Sri Aurobindo - Leben und Werk

Bei dieser Gelegenheit ein Hinweis auf die neue Biografie Wilfried Huchzermeyers. Natürlich gab es früher schon Biografen dieses großen Yogis an der Nahtstelle zwischen Ost und West, zwischen Revolution in politischer und spiritueller Hinsicht. Ich jedenfalls kannte Aurobindo schon in der Jugendzeit, lange vor Rudolf Steiner. Aber die Biografien der damaligen Zeit waren entweder rätselhaft (wie kann ein nationalistischer Freiheitskämpfer sich für Jahrzehnte in ein Ashram zurück ziehen?) oder - sagen wir- etwas blumig. Huchzermeyer dagegen schreibt genau, verweist auf die enorme spirituelle Kompetenz Sri Aurobindos, lässt auch kritische Aspekte nicht weg (es gab auch politisch motivierte Morde im Umkreis Aurobindos, in seiner revolutionären Zeit), bleibt aber an jeder Stelle nüchtern und sachlich. Aurobindo war stets ein Grenzgänger, auch zwischen den Religionen: "Das Christentum sagt, dass wir alle Brüder sind, Kinder des einen Gottes. Die Muslime sagen, dass wir Untertanen und Diner des einen Allah sind, wir sind alle gleich im Angesicht Gottes. Der Hinduismus sagt, es existiert das Eine ohne ein Zweites. Im Hohen und im Niedrigen, im Brahmanen und im Shudra, im Heiligen und im Sünder ist der eine Narayana, der eine Gott, und er ist die Seele aller Menschen." (S. 88) Aurobindo selbst ging es nicht um "Religion" "im westlichen Sinn (..), sondern um Spiritualität, "die Kraft und Energie von Denken und Handlung, die der inneren Zwiesprache mit jenem in uns entspringt, was die Welt lenkt, oder aus der Selbsthingabe an es hervorgeht."" Am Anfang ging es Aurobindo primär um den Aufbau Indiens als Nation, später wurde er zum großen spirituellen Lehrer ohne jede nationalistische Bindung. Ihm ging es darum, die "Vollkommenheit und Kraft", die in jedem Menschen wohnt, zu befreien und zu entwickeln. Übrigens hat er in einer Randnotiz die berühmten "Mahatmas", die eine bedeutende Rolle bei den Theosophen spielten und im Himalaya verortet worden waren, als reine "mentale Formationen" bezeichnet (Anmerkung S. 96).
Wir werden auf dieses Buch sicherlich noch weiter eingehen.

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