Die neuen Fähigkeiten

Ich habe mal meine Vorstellungen von dem aufgeschrieben, was ich mir unter einer rationalen Spiritualität, die in der Lage sein sollte, auch die Schranken zwischen unterschiedlichen Schulen und Ausrichtungen ansatzweise zu überwinden, vorstelle. Der Titel des Aufsatzes: Die Zeit anhalten:

"Man muss vielmehr heute davon ausgehen, dass die Fähigkeiten, von denen die Rede ist, universell sind und nur eines Anstosses bedürfen, um geweckt und entfaltet zu werden. Moderne spirituelle Rationalität versteigt sich auch nicht in Visionärem und ertrinkt nicht in Bilderfluten. Es wird kein „Ego“ überwunden, sondern es tritt - zart- ein konzentriertes Loslassen auf, das sich in die Verhältnisse - auch die persönlichen Schicksale - einfügt, sie akzeptiert und sie ganz allmählich von innen und von außen durchleuchtet, durchglänzt und befruchtet."

Kommentare

  1. Fähigkeiten oder Erfordernis (?)

    Vielleicht ist das sogar ein und dasselbe, von zwei Seiten sich im Zentrum treffend. Und dieses Zentrum ist das Zentrum dessen, wenn man davon spricht die Innenwelt zu betreten, sie zu erkunden, zu durchlichten. Bemerkt man das Zentrum, ist man in der Stille und findet sich in dem vor, was durch das wahre Denken aktiviert wird, impulsiert. Der Startpunkt und zugleich unendliche Raum, in dem "geboren" wird, kreiert, empfangen, hier beginnt alles, hier "endet" alles.

    "Im Denken sehend werden..." hat Steiner in den Leitsätzen gesagt. Das ist mir die zentrale Tätigkeit aus dem unendlichen Zentrum heraus, man muss sehen lernen, unterscheiden lernen, denn hier bin ich ganz allein.

    Und wie könnte ich mich jemals entwickeln, würde ich nicht sehend werden, wie könnte ich je unterscheiden lernen, würde ich nicht sehend werden. Wie könnte ich je mitbekommen, was ich tue, würde ich nicht sehend werden. Wie könnte ich je wirklich frei sein, wenn ich nicht sehen kann. Der blinde Glauben weicht dem sehenden aus eigener Erfahrung und ich erkenne den echten Glauben, weil aus dieser unendlichen Gegenwart heraus die wahre Zukünftigkeit erwächst aus dem Vertrauen durch mich in das, was wir hier in der Dualität die Zukunft nennen. Ent-Wickelung hat Steiner es genannt. -- (")Und siehe, es ist gut so.(")

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  2. Lieber Michael,
    zuerst fand ich die Bezeichnung „Rationale
    Spiritualität“ trocken, saftlos, intellektuell – nach ein paar Tagen aber hat sich dieser Gedanke in mir recht verändert und der Begriff wird mir immer klarer. Ich find jetzt, dass ohne RS oder spirituelle Rationalität, einer Fähigkeit, die, wie Du sagst, universell vorhanden ist, geht’s nicht hin zu Freiheit, sondern weg davon bzw zurück ins enge Tal.

    Die Schranken zwischen den unterschiedlichen Schulen und Ausrichtungen befinden sich auf der dualen Ebene. Nie auf der absoluten Ebene. Nie im RaumZeit-Kontinuum. Im Raum-Zeit-Kontinuum treffen sich alle Schulen, Kulturen, Richtungen. Deshalb hat jede ernst zu nehmende Schule Übungen, die „Zeit anhalten“, um die Erfahrung der Gegenwärtigkeit zu machen. Ich beobachte, dass an dem Punkt - nämlich da, wo die Theorie auch beatmet und zu Erfahrung wird - sich auch schon unterschiedliche Ausrichtungen treffen. Das ist dann so, wie Du vom Ego sagst: es braucht nicht „überwunden“ zu werden. Die Schranken öffnen sich wenn spirituelle Rationalität eintritt. Die Schranken bleiben da, wo Differenzierung und Ausformung rigide werden, oder einer sagt: ich habe die“ bessere“ Wahrheit. Ich finde, so etwas kann man/frau nur von einem relativen Standpunkt aus sagen. Solche Ver-formungen verstopfen nicht nur die Verbindung zum Raum-Zeit-Kontinuum sondern auch den kreativen Austausch mit anderen Menschen

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  3. Z.B bei Gerald Häfner kann man/frau spirituelle Rationalität gut miterleben. Er macht eine derart gute Analyse unseres sozial/polit/ökon. status quo, beschreibt sachlich und nachvollziehbar die Verformungen unserer Gesellschaft, sodass am Ende seines Vortrags - in dem er eigentlich „nur“ die Dinge klarrückt - das Herz aufgeht. In einer formellen Alltagssituation, ohne Räucherstäbchen (die ich sehr liebe!) oder spiritueller Belehrungen. Das ist das Beeindruckende für mich. Spirituelle Rationalität ist nicht wie anfangs gedacht Rationalität im Sinne von kopfigem Trockenfutter, sondern Gedankenkraft, die sich kontinuierlich im universellen JETZT erfrischt und im Alltag tätig ist.
    In welchem Gewande man/frau sich erfrischt - ob mit Anzug u. Krawatte, Wollpollunder, gelbem, schwarzem oder weinrotem Kleid, mit oder ohne Räucherstäbchen, im retreat, on the road oder am Meer - halt ich für zweitrangig.

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