Der Jugendkreis

Tom Mellett hat in internationalen Foren und bei Facebook eine Diskussion über den 1923 von Ernst Lehrs und Wilhelm Rath begründeten Jugendkreis angestossen - mit intensiven Diskussionen von einiger Umsicht, Tiefe und Brisanz, vor allem bei den Anthropoppern. Auch wenn ich mich mit den politischen Positionierungen Jeremy Smiths nicht im geringsten anfreunden kann, ist die interne Diskussionskultur in diesem Blog immer wieder beeindruckend. Auch die aufgeführten Links und Verweise geben umfassend Einblick sowohl in interne esoterische Strukturen der Anthroposophischen Gesellschaft als auch in die damit verbundenen Vorteile und Risiken.

Denn bei dem Jugendkreis geht es um eine geheime, „okkulte“ Organisationsform- eine frei vor Ort organisierte meditative Vereinigung von Mitgliedern der Gesellschaft, über die nicht gesprochen und in die das einzelne Mitglied nach unbekannten Kriterien berufen wird. Im Gegensatz zur internen Klasse, in die mit ihren auch mantrischen Texten die „tätig sein wollenden“ Anthroposophen berufen werden - also die, die Anthroposophie in der Öffentlichkeit nach einer Mindestzahl von Jahren der einfachen Mitgliedschaft vertreten wollen, sind die Treffen des Jugendkreises nicht öffentlich bekannt - ebenso wenig, wer in diese Gruppe berufen wird oder ob sie am jeweiligen Ort überhaupt stattfinden. Viele Mitglieder, die möglicherweise Jahrzehnte lang im Zweig und bei anderen Veranstaltungen nebeneinander und miteinander gearbeitet haben, wissen nicht einmal von der Existenz dieser Gruppierung. In diesem Sinne handelt es sich tatsächlich um eine Gesellschaft- in- der- Gesellschaft, um eine reale Geheimgesellschaft.

Nun kann man dieses Thema - für Tom Mellett und andere ein Affront - skandalisieren oder auch ganz gelassen betrachten- nämlich als Möglichkeit zur spirituellen Vertiefung und Verankerung, einer Art Substanz- Suche ausgesuchter Mitglieder. Oder man skandalisiert das Thema und spricht, wie Tom Mellett, vom „Opus Dei“ der Anthroposophen. Das verletzte Anthroposophen- Ego derer, die in dieser Hinsicht übergangen worden sind, die nicht als würdig erachtet worden sind, mag sich da Bahn brechen: „In short, there is a secret and elitist cultic group within the Anthroposophical Society called The Kreis(German for Circle) which originally grew out of the Jugendkreis (Youth Circle) that Ernst Lehrs helped organize in 1923, but which has, over the decades, “metastasized” into a “kind of tumor” (…). I myself liken it to the elite secret group within the Roman Catholic Church called “Opus Dei.”“ (Tom Mellett)

Ein frustrierter Blog- Eintrag der Australierin Kelly Connor hatte den ursprünglichen Anstoss für die ganze Diskussion gegeben, die 2012 von einer „geheimen Enklave“ innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft schrieb: „Nobody in anthroposophy would join a secret, select group,‘ I declared, ‘and if invited to be part of such a group they would loudly denounce it.’ I was wrong. The group does exist and has members all over the world, including, I’m told, at least three members of the executive council at Dornach, as well as many representatives of national & regional councils, Waldorf teachers, doctors, etc.“

Das Insistieren von Connor hat dann doch viele der ihr bekannten Anthroposophen zum Sprechen gebracht - nach ihren Umfragen wissen 60% der aktiven Anthroposophen nichts von der Existenz des Jugendkreises- oder wenn, dann doch nur insoweit, als Rudolf Steiner zu seinen Lebzeiten esoterische Unterweisungen für die jüngeren Mitglieder gegeben hat, um Impulse für die bereits erstarrenden Strukturen der Gesellschaft zu initiieren. Dass er in diesem Zusammenhang von einer „Community“ sprach, die offenbar bis heute besteht, ist den Meisten entgangen: „It is however, very enlightening to discover that Rudolf Steiner exclusively refers to the youth group impulse as the founding of a ‘community’. That, in itself, should give pause for thought to those who claim Steiner sanctioned the existence of a secret circle.“ (Connor)

Inzwischen wird einerseits mehr über die meditativen Praktiken und Anforderungen des Jugendkreises bekannt. Andererseits kommt - wie in der Diskussion bei den Anthropoppern- gerade bei Mitgliedern anthroposophischer Gemeinschaften die Frage auf, ob Machtfragen und wichtige Entscheidungen für soziale Projekte nicht in geheimer Absprache getroffen worden sind- d.h. inwieweit eine solche Gesellschaft- in- der Gesellschaft nicht ein jahrzehntelang gepflegtes Instrument gewesen sein könnte, demokratische Entscheidungsprozesse zu unterlaufen.

