Rosenkreuzer und der "Golden Dawn". Einige weitere Anmerkungen

Der Golden Dawn war im Ursprung etwas wie eine Schnittmenge zwischen englischer Freimaurerei , Theosophie und rein magischen Ritualen. Aus diesem "Orden" entsprangen um die vorletzte Jahrhundertwende unzählige Ableger, als wäre die Büchse der Pandora geöffnet worden. Dazu gehörten der O.T.O von Reuss und später Aleister Crowley, die Stella Matutina, eine rein magisch wirkende Ordensverbindung, aber auch die eher traditionellen Formen eines A.E. Waite: "In den Streitereien im Golden Dawn um 1900 herum nahm Waite Partei für die rebellierende Fraktion, deren Wortführer er mit der Absicht wurde, die Leitung des gesamten Ordens zu übernehmen. Als dieses Unternehmen scheiterte, trat Waite 1903 aus dem Golden Dawn aus und gründete mit seiner Fraktion eine eigene Organisation, den Independent and Rectified Rite of the Golden Dawn, der die meisten magischen Inhalte des ursprünglichen Ordens verwarf, um sie durch christosophische Betrachtungen, die er mit kabbalistischen Ideen ergänzte, zu ersetzen. Mit diesen Arbeiten beabsichtigte er die Verbindung zwischen den klassischen Geheimlehren und dem Christentum aufzuzeigen."

Für Anthroposophen ist daran besonders interessant, dass Rudolf Steiner um 1905 (bis 1914) ebenfalls versuchte, in seine interne esoterische Schulung rituelle Handlungen im Sinne der Freimaurerei zu integrieren. Zu diesem Zwecke erwarb er eine Art Lizenz von Reuss, dem er persönlich nicht im geringsten traute, mit dem er aber nicht das geringste zu tun haben gedachte, da es sich um eine exklusive Schulungseinheit nur für fortgeschrittene Theosophen handelte, im Kern aber auch um eine Wiederbelebung uralter freimaurerischer Rituale*. Steiner hatte die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht, da einerseits Reuss behauptete, Steiner sei Mitglied des O.T.O. Diese in die Welt gesetzte Lüge wird bis heute tradiert, obwohl sie immer wieder widerlegt worden ist. Außerdem weckte Rudolf Steiner die Begehrlichkeiten der Führer der Stella Matutina, die, selbst unfähig dazu, die neu entwickelten Rituale Steiners für ihre eigenen höheren Grade benutzen wollten. Der damalige Leiter der Stella Matutina schickte dazu seinen Vertreter Meakin zu Steiner, kam aber später auch selbst, und behauptete, er sei von Steiner "eingeweiht" worden und habe die Rituale erhalten. A.E. Waite und andere glaubten ihm kein Wort, da Felkin oft übertrieb und fantasierte. A.E. Waite suchte später in London Rudolf Steiner auf und bekam bestätigt, dass Felkin und Meakin nichts Relevantes bei ihren kurzen Besuchen erhalten hätten. Dennoch wurde auch diese Legende vielfach in der magischen Literatur so weiter tradiert, als hätte Steiner höhere magische Grade im Sinne der Stella Matutina initiiert.

