Sacred human Kult. Die Welt der destruktiven Kulte und ihr anthroposophischer Repräsentant, Sebastian Gronbach

Willkommen, Ihr Blumenkinder. Habt Ihr heute schon etwas für Euer Karma getan?

Habt Ihr die schweren, dunklen Schatten, die Eure Existenz bis zum Ende der Weltentage belasten werden, ein wenig aufgelöst?

Aber wie unterscheiden zwischen Scharlatanen, die Euch ein wenig knechten, ausbeuten und mit Bullshit abfüllen wollen, und den Wahren, Guten, wie zum Beispiel diesem Himalaya- Lama, die nur alle paar Jahre mal aus seiner Höhle im Himalaya heraus kommt, um Euch zu segnen und Euer kleines Karma widerwillig zu reinigen:

 

Okay, der war jetzt vielleicht nicht das, was Ihr sucht. Monate lang in einer zugeschneiten Höhle zuzubringen ist ja nicht nach jedermanns Geschmack. Zumal der Lama ja selbst im Video äußert: Keine Ahnung, warum die alle wollen, dass ich ihnen die Hand auflege. Keine Ahnung, was denen das bringt. Aber aus Mitgefühl tue ich ihnen den Gefallen.

Wer die modischen, Social- Media- erprobten Hipster- Erleuchtungsprofis unserer Hemisphäre vorzieht, sollte allerdings mit einiger Vorsicht gesegnet sein, wenn man nach der Guru- Jägerin Bo Scofield geht, über die z.B. Die Presse schreibt: „Auf der Jagd nach falschen Heiligen und Heilern. Sie hat die Missbrauchsvorwürfe rund um Agama Yoga Thailand aufgedeckt, Psychosekten enttarnt und die körperlichen und psychischen Übergriffe Dutzender Gurus ans Tageslicht gebracht. Aufdeckerin Be Scofield ist unter selbst ernannten Heilern gefürchtet.“ (1)

Diese Jägerin („Die Onlinejournalistin – 38, trans und queer – ist die Antisektenheldin des Digitalzeitalters. Als Ein-Frau-Mission hat sie bereits ein Dutzend Gurus als falsche Heilige vom Thron gestoßen.“ (1) ist Vielen durch ihre Enthüllungen über den niederländischen Massen- Erleuchtungsprofi Benthino Massaro bekannt geworden, über den sie - ebenso wie über zahlreiche andere Missbrauchsfälle in dieser Szene- u.a. auf ihrer eigenen Website schreibt. In der integralen Szene ist sie auch bekannt durch ihre vor nahezu zehn Jahren publizierten skeptischen Berichte zum Instant- Guru Andrew Cohen (2), der auch in der anthroposophischen Welt einige Bekanntheit wegen der Verherrlichung dieses umstrittenen Gurus im Szene- Blatt Info3 erlangte. Eine Reihe von ehemaligen Anthroposophen, aber auch heutigen Funktionären hängen diesem brachialen Erleuchtungs- Heilsversprecher noch immer an. Dazu gehört auch der ehemalige Autor - bei Info3 und im Verlag Freies Geistesleben- Sebastian Gronbach, der in Anlehnung an Andrew Cohen und Ken Wilber, aber auch weiteren Versatzstücken aus Hinduismus, Küchen- Psychologie und einigen Brocken Rudolf Steiner einen Ashram gründete, der mit den üblichen Heilsversprechen einige Jünger und Anhänger anlockte. Inzwischen plant der überschaubar große Kult seine Übersiedlung nach Österreich, wo das Echo auf dieses Vorhaben zumindest in der betroffenen Gemeinde nicht allzu berauschend ist, wie „meinbezirk“ unter dem Titel „Fragwürdiger Sektenzugang in Steinberg“ (3) schreibt:

Derzeit wohnen die ca. 25 Personen religiös spirituellen Sektenmitglieder in einer Art klösterlichen Gemeinschaft, genannt „Sacred Human Ashram Rheinland“ noch in Wachtberg bei Bonn. Aber das sollte sich bald ändern, denn sie wollen nun mit ihren Mitgliedern nach Steinberg ziehen. Eine Gönnerin hat das ehemalige Hotel „ASI-Lodge“ im September 2018 gekauft. Oberguru Sebastian Gronbach und seine Mitglieder möchten das Hotel bewohnen und einen Teil in Form einer Gästebeherbergung im Rahmen eines Hotelbetriebes führen.

