Seelische Fixierungen und Reflexe

"Man hat einen langen Weg durch viele Zimmer vor sich. Manche sind abgewrackt und wirken wie zerbombt. Das Zimmer, das keine Spiegel hat, ist sicherlich eines der letzten. Wenn man sich selbst betrachtet, ist es, als halte man ein Häufchen Staub in der Hand. Es ist sehr viel schwerer, frei zu werden von den eigenen seelischen Reflexen als vom „linearen Denken“."

Dies ein Hinweis auf einen kleinen neuen Artikel bei den Egoisten. Das Thema ist eine spezielle Problematik vieler Menschen, die sich real und tatsächlich mit innerer Entwicklung beschäftigen, aber gerade angesichts gemachter "Erfahrungen" verstrickt werden in ein inneres Spiegelkabinett. Das Gewicht unmittelbarer Evidenzerlebnisse kann dazu führen, früh auf einer Ebene zu verharren, auf der man mehr die Spiegelungen eigener Erwartungen erfährt.

Kommentare

  1. "Das Gewicht unmittelbarer Evidenzerlebnisse kann dazu führen, früh auf einer Ebene zu verharren, auf der man mehr die Spiegelungen eigener Erwartungen erfährt."

    ... kann ---

    Und weil dem so sein kann, oder man davon gehört hat enthält man sich der Urteile? Eine jede Möglichkeit auf dieser Ebene kann, könnte daneben sein, --- könnte(?)

    Spricht man "Gebilde" an, dann antworten sie und verwirren noch mehr(?) Lügen sie oder sind es meine Schleier? Sind es immer meine Schleier wenn sie "lügen"? Wie bekomme ich es raus?

    Sind die bedächtigen Schweiger in der "Realität" zumeist wirklich die, die in "rechter" Umgebung sich befinden oder ist es nur eine "sichernde" Hülle, die man sich nicht traut zu durchstechen, um diesen Raum zu betreten, in dem man umweht würde von anderen Kräften? Muss man sich nicht diesen "Echos" aussetzen, um Eindrücke zu erhalten, die zu mir sprechen, dann?

    Und immer wieder das Rufen nach der Unterscheidungskraft, dieser Berater an meiner Seite, der mir zunickt oder nicht und ich ihm dennoch nicht zu trauen wage? Wie komme ich da raus? Oder rein? Michaelischer Mut, wie bekomme ich ihn zu spüren? Ist es er, der mich die Unterscheidungsfähigkeit lehrt durch Erfahrung?

    ER zwingt mich nicht, er wartet und schaut mich an, bist Du so weit, wagst Du diesen Schritt oder übst Du noch? Durch ein kleines Wagnis im Vertrauen auf den, der mich erwartet sickert in mich etwas ein, das mir Gewissheit gibt, wenn ich es immer wieder versuche, den gleichen Schritt noch einmal, bewusste Wiederholung im Angesicht meines Tuns. Übung und Tun, diese Zwei(?) Üben zu tun?

    Die stillste Stimme schenkt mir Vertrauen in mein Tun und diese(s) wiederum weitet den Raum der Unterscheidungskraft, die mir die Sicherheit gibt. Sicherheit verwandelt sich in Gewissheit und stärkt mein Vertrauen zur Initiative. Die Zerrbilder richten sich, ihre Stimmen werden ehrlicher, aufrichtiger, sie spiegeln mich, sie richten sich nach mir wie durchlichtete Schatten und werden lebendig(er).

    Aber, es hört nicht auf, weiterzugehen. "Du kannst Dir niemals sicher sein." Der Titel eines meiner besten Filme, die ich gesehen habe. Sicherheit muss Gewissheit werden, das fühlt sich anders an und daran merkt man es, an diesem Unterschied.

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  2. Lieber Michael, danke für diesen Text!

    Und lieber manroe - danke für "Sicherheit muss Gewissheit werden, das fühlt sich anders an und daran merkt man es, an diesem Unterschied."

    Ich denke dabei an den 1. Korintherbrief:

    "Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. … Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich's stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin."