Zurück zum Golden Dawn, der von Westcott begründet wurde: "William Wynn Westcott (1848–1925), physician, coroner and magician, listed among his recreations ‘Freemasonry’ – by which he meant not the mainstream craft, but the many odd Rites and Orders that flourished in late Victorian Britain. Westcott was active in most of them, including the Swedenborgian Rite of Freemasonry, of which Kenneth MacKenzie was the Grand Secretary. (..) In Westcott’s day, almost every occultist (if a man) was also a freemason and a member of the Masonic Rosicrucian Society, the Societas Rosicruciana in Anglia. But that was essentially a study society with a series of simple graded ceremonies."(Quelle: Revelations of the Golden Dawn by R.A. Gilbert)
Zu Westcott Zeiten (Mitte des 19. Jahrhunderts) war also praktisch jeder Okkultist Freimaurer, und jeder Freimaurer sah sich in der Tradition von Christian Rosenkreutz. Auch die magischen Rituale, die Westcott entwickelte - meist nach frei erfundenen angeblich alten Dokumenten- und die später von Samuel Mathers in Form und Gestalt gebracht wurde, bezeichnete man als "rosenkreuzerisch". Der Golden Dawn, 1888 gegründet, "appealed to esoterically-minded freemasons, most of whom were already members of the Societas Rosicruciana in Anglia, the one extant Rosicrucian body." (dito) Das bedeutet, dass der Golden Dawn die Formen der Freimaurerei zu eigenen "esoterischen" Zwecken variierte, was allerdings noch eine andere Quelle mit einbezog, nämlich den berühmten Magier Levi: "He had been for many years in communication with prominent British and Foreign Adepts, and he had enjoyed ample access to the writing of Eliphaz Lévi."
Nach und nach wurde der Golden Dawn vom Zweiten im Bunde, dem schillernden und dominanten Samuel Mathers, übernommen, der vor allem seine Frau Mina als ihm höriges Medium benutzte. Mathers behauptete stets, im Kontakt mit im Verborgenen wirkenden "Meistern" zu stehen, und prägte Rituale und Ausrichtung des Golden Dawn ganz maßgeblich. Die Ausbeutung von Frauen (manchmal auch Männern) als Medien, später auch explizit in rituellen sexuellen Akten (sowohl im O.T.O als auch in sämtlichen Aktivitäten Aleister Crowleys), bestimmte die "Erkenntnisquellen" dieser Logen. Diese trübe Quelle ist seitdem immer wieder aufgegriffen worden, von satanistischen Gruppen in Kalifornien der 1960er bis hin zu aktuellen "tantrischen" Methoden.

Schon Madame Blavatsky hatte in den frühen Jahren der Gründung des Golden Dawn Bedenken: "Many members, including those from masonic circles, were also theosophists and Mme Blavatsky viewed the growth of the new Order with some alarm, believing that it would siphon off those of her own members with a penchant for practical occultism." (R.A. Gilbert) Westcott selbst war zugleich Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Tatsächlich hatte der Golden Dawn seine Blütezeit kurz vor der Jahrhundertwende: "By the end of 1896 the Golden Dawn had some 300 members, of whom less than one-third progressed to the Inner Order, while even fewer played an active role within it." (dito)
Danach begann die Zersplitterung, teils wegen Streitigkeiten mit dem aggressiven, größenwahnsinnigen und nicht selten alkoholisierten Mathers, der sich in der Folge immer stärker auf Aleister Crowley einließ, teils wegen in der Boulevard- Presse lancierten Skandalen, die sexuelle Eskapaden und Betrügereien einzelner Mitglieder des Golden Dawn ausschlachteten. Das war die Ursache für eine vielfältige Zersplitterung, wobei die Stella Matutina eine führende Rolle gerade in die magisch- mediale Richtung nahm.

Daher ist es so schwer zu begreifen, dass Judith von Halle - ausgerechnet eine Anthroposophin - im Epilog ihres letzten Buches Anna Katharina Emmerick. Eine Rehabilitation (Verlag für Anthroposophie, Dornach 2013) diese Logen und ihre Repräsentanten verklärt und behauptet, Rudolf Steiner sei in den "ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts geheimer Großmeister aller in London bestehenden Rosenkreuzer- Logen" gewesen. Denn die "rosenkreuzerische Initiation" in den Ritualien des Golden Dawn hatten im zweiten Grad eine mehr als üblen Charakter: "The ‘Ceremony of the 5 = 6 Grade of Adeptus Minor’ was quite unlike anything that the candidate had experienced before. It was a second initiation, not a mere progression, and it involved the symbolic death and resurrection of the candidate. For the first of its three parts, or Points, the candidate was symbolically bound upon the ‘Cross of Suffering’ and there took his Obligation – which was a far more awe-inspiring affair than that of the Neophyte; it bound the adept to strict secrecy and to the dedicated practice of magic and occult study; all in the presence of ‘the Divine One, and of the Great Avenging Angel HUA’. The legend of Christian Rosencreutz was then related to him, as far as the discovery of his tomb – at which point a curtain was drawn back and the door of a seven-sided vault was revealed. " (R.A. Gilbert) Diese Rituale sind übrigens seit langem frei zugänglich und auf dem Buchmarkt verfügbar. Es war damit intendiert, medial- rituell "human interaction with superhuman beings" (dito) zu erreichen.

