Gisela, die Fliege & der Kanonenschuss


Der Novize, der sich einfachen Konzentrationsübungen hingibt, um sich ein wenig zu schulen, macht meistens ähnliche Erfahrungen: Was immer er sucht, es ist nicht zu finden, dafür aber alles Mögliche, was er keinesfalls gesucht hat, was ihn aber von selber findet. So zum Beispiel die Frage, warum Gisela, der er drei Emails geschrieben hat, immer noch nicht geantwortet hat. Hat er irgend etwas falsch gemacht?

Der Novize versucht die Situation von allen Seiten zu betrachten, obwohl er sich gerade auf etwas ganz anderes konzentrieren wollte. Aber der innere Seelenraum lässt ihn nicht frei. Obwohl er die Abschweifungen immer wieder bemerkt und sich gewissermaßen ermannt, standhaft zu sein und bei der Sache zu bleiben. Es fällt ihm aber auf, dass er immer noch nicht genau weiß, wieso die Fliege, die ihn umschwirrt, an senkrechten Glasflächen eigentlich verharren kann. Man weiß es zwar, findet es aber im Grunde genau so unwahrscheinlich wie die Existenz von Erzengeln. Obwohl die Meisten im Zweig sich mit Erzengeln wahrscheinlich viel besser auskennen als mit Fliegen. Ob Fliegen bemerken, dass man sich konzentrieren will und sich extra auf den linken Arm setzen? Vielleicht bemerken sie ja die veränderte Aura. Was für ein Ärger, dass man sich mit diesem Denken herum schlagen muss, das sich einfach nicht fügen will. Andere haben es leichter, oder tun zumindest so. Vielleicht leben die irgendwo, wo es keine Fliegen gibt und keine Giselas.

Dabei hatte der Novize erst neulich bei Rudolf Steiner gelesen, dass die meditative Versenkung so tief sein sollte, dass man nicht einmal zusammen zucken würde, wenn direkt neben einem ein Kanonenschuss abgefeuert werden würde. Wer hat denn heutzutage noch eine Kanone? Steiner war eben doch ein Kind seiner Zeit. Wahrscheinlich hat er in seinen Wiener Kaffeehauszeiten derartig viel mit seinen Kumpanen geschwätzt, dass er den inneren Monolog dabei irgendwie überwunden haben muss. Kanonenschuss! Als ob es in den Kaffeehäusern Kanonen gegeben hätte. Der Novize hört jetzt auf, trinkt einen Kaffee und ruft Gisela an.

Kommentare

  1. Ja, das ist frustrierend, nicht wahr? Dieser blöde Steiner, oder? Da kocht die Wut.

    Versuch doch mal dies: Richte Deine ganze Aufmerksamkeit auf das, was immer dazwischen kommt. Beobachte, welche Gefühle es bei Dir auslöst, gehe ganz in die Empfindungen , durch sie hindurch, da ist die Tiefe, die du suchst, so lässt sich das, was dazwischen kommt auflösen und dahinter schimmert der Friede. Der stille See. Alles, was dazwischen kommt, will gesehen werden. Erlöst werden. Du musst nichs unmögliches erreichen, nur gegenwärtig alles beobachten, was auftaucht. Und das dann im Alltag genauso. Und dann beginnt die Heilung.

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  2. Das ist das Auseinanderbrechen in Welten, die einen schreien Super!, die anderen schauen tiefer. Der Schutzfilm dazwischen, ist das die "Lebenssubstanz" der "Egoisten"?

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  3. Lieber Manroe,

    Du hast mich ermunterd, meine Bildekräfte weiter
    zu pflegen:
    Der Schutzfilm ist ein schwarzer Taucheranzug!
    Und in dem sehe ich Dich jetzt auf der Pyramide sitzen.

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  4. :-) :-) :-)

    @PSSR: Gute Idee, sozusagen den Zwischenraum als „Baumaterial“ zu verwenden... auf diese Idee ist ja schon früher mal einer gekommen...

    Ich hoffe, Gisela hat abgehoben...

    :-) :-) :-)

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  5. Liebe FdA,

    :-)))) kann ich da nur sagen, könntest Du mir bitte mal die Taucherbrille hochreichen?

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  6. ... und der Architekt entfloh
    nach Afri- od Ameriko

    vielleicht ging er auch zurück nach China,
    wo man mit seinen Ideen baute,
    und nicht auf ihn haute.

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  7. Lieber Manroe,
    nein, auf keinen Fall! Taucherbrille und Schwimmflossen behalte ich, weil wir nämlich blad ans Meer fahren.

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  8. also doch Egoisten - FdA

    Ich lasse übrigens zur Zeit einen Sessellift nach hier oben bauen, wenn Du magst schenke ich Dir eine Freikarte, aber nur eine.

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  9. Aber mal zur Ehrenrettung von PSSR und dem, was er ansprach. Stille ist nun mal Stille und die "besteht" aus den Zwischenräumen UND -- hat man das erfasst, wird zwar nicht aus ihr aber durch sie ALLES gebaut, was sich bauen lässt. Geht allerdings nur, wenn man den Bereich des allzu-Sinnlichen transzendiert und als Resultat dann den Blick freihätte dafür, wie man das Sinnliche einzuschätzen hätte. Denn ein guter Architekt baut zumindest IN die Zwischenräume, das macht hinterher eben sein Werk aus, wenn es ein gutes ist.

    Fragt sich jetzt nur noch, WO die "Substanz" denn herkommt, mit und durch die er baut, ist eine wirklich gute Frage.

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  10. Lieber Manroe,
    eine non-return Karte nehme ich auf keinen Fall.
    Warum braucht PSSR eine Ehrenrettung? Er hat ja ganz Recht, mit dem was er sagt.
    Gestern, am späten Nachmittag rollte eine Hagelwelle über meinen Garten und vernichtete ein Meer von Blumen, Früchten und Gemüse. Alles biodynamisch.
    Die Arbeit und Frucht von vielen Monaten wurde in 20 Minuten zunichte gemacht. Das ist Teil der Natur. Wer einen Garten hat, weiß, dass man/frau die Pflanzen liebt und sich jeden Tag freut, wenn wieder etwas ein Stück weitergewachsen oder aufgeblüht ist.
    Ich stand am Fenster und hab zugeschaut und hab nur mehr gedacht - einfach nur weiteratmen.
    Dann habe ich den Artikel von Michael gelesen und mußte HERZHAFT lachen.
    Jetzt richte ich das wieder auf, was ich aufrichten kann und Vieles hat einen Stock nötig.

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  11. Liebe FdA, bei der Freikarte handelt es sich selbstverständlich auch um eine Rückfahrkarte, es geht doch ausschliesslich um Freiheit. Von hier oben sieht man halt so gut, dass alles zwei Seiten hat, alles, aber im wirklichen Sinne von Ursache und Wirkung.

    Und die Ehrenrettung bezog sich auf die Assoziation zu jenem Gartenzaun, aber die kam ja ursächlich von der geschätzten Ingrid.

    Tut mir leid um Deine/Eure(?) schöne Arbeit.

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  12. Lieber PSSR, ich glaube nicht, dass es Michael um Verunglimpfung ging bzw. darum - Steiner nun als böse darzustellen. Vielmehr vermittelt es doch eine sehr menschliche und auch lustige Seite der/seiner Meditatinspraxis.

    Die Mitteilungen DEINER Meditations-Erfahrungen finde ich wiederum auch sehr interessant.

    LG

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  13. „Und die Ehrenrettung bezog sich auf die Assoziation zu jenem Gartenzaun, aber die kam ja ursächlich von der geschätzten Ingrid.“

    :-) Und ich hab jetzt das Gefühl, auch jemandes Ehre retten zu müssen - nämlich die Christian Morgensterns.
    Natürlich ist der „Lattenzaun“ kein „anthroposophisches Gedicht“ (soviel ich weiß, stammt es aus Morgensterns „vor-anthroposophischer“ Zeit - Ihr wißt schon, daß er sowohl Anthroposoph als auch einer der engsten Freunde Rudolf Steiners war?).
    Aber ich möchte es ungern als bloßen Nonsense verstanden wissen; ich finde, es zeigt sehr schön, wieviel die „Latten“ in unserem Leben ohne den „Zwischenraum“ wert sind bzw wären...
    Und obendrein zeigt es uns, ebenso wie Michaels Text, wie befreiend ein herzhaftes Lachen wirken kann! :-)

    Herzlichen Gruß in die Runde,
    Ingrid (gleich wie geschätzt ;-))

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  14. Der Kanonenschuss hat ausgelöst:
    80% Gefallene, einzig die Tomaten haben sich an den Stöcken festgehalten. 50% wieder aufgerichtet, unser Garten ist jetzt ein Garten der Stäbe. Die vorauszusehenden Spätfolgen durch die Einschüsse werden durch das fleißige Wirken der Elementarwesen ganz sicher wieder ausgeglichen. Ich frag mich, wie die Elementarwesen solch ein Ereignis erleben. Auch im Hagel stürmen sie ja heran.
    Michaels Schilderung eines Meditationsversuchs, im richtigen Moment eingetroffen, hat MICH in Meditation gebracht. Nicht ganz, jedoch hat mir diese humorvolle Schilderung des Allermenschlichsten sicher auch geholfen, diese Hagelwelle relativ ausgeglichen zu überstehen. Wiener Kaffeehausweisheiten sollte man/frau niemals unterschätzen!
    Im Haus ist jetzt alles voller Blumen! Die Umgeknickten füllen sämtliche Vasen und die, von denen nur der Kopf übrig blieb, schwimmen in Wasserschalen. :-)

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  15. Oh, das tut mir leid. Sturm ist hier im Rheinland auch, aber ziemlich harmlos. Die Blumen stehen alle noch im Garten.

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  16. Lieber Michael, danke, gestern wars etwas schwierig. Zuzuschauen und diese Ohnmacht zu spüren. Es war auch ein beeindruckendes Schauspiel, alles was Planze und Baum war, war eingebunden in dieses Wellenartige.Vor uns ist nur Natur, keine Häuser, die Welle rollte weit übers Land und bog alles unter sich.
    Ich hab dann auch an die Menschen gedacht, deren EXISTENZ an der Ernte hängt. Welche Verzweiflung und Ausgeliefertheit müssen diese spüren.
    Mir hat es etwas die Freude geschmälert, aber ich bin froh, dass wir mit 50% überlebt haben.
    Gestern sah es schlimmer aus. Es ist noch einiges da (ein bißchen zerfetzt vielleicht). Es wächst hier sehr gut, seit ich mit den Elementarwesen rede.

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  17. Liebe Ingrid,
    ich finde das Gedicht mit dem Gartenzaun wunderbar. Es hat mich gleich zum Dichten inspieriert, weil es mich an das Gedicht des Weisen Laotse erinnert hat.

    Laotse: Tao Te King
    …..................
    …..Dreissig Speichen gehören zu einer Nabe,
    doch erst durch das Nichts in der Mitte
    kann man sie verwenden;
    man formt Ton zu einem Gefäss,
    doch erst durch das Nichts im Innern kann man es benutzen;
    man macht Fenster und Türen für das Haus,
    doch erst durch ihr Nichts in den Öffnungen
    erhält das Haus einen Sinn.

    Somit entsteht Gewinn
    für das, was da ist
    erst durch das, was nicht da ist.
    …...............

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  18. Liebe FdA

    "seit ich mit den Elementarwesen rede."
    Da bekomme ich lange Ohren, magst Du etwas dazu sagen, möglichst anschaulich?

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  19. Lieber Manroe,
    ja sicher ich schreib Dir etwas dazu. Das wird eine kleine Geschichte. Ich muß nur jetzt etwas anderes machen. Seit ich hier im blog bin, gehöre ich auch schon zu denen, die viel zu viel im internet sind.
    Liebe Egoisten,
    bitte habt Geduld, FdA will ich nicht mehr schreiben, weil das klingt wie FdH. Neuer und hoffentlich letzter Versuch: freu(ndin) de(r) an(throposophie) = freudean

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  20. Liebe freudean,

    danke für das „Nichts“-Gedicht!

    Das mit dem Hagel in Deinem Garten tut mir leid - auch ich fühle mich unseren Pflanzen hier sehr verbunden und kann Dir das wirklich nachfühlen.
    Ich wünsch Dir aber viel Freude beim Beobachten der Kraft, mit der viele Pflanzen sich (hoffentlich) wieder erholen werden.
    Und auch ich bin natürlich sehr gespannt auf Deine „kleine Geschichte“!
    Bei der Gelegenheit: kennst Du das?

    Lieben Gruß,
    Ingrid

    P.S.: ;-) Und sag mal: wär (D)ein Vorname wirklich ganz und gar undenkbar als „Unterschrift“?

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  21. Hey P.S.S.R.,
    danke dass du meinen Perikopenblog auf deinem Blog verlinkt hast! Der ist immer noch sehr interessant. Und: Ich würd lieber die ganze Gisela nehmen, als nur so ein Telefongespräch!!!
    Gruß

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  22. Hagel, Blitz und Donner über dem dornacher biologisch-dynamischen Garten?

    Jetzt müsste man können, was ein Kachelmann in diesem Leben nicht mehr lernt: Lesen im Astrallicht des Wettergeschehens ...

    :-)

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  23. Ich nehme an, dass Michael kein Novize mehr ist, in Sachen Meditation. Ich auch nicht. Deswegen meditiere ich auch nicht mehr - jedenfalls nicht so. Und Manfred beschreibt es nocheinmal von einer anderen Seite. Ich versuche es auch nochmal genauer:

    Der Novize sucht Konzentration, Stille. Und er findet Zestreuung durch allerlei Lärm.

    Der Irrtum ist, den Lärm weghaben zu wollen.
    Warum klopft denn Gisela an? Da gibt es unverarbeitete unbewusste Gefühle, die wollen bearbeitet werden, damit sie nicht kränkend in den Körper eingelagert werden. Oder sie steigen aus dem Körper als Traumata auf ins Seelenleben - aus dem gleichen Grund.

    Gisela will wahrgenommen werden, damit sie geheiligt in deinen Körper eintreten kann. Auch die Wut über Steiner will geheiligt werden. Und wenn sie geheiligt ist, wird sie nicht weg sein, sondern ihren Platz in dir gefunden haben.
    (So, wie Christus heilte, indem er mit dem Finger in die Erde einschrieb) Dann wirst Du in den Genuss der Paradoxie kommen: Du wirst zufrieden sein können mit dem Unzufriedensein. Dann stehst du im jauchzenden Leben, und du wirst überströmen vor Dankbarkeit...

    Bei der Fliege ist das aber etwas anderes: Die würde ich wahrscheinlich verjagen. So wie ich vorher auch auf Toilette gehen würde. Oder mich im Sommer in den Schatten setzen würde. Aber auch da könnte man üben, mit dem Unperfekten zufrieden zu sein. Denn das Leben ist von natur aus unperfekt.

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  24. Lieber PSSR, nein, so zu meditieren würde ich auch nicht empfehlen. Es ist eine Groteske. Aber in gewisser Hinsicht - etwa in Bezug auf manche inneren Widersprüche- bleibt man immer Novize, denke ich.

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  25. Liebe Freude-an (oder Ode-An-die ;-)

    Als Gärtner kenne ich solche Katastrophen-Erlebnisse ... Wir haben z. Zt. mehr so eine Regenphase, ein Hagelsturm war nicht dabei, zum Glück..

    Dennoch hat auch der (zu) viele Regen eine Begleiterscheinung, nämlich bei den Edelrosen. Die Blütenblätter bekommen dann den sogen. Blüten-Niederschlag, d.h. sie werden schnell fleckig aufgrund ihrer Empfindlichkeit..
    So müssen wir sie teils schon knospig reinholen, damit man etwas Blütenfreude erhält ... Jedenfalls, aufgrund der zunehmenden Niederschläge in den Sommermonaten (ich schätze mal, wegen der Erderwärmung) - habe ich mehr und mehr robustere Rosen gesetzt, z.B. hübsche Polyantha-Rosen...die Edelrosen sind mir im letzten, sehr strengen Winter z.T. erfroren..

    Ansonsten, ja, erzähl doch mal von deinen Naturgeister-erlebnissen, bin gespannt!

    Unser Garten (1500 qm) wurde mal von einem Sensitiven begutachtet und er sah und empfand da auch sehr, sehr viel. Das ging dann so weit, dass er sogar einen 'Gartenoberen' ausfindig machte und sogar seinen Namen nannte "Horc-Psalto" heißt der (der hat auch angeblich einen Lieblingsplatz, nämlich an einer kleinen Wegkreuzung, neben meiner Pracht-Pfingstrose... ich soll den Platz besonders ausschmücken, z.B. mit Kristallen usw.) ...

    Ansonsten wacht bei mir eine Panskulptur im Garten, ein Geschenk einer Freundin, entstanden aus einer norwegischen Baumwurzel ;-)

    LG

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  26. @ PSSR
    Ach so hattest du das gemeint...sehr schöne Betrachtungsweise..

    LG

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  27. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  28. Wg Gisela, ich glaube gar nicht dass es an Steiner liegt, eher an einzelnen Menschen, deswegen weil sie seine Vorgaben eben nicht einhalten, die ja sehr hoch sind (soziales Denken, Brüderlichkeit etc.). Aber dennoch Perfektion verlangen von anderen Anthroposophen. Der Widerspruch ist so irr. Und am Ende ist derjenige der bestimmt, auch der der auch nur ein wenig Geld hat. Der hat weniger Probleme. Es gibt sogar Ecken in der Gesellschaft ohne Anthroposophie, wo es weitaus weniger schlimm ist, als gerade unter Anthros. Das finde ich erschütternd. Sonst etwa niemand?
    Dadurch dass es keine Basis gibt, wird natürlich auch die Theorie Schrott, weil Theorien von der Verwirklichung leben.

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