    Und ich denke an Georg Kühlewinds Gedanken zur "Zukunftsvision des Erkennens", dargelegt in seinem (posthum erschienenen) Buch "Melodie und Stille", aus dessen einleitendem Vortrag ich hier ausführlich zitiert habe.

    Solange unser Erkennen noch "diskontinuierlich" ist, stückweise - solange ist es sehr wahrscheinlich, daß wir noch nicht in dem "Zimmer, das keine Spiegel hat" angelangt sind.
    Gewißheit kann erst dann entstehen, wenn wir "von Angesicht zu Angesicht" erkennen - und gleichzeitig erkannt werden.

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  3. Liebe Ingrid,

    ...dies "werdet wie die Kindlein..." NICHT bleibet.

    Magst Du ein wenig was sagen zu Spiegeln?

    Könnte man sagen dass Schatten Spiegeln gleichen? So ein Spiegel kennt keine Zeit und keinen Raum. Er ist absolut offen, frei, ja Wahrheit, aber eben nur als Spiegel. Erkennen in Stücken verläuft ja auch wie in/durch Spiegel(n), weil ich was sehen muss, um zu erkennen und dies in mir als "Echo" sich spiegelt dann, ich füge es zusammen und sehe und erlebe dann das Resultat, das aber wiederum als ein Spiegel erscheint, abstrakt sagt man Begriff dazu. Oder, solange ich noch etwas erkennen wollend sehen muss, zu diesem Zweck, bin ich im Spiegelkabinett gefangen und entschlüpfe ihm durch Erkenntnis, Loch für Loch. Und wenn das Puzzle volständig ist bin ich das neue Kind, wirklich geboren und erwacht, unmittelbar(?)

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  4. zu @manroe

    Jeder Mensch, der ernsthaft um die geistigen Erkenntnisse ringt, erlebt den schweren Moment einer vollkommenen Einsamkeit.

    Selbstverständlichkeiten, die der Mensch bis dahin kannte, helfen ihm überhaupt nicht mehr, um weiter zu kommen. Der Boden, der ihm die feste Standhaftigkeit anbot, kann sie ihm nicht mehr geben. Der Boden wackelt. Zweifel an allen und sich selber, Finsternis, Unsicherheit. Es gibt nichts mehr, was ausser sich selber sein Wesen stützen kann.

    Ob der Mensch diese Schwelle schreiten kann. Ob er den michaelischen Mut ganz aus sich heraus aufbringen kann - das ist die Frage. Wer diesen Mut aufbringt und zu sich selber stehen und an etwas in sich glauben kann, das über das blosse Alltags-Ich hinausgeht, die gähnende Leere und die Angst vor den Fehlern überwinden kann, denn offenbart sich der Christus an der Schwelle als das wahre Ich des Menschen. Steiner hat öfters von "diesem Moment" gesprochen.

    Junko Althaus

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  5. Die vollkommene Einsamkeit, verlusst jeglicher Sicherheit und jeglichen Bodens.
    So habe ich das selbst erlebt.
    Es gab nichts mehr im "aussen" an dem ich mich hätte festhalten können und ich fiel so tief bis ich den Grund meiner selbst erlangt habe.

    Zunächst wollte ich schnell hinauf aber ich stürzte immer wieder zurück in Einsamkeit und Paranoia.

    Bis ich nach langer Zeit und Kämpfen in mir selbst nach und nach wuchs. Den michelischen Mut aufgebracht habe und mich nicht von Rückschlägen und äusseren Einflüssen beirren ließ. Meinen inneren Kern reifen und wachsen lies zu einer ganz neuen, starken und umfassenderen Form des Selbstbewusstseins.

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  6. Ja, aber ich würde das mit der Einsamkeit auch als Phase verstehen. Im Endeffekt löst Einen die meditative Arbeit doch aus der Egozentrik heraus, aus der unbewussten Ich- Bezogenheit. Wenn man die Selbstbilder, Selbsrverteidigungsstrategien und bestimmte Empfindlichkeiten hinter sich lassen kann, ist man jedenfalls ein angenehmerer Zeitgenosse. Und wenn das nicht klappt, dann geht auf Dauer wohl etwas schief.