Insbesondere Felkin steigerte in seiner Stella Matutina die magischen Rituale noch weiter durch das Herbeirufen von Kräften, indem er die Initiation des Christian Rosenkreutz imitierte: "Dr R.W. Felkin, who was a member of the group, saw it in a favourable light. Its objects were, he said: to concentrate forces of growth, progress and purification, every Sunday at noon, and the progress was 1st, the formulation of the twelve workers near but not in 36 [Blythe Road]; 2nd Formulation round London; 3rd Formulation round the Earth; 4th Formulation among the Constellations. Then gradually reverse the process, bringing the quintessence of the greater forces to the lesser. The process was to take about an hour. Nonetheless, however noble their intent, such practices proved disruptive and led to increasing dissension in the post-Mathers era. They eventually led to a complete rift between the mystics and the magicians who made up the Golden Dawn." (dito)

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*Siehe dazu Wiesberger, Rudolf Steiners esoterische Lehrtätigkeit. Wahrhaftigkeit - Kontinuität - Neugestaltung



Kommentare

  1. Das ist ja eine gründliche Arbeit! Jetzt würde mich interessieren den Vergleich mit dem Buch von Rex Raab aus 1993 über Edith Maryon, wo er auch den Stella Matutina und ihre Verwantschaft damit zur Sprache bringt. Und dann dieser Grand Secretary Kenneth MacKenzie, ist er in der Tat geheiratet mit Hester Millicent Mackenzie? Siehe auch hier.

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    1. Rex Raab liegt hier, aber noch nicht bearbeitet.

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    2. Es ist mir inzwischen klar dass Kenneth R.H. Mackenzie (1833-1886) nicht der Mann von Hester Millicent Mackenzie (1863-1942) gewesen sein kann. Auch wahrscheinlich nicht ihrer Vater, weil er erst 1872 geheiratet hat, obwohl weiter von Hester H. Mackenzie wenig frühe Lebensdaten bekannt sind.

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  2. Für Anthroposophen ist auch interessant, dass in dem Periode 1909-1912 mehrere spätere Englische Anthroposophen zum Stella Matutina gehörten, nicht nur Edith Maryon. Dazu die schon genannte und von Steiner sehr geschätzte Hester Millicent Mackenzie, die von grossen Wert wurde für seinen Pädagogischen Impuls in Gross-Brittannien. Ein Text von Kelly Page, datiert dem 8. März dieses Jahres, ‘First Female Professor Appointed in the Largest Coal Port in the World’, beschreibt kurz und prägnant ihr Leben und Anliegen. Man fragt sich, wie ein solcher Mensch einige Jahre einen Orden zugehörte, die im einen solchen schlechten Ruf steht. War diese Ordenstätigkeit wirklich so schlimm, wie immer behauptet wird? Oder sind auch noch andere Interpretationen möglich? Vielleicht gilt es nur dem Goldenen Dawn, und nicht dem Stella Matutina?
    Wie von innen her wurde von ‘Sinceraus Renatus’ auf einem schwedischen Blog über diesen Themen am 14. Mai 2009 den Text ‘Rudolf Steiner and the Golden Dawn’ veröffentlicht, worin versucht wird das Verhältnis Rudolf Steiner-Golden Dawn-Stella Matutina aufzuhellen. Es kann auch aufschlussreich sein, diesen ausführlichen Artikel zu lesen.

