Rudolf: Meine ganz persönliche „Aktion Syrien“

Altstadtbummel in Damaskus
Meine ganz persönliche „Aktion Syrien“ war alles in allem ein sehr aufschlussreiches und unbeschreiblich intensives Erlebnis. In wirklich jeder Hinsicht. Touristisch wie menschlich – und auch geistig, im Sinne des auch angestrebten eigenen Bildes über den Syrien-Konflikt.

Ich möchte keine Details über die Gruppe preisgeben, die ihre Tour seit einem halben Jahr gründlich vorbereitet hatte und mir und einer weiteren Person aus Südtirol die Möglichkeit geboten hat, mitzureisen – buchstäblich in letzter Minute, und bis zur effektiven Einreise ohne jegliche Garantie. Das Einreisevisum wurde erst an der Grenze erteilt, da ein Ansprechpartner in Syrien eine Einladung kurzfristig an die betreffende Grenzstation geschickt hatte. Dazu war es notwendig, dass die gesamte Gruppe einen Umweg zu einem kleineren Grenzübergang in Kauf nahm, der angeblich „einige Besonderheiten“ aufweist. Die übrigen Mitglieder der Gruppe verfügten über ein bereits 6 Monate im Voraus beantragtes Touristenvisum – ja, auch das gibt es, wenn es auch kaum erteilt wird, da die Regierung anscheinend sehr negative Erfahrungen mit alleine im Land herumreisenden Ausländern gemacht hat.

Insgesamt 15 Teilnehmer aus 3 Ländern hatten auf Initiative einer Person mit ausgezeichneten Kontakten in Syrien ein Programm zusammengestellt und reisten 12 Tage lang durch den von der Assad-Regierung beherrschten Teil Syriens.

Die im Voraus geplanten Programmpunkte waren:
Der Besuch einer christlichen Gemeinde, mit der wir den Palmsonntag (in der orthodoxen Kirche zeitgleich mit unserem Osterfest) feiern durften, und mit der wir Gespräche führten über mögliche Unterstützungen ihrer Tätigkeiten,
eine „touristische Rundreise“ (wenn auch mit gewissen Einschränkungen),
und ein Zusammentreffen mit Vertretern von Religionsgruppen und Glaubensgemeinschaften sowie in Syrien lebenden Ausländern.



Innenhof der Omajaden-Moschee
Das Erleben der touristischen Sehenswürdigkeiten – die Städte Damaskus, Tartous, Latakia, Hama, Kvarbou und weitere kleinere Orte, archäologische Stätten wie die Kreuzritterburg „Krak de Chevaliers“, Ugarit, und Amrid – und auch das persönliche zufällige und keinesfalls geplante und programmierte Zusammentreffen mit ganz gewöhnlichen Menschen bildeten die Höhepunkte dieser unbeschreibbar erlebnisintensiven Reise.
Aus Sicherheitsgründen waren der geplante und auch zugesagte Besuch eines russischen Militärstützpunktes, sowie die heißersehnte Fahrt nach dem absoluten touristischen Highlight, der Wüsten-Ruinenstadt Palmyra, letztlich doch nicht möglich.

In den 12 Tagen in Syrien trafen wir lediglich einen einzigen (!!) „echten Journalisten“, eine „free lancerin“ aus Spanien (geradezu todesmutig von der alleine reisenden Dame) und ebenfalls einen einzigen (!!) anderen „echten Touristen“, einen Russen.

Die Reise hatte keinen offiziellen Charakter, d.h. sie war weder von einer europäischen Regierungs- oder sonstigen Stelle, noch von der Assad-Regierung offiziell eingefädelt oder genehmigt. Demzufolge wurde auch kein von der Regierung vorgegebenes Programm absolviert, sondern nur das eigene selbst vorbereitete und geplante. Dieses war schon aus Sicherheitsgründen nicht auf den Tag genau festgelegt und ließ Abweichungen zu, um der schwer vorhersehbaren Lage vor Ort besser Rechnung tragen zu können.


Bewegungen im Land waren grundsätzlich frei möglich, wenn auch fast immer dem gemieteten Bus an den Ausfallstrassen aus den Ortschaften, d.h. von einem Kontrollpunkt zum anderen, eine bewaffnete Eskorte von Militärangehörigen der Assad-Armee oder anderen Sicherheitskräften beigestellt wurde. Die Begleitfahrzeuge wurden immer am nächsten Kontrollpunkt gewechselt. Die Militärs waren durchwegs überaus freundlich und sehr besorgt um die Sicherheit der Gruppe.

Oft mussten, um möglicherweise von Islamisten durchsetzte Gebiete zu umfahren, zeitraubende Umwege in Kauf genommen werden.
Beispielweise war ein kurzer Abschnitt der Autobahn Aleppo-Damaskus immer noch in der Hand einer Terrorgruppe, was statt der 15 Minuten, die nötig gewesen wären, um diesen Abschnitt zu durchfahren, einen stundenlangen Umweg über Bergstraßen erforderte.
Über ein so gut wie überall (fast unbegreiflicherweise) ausgezeichnet funktionierendes Handy-Netz (auch Auslandsgespräche und Internet sind nirgendwo ein wirkliches Problem) tauschen alle Menschen ständig Infos über die überall naturgemäß volatile Sicherheitslage aus.

Das aus direkter Erfahrung gewonnene Bild von Syrien weicht erheblich von jenem ab, das in unseren Köpfen aufgrund der einseitigen und auslassenden Berichterstattung existiert.


touristisches Motiv ohne Touristen
auf Touristen wartender Laden



Ausländer zahlen mehr

Sehr viele Einheimische, mit denen wir spontan zusammentreffen und sprechen konnten, freuten sich unbeschreiblich über die Anwesenheit einer Touristengruppe, nahmen uns regelrecht in die Arme und hießen uns unendlich willkommen. Man merkte es ihnen an, wie unendlich wichtig für sie dieses kleine Normalisierung versprechende Zeichen war, das wir mit unserer Reise setzten. Außerhalb der Hauptstadt versicherten sehr viele Menschen uns glaubhaft, seit mindestens 6 Jahren keine Ausländer mehr gesehen zu haben.



nicht erwünschtes Christkind

Alle sprachen die Hoffnung aus, dass der Krieg bald vorbei sein möge, allerdings – und das ist das Überraschende und Unerwartete – nicht durch Zusammenbruch der Assad-Regierung, wie es uns in unseren Medien als „ersehnter Volkswille“ immer verkauft wird, sondern durch die endgültige Vertreibung aller Terrorgruppen. Es wurde ausschließlich von Terrorgruppen und Kriminellen gesprochen, die schuld an allem Übel seien.