Kommentare

  1. Lieber Michael,

    »... inwieweit eine solche Gesellschaft- in- der Gesellschaft nicht ein jahrzehntelang gepflegtes Instrument gewesen sein könnte, demokratische Entscheidungsprozesse zu unterlaufen. «

    Aber sind denn demokratische Entscheidungsprozesse in der AAG, überhaupt im Geistesleben, state of the art?
    Ich denke an den Aufsatz »Republikanisch, nicht demokratisch« von Ernst Lehrs (der übrigens von Anfang an im „Jugendkreis“ dabei war).

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Ingrid, mit dieser Frage waren weniger die Entscheidungen innerhalb des Zentrums gemeint, sondern eher an der Peripherie. Es sind konkrete Beispiele innerhalb von anthroposophischen Zentren genannt worden, bei denen die Frage aufkam. Ich denke, sie werden in den nächsten Tagen auch hier im Blog konkreter werden. Für einige Anthroposophen ist sogar die Frage aufgetaucht, ob es, wenn es denn eine geheime Struktur innerhalb der AG gibt, womöglich noch andere existieren. Könnte es z.B. noch eine zweite Klasse geben, von der nur die Auserwählten wissen? Es geht also um das tatsächliche Verhältnis von Peripherie zu den Zentren, um - entgegen den offiziellen Verlautbarungen- verborgenes Wissen und um geheime Machtstrukturen. Was einmal von Steiner als Mittel zur Innovation gemeint war, könnte zum ewigen Hemmschuh - zum Mittel interner Absprachen und Macht - geworden sein.

      Löschen
    2. Lieber Michael, da bin ich natürlich gespannt – habe derzeit allerdings leider nicht die Zeit, in den Anthropopper-Kommentaren nachzulesen.
      Der verlinkte Blogeintrag von Kelly Connor ist ja schon ein paar Jahre alt…

      Löschen
    3. interessant im Text von Ernst Lehrs:

      "Als ich Anfang der zwanziger Jahre zur Gesellschaft kam, war Stuttgart, nach einem von Dr. Steiner gebrauchten Ausdruck, voll solcher „Leichen"."

      http://www.dreigliederung.de/essays/1956-09-001

      Löschen
    4. Also sozusagen 'ICH-lose Dämonen-Stuttgarter'

      Viel Spaß bei der Diskriminierungsdebatte!

      s. b.

      Löschen
    5. Hallo Ingrid,

      I'm happy to see you take an interest in this issue of the secretive Kreis group. Michael has asked me to put together my many comments on Jeremy Smith's blog to make up a guest-blog entry here on Egoisten. It may take a day or two before it is ready.

      My one comment to you about Kelly Connor's blog being 5 years old: let me say that I experienced the same "shock of discovery" as Kelly Connor did in 2012 at Emerson College in the UK. However, my "shock of discovery" occurred 32 years before hers, first in 1980 at the 3-fold community in Spring Valley, New York, and then in the period 1981-85, across the country in the Rudolf Steiner College community in Sacramento, California.

      I'm sure you know the famous quote of Charles Beaudelaire:

      . . . the loveliest trick of the Devil is to persuade you that he does not exist!"

      I would upgrade that saying for this secret in-group within Anthroposophy:

      . . . the loveliest trick of the Kreis is to persuade you that it does not exist!"

      I would be very interested in hearing what you may know of this group in the German-speaking Steiner world, be it Austria, Switzerland or Germany, since my experience is limited to the USA and sources in the UK.

      Again I thank you Michael for allowing me this opportunity to inform the Egoisten Tribe about the mysterious group that doesn't really exist --- so why is anybody talking about it? Good question!

      Herzlich,

      Tom

      Löschen
    6. @Tom

      Republikanisch, nicht demokratisch (http://www.dreigliederung.de/essays/1956-09-001)

      anonym makes me hopeful that you're right with your expectation, that the Republicans under D.T will make Anthroposophy great again as a Republic of Anthroposophy where the Gray-Violet House in Dornach is in one line with the White Houses in Washington and Moskau

      Löschen
    7. Danke Stephan! Great article by Lehrs! I see from 1956. Yes, we have had enough with democracy in the USA, so bye-bye Obama and Hello the Man of the Republic, Donald the Trumpster!

      Löschen
    8. Kein Grund zu trollen- die Deutschen werden sich mehr als schwer tun mit Eurem neuen starken Mann, der aus Obamas zögerlicher, in Charme ertränkter Appeasement - Politik gegenüber Putin entsprang. Er ist so brachial, dass er endlich wieder eine echte Opposition in den USA aufbauen wird. Aber allen, auch den Deutschen wird nun klar, dass ab jetzt Realpolitik auf dem Programm steht. Eine massive Aufrüstung Europas wird zweifellos folgen, um Putin in Schach zu halten, dessen Gelüste zweifellos wachsen, zumal mit Trump im Rücken.

      Löschen
    9. Es ist meinerseits kein 'Getrolle', sondern ein Gefühl, dass sich bestimmte Strömungen des demokratischen Herumgetrolles so sehr selbst ad absurdum geführt haben, dass auch dadurch notwendigerweise die Basta-Haudegen mit heraufbeschworen wurden.

      Löschen
    10. Habe auf dieser Seite ("Institut für Dreigl..") schon etliche interessante rechtshistorische Betrachtungen eingesehen.
      Eine Etymologie und Semantik juristischer Begriffe und daraus resultierende Muster des synchronen Rechtsempfindens, dem in unserer Gegenwart, ist sicher ein spannendes weites Feld mit interessanten Themen für Theorie, Spekulation, für's Philosophieren und "Utopieren".. Die rechten und neurechten Bewegungen, die ja alle am Tropf einer Art Esoterik hängen, und auch gerne heideggern, nutzen das offene Niemandsland und eignen sich daraus manches an. Hin und wieder arbeiten auch anthroposophische Autoren in diesen alten Steinbrüchen. Aktuell scheint es mir leider immer noch so, daß Meditationen über Etymologie und Rechts-Historische Themen Teil des Selbstverständnis einer sich als nationalkonservativ verstehenden (und meist auch immer gewohnheits-antisemitischen, gern auch paramilitärischen) Elite "in spe" ist. Die sich selbst in ihrem instinktiven Macht-Anspruch, klassisch, als "revolutionär" mißversteht, in der Wirklichkeit aber nur den Umsturz an sich plant, um mit autoritaristischen Systemen gemeinzumachen, oder eben selbst ein autoritäres Machtgefüge zu ihren Gunsten zu erstellen. Jeder Idealist und jeder faszinierte Naivling ist als nützlicher Idiot willkommen.
      Dennoch bleibt das Thema interessant. Auch für Menschen, die eher lieber in Freiheit zu leben wünschen.
      "Kreise", spontane vor allem, hat es, gerade wenn Menschen noch jung sind, immer viele gegeben. Allgemein in der weiten Weltgeschichte.
      Aber bez. einem Meditations-Unterstützungskreis für "die Jugend", (lechz), rein aus meinem Empfinden heraus steigen in mir höchst interessante Vorurteile empor. Vor-Urteile sind notwendig, und eine Mischung aus Erfahrung und der Witterung des Instinktes. Sie sind nicht immer krottenfalsch. Manche bedürfen einer intensiven Korrektur durch differenzierte Nachforschung... andre Vorurteile bestätigen sich unter dem Aufseufzen des "leider ist es so... wie .." Naja. Schaumerma..
      mischa

      Löschen
    11. Das, was in steineri(j)anistischer und steineri(j)anischer Terminologie (Indijaner? hmmm, Indianer, aha!) als "republikanisch" verwortet ist, ist wohl die gängige Praxis der https://de.wikipedia.org/wiki/Repr%C3%A4sentative_Demokratie sogenannten "Repräsentativen Demokratie".

      Schon früh in den 70ern hat Heiner Geißler sich gegen vermehrte Volksentscheide, (und Pöbliszite) ausgesprochen, weil da die Otto Christa Meier Normalverbraucher, grad wenn die Zeiten schlechter werden, rasch wieder die Todesstrafe wieder einführen würden. (By the way, "Abschaffung der Todesstrafe" ist ein Mosaik in einen spannenden, aber ziemlich verschüttet gegang'nem philosophischen Gedankengebäude, aber entscheidend ist, was "hinten" rauskommt: Nämlich bei einem Fehlurteil kann ein Verurteilter wieder 'raus aus dem Knast, ein Hingerichteter nicht mehr reanimiert werden. Das ist die praktische Seite an der Abgeschafften Todesstrafe für die Kunden der Justiz, nicht aber deren philosophischer Hintergrund.)

