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Samstag, 24. September 2016

Alexander Dugin, Russlands Hexenmeister

Unter den politischen Spin- Doktoren gibt es immer wieder bemerkenswerte, vielschichtige Persönlichkeiten. Alexander Dugin fällt da auf vielerlei Art besonders auf - nicht erst seit schrillen TV - Beiträgen zum Ukraine - Konflikt („Kill! Kill! Kill“), nicht nur durch seine intensiven Kontakte zur europäischen Rechten seit 1990, durch seine ideologische Bedeutung für das Putin Regime; seit einigen Jahren ist er auch im Ausland zuverlässig dort vor Ort, wo ein Systemwechsel in Richtung Faschismus geplant und ein politischer Coup durchgeführt wird.

Letztes Beispiel ist seine Anwesenheit in Ankara in der Nacht des gescheiterten, wahrscheinlich inszenierten Militärputsches: „On the eve of the coup in Turkey, the Russian geopolitician and philosopher Alexander Dugin was in Ankara, where he gave a press conference. Among other things he said, he insisted that the same forces want the destruction of both Russia and Turkey and are threatening Turkish sovereingty. He said that President Erdogan understood now the situation and he added that the two countries are now inaugurating a new system of relations, not just restoring old ties, but moving towards a strategic alliance.“ Das Muster eines solchen provozierten Putsches findet sich in der russischen Geschichte - nicht zuletzt such unter Dugins aktiver Beteiligung- immer wieder. Manche solcher internationale Attacken gegen vorhandene demokratische Strukturen sind vorerst auch gescheitert- so in Griechenland (siehe Foto oben), wo Dugin die griechischen Faschisten des Golden Dawn 2014 ganz offen beriet .

Man darf davon ausgehen, dass die Destabilisierung der gesamten westlichen Region auf seiner eurasischen Agenda steht. Wo aber hat Dugin - abgesehen von seiner intensiven Bindung an KGB und FSB- seine Ursprünge, woher nimmt er diesen enormen destruktiven Einfluss?

Um 1980 existierten in Moskaus okkultem Untergrund Kreise wie die schwarzmagische Juschkinski- Gruppe mit Protagonisten wie Jewgeni Golovin, den der kaum 18jährige, hochbegabte Alexander Dugin bewunderte- eine Alternativszene mit dunklen Ritualen, in der Golovin als „Der Alchemist“ verehrt wurde: „They camped out on each other’s sofas, slept on floors, performed bizarre initiation rituals, engaged in alchemy and the transmutation of metals, pored over magic texts, created secret numerological codes, wrote in streams of consciousness, drank heavily, experimented with sex, drugs and occasionally fascism.“* Der Faschismus wurde bei diesen Okkultisten als notwendiges Ying zum Yang des Humanismus schlechthin gesehen: „Golovin was ‘a natural Russian phenomenon – a classical combination of aesthetic snobbishness, esoteric misanthropy, alcoholic inspiration, plus a hot peppering of black fantasy and American horror movies’. Golovin was also completely obsessed with the Third Reich, seeing in it a monstrous and mystical yin to humanity’s yang.“* Golovin sah sich und seine Anhänger als Schwarzen Orden der SS, traf sich zunächst konspirativ in Datschen und praktizierte eine Mischung zwischen Alternativkultur, okkulten Seancen und magischen Ritualen - gern verbunden mit extensivem Trinken.

Auf diese Gruppe stieß Dugin mit seiner charakteristischen, charismatischen Aura: „One evening, a young man appeared at the Klyazma dacha, brought by an acquaintance. He looked no more than 18. His head was shaved, but he had an aristocratic bearing and a quick wit. He was immediately charismatic, and came carrying a guitar. Strumming away around a bonfire in the evening sunset, he belted out a song: ‘Fuck the Damned Sovdep’“*. Dugin - der später in Gesprächen diese Zeit gern als jugendliche Oppositionshaltung verniedlichte- war selbst für diese Gruppe extrem, galt als ihr „Messias“ und sang Lieder, die den Massenmord verherrlichten. Wie Golovin selbst war Dugin schon in diesem Alter fähig, Andere zu „zombifizieren“ - d.h. durch seinen Eindruck willkürlich und gänzlich unter seinen Einfluss zu bekommen: „..subjects of Dugin’s art and his fascination with Nazism were all part and parcel of his total devotion to Golovin, who had a penchant for ‘zombifying’ his followers and teaching them to ‘zombify’ others.“* Dugin geriet in eine Art Ekstase, wenn er von millionenfachen Morden sang - etwa in seinem berühmten, oben genannten Song, in dem es um „20 Millionen in den Fluss, 20 Millionen in die Öfen, unsere Maschinengewehre werden niemanden verfehlen“ ging: „‘20 million in the river, 20 million in the ovens, our machine guns will not misfire’, after which ‘Alexander threw his head back and closed his eyes as if he were in ecstasy.“*

Mit den Jahren vervollkommnete Dugin diese Auftritte und legte sich selbst den Kunstnamen Hans Sievers zu, der für ihn aber offenbar mehr war als eine Attitüde - er war vielmehr ein Teil seiner Identität: „He adopted the nom de plume ‘Hans Sievers’, which added a hint of Teutonic severity to an already colourful and fairly camp militaristic–folklore style. The impression he created was, as his later collaborator Eduard Limonov described it, a ‘picture of Oscar Wildean ambiguity’. Sievers was not just a stage name: it was a complete persona and alter ego.“*

Hans - eigentlich Wolfram- Sievers** war eine real existierende Person des Nazi- Regimes gewesen- ein Okkultist im Dienst Heinrich Himmlers- „the Reichsgeschäftsführer, or director, of the Ahnenerbe, a Nazi organization set up by Heinrich Himmler to study esoteric and paranormal phenomena“ - der 1947 hingerichtet wurde wegen seiner mörderischen Experimente mit Gefangenen in Konzentrationslagern: „The real Sievers was hanged in 1947 by the Nuremburg court, charged with experimenting on concentration camp victims.“* Dugin war also nicht nur Vertreter einer okkult- magischen und faschistischen Untergrund- Gruppe, sondern empfand sich selbst als Alter Ego eines sadistischen SS- Mörders. Der Kreis, dessen „Messias“ der junge Dugin war, sah sich selbst als schwarzmagische Gruppierung an: „The Yuzhinsky circle was fascinated by anything esoteric, occult, mystical: from meditation to theosophy to black magic.“*

Dugin studierte - auch mit seinen hervorragenden Sprachkenntnissen und seiner hohen Intelligenz- daher entsprechende okkulte Literatur im Originaltext- zunächst vor allem René Guénon, Theosophie und meditative Techniken, dann - zentral für ihn bis heute - Julius Evola. Dugin war Anhänger Mussolini, vor allem von dessen „spirituellem Rassismus“. Aus den dunklen Schriften des Magiers Evola entnahm Dugin den Krieg als Idol zur Reinigung des Volkskörpers, um eine spirituell höher stehende Menschheit zu züchten: „he believed that war was a form of therapy, leading mankind into a higher form of spiritual existence.“ Aber natürlich war das höchste Ideal der ganzen Gruppe Hitler selbst. Man umgab sich mit entsprechenden Devotionalien.

1983 wurde der KGB auf ein Konzert Dugins aufmerksam, in dem er wiederum seine Lieder von den Massenmorden vortrug: „That December, as Hans Sievers, he gave a guitar concert for about 30 people in the Moscow art studio of Gennady Dobrov. At it he sang his most famous hit, ‘Fuck the Damned Sovdep’. Not long afterwards, as Dugin recalls, a group of plainclothes KGB officers appeared at the door of his family’s flat.“* Es folgte allerdings - trotz einiger Verhöre- keine Verhaftungswelle, sondern eine Art freundlicher Übernahme. Der KGB sponserte eine neue faschistische, antisemitische Organisation namens Pamjat, der Dugin weiterhin nahe stand, indem er z.B. krypto- faschistische Gangs und Fußball- Hooligans in Moskaus Straßen organisierte. Der KGB experimentierte wegen des Zerfalls der kommunistischen Ideologie mit solchen Extremen- sei es zunächst auch nur, um faschistische Dissidenten auszuspähen. Es zeigte sich aber, dass der Faschismus als politisches Mittel im neuen Russland zum geeigneten Instrument des Geheimdienstes wurde: „‘From Pamyat there grew a new generation of more extreme Nazi movements. In this way the KGB gave birth to Russian fascism.’

Alexander Dugin war der richtige Mann an der richtigen Stelle, weil er die post- sowjetische Pseudo- Ideologie vertrat: „But starting in the late 1980s, a number of elite groups in the central committee or the KGB appear to have engaged in projects to create independent political organizations and ideological projects, which, taken at face value, were naked alternatives to communism.“ Dugin wurde, ebenso wie der KGB- Offizier Schirinowski , zur ideologischen Speerspitze des neuen Russlands- durch Bücher, Parteigründungen, Kontakte zur europäischen faschistischen Elite, durch Schulungen des KGB- Nachwuchses- und schließlich durch direkten Einfluss auf den neuen Zaren, Putin, selbst.

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Zitate:
*Charles Clover, "Black Wind, White Snow: The Rise of Russia's New Nationalism"
** "Die Zeugenaussage von Sievers in den ersten Nürnberger Prozessen war einer der wichtigsten Anstöße zum Nürnberger Ärzteprozess. Bei seiner Vernehmung wurde man auf eine „Skelettsammlung“ des Anatomie-Professors August Hirt an der Reichsuniversität Straßburg aufmerksam. Wolfram Sievers hatte den Befehl dazu erteilt, 112 jüdische Häftlinge im KZ Natzweiler-Struthof zu ermorden, um ihre Skelette zu präparieren.[8] Einem Widerstandskämpfer, der heimlich Notizen machte, ist es zu verdanken, dass die Opfer Jahrzehnte später identifiziert werden konnten." Wikipedia

Dienstag, 20. September 2016

Eine Huldigung an Massimo Scaligero

Trailer Italiano English from PIERO CAMMERINESI on Vimeo.

Piero Cammerinesi ist in einem Projekt - "Oltre" bemüht, Geld für einen Dokumentarfilm über seinen Meister Massimo Scaligero zu sammeln- oder, wie es Mark Willan ausdrückte: "Here are a couple of words about a project I hold very dear.
It is OLTRE (BEYOND), a documentary on the life and work of MASSIMO SCALIGERO, being set up by my friend Piero Cammerinesi, and which has been on the back burner for years, and for which filming is due to start very soon directed by Davide Cincis.
OLTRE (BEYOND) is a non-profit project, intended for distribution free of charge.
Neither I nor Piero shall take one single cent from what we are collecting for this work, which is totally devoted to the being that was Massimo; however, to cover costs, we need to find funding for travel, the crew, subtitling (subtitles will be in English to ensure international distribution), post-production, etc."

Man kann schon im oben verlinkten Trailer den Interviewer Piero Cammerinesi durch Orte des Lebens von Scaligero stapfen sehen und andächtig den Gesprächen mit Schülern, Geliebten und Verwandten Scaligeros lauschen, die tatsächlich von dem "Asketen" und "Engel" auf geradezu peinlich devote Art und Weise - teilweise unter Tränen der Rührung- sprechen. Man darf wohl davon ausgehen, dass dieses Projekt der anthroposophischen Heiligendarstellung dienen und mit einer Dokumentation wenig zu tun haben wird. Das ist um so bedauerlicher, weil in den anspruchsvollen, wenig übersetzten und gelesenen Texten Scaligeros eigentlich nach 1945 Substanzielles zu entdecken ist. Ausgeblendet hat Scaligero selbst - von seinen Anhängern wie Cammerinesi zu schweigen- seine zutiefst menschenverachtende, rein faschistische Publikationstätigkeit davor. Die asketische, edle, vergeistigte Selbstinszenierung Scaligeros nach 1945 sollte wohl den denkbar größten Abstand zu seiner faschistischen ersten Lebenshälfte schaffen, die durch die tiefe Freundschaft und Schülerschaft zum faschistischen Magier Julius Evola geprägt war- Evola, der bis heute Guru der Neuen Rechten nicht nur in Europa ist, sondern seit Jahren aufs neue als Kultfigur von Alexander Dugin, dem Chefstrategen des Kreml, promotet wird.
Unwahrscheinlich, dass diese überaus bedenklichen Spuren in Cammerinesis Projekt aufgegriffen werden. Daher schreibt auch Peter Staudenmaier dazu aktuell in Waldorfcritics

"Anybody who has paid minimal attention to public discussion of anthroposophy over the past decade or so is familiar with the ignominious figure of Massimo Scaligero and his activities during the Fascist era. Anybody, that is, except for Scaligero's fans. One of them, a fellow named Piero Cammerinesi, is now raising money to make a film celebrating the "Master" Scaligero and his "high moral behaviour." Unlike so many other anthroposophist celebrations of racism, this is not just a matter of historical ignorance; Cammerinesi likes to brag about his "weekly private meetings" with Scaligero in the 1970s, when the "Master" was a venerated elder of the Italian extreme right. 

Scaligero wasn't some minor Fascist. He was one of the most voluble racist propagandists in Mussolini's entourage, publishing dozens and dozens of virulently antisemitic screeds in the Fascist press from 1938 onward. He was especially effusive in his praise for Nazism during World War II. Scaligero applauded Nazi Germany's "determined racist campaign" and eagerly endorsed Hitler's call for a "united Aryan front against Jewry." He held that Fascist Italy and Nazi Germany represented the heroic Aryan resistance against the Elders of Zion and their occult machinations. 

According to Scaligero, Freemasonry, Bolshevism, England, and the United States were all pawns in "the secret Jewish plan" for world domination. He continued to promote an "uncompromising battle against Jewry" up until the very end of the Fascist regime. Scaligero demanded nothing less than "the elimination of the Jewish virus" from the world, invoking Steiner in support of his call for a "total racism" that would get rid of the Jews once and for all. 

None of this material is difficult to find. Anybody interested can easily look up hundreds of examples right here on this list. Only Scaligero's followers seem somehow unable to locate any of it. Thus they continue to celebrate one of the major exponents of the most extreme form of Fascist racism. 

For anyone out there who views Steiner and anthroposophy sympathetically and wants to see anthroposophists contribute to spiritual renewal and a better world, this should set off very loud alarm bells. Now would be a good time to heed the warning signs and do something about them."

Das typisch anthroposophische Veredeln, Idealisieren und Verniedlichen der Abgründe führt eben direkt in eben den Abgrund, der vermieden werden soll. Verlogenheit und Sentimentalität sind keine Mittel, das Substanzielle, das man durchaus in den Schriften Scaligeros auch finden kann, für die Öffentlichkeit kritisch zu bearbeiten. Stattdessen wird ein Kult betrieben, der das verbliebene Ansehen Scaligeros ins Zwielicht rückt- so zumindest der Eindruck nach Betrachten des Film- Trailers. 

Mittwoch, 14. September 2016

Die Vokale und Konsonanten der geistigen Welt

Dass Rudolf Steiners Esoterik, ernsthaft betrieben, eine langjährige Beschäftigung beinhalten wird, ist jedem klar, der sich etwas eingehender damit beschäftigt hat. Allerdings gibt es, je mehr man und wie man mit Menschen spricht, immer wieder Anknüpfungspunkte des Einzelnen. Das, woran man da anbindet, findet man nicht unbedingt leicht in Rudolf Steiners Sprachkosmos wieder. Es handelt sich auch nicht um Erfahrungen, mit denen man hausieren geht, berührt es doch stets das Wesentliche, das Essentielle- das, woraus man sein inneres Leben schöpft. So wesentlich es erscheinen mag, ist es aber überaus flüchtig, wenn das ganze Element des Übens ins Spiel kommt.

Denn übend setzt man sich Ziele und kommt in ein Leistungsfeld hinein, dem sich das Wesentliche sofort entzieht. Zudem entstehen aus dem Sprachkosmos Rudolf Steiners stets Vorstellungen, denen man zu entsprechen geneigt ist. Die aus der Sprache gewonnenen Bilder und Ziele sind aber nur Variablen, mit denen Steiner auf ein Erfahrungsfeld verweist, das man sich selbst erschliessen muss. Es geht nicht ohne ein inneres Zurückweisen dessen, was symbolischen Charakter bei Rudolf Steiner hat. Erst im eigenen, individuell gefundenen Zugang kann man wieder Steiners Formulierungen als das entschlüsseln, auf was dieser zweifelsfrei hingewiesen hat- aber eben in seinem Duktus, in seinem sprachlich- bildlichen Kleid. Die „Nacktheit“ des Adepten ist für Viele, die Steiner möglichst wortgetreu folgen wollen, schwer zu ertragen. Die innere Selbständigkeit des Anthroposophen ist aber für diese Art von Erfahrungen ebenso wesentlich wie der innere Anker, der Ansatzpunkt, dem sie folgen. Das Adeptentum ist daher ebenso tödlich für die nackte Erfahrung wie der Ehrgeiz im Folgen eines vorgestellten Schulungswegs. Was vielmehr gefordert ist, ist ein unbedingtes wesentliches Beginnen in jedem Augenblick, eine unmittelbare, verdichtete Präsenz.

Nur so lassen sich Erfahrungen machen wie sie Steiner in „Okkultes Lesen und okkultes Hören“ (GA 156) auf seine unnachahmliche, aber auch missverständliche Art und Weise schildert. Er macht die hier getroffenen Aussagen auch deutlich, wenn er sagt (S.78): „Was man okkultes Lesen und okkultes Hören nennt, ist wirklich eine individuelle Erfahrung“. Seine Hoffnung, seine Schüler würden das Problem der dabei so beschränkt einsetzbaren, zumindest missverständlichen Sprache - „um sich über diese Dinge zu verständigen“- schon regeln, hat sich allerdings nur zum geringen Teil erfüllt. Die Aufgabe, die sich in der Forderung artikuliert „Die Sprache muss noch viel biegsamer werden“ (S. 79) steht noch aus. Man spürt Steiners eigenes Bemühen, aber auch sein Empfinden, allenfalls im Ungefähren Hinweise geben zu können.

Dabei geht es ihm (S. 70 ff) um eine Schilderung der Erfahrungen in einem inspirierten meditativen Erleben- einer immer weiter verdichteten, willentlich aufgeladenen und dann losgelassenen Aufmerksamkeit. Die „Verdichtung“ in der menschlichen Präsenz vergleicht er mit einem „An- der- Pforte- des Todes- Stehen“ (S. 73), die man erlebe in einer signifikanten Dynamik in der „obersten Gegend“ - damit ist der Kehlkopf gemeint -, und einem Zusammenziehen „nach der Herzgegend“.

Es handelt sich um Erfahrungen, die mit der höchsten Aktivität in den Chakren zusammen hängen. Rudolf Steiner erwähnt in diesem Zusammenhang aber nur die, in denen die stärkste und direkteste Dynamik spürbar ist. Es sind mit der Modulation zwischen Herz- und Kehlkopf- Chakra auch unterschiedliche Qualitäten verbunden. Steiner kommt es vor allem auf den Durchbruch an, der in der Erfahrung liege: „Dann sieht man ein anderes Leuchten und vernimmt ein anderes Tönen, wie aus einer Wesenheit heraus, in die man sich versetzt hat mit den Ich und dem Astralleib“. Die Betonung liegt bei ihm dabei auf der wesentlichen Erfahrung, dass man diese Art von modulierender Dynamik nicht produziert. Man macht sie nicht, sondern tritt innerlich beiseite, schafft aktiv Raum.

Aber es ist auch kein mystischer Ausnahmezustand, sondern ein in jedem Augenblick hellwacher bewusster Prozess. Das hat er in den Vorbereitungen darauf deutlich gemacht, in denen er schildert, wie man sich denkend und meditativ wollend in ein „lebendiges Weben und Wesen in sinnvollem Weltensein“ begibt: „Überall, wohin man sich versetzt, ist Sinn.“ Das klare, konzentrierte Denken hat sich so verdichtet, dass es in einem dynamischen sinnhaften Raum aufgeht, in dem es selbst sinnschaffend agiert. Hier ist nichts hinzugedichtet oder mystisch empfunden; der Anspruch ist vielmehr der, eine Erfahrung des Logos zuzulassen, der das Essentielle des Denkens selbst ist: des „all- sinnvollen Weltenwort(es)“.

Diese Erfahrung ist zugleich die situative Überwindung des selbstbezogenen Egos, denn: „Was ich in diesem Weltenworte weiss, das weiss die Welt in mir..“ (S. 71). Daher ist hier auch keine persönliche Anstrengung, keine persönliche Entwicklung, kein Ehrgeiz, kein höheres Selbstgefühl angebracht - dies alles sind ja nun Projektionen auf der Ebene des Egos. Man erlebt sich vielmehr als ein „unvollkommenes Instrument“, das, seiner selbst voll bewusst, „in gebrochenen Strahlen dieses Weltenwort in mich hereintönen lässt“ (S. 71), jenseits allen Zeit- und Raumempfindens. Dieser Zustand wird von Rudolf Steiner "im höheren Sinne Inspiration" genannt. Aber man „hält“ das Bewusstsein, man lenkt selbst in höchster Konzentration- auch wenn die Dynamik fliesst und einen zutiefst sakralen Charakter hat. Es ist nicht nur - hier spielen die Modulationen zwischen den Chakren herein- eine selbständige, Sinn schaffende, Geist findende, sondern auch moralische Erfahrung. Man entdeckt ohne Zweifel die denkbar höchste Form eigener Menschlichkeit und Moralität.

Die zunehmende Sicherheit im Verweilen in einem derartig umschriebenen inspirierten Erfahrungsfeld führt - so Rudolf Steiner- zum Ausbilden eines Spiegels des „eigentümliche(n) Wallen(s) und Wogen(s) des ätherischen Leibes“, aus dem unterschiedliche weitere Sinnzusammenhänge folgen - Erfahrungen an der Schwelle des Todes, vom Unmoralischen, vom Leben im schaffenden Sinnzusammenhang des Logos. Hier beginnt - je nach Grad und Art der bewussten Hingabe- eine aktive Teilhabe an dem, was Rudolf Steiner die Vokale und Konsonanten der geistigen Welt nennt- das ABC des wirklichen Adepten.

Samstag, 10. September 2016

Die Putinesque Ultramoderne oder: „Dialektisches Realitätsmanagement“

Während man konservative Anthroposophen bei Facebook liest, die - nicht gerade überraschend- posten, sie würden jetzt „das Schubladendenken“ satt sein, klatschen offene Faschisten aus ihren Freundeskreisen Beifall- darunter auch ehemalige Waldorflehrer. Diese Ankündigung eines intellektuellen Ausbruchs, worauf genau bezieht er sich? Doch auf eine Leerformel, die in rechten Kreisen gang und gäbe ist und offensichtlich einer Aufkündigung des Arguments schlechthin gleich kommt. Schluss mit den demokratischen Klischees, hinein in die Welt von AfD, Russia Today, putinesker politischer Winkelzügen aus dem Baukastensystem des Demagogen. Oder wie es die Putin- Persiflage @DarthPutinKGB bei Twitter ausdrückt: „If it looks like a duck, walks like a duck and quacks like a duck but denies it's a duck, it's a Russian duck.“

Die russische Ente, die ihr eigenes Ententum offiziell bestreitet, in der Polit- und Bewusstseins-Technologen nicht bestimmte politische Standpunkte unterwandern, sondern die politische Plausibilität schlechthin, stellt Individuen weltweit in den Dienst des Surrealen. Es ist kein russisches Privileg mehr, eine ganze Gesellschaft danach auszurichten, die Wahrheit nicht nur auszuhöhlen, sondern gänzlich zu unterminieren, um jede innere Orientierung des Individuums zu verhindern. Dann ist es auch möglich, dass Donald Trump beim russischen Propaganda- Sender Russia Today den Diktatoren preist, gegen Minderheiten hetzt und jede beliebige politische Lüge unters Volk mischen kann- und dabei seine Umfragewerte in den USA steigen. Inzwischen stört es auch bald die Hälfte der wählenden Bevölkerung nicht mehr, dass Trump vom Ku Klux Klan und durch seine Wahlkampfmanager über prorussische Oligarchen aus der Ukraine finanziell unterstützt wird; das abgeschaffte „Schubladendenken“, das allein auf Anti- Establishment- Instinkte setzt, ist durch kein Argument mehr erreichbar. Die Bühne ist frei für einen Weltspieler Putin, der einen ultramodernen hybriden Krieg führt, geleitet von grauen Kardinälen der genialen Cliquen im Kreml wie Surkow, Kurginjan und Dugin.

