Die russische Meta- Mafia und ihre globalen Netzwerke

Grassierender Putinismus
Nach einigen Tagen Informationssuche über den aktuellen Stand der Crystal Meth-, Fenthanyl-, Heroin- und Kokain- Routen und lokaler neuer Höchststände in Konsum, Handelsrouten und Verbreitung, landete ich zufällig bei YouTube bei einer Dokumentation des russischen Propaganda- Senders RT, der bei uns immer noch nicht kontrolliert, aber dafür überaus beliebt ist. Die Dokumentation beschäftigt mit den Opium- Anbaugebieten in Afghanistan -wobei sich über mehrere Jahre  erstreckt- und läuft unter dem Titel „Afghan Overdose. Inside opium trade“. (1)

Die russischen Reporter bewegen und recherchieren tatsächlich vor Ort, besuchen Süchtige - die es auch in Afghanistan in steigendem Maße und in kaum vorstellbarem Elend gibt- und Opium-Bauern, begleiten diverse Einsatzkommandos und dürfen als Highlight sogar eine echte Schießerei filmen. Vielleicht führte letztere zu über 1,5 Millionen Aufrufen der Dokumentation, obwohl die Schießerei wahrscheinlich ebenso gespielt ist wie die herzergreifende Intervention der hyperaktiven Reporter, die einen Süchtigen, finanziell unterstützt, in eine Entzugsklinik führen. Angeblich erwartet die Frau des Süchtigen gerade ein Kind. Die Intervention geht schief wie so vieles im Film, der Süchtige ist schon am nächsten Tag wieder auf der Straße und fordert neues Geld. Die Reporter bezahlen ihn und Andere, vor allem die Polizei vor Ort, um das Elend ausgiebig filmen zu dürfen. Anschließend geht es ins Hinterland von Kabul, um die Drogenbauern zu filmen, deren Produktion stetig zunimmt, auch wenn die eine oder andere Beschlagnahmung von Feldern öffentlichkeitswirksam gezeigt wird- auch in dieser Dokumentation. Worum es den Russen aber eigentlich geht, ist die jeweilige Nähe von US- und NATO- Militärcamps. Penetrant wird erst das Versagen der Allianz gegen den Opium- Anbau vorgeführt, um dann im späteren Verlauf der angeblichen Dokumentation Taliban- Kronzeugen vorzuführen, die eifrig behaupten, die US- Truppen wären die Organisatoren und Abnehmer der Heroin- Produktion. Die Botschaft und böse Absicht der Pseudo- Dokumentation schält sich heraus: Das Elend der Süchtigen, die Protektion der Bauern, die Korruption des Staates und der Militärs wird benutzt, um ein propagandistisches Meisterwerk im Sinne der Drogenhändler und russischen Intriganten zu produzieren. Es wird, so wird deutlich, Zeit, dass angeblich moralische Kräfte wie die russische Seite wieder einmal in Afghanistan für Ordnung sorgen. Und, so lautet das übliche Kreml- Argument: Wir waren es nicht, es waren die Anderen.

Nichts könnte unwahrer sein. Diese Pseudo- Dokumentation soll von der Tatsache ablenken, dass die „nördliche Route“ des Heroinhandels bis nach Mitteleuropa (und weiter) nicht nur ganze Länder auf der Route nachhaltig korrumpiert, deren Eliten Teile der riesigen Gewinne abschöpfen, sondern sehr effektiv von russischen und ukrainischen Mafia- Gruppen kontrolliert und organisiert wird, die nicht nur untereinander - trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen, die der Kreml betreibt- bestens kooperieren, sondern auch unter dem Schutz des russischen Staates stehen. Vladimir Putin selbst war in seiner Petersburger Zeit „liased with the Tambovskaya and Barsukov“ (2), also mit lokalen Vory- Organisationen. Mit seinem Aufstieg hat er einerseits die zu offensichtliche Kooperation von Politikern mit Mafia- Gruppen wie dem Moskauer Bürgermeister Yury Luzhkov in den letzten Jahren (2010) unterbunden, andererseits landesweite Absprachen zwischen den diversen konkurrierenden Gruppierungen, die ja auch bestimmten Ethnien wie den georgischen „Highlandern“ entstammten, befördert. Als Folge davon erscheint der Kreml schon lange als verborgener Puppenspieler, der sich einerseits der kriminellen Organisationen bedient, aber auch von ihnen determiniert wird: „..rather thean being under the control of the criminals, the Kremlin (or at least the security apparatus) is a shadowy puppeteer making the gangs dance on ist strings..“ (3)

Den diversen kriminellen Gruppierungen im Land wird immer wieder deutlich gemacht, dass der Staat die „mächtigste Gang“ darstellt, die - selbst im mörderischen Tschetschenien- eine Art von Frieden durch pure Feuerkraft und nackte, umfassende Gewalt schaffen kann: „The state is once again the biggest gang in town, and local and national political/ administrative figures are stronger than their criminal counterparts“ (4) Putin selbst ist eben nicht in erster Linie politisch der russische Strongman, er ist vor allem der Mann, der die in Ethnien, Regionen und auf Straßengang- Niveau operierende Mafia strukturiert und in den Dienst des Staates gestellt hat - Vladimir Putin ist der Schattenmann, der diesem wilden Tier des sich zerfleischenden organisierten Verbrechens den KGB als strukturierendes Element aufgezwungen hat. Der Preis dafür ist allerdings hoch: Ein vom Kopf bis zum Fuß korrumpiertes System.

„Aber sei´s drum“, würde vielleicht Ex- Kanzler Schröder sagen, „Hauptsache es lohnt sich“. Das tut es. Galeotti breitet in drei umfangreichen Kapiteln die ganze Geschichte der russischen Vory- der sich ehrenvoll gebenden strukturierten russischen Kriminalität mit ihren spezifischen Ritualen und Hierarchien- aus, von den ersten Anfängen im Zuge der Urbanisisierung über das Fraternisieren mit dem kommunistischen System - gerne im Rahmen der gefürchteten Geheimpolizei- bis hin zu den Gulags Stalins. In den im ganzen Land verteilten Arbeitslagern saßen Millionen Sowjetbürger ein, die als Arbeitssklaven die Industrialisierung des Landes voran zu treiben hatten. Das Heer der Aufseher reichte für diese Masse von Gefangenen nicht aus, und zur internen, gewalttätigen Kontrolle waren die einsitzenden Verbrecher gern bereit, zu deren Ehrenkodex es gehörte, selbst niemals, unter gar keinen Umständen, zu arbeiten. Dass sie suki (Schlampen) genannt wurden, war für sie nur die Außensicht, sie selbst sahen sich als die Unbeugsamen, nicht als die Kollaborateure des stalinistischen Systems, die sie faktisch waren. Bis zum Tod Stalins 1953 waren die Gulags von mörderischen internen Kämpfen überzogen, in deren Verlauf sich die Gangs in ihrer Tattoo- Kultur und in ihren Führergestalten, den Paten (vorovskoi mir) ausgestalteten. Die Verbrecherkultur erhielt durch das ausgeprägte, das ganze riesige Land überziehende Lagerleben in den Gulags einen eigenen Kodex, Strukturen, ja sogar den Charakter eines Staates- im -Staat. Es entwickelte sich ein Slang, gewisse Moden und eine individualistische Kultur, die durch nichts zu brechen war. Das alles erklärt die bis heute bestehende Leidenschaft der Russen für diese Subkultur, die nicht nur zum Mythos und zum volkstümlichen Selbstgefühl geworden ist, sondern auch von einer Figur wie Vladimir Putin instrumentalisiert wird, der an den Widerstand der Vory appelliert und sich selbst durch von ihm öffentlich verwendeten Gang- Slang stilisiert. Aber der Mythos lebt.

Aber Putin nutzt nicht nur den Mythos. Er setzt dann auf die heutigen Mafia- Gruppierungen, wenn ihm der Einsatz regulärer russischer Truppen nicht als opportun erscheint. So funktionierte auch die Besetzung der Krim als Joint Venture lokaler Mafia- Truppen, die verkleidet als grüne Männchen, aber mit hochmodernen Sturmgewehren ausgerüstet den Wiederanschluss ans russische Reich durchexerzierten: „Although Crimea was Part of Ukraine, many of the Most lukrative criminal businesses, such as trafficking narcotics and counterfeit or untaxed cigarettes, depended on relationships with the Russian criminal networks. (..) When the Ukrainian began to totter as President Yanukovych struggled with the Maidan protesters, Moscow was able to begin to reach out to potential allies in Crimea through Underground channels..“ (5) So kamen Polizisten und „kleine grüne Männer“ bei diesem Staatsstreich zum Einsatz, wobei diese Männer manchmal Veteranen und Freiwillige, meist aber Fußsoldaten der örtlichen Gangster- Gruppierungen waren. Zum Lohn wurden nach der Besetzung Ländereien und Grundstücke unter Moskauer Regie „versteigert“, die Verwaltung komplett mit korrupten Getreuen besetzt und die „Steuern“ der lokalen Gangstergruppen an den lokalen Häfen gesenkt, so dass sich Schmuggel wieder lohnte. Dieselben Figuren agierten, zwar im Dienste des Kreml, aber auch der Mafia, wie auf der Krim, so im Donbas: „Thus, if in Crimea the arm was to create a new Order, in the Donbas it was as much as anything also to create chaos, even if a Controller, weaponised chaos.“ (6) Die Machtergreifung durch lokale kriminell Netzwerke war ja auch in Tschetschenien ein wesentlicher Teil russischer Kriegsführung, um Kontrolle über die Region zurück zu gewinnen.

Ähnlich wie im Arrangement mit den verbliebenen Oligarchen ist der Preis einer „Befriedung“ und Einverleibung ganzer Regionen durch mafiöse Gruppierungen allerdings hoch: Weder Zivilgesellschaft noch Wirtschaft können in diesem Würgegriff prosperieren, und der Hunger der Blutsauger muss regelmäßig durch vom Kreml organisierte Großveranstaltung und Pseudoprojekte gestillt werden, die in grandioser Weise zu Verschwendung, Korruption und Diebstahl missbraucht werden. Zu solchen Großveranstaltungen gehören z.B. Olympische Spiele (in Sochi sollen um die 15 Milliarden Dollar versickert sein (7)) und aktuell die Fußball- Weltmeisterschaft, aber auch Casinos in allen Teilen des Landes. Selbst die Erschwernisse durch Sanktionen und russische Gegensanktionen nützen der Mafia. So wird im Gegenzug auf der Route des afghanischen Heroins Richtung Mitteleuropa durch dieselben Kuriere französischer Käse importiert, wobei so eine „chesserunner gang“ (8) durch den Käse alleine in sechs Monaten 34 Millionen Dollar Verdienst machte. Staatliche Veterinärämter helfen bei solchen lukrativen Deals, die zudem den anhaltenden Bedarf nach „sery gastronom“ (graue Delikatessen) bedienen. Teilweise ist auch der KGB in Schmuggelaktivitäten in Richtung EU beteiligt, da aus diesen Geschäften die Mittel abgeschöpft werden, die zur Propaganda in Mitteleuropa gebraucht werden- so etwa gewisse Anteile am Schmuggel unverzollter Zigaretten. Man darf vermuten, dass Ähnliches auch für den Heroin- und Crystal-Meth- Handel gilt: Mitteleuropa wird von innen und von außen attackiert, von Propaganda, Bestechung, Drogengeldern und durch die Stärkung der rechten und linken Ränder, aber auch durch die Drogen selbst. Zudem köchelt der Krieg in Syrien immer so viel, um durch Bombardierungen und staatsterroristische Akte Druck auf Europa durch die anhaltende Flut von Flüchtlingen aufzubauen, denn die Destabilisierung der Mitte Europas liegt im Interesse des Kreml und entspricht den subversiven Taktiken Putins.

So hält die Kooperation zwischen Unterwelt und russischer Staatsführung an, die seit den Gulags besteht, an- allerdings unter anderen Vorzeichen. Dass Oligarchen, Kreml, Mafia und KGB die Standbeine eines modernen russischen Staates werden könnten, hatte niemand nach dem Dienstantritt Putins ahnen können- im Gegenteil, die Zähmung der Straßenkämpfe zwischen rivalisierenden Gangstergruppen, der desolaten wirtschaftliche Lage, der Macht der Oligarchen, des Auseinanderfallens des weitläufigen und disparaten Flächenlandes traute man dem KGB- Mann Putin durchaus zu. Aber schon der Fall Bill Browder, des größten ausländischen Investors in dieser Zeit ab der Jahrtausendwende, zeigte (9), dass Putin weniger herrschte als eine Art Waffenstillstand zwischen den Haien und den Bären aushandelte, in deren Mitte er saß, und den größten Happen stets für sich beanspruchte. Dabei war Browder durchaus mit Putin verbunden gewesen wie er schreibt (9): „Man könnte sich fragen, warum Wladimir Putin zuließ, dass ich all das überhaupt tat. Weil unsere Interessen sich eine Zeit lang überschnitten, deswegen tat er es. Bei Putins Amtsantritt als Präsident im Januar 2000 wurde er dem Titel nach zwar Präsident der Russischen Föderation, aber die tatsächliche Macht des Präsidenten hatten Oligarchen, Regionalgouverneure und organisierte Verbrecherbanden an sich gerissen. Putins oberste Priorität war von Anfang an, diesen Männern die Macht wieder zu entreißen und sie wieder dem zurückzugeben, dem sie rechtmäßig gehörte, dem Kreml – oder genauer gesagt sich selbst..“ (10)

Das “Bügeln“ von Ausländern ist heute fester Teil des russischen Sprachkanons. Es funktioniert im Zusammenspiel von KGB, korrupten Steuerbehörden und Gerichten und der Mafia. Im Falle des Milliarden schweren Fonds Bill Browders wurde ihm persönlich die Einreise verweigert, wobei sein Fond zeitgleich wegen angeblich ausstehender Zahlungen beschlagnahmt und vor Gericht einem Mafia- Schläger übertragen wurde, der die Beute dann verteilte. Browders junger Anwalt Magnitsky wurde in Haft genommen, verprügelt, in einem Schauprozess sowjetischer Machart gedemütigt und nach einem Jahr ermordet (11). Der Fall hat kontinuierlich vor Augen geführt, dass Putins Staat durch und durch mafiös strukturiert ist, dass jeder Investor, der sich mit diesem Konglomerat eines Verbrecherstaates einlässt, wissen sollte, was er tut. Der Magnitsky-Act ist kein Akt willkürlicher Sanktionen, sondern eine in der westlichen Welt praktizierte Vorsichtsmaßnahme, um illegitime Geldflüsse aus russischen Quellen im jeweiligen Land zu kontrollieren und ggf. zu unterbinden. Es ist offensichtlich, dass sich die Putin- Administration davon in ihrer Handlungsfähigkeit beeinträchtigt fühlt. Es hat daher schon der Wahl Versuche der Einflussnahme auf die Trump- Administration durch eine KGB- Anwältin gegeben: „The Magnitsky Act returned to the news again in 2017 when it emerged that lawyer Natalia Veselnitskaya – who controversially met with President Donald Trump's son Donald Trump Jr and son-in-law Jared Kushner at Trump Tower in New York on 9 June 2016 to discuss information she claimed she had to the detriment of rival presidential candidate Hillary Clinton – had been long involved in work to see the act repealed.“ (12)

Aber die Frage ist, ob das Monster, das Putin in seinem Mafia- Staat und seinen hybriden Kriegen schuf, nicht längst dem russischen System entwichen und zu einem internationalen globalisierten Biest geworden ist, das Teile der Geldströme der Welt beherrscht und damit durchaus in der Lage ist, Regierungen in fast allen Teilen der Welt zu stürzen. Vladimir Putin bedient zwar bestimmte Vory- Klischees, um sich der kollektiven Empfindungen der Russen zu vergewissern - das Bild von Russland als ein von allen anderen Nationen verstossener unschuldiger Außenseiter, er selbst als einer, der die Sprache der Straße und der Gangster in seinen öffentlichen Auftritten spricht und also einer von ihnen ist, er selbst als einer, der aus einfachsten Verhältnissen stamme und sich hochgekämpft habe (13), ebenso wie er das im Chaos befindliche Gebilde der Verräter des Sowjetreichs wieder zu einem modernen Staat geformt habe. Letzteres ist ja auch nicht unwahr. Das sowjetische System war implodiert und musste neu erfunden werden. Vielleicht verbot sich eine Demokratie im westlichen Stil schon wegen der Vorherrschaft der Profiteure des Chaos, den Oligarchen, aber auch den rivalisierenden Mafia- Banden, die in den 90ern ein Blutbad nach dem anderen anrichteten und ihre Gewaltexzesse auch in viele andere Nationen hineintrugen.

Putin hat nicht nur den Staat neu aufgestellt, sondern durch die Formung, Einigung und Strukturierung der Vory mit Hilfe des KGB ein neues Instrument des Staates selbst aufgebaut, das im Schatten bleibt, aber gleichwohl staatliche Aufgaben erfüllt wie die Ermordung von Journalisten und Systemgegnern, Reformern und Opponenten zu Putin selbst, aber auch die Organisation des dauerhaften Krieges mit der Ukraine, die Einverleibung der Krim und die schmutzigste Mordarbeit in Syrien. Journalisten, die über diese Zusammenhänge berichten, sterben häufig (14).

In den letzten Jahren ist aber eine ganz andere, neue Form der Vory russischen Zuschnitts aufgefallen, die wesentlich smarter auftritt, ja eigentlich als Meta- Mafia, die, wie ein Ermittler es ausdrückte (15), handelt as „the criminals behind the criminals, not controlling them, but selling them everything they need“. Mit dieser Taktik hat eine globale Expansion stattgefunden, die ohne neue digitale Technik nicht möglich wäre, die die digitalen Geldströme per Smartphone in beliebigen Mengen zu leiten in der Lage ist, aber auch logistische Bewegungen globalen Ausmaßes möglich macht. Schwerpunkte sind heute Versicherungsbetrügereien im US- Medicare- System, Kooperation mit latein- amerikanischen Drogensyndikaten, Geldwäsche im Mittelmeerraum, Menschenhandel Richtung Ostasien, Waffenhandel in Afrika, Rohstoff- Schmuggel, Immobilienkauf im globalen Maßstab. Die Vory tritt dabei in Kooperation mit den lokalen Verbrechern auf- vor allem durch Korruption der globalen Geldkreisläufe: Die Rolle der neuen Mafia besteht in „providing financial services to the global underworld. Any criminal needs the ability to move und above all lauter their Profits so that they can use the money they make safely, without law enforcement being able to prove connection to a crime“ (16).

Die Hunderte von Milliarden Dollar aus den globalen Verbrechernetzen werden in Immobilien in London, Sydney, New York und Berlin- Charlottenburg angelegt, blähen den Markt auf, beeinflussen aber auch ganze Volkswirtschaften, und damit die Politik. Es werden einfach gewaltige Mengen investiert, die Banken verdienen, Städte prosperieren, und die Politik verschließt die Augen. Letztlich korrumpiert dieses von Putins globaler Vory reinvestierte Drogen-, Waffen- und Menschenhandel- Geld ganze Volkswirtschaften und politische Systeme. Rechtsradikale Parteien werden offen in Mitteleuropa durch diese Gelder finanziert, Propagandasender wie RT unterhalten, die Londoner City aufgekauft, aber auch Berliner Thinktanks mit ehemaligen SPD- Politikern bestückt. Putin ist seit 2010 dazu übergegangen, die Vory, mit deren Hilfe er zuerst den russischen Staat strukturiert hatte, zum globalen Instrument zu machen. Insofern ist die Überschneidung von Interessen mit dem Trump- Clan nicht gerade überraschend. Die pervertierten globalen Geldströme spülen ohnehin eine neue Elite an die Macht, die sich - wie etwa Roman Abramowitsch- Staatsangehörigkeit einfach kaufen (17) können, ebenso wie Fußballclubs oder was auch immer. Es ist eine Elite, die zunehmend an die Macht drängt. Zumindest über Vladimir Putin wird seit Jahren behauptet, er horte im Ausland Hunderte von Milliarden. Er selbst weist solche Gerüchte zurück: „Das Gerede über große persönliche Reichtümer sei aber "Müll", habe er in Richtung von Journalisten geschimpft. "Sie nehmen alles aus der Nase von irgendjemanden und schmieren es in ihre kleinen Zeitungen.““ (18) Diese Elite ist über nationale Bezüge hinaus gewachsen- ihre Kinder studieren an attraktiven Standorten, wofür z.B. die Flugstrecke Moskau- London ausgelegt ist: Als täglicher Schulweg.

Die Vory haben in kürzester Zeit als Meta- Mafia ein globales Netzwerk angelegt. Es ist keine echte Expansion- es ist eine Infiltration des Handels und Bankwesens. Trotz der nachgewiesenen Funktion einer Großbank wie der HSBC in der Finanzierung des globalen Drogenhandels (19) scheint das Problem im Bewusstsein der Öffentlichkeit nicht recht anzukommen. Dass die Vory in die globalen Märkte eingesickert sind, sich Politik und Medien im Sinne ihres Dienstherrn Vladimir Putin kaufen, dürfte ein wesentlicher Grund für den Aufstieg des Trump- Clans und das Wanken der Europäischen Union sein. Der Magnitsky- Act, den immer mehr Nationen verabschieden und der mit Sanktionen gegen Vertreter der Oligarchen und Vory verbunden sind, kann nur ein erster Schritt sein, um die verbrecherischen Geldströme wieder unter Kontrolle zu bringen. Das für ganze Volkswirtschaften schmerzliche Verzichten auf den Zustrom illegitimer Gelder wird ein schwieriger Akt werden. Mark Galeotti fragt sich in seinem Resümee auch, ob Putin die globalisierte Vory mit den aus ihr entspringenden neuen Eliten wirklich unter Kontrolle halten kann. Sie könnten sich letztlich auch gegen ihn wenden oder ganz andere Interessen verfolgen. Es ist nur unwahrscheinlich, dass das jemals demokratische, liberale und kooperative Ziele sein werden, ob mit Putin oder ohne ihn.

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1 https://youtu.be/6psfGxfc4lg
2 Mark Galeotti, The Vory. Russia´s Super Mafia, New Haven and London 2018, S. 211
3 Galeotti, S. 210
4 Galeotti, S. 239
5 Galeotti, S. 245f
6 Galeotti, S. 249
7 Galeotti, S. 234
8 Galeotti, S. 232
9 Ausführliche Darstellung des Falles bei den Egoisten: https://egoistenblog.blogspot.com/2016/10/ein-ganz-gewohnlicher-russischer-mord.html „EIN GANZ GEWÖHNLICHER RUSSISCHER MORD“
10 Aus Bill Browders „Red Notice“ https://www.theguardian.com/books/2015/mar/26/red-notice-how-i-became-putin-no-1-enemy-bill-browder-review
11 In diesem Punkt unterscheiden sich die Darstellungen bei Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Leonidowitsch_Magnitski und bei Browder. Wikipedia verlässt sich offenbar auf die Ergebnisse der Obduktion, Browder spricht von Totschlag durch Gefängniswärter.
12 https://www.independent.co.uk/news/world/americas/us-politics/magnitsky-act-bill-browder-arrest-spain-vladimir-putin-russia-kremlin-a8375766.html
13 In der Markus- Lanz- Reportage „Russland“ https://youtu.be/4sKZN02ZOcg wissen ehemalige Petersburger Nachbarn nichts von diesen „einfachsten Verhältnissen“
14 „In einem seiner letzten Artikel befasste sich Maxim Borodin mit Beerdigungen. Der 32 Jahre alte Journalist, der für das Jekaterinburger Nachrichtenportal „Nowyj Djen“ (Neuer Tag) schrieb, berichtete Mitte März, dass in der Stadt Asbest im Swerdlowsker Gebiet die Leichname zweier Männer ihren Verwandten übergeben worden seien. Die beiden seien „Veteranen des Donbass“, des Krieges in der Ostukraine, und zuletzt Kämpfer des privaten Militärunternehmens „Wagner“ gewesen. Borodin brachte den Tod der Männer in Zusammenhang mit Berichten über Dutzende oder gar einige Hundert russische Söldner, die am 7.Februar bei einem amerikanischen Angriff auf Kräfte des Assad-Regimes nahe der syrischen Stadt Deir ez-Zor ums Leben gekommen seien“ in: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/weshalb-der-russische-journalist-maxim-borodin-sterben-musste-15545113.html
15 Galeotti, S. 195
16 Galeotti, S. 196
17 https://www.welt.de/wirtschaft/article176795779/Roman-Abramowitsch-Russischer-Milliardaer-ist-jetzt-Israeli.html
18 http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/200-milliarden-dollar-vermoegen-wie-reich-ist-putin-wirklich-a-1018696-3.html
19 http://www.spiegel.de/wirtschaft/grossbank-hsbc-soll-geldwaesche-betrieben-haben-a-845158.html

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