Viele Syrer erzählten uns von Greueltaten, die sie selbst oder enge Freunde oder Familienmitglieder erlebt hatten. Besonders schlecht kam dabei die freie syrische Armee (FSA) weg, die laut Meinung all derjeniger, die sich dazu äußerten, nicht einmal aus irregeleiteten Glaubenskämpfern bestünde, sondern vorwiegend aus reinen Kriminellen und Deserteuren. In Maloulla, einem christlichen Ort mit einem sehr berühmten, in eine steil abfallende Felswand gebauten Kloster, konnte man die durch die Islamisten angerichteten Schäden noch deutlich sehen. Auf Christus- und Mariendarstellungen wurde geschossen, die Gesichter entstellt.

Die Menschen erzählten uns von dem Leid der Klosterfrauen, und dass viele christliche Zivilisten umgebracht worden waren oder aus der Ortschaft fliehen mussten – dass die Geflüchteten aber heute, nach der Befreiung vom islamistischen Terror, zum Teil wieder zurückgekehrt sind.

Sie erzählten auch von den von der Assad-Regierung geförderten „Wiedereingliederungsprogrammen“ zugunsten jener Minderheit unter den Moslems, welche anfänglich mit den Islamisten kooperierten, dann aber fliehen mussten und nun reumütig in ihre Häuser zurückkehren möchten, weil sie bemerkt haben, daß die islamistischen „Rebellen“ und „Kämpfer“ nicht für eine Verbesserung ihrer Lebensumstände stehen, sondern für tiefstes Mittelalter – sofern sie nicht überhaupt aus entleerten Gefängnissen weiter Teile der Welt stammen. Diese Wiedereingliederung stellt eine für alle Beteiligten nicht gerade leichte Herausforderung dar.

Mit internationaler Hilfe ist zur Zeit auch schon der Wiederaufbau von niedergebrannten Kirchen und zerstörten Kulturdenkmälern im Gange, auch für den ausländischen Besucher ein deutliches Zeichen der Normalisierung. Im Kloster von Maloulla und den dortigen Kirchen berichteten uns die Aufsichtspersonen, wie es ihnen gelungen war, beim Anrücken der Terroristen bewegliche Kulturgüter noch schnell in Sicherheit zu bringen und damit vor Zerstörung und Diebstahl zu bewahren.

Überall erlebten wir eindeutige, angesichts der geschilderten traumatischen Erfahrungen mit islamistischem Terror auch durchaus nachvollziehbare, pro-Assad Stimmung. Und zwar unabhängig davon, ob es sich bei den Gesprächspartnern um Christen oder Moslems handelte.

Wenn Vorwürfe gegen das Assad-Regime laut wurden, betraf es nicht die von westlichen Medien kolportierte „Abschlachtung des eigenen Volkes“, sondern so gut wie immer die Amnestie, welche Assad denjenigen aus den Islamisten-Gebieten zurückkehrenden oder gefangen genommenen syrischen Kämpfern gewährt, die sich zunächst von den Islamisten als Söldner anwerben ließen, dann aber zurückkehrten. Denn schließlich hätten diese ja aufs eigene Volk geschossen und müssten eigentlich dafür hart bestraft werden.

Die Bevölkerung betrachtet Assad als Garant für Stabilität und kulturell-fortschrittliche, einigermaßen an westlicher Kultur orientierte und an westlichen Grundsätzen ausgerichtete Politik – während die Islamisten, auch wenn sie vom Westen finanziert bzw. sonstwie unterstützt werden (auch das ist den meisten Einheimischen sonnenklar), als kulturelle wie politische Rückwärtsentwicklung wahrgenommen werden.





Assad ist allgegenwärtig















Vor allem gebildete Syrer ließen durchblicken, dass ihrer Ansicht nach der Westen ganz klar versagt hätte, dass er – mit Verweis auf das in Afghanistan, Lybien und dem Irak hinterlassene Chaos – offenbar nicht in der Lage sei, dem syrischen Volk vernünftige Perspektiven zu bieten und dem Land Freiheit, Wohlstand und Demokratie zu bringen.

Der westlichen Lesart, wonach der Westen ebenfalls Krieg gegen die Islamisten führe, begegnete man mit Unverständnis und tiefer Ablehnung dieser Sichtweise.

Der Konflikt ist für die allermeisten Menschen kein Bürgerkrieg, sondern die berechtigte Reaktion der Regierung auf einen kriminellen und völkerrechtswidrigen Überfall von hauptsächlich ausländischen bzw. auslandsunterstützen Terrorgruppen und Kriminellenbanden.

Die Menschen wünschen sich Freiheit und weitgehend auch westlichen Lebensstil. Ich habe vor allem in Damaskus, aber auch anderswo, Frauen alleine in Bars sitzen gesehen, westlich gekleidet, aufgeputzt und geschminkt, in kleinen Gruppen, manchmal auch nur zu zweit (tagsüber sogar alleine), welche sogar noch nach 23 Uhr abends ohne Männerbegleitung Alkohol trinken und Wasserpfeife rauchen. Das gibt es kaum in Europa.

Für dieses westlich inspirierte Lebensmodell steht in den Augen der Syrer nur Assad, und es verwundert nicht, dass die Vereinnahmung durch Islamisten zutiefst abgelehnt wird.

Natürlich fragten wir uns, warum dies niemals journalistisch in den westlichen Medien kolportiert wird. Der so eklatante Widerspruch, in dem sich der Westen befindet, wenn er auf der einen Seite Assad als „üblen Diktator“ verteufelt, auf der anderen Seite aber den Menschen dort keine Alternativen bietet, trat hier offenkundig erlebbar hervor und stand immer wieder im Raum und in der Diskussion.

Denn die Islamisten und anderen Terrorgruppen sind sicher keine Alternative. Die Menschen fühlen sich im Stich gelassen, und sie kennen das auch uns wohlbekannte Schicksal der Bevölkerungen in den vom Westen als Horroszenarien dargestellten Diktaturen, die später „befreit“ wurden, aber heute immer noch von warlords beherrscht werden. Immer wieder fallen die Verweise auf Afghanistan, Libyen und den Irak.

Viele Einheimische sprechen es aus, dass nicht Assad-Syrien das undemokratischste, politisch und kulturell rückschrittlichste arabische Land ist, oder der Irak und Libyen dies waren, sondern die mit dem Westen engstens kooperierenden absoluten Monarchien à la Saudi-Arabien und die Ölscheichtümer. 






Jedenfalls war es sehr erhellend, mit eigenen Augen zu sehen, dass längst nicht ganz Syrien niedergebombt ist, wie durch das einseitige und alleinige Zeigen in Schutt und Asche liegender Straßenzüge im Fernsehen suggeriert wird. Die Versorgungslage ist ausgezeichnet – wenn natürlich auch die Wirtschaft als Folge des Krieges und des damit verbundenen Flüchtlingselends leidet, mit dadurch hervorgerufener Armut und sehr niedrigen Löhnen.

In den Städten findet man überall belebte Straßen, in Damaskus sogar extremen Verkehr mit Staus, gut besuchte und von Waren überquellende Märkte und Bazare, Restaurants mit Tanz und Musik.

Wer denkt bei Syrien an solche Bilder? Warum sieht man kein einziges solches Bild in unserem Fernsehen? Das fragten sich viele von uns immer wieder...
Das gewohnte Narrativ, das von unseren westlichen Medien geprägte Syrienbild – bestehend allein aus zerbombten Häusern, Schulen und Krankenhäusern – trat durch diese Reise in den Hintergrund, und ein anderes, nicht minder reales und vor allem selbst wahrgenommenes wurde für uns greif- und erlebbar.

Die Herzlichkeit und Fröhlichkeit der Menschen, die ihre Hoffnungen nicht aufgegeben haben, gaben auch uns Hoffnung.

Ich habe viele zuvor nicht für möglich gehaltene Aspekte im Zusammenhang mit den so unendlich komplexen Kriegsursachen erfahren – deren genaue Beschreibung allerdings das Ausmaß eines kurzen Reiseberichtes bei weitem sprengen würde.

Immer deutlicher wurde unser Eindruck, dass der Syrienkrieg wohl nur ein Baustein ist in einer aus Dominanzgründen gegenüber Russland und China und aus wirtschaftlichen Gründen vom Westen betriebenen Destabilisierungskampagne, welche von Afghanistan über den mittleren und nahen Osten bis nach Nordafrika reicht. Die Menschen in Syrien sind unfreiwillige Opfer des ganzen Theaters. Schuldzuweisungen und Rechtfertigungen bzgl. der Kriegsgründe treten angesichts der realen Erlebnisse vor Ort als nicht mehr zielführend in den Hintergrund.

Ob das angestrebte eigene Bild betreffend den Syrienkonflikt auch wirklich absolut und „umfassend real“ sein kann, ist und bleibt natürlich eine offene Frage, die ich keinesfalls mit ja beantworten kann.

Jedenfalls ist der Konflikt durch viel zu viele, sich oft auch nur lokal artikulierende, interagierende Interessen bestimmt, als dass man sie alle rational zu einem Gesamtpuzzle zusammenfügen könnte. Die derzeitige Situation wird sich sicherlich nicht erklären lassen durch vereinfachende Modelle des Guten hier und des Bösen da, die sich immer genau und eindeutig erkennbar auf einander getrennt gegenüberstehenden Seiten bekämpfen.

Eine Frage drängt sich allerdings auf:
Ist es nicht ein sehr viel gefährlicheres Spiel mit dem Feuer, vermeintlich lokale Konflikte zu schüren und damit einen Weltenbrand zu riskieren, als das überfällige Gebot der Stunde umzusetzen, im Sinne eines Ausgleichs mit allen Beteiligten?

Die Erkenntnis stellt sich ein, dass das ernsthafte Verhindernwollen eines weltweiten Konflikts vor allem Bereitschaft zum Verzicht erfordert, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in puncto eines moralischen Überlegenheitsanspruchs.

Klar ist, dass derjenige, der sich die Mühe macht, vor Ort zu recherchieren, in Bezug auf eigene Erkenntnis nur dazugewinnen kann – auch wenn er dabei gewisse Risiken in Kauf nimmt, nicht nur physische vor Ort, sondern auch, von Freunden in der Heimat missverstanden zu werden.


Von dieser Reise nach Syrien bin ich trotz vieler auch erschreckender Erfahrungen unermesslich reich belohnt nach Hause gefahren. Belohnt nicht nur durch zuvor nicht für möglich gehaltene menschliche Erfahrungen, die sich unauslöschlich in die Seele gebrannt haben und die ich nie mehr missen möchte, sondern vor allem auch durch die sich zur Gewissheit heranbildende persönliche Erkenntnis, dass sich in Syrien zur Zeit sehr wahrscheinlich auch unser eigenes Schicksal, die Zukunft der gesamten Welt entscheidet.

Es geht nicht um einen Dienst für den Frieden durch die kriegerische Beseitigung eines schlimmen Diktators.

Es geht letztlich um die Erkenntnis, dass Frieden niemals durch Krieg erreicht werden kann, sondern nur durch gegenseitige Achtung, Annäherung, Ausgleich, menschliche Begegnung mit dem (meistens auch nur vermeintlichen) Gegner – sei es in anderen Teilen der Welt oder auch in uns selbst.

Kommentare

  1. Lieber Rudolf
    Danke für diesen bilderreichen Reisebericht.
    "Ob das angestrebte eigene Bild betreffend den Syrienkonflikt auch wirklich absolut und „umfassend real“ sein kann, ist und bleibt natürlich eine offene Frage, die ich keinesfalls mit ja beantworten kann."
    Ich kenne den Syrienkonflikt eigentlich nur aus den Erzählungen von syrischen Kurden und Verfolgten der Assad Regierung aus Aleppo(natürlich auch aus den russischen und westlichen Medien). So hat jeder seine Perspektive jedoch schreibst Du:
    "Immer deutlicher wurde unser Eindruck, dass der Syrienkrieg wohl nur ein Baustein ist in einer aus Dominanzgründen gegenüber Russland und China und aus wirtschaftlichen Gründen vom Westen betriebenen Destabilisierungskampagne, welche von Afghanistan über den mittleren und nahen Osten bis nach Nordafrika reicht." Wie siehst Du da die Rolle Russlands und des Irans? Sind sie nicht auch an der Destabilisierungskampagne genauso beteiligt oder verteidigen sie sich nur?
    Herzlichst
    Herrmann
    P.S. Habe gerade keinen Zugang zu meinem Google Herrmann account. Arbeite gerade die Nacht im Flüchtlingsheim.

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    1. Lieber Finkelsteen,

      Die Rollen Russlands und Irans im Syrien Konflikt sehe ich sehr verschieden.
      Natürlich hat Russland genauso "geopolitische Interessen" im Nahen Osten, wie alle anderen Grossmächte auch. Ich zweifle aber daran, dass Russland an einer großflächigen Destabilisierung des Nahen und Mittleren Ostens ein Interesse haben könnte.
      Den Iran sehe ich eher in der Rolle sich selbst verteidigen zu müssen. Er ist gewissermassen selbt Opfer der vom Westen vorangetriebenen Destabilisierungskampagne und sucht natürlich die Achse mit Assad und auch der Hisbollah im Libanon aufrecht zu erhalten. Sein Verhältnis zu Russland ist gespalten und reduziert auf Zweckbündnisse in gewissen Bereichen.
      Russland versucht seine Interessen bzgl. Zugang zum Mittelmeer zu wahren, womöglich auch an der Ausbeutung der Ölvorkommen vor der syrischen Küste.
      Auch geht es Russland um die Verhinderung der Gas-pipeline von Qatar über den Irak und Syrien zum Mittelmeer, oder von Syrien über die Türkei weiter nach Europa. Wäre alles eine sehr unangenehme Konkurrenz für sein eigenes Gas.
      Auch die Stärkung und das wirtschaftliche Zusammenwachsens Eurasiens steht auf der russischen Agenda. Dabei spielt auch das Projekt der neuen Seidenstrasse eine Rolle, deren Verhinderung wiederum im Interesse der USA liegt, die nichts mehr fürchtet als ein wirtschaftlich starkes und kooperierendes Eurasien. Die Landverbindungen über die neue Seidenstrasse, von der mehrere Äste geplant sind, wären der Grundstein für ein starkes Eurasiens. Das Ende der alten Seidenstrasse war der Hafen Latakia in Syrien

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  2. Lieber Rudolf,

    danke für diesen Schlußakkord:

    „Es geht letztlich um die Erkenntnis, dass Frieden niemals durch Krieg erreicht werden kann, sondern nur durch gegenseitige Achtung, Annäherung, Ausgleich, menschliche Begegnung mit dem (meistens auch nur vermeintlichen) Gegner – sei es in anderen Teilen der Welt oder auch in uns selbst.“

    Laut dem Philosophen Wilfrid Jaensch ist der Gegner, also das Gegenüber, noch genauer, das Gegebene: Die Passion der Ursprungsgöttin.

    ~ B.

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  3. Schon ein durchaus interessanter, ansatzweise glaubhafter Bericht, dem ich letztendlich aber mit Skepsis begegne. Wenn Rudolf schreibt

    "In den 12 Tagen in Syrien trafen wir lediglich einen einzigen (!!) „echten Journalisten“

    suggeriert er damit, dass es in Syrien keine "echten Journalisten" gibt und den üblichen Nachrichtenbilder über zerstörte Städte und dem Leid der Bevölkerung anscheinend nicht ganz zu trauen sind. Etwas naiv. Vielleicht gab es dort ja ganz viele "echte Journalisten", die anderes zu hatten, als mit einer Tiroler Reisegruppe in ein Gespräch zu kommen.

    Ansonsten ist es eine schöne Erkenntnis, wenn man lesen kann, dass es in dem unvorstellbaren 7 Jahre dauernden Leid in Syrien noch Oasen von Normalität gibt - daraus aber, wie Rudolf, zu folgern

    "Ich habe viele zuvor nicht für möglich gehaltene Aspekte im Zusammenhang mit den so unendlich komplexen Kriegsursachen erfahren"

    ist naiv. "Unendlich komplexe Kriegsursachen" kann man eben grundsätzlich nicht "erfahren".

    Wie ich neulich schon geschrieben habe: Ich kenne eine Erdogan-Anhängerin, die öfter in die Türkei fährt und die mir dann berichtet, dass sie keine Unterdrückung der Opposition, Kurden, usw. "sehen" kann. Also gibt es das auch nicht. Deutsche Lügenpresse, fertig.

    Dass der Syrienkonflikt inzwischen aus einem kaum zu überschauenden Chaos von zahlreichen Interessengruppen und Ländern besteht, ist klar, ebenso klar ist aber die Hauptverantwortung Assads für den Auslöser und die Entwicklung des Krieges (Wikipedia, Krieg in Syrien) sowie die fragwürdige Rolle Russlands, welches vor 2,5 Jahren das Assad-System vor dem Kollabieren gerettet hat.

    Mir sind da die Berichte eines Christoph Reuter (SPIEGEL) lieber, der ist seit über 6 Jahren in Syrien vor Ort.

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  4. Berichte über die "Alltagsnormalität" in Damaskus zur Zeit des Krieges gab es übrigends schon öfter von unseren "Mainstreammedien":

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/trotz-krieg-feiern-die-syrer-in-damaskus-a-836944.html

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    1. Guten Morgen, Rainer!

      »"Ich habe viele zuvor nicht für möglich gehaltene Aspekte im Zusammenhang mit den so unendlich komplexen Kriegsursachen erfahren"

      ist naiv. "Unendlich komplexe Kriegsursachen" kann man eben grundsätzlich nicht "erfahren“.«


      Nun - aber neue Aspekte zu diesen Ursachen kann man schon erfahren: von den Menschen, die einem von ihren Sichtweisen erzählen.
      Und Rudolf schreibt ja ausdrücklich, daß es eine offene Frage bleibt, ob sein auf dieser Reise gewonnenes Bild »auch wirklich absolut und „umfassend real“ sein kann«.

      Ich würde mir wünschen, daß wir unterschiedliche, einander auf den ersten Blick widersprechende Narrative nicht sofort als entweder „einzig wahr“ oder „von A bis Z erlogen“ schubladisieren, sondern sie als verschiedene Puzzlesteine eines Gesamtbildes ansehen — und also für möglich halten, daß sowohl das, was Christoph Reuter, als auch das, was Rudolf erzählt, Teile der Gesamt-Wahrheit sind und daher, für sich allein genommen, naturgemäß unvollständig.

      Da ist natürlich auch der Spiegel-Bericht aus 2012 eine passende Ergänzung. Danke.

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    2. @ Rainer,

      aber es kann doch nicht geleugnet werden, dass es sehr viele Aspekte gibt, welche die Sachlage und das Feld der Kriegsursachen so ungeheuer komplex machen?
      Ich habe lediglich gesagt, dass ich ungeheuer viele Aspekte erfahren habe, die mit eine Rolle in diesem Konflikt spielen.
      Warum bitte sollte dies (meine eigene Erfahrung) naiv sein?
      Das musst du mir schon genauer erklären.

      Naiv ist viel eher die Reduzierung des Konfliktes auf die Guten auf einer Seite und die Bösen auf der anderen die sich gegenseitig bekämpfen, sowie die Agenda des notwendigen Regimewechsels allein wegen "eines schlimmen Diktators".
      Klar ist vielmehr, dass in dieser Optik alle Kriegsursachenkomplexe weiterhin unter einem Schleier der Ablenkung, Desinformation und Propaganda verhüllt bleiben würden.

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    3. @ Rainer,

      ausserdem war es keine "Tiroler Reisegruppe" wie du verächtlich anmerkst, sondern es waren einzig und allein 2 Südtiroler mit dabei. Abgesehen davon, dass "Tiroler" Österreicher wären, Südtiroler aber Italiener sind. Österreicher waren in der Reisegruppe nicht mit dabei.

      Auch habe ich nicht geschrieben, dass es keine Journalisten in Syrien gibt, sondern nur dass ich nur einer einzigen begegnet bin.
      Außerdem gibt es in Syrien keine "Oasen der Normalität", sondern die Gebiete mit Normalität, wenn man sie so bezeichnen möchte, sind die am dichtesten besiedelten Gebiete mit der Mehrheit der Bevölkerung und die meisten größeren Städte.
      Selbst in Aleppo, das wir zwar nicht besuchten, soll nur ein kleiner Teil der Stadt zerstört sein, wurde mir zumindest glaubhaft berichtet.
      Naiv und ablenkend ist auch, die Hauptverantwortung auf das unermessliche Leid von Millionen Menschen auf Assad zu schieben, wobei ich noch einmal anmerke und betone, dass ich keinesfalls ein Assad-Fan bin, und jede Anschuldigung diesbezüglich präventiv zurückweise.