Letztere sind Repräsentanten einer sarkastischen Bewusstseinsseele, die, wie Surkow auf seinem Twitter- Kanal, selbstironisch die eigene Rolle inszenieren: „Der graue Kardinal. Wieder spinne ich Intrigen und schmiede Ränke.. Kurz, ich bin der geheime Lenker des Staates.“ (Ulrich Schmid, S. 109) Bezeichnend, dass die christliche Konnotation bei ihm immer wieder, ebenfalls sarkastisch, einfliesst. Technisch funktioniert die neue sowjetische Staatenlenkung in einer jeweils auszutarierenden Balance zwischen Freiräumen (vor allem im kulturellen Bereich) und staatlichem Terrorismus, zwischen weichen und harten Polittechnologien: „Gerade der Fall Chodorkowski zeigt, wie der Kreml ein Exempel statuieren kann, wenn er sich in seinem Führungsanspruch ernsthaft herausgefordert sieht“. (Schmid, 105). Auch das - einschließlich staatlich verordneten Morden und kriegerischen Handlungen- gehört zum „dialektischen Realitätsmanagement“ (Schmid, S. 102) dieser neuen Art von Polit- Profis, die über einen „scharfen analytischen Blick“, die geeigneten Mittel und Methoden zur Manipulation ganzer Staaten, aber auch über eine „moralisch absolut verwerfliche Haltung“ (Schmid, S. 101) verfügen. Surkow selbst hat seine Methoden ganz offen kommuniziert (Suverenitet, Moskva 2006 in Schmid S. 97):

Natürlich hat ein Mensch, der über Bildung verfügt, ein Mensch, der manchmal mehr, manchmal weniger an den demokratischen Entscheidungsprozessen teilnehmen kann, mehr Wahlfreiheit und ein stärkeres Bewusstsein der eigenen Würde. Deshalb werden auch die sozialen Techniken, die Technologie der Macht und die Technologie der gesellschaftlichen Selbstorganisation immer komplexer, und wenn man so will, weicher und raffinierter. Die Gesellschaft geht vom Zwang immer mehr zu Technologien des Überzeugend über, vom äußeren Druck zur Kooperation, von der Hierarchie zur horizontalen Vernetzung. Das heißt nicht, dass ein Element das andere ausschließt, dennoch verschiebt sich das Gleichgewicht in Richtung Überzeugungs- und Verhandlungskompetenz, mit dem Ziel, dass eine möglichst große Zahl von Menschen die eine oder andere Entscheidung bewusst und wenn möglich freiwillig akzeptiert. Man kann sich keine moderne Gesellschaft vorstellen, die aus gebildeten, klugen, entwickelten Menschen besteht, die man einfach herumkommandiert, ohne ihnen etwas zu erklären.“ Seine post- leninistischen Polittechniken hat Surkow bereits 2002 als „Heilige Schrift“ bezeichnet, in der das Credo für Parteimitglieder formuliert wird: „Wenn ich in die Macht investiere, dann will ich auch mehr Macht erhalten.

Dieses Credo hat Surkow durchaus selbst verfolgt, zunächst als Spionage- Mitarbeiter des Militärs, dann in den 80ern als Bodyguard des aufstrebenden, heute in Russland verfemten Oligarchen Chodorkowski, dann als Werbe- und Bankmanager in der wilden Zeit nach Gorbatschow und schließlich 1999, mit Putins Amtsantritt, zentral als stellvertretender Leiter der Präsidialadministration. Er hat väterlicherseits tschetschenische Wurzeln - eine hybride Vergangenheit wie Ausbildung in Metallurgie wie Dramaturgie. Als verborgener, gleichwohl umstrittener Chefideologe Putins, schaffte er - ein geistiger Alchemist - zugleich die Grundlagen für die hybride Kriegsführung und Machtentfaltung des heute herrschenden Systems.

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Lit.
Ulrich Schmid, Technologien der Seele. Vom Verfertigen der Wahrheit in der russischen Gegenwartskultur. edition Suhrkamp , Berlin 2016/2

Montag, 5. September 2016

Kollektive geistige Obdachlosigkeit oder: Die unbestimmte Wut der Verschwörungstheoretiker

Geistige Balance halten
In der vierteljährlich erscheinenden europäischen Kulturzeitschrift Lettre International finden sich derartig viele anregende Artikel, dass es mir schwer fällt, einzelne heraus zu greifen - nennen wir aus dem Sommerheft 2016 zunächst Letizia Battaglias leidenschaftliches fotografisches und schriftliches Plädoyer gegen die Mafia in Sizilien, für die Freiheit und die „sizilianische Schule des Lebens“, Yitzhak Laors Betrachtungen über Hannah Arendt und Bertold Brecht - „Liebe, Tugend, Schuld und Sühne“ oder Mike Davis´, dem Stadt- und Terror- Philosophen, der hier über Klimapioniere seit den Zeiten Kropotkins berichtet, die ihre jeweils eifersüchtig ausgefochtenen systemischen Zustandsbeschreibungen vom Zustand des Planeten austragen: „Kropotkin, Mars, Asien - Von Eiszeiten, Wassermangel und Wüstenzonen“. Träume, Visionen, gedankliche Konstrukte, die gerade haussieren; Georges Nivat betrachtet Russlands „Traum des Weltreichs“- die wieder einmal aufgeflammte „Nostalgie nach dem großen Vaterland“. Ein Heft zum Thema Europa - da könnte man stets einiges anfügen. Ich möchte an Simon Glinvars persönliche Betrachtungen und Beobachtungen aus Dänemark anknüpfen, der episodisch aus dem Leben seines Großvaters berichtet, einem ehemaligen Polizeichef, der nun, im Alter beim Fischen plötzlich „am Außenbordmotor erstarrt war und seine Umgebung nicht mehr entschlüsseln konnte“. Es ist der Ausbruch einer fortschreitenden, sich schubweise vollziehenden Form von Demenz. In den zunächst phasenweise erscheinenden Bewusstseinsveränderungen kommt es dazu, „daß die Welt feindlich wirkt (..) und diese Feindlichkeit dürfte bei ihm das Gefühl gefördert haben, sich nirgendwo mehr zu Hause zu fühlen.“ Der Großvater geht durch einen Wechsel hindurch „von einem entgegenkommenden, freundlichen Milieu zu einem feindlichen“.

Glinvar fasst diese Auswirkungen der Demenz als Symptom der Zeit auf. Auch Europa verändert sein Gesicht und erlebt sich - zumindest stetig wachsende Mengen von Menschen - zunehmend als heimatlos. Die unbestimmte Wut des Irritierten wird im Kollektiv, das seinen Realitätsverlust und die Heimatlosigkeit als mentale Konstruktion erlebt, gelenkt auf diejenigen, die verantwortlich gemacht werden für die Überfremdung: Diejenigen, die physisch Heimatlosigkeit vor Augen führen wie z.B. Flüchtlinge. Die Flüchtlinge führen vor Augen, was der heimatlose gewordene Bürger intrinsisch - mental erlebt.

Glinvar führt die zahllosen Maßnahmen auf, die europäische Staaten und Gemeinden unternehmen, um dieses Vor- Augen- führen zu unterbinden. In Italien ist der Kampf um die Parkbänke entbrannt, deren missbräuchliche Nutzung scharf verfolgt wird. Der unerlaubte Aufenthalt im öffentlichen Raum ist längst zum Politikum geworden. Das Vor- Augen- führen der Heimatlosigkeit hat in Ungarn dazu geführt, dass „Obdachlosigkeit ganz einfach für gesetzwidrig erklärt“ wurde. Gerade lese ich in der Moskow Times, dass per Dekret jedes ungebührliche Verhalten in der Öffentlichkeit unter Strafe gestellt wird. Das ist ein weites Feld. Was als fremd und ungebührlich erscheint, liegt im Auge des Betrachters- in diesem Fall dem der Staatssicherheit.

Was aber führt zur flächendeckenden Entfremdung ganzer Bevölkerungsteile, zur grassierenden Wut, die so anfällig macht für simple politische Parolen? Ein Paradox zeigt sich ja auch darin, dass die Landesteile besonders anfällig dafür sind, die am wenigsten mit Flüchtlingen konfrontiert sind- so wie in Großbritannien die am vehementesten für den Brexit stimmten, die am meisten von der EU profitierten. In vielen solcher Symptome zeigt sich doch, wie sehr die mentale Konstruktion sich abgekoppelt hat vom Realen- und wie weit sie fortgeschritten ist. Überfremdung, Fremdbestimmung, aber auch Rassismus und neu aufgewachter Nationalismus sind heute Symptome eines grassierenden Realitätsverlusts, ja einer kollektiven geistigen Obdachlosigkeit.

In Russland ist diese Krise schon lange virulent; sie wird von den Strategen des Kreml souverän bedient, wie Ulrich Schmid in „Technologien der Seele. Vom Verfertigen der Wahrheit in der russischen Gegenwartskultur“ schreibt. Schon im Jahr 2000 wollten lediglich 24% der Russen noch in einem Land leben, das „der modernen Welt und ihren Einflüssen aufgeschlossen gegenübersteht“. Seitdem sinkt die Zahl der Weltoffenen weiter stetig. Stattdessen sucht man den Zusammenhalt unter nationalistischen Reflexen: „Das Imperium ist also ein Konzept, das wie kein anderes den Zusammenhalt Russlands garantieren kann“ (S. 118) - man hebt sich am liebsten wie in weiten Teilen der Rechten Westeuropas „von einem bürokratischen Staat westlicher Prägung ab, der bloß die Rahmenbedingungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens definiert“. (S. 119)

Der Staat soll offensichtlich die innere Heimatlosigkeit, Leere, als feindlich empfundene Umgebung ausfüllen mit emotionalen, verbindenden Inhalten. Er soll sinnstiftend sein. Putin ist daher auch für viele Heimatlose im Osten zum neuen Idol und Führer geworden und reagiert, indem er die Rolle als „Sammler der russischen Erde“ immer stärker ausfüllt. Dass Ausgrenzung, das Errichten von Mauern, Rassismus und Aussperren derer, die die Heimatlosigkeit als Flüchtlinge vor Augen führen, die Parolen und Aktionen sind, die die neuen Führer zu Idolen machen, zeigen die Charaktere von Orban bis Trump nur zu deutlich. Natürlich ist die Botschaft hohl. Aber sie wirkt.