Vermutlich wird auch der gerade neu erschienene Insider- Bericht zweier ehemals führender Anhänger das Klima nicht gerade verbessern. Joachim Wetzky und Susanna Machowinski gehen in „Sacred Human. Ein Report über Sebastian Gronbach und seinen religiösen Kult“ (4) der Geschichte und Binnenstruktur dieser sektenartigen Verbindung nach, bei der - bizarrer Weise- aus den sich explizit als liberal verstehenden anthroposophischen Kreisen ein doktrinärer Führerkult entsprang, in dem Gronbach und seine Frau Fedelma ihre Jünger unentgeltlich für sich arbeiten lassen (Gronbach lässt sich sogar Brote schmieren und zwingt Jüngerinnen, mit seinem Foto ins Bett zu gehen), aber das Ganze als Überwindung von deren Ego zum Zwecke der baldigen Erleuchtung verkaufen.

Die selbstkritisch geschriebene Selbsterkundung dieses Abhängigkeits- Verhältnisses, dem das Ehepaar Gronbach als kühl inszeniertes Social- Media Produkt vorsteht, entlarvt das Konstrukt mit Hilfe der Stimmen zahlreicher ehemaliger Anhänger als einen der heute typischen destruktiven Kulte. Wetzky und Machinowski gehen den Prinzipien und Arbeitsweisen solcher Kulte analysierend nach. Die Untersuchung ist so komplex, dass sie als Vorlage für Sektenbeauftragte, Helfer und Angehörige von Opfern solcher Kulte dienen kann:
Da wir der Ansicht sind, Zeugen, Mittragende und Betroffene von destruktiven Tendenzen innerhalb einer neuen religiösen Gruppierung gewesen zu sein, begannen wir eine intensive Recherche über Sebastian Gronbach und Sacred Human durchzuführen. Zum Zweck der Dokumentation wurden mit 20 ehemaligen SchülerInnen Interviews geführt, mit 12 weiteren ehemaligen SchülerInnen über Chat kommuniziert sowie mit einem betroffenen Lebenspartner gesprochen. Auch kommunizierten wir mit sechs Menschen, die gravierende persönliche Erfahrungen mit Gronbach erlebten, vier ehemaligen SchülerInnen, die nichts über Sebastian berichten wollten, sowie mit fünf SchülerInnen, die kurz vor ihrem Austritt waren bzw. äußerst kritisch Gronbach und Sacred Human gegenüberstanden, dann aber wieder „bekehrt“ in den Kult zurückfielen. Wir waren im Austausch mit ca. 25 anderweitig Betroffenen und Experten aus den Bereichen Psychologie, Therapie, Gemeinschaften, Politik und Spiritualität. Zusätzlich stehen wir im Austausch mit Sektenstellen in NRW, Essen, Bayern und Österreich. Insgesamt kommen wir für diesen Report auf über 80 Kontakte, die sich alle um die Analyse der neuen religiösen Gruppierung Sacred Human und ihren Kultführer Sebastian Gronbach drehten.“ (4)

Die Autoren sind tatsächlich eng und über lange Zeit vertraut gewesen mit dem Kult, dessen Pseudo- Guru und seiner Frau: „Joachim Wetzky, der erste Autor dieses Reports, war einer der ersten Schüler von Sebastian Gronbach, in der Zeit von April 2014 bis November 2018. Susanna Machowinski, zweite Autorin, war Gronbachs Schülerin von August 2015 bis November 2018.“ (4)

Nun mag man argumentieren, dass es in der Verantwortung jedes Einzelnen liegt, ob er sich als erwachsener Mensch in Unterwerfungsgesten in die Struktur eines Clans begibt, die Verbindung zu Verwandten, Freunden und Geliebten aufgibt oder vernachlässigt, und sich den elaborierten, exaltierten Predigten eines selbst ernannten Menschheitsführers aussetzt, um dann im Ashram Möhren zu schnippeln, den Mittagsschlaf der Clan- Chefin auf Zehenspitzen buchstäblich zu achten und als Diener unentgeltlich den Hausherrn zu umsorgen, der sich als gottähnliches Wesen anbeten lässt. Das Zwingende und Destruktive eines solchen Kults erschließt sich nur dann, wenn man sich selbst in einer schwierigen oder traumatischen Situation, anfällig und schwankend befindet, und sich dann von den destruktiven Methoden wie „Lovebombing“ - ein systematisches Umwerben von Gronbach und den Mitgliedern- emotional einlullen und in die Clan- Struktur des autoritären Kults einfangen lässt. Ab dann greifen die Strategien der Bestrafung, des Liebesentzugs und der Drohung der Verstossung - archaische, plumpe, aber effektive Strategien von Zuckerbrot und Peitsche.

So beschreibt es auch Susanna Machowinski selbst, die auf diese Weise eingebunden wurde: „Sebastian Gronbach wirkt meiner Ansicht nach besonders auf Personen mit tendenziell schwachem Selbstwertgefühl, zu denen ich mich auch zähle, magisch anziehend. Die Sehnsucht, so zweifelsfrei von mir und der Richtigkeit meines Lebensweges überzeugt zu sein, wie er es von sich und seinem Weg ist, war einer der Hauptgründe, warum er mich anzog. Ich kam aus einer emotional und intellektuell enorm belastenden und verfahrenen Situation - meine Beziehung war ein einziges Desaster und ich hatte mich in sehr zweifelhafte weltanschauliche Kreise hinein manövriert - und versprach mir dadurch Hilfe und Rettung. Denn bei ihm hatte ich das Gefühl, geliebt und gesehen zu werden. Er schrieb mir immer wieder persönliche Nach- richten, erkundigte sich nach meinem Wohlbefinden und stand mir bei in schwierigen Situationen. Schnell sprachen wir auf sehr vertrauliche Weise miteinander. Es ist auch gar nicht mein Interesse, ihm seine Liebe im Nachhinein abzusprechen. Was ich mich jedoch schon länger frage, ist, wen oder was er da eigentlich liebt. Ich glaube inzwischen, dass er seine Adepten als Verlängerung seiner selbst betrachtet, sie entgegen seiner Behauptungen doch nicht in ihrer Einzigartigkeit sieht, sondern nur in ihrer Funktion in Bezug auf ihn, Sebastian.“ (4)

Auf der anderen Seite stehen die narzisstischen Allmachts- Fantasien Gronbachs, der - manchmal als Christus, manchmal als Guru oder auch als Moses- Figur- (5) Heilsversprechen von sich gibt, die den Anhängern Erlösung von ihren Problemen in Form einer „Karma- Auflösung“ vorgaukeln: „Du musst nur den Rest deines Lebens neben mir herlatschen und gar nichts mehr machen und all dein Karma wird gelöscht. Das ist super easy, mehr musst du nicht machen. Das ist so einfach und überhaupt nicht anstrengend.“ (4)  Das eigentlich Destruktive an dem System besteht nach Joachim Wetzky darin, dass durch die Unterwerfung unter die Struktur, das systematische Unterdrücken von eigener Initiative das ohnehin angeschlagene Selbstwertgefühl der Anhänger unter dem Deckmantel spiritueller Ziele immer wieder und immer weiter unterminiert wird, was aber als sakrales Ziel der Ego- Überwindung verklärt wird: „An diesem Beispiel sieht man unserer Ansicht nach eindrücklich, wie Gronbach die Leistung seiner Anhänger absorbiert und als seinen eigenen Verdienst beansprucht. Diese Form der Entmündigung und des Absprechens eigener Verdienste wirkt sich schleichend zerstörerisch auf das Selbstwertgefühl aus. Gronbach stellte das als Teil der spirituellen Praxis des Guru-Yoga dar, als wirkungsvolles Mittel dafür, dass das Ego sich nicht diesen Erfolg greift und eine Anhaftung daran entwickelt. Es kam immer wieder vor, dass er uns dazu anhielt, zu erwähnen, dass „alles von ihm komme“ und wir „alles ihm zu verdanken“ hätten.“ (4)

