschätzend meine Hand dazu reiche. Der Himmel ist heute um ein Vieles näher an die Erde heran gerückt, als noch zu Rudolf Steiners Lebzeiten. Die Schwelle der geistigen Welt zieht sich mitten durch die Dialog-Zwischenräume von Mensch zu Mensch. „Reagiere“ ich hier kommentierend „halbbatzig“ kann die geistige Welt nicht helfend unterstützen. Die Frage geht also an mich zurück: Kann ich nicht ein Mehr an moralischer Phantasie im konkreten Fall aus mir heraus setzen, um den gegebenen Dialogansatz konstruktiver fortzusetzen? Ist für mich nicht mehr Durchatmen angesagt bevor ich antworte, mehr Hinschauen auf verborgene Triggern-Punkte bei mir, als dem anderen Menschen, salopp gesagt die Fresse zu polieren, weil er mir „scheinbar“ völlig unangemessen auf die Füsse getreten ist oder in seiner Auffassung völlig neben der Spur liegt?
      Ich jedenfalls habe bei mir in solchen Augenblicken des Innehalten immer wieder feststellen dürfen, dass es an mir liegt Selbstverwandlungen, sprich „Karma Bereinigungen“ ganz im Alltäglichen in die Gänge zu bringen und nicht zu glauben mein jeweiliges Gegenüber für etwas in die Haftung nehmen zu können, was tiefer betrachtet allein meine Sache ist tätig umzusetzen. Immer wieder war und ist mir der andere Mensch (oft auch unwissentlich) nur Bote gewesen für etwas, das jetzt einfach dran war genauer unter die Lupe meiner seelischen Beobachtung zu nehmen.
      Es ist eines von Ätherleib und Astralleib zu reden und ein anderes in solchen, vielleicht auch schwierigen Dialogmomenten sich daran zu „erinnern“ und selber innerlich auf die Pirsch zu legen in seelischen Beobachtungen das eine oder andere Geschehen einmal forschend abzufragen, sprich sein eigenes Äther- und Astralleib Gestrüpp in seelischen Beobachtungen durchzukämmen.
      Ich kenne Karsten Massei bisher noch nicht, will dies aber nachholen. Vielen Dank für den wertvollen Hinweis.

      Bernhard Albrecht


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    3. "Egal wie eingeweiht ein Geistesforscher sein würde, in der geistigen Welt findet er die Qualität einer menschlichen Dialoggemeinschaft nicht. Sie ist ein sinnlich-geistiges Phänomen, nach dem die Hierarchien lechzen! "

      Dem kann man zustimmen, vorausgesetzt, dass der Artikel über Massei exemplarisch oder beispielhaft für diesen Blog stehen würde. Tut er aber nicht. Auf diesem Blog geht es eben gerade nicht um das "Was uns verbindet" sondern um zahlreiche Variationen zum Thema "Was uns trennt". Seit Jahren.

      Die heutigen Anthroposophen (häufig auch Steiner selbst) werden hier meistens dargestellt als mystische Schwärmer und/oder rechtspopulistische Verschwöris. Dass es noch zahlreiche positive Entwicklungen, interessante Autoren innerhalb der anthrop. Bewegung gibt (u.a. zu finden auf www. anthroposophische-meditation.org) ist hier grundsätzlich kein Thema. Mag daher sein, dass ganz andere Wesen nach dem lechzen, was hier passiert.