      Die Vorteile einer repräsentaiven Demokratie, Steiner würde dazu wohl "republikanisches System" sagen, oder? ... werden denjenigen, die gerne weiterhin in einer freien Welt leben würden und sich nicht so umgewöhnen könnten, wenn die Gauland und Höcke "Regierung" spielen würden, im Augenblick stärker zu schätzen wissen.

      Volksentscheide ("demokratisch" nach Steiner?) haben etwas 100% unumkehrbares und erfordern eine rasche und die Komplexität von Themen reduzierende Fragestellung.

      Das, was die Volksverhetzer an Berufspolitikern kritisieren, nämlich deren Wendigkeit und Slalomtaktiken hängt oft damit zusammen, daß die Berufspolitiker mitten in Entscheidungs-Findungs-Prozessen drin sind und sehr oft "auf Sicht fahren" müssen. Es ist eben nicht immer Charakterlosigkeit und Wendehalsigkeit, wenn einmal "demokratisch" gewählte Repräsentanten nun "republikanisch" um Balance ringen. Und nun etwas daraus machen müssen, daß sie gewählt wurden..

      mischa

      Löschen
  2. Hi Tom,

    »I would be very interested in hearing what you may know of this group in the German-speaking Steiner world,«

    Well.
    As I’m sure you know, I am not a member of the AAG.
    But I have friends who are.
    And several years ago, one of those friends not only told me about the existence of the Jugendkreis, but also recommended to read a book by Ernst Lehrs…
    And - believe it or not: I experienced no shock at all! It simply didn’t seem to me that this „Kreis“ did anything "sinister".

    Weiter auf Deutsch, den anderen Lesern zuliebe:

    Irgendwie gelingt es mir bisher noch nicht, mich daran zu stoßen, daß es einen solchen „Kreis“ gibt.
    Was ich auf anthrowiki dazu lese, klingt für mich nicht irgendwie „verwerflich“.

    Es würde mich sehr interessieren, was genau Du (oder Kelly oder sonstwer) diesem „Kreis“ eigentlich vorwirfst.

    Why do you compare the „Kreis“ to the Devil?
    Exactly what "evil things" did they do, in your opinion?

    Herzlich,
    Ingrid

    AntwortenLöschen
  3. Hi Ingrid,
    I know no more about the Kreis than you do, but here are comments on the Anthropopper thread from two people about what they feel are problems with the Kreis:

    https://anthropopper.wordpress.com/2017/01/09/an-open-letter-to-frank-thomas-smith/comment-page-2/#comment-2758

    I would say it better this way: all non-Kreis members I spoke with said that the problems with the Kreis members were always connected either with non-Kreis members being directly financially dependent on the institutions where the Kreis members were in charge (including signing the paychecks), or else the Kreis members in charge made decisions that directly affected the financial investment or stake that non-Kreis members held in various institutions or initiatives involving the whole community.

    https://anthropopper.wordpress.com/2017/01/09/an-open-letter-to-frank-thomas-smith/comment-page-2/#comment-2764

    The Circle was indeed filled with Jews who, in fact, did run things around Waldorf schools and teacher training institutes. They also had the habit of “inviting” rich donors into the Circle though they weren’t very experienced with Anthroposophy and the rules were broken in their manner of entering the Circle. I saw this happen in America and Europe.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Thank you Anon for linking to the Anthropopper thread because that's where I had introduced the topic on January 14 and now Michael has asked me to summarize my comments on Anthropopper to create a guest blog here on Egoisten. It will take a few days before I can put it together.

      By the way, Ingrid, the first person Anon quotes above is me. The second one is a from Douglas Gabriel, who has been a Kreis member for 35 years now and is a good friend of mine and I have nicknamed him "Deep Larynx" because he is the "whistleblower" on the inside of the Circle and he is more than willing now to "spill the beans" about it because it has festered as a tumor for so long in so many anthroposophical and Waldorf institutions.