Denn das Surreale schreitet stetig voran, begünstigt durch die Welt der Information und des Tratsches in unserer aller Tasche. Man sieht es an Hunderten von Smartphone- Getriebenen jeden Alters auf der Königsallee in Düsseldorf, die auf der Jagd nach einem seltenen virtuellen Pokemon- Wesen sind. Oder nach neuen, surreal- aggressiven Twitter- Posts Beatrix von Storchs. Man sieht das Surreale auch in den idyllischen Urlaubsorten, deren Authentizität durch die internationalen Anlagefonds, denen sie gehören, so gepflegt wird, dass sie zu einem museal- kitschigen Abbild ihrer selbst geworden sind. Ist Venedig noch Venedig- oder nicht vielmehr ein Abbild des Klischees, das Touristen von Venedig erwarten? Ist das chinesische Essen „chinesisch“? Bin ich ich selbst oder das Bild, das ich mir und dir von mir selbst vorstelle?

Da wird Authentizität doch zum sicheren Hafen. Sergio Benvenuto stellt („Verschwörungen überall“) im vorgestellten Lettre- Heft eine ganze, umfassende Palette gängiger Verschwörungstheorien vor, die die Sicherheit und Authentizität vermitteln, die offenbar global der Virtualität zum Opfer fällt. Er fängt mit dem gebildeten Somalier an, der sich ganz sicher ist, dass „jeder in Afrika weiß: daß „sie“ das Ebola- Virus verbreitet haben“ (S. 132). „Sie“ sind in diesem Fall (je nach Kontinent austauschbar) „die europäisch- amerikanischen Mächte, die Hydra, deren Ziel es ist, die Afrikaner auszurotten“. Nach einem Rundummarsch mit Abstechern zu den Protokollen von Zion (von zaristischen Agenten verfaßt und bereits 1921 entlarvt), Umberto Ecos letzten Bemerkungen zum „Komplottismus“ bezüglich des Jesuitenordens (etwas, dem Rudolf Steiner ausgiebig anhing) und einem Abstecher zu Neros konspirativem Manöver, den Brand von Rom den Christen anzuhängen, kommt Benvenuto zum Resümee, die konspirativen Legenden seien ein Instrument zur Realisierung kognitiver Resonanz- aber auch ein Vermeidungsinstrument, „mit dem eine kritische Konfrontation mit der Realität vermieden werden“ soll, vor allem durch „brachiale Reduktion von Komplexität“ (S. 133). Das macht dieses Medium der hohlen Botschaften so ideal zum Instrument politischer Manipulation der geistig Obdachlosen und Frustrierten, vor allem durch den Schein des „Authentischen“, den Demagogen von Trump bis Putin so gut beherrschen.

Lit:

Ulrich Schmid, „Technologien der Seele. Vom Verfertigen der Wahrheit in der russischen Gegenwartskultur“
Lettre international Sommer 2016. lettre.de


Freitag, 2. September 2016

Russisches Geld und geheime angelsächsische Bruderschaften

Dass Russland in einem atemberaubenden, nie gekannten Ausmaß von einer Clique im Kreml ausgesaugt und des Volksvermögens beraubt wird, ist keine Neuigkeit- dass aber auch die Deutsche Bank in Moskau an dieser Stelle an halb- bis illegalen Geldwäsche- Geschäften und intransparentem Transfer von russischen Milliarden nach Großbritannien beteiligt ist, wurde erst vor wenigen Tagen durch eine groß angelegte Recherche in The New Yorker ausgeführt. Das Geld wandert in so genannten Spiegelgeschäften in Off- Shore- Steuer- Paradiese wie British Virgin Islands: „Because the Russian company and the offshore company both belonged to the same owner, these ordinary-seeming trades had an alchemical purpose: to turn rubles that were stuck in Russia into dollars stashed outside Russia. On the Moscow markets, this sleight of hand had a nickname: konvert, which means “envelope” and echoes the English verb “convert.” In the English-language media, the scheme has become known as “mirror trading.”“ Allein durch diese eine Masche, durchgeführt durch einen 38jährigen Deutsche- Bank- Mitarbeiter, der es inzwischen vorgezogen hat, sich mit seiner Familie nach Bali zu verabschieden und sich einen Bart wachsen zu lassen, verschwanden, wie die Deutsche Bank unter Druck zugibt, zehn Milliarden ins anonyme Nirgendwo. Weitaus größere Summen versickerten allerdings seit Putins Dienstantritt- so der zitierte Artikel-, ohne dass offizielle Spuren davon nachweisbar wären, in die Immobilienmärkte von London und New York- so weit und so umfassend, dass diese Märkte utopische Größenordnungen in Form von Blasen angenommen haben und Ungleichgewichte in den Volkswirtschaften hinterlassen. Selbst die tschetschenische Mafia scheint die Gelder, die Moskau angeblich zur Entwicklung des Landes zahlt, lieber in solche - ideologisch doch verhassten - Märkte umzuleiten. Da es sich hier um ein einziges Geldinstitut in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen geht, darf man davon ausgehen, dass der Diebstahl russischen Volkseigentums in der Gänze Hunderte von Milliarden beträgt.

Im Rahmen der Panama- Papers - hier nur ein einzelner Artikel der Süddeutschen zum Thema- wurden die Methoden aufgedeckt, mit denen Putins Vertraute Gelder systematisch abzweigen. Der oppositionelle Alexej Nawalny ist verzweifelt darüber, dass niemand in Europa den Willen hat, diese systemische Geldwäsche der russischen Regierung und Oligarchen ernsthaft zu bekämpfen: „Wir wussten ungefähr, wie die Putin'sche Korruption funktioniert: Er hat Freunde, diese Freunde gewinnen staatliche Ausschreibungen und verdienen damit Milliarden. Diese Milliarden sind wie ein gemeinsamer Topf, aus dem er sich bedienen kann. Jetzt stellt sich heraus, dass es außerdem noch eigene Kassen Putins gibt. Und wir sehen, wie sie gefüllt werden.“ (dito) Aber es scheint schlicht um zu viel Geld und um die Nutzung eines intransparenten Finanzmarktes zu gehen, dass irgend jemand einschreiten wollte. Vielleicht ändert sich diese Einstellung zumindest in den USA, wie die Ermittlungen gegen die Deutsche Bank andeuten, da immer klarer wird, dass die veruntreuten Gelder von Putins Getreuen auch dazu genutzt werden, um in den US- Wahlkampf einzugreifen, Marine le Pen und andere Rechte in Europa zu finanzieren:“Es wäre nicht das erste Mal, dass Geld aus Russland in die Kassen des FN fließt. Bereits vor rund einem Jahr hat die FN-Vorsitzende Le Pen für ihre Partei einen Neun-Millionen-Kredit bei einer russischen Bank aufgenommen, die von einem Putin-Vertrauten geführt wird. Der FN-Schatzmeister Wallerand de Saint-Just bestätigte damals entsprechende Medienberichte. Das Geld brauche die rechtsextreme Partei unter anderem für die Organisation ihres Parteitages in Lyon, hieß es. Kritiker sagten jedoch, das Geld sei eine Art „Belohnung“ dafür, dass der FN die Sanktionspolitik der EU in Sachen Krim-Annexion scharf geißelte.

Im Westen wird mit den russischen Milliarden ein ganzes Netz von Desinformations- Medien unterhalten, das den Druck auf die demokratischen Prozesse in einer politisch angeschlagenen EU inmitten der Flüchtlingskrise erhöhen soll. Dabei kommt es durch russlandtreue Propagandisten und Fernsehstationen zu einer sich verstärkenden Kampagne nach der anderen. Daniele Ganser ist nur einer von ihnen: „Ganser bewegt sich mit seiner Vortragstätigkeit und Pressearbeit in einem rechtspopulistischen bis rechtsesoterischen Umfeld, das seine verschwörungstheoretischen Inhalte und politischen Positionen begeistert aufnimmt. Ganser ist mittlerweile zum Shooting Star einer grenzüberschreitenden Querfront-Szene geworden und wird in den entsprechenden subkulturellen Zusammenhängen als intellektueller Vorreiter gehandelt. Kontakte bestehen insbesondere zu Jürgen Elsässer („Compact“), zu KenFM, Alpenparlament.TV, Nuoviso und anderen, ähnlich gearteten „Alternativmedien“, deren vollständige Auflistung hier den Rahmen sprengen dürfte…“ (Quelle Irma Kreiten). Die in diesen fadenscheinigen Medien erschienen propagandistisch geprägten Artikel werden wiederum von russischen Quellen aufgegriffen und wieder verwertet: „..beruft man sich sogar auf Daniele Gansers Auftritte bei RT um zu behaupten, der Schweizer Historiker habe vergeblich vor dem nun in der Ukraine stattfindenden Genozid gewarnt“ (dito). „Russia Today“ und ähnliche von Moskau abhängige und finanzierte Sprachrohre nutzen die ideologisch verzerrten Behauptungen als angebliche Belege.

Die übelsten Pamphlete dieser Art werden von anthroposophischen Verlagen wie dem Perseus- Verlag gedruckt, der u.a. den italienischen Verschwörungstheoretiker Guido Preparata verbreitet: „Von Preparata stammen u.a. die Publikationen „Conjuring Hitler. How Britain and America made the Third Reich“ (auf dem Cover passenderweise ein Adolf Hitler, der von Marionettenfäden gehalten wird) und „The Ideology of Tyranny: The Use of Neo-Gnostic Myth in American Politics“. In ersterer behauptet er, es gebe „weit Schlimmeres als den Nazismus” und dies sei „die Hybris der angloamerikanischen Bruderschaften” (..) Mit dessen Verleger, dem Anthroposophen Thomas Meyer, steht wiederum auch Daniele Ganser in Kontakt, so hat Ganser Meyer Interviews für dessen Magazin „Der Europäer“ gegeben. Daß es sich hier nicht um einmalige, zufällige Berührungspunkte handelt, daß Daniele Ganser und Guido Preparata vielmehr in die gleichen diskursiven Netzwerke verwoben sind..“ (dito)

Das entwendete russische Volksvermögen, das in rechte (auch linke) Parteien, Ideologen und Medien zur Destabilisierung der westlichen Demokratien und insbesondere der EU wandert, wird also zugleich auch missbraucht, um die Vision eines durch Russland dominierten Eurasiens zu untermauern. Guido Preparata argumentiert also direkt aus der ideologischen Trickkiste Alexander Dugins, wenn er behauptet, angelsächsische Geheimbünde hätten „eine „gigantische Einkreisung der eurasischen Landmasse“ geschmiedet. Hauptziel der „titanischen Belagerung“ des „jungen deutschen Reiches“ sei „die Verhinderung eines Bündnisses zwischen Deutschland und Russland“ gewesen und Britannien habe eine „außerordentliche Kampagne zur Auseinanderreißung Eurasiens“ betrieben“. (dito)

Die Spur dieser angelsächsischen Bruderschaften, deren Marionette schon Hitler gewesen sei, findet sich indirekt auch in dem hier im Blog kritisierten Artikel von Stefan Eisenhut bei der anthroposophischen Zeitschrift „Die Drei“,  in dem z.B. darüber spekuliert wird, angelsächsische Politiker hätten besondere Fähigkeiten, auf die Instinkte der Bevölkerung zu wirken.
Mit solchen Andeutungen wird offenbar unter einem Deckel auf die Wirkmechanismen vermuteter "geheimer angelsächsischer Bruderschaften" spekuliert, die besondere Fähigkeiten zur Manipulation der Instinkte der Bevölkerung haben sollen- etwas, was im Perseus- Verlag durch "Guido Preparata" (putziger Kunstname!) in Reinkultur ausgeführt wird. Tatsächlich handelt es sich um aber um Propaganda im Sinne russischer Phantasien vom eurasischen Großreich.