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    4. @ Anonym
      Mit anonymen Kommentatoren führe ich erfahrungsgemäß keine Gespräche. Warum bist du denn hier anonym und habe nicht ein digitales Profil schon längsten gemacht, der dich als Person irgendwie mit einem Foto kennzeichnet? So dass ich dich auch mit deinem Namen im Internet anderswo wiedergefunden werden kann? Sind wir denn nicht beide mit Anthroposophie als Grundstein im Herzen unterwegs? Ich jedenfalls bin es, und dann versuche ich in jedem Fall immer so aufzutreten, wie es Bernhard Albrecht Albrecht es hier oben beschrieben hat.
      Ich würde mich freuen, bei den AnonyMusen, die hier im Blog häufig schreiben, bald mit menschlichen Gesichtern zu erblicken.
      Lieber Michael, deshalb fordere ich dich auf, den Kommentarzugriff in den Einstellungen auf »Registrierte Nutzer – einschließlich OpenID« zu ändern. Was hat denn diese Anonymität mit ehrlicher Dialog zu tun?
      »Dass es noch zahlreiche positive Entwicklungen, interessante Autoren innerhalb der anthrop. Bewegung gibt (u.a. zu finden auf www. anthroposophische-meditation.org) ist hier grundsätzlich kein Thema.«
      Gerade wird so etwas unter einem Beitrag geschrieben, in dem gerade »positive Entwicklungen, interessante Autoren innerhalb der anthrop. Bewegung« – jedenfalls kommt ein Autor hier vor – sehr positiv bewertet: »Bei Karsten Massei sieht man in seinen über die letzten Jahren erschienenen Büchern eine immer weiter gehende Öffnung.«

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    5. Soll heißen: …anderswo wiederfinden könnte?

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    6. Lieber Jostein, das Anonyme ist und bleibt ein Teil der Freiheit, den der egoistische Blog bietet. Das ist Teil der Einstellung, solange es nicht zum Monolog oder zu Rechtsverstößen kommt. Es führt auch zu einer gewissen Lebendigkeit, vor allem, weil man sich über das Blog selbst auslassen kann 😉. Man kann an eine gewisse Verbindlichkeit der Kommentatoren appellieren, natürlich. Aber wer es schätzt, anonym zu bleiben, sollte die Freiheit dazu auch haben und behalten.

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    7. @ Jostein
      Ich habe Dir auf Facebook geantwortet.

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    8. Wie schade! Ohne es anscheinend selber zu bemerken setzt Anonym (oben 18:39 MEZ) hier seinerseits ein deutliches Zeichen der Trennung. Warum nicht hier antworten? Sind auf dem Egoisten Blog wirklich nur Menschen Unterwegs, die allesamt nur Trennendes im Auge haben? Die anscheinend unterschwellige Angst sich hier mit Belzebub zu verbrüdern, was für einen "echten Anthroposophen" natürlich nicht gehen kann trägt in meinen Augen mitunter beinahe schon manische Züge an sich. Da kann ich nur sagen, je mehr ich diesen Kräften ausweiche, umso mehr haben sie mich am Wickel. Auf der Keule, dass "alle" Kommentatoren hier nur Trennendes im Sinne hätten sitzen sie zu Hauf - jedenfalls für den, der darauf hinschauen mag.

      Bernhard Albrecht

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    9. Trennung ist doch kein Problem, wenn man an Türen arbeitet.
      Wirklich schlimm ist nur die hermetische Unzugänglichkeit des Abgetrennten...

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    10. Zwei Nachfragen
      Hm ... wenn "man" an Türen arbeitet ... Kann ein "man" an einer wirklichen Türe arbeiten oder arbeitet es vielleicht dann nur an einer illusionierten Tür? Und: In welcher Richtung schielst Du, wenn Du von hermetischer Unzugänglichkeit sprichst?
      Eine gute Nacht Dir,

      Bernhard Albrecht

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    11. "Gerade wird so etwas unter einem Beitrag geschrieben, in dem gerade »positive Entwicklungen, interessante Autoren innerhalb der anthrop. Bewegung« – jedenfalls kommt ein Autor hier vor – sehr positiv bewertet"

      @ Jostein
      Wie schon oben dargestellt: Der Artikel über Massei ist "erfreulich", aber eben eine Ausnahme, eigentlich passt er überhaupt nicht zur ideellen Ausrichtung des Blogs. Sieht man u.a. auch daran, dass es vor Deiner Intervention keine inhaltlichen Kommentare zu dem Artikel gab. Ich gehe also weiter davon aus, dass jubilierende Chöre der Hierarchien im virtuellen Umkreis des Egoblogs eher nicht zu finden sind.