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    4. @ Ingrid @ Rudolf

      Der Umstand, dass "es sehr viele Aspekte gibt, welche die Sachlage und das Feld der Kriegsursachen so ungeheuer komplex machen" ist doch aber gerade im Fall Syrien seit Jahren mehr als längst bekannt - exakt das ist der Tenor bei allen (mir bekannten) Medien.

      Das sind wirklich alles andere als "neue Aspekte zu diesen Ursachen", "neu" und meinetwegen auch beeindruckend ist der Umstand, dass Rudolf den Mut hatte, jetzt in dieses Land zu fahren.

      Man spricht auch längst nicht mehr von den "Guten" und "Bösen" auf der jeweils anderen Seite (Ebensowenig Reuter, der hat übrigends ein Standartwerk zum IS geschrieben).

      Ein Regimewechsel wird dennoch weiterhin notwendig bleiben, da Assad eben zweifellos und nachweislich eine Hauptverantwortung an dem Ganzen trägt - dass so ein Regimewechsel wahrscheinlich in sehr weiter Ferne liegt und auch nur eine Art Zwischenlösung sein kann (bis eine Normalität/Wiederaufbau im ganzen Land hergestellt ist und das syrische Volk eventuell mitbestimmt, von wem es regiert werden will) ist auch klar.

      Wenn Rudolf aber schreibt, dass die "Kriegsursachenkomplexe weiterhin unter einem Schleier der Ablenkung, Desinformation und Propaganda verhüllt bleiben würden" so ist das eben ein wenig der "alte Rudolf" und m.E. auch der Tenor dieses (dadurch etwas fragwürdigen) Artikels: Alles was ihr meint zu wissen, ist Propaganda und Lügenpresse, ich war da und habe gesehen...

      Erinnert mich an meinen Großvater: Der war "Täter" im "3.Reich", vor Ort, hat alles "gesehen" und wollt seinem Enkel (mir) später erklären, dass alles ganz anders war, als das, was ich darüber in der Schule lerne.

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    5. Hier z.B. eine lesenswerte Analyse der jeweils unterschiedlichen Intentionen und Interessen der im Syrienkrieg beteiligten Konfliktparteien. Alles längst bekannt.

      https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-03/kriegsparteien-syrien-ueberblick

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    6. Noch eine letzte Bemerkung: Dass die anwesenden westlichen Journalisten "anderes zu tun hätten", wie du schreibst, als Touristen zu interviewen, glaube ich gerne. Und sicherlich ist auch die Tatsache, daß sie dies unterlassen haben, weil die Touristen ein vom vorgegebenen Narrativ abweichendes Bild schildern könnten natürlich eine ganz und gar gemeine Unterstellung, daher völlig unwahrscheinlich und jeder diesbezügliche Verdacht womöglich ganz und gar abwegig und daher ausgeschlossen. ;-)

      Interviewt wurde die Gruppe hingegen zwei mal während der Reise vom syrischen Fernsehen, keinesfalls organisiert, geplant oder beantragt. Die Kunde der Anwesenheit einer Touristengruppe verbreitete sich überall von alleine als ein sehr seltenes sensationelles Ereignis.

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    7. Genau Rudolf,es ging und geht dir und Ingrid wohl eher um Sensation, bis hier in den Blog hinein ;) Ein Affront mit ausschnitthaften Hochglanzbildern und eine unermässliche Kälte allen Opfern gegenüber die Assad auf dem Gewissen hat. Wie begann der Syrienkrieg noch mal? Genau, er schoss syrische Jugendliche nieder die demonstriert haben...für mich ist das unterster Populismus...

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    8. @ Kathrins Cousine

      im Gegensatz zu dir bedaure ich alle Opfer, nicht nur die Assads. Immer nur auf die Opfer Assads hinzuweisen, genau das ist nämlich die "unermessliche Kälte allen Opfern gegenüber".
      Auch habe ich niemals Verbrechen, von welcher Seite auch immer, geleugnet oder gerechtfertigt. Aber Verbrechen können und dürfen niemals Grund, Rechtfertigung und Anlass zu weit größeren Verbrechen und Gewalt-Eskalationen werden. Wobei es auch über den von dir geschilderten "Ursprung" des Syrien-Konflikts verschiedene Versionen gibt, vor allem was den Einsatz von Waffengewalt gegen unbewaffnete Demonstranten anbelangt.

      @ Rainer

      "alles längst bekannt" ?

      ja, das offizielle Narrativ ist in der Tat längst bekannt. Aber soll das jetzt heißen, das alles, aber auch wirklich alles was dessen Bestandteil ist, der absoluten Wahrheit entspricht?
      Dass es also untersagt ist sich zu bemühen sich letzterer noch ein bisschen mehr anzunähern? Das wäre wohl sehr traurig und wohl eher nichts anderes als ein unwürdiger "Propagandakrieg", wenn man Abweichendes - mit Verweis auf die verordnete Wahrheit als von vornherein unwahr abkanzelt.

      Deswegen verlinke ich auch so gut wie nie, sondern vertrete eigene Standpunkte und berichte über eigene Erfahrungen und mir persönlich Mitgeteiltes.
      Auch weil, wer nach gegenteiligen Argumenten ernsthaft sucht, auch genügend diesbezügliche Hinweise finden wird, so z.B. auch bzgl. des Themas, dass der angebliche Kampf der westlichen Koalition gegen den IS sehr fragwürdig war und ist, und wenn, dann nur halbherzig als Feigenblatt betrieben.
      Es gibt genügend Hinweise, dass weniger die Stellungen des IS bombardiert wurden, als vielmehr mutwillig die Infrastruktur des Landes zerstört wurde, wie Strassen, E-Werke und Wasserversorgungseirichtungen. Sogar davon, dass das Vorrücken des IS durch Feuerschutz sogar begünstigt wurde. Sogar von "irrtümlichen" direkten Bombardements von Stellungen der Assad-Armee durch die USA ist die Rede, wer sucht findet eben auch andere, ich sage jetzt mal möglicherweise durchaus nicht auszuschließende Teilwahrheiten. Ist aber eben nicht meine Art.

      In dem von dir verlinkten Artikel sind viele Teilwahrheiten enthalten.
      Unbestritten stimme ich sogar +/- zur Gänze mit dem überein, was dort über den Iran, Israel, die Türkei und die Kurden gesagt wird.
      Nicht aber mit dem, was über die anderen "Kriegs-Parteien" angeführt ist. Hier handelt es sich m.E. zumindest teilweise wieder um die üblichen einseitigen "offiziellen (Teil)-Wahrheiten", die im Gesamteffekt das Bild der Lage doch wesentlich verfälschen.


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    9. @ Rainer,

      als Beweis dafür, dass in westlichen Medien schon öfters über die Alltagsnormalität berichtet wurde, lieferst du allen Ernstes einen link auf einen Artikel aus dem Jahr 2012 ?

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    10. Die Grossmächte und regionalen Mächte streben nach einer multipolaren Welt mit isolierten autokratischen Polen. Man zieht sich in die eigenen normalisierten Einflusssphären zurück und vermeidet direkte Konfrontationen (US, Russland, China, Iran usw.). In den normalisierten Gebieten in Syrien gab es aber schon Helikopter und gelbe Gasflaschen.

      Higgins (Bellingcat) hat den letzten Giftgasangriff analysiert:
      “Following the Douma chemical attack on April 7th 2018, much attention has been paid to two impact sites where the remains of yellow gas cylinders were discovered.”
      (All the Pieces Matter – Syria’s Chlorine Bombs and the Douma Chemical Attack)
      https://www.bellingcat.com/tag/syria/

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    11. Hier noch einmal SPON über die Syrienreise einiger AfD-Abgeordneter letztens. Irgendwie etwas ähnlich, die Argumentation von denen, mit Rudolfs obigen Äußerungen (sinngemäß "man muss sich mal ein differenziertes Bild von der Lage vor Ort machen...unsere Medien sagen nur die Teilwahrheit..."usw.)

      http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-politiker-erklaeren-ihre-syrien-reise-zum-assad-regime-a-1198854.html

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    12. "Von der Reise nach Damaskus, Homs und Aleppo hatte Blex fast täglich getwittert, in Damaskus lobte er den "wunderbaren Spaziergang über den Basar", wo "alles total entspannt" sei und fotografierte einen Eisverkäufer..."

      aus dem obigen Artikel über die AfD-Syrienreise. Wie schön, dass jetzt auch durch unseren Egoistenblog ein sehr viel differenzierteres Bild über den Syrienkrieg zustande gekommen ist.

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    13. @ Rainer,

      da ich bei deinem post 13:30 ebenfalls - auch wenn nicht explizit ausgedrückt - irgendwie von (unbegründeter) Ironie ausgehe, zwei kurze Fragen:

      Du meinst also, dass ähnliche Wahrnehmungen der Realität nicht in erster Linie auf die Realität selbst zurückgeführt werden müssten, sondern eher auf die politische Einstellung des Beobachtenden?

      Was ist gegen ein ev. differenzierteres Bild einzuwenden, sollte das vorhandene durch direkte Erfahrungen von Menschen erweitert werden können, die sich die Mühe machen und die Risiken in Kauf nehmen vor Ort zu recherchieren?

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    14. Rainer, es ist bei denen offensichtlich diese besondere Zuneigung vorhanden für so Despoten, autoritären Führern, Sytemen und harten Jungs...ausserdem sind ja auch die Flüchtlingsströme einzudämmen oder abzuschaffen nach dem Motto: "Denen geht's doch gut dort! Bitte die deutsche Rasse unter sich! ... und überhaupt, es ist eh alles von den westlichen Demokratien gesteuert, um die Region dort zu destabilisieren..." ;)

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    15. Schon wieder diese ewige "Nazitaste". Einfach nur langweilig!

      Interessant ist eher die Erfahrung, dass es heute (wieder) Länder gibt, in die man offenbar gar nicht reisen darf, ohne als böse zu gelten. Gabs meiner Erinnerung nach auch nur in Diktaturen, mir fällt da gerade spontan die DDR ein.

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    16. @ Rudolf
      Die Thematik "Wahrnehmung der Realität" und "direkte Erfahrungen" lässt sich m.E. nur bedingt anwenden auf die Beurteilung eines 7 Jahre andauernden und in seiner Komplexität kaum zu überschauenden Krieges.

      Der Umstand, dass man viel "wahrnehmen" und "Erfahrungen machen" kann, bedeutet nicht, dass man damit automatisch die "passenden/richtigen" Begriffe oder Urteile zu diesen Wahrnehmungen und Erfahrungen bilden kann.

      Der AfD Mensch sieht die "Realität" "Eisverkäufer in Damaskus", bildet (und verbreitet) daraufhin das Urteil
      " alles nicht so schlimm in Damaskus, wenn Eis verkauft wird".

      Mit "Realität" und "objektiver Wahrnehmung" hat das alles nichts zu tun. Ähnlich erlebe ich Dich.

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    17. Nein Rudolf, ganz und gar nicht langweilig was die AFD betrifft, sondern höchst alarmierend.

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    18. Fast möchte man mutmaßen Dr. Steiner würde sich bei so etwas im 'Grabe' umdrehen und ausrufen:
      "Shit, hätte ich doch nur mehr Mitgefühl, Sozialität,Demokratiefreundlichkeit und Psychologie gelehrt und nicht so viel Übersinnliches und kompliziertes Kopfzerbrechen...Oh Herrje, einige Anthroposophen scheinen ja echte Probleme mit Ihrem Herzchakra zu haben in ihrem Mini-Kosmos..."

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    19. ok Rainer,

      wenn man also durch eigene Wahrnehmung feststellt, dass im Grossteil des Landes (nicht flächenmäßig, da ein Grossteil Syriens Wüste ist, aber einwohnermässig) das Leben einigermaßen normal verläuft, die Gebäude zum allergrößten Teil nicht zerstört sind usw... dann sind das also Trugbilder? Sinnestäuschungen?

      Man sollte sich also dazu zwingen, vor Ort und im Lande, mit den eigenen Sinnen das "wahrzunehmen" und zu "sehen", was einem beispielsweise durch Fernseh-Propagandabilder glaubhaft gemacht werden soll, also dass z.B. der Großteil Syriens ein Trümmerfeld ist?

      Mann o Mann, in was für einer Welt leben wir eigentlich heute!
      Nein lieber Rainer, ich jedenfalls traue meinen eigenen Augen noch!

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    20. @ Rudolf
      Ich glaube, das bringt nichts mehr. Ich verabschiede mich erst einmal von diesem Dialog. Dir weiterhin viel Freude mit der Aufarbeitung und Verbreitung Deiner "eigenen Wahrnehmungen" in Syrien (Wundert mich auch nicht wenig, dass Ingrid diesen Klamauk zu unterstützen scheint).

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    21. Apropo. Nun könnte es richtig heiß werden um AFD und Linke:

      Spionageanklage gegen AFD-Vertrauten und Putinabgesandten:

      https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_83753318/spionage-anklage-gegen-afd-vertrauten.html

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    22. Die AfD ist doch nur ein Symptom für das komplette Versagen der Politik der letzten Jahre. Wenn die Politik nicht mehr in der Lage ist, einem immer grösser werdenden Teil der Bevölkerung eine Zukunftsperspektive zu bieten, dann bringt es doch nichts die Symptome oder die Unzufriedenheit der Menschen zu verteufeln. Diese müssten doch als Warnsignale und nicht als Feinde wahrgenommen werden.