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    1. Sicher, GD und Stella Matutina gingen aus der Theosophie heraus, und es gab viele Überschneidungen. Sicherlich wurden Zeremonien gesucht, um direktere geistige "Erfahrungen" zu machen. Nicht jeder hat erkannt, was für ehrgeizige Personen (Reuss, Felkin, Mathers uvam) da um Einfluss und Macht rangen. Der Claim auf Steiner entstand meiner Meinung nach nur, um Felkin einen Zugang zu einem "Meister" behaupten zu lassen, weil dadurch seine (Felkins) Macht gefestigt worden wäre. Die ganzen Behauptungen um von Steiner gegebene Rituale und "Einweihungen" halte ich schlicht für erfunden. Waites Resümee war ja dann auch dieses: "In 1914 Rudolf Steiner distanced himself wholly from all Masonic activity such as the M&M, in the aftermath of his breakaway from the Theosophical Society and founding of the rival Anthroposophical Society, and the outbrake of the Great War. He later denounced that he ever had initiated Dr. Felkin and his wife to anything. In his memories, Shadows of Life and Though, A.E. Waite recounted a meeting with Steiner in 1912 where the latter completely denied that he had conferred any grades whatsoever upon either Dr. Felkin or his wife, although he confirmed that the Felkin couple had “witnessed certain things – no matter what they were – of a ceremonial kind”; Steiner clearly distanced himself from Robert Felkin and the Stella Matutina." in: http://gyllenegryningen.blogspot.nl/2009/05/rudolf-steiner-and-golden-dawn.html

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  3. Schon erstaunlich: da schreibt Judith von Halle ein Buch, das 314 Seiten hat - und insgesamt über Anna Katharina Emmerick geht - und sehr lesenswert ist! Auch die ersten 60 Seiten - in der Auseinandersetzung mit Prokofieff - kann man viel lernen. Aber das alles - A.K. Emmerick sowieso nicht - ist kein Thema für Michael Eggert! Die Hauptinhalte des Buches interessieren ihn nicht.
    Eigentlich interessiert er sich nur für die Seiten 302 bis 307. Sonst habe ich noch nichts von ihm gehört bezüglich des Buches. Genaugenommen interessiert sich Herr Eggert ja sogar nur für Seite 303, in der die Stelle Matutina bzw. der Hermetic Oder of the Golden Dawn kurz erwähnt wird. Und auch Felkin bzw. Meakin. Das ganze ist recht nüchtern gehalten - und kurz, rein informativ - bei Judith von Halle. Und Eggert behauptet nun, daß Judith von Halle die Logen und ihre Repräsentanten verklären würde. Davon steht in meiner Ausgabe nichts! Jedenfalls fand ich - beim nochmaligen Lesen vor einigen Minuten - nichts, was darauf hindeutet! Das einzige, was Eggert richtig sagt - und was auch in dem Buch von JvH steht - das ist, daß R.Steiner seit den ersten Jahren des 20. Jh. geheimer Großmeister aller in London bestehenden Rosenkreuzer-Logen war. Und über deren leitende Mitglieder kam er erst dadurch in nennenswerten Kontakt zu den führenden Mitgliedern der Theosophischen Gesellschaft. Ansonsten zitiert JvH Rudolf Steiner - und dessen eigene Äußerung über Felkin. Und beschreibt den Zusammenhang zu Edith Maryon (auf der nächsten Seite - samt deren Schreiben an R.Steiner) Und Meakin ist nur interessant, da er stigmatisiert war. Sonst wäre er in dem Buch sicherlich nicht erwähnt worden. Und nur dadurch ist Edith Maryon interessant geworden, da diese in engem Kontakt zum stigmatisierten Meakin stand. Und das Thema Stigmatisation ist nunmal der Kern des Buches - im Zusammenhang mit A.K.E. Deine Recherchen mögen interessant sein - treffen aber keinesfalls die Thematik des Buches - und die Unterstellungen an JvH in diesem Zusammenhang sind einfach lächerlich. (erst hieß es, JvH sei die wiederverkörperte Maryon, und deshalb sei sie unseriös, da sie ja im "Golden Dawn" mitgemacht habe. Dann hieß es, JvH sei doch nicht die wiederverkörperte E. Maryon, aber sie würde E. Maryon immer wieder erwähnen, um sich selbst den Touch zu erschleichen, sie sei die Maryon gewesen, ständig gibt es neue Unterstellungen und Theorien...- und man geht halt am Kern von allem vorbei. Bewußt - denn der taugt nicht zur Diffamierung und Vernichtung von Judith von Halle!

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    2. Echt? Sowas macht Heisterkamp? Das wäre doch so, wie wenn man Oskar Lafontaine angestellt hätte, um über die Politik der CSU zu berichten - oder Theo Weigl, um uns über die Inhalte der Politik von Sahra Wagenknecht zu informieren.

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    3. Hi Wolfgang,
      tut mir leid dass du meinst, es gäbe hier "immer neue Theorien". Wir sind doch nur freilassend in Bezug auf etwas so individuelles wie der Wiederverkörperung. Was sollte man auch bezwecken mit irgendwelchen Zuweisungen? Man kann sich auch fragen, wozu der ganze Selbstfindungkram da ist, und die Anthroposophie im Speziellen. Ich habe immer als sehr angenehm erlebt, dass hier die Anhaftungen fehlen, man kann sich relativ sicher sein, dass keiner versucht eigene Vorstellungen zu übertragen, aber das Feedback der Anderen muss dazu ja auch sein.
      Wieso stört dich, was Herr Heisterkamp tut?
      Was ist der Kern von allem, deiner Meinung nach?

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  4. Zitat Gastkemper

    "Das ist ja eine gründliche Arbeit! Jetzt würde mich interessieren den Vergleich mit dem Buch von Rex Raab aus 1993 über Edith Maryon, wo er auch den Stella Matutina und ihre Verwantschaft damit zur Sprache bringt. Und dann dieser Grand Secretary Kenneth MacKenzie, ist er in der Tat geheiratet mit Hester Millicent Mackenzie?"

    In mir steigt so allmählich die Gewissheit auf, dass das Studium der "Bunte" erheblich mehr, auch im anthroposophischen Sinne, wenn man dafür ein Gespür hat, hergibt als diese angeblich wissenschaftliche Neugier.

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    1. So? Ich habe viel gelesen in letzter Zeit und finde, es ergibt sich ein stimmiges Bild, wie aus dem theosophischen Komposthaufen diverse Strömungen entsprangen, von denen die anthroposophische nur eine war. Die anderen sind wie Schatten- und zwar lange Schatten, die auch bis in die heutige Zeit reichen. Man muss den Spuren nur nach gehen. Ich bin Frau von Halle sehr dankbar, dass sie unwissentlich solche Forschungslinien anstösst.

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    2. Das sind jene Beiträge, wegen denen ich (als Gast)regelmäßig hier vorbeischaue.
      //
      Wer glaubt, aus den Weisheiten einer oder weniger Persönlichkeiten (Geistes-Ikonen) ein vollständiges, tragfähiges Weltbild schaffen zu können, unterligt seinem eigenen Wahn (und merkt es nicht).
      Unser Schicksal ist es, unser geistiges Sein aus Mosaiksteinchen aufzubauen, immer wieder aufzulösen und von neuem zum Bilde zu verdichten - Neues aufzunehmen, anderes wieder auszuscheiden, mit anderen zu teilen und zu tauschen. Manches auch einfach als Gnade zu empfangen, dadurch gestalten wir das Weltenmosaik mit.

      Und so lang du das nicht hast,
      Dieses: Stirb und Werde!
      Bist du nur ein trüber Gast
      Auf der dunklen Erde.

      Aus 'Selige Sehnsucht' - J.W. Goethe

      Danke für Ihre mühsame Arbeit - danke für dieses weitere Mosaiksteinchen!




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    3. Ja, das mit dem Auflösen und Neugestalten sehe ich auch so, und das ist auch Grund meines Schreibens. Es kann nicht darum gehen, vorhandene Vorstellungen zu tradieren und auszugestalten. Daher kommt es auch vor, dass scheinbar Klares trüb wird und umgekehrt. Ich bereue auch zB meine früheren Artikel über Crowley. Neue Biografien werfen ganz neue Lichter auf eine Person, und es kann kein einheitliches Urteil geben. Aber das Disparate, Widersprüchliche, Bunte ist halt schwer darzustellen. Schon in einer einzigen Person sieht man die Vielfalt von Strömen- zumindest, wenn einmal etwas aufgebrochen worden ist.

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    4. Gibt es neue Gesichtspünkte bezüglich Crowley? Ich bin gespannt...

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    5. Eine neue, fast quälend genaue und chronologische Biografie, die auf Crowleys Tagebüchern fußt und tatsächlich eine neue Einschätzung zulässt. Ich werde sicher diesbezüglich etwas bringen.

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    6. Ich fand die alten Artikel über Crowley gut und aufschlussreich, und freue mich auf die neuen. Bei dem ganzen Thema geht es übrigens auch darum, wie auch wir als Anthroposophen in der Welt stehen und welche Haltung man einnehmen kann zu allen möglichen Leuten. Man soll ja nichts beschönigen und nichts glorifizieren. Aber man muss auch aufpassen, denn viele Haltungen haben wir tatsächlich noch aus dem vorigen und vor-vorigen Jahrhundert tradiert bekommen, der Mensch des 21. Jahrhunderts ist nicht notwendigerweise daran gebunden, nur weil frühere es so sahen. Am Besten geht man von der normalen Spiritualität aus, die ja wohl das Mass vorgeben soll. Hier hat sich doch sehr viel verändert, wie ja auch die ganze Szene rund um die Info3 Leute bezeugt. Es hat die 68-er Generation gegeben, heute gibt es die Grünen und die Piraten, und die Großkirchen machen Vergangenheitsbewältigung. Überhaupt, der heutige Mensch ist viel weniger in spirituelle Systeme eingebettet als früher. Usw usw. Das soll alles keinen Einfluss auf den Themenkreis Crowley haben? Hat es doch. Auch diese haben an Macht verloren, unterliegen sowohl dem heute vorhandenen Grundgesetz, profitieren aber auch davon.

      Auch so eine Geschichte wie das Mysterium von Golgatha könnte heutzutage ja nicht mehr entstehen. Es wirkt von damals her fort.

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  5. ...und am Ende aller Bücher begegnet man einer Art Schwelle, die mich fragt nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner meiner Erkundungsfrüchte, denn um dieses Gespräch geht es, wird es gehen. Alles andere ist unerheblich dann und völlig wertlos, wenn mir hier die Worte fehlen. Und wenn Du der Frau von Halle wirklich!! an entsprechenden Weichen dankbar bist, wirst Du auch sehen können, dass all diese Gleise über die man seine Reisen tätigt einem gemeinsamem Plan, einer Ur-Idee entspringen und Lager- und Parteienbildung einem gewissen schwach-Sinn entspringen.

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    1. Klar, sie ist wirklich eine der interessantesten Persönlichkeiten die die Anthroposophie derzeit zu bieten hat.
      Ebenso wie auch einige andere.

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    2. Dass Persönlichkeiten komplex und widersprüchlich sind, ist ein Allgemeinplatz. Man muss aber besenken, dass bei esoterischer Tätigkeit Persönlichkeitsmerkmale die Art des "Schauens" stark beeinflussen, denn man selbst ist dann das Organ der "Wahrnehmung". In dem Mitgeteilten spielen die Persönlichkeitsmerkmale stark hinein, falls die Quelle (man selbst) nicht einen erheblichen Grad des reinen Willens erreicht hat. Dieser Grad ist für einen selbst schwer zu erkennen. Es ist vielleicht das Schwerste überhaupt. Man muss sich vollkommen aus sich heraus ziehen können. Man ist dann auch nicht mehr i. Geringsten "interessant".