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    12. Ob Türen entstehen, hängt von beiden Seiten ab; der 'hermetische Verschluss' findet dabei eigentlich immer von Innen gegen die Außenwelt statt.
      Idealer Weise sollte man eine sogenannte 'Klöndor' einbauen - für Leute, die eintreten wollen, lässt sie sich ganz öffnen, für Menschen, die nur monodirektional ihr Nichteiverstandensein loswerden wollen, lässt sich oben eine Klappe öffnen, wo man dem Beschwerdeführer freundlich entgegenlächeln kann...

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    13. Letztendlich hängt es auch von der Verarbeitung des Lacks ab (Danke, wichtiges Thema)

      www.haus.de/modernisieren/tueren-selber-lackieren-schritt-fuer-schritt

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    14. @ Stephan
      Ist das so, dass der hermetische Verschluss "(eigentlich) "immer" von innen gegen die Aussenwelt" stattfindet? Ich sehe in diesem Zusammenhang fragend z.B. die tatsächliche Aussenwelt "und" im eigenen Innenraum einen Prozess einer Aussensetzung innerhalb des eigenen Innenraums, von etwas also, das nicht unbedingt mit dem tatsächlichen Aussen korrelieren muss. Vorstellungen haben diese Eigenart, dass sie eher selten mit dem Aussen so korrellieren wie sie dem inneren Vermeinen nach gesetzt werden. An das Anderssein kommt das Vorstellen nicht heran weil es den Prozess tatsächlichen Erlebens ausschliesst. Jedenfalls kann dies die eigene Selbsterforschung erschliessen.
      Ich halte meinerseits nichts von monodirektionalen Spielzügen. Das Fragen, Fragen , das Befragen und erneut Befragen, das innere Umkreisen und erneut Befragen usw. liegt mir näher. Hier komme ich immer wieder zu überraschenden Einsichten und Durchsichten ... wenn ich mir die Zeit dafür gebe. Und meinerseits gebe ich mir dieses Ausatmen und Durchatmen immer wieder. Die Welt, innen wie aussen wird farbiger, das jedenfalls ist meine Erfahrung.
      So, jetzt aber genug. Ich gehe mal klönen, eine alte Frau im Haus besuchen, deren Mann vor kurzem verstorben ist.

      Bernhard Albrecht

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  4. Ich respektiere deine Einstellung, Michael, und kann verstehen, dass dadurch eine gewisse spielerische und impulsive Art entsteht! Für mich ist es eher ein Hindernis und ich gehe meistens alle diese Kommentare vorbei.
    Für mich hat Anonymität jedoch nichts mit Freiheit zu tun. Ich sehe hier die Gefahr, dass seelische Tendenzen ausgelebt werden, die sich dem Ich entziehen will. Die Lebendigkeit des offenkundigen, ehrlichen, angstfreien und sich selbst bekanntmachenden Ich finde ich interessanter als die untergründige Spitzfindigkeit und das intellektualistische Jonglieren des Astralleibs.
    Ich kann mich doch genauso gut und vielleicht noch besser »über das Blog selbst auslassen«, wenn nachvollzogen wird, wer ich bin. Im Zeitalter der Selfies, verstehe ich diesen Anonymitätswahn nicht!

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    1. Der 'Anonyme' hat nicht Angst, sich vor der Umwelt zu seinen Anschauungen zu bekennen, er hat Panik davor, sich vor sich selbst zu seinen Ansichten bekennen zu müssen.
      Die Vorstellung, das eigene Gedankengut zu lesen und als Urheber den eigenen Namen darüber lesen zu müssen, schreckt ihn furchtbar.
      Dieses nicht ich, sondern der kleine Stenkerer in mir bietet ihm da eine Sandbox, eine Virtual-Machine für seine spielerische Auseinandersetung mit den eigenen Blickwinkeln.
      An den Rollen- und Versteckspielchen eines Heinz Fleischmann (und seinen parallelen persönlichen Nachrichten auf Facebook) kann man das sehr schön exemplarisch beobachten...