      Viel eher müsste man demzufolge die Ursachen, also die den Symptomen zugrundeliegende Krankheit bekämpfen.
      Das findet aber nicht statt.

      Genau das  ist das wirklich Besorgniserregende und eben nicht die Entwicklung in der AfD, wie weiter oben ein Anonymer meint. Denn diese Entwicklung weist uns doch nur auf etwas hin, das viel tiefer liegt und das wir alle nicht in den Griff bekommen.
      Es ist einfach nur zu bequem, alle Schuld immer nur den AfD Leuten zuzuweisen.

      Was hat das mit Syrien zu tun? Auch hier erleben wir ein komplettes Versagen der Weltpolitik.
      Die Schuld wird aber nicht in diesem gemeinsamen Versagen gesehen, d.h. im Ausser Acht lassen der Möglichkeiten des Aufeinanderzugehens und sich einigens, sondern je nach Standpunkt entweder den Russen, dem Westen, den Iranern, dem IS oder noch weiteren anderen Akteuren, und natürlich - was am bequemsten ist - dem Oberbösewicht Assad.

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    23. Assad ein Bösewicht,bequem?? Hey, es geht hier nicht um den Kinderroman "Räuber Hotzenplotz" von Preusser.

      Na, du scheinst ja just so richtig aus der Reserve zu kommen, wenn man nur etwas drastischer wird. Nun sind's plötzlich wieder ALLE die versagt haben...aber immerhin ein Anfang, wenn auch mehr aus Trotz und sehr undifferenziert...

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    24. Ja, die Politik kann für vieles herhalten, aber nicht für alles. Wer AFD leichtsinnig wählt ist eben auch leicht - - sinnig und übersieht unbewusst oder bewusst in seinem Leicht - - Sinn was da für Granaten am Werke sind. Würde sich einer der Wutbürger mal das Wahlprogramm der AFD näher anschauen, dann wird er sich wundern was da alles auf ihn zukommt bzw. was da hinterrücks zusammen gebraut wurde.

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    25. @ Räuber Hotzenplotz,

      irgendwie haben alle versagt,  dennoch sind aber nicht alle im selben Ausmaß für das Unheil verantwortlich oder an ihm "schuld".
      Versagt hat die Weltpolitik, deswegen können alle Player in diesem schmutzigen Krieg Verantwortung und "Schuld" auch nur in dem Ausmass und für den Anteil tragen, wie sie in der Lage sind, die Weltpolitik  zu beeinflussen.

      Deswegen ist es ablenkend Assad die Hauptschuld am nun schon ins 8. Jahr gehenden Krieg und dem unendlichen Leid von Millionen Menschen  aufzubürden, sollte er auch wirklich auf Demonstranten geschossen haben oder für andere Verbrechen verantwortlich sein.
      Dem einen  Krieg auslösenden Ereignis, bzw. dessen Urheber kann neimals  die alleinige Schuld an allen Verbrechen gegeben werden,  die in der Folge im Zuge von Eskalationen dann verübt werden, von wem auch immer.  Das wäre unendlich absurd.

      Assad gehört zu jenen Akteuren im Krieg, welche die Weltpolitik am wenigsten zu beeinflussen in der Lage sind. Trotz unbestrittener Verantwortlichkeiten ist  er aber in erster Linie nicht Akteur, sondern viel eher ein Instrument der unterschiedlichsten Akteurein diesem unwürdigen und unzeitgemäßen Dominanzgerangel.

      Womöglich kann und darf man Assad, so man einen Sinn darin sieht, als "Schlächter" bezeichnen. Ich Ich meine allerdings nur dann, wenn man auch alle anderen Akteure in der Weltpolitik und in diesem Krieg, die Menschenleben auf dem Gewissen haben, als solche bezeichnet, und das ausserdem noch im Bewusstsein, dass es eben auch  "demokratische Schlächter" gibt, die allein aufgrund des "demokratischen Hintergrunds" bzgl. des Grads an Verantwortung aber  nicht anders zu beurteilen sind.
      Denn man kann Verbrechen an unschuldigen Menschen nicht mit einer angeblichen oder auch realen  "Schuld" ihres  Herrschers rechtfertigen.
      Hinter all dem  moralisierenden Differenzieren, d.h. hinter dem moralischen Überlegenheitsanspruch beim unterschiedlichen Beurteilen von Kriegsaktionen, dem Weltpolizistentum, der Verbrechen zum Teil rechtfertigenden, leugnenden  oder in der Schwere differenziert beurteilenden Art verbergen sich einzig und allein Herrschaftsansprüche und geopolitische Dominanzbestrebungen verschiedener Player in diesem Krieg.

      Und  syrische Volk leidet immer noch weiter.
      Genau das  ist unser aller Versagen. Assad die Hauptschuld dafür zu geben, dient der Kaschierung  dieser Verantwortung und bedeutet Leugnung von Mitschuld an all diesem  Leid unschuldiger Menschen.

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    26. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bürgerkrieg_in_Syrien_seit_2011

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  5. @ Rainer:

    »(Wundert mich auch nicht wenig, dass Ingrid diesen Klamauk zu unterstützen scheint).«

    Ich habe Rudolfs Bericht aus mehreren Gründen hier hereingestellt:

    Erstens schien es mir einfach ein Gebot der Fairness zu sein - denn in den Kommentaren in letzter Zeit wurde deutlich, daß viele glaubten, er wäre gar nicht in Syrien gewesen und habe einfach geflunkert.

    Und zweitens (wie schon erwähnt) finde ich es nunmal wichtig, möglichst viele Puzzlesteine zu kennen, um zu einem Gesamtbild zu kommen.

    Was Rudolf sagt über Assads unangefochtene Stellung als »Garant von Stabilität« in den Augen vieler Menschen, stimmt gut zu dem, was Aleksandr Dugin am Diskussionsabend, über den ich hier berichtet habe, über die damals erst bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Rußland sagte:
    Putin werde die Wahl auf jeden Fall gewinnen, einfach schon deshalb, weil er jetzt Präsident sei und es für das russische Volk ganz natürlich sei, zu seinem Zaren aufzublicken. Auch Dugin selbst sieht es so: »Die russische Regierung ist zwar schlecht, aber Putin ist ein guter Zar.«
    Das einzelne Ich spiele in der russischen Seele eine sehr viel kleinere Rolle als im Westen (auch in der Sprache zeigt sich das: wo wir sagen: „Ich heiße…“, sagt der Russe: Меня зовут, „Mich nennen sie…“).
    Ich denke dabei auch an etwas, was der Rußlandexperte Gerhard Mangott letzten Montag in Wien sagte: Wenn immer sich jemand bei Putin über irgendetwas beschwere, gelinge es Putin, den Eindruck zu erwecken, daß er nichts dafür könne, daß er gar nicht davon gewußt habe – und er versichere, daß er sich in Zukunft darum kümmern werde. Offenbar glaube man ihm das...
    Sollte es für Assad nicht noch sehr viel leichter sein, die Schuld anderen zuzuschieben? (Und: kommen nicht auch die Christen in Syrien ohne das „filioque“ aus? ...)

    Gerhard Mangott sagte auch: Ohne internationale Einmischung wäre der Bürgerkrieg in Syrien längst vorbei - »zugunsten Assads, der zweifellos ein Schlächter ist«. Aber eben: nun geht der Krieg schon ins 8. Jahr, und eine friedliche Lösung scheint nicht in Sicht zu sein...

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    1. Assad und der Beginn des von ihm verursachten Bürgerkrieges. Eine Chronologie der Ereignisse:

      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bürgerkrieg_in_Syrien_seit_2011

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    2. "Von Assad verursachtem Bürgerkrieg..."

      "Verursacht" klingt sehr nach Schuld. Aber sogar wenn man "ausgelöst" sagen würde, würden sich viele Fragen und Zweifel stellen. Die Geschichtsschreibung über den Syrien-Konflikt dürfte sicherlich noch nicht, ob jetzt im wahren oder unwahren Sinne bleibt vorerst unberührt, in Stein gemeißelt festgeschrieben sein.

      Man kann es natürlich machen, Wikipedia uneingeschränkt als wahr hinstellen. Vieles mag zutreffen, aber wirklich alles? Ohne den geringsten Bedarf an Richtigstellungen, Ergänzungen und erweiternden Darstellungen an den mit dem angemaßten Anspruch universeller und "offizieller" Gültigkeit zusammengefassten Artikel und Standpunkte?

      Der erste Zweifel kommt schon am Ursprung, also bei der angeblichen "Verursachung" des "Bürgerkrieges" auf. Einem "Bürgerkrieg", der aufgrund der ausländischen Einmischung schon sehr bald keiner mehr war, das ist Fakt und mit dem die Assad-Armee ohne diese Einmischung und Unterstützung aus dem Ausland spielend alleine fertig geworden wäre, ebenfalls Fakt.

      Schon bei der "Verursachung" lässt ein gewaltiger Widerspruch, von dem selbst die israelische Zeitung "Aarutz sheeva" in ihrem bei Wikipedia verlinkten Artikel vom 21.03.2011 (3 Tage nach den ersten angeblichen Anti-Assad-Demonstrationen) schreibt, gewaltige Zweifel an der offiziellen "Schuldthese" aufkommen.
      Dort ist bereits vom Tod von 7 Polizisten und 4 Demonstranten bei gewaltsamen Auseinandersetzungen die Rede.
      Lassen wir die israelische Quelle ruhig sprechen. Denn wenn wir das tun, und ich sehe auch gar keinen Grund warum wir es nicht tun sollten, lässt der darin geschilderte Sachverhalt für jeden eigenständig denkenden Menschen ernsteste Zweifel daran aufkommen, ob es wirklich "unbewaffnete und friedliche" Demonstranten waren, die in der Lage gewesen sein könnten, 7 Polizisten zu töten.
      Jeder Staat der Welt geht, und das ist international rechtlich abgesichert, würde und darf mit Gewalt gegen bewaffnete Rebellen vorgehen.

      Es ist in vielfacher Hinsicht absurd, den grausamen Syrien-Konflikt als von Assad "verursachten" oder auch nur ausgelösten Bürgerkrieg, der es in Wirklichkeit auch niemals war, hinzustellen.

      Es sei denn man fühlt sich an einer wirklichen Aufarbeitung der Verantwortlichkeiten, Rechtsbrüche und Verbrechen aller weiteren Akteure im Zusammenhang mit diesem riesengroßen internationalen Versagen und himmelschreienden Schande gar nicht wirklich verpflichtet!

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    3. Es begann mit ein paar Protest-Graffitis von 14. jährigen Jugendlichen, pubertäre Jungenstreiche quasi...einer von ihnen, Naief, wurde erwischt und anschließend verhaftet und gefoltert ... andere wurden dann ebenfalls verhaftet und eingesperrt oder getötet...daraufhin demonstrierten die Eltern für eine Freilassung ihrer Kinder...Assad und seine Schlächter ließ das jedoch kalt...das Unheil nahm seinen Lauf...

      Naief erzählt seine Geschichte:
      https://www.jetzt.de/politik/krieg-in-syrien-naief-abazid-spruehte-das-grafitti-gegen-assad-mit-dem-der-aufstand-begann

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    4. Dass es mit Anti-Assad Graffitti von Jugendlichen begonnen haben soll, ist hinlänglich bekannt.
      Aber schon ob Jugendliche getötet wurden - ("....eingesperrt oder getötet...", bzw. auch "....3 von 23 sollen heute tot sein...") - scheint ja schon nicht mehr ganz klar zu sein.

      Es kommt doch auf ganz was anderes an. Niemand will reale Verbrechen einer Regierung, sofern wirklich nachweisbar, leugnen oder reinwaschen.
      Aber es muss darauf hingewiesen werden, bzw. es sollte möglich sein, dies zu tun, ohne dass man den Vorwurf erntet, ein Assad-Freund zu sein, dass das die Verteufelung eines Diktators als einzige Antwort auf die Frage nach Verantwortlichkeiten und Mitschuld an diesem in Wahrheit nur durch ausländische Interventionen und Unterstützungen ausgelösten Krieges ein Ablenkungsmanöver ist, nämlich von den Verbrechen der anderen Kriegsteilnehmer an unschuldigen Menschen.

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    5. Halt wie alles begann...Und - der 14 j. Graffiti-Jung Naief IST GEFOLTERT worden (siehe Interview)...er lebt heute übrigens in Wien...besuch ihn doch mal, ist doch nicht weit von dir...das würd ihn bestimmt freuen, du als alter Syrienfachmann...

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    6. ...wäre nur gut wenn du ihn nicht gleich mit deinen nimmer endenden Zweifeln oder deinen politischen Ansichten konfrontierst...er regeneriert gerade, steckt sehr wahrscheinlich noch tief in seinem Kriegs-Trauma...
      Schenke ihm einfach nur Trost, sei nur da, sei Freund und lade ihn auf nen Kaffee ein und ner Sachertorte, ok?

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    7. Ja, genauso wie wir den anderen Millionen Traumatisierten Trost spenden sollten, und den Angehörigen der 400.000 Toten

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    8. Genau, einfach nur Trost...siehst du, so ist recht...

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    9. Ja, Trost spenden ist immer gut und richtig.
      Aber gleichzeitig bei Kriegen nach den wirklichen Promotoren und deren Verantwortlichkeiten zu suchen, diese zur Rechenschaft zu ziehen, vor allem um weiteres Blutvergießen zu verhindern und für die Zukunft solche menschlichen Katastrophen möglichst zu vermeiden, kann doch nicht falsch sein? Oder etwa doch ??

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