Verortung der Schwelle


Diese Schwelle ist nicht *vor* mir, da sie kein Vorher-Nachher, kein Hier-Dort kennt.
Diese Schwelle gedeiht in der Zeit- und Ortlosigkeit, dort, wo der Mensch zu sich selbst erwacht oder besser gesagt: Sich an sich erinnert.

Die individualisierte Geistgestalt begann die Unmöglichkeit, sich selber vergessen zu haben und gewann genau daraus ihr individuelles Sein.

Der, der sagt: Ich bin die Tür, ist sich gewahr, dass die Schwelle quer durch ihn selber geht.
Es bedarf nur eines Innehaltens, um zu erkennen, dass man selbst die Schwelle ist, dass man auf ihr steht und dass sie immer da war.

Das Ich-bin ist die Tür. Ich gehe nicht von Hier nach Dort und nicht von Dort nach Hier, weil ich nicht durch die Türe gehe. Das Ich-bin ist die Tür.

Diese Schwelle ist eine Verhüllung, aber auch das tragende Element für die innere Freiheit.

Kommentare

  1. Verortung ist gut :-) -- schön, dass es noch Orte gibt, die sich der normalen Sprache entziehen, irgendwie macht mich das ganz ruhig. Es fordert und fördert das Beschreiben statt des Benennens.

    Siehst Du hier an diesem "Ort" auch einen Unterschied zur Phantasie?

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  2. Lieber Manfred, es geht ja im Grund um Gestaltungskraft, um Quellpunkte von Inspiration. Im oberen improvisierten Beitrag liegt der Schwerpunkt auf dem Zugang zum Geist. Auf einer anderen Ebene kann man das mehr auf seelisch- plastizierender Ebene erleben, dann wird es exakte Phantasie. Es geht im zurückgenommenen Willen auch mehr auf Willensebene, dann lebt es sich in sozialen Prozessen aus.

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  3. Lieber Michael, wärst Du so lieb und würdest noch ein wenig zum Unterschied sagen von einerseits "Zugang zum Geist" und dem Pendant zur Phantasie?

    Könnte man sagen, in etwa, das eine wäre "objektiver", wenn das überhaupt geht, aber im Sinne von beschreiben dessen, was einem zugänglich ist und das mit der Phantasie der eher "subjektive" mir eher beigegebene oder hinzugekommene Teil aus jenem "objektiven" Bereich, den ich in mir irgendwie habe nachklingen lassen? Oder dass die Phantasie sich in Bewegung bringen lässt aufgrund meines mitgebrachten "Mobiliars"?

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  4. Kann ich nicht so genau sagen. Erstens weil meine Aussagekraft beschränkt ist und zweitens weil das ja an irgend einem Punkt doch ineinander fließt. Ich würde denken, dass der Denkansatz, um wirksam zu sein, eine gewisse kristalline Kraft hat, um dann wieder los zu lassen: Das Entspringende hat dann einen nicht mehr ichbezogenen Charakter. Die Bilder, die man daran entwickelt, aber vielleicht schon- man kleidet die Erfahrung dann wieder ein in das kulturell und sprachlich Mögliche, und das ist natürlich aus der eigenen Biografie geschöpft.
    Der seelische Bereich wird berührt, angestossen auch - eventuell- aus der Inspiration heraus, ist aber viel weicher, unschärfer. Das, was einen anstösst, differenziