Beuys revisited

Das große SPIEGEL- Interview mit Joseph Beuys (Peter Brügge) von 1984 ist wieder nach zu lesen. Beuys spricht darin von seinen Bezügen zu Anthroposophie, zu Esoterik, Wiedergeburt und Engeln, aber auch seiner ständigen konkreten Inspiration durch geistige Wesen. 1984 muss das noch viel verstörender gewirkt haben als heute.

Hier ein kleiner Ausschnitt:
"SPIEGEL: Da sehen Sie wohl die nächsten Stufen eines okkulten Weltenplans, wie Rudolf Steiner ihn skizziert hat? Wieweit sind Sie eigentlich selber ein Okkultist?
BEUYS: Das Wort ist ein bißchen fatal. Dabei denken viele heute an Spiritismus und Sekten.
SPIEGEL: Beziehen Sie denn nicht auf dem anthroposophischen Schulungsweg Ideen für Ihre künstlerische Arbeit?
BEUYS: Das ist praktisch alles Schulungsweg.
SPIEGEL: Das heißt aber doch auch okkulte Erkenntnis-Gewinnung aus dem Übersinnlichen.
BEUYS: Ich glaube, wir müssen die Räucherwerk-Atmosphäre da rausbringen. Ich benutze klare Begriffe. Mein Weg, das ist die Arbeit und die Konzentration auf die Arbeit. Vielleicht ist das meine Meditation. Natürlich gibt es nichts Normaleres als die Auseinandersetzung mit der Wahrheit des Bestehenden, der ganzen Wahrheit und Wirklichkeit, nicht nur der Hälfte.
SPIEGEL: Glauben Sie an Wiedergeburt?
BEUYS: Das ist für mich keine Glaubensfrage. Es war mir eigentlich immer klar, daß da nicht irgend etwas plötzlich lebt, ein biologisches Etwas, und dann stirbt, und es geht nicht weiter. Wenn der Geist eine Funktion in der Welt hat, dann gibt es ein Vor- und Nachher. Wenn dieses Grundverhältnis zum Leben bei mir nicht dagewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich nicht zur Anthroposophie gefunden. Es gibt heute sehr viele Denkende, die das so wie ich sehen."

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