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Zitierte Quellen:
http://www.newyorker.com/magazine/2016/08/29/deutsche-banks-10-billion-scandal
http://www.sueddeutsche.de/politik/russischer-oppositionspolitiker-die-indizien-sind-eindeutig-1.2949514
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.putin-unterstuetzt-rechtspopulisten-der-front-national-und-der-kredit-aus-russland.d8feccad-35ae-4316-8b43-04c1ea39a0b0.html
http://sochi2014-nachgefragt.blogspot.de/2014/12/rainer-rothfu-goes-querfront-tubinger.html

Dienstag, 30. August 2016

Die Macht der Meme - Von den Identitären über Dugin bis zu Ganser

Als Meme gelten Ideen, die sich viral verbreiten und haften bleiben - ein vom und durch das Internet geprägter Begriff. Das Haften hat wohl damit zu tun, dass mit der Idee Empfindungen mitschwingen, die ein gewisses Erregungspotential enthalten. Anthroposophisch ausgedrückt, haben diese Ideen eine luziferische Konnotation, wirken ansteckend im Sinne einer geistigen Infektion. Man denkt an Elias Canettis „Masse und Macht“ und natürlich an die verheerenden Auswirkungen von Propaganda und Gerüchten.

Aber heute wird immer augenfälliger wieder offen mit Meme, aber auch mit offensichtlichen Lügen operiert- sei es im Wahlkampf Donald Trumps oder sei es bei der Neuen Rechten im europäischen Raum. Offenbar verfängt heute seit der Flüchtlingskrise, momentan durch die österreichischen „Identitären“, Björn Höcke und die ostdeutsche „Denkfabrik“ Kubitscheks die Angst vor dem Verlust der Identität durch Multikulti und „Völkeraustausch“: „Kubitschek, Sellner und Höcke eint die Angst vor dem „großen Austausch“ oder wie Höckes es nennt, vor der „Multikulturalisierung“. Kubitschek verbreitet seine Thesen im Kampf gegen den „Verlust der eigenen Identität durch Überfremdung“ über seinen Verlag, den Antaios-Verlag. Die Titel heißen etwa: „Zurüstung zum Bürgerkrieg. Notizen zur Überfremdung Deutschlands“, „Die große Gleichschaltung“ oder „Revolte gegen den Großen Austausch”.

Die luziferische Konnotation dabei beruht - ebenso wie beim Brexit- Hass gegenüber der Europäischen Union - offenbar auf einer postmodernen Angst vor Identitätsverlust, der man nationale oder auch rassistische Instinkte entgegen setzen möchte. Da diese Ängste unerkannt bleiben, haben sie eine erhebliche Persistenz. Eine Untersuchung der Universität von Michigan aus den Jahren 2005 - 2006 ging der Frage nach, wie schlecht informierte Menschen - vor allem aus den Milieus politischen Partisanentums, auf die Konfrontation mit belegten Fakten reagieren, die ihre kruden Ideen widerlegen würden: Tatsachen ändern nicht nur nicht die Einstellungen, sondern verstärken sogar den Glauben an die Meme: „Like an underpowered antibiotic, facts could actually make misinformation even stronger“. Was aber könnte denn da noch überzeugen? Gerät die demokratische Diskussion hier nicht an die Grenzen ihrer Kraft, wenn Überzeugung und Argumentation nicht mehr greifen?

Es kommt noch schlimmer. In einem gerade erschienenen Buch des Russland - Insiders Charles Clover,  „Black Wind, White Snow: The Rise of Russia's New Nationalism“ geht dieser auf Putins Denkfabrik ein- vor allem in Person von Russland trans- nationalistischem Ideologen Alexander Dugin, den Clover als langjähriger Mitarbeiter bei der Financial Times Moskau gut persönlich kennt. Dessen faschistisches Gedankengut kleidet sich in den Begriff des Eurasianismus, der nichts anderes beinhaltet als ein neues russisches Großreich - etwas, was Putin seit geraumer Zeit aktiv- politisch, ideologisch und kriegerisch umsetzt. Die Blüte des demokratischen Liberalismus soll gebrochen, zentralistische, autokratische Machtstrukturen etabliert werden, um ein multinationales Imperium unter russischer Führung zu etablieren („turning back the tide of democratic liberalism, re-establishing repressive central control, and bringing to power a regime of patriots, beholden to an imperial concept of Russia, a multinational, multi-ethnic, multi-confessional, but distinctly Russian and distinctly non-Western geopolitical space – ‘Eurasia’“).

Ideologisch wird - nicht zuletzt durch konspirative Medien wie „Russia Today“ in den verachteten demokratischen Staaten- aufgerüstet und subversiv die Öffentlichkeit bearbeitet und möglichst gleichgeschaltet. Putin hat dazu - sowohl im In- wie im Ausland- eine Reihe von Memes etabliert, ja seine ganze Sprachwahl seit 2012 verändert. Intern in Russland ist ein zentraler Begriff das unübersetzbare „passionarnost“, das Gorbatschows Glasnost abgelöst hat: „Putin’s mention of passionarnost in 2012 was part of a pattern of lacing his speeches and writings with a new vocabulary.“ Es bedeutet ein Durchhalten durch eine Leidenszeit - bis zum endgültigen Sieg. Für den Russen schwingen Geschichte, Steppenweiten und jahrelange Gulag- Haft in diesem Begriff mit- ein Leiden, das er gern auf sich nimmt und das an seine nationale Identität rührt. Aber das Leiden kann, wie nicht nur die Ukraine und Syrien zeigen, auch gern und weitflächig exportiert werden.  

In diesem Zusammenhang kommt Clover auch auf die Meme, und zwar im Zusammenhang mit biologischer Infektion, die in diesem Fall exemplarisch ist für die geistige Infektion durch die ideologisierten Begriffe: „British evolutionary biologist Richard Dawkins has put forward a similar theory of ‘memes’ – which he describes as simple units of cultural information whose primary characteristic is the ability to replicate and spread virally through their interaction with other memes through a version of natural selection. As Dawkins puts it: ‘When you plant a fertile meme in my mind you literally parasitize my brain.’“ Für Clover ist vor allem der Nationalismus das Zündende im geistigen Infekt, denn das darin Mitschwingende hat eine instinktive, verborgene Eigendynamik, der man kaum etwas entgegen setzen könne: „Nationalism wins out not because nationalists are better, or stronger, or more capable, but because nationalism itself appears to possess inherent characteristics that allow it to vanquish other memes in a fair fight.

Für die Anthroposophen kann man die bei ihnen grassierende Meme anhand der hier im Blog beschriebenen, immer wieder vorgetragenen Thesen eines Daniele Ganser studieren. Die irritierte Identität reagiert luziferisch- empfindlich auf angebliche Verschwörungen von Seiten „der da oben“, der Europäischen Union und den USA. Dass derlei überall in der Rechten - ob bei den „Identitären“, UKIP oder der AfD grassiert und denkbar banal daher kommt, ist dabei völlig nebensächlich, solange die entsprechenden Emotionen bedient werden. Wenn die Meme grassiert, kann sie durch Argumente nicht mehr widerlegt werden, sondern verbreitet sich als „öffentliche Meinung“ in den Köpfen, die nicht widerstehen. „Öffentliche Meinung“ ist in der spezifisch okkulten Sicht Rudolf Steiners ein quasi- dämonisches Massenphänomen:

Es sind von diesen Wesenheiten der höheren Hierarchien welche zurückgeblieben, haben luziferischen Charakter angenommen. Und zu dem, was einzelne von ihnen ausleben, gehört zum Beispiel das, was wir heute öffentliche Meinung nennen. Öffentliche Meinung wird nicht bloß von Menschen gemacht, sondern auch von einer gewissen Art auf der untersten Stufe stehender luziferischer Geister, zurückgebliebener Angeloi, Archangeloi. Diese beginnen erst ihre luziferische Laufbahn, sind noch nicht sehr hoch gestiegen in der Rangordnung der luziferischen Geister; aber luziferische Geister sind es. Man kann mit Seherblick verfolgen, wie gewisse Geister der höheren Hierarchien die Entwickelung nach dem Mysterium von Golgatha nicht mitmachen, wie sie sich verhärten in der alten Art der Führung und daher nicht unmittelbar an die Menschen herankommen können. Die, welche die Entwickelung mitgemacht haben, können in einer regulären Weise an den Menschen herankommen; die sie nicht mitgemacht haben, können nicht heran, und sie wirken in einer verschwommenen, durcheinanderflutenden Gedankenmacht der öffentlichen Meinung.“ (GA 141.128f)



Montag, 29. August 2016

Das Zirpen des Kosmos

"Das Musikalische hat für die, welche darüber nachgedacht haben, immer etwas Rätselvolles gehabt in bezug auf die ästhetische Anschauungsweise. Die Musik ist auf der einen Seite das Verständlichste für die Seele, für das unmittelbar empfindende Menschengemüt, auf der anderen Seite etwas Schwieriges für die, welche ihre Wirkung begreifen wollen. Wenn wir die Musik vergleichen wollen mit den anderen Künsten, so müssen wir sagen: Eigentlich haben die anderen Künste alle in der physischen Welt ein Vorbild. Wenn zum Beispiel der Bildhauer die Statue eines Apoll oder Zeus schafft, dann arbeitet er nach der idealisierten Wirklichkeit der menschlichen Welt. Ebenso ist es in der Malerei. Heute will man sogar in der Malerei nur das gelten lassen, was unmittelbar den Eindruck der Wirklichkeit gibt. Ebenso bemüht sich die Poesie, ein Abbild der Wirklichkeit zu schaffen. Wer diese Theorie auf die Musik anwenden wollte, würde wohl kaum zu irgendeinem Resultat kommen können. Der Mensch muß sich fragen: Woher kommt denn eigentlich der künstlerisch geformte Ton, worauf in der Welt hat er Bezug?"  R.Steiner, Köln 3.Dezember 1906, GA 283
 


Tom Waits (on Jim Wilson): "Wilson, he's always playing with time. I heard a recording recently of crickets slowed way down. It sounds like a choir, it sounds like angel music. Something sparkling, celestial with full harmony and bass parts - you wouldn't believe it. It's like a sweeping chorus of heaven, and it's just slowed down, they didn't manipulate the tape at all. So I think when Wilson slows people down, it gives you a chance to watch them moving through space. And there's something to be said for slowing down the world."

Die Aufnahme von den Grillen hat zwei Tonspuren. Die erste in Echtzeit und die Zweite ( gleiche) Tonspur einfach nur langsamer abgespielt. Nichts ist sonst daran manipuliert.

Ich wünsche allen unseren Lesern eine entschleunigte Ferienzeit und gehen Sie abends auf die Wiesen und lauschen Sie den Grillen. Manchmal ist es ganz gut eine Grille im Ohr zu haben.
Ihr Herrmann Finkelsteen


Sonntag, 28. August 2016

Daniele Ganser und die anthroposophische Presselandschaft

Dass Daniele Ganser als Historiker eine ehrenwerte Vergangenheit hat, bestätigt Peter Hammerschmidt in seinem legendären Buch über Klaus Barbie*, dem „Schlächter von Lyon“, dem nationalsozialistischen Folterspezialisten und Sadisten, der sich nach dem Krieg, gedeckt von CIC und BND, in Südamerika diversen Militärdiktaturen andienen konnte, bis er von den Klarsfelds enttarnt wurde. Barbie wurde in Frankreich der Prozess gemacht. Ganser läuft Hammerschmidt um 2005 immer wieder über den Weg, da auch dieser sich im Laufe der Recherche zu seinem Buch über Geheimoperationen hinter den Kulissen** - insbesondere der Organisation Gehlen und der CIA- in denselben Archiven umsah: „Dass Klaus Barbie, neben seinen (zumindest indirekten) Beziehungen zur Organisation Gehlen und seinen Beziehungen zu osteuropäischen Widerstandsgruppen, auch als Funktionär der deutschen Stay- behinds die direkte Protektion der CIA/OPC genoss, vermutete erstmals Daniele Ganser im Jahr 2005, ohne seine Vermutungen jedoch belegen zu können“ (Hammerschmidt, S. 114). Die ganze Geschichte ist, wie die umfängliche Recherche von Hammerschmidt zeigt, der erstmalig Archive des BND einsehen durfte, wesentlich komplexer als Gansers „Vermutungen“ es erscheinen lassen- teilweise bedingt durch konkurrierende Geheimdienste im schon geteilten Nachkriegsdeutschland, aber vor allem auch durch äußerst geschickte Schachzüge des Insiders Barbie selbst. Richtig ist das, was bei diesen Winkelzügen heraus kam: Die Kontakte Barbies zu ehemaligen SS- Funktionären, die dieser als Informant nutzen konnte, galten erst als wertvolle Quelle und waren danach so peinlich, dass man Klaus Barbie lieber deckte und nicht an Frankreich auslieferte- eine Mischung aus mangelnder Professionalität, Ehrgeiz und erschrecktem Erkennen eines „Meister seines Faches bei der Arbeit“ (nach Hammerschmidt, S. 121) - aber weit weniger die strategische CIA- Operation, die Ganser suggeriert.

Auch das Engagement des ehemaligen Waldorfschülers Ganser in der Anti- Fracking Liga wird von manchen Seiten kritisch gesehen. Gansers Mentor William Blum, den er in einem Interview 2005 benannte: , gehörte zu den pro- sowjetischen, US- kritischen Autoren: „So , by 1998, I was very interested in covert actions. William Blum, who has written on secret warfare in the United States, advised me to look at Operation Gladio. (...) I said: "I'll do it." And, nobody discouraged me."
Die politischen Theorien Gansers hatten also von Anfang an einen pro- russischen Einschlag und verstanden sich als „alternative Geschichtsschreibung“. Das Umfeld, das ihn und ähnliche Autoren wie Jürgen Elsässer protegierte, zitierte und wiederum mit immer neuen angeblichen Enthüllungen eindeckte, ist eindeutig identifizierbar und hat einen stark ideologischen Einschlag im Sinne von Putins Chefideologen Alexander Dugin .

Es ist aber, was die Interessenlage Gansers betrifft, auch deshalb eine komplexe Angelegenheit, weil er sich offenbar auch militärischen Kreisen der Schweiz andiente: „Anhand dessen stellt sich die Frage, inwieweit hier nationale Schweizer Interessen bzw. die hochgestellter Kreise aus Wirtschaft und Politik einerseits und die Form von Gegenöffentlichkeit, wie sie von Daniele Ganser vertretenen wird (Anknüpfen an "linke" internationale Diskurse, aber auch Verschwörungstheorien und Rechtsesoterik) dann doch, d.h. obwohl sie auf den ersten Blick so überhaupt nicht zueinander passen wollen, ineinander verschränkt sind und mit dem Bemühen der Schweiz, gegen eine zunehmende internationale Isolierung als eine unerwünschte Folge der EU-Politik anzukämpfen.“

Dieselbe Quelle weist auch nach, wie Ganser nach seinen politischen und militärischen Kontakten etwa ab 2010 in die Anti- Fracking- Liga und in esoterische Kreise herein rutschte: „Bei der Veranstaltung handelte es sich um eine Art Seminar der sogenannten "Aku-Wirkstatt. Forum für Zeitfragen" im Dezember 2012, bei dem Ganser nach seinen beiden Vorrednern, einem Astrologen und Maya-Experten sowie einem "Sonnenwanderer" zum Thema "Der globale Kampf ums Erdöl. Warum wir die Energiewende brauchen" vortrug.“ Er taucht jetzt auf Portalen mit anthroposophischer und mit Truther- Background auf: „Publiziert wird Pflugers "Zeitpunkt" vom Synergia-Verlag, der anthroposophisch geprägt scheint und in dessen Autorenliste sich auch der Anthroposoph Thomas Meyer findet, der seinerseits die Zeitschrift "Der Europäer" herausgibt und den ebenfalls anthroposophischen Perseus-Verlag gegründet hat. Meyer hat Daniele Ganser für seine Zeitschrift "Der Europäer" mehrfach interviewt.“ (dito)

Von dieser obskuren Ecke aus rollt Daniele Ganser inzwischen fast die gesamte anthroposophische Szene auf. Gemeinsame Basis scheinen Anti- Amerikanismus und 9/11- Verschwörungstheorien zu sein. Claudius Weise schrieb für die anthroposophische Kulturzeitschrift Die Drei zum Beispiel eine Eloge auf Daniele Ganser, in der dessen Thesen zu Geheimarmeen in Europa für diese Szene weiter schmackhaft gemacht werden. Weise beginnt mit „Menschenversuchen“ der CIA in den 50er Jahren (gemeint ist der Einfluss von LSD auf die Psyche), gibt Gansers Aussagen zu Geheimarmeen der Nato im Europa der 90er weiter („Ein weiteres Beispiel ist die unter dem Namen »Gladio« bekannt gewordene Geheimarmee, die von der NATO während des Kalten Krieges in fast allen europäischen Ländern westlich des Eisernen Vorhangs aufgebaut und kontrolliert wurde“) und ist sich auch, Ganser referierend, nicht zu schade, die Freiheitsbewegung in der Ukraine als von den USA gesteuerten Staatsstreich darzustellen: „Ganser vertrat in seinem gut anderthalbstündigen Vortrag die These, dass der Sturz der ukrainischen Regierung Janukowytsch ein vom Westen, namentlich den USA, betriebener »Regime change« war.“ Die Positionen, die hier vertreten werden, sind wie aus dem FSB- Handbuch abgeschrieben. Ganser war jedenfalls so angetan, dass er den kompletten Artikel Weises auf seiner eigenen Website wiedergibt. In Anmerkung 9 wird auch ein Ganser-kritischer Artikel des Egoistenblogs aufgegriffen, und zwar in folgendem Bezug: „Trotzdem kann man den Eindruck haben, dass sowohl Anhänger wie Gegner dazu neigen, Gansers Thesen nicht als Denkanstöße im Rahmen einer freien Diskussion zu behandeln, sondern im einen Fall als blanke Wahrheit, im anderen als verfassungswidrige Propaganda. Der jüngst auch in anthroposophischen Kreisen erhobene Vorwurf, Ganser betreibe Stimmungsmache, setzt bereits das voraus, was zu beweisen wäre, nämlich die Haltlosigkeit seiner Vermutungen und die Illegitimität seiner Fragen. Ohne diesen Beweis fällt der Vorwurf auf die zurück, die ihn erheben.

Nun ja. Er fragt ja nur. Und wie. In dem groß angelegten und präsentierten Interview mit Daniele Ganser in „Das Goetheanum“  - auch auf Gansers Website wiedergegeben- darf er das ganze Politprogramm abspulen. Er hat dabei einen ganz speziellen Kronzeugen für die „Geheimarmeen“, bevor er auf 9/11- Verschwörung usw eingeht, nämlich Giulio Andreotti: „Herr Ganser, denken Sie, das wir durch die Presse nicht ausreichend über Kriegsfragen informiert werden? Kann man alle politischen Strukturen wahrnehmen, wenn man die Tageszeitung liest, Radio hört und Fernsehen schaut? Sicherlich nicht. Ich kann zum Beispiel mit meiner Doktorarbeit beweisen, dass es Geheimarmeen in der Nato in Europa gab. Diese wurden 1990 erstmals durch den italienischen Premierminister Giulio Andreotti enttarnt. Sie wurden von der Nato koordiniert und vom cia und vom mi6 ausgerüstet und trainiert. Die Geheimarmeen hatten eine antikommunistische Funktion: Im Falle einer Invasion durch die Rote Armee sollten sie als Guerilla hinter den besetzten Linien kämpfen.“

Ausgerechnet Andreotti als Kronzeugen aufzurufen, dem zynischsten Machtpolitiker der Gegenwart, der die Mafia im italienischen Staatsapparat über Jahrzehnte hoffähig machte, ist nun ein besonderer Fall von Nestbeschmutzung: „In keinem anderen demokratischen Land hätte sich ein Politiker vom Typ Andreotti so lange an der Macht halten können. Er war in nahezu jeden großen Skandal der italienischen Nachkriegspolitik in irgendeiner Weise verwickelt, doch 27 parlamentarische Untersuchungskommissionen gegen ihn endeten immer mit einem Freispruch, da eine Verurteilung Andreottis schwere Konsequenzen für die ohnehin wackeligen Koalitionen gehabt hätte. Dabei ging es meistens um Korruption auf höchster Ebene, Mißwirtschaft, Begünstigungen, Subventionsbetrügereien, illegale Auftragszuweisungen. Auch in den Skandal der Loge P2 war Andreotti verwickelt, obwohl ihm eine Mitgliedschaft nicht nachgewiesen werden konnte.“ Jede beliebige Quelle***, die sich mit dem Einfluss der Verbrecherorganisationen in Italien beschäftigt, nennt als den Paten der Paten diesen Namen: „Ein wesentlicher Bestandteil von Andreottis’ Machtzirkel war stets die Mafia – seine Kontakte zu ihr sind legendär und auch gerichtlich untermauert: Andreottis letzter Mafiaprozeß, in dem ihm Mafiakooperation vorgeworfen wurde, endete im Mai 2003 zwar mit einem Freispruch, allerdings nicht wegen mangelnder Beweise, sondern wegen Verjährung seiner Taten .. Andreottis Karriereende Anfang der 90er Jahre: es war die Zeit der erstmaligen radikalen Bekämpfung der Mafia, in erster Linie durch Staatsanwalt Giovanni Falcone, der 1992 vor Palermo von der Mafia ermordet wurde.“ Ich werde gern in folgenden Beiträgen vertiefend auf dieses Thema weiter eingehen.

Dass ein Charakter wie Andreotti als Kronzeuge für dubiose Verschwörungstheorien eines schillernden Dugin- Protagonisten wie Ganser in der Breite der anthroposophischen Presselandschaft auftreten würde, hätte ich mir als junger Anthroposoph nicht träumen lassen. Dergleichen verbreiten aber inzwischen nicht nur Kopp- Verlag- Verbündete wie „Die Europäer“, sondern auch „Das Goetheanum“ und „Die Drei“. Wo genau sind wir da gelandet? Wie weit werden die Peinlichkeiten noch gehen?


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*Peter Hammerschmidt: Deckname Adler. Klaus Barbie und die westlichen Geheimdienste
**Daniele Ganser: Nato Geheimarmeen in Europa. Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung, Zürich 2009
*** hier als Beispiel ein Aufsatz von Mathias Kautzky: Giulio Andreotti und die Politik in Italien (German Edition)
Weblinks: http://sochi2014-nachgefragt.blogspot.de/2014/08/daniele-ganser-und-sein-umfeld-ii-aspo.html
https://www.danieleganser.ch/assets/files/Inhalte/Rezensionen/Vortraege/die%20Drei%20(2015)%20-%20Wahrheit%20oder%20Wahn.pdf
https://www.danieleganser.ch/assets/files/Inhalte/Interviews/Zeitungsinterviews/Das%20Goetheanum%20(2015)%20-%20Nachrichten%20bewaeltigen.pdf
http://www.bornpower.de/mafia/andreotti.htm#.V7EFxRSxyrU


Sonntag, 21. August 2016

Die spirituelle Aristokratie anthroposophischer Prägung

Alicia Hamberg erweist nochmals Sergej Prokofieff die Ehre und liest seinen Erstling „Rudolf Steiner und die Grundlegung der neuen Mysterien“ - das Buch, das Prokofieff noch während seines Lebens in der Sowjetunion geschrieben hatte und das seinen (internen) Ruhm mit der deutschsprachigen Übersetzung 1982 (Link Wikipedia) begründete.

Hamberg schreibt in ihrem Blog in Englisch und bezieht sich auf die schwedische Übersetzung. Prokofieff ist vor etwas über zwei Jahren gestorben  und erhielt, als ehemaliges Vorstandsmitglied der Anthroposophischen Gesellschaft, selbst die spezifische Todesnachricht seiner Kollegen in Anthrospeech- einer Kunstsprache mit weihevoll synthetischem Vokabular: „After a life of tireless activity for anthroposophy and Rudolf Steiner, our friend and emeritus Executive Council colleague Sergei Olegovitch Prokofieff crossed the threshold into the spiritual world during the early morning hours of July 26, 2014, following a serious illness that lasted three years.

Auch die Leserin Hamberg quält sich mit einer solchen Kunstsprache herum, in der Rudolf Steiner als Märtyrer und Heiliger, als nicht hinterfragbarer Eingeweihter dargestellt wird- wobei Prokofieff in dieser Art der Darstellung zur umstrittenen Person selbst für die Insider geworden war, für die er schrieb, obgleich der Eingeweihten- Nimbus für Manche auch auf ihn selbst zurück strahlte: „But many have fallen, spiritually speaking, at his feet; admiring him, even worshipping him, as a high initiate, even the highest since Steiner himself, possibly boosted by the old anthroposophical belief that the Russian folk-soul will be the dominant spiritual force in the coming cultural epoch. Depicting Steiner as a saint and martyr, the impression is that Prokofieff would not be unhappy to see such an image brush off on himself.“ (Zitate aus verlinktem Artikel)

Die monotone Schreibweise Prokofieffs (die selbst bei den Insidern gern als „anspruchsvoll“ bezeichnet wird), führt bei Hamberg zuverlässig nach wenigen Seiten zur akuten Schläfrigkeit - allein, sie kämpft sich durch: „I almost invariably fell asleep after about seven to ten pages, until I took to reading it sitting on a hard, wooden chair on the balcony, where it was impossible to nod off. It rather pains me to say this, but I began to think I was inflicting unforgivable cruelty on myself, but then reminded myself of people having their heads chopped off, and despite feelings of unpleasantness, I plugged along bravely, considering myself lucky after all.“

Hamberg sieht in Prokofieffs Werk eine Grundlegung fundamentalistischer Anthroposophie- Interpretation („religious-fundamentalist anthroposophy“) im Mix mit eigenen Spekulationen und der unkritischen, nie hinterfragten Übernahme grassierender anthroposophischer Mythen- etwa, was Steiners angebliche frühere Inkarnationen betrifft. So ist die Zielgruppe des Buchs eine sehr spezifische, bei der es keinerlei Mühen bezüglich des Stils oder der Rhetorik bedarf- es reicht vollkommen, durch angebliche „Esoterik“ an die Eitelkeit dieses Publikums zu appellieren: „He doesn’t need to be rhetorically convincing or poetically gifted; all he needs to do is to offer a pretense of esoteric depth and an appeal to vanity. Steiner, in that way, is more straightforward to deal with, has retained a sense of humour, and is less awkward in style.“ Rudolf Steiner selbst - so Hamberg- schrieb dagegen vielschichtig.

Die Darstellung Steiners in Prokofieffs Worten ist geisterhaft- ein Mann ohne Eigenschaften, aber von Christus geadelt: „So who is Steiner? To Prokofieff, an emissary of God; a kind of reincarnated Christ; the one and only saviour of all of humanity; the One whose life was planned by the angels with extraordinary care. I mean this quite literally; he does go on quite a bit about Steiner and Christ. A Steiner who is elevated to divinity but deprived of his humanity.“ Die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft sind in den Augen Prokofieffs geborene Führer der Menschheit und werden sogar - spirituell, nicht rassistisch- eine eigene menschliche Rasse begründen- weit über dem Rest der Menschheit stehend: „I need not tell you that this race is spiritually elevated above the rest of humankind, which will stay behind, as it were, just like the animals did when present man moved on.
Diese „spirituelle Aristokratie“ ist, so ist sowohl zu befürchten und so ist es immer wieder auch zu beobachten, wird tatsächlich heute noch von Anthroposophen verinnerlicht. Prokofieff steht daher - so Hamberg- für den Kult- Charakter der anthroposophischen Bewegung, der von Anthroposophen selbst stets bestritten wird: „Natural for a cult, of course, but anthroposophy claims not to be one. Or perhaps it’s just human nature. But let’s put it succinctly: in more ways than one, Prokofieff’s book provides ample ammunition for anyone wanting to prove that, indeed, anthroposophy can be a religious cult.

Die kalte und spirituell- technische Darstellung Prokofieffs, die keinerlei persönliche Züge zulässt oder erkennen lässt, aber stets an „kosmische, höhere Wahrheit“ appelliert, hat für die Leserin Hamberg daher auch keinerlei spirituellen Züge: „Characteristically, Prokofieff is entirely impersonal. This is not about him, but about cosmic, higher truth. As far as the individual human being is concerned, it is all on the surface. Do I think it is ”spiritual”? No.“ Diese Steiner- Vorstellung Prokofieffs hat stattdessen den Charakter einer eitlen, überlegenen, exklusiven Selbstdarstellung, die frösteln lässt und ernsthafte Sorgen bereiten würde, wenn so etwas gesellschaftlich relevant geworden wäre. Das ist es glücklicherweise nicht.

Freitag, 19. August 2016

»... und mehr bedarfs nicht.« Gedanken zur Not-Wendigkeit der Kunst


Ingrid Haselberger

Vor einiger Zeit wurde hier im Blog die Frage gestellt: »Darf man sich mit der kosmischen Struktur von Pflanzen beschäftigen, wenn die Kanonen grollen, die Demagogen locken und die Menschen zerstückelt werden?«
Burghard begann seine Antwort darauf mit den Worten: »Ja! Und warum darf man? Einfach von daher, dass ein Bedarf besteht.«
Daran fühlte ich mich erinnert, als ich die Rede Konrad Paul Liessmanns zur Eröffnung der Salzburger Festspiele hörte. Er begann mit ganz ähnlichen Fragen:
»Wir leben in bewegten Zeiten: Terroranschläge, Amokläufe, ein dubioser Militärputsch in der Türkei, Brexit und die tiefe Krise der Europäischen Union, soziale Spannungen und Ängste allerorten, Kriege und Bürgerkriege, unzählige Menschen auf der Flucht und eine Kommunikationstechnik, die uns all dies hautnah, im Live-Stream erleben lässt. Nahezu reflexartig stellt sich die Frage, ob es überhaupt noch möglich ist, sich in solchen Zeiten ruhigen Gewissens dem Schönen und der Kunst, der Feier des ästhetischen Augenblicks und dem Genuss eines rauschenden Festes hinzugeben. Müsste nicht die Kunst selbst angesichts dieses Weltzustandes wenn nicht verstummen, so doch ihre Stimme in einem politischen Sinne erheben, müsste sie nicht eingreifen, zumindest aufmerksam machen, über sich hinausweisen auf jene unerträglichen Zustände, müsste sie nicht die aufrüttelnde Aktion anstelle der Verehrung des Schönen setzen?«
Reflexartig, sagt Liessmann, stellen sich diese Fragen, die die Antworten jeweils bereits in sich zu tragen scheinen. In seinen Antworten auf diese (und noch etliche andere) Fragen widersetzt Liessmann sich diesen Reflexen – und kommt schließlich zu einem ähnlichen Ergebnis wie Burghard.
Er zitiert Hölderlins Ode An die Parzen:
Nur Einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen!
   Und einen Herbst zu reifem Gesange mir,
      Daß williger mein Herz, vom süßen
         Spiele gesättiget, dann mir sterbe.

Die Seele, der im Leben ihr göttlich Recht
   Nicht ward, sie ruht auch drunten im Orkus nicht;
      Doch ist mir einst das Heilge, das am
         Herzen mir liegt, das Gedicht, gelungen,

Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt!
   Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel
      Mich nicht hinab geleitet; Einmal
         Lebt ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht.
Und er knüpft daran die folgenden Gedanken über Kunst und Freiheit:
»Das Kunstwerk, wenn es denn gelingt, genügt, um dem Leben nicht nur einen Sinn, sondern eine nahezu religiöse Aura zu verleihen, die es von allen anderen Bedingungen und Angelegenheiten des Daseins radikal entfernt. In dieser Absage an die Welt, in dieser Konzentration auf die Kunst liegt selbst eine Kritik, die nicht aktionistisch eingreift, nicht einmal Missstände benennt, sondern sich zurückzieht in eine ganz andere Sphäre, in der nur eines gilt: das gelungene Werk. Gelingen kann dieses aber nur, wenn es sich jenem Recht verdankt, das sich im Leben nicht oder noch nicht durchsetzen konnte. Es ist dies, bei Hölderlin und weit über ihn hinaus, ein Leben in Freiheit
Das Faszinosum der Kunst, so Liessmann, liegt »in einem unerbittlichen Anspruch auf ein Gelingen […], das dem Leben selbst weder zugemutet noch abgerungen werden kann.«
Für den Musiker, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, etwas, was ein anderer aufgeschrieben hat, zum Erklingen zu bringen, bedeutet das Ringen um das Gelingen ein fortwährendes Üben.
Dabei üben wir nicht etwa nur Fingerfertigkeit oder Atemtechnik, sondern sehr viel mehr:
Wir üben, aktiv mit unseren Gefühlen umzugehen, statt uns von ihnen überwältigen zu lassen. Im Alltag sagen wir sehr treffend »ich freue/ärgere/kränke mich« --- aber meist brauchen wir dazu einen Anlaß: ich freue/ärgere/kränke mich über etwas oder jemanden... und in Wirklichkeit sehen wir uns selber dabei passiv: »XY freut/ärgert/kränkt mich«.
Wenn ich eine Arie singe, die ganz andere Gefühle ausdrückt als die, die ich zufällig privat gerade habe, dann bleibt mir gar nichts anderes übrig, als mich innerlich selbst zu ärgern, zu freuen, zu kränken, mich glücklich oder unglücklich zu machen, mich in Zorn hineinzusteigern, mich übertrieben vor einer Maus zu fürchten oder mich in Trauer oder gelassener Resignation an vergangenes Glück zu erinnern...
Ich denke an Orpheus, den Dichter der griechischen Mythologie, der mit seinem Gesang wilde Tiere, das wütende Meer und selbst die Götter der Unterwelt besänftigte – ich habe es immer so verstanden, daß er seine Fähigkeiten zunächst im Umgang mit den „wilden Tieren“, dem „wütenden Meer“ und den „Göttern der Unterwelt“ in seinem eigenen Inneren entwickelte.
Es bleibt nicht aus, daß sich solches Üben auch auf den Alltag auswirkt.
Als Natalie Dessay vor Jahren in Wien die Titelrolle in der „Schweigsamen Frau“ von Richard Strauss und Stefan Zweig sang (ein scheinbar bescheidenes, schüchternes Mädchen verwandelt sich nach der Hochzeit in eine wilde Furie), fragte man sie, was denn ihr Mann dazu sage, wenn er sie so als Megäre sehe... sie lachte und antwortete in etwa: »Mein Mann freut sich immer, wenn ich solche Rollen in der Oper singe, denn dann bin ich zu Hause wieder ein ganz friedliches Lamm...« 
Und mein verehrter Lehrer Walter Berry sagte in einem Interview:»I brauch ka Psychotherapie! Wenn i „Wozzek“ sing zum Beispiel, da sing i mir auf der Bühne alle meine Neurosen oba, und dann krieg ich noch Geld dafür...«
Sogar das Mißlingen läßt sich üben – wie fühlt es sich an, wenn ein Ton mir in der Kehle erstirbt (in Wien sagen wir: verreckt)? Wie kann ich danach dennoch weitersingen, gewissermaßen „wiederauferstehen“?
Wer in dieser Weise übt, gewöhnt sich nach und nach ab, eine äußere Ursache oder gar einen Schuldigen „dort draußen“ zu suchen, wenn etwas nicht sofort gelingt. Oder wenn es trotz langen Übens nicht gelingt. Oder wenn es mißlingt, obwohl es doch früher schon einmal gelungen ist (auf vergangenen Lorbeeren ausruhen gilt nicht, es kommt jedesmal von Neuem nur auf die Gegenwart an: Hic Rhodos, hic salta!). 
Ein Ausspruch Daniel Barenboims fällt mir ein, aus dem gemeinsam mit Edward Said verfaßten Buch Parallels and Paradoxes (Barenboim und Said gründeten 1999 das West-Eastern-Divan-Orchestra, in dem junge Musiker aus Israel und den arabischen Ländern gemeinsam musizieren; heuer bei den Salzburger Festspielen, auf dem Programm Werke von Mozart und Wagner...):
»... the study of music is one of the best ways to learn about human nature. This is why I am so sad about music education being practically nonexistent today in schools. Education means preparing children for adult life; teaching them how to behave and what kinds of human beings they want to be. Everything else is information and can be learned in a very simple way. To play music well you need to strike a balance between your head, your heart, and your stomach. And if one of the three is not there or is there in too strong a dose, you cannot use it. What better way than music to show a child how to be human?«
(Meine Übersetzung: Das Studium der Musik ist eine der besten Arten, etwas über die menschliche Natur zu lernen. Deshalb bin ich so traurig darüber, daß Musikerziehung heutzutage in den Schulen praktisch nicht existiert. Erziehung heißt, Kinder auf das Leben als Erwachsene vorzubereiten; sie zu lehren, wie sie sich benehmen und welche Art Mensch sie sein wollen. Alles andere ist Information und kann sehr einfach gelernt werden. Um gut zu musizieren, mußt du eine Balance zwischen deinem Kopf, deinem Herzen und deinem Bauch finden. Wenn eins von diesen dreien nicht da ist, oder in zu starker Dosis da ist, dann kannst du's nicht gebrauchen. Was könnte einem Kind besser als die Musik zeigen, wie das geht: ein Mensch zu sein?)

Konrad Paul Liessmann schließt seine Rede so:
»Vielleicht leben wir in den kostbaren Augenblicken, da wir solch einem Gelingen beiwohnen dürfen, vielleicht sogar dazu etwas beitragen können, nicht wie Götter; aber wir leben – endlich – einmal so, wie Menschen leben sollten.
Und mehr bedarfs nicht.« 

Freitag, 12. August 2016

"Die Drei" als rechtspopulistisches Hetzblatt

Stefan Eisenhut, Mitarbeiter und Autor bei der anthroposophischen Kulturzeitschrift Die Drei , aber auch seit 15 Jahren aktiv beim Institut für soziale Dreigliederung , hat sich aktuell als Leitartikler in einem politischen Essay mit dem Brexit- dem Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union - beschäftigt: „Symptomatisches zum Brexit“. Symptomatologie ist nun allerdings eine anthroposophische Phrase- ebenso wie Phänomenologie, mit der nicht selten fixe Vorstellung aus der geistigen Binnenwelt der anthroposophischen Szene aufgepimpt werden. Aber schauen wir uns Eisenhuts politische Analyse einfach einmal genauer an, um zu erkennen, was daran symptomatisch sein soll.

Eisenhut konstatiert zwar zunächst nüchtern, in welchem Ausmaß die Brexit- Kampagne getragen war von populistischen Tönen und nennt sie „die offensichtliche Lügenkampagne prominenter Brexit-Befürworter, die wohl maßgeblich zum Stimmungswandel beitrug“, nennt auch einige der Akteure wie Michael Gove und Boris Johnson beim Namen. Deren Polit- Techniken, auf „die dumpfen Empfindungen von Menschen abzuzielen, welche die Verlierer des gegenwärtigen Systems sind und sich um rationale Argumente überhaupt nicht scheren“, sieht Eisenhut nicht nur klar, sondern ordnet sie unter etwas ein, was Rudolf Steiner eine Art „Massenhypnose“ genannt habe. Dennoch relativiert er die Widerwärtigkeit eines solchen Vorgehens, das den Rechtspopulisten Raum gegeben habe, indem es rassistische und nationalistische Instinkte bediente, auch indem er es in (nach Steiner in Anmerkungen von vor 100 Jahren) typisches Verhalten englischer und amerikanischer Politiker einordnet: „Damit meint er, dass Engländer und Nordamerikaner in der Regel nicht versuchen, irgendwelche Theorien zu realisieren, sondern dass sie genau spüren, was geht und was nicht. Sie spüren instinktiv, dass sich etwas in eine bestimmte Richtung entwickelt und legen ihre Politik danach aus.“ Worauf er damit deutet, ist offensichtlich das vorgestellte Treiben elitärer, freimaurerischer Kreise: „Rudolf Steiner spricht zwar von den Eingeweihten des Westens. Diese haben aber gerade die Fähigkeit, das, was in den Instinkten aus dem Unbewussten in der Seele sich geltend macht, bewusst zu artikulieren und in die Bahnen zu lenken, die ihren Interessen nützen. Verschwörungen sind dazu gar nicht nötig.“ Schön und gut, aber solche Appelle an die Instinkte finden sich heute allerorten - sei es in Russland, Sachsen-Anhalt, Ungarn, in der Türkei oder bei „Friedensforschern“, die insbesondere bei Anthroposophen wohl gelitten sind.

Eisenhut behauptet aber einfach, der Appell an diese primitiven Reflexe in der Bevölkerung sei ein typisch angelsächsisches Phänomen. Er hat dafür auch deshalb Verständnis, weil er sich gegen die EU richte. Die EU ist auch für ihn offenbar ein „Projekt“, das er in Einklang mit Rechtspopulisten in Anführungszeichen setzt -„europäische Union“ -, und in dem er eine reine „Kopfangelegenheit“ wittert: „Der Mensch kann in seiner Leiblichkeit so leben, dass er alles versucht aus den Kopfkräften heraus zu steuern. Dadurch geht allerdings das Gefühl für all das, was aus dem Unbewussten der Seele aufsteigt, verloren.“ Worauf er wiederum damit abzielt, ist die Behauptung, die Europäische Union ziele auf ein katholisch geprägte Regierungszentrum ab, was er in den „Seelenhaltungen“ europäischer Führungspersönlichkeiten abzulesen meint: „Sie ist eine Folge davon, wie der Katholizismus seit dem frühen Mittelalter auf die europäischen Seelen gewirkt hat. Sehr schön kann man diese Seelenhaltung bei Politikern wie Jean-Claude Juncker und Martin Schulz in ihren Reaktionen auf den Brexit erleben.“

Spätestens an diesem Punkt fragt sich der erstaunte Zeitgenosse, ob es sich beim vorliegenden Text noch um eine politische Analyse handelt. Offensichtlich presst Eisenhut die europäischen Konflikte in das klassische Steinersche Einflussschema Freimaurer versus Jesuiten. Er geht also nicht von den politischen Realitäten aus, sondern führt schon von Steiner simplifizierte und regionalisierte Mechanismen fort bis in die politische Gegenwart. Aber damit geht es bei Eisenhut erst los.

Die „kopfgesteuerte Planung der EU“ ist Eisenhut ebenso ein Gräuel wie die instinkt- basierte Manipulation von englischsprachigen Politikern, zu denen er auch Donald Trump zählt. Die katholische Einflussnahme reicht bei ihm und von ihm zitierten Autoren zurück bis ins 16. Jahrhundert: „Ridley zieht somit deutliche Parallelen zu den EU-Eliten, deren Verhalten er mit dem der katholischen Kirche des 16. Jahrhunderts vergleicht. (..) In der EU wirkt gewissermaßen jener Imperialismus fort, den die Kultur der Verstandes- oder Gemütsseele hervorgebracht hat, während die englischsprachigen Länder einen Imperialismus entwickeln, welcher der Kultur der Bewusstseinsseele eigen ist. Ersterer wirkt primär über die politischen Institutionen, letztere über wirtschaftliche Machtmittel.“ Mit dem mehr als vagen „gewissermaßen“ galoppiert Eisenhut sogar bis in die Römerzeit und sieht „im Westen“ einen „römischen Machtimpuls“ auf moderne, bei den „Festlandseuropäern“ auf „unzeitgemäße“ Art. Was auch immer Eisenhut damit ausdrücken möchte, für ihn ist damit offensichtlich klar, dass der Brexit einen politischen und wirtschaftlichen Erfolg der Angelsachsen darstellen wird- Hauptsache, die „unzeitgemäße“, angeblich zentralistische Europäische Union wird geschädigt: „Auch wenn der Brexit zunächst für England sehr unangenehme Folgen haben wird, so ist zu vermuten, dass es am Ende – wie die Vereinigten Staaten – gestärkt aus der Krise hervorgeht.“

In der Folge zitiert Eisenhut den für ihn offenbar zeitgemäßen CSU - Politiker Gauweiler, wettert in immer schrillerem Tonfall gegen Gauck und Merkel. Es geht derartig wie Kraut und Rüben durcheinander, dass eine Zusammenfassung kaum möglich ist. Die Richtung ist aber klar: Deutschland sei ein Vasall der USA, ja ein Trojanisches Pferd für deren Interessen: „Er muss schon allein deswegen scheitern, weil Deutschland mit seinem wirtschaftlichen Potenzial seit dem Ende des zweiten Weltkriegs politisch komplett von den USA abhängig ist. Es ist gewissermaßen das trojanische Pferd innerhalb der Mauern der EU.
Insbesondere Bundeskanzlerin Angela Merkel sei deren „willige Helferin“: „2005 wurde Gerhard Schröder dann von Angela Merkel aufgrund eines äußerst knappen Wahlergebnisses abgelöst. Sie dient seitdem als willige Helferin bei der Durchsetzung der US-amerikanischen Interessen innerhalb der EU.“ Diese rechtspopulistische Auslegung deutscher Politik ist für Eisenhut nur ein Teil der „Knechtschaft“, deren Rahmenbedingungen bestimmt wären durch die europäischen „Führungseliten“ und den „bürokratischen Apparat“, der angeblich demokratische Prozesse unterminieren würde: „Dieses erfordert einen immer aufwändigeren bürokratischen Apparat und zuletzt Führungseliten, die sich von der demokratischen Entscheidungsfindung abkoppeln müssen, wenn sie überhaupt zu Entscheidungen kommen wollen. Der Weg in die Knechtschaft liegt daher schon in der Sache selbst begründet.

An diesem Punkt verfällt die anfänglich anthroposophisch geprägte politische Betrachtung zum Brexit in einem Maß - auch was den Tonfall betrifft- in eine Hetztirade, die sich auf jeder Pegida- und NPD- Veranstaltung gut machen würde. Björn Höcke würde sicher auch nicht widersprechen. Was in dieser Gemengelage noch fehlt- der Kniefall vor Putin, die Anklage gegen die angebliche Aggressivität der NATO- wird im weiteren Verlauf des Artikels nachgeholt, und zwar ohne jede Hemmung: „Die NATO provoziert in zunehmendem Maße Russland. Das Baltikum und Polen werden gegenwärtig aufgerüstet, obwohl selbst unter militärischen Gesichtspunkten diese Aufrüstung vollkommen sinnlos ist. Sollte Russland wirklich das Baltikum überfallen – wofür es, im Gegensatz zu dem Manöver auf der Krim, überhaupt keinen sinnvollen Grund hat – könnte die NATO diese Region nicht verteidigen.“

Von einer politischen Analyse weit entfernt, begibt sich die anthroposophische Kultur- Zeitschrift Die Drei mit derlei wirren Pamphleten in immer trüberes Gewässer. Unter der anthroposophischen Nomenklatur und dem Insider- Speech werden rechtspopulistische Klischees bedient, von denen diese Szene offenbar immer stärker geprägt wird.