      Herzlich,

      Tom

      Löschen
    2. Hi Tom,

      I will patiently wait for you to put together what you have to report.
      As yet, I confess it sounds to me like a heap of bullshit — similar to your "translation" (which has been corrected by Jeremy Smith):

      Ernst Lehrs:
      »„Freiheit opfern um einer höheren Freiheit willen”, hat Rudolf Steiner einmal als ein Motto für geistig verpflichtendes menschliches Zusammenwirken ausgesprochen. Ohne dieses ist eine wahre Republik, oder, wie wir nun auch vielleicht wagen können sie zu nennen, eine rechte Aristo-Demokratie nicht möglich.«
      —————–
      Tom Mellett:
      »“To sacrifice freedom for the sake of a higher freedom,” is what Rudolf Steiner once spoke as a motto expressing a spiritually committed human collaboration. Without this, a true republic, or, as we may perhaps dare to call it, a Rightist Aristo-Democracy, is not possible.«

      Hallo Tom,

      ich werde geduldig warten, bis Du zusammenstellst, was Du zu berichten hast.
      Ich gestehe: bisher klingt es für mich nach einem Haufen Bullshit — ähnlich Deiner (inzwischen von Jeremy Smith korrigierten) „Übersetzung“ (s.o.).

      Herzlich,
      Ingrid

      Löschen
    3. @ Ingrid, @ Tom

      Ich verfolge das Thema mit Interesse. Habe aber keine Vorkenntnisse in Sache "Jugendkreis-Geheimgesellschaften".

      Zur Übersetzung des obigen Textabschnittes von Ernst Lehrs:

      Ich habe den Originaltext versuchsweise in die Google-Übersetzung eingegeben. Das Ergebnis hat exakt übereingestimmt mit der Übersetzung von Mellett. Diese Übersetzung dürfte schon ziemlich korrekt sein. Die Übersetzung des Wortes "rightist" (zur rechten Seite im politischen Sinne) kann nicht als sprachlich fehlerhaft betrachtet werden. Könnte aber aus inhaltlichen Gründen korrigiert werden. Das Wort "truly" wäre vermutlich eine angemessenere Übersetzung.

      "Wie üblich gezielt irreführend, höchst bösartig, gezieltes verdrehen von Sätzen, Stänkerer oder Agitator"

      So werden Tom Mellett und seine Tätigkeit bei den Anthropoppers beschrieben. Bösartigkeit würde ich hier, soweit ich das einschätzen kann, eher bei den Kommentatoren Jeremy Smith und Ottmar sehen:

      "…mischief-making and highly malicious as usual…"

      "…But that is typical for those stirrers, take a look at a text of 5 pages, search for incriminating phases and if you dont find such a phrase, well then create one of your own and disguise it as a translation…"

      https://anthropopper.wordpress.com/2017/01/09/an-open-letter-to-frank-thomas-smith/comment-page-2/#comment-2762

      Auch die Bezeichnung einen "Haufen Bullshit" würde ich nicht gerade als eine Einladung sehen für weiteren Beiträge Melletts. Vielleicht fasst er das aber nicht so auf. Er ist manchmal auch nicht gerade zimperlich in seine Aussprachen.

      Ich freue mich aber auf seinen Bericht.

      Löschen
    4. @ Bobby,

      also, ich „kenne“ Tom schon lang und bin überzeugt, er kann selbst gut genug Deutsch, um eine Stelle im Zusammenhang zu begreifen und daher sinnentstellende Fehler in einer google-Übersetzung nicht übernehmen zu müssen.

      :-) Zudem habe ich bisher den Eindruck gewonnen, die Rolle des agent provocateur macht ihm großen Spaß, ebenso wie das mischief-making

      Ich lasse mich gern eines Besseren belehren — solange aber keinerlei Belege vorgelegt werden, bleibe ich bei dem, was ich gesagt habe: bisher klingt das alles für mich sehr nach Bullshit im Sinne Frankfurts (Dem Bullshitter kommt es auf Beachtung an, das "Material" ist ihm fast egal – es können Halbwahrheiten, Gerüchte, abgestandene Vorurteile sein. Was zählt, ist lediglich das Erregungspotenzial, denn er will die Empfänger in erster Linie beeindrucken oder agitieren.).

      Herzlich,
      Ingrid

      Löschen
    5. Liebe Ingrid,

      "…:-) Zudem habe ich bisher den Eindruck gewonnen, die Rolle des agent provocateur macht ihm großen Spaß, ebenso wie das mischief-making…"

      Das mag sein. Mit der Freude an der Provokation ist Tom Mellett in der Tat bestens vertraut. Er wird mit Sicherheit auch seine Gründe dafür haben.