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    2. Ja Jostein, da stimme ich Dir zu. Auch wenn ich gewisse Gedankengänge, die einen anonym bleiben wollenden Menschen bewegen nachvollziehen kann. Dieser scheint mir eben noch unterwegs zu sein "das Fürchten noch lernen zu müssen." Mit dem Ich, mit einer Repräsentation von Anthroposophischer Hochschule ist Anonymität in meinen Augen jedenfalls nicht zu vereinbaren. Da geht es um bis an die Wurzel gehende Zeugenschaft.

      Bernhard Albrecht

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    3. Ich habe schon öfter bekannt, dass ich mit dem hier benutzten Kommentar- Tool keine IP auslesen kann. Das war früher, mit anderen Tools, anders. Da könnte ich jemand auch durch dessen IP dauerhaft sperren, aber auch bestimmte Daten auslesen, mit denen eine Identifizierung Nähe lag. In Zukunft wird es auch möglich und gesetzlich nötig sein, sich selbst so zu löschen, dass auch die eigenen anonymen Beiträge im Forum verschwinden, alles "hart" per IP. Es ist möglich, dass es nötig sein wird, die Kommentarfunktion komplett neu zu starten. Ich warte da auf Nachrichten von Google. Umgekehrt kann man daraus schließen, dass die bisherige Anonymität auch ein Stück Illusion ist. Zumindest Techniker und die zugrunde liegende Maschine von Google hat die Daten bislang auch dann erfasst, wenn man anonym postete- und das dann mit anderen Spuren im Netz verknüpft. Für diesen Blog läuft es ggf auf einen Neustart hinaus- damit eine *echte* Anonymität erst möglich wird.

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    4. »Zumindest Techniker und die zugrunde liegende Maschine von Google hat die Daten bislang auch dann erfasst, wenn man anonym postete- und das dann mit anderen Spuren im Netz verknüpft.«
      :-) Nicht zu vergessen die Akasha-Chronik, in der sowieso alles ewig aufgezeichnet bleibt…

      Auch ich bin für ein Beibehalten der Möglichkeit, anonym zu kommentieren.
      Das kann den Leser dazu veranlassen, sich rein mit den vorgebrachten Gedanken zu beschäftigen, ohne einfließen zu lassen, was er sonst noch über den Schreiber weiß (oder zu wissen meint - bei bloß virtueller Begegnung im Netz kann man sich da ja ziemlich täuschen…). Ähnlich wie beim Vorspielen für eine Orchesterstelle hinter dem Vorhang, ohne Ansehen der Person…

      Danke jedenfalls für den schönen Artikel (ich habe Dein „man“ übrigens so gelesen, wie es sich bei Rudolf Steiner immer wieder findet: bezogen auf „den“ Menschen auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel angelangt...).

      Gute Nacht!
      Ingrid

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    5. Die entscheidende Frage wurde bisher noch nicht gestellt: Wie steht Massei eigentlich zu Ganser und Putin?

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    6. Ja freilich, als ob es hier auf diesem Blog "nur" um diese eine entscheidende Frage ginge?

      Bernhard Albrecht

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    7. "Nicht zu vergessen die Akasha-Chronik, in der sowieso alles ewig aufgezeichnet bleibt…"

      Auch wenn's mit einem gewissen Lächeln gesagt wurde, das klingt aber doch irgendwie nach Drohung und erinnert mich an die Angstmacherei im Religionsunterricht in der Grundschule. Das analoge "Gott sieht alles" hat doch schon sehr lange Zeit Generationen geprägt.....