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  7. ...wenngleich, Michael, der angenehme Zeitgenosse nicht das Ziel sein sollte oder der Hauptratgeber. Wahrheit kann wehtun und Schweigen ist nicht immer Gold. Und jene Einsamkeit hat eigentlich nur damit etwas zu tun, weil man zumeist nicht jeden mitnehmen kann -- und auch nicht sollte, auf allen Ebenen.

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  8. Lieber manroe,

    "Magst Du ein wenig was sagen zu Spiegeln?
    Könnte man sagen dass Schatten Spiegeln gleichen?"


    Ich möchte also ergänzen:

    Ein Spiegelbild ist ja nicht an sich etwas "Schlechtes": der Spiegel gibt ganz getreulich wieder, und läßt mich damit sehen, was er "sieht". Verwirrend wird die Sache erst, wenn ich das Spiegelbild mit etwas anderem verwechsle und nicht bedenke, daß ich selber es bin, was mir hier gespiegelt wird...

    Mit einem Schatten ist es etwas anders. Selbstverständlich werfe auch ich einen Schatten - aber ein Schatten, der von etwas anderem als von mir geworfen wird, gibt mir zunächst doch einen Hinweis darauf, daß da etwas ist. Und je genauer ich weiß, wo dieses Etwas ist, wo die Sonne bzw Lichtquelle ist, ob sie beispielsweise hoch oder tief steht, - desto besser kann ich die Größe und Form dieses "Etwas" einschätzen. Aber auch hier gilt es, den Schatten nicht mit dem wirklichen "Etwas" zu verwechseln - denn ein Schattenbild ist immer nur zweidimensional, bzw wenn es doch dreidimensional erscheint, dann liegt das nicht an der Form des abgebildeten "wirklichen Etwas", sondern an der Form dessen, auf das der Schatten fällt...

    Platons Höhlengleichnis fällt mir ein: um die Wirklichkeit erkennen zu können, müssen wir uns umwenden (das gilt übrigens auch beim Spiegel). Das kann zunächst ein sehr schmerzliches Erlebnis sein, wir werden geblendet, finden uns nicht gleich zurecht... das ist eine schwierige Phase, die bald vorübergeht.
    Aber wir können und wollen nun nicht mehr zurück in den früheren Zustand, und sind zunächst sehr einsam in dieser neuen "Erleuchtung"... das würde bleiben. Wenn wir nicht andere Menschen fänden, die ebenfalls dabei sind, sich "umzuwenden"...

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  9. Liebe Ingrid,

    ich finde dieses Phänomen des Spiegelns so phantastisch. Akustisch das Echo, optisch der Schatten als auch das Spiegelbild. Alles was von mir kommt, "verlässt" mich praktisch nicht, es haftet an mir, es bleibt kleben, äfft mich irgendwie nach oder fixiert mich auf mich selbst. Ich könnte mich wie ein Gefangener erleben. Nur "Dinge" die wirklich stimmen lösen sich von mir, wirkliche Erkenntnisse z.B. oder durchdrungene Erfahrungen. So gesehen, ein Spiegel oder Schatten könnte mir sagen wollen, "Du irrst, wenn Du meinst zu sein, was Du SO siehst." Nehme ich in den inneren Erkenntnisraum hinein, was ich da draussen erlebt habe, so wie ich es (bloss) erlebt habe, wird es mir ebenfals gespiegelt bloss. Belasse ich es dabei setze ich mich selbst gefangen und ergötze mich in meinem Spiegelkabinett, bin ich ein armer Tor. Nur die Lichtquelle, ihre Aktivierung jenseits der Spiegelbilder durchdringt meine "Ansichten". Ich muss meinen eigenen Licht- und Durchdringungsgeber aktivieren, um die Gestalten trügerischen Lichts aufzulösen.

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  10. Das Leben als Stückwerk, patch-work, getrennte Räume, Spiegelräume, Etappen von illusionärem Glück, isoliert, Spiegelung der Erwartungen, angeschaut vom Eigenen, verlassen vom Eigenen – das ist Stückwerk.
    Bis es ganz wird, dies in der Welt sein, ist es mit viel Schmerz verbunden.

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