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    3. Seltsam - das erste mal, daß Du Werbung für Judith von Halles Schriften machst! Denn genau das ist die Beschreibung ihrer Forschung: sie zieht sich vollkommen aus sich heraus - ist nicht mehr im Geringsten "interessant".
      Während Leute wie Prokofieff - und viele andere Kritiker an JvH - sich häufig der ganz persönlichen Motive für ihre Kritiken gar nicht bewußt sind!

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    4. na, dann aber los und macht euch man auch nicht so interessant ;-)

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  6. "... denn man selbst ist dann das Organ der "Wahrnehmung"."

    Wenn man das mal wirklich denkt, dann sieht man, in welchen Bereich die (")Wissenschaft(") hineingebeten werden sollte, dass sie einen dann wirklich ratlos anschaut, ein Blick, der mir verrät, dass sie auch nicht weiterweiss. Sie wäre ab hier MEIN Begleiter und nicht wie heute noch ich ihr!!
    Die Interessens-Energie muss sich wenden, genau um 180 Grad, in diesem Bild.

    Was ich bei bzw. aus diesen ganzen (")Forschungen(") entnehme, dass jene Persönlichkeiten seinerzeit auch nicht mehr wussten, jede Zeit trägt in ihrer Gegenwärtigkeit das Merkmal des suchenden Findenwollens, den jeweiligen Stand menschlicher Ent-Wick-e-lung. Zu meinen, aus der Vergangenheit für eine aktuelle Gegenwart etwas finden zu können KANN letztlich NUR dazu führen, die Gegenwart womöglich zu übersehen, was andere zukünftig dann wieder aufarbeiten müssen -- ?? Geht das??

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    1. Es reicht nicht nur dies zu denken, man muss es tun und realisieren- der reine Wille muss vollkommen transparent sein, um quasi klar zu sein wie eine wissenschaftliche Linse. Es besteht kein Unterschied zwischen reinem Willen, Denken oder Empfinden- das fällt zusammen, in einer Ganzheit der spirituellen geistigen Wiedergeburt des meditativen Tuns. Der Weg dort hin ist ein Klären und eine Schulung des Willens in einem aktiven, inhaltslosen Kraftakt. Letztlich ist man ganz und gar geistige Aktivität.

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    2. "Es reicht nicht nur dies zu denken,..."

      Das ist natürlich richtig, wenngleich ein Jeglich damit beginnt, es --- zu Denken. Selbst der reine Wille (das Ideal!!) will bedient sein und durch das Denken begänne hier ein Reinheitsimpuls ersten Ranges (im Ideal). Der Wille, als Empfänger solcher Formen, reinigt und klärt sich durch ein denkerisch begleitendes "Wachen" in diesem Sinne, aus dieser Ebene, begleitet man es bis hinein in den Willen, es dem Verwirklichungsstrom eingliedernd.

      Die Einheit von Denken, Fühlen, Wollen liegt ja doch in dem, der Denkt aus seiner Ich-haften Gegenwart heraus, von hier aus auffächernd das, was er impulsiert. Hat man in ihr, seiner/der Einheit etwas wirklich erfasst, kann man auch nicht mehr davon sprechen, "es nur zu denken reicht nicht aus." Dieser Satz käme dann einer Bremse gleich, vielleicht sogar einer Unterlassungssünde :-)

      Alles was sich dem dann anschliesst, wäre ja bereits eine Verwirklichung. Und als ruhendes Bindeglied dazwischen/davor, befruchtete Latenz.

      Wissenschaftliche Begleitung heute, wäre, dies so wach als möglich begleiten zu lernen. Dann verlöre und reduzierte man sich nicht im/aufs Faktensammeln, sondern wäre Faktenschaffender.

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  7. ob schon referiert weiss ich nicht, wohl der muehe wert zu leswen;

    http://gyllenegryningen.blogspot.hu/2009/05/rudolf-steiner-and-golden-dawn.html

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