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    8. Nun, das mit der Angstmacherei im Religionsunterricht, das kenne ich auch. Die Akasha-Chronik ist aber alles andere als so ein Angstgebilde. Sie ist, so es Dir gelingt in der eigenen Selbsterforschung immer aufrechter Dir selber in die Augen schauen zu können, ein Kraftnetzwerk starker Mutkräfte die eigene Entwicklung an die Hand zu nehmen. Sie ist also kein Ort, wo alle unsere Sünden abgelegt sind, gewissermassen als beständig drohendes Damoklesschwert schrecklicher Bestrafungen über unserem Kopf. Das wäre die Deutung klerikaler Angsthasen.
      In der Akasha-Chronik sind vielmehr alle unsere eigenen Entschlüsse abgelegt unvollendete Entwicklungen wieder aufzunehmen und fortzusetzen. Die Akascha-Chronik ist kein Ort im Irgendwo, sie ragt heute, so wir unsere Augen wirklich öffnen wollen in alle unsere Sozialbezüge und Dialogräume herein und ruft uns leise zu dieser oder jener Entwicklungsfortsetzung auf.

      Bernhard Albrecht

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    9. Mein Hinweis auf die Akasha-Chronik war nicht als Drohung gemeint.
      Derjenige, der alles sieht, ist ja nicht in erster Linie ein Strafender.
      Und die „Aufzeichnungen“ der Akasha-Chronik befinden sich, wie Bernhard Albrecht ja schon gesagt hat (danke), nicht an einem Gerichtshof irgendwo dort draußen, sondern diese „Chronik“ liegt in jedem einzelnen von uns - wenn auch nicht immer klar bewußt.

      Das Bewußtsein „Gott sieht alles“ hat unter anderem dazu geführt, daß Deckenfresken wunderbar genau ausgeführt wurden, obwohl der Künstler davon ausgehen mußte, daß niemand sie von unten so genau würde sehen können.
      Ich denke auch an Rilkes Gedicht über den Archaïschen Torso Apollos, dessen letzte Zeilen lauten:
      » … denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. / Du mußt dein Leben ändern.«

      Unter Anthropotanten, so dachte ich jedenfalls bisher, haben Rudolf Steiners Mitteilungen doch einiges Gewicht.
      Zum Beispiel auch seine Schilderungen des nachtodlichen Lebens, über das rückläufige Wieder-Erleben unserer Erlebnisse hier auf Erden; allerdings werden wir dann, sagt Steiner, sozusagen die andere Hälfte erleben, also die Auswirkungen all dessen, was wir getan, gesagt oder unterlassen haben, auf unsere Umwelt…
      Man könnte denjenigen, der alles sieht, auch als unser „Gewissen“ bezeichnen; und den Menschen, der aus einem solchen Bewußtsein heraus handelt, als „gewissenhaft“.

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    10. 'Richten' ist wohl sinnvoller mit (wieder) zurecht-richten, aufrichten etc. als mit 'hin-richten' zu verknüpfen...

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    11. Apollo

      Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,
      darin die Augenäpfel reiften. Aber
      sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,
      in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,

      sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug
      der Brust dich blenden, und im leisen Drehen
      der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen
      zu jener Mitte, die die Zeugung trug.

      Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz
      unter der Schultern durchsichtigem Sturz
      und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;

      und bräche nicht aus allen seinen Rändern
      aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,
      die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.


      Aus: Der neuen Gedichte anderer Teil (1908)
      von Rainer Maria Rilke

      @ Ingrid
      » … denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. / Du mußt dein Leben ändern.«

      Nackt steht dieser Torso vor Dir … und ohne Kopf. Entblösst von aller Vorstellung schaut er Dich an. Er schaut Dich an, so als ob er spräche. Das ist der Mensch, nachdem er sich von allen Vorstellungen befreit, sich aller Abschirmungen entledigt hat. Nackt, im Ich stehend. Das ist der Mensch. Das bist Du, wenn Du ohne wenn und aber Dich Dir selber gegenüber stellst. Wenn Du Dein Akasha aus den Händen des Du entgegen nimmst. Mutvoll.

      Bernhard Albrecht

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