Aufstieg und Fall eines anthroposophischen Gurus

Variante des Gurus mit Haar
Das waren noch Zeiten, als Sebastian Gronbach sich weiter Teile der liberalen anthroposophischen Szene gewiss sein konnte, da er in der anthroposophischen Zeitschrift Info3 einen Part inne hatte, die Denkgewohnheiten gestandener Anthroposophen zu irritieren - im Duett mit Felix Hau, der den neo- liberalen Part übernahm und dem Philosophen Christian Grauer, der das Ganze intellektuell zu untermauern versuchte.

Dann wurden die Töne schriller, der damals stark expandierende US- Guru Andrew Cohen erleuchtete die halbe Redaktion, die von da an - eine Zeit lang- sein Loblied sang. Der Haus- und Wiesendoktor, der sich „Gesundheitsdoktor“ nennt, schwärmte von seinen asiatischen Quellen, und eine radikale Entfremdung der Protagonisten von der anthroposophischen Bewegung setzte ein, die von Hau auch so formuliert wurde. Man hatte sich innerlich und äußerlich an Ken Wilber und Andrew Cohen orientiert. Während die Zeitschrift sich allmählich fing und mit der Zeit wieder zu dem Informationsmedium No 1 für Waldorfbewegung und anthroposophische Szene wurde, erfuhr Sebastian Gronbach eine offenbar krachende Erleuchtung im Stil und Duktus der genannten US- Gurus, deren Stern allerdings spätestens nach Gewalt- und Missbrauchs- Vorwürfen gegenüber Cohen bis dahin sank, dass die eigene Bewegung ihn vor der Tür setzte und die ganze Guru- orientierte Enlightenment- Branche sich wandelte.

Gronbach dagegen wurde in Büchern und Blogs nicht müde, mehr oder weniger peinliche Verlautbarungen seines Geisteszustandes zu verkünden, die in ihrer Hybris nicht selten unfreiwillig komisch waren. Er war Prophet - wenig originell- wie so viele Gurus dieser „integralen“ Szene-  des neuen,. "erwachten" Menschen eines neuen "erwachten" Zeitalters und inszenierte sich selbst dabei auch als Verkünder der dazu passenden neuen "erwachten" Anthroposophie. Nachdem sowohl die integrale Szene wie auch die bislang faszinierten Neo- Anthroposophen eine gewisse Ernüchterung und Neu- Orientierung zeigten, die im Fall der Integralen eine Suche nach spirituellen Quellen der ganzen Welt, aber auch eine „Höheres Wir“ (emerge- Das Entstehen neuer Räume) anstrebten, ging Gronbach in eine andere Richtung und gründete einen eigenen Ashram, der einen gewissen Presse- Nachhall mit sich führte.

Sein Versprechen, das er in zahlreichen Interviews auch bei YouTube und in einem Buch abgab, war, dass in ihm ein neuer Typ von Guru entstünde, der selbstreflektiert und kritisch sei, und daher die Fallen der primitiven Autoritätsverhältnisse dieser Branche umgehe. Allerdings zeigte das hinduistische Walli- Walla seiner Meditationen wie auch die Tatsache, dass die Jünger ihn auf einem Schrein zu verehren hatten, dass es mit der Selbstreflexion wohl nicht weit her sein konnte. Die ersten Aussteiger berichteten von einem durchgängig autoritären Stil. Diese Hybris zeigt sich bis heute ja auch in den von ihm präsentierten Homepages wie die, auf die sich die obere Veralberung bezieht: Sacred Human. The Religion of Tomorrow Movement. Die Klischees, die einer beliebigen Werbebroschüre für New Age- Guruismus entstammen könnten, ziehen sich mitsamt der extremen Hybris durch die ganze Seite, immer in einem Stil, der banal pseudo- authentisch daher kommt: „Spürst Du es? Unbekannte Welten, die es zu entdecken gilt, neue Arbeit, die getan und zarte Herzensgeheimnisse, die offenbart werden wollen. Wunden, die darauf warten, in Weisheit verwandelt zu werden. Diese Freiheit, die Dir gehört, wenn Du beiseite trittst und erlaubst, dass all das zum Durchbruch gelangt.
Sacred Human. Folge der Witterung.

Spürst Du es? Ja, ich spüre den gewitzten Autoverkäufer oder Staubsaugervertreter. Inzwischen scheint aber auch das Konzept des Ashrams in die Brüche zu gehen. So ein Guru muss halt irgend wann liefern, was er verspricht. Da geht es ihm wie VW mit seinen Abgasnormen. Einer von Gronbachs engsten Mitarbeitern, Joachim Joas, der bekannte Protagonist von iBuddhismus, setzte sich nicht nur von „Little Green River“ (anthroposophischer Spitzname für Gronbach) ab, sondern machte das Scheitern des Ashrams auch- im „Integralen Forum“ bei Facebook und auch in meiner kritischen anthroposophischen Facebook- Gruppe No Bullshit Anthroposophie öffentlich. Joas entschuldigte sich in seinem öffentlichen Brief gegenüber integralen Freunden, da er eine ganze Zeitlang so brachial für die Belange von Gronbach gekämpft hatte: „Nachdem ich nun aus der Gronbach Gruppe „Sacred Human“ ausgestiegen bin, kann ich nur fassungslos den Kopf über mich und diesen Guru schütteln und sagen, wie unendlich leid es mir tut, mich auf diese Weise verhalten zu haben. Natürlich, ich kann sagen, ich war im Bannstrahl eines manipulativen Menschen, und ich kann sagen, ich wurde auch ermuntert und ermutigt dieses Verhalten an den Tag zu legen - doch all das nimmt mir nicht die Verantwortung von den Schultern. Es tut mir aufrichtig leid, wie ich mich verhalten habe und da ist viel Scham und Bedauern in mir, wenn ich die Texte lese, die damals geschrieben wurden.“

Den schlichten Guruismus, den Gronbach auslebte, sieht Joas als gescheitert an: „Heute kann und muss ich als Psychologe sagen, dass das Projekt „integral-evolutionärer Guru“ gnadenlos gescheitert ist. Es kam stattdessen so, wie so ziemlich alle integralen Kritiker es vorausgesagt haben. Man merkt es schon an den Zahlen: Den Höhepunkt hatte diese Gruppe mit 70 Schülern, mittlerweile sind es nur noch 35 - diese „religiöse Bewegung“ hat ihre Integrität und Aufrichtigkeit verloren.“ Die Behauptung, ein sich selbst korrigierender, integrer Lehrer in einem dauernden gemeinsamen Lernprozess mit Adepten sei das grundlegende Konzept dieses Gurus, hat sich nicht bewahrheitet: „Es wurde tatsächlich ein Setting erschaffen, in dem keinerlei Kritik gegenüber Sebastian Gronbach und auch nicht gegenüber seiner Frau Fedelma, geäußert werden darf. Alle Kritiker werden verbannt und ausgeschlossen."

Der Hellseher Little Green River entpuppt sich in der Praxis als ordinärer Guru klassischer Form, die sich wie an einer langen Schnur durch die Esoterik- Szene ziehen, einer wie der andere: „Und ja, so ist es gekommen. Das ganze System „Sacred Human“ basiert auf einem mythologischen, prärationalen Glauben, der nicht hinterfragt werden darf. Dabei werden dem Guru Kräfte wie „hellseherische Fähigkeiten“ und „die Kraft, das Karma eines anderen Menschen zu sehen“ zugeschrieben, was Gronbach fundamental von einem Normalsterblichen unterscheidet.
Um diesen mythologischen Kern bildet sich eine kleine Gruppe von Anhängern, die unhinterfragt, diese regressive Lehre in die Welt bringen will.“

Gronbach als später Anthro

Man kann Joas für die aufrichtige, reflektierte Veröffentlichung nur danken. Es ist zu hoffen, dass nicht noch mehr Menschen zu Anhängern des reaktionären und spirituell fragwürdigen autoritären Lehrers Gronbach werden. Auch andere Ex- Mitglieder des Ashrams berichten Ähnliches auf der Facebook Seite Integrales Forum.

Was soll man Gronbach wünschen? Vielleicht kann ihm das Arbeitsamt einen adäquaten Job anbieten? Vielleicht geht er als klassischer anthroposophischer Vortragsreisender durch? Vielleicht sucht er sich einen Job in der Werbebranche? Wir sind gespannt.

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