Das „archaische Kollektiv“ (4) verlangt Ausschaltung jedes kritischen, eigenständigen Denkens und die Unterwerfung unter den Guru- Typen und seiner Ehefrau; falls doch Zweifel bei Einzelnen auftreten sollten, droht Gronbach ihnen mit dem Sturz in die Hölle: „..gibt es unglaubliche Erschütterungen, wo der ganze Himmel sich schwarz färbt, die ganze Seele nimmt für den Moment von 1.000 Ewigkeiten Leid auf sich, da tut sich die Hölle auf..“ (4)

Die Erfahrungen vieler Beteiligter an diesem Kult, ihre Loslösungs- und Emanzipationsversuche, das rituelle Verstossen- Werden, die nachhallenden Traumata und die Scham, Teil einer solchen perfiden Strategie gewesen zu sein, wird in dem vorliegenden Report ebenso dargestellt wie Analysen zur Struktur solcher Gruppierungen angestellt werden. Die Sekte wäre nicht so interessant, wenn sie nicht so typisch da stehen würde: Der heutige Trend geht zu solchen Mini- Kulten, die auf den Zerfall der großen Sekten der vorherigen Generation (u.a. Scientology, Osho, TM) folgen, wie Sektenbeauftragte mit Sorge konstatieren. Selbst in kleineren Städten tummeln sich heute Hunderte verschiedenster Kulte, mit unterschiedlichsten religiösen, ideologischen oder politischen Heilsversprechen, aber mit ähnlichen Strukturen. Insofern dient der vorliegende Bericht nicht nur der Aufarbeitung der Betroffenen, sondern auch als Grundlage für das Funktionieren solcher Kulte und der Hilfestellung für Opfer und deren Angehörige.


Anmerkungen und Verweise

1 https://diepresse.com/home/schaufenster/leben/5569211/Auf-der-Jagd-nach-falschen-Heiligen-und-Heilern 
2 http://www.integralworld.net/scofield1.html
3 https://www.meinbezirk.at/schwaz/c-lokales/fragwuerdiger-sektenzugang-in-steinberg 
https://www.sacredhumankult.de/
5 Gronbach: "Hier in der Wüste Sinai, fühle ich die MOSES-Energie.

Dies ist meine Mose Meditation - für jeden der will:
„Ich sitze aufrecht und entspannt und halte die Schultern breit.
Frei von der Arroganz des Egos, bin ich bereit, gemeinsam an jener Arche zu bauen, mit der wir unsere Welt vor dem Untergang retten.
Ich bin bereit, mein Volk durch die Wüste zu führen, nachdem es der Tyrannei der Ego-Illusion entkommen ist.
Ich verlasse dazu mein Haus und Hof um denen zu predigen, die Witwen und Kinder missachten und falsch Zeugnis reden.
Ich nehme das Kreuz auf mich, dass den Punkt ❌ bezeichnet: Den entsetzlichen Schnittpunkt, wo Gott mich zwingt ich selbst zu sein und den Preis dafür zu zahlen. Ganz und im Voraus.
Ich werfe die starre, tote, bösartig tyrannische Schlange wieder in das Chaos, aus dem sie einst gemacht wurde.
Ich lasse mich nicht von einer unsicheren Zukunft irre machen, sondern errichte eine bessere, sinnvollere, fruchtbare Ordnung.
Ich achte also auf meine Haltung. Ich höre auf mich hängen zu lassen und mich in der Ecke herumzudrücken.
Ich bin gefährlich. Und ich lasse tief beruhigendes Serotonin durch meine Nervenbahnen fließen!
Ich lebe lustvoll, friedvoll, stark, still!
Zum Wohle aller, die eines guten Willens sind.
Ich bin ein Anführer. Wir sind viele. Und Gott ist das Größte!“"

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