      Zur Klarstellung: Ich "kenne" Tom nicht gut, würde aber definitiv nie auf die Idee kommen ihn in die gleichen Ecke zu stellen mit den faschistoiden Bullshitter des heutigen postfaktischen Zeitalters. Die gezielt das Verhältnis von Lüge zur Wahrheit verstellen. An der Stelle der Wahrheit des Erkennens stellen sie rücksichtlos gelogene und fanatisch befolgte Glaubensinhalte fanatischer Prägung. Unter Negierung jegliches Wahrheitsgehaltes.

      Warten wir ab was er in der Sache einbringt.

      Herzlich,
      bobby

      Löschen
    6. Lieber Bobby,

      ich setze Bullshit nicht gleich mit „faschistoid“ – das tut meines Wissens auch Harry Frankfurt nicht. Er sagt (zitiert nach diesem Artikel):

      »„Jeder kennt Bullshit. Jeder trägt sein Scherflein dazu bei.“ Damit sind wir für Frankfurt schlichtweg alle „Bullshitter“ (und Bullshitterinnen, um der Sache gerecht zu werden) und mehr als nur peripher in diese Problematik involviert. Für Frankfurt ist das Problem demnach tieferreichend und in jedem Einzelnen zu finden.
      Die moderne Gesellschaft ist geradezu in all ihren Bereichen auf „Bullshit“ ausgerichtet und nicht nur eine bestimmte Gruppe ist davon betroffen: In der heutigen Zeit werden die Menschen nahezu genötigt, über jedes Thema oder Problem eine Meinung bereitzustellen. Deshalb sei Bullshit „immer dann unvermeidbar, wenn die Umstände Menschen dazu zwingen, über Dinge zu reden, von denen sie nichts verstehen“. Um dieser Erwartung gerecht zu werden, haben sich die Mitglieder der „New-Media“-Gesellschaften eine tiefe Kompetenz im Produzieren von Bullshit angeeignet.«

      In diesem Sinne meinte ich es --- und auch im Sinne des von mir im letzten Kommentar zitierten Satzes.

      Herzlich,
      Ingrid

      Löschen
    7. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

      Löschen
    8. Liebe Ingrid,

      Ich danke für den mir unbekannten aber interessanten und scharfsinnigen Artikel, wo der Verfasser Bezug nimmt auf die sich immer schneller verändernde gesellschaftliche und mediale Welt. Es stellt sich dabei die Frage wer da noch mithalten kann. Die multimedialen Möglichkeiten aber auch Anforderungen, sie ändern sich in atemberaubender Geschwindigkeit, sind das eine. Aber auch die gesellschaftlichen Bindungen, sie haben immer zu einer gefühlten Geborgenheit der Einzelnen beigetragen, sind ebenfalls dabei sich immer mehr aufzulösen. Damit verbundenen ist der inneren Verlust an menschliche Orientierung, an Werten, Wissen aber auch soziale Bindungen. Wahrheit kommt den Menschen nicht mehr entgegen als etwas Gegebenes und wer sich nicht aktiv darum bemüht fällt wörtlich ins "Vakuum der Orientierungslosigkeit".

      "Deshalb sei Bullshit immer dann unvermeidbar, wenn die Umstände Menschen dazu zwingen, über Dinge zu reden, von denen sie nichts verstehen… Man wird nicht nur gleichsam jederzeit genötigt eine Meinung zu haben, sondern man hat auch angesichts der neuen Medien eine schier unendliche Anzahl an Möglichkeiten, die eigene Meinung im rechten Licht darzustellen".

      Vielen fühlen sich damit überfordert und resignieren angesichts der manchmal mühsamen Weg des Suchens nach inneren und aktiven Bewusstseinsbildung. Sie können dadurch zu einem leichten Opfer moderner Manipulierbarkeit aktueller Machthaber werden. Das habe ich gemeint mit heutiger faschistoiden Tendenzen moderner Bullshitter. Ich denke diese Gefahr ist sehr real und überall sichtbar.

      Auch für Frankfurt ist das Problem des Bullshits, in 2005 schon eine Gefahrenquelle dessen übermäßige Produktion erst heute tieferreichend und in jedem Einzelnen zu finden ist, zu den auffälligsten Merkmalen unserer Gesellschaft geworden.

      Herzlich
      bobby

      Löschen
    9. Lieber Bobby,

      »Wahrheit kommt den Menschen nicht mehr entgegen als etwas Gegebenes und wer sich nicht aktiv darum bemüht fällt wörtlich ins "Vakuum der Orientierungslosigkeit".«

      Ja.
      In seiner Schrift „Die Stufen der höheren Erkenntnis“ (SKA 7; GA 12, S 33f) macht Rudolf Steiner darauf aufmerksam, daß »aus einem wüsten Fühlen und Wollen die Irrtümer, Täuschungen und Phantastereien über eine höhere Welt« entspringen, und leitet den Leser daher dazu an, »seine Gefühle und seine Willensimpulse zu gesund-fruchtbaren für die Inspiration zu machen.«
      Zuallererst geht es dabei um die Entwicklung eines „Wahrheitsgefühls“:
      »Ganz systematisch muß der Geheimschüler die Aufmerksamkeit auf sein Seelenleben lenken: und er muß es dahin bringen, daß ihm das logisch Unrichtige eine Quelle des Schmerzes wird, der durchaus nicht hinter einem physischen Schmerze zurückbleibt; und in umgekehrter Art muß ihm das «Richtige» wirkliche Freude oder Lust bereiten. Wo also ein anderer nur seinen Verstand, seine Urteilskraft in Bewegung bringt, muß der Geheimschüler lernen, die ganze Stufenfolge von Gefühlen, vom Schmerz bis zum Enthusiasmus, von der wehevollen Spannung bis zur entzückenden Lösung im Besitz der Wahrheit zu durchleben.«

      Ein solches „Wahrheitsgefühl“ täte uns heute not...

      Dabei übersieht Steiner nicht, wie leicht »der Mensch im Anfange einer solchen Schulung in das verfallen kann, was man «Überempfindlichkeit» nennen mag«:
      »Ein Fehler ist in jedem Falle gemacht, wo der Geheimschüler zu einem Gegensatze gegenüber der Außenwelt gebracht wird, so daß er diese unerträglich findet oder gar aus ihr fliehen will. […] Die praktische Geheimschulung weist daher den Menschen an, niemals die obengenannten Übungen zur Schulung seiner Gefühlswelt zu unternehmen, ohne sich zugleich auch nach der Richtung zu entwickeln, daß er ein Verständnis dafür gewinnen könne, was das Leben an Toleranzempfindung von dem Menschen fordert. Er muß zugleich in sich den lebendigsten Schmerz empfinden können, wenn zum Beispiel ein Mensch ein unrichtiges Urteil abgibt, und vollkommen tolerant sein können gegen diesen Menschen, weil der Gedanke in der Seele ebenso lebhaft da ist: dieser Mensch muß so urteilen, und es ist mit seinem Urteile wie mit einer Tatsache zu rechnen.«

      Auch eine derartige „Toleranzempfindung“ würde uns heute nicht schaden.

      Herzlich,
      Ingrid

      Löschen
    10. "Bullshit"

      Immer schön eloquent, avantgardistisch, weltgewandt, belesen, akademischen oder pseudoakademischen Eindruck erweckend, wo ist postfaktisch da auch der Unterschied? Gespräche über nichts Geringeres als Sch...

      Wie auch immer, bullshit ist, zumindest in frischem, d.h. auch erst kürzlich in anthroposophische Gewande gehüllten Zustande, braun.
      Messerscharf wird also geschlossen, bullshit gäbe es deswegen nur im weltanschaulich politischen braunen Umfeld.
      Schon eine wahrhaft bemerkenswerte Erkenntnis, dass aller bullshit braun ist (nach bobby nur faschistoid) weil - und das ist Fakt- alles Braune bullshit ist.
      Ungeheuer befreiend muss das wirken, denn da wir ja alle nicht braun sind, sind wir gar nicht in der Lage bullshit zu produzieren.
      Moment mal, wozu aber dann die Diskussion, wie man die Produktion von bullshit vermeiden könnte? Wenn es doch ausreicht nicht braun zu sein oder zu denken?

      Wie auch immer, es scheint so, dass wir da ohne Steiner wohl nie darauf gekommen wären.
      Freue mich auf weitere Kapitel von "Anthroposophie heute", seitens namhafter Steinerjünger.

      Löschen
    11. @ Ingrid

      Liebe Ingrid,

      Danke für die Worte.

      Das Unrichtige und das Richtige als Quelle für Schmerz und Freude oder Lust in ihren unterschiedlichsten Abstufungen im seelischen erleben. Das ist doch nachvollziehbar.

      Das könnte vielleicht auch so verstanden werden, dass beide Polaritäten sich gegenseitig nicht nur ergänzen sondern auch perspektivisch in ihre Wechselwirkung notwendig definieren. Das Erlebnis der Freude zur Wahrheit wird umso intensiver sein können je mehr man in der Lage ist auch Unwahrheit in ihren Schmerz zu ergründen und vice versa.

      Solange Wahrheit und Unwahrheit in diesem Sinne als seelische Qualitäten und als Tatsachen unabdingbar miteinander verbunden sind, könnten auch Sinn und Berechtigung der Unwahrheit erkannt werden und für unser Erleben tolerierbar werden.

      Herzlich
      bobby

      Löschen
    12. Klar existiert die Unwahrheit, d.h. es kann sogar keine Wahrheit ohne Unwahrheit geben, aber das ist anthroposophisches Einmaleins.

      Der Irrsinn in der heutigen Welt besteht aber darin, dass sich Menschleins oder Menschleinsgruppen die Deutungshoheit anmassen, welche Unwahrheiten "tolerierbar" sind, und welche hingegen "braun" sind.

      Mit anderen Worten, überall dort, wo unterschiedliche Grade der "Berechtigung" von Unwahrheiten postuliert werden, stinkt es gewaltig.

      Löschen
    13. Es bräuchte eigentlich gar nicht erwähnt zu werden, dass der Gestank noch unerträglicher wird, wenn sich besagte Menschleins - weil sie meinen sie dürften es - anmassen selbst aus Wahrheiten ganz bewusst Unwahrheiten zu machen und umgekehrt.
      Denn die bewusst als Wahrheit in die Welt gesetzte Unwahrheit kann keine Berechtigung haben.
      Bei der bewusst als Unwahrheit in die Welt gesetzte Wahrheit ist es sogar noch komplizierter.

      Löschen
    14. Aber wenn uns das ÜBERICH andere Komplikationen zugetwittert hat als das Ihrige ÜBERICH? Deutungshoheit ? Darum geht es nicht, sondern um eine andere Meinung. Das müssen Sie mal aushalten oder sind Sie demokratiemüde?

      Löschen
    15. "Das Falsche hat den Vorteil, dass man immer darüber schwätzen kann, das Wahre muss gleich genutzt werden, sonst ist es nicht da"

      Goethe, Maximen und Reflexionen. Mein Lieblingszitat zu dem Thema. Wenn man damit etwas ernst macht, haben die meisten "Debatten" kaum noch Sinn, bestenfalls als intellektuelle Zerstreuung.

      Löschen
  4. Ist ein Bullshiter einfach ein Troll (oder ein Pseudo-Troll)?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich denke ein Troll dürfte sich häufig Bullschitts bedienen.
      Was ist denn ein Pseudo-Troll?

      Löschen
    2. Ist Pseudo-Troll/‘trollig‘ vielleicht ein Ehrentitel für Tom?

      Löschen
    3. Frei nach Morgenstern http://www.gedichte.eu/71/morgenstern/wir-fanden-einen-pfad.php Die zur Wahrheit trollen/ trollen allein. Keiner kann des andern/ Wegbruder sein.

      Löschen
    4. Meistersänger Patakrach

      Ich bin der Troll Patakrach,
      ich schlage mich mit Ach und Krach,
      ich stelle euch ganz fies ein Bein
      und schlage euch die Köpfe ein,
      ich bin der furrrchtbare Troll Patakrach !!

      http://www4.in.tum.de/~fleischa/privat/interessen/literatur/eigenes/tlk/gedichte.html

      Löschen
    5. Emily Dickinson, Gedicht 1263

      Sag Wahrheit ganz, doch sag sie schräg –
      Erfolg liegt im Umkreisen
      Zu strahlend tagt der Wahrheit Schock
      Unserem Begreifen
      Wie Blitz durch freundliche Erklärung
      Gelindert wird dem Kind
      Muss Wahrheit sachte blenden
      Sonst würde jeder blind –

      Tell all the truth but tell it slant —
      Success in Circuit lies
      Too bright for our infirm Delight
      The Truth's superb surprise
      As Lightning to the Children eased
      With explanation kind
      The Truth must dazzle gradually
      Or every man be blind —

      Löschen
    6. :-)

      Danke - Thank you!

      Schönen Sonntag,
      Ingrid

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Danke für Ihre Mitarbeit im Blog.

Egoistisch am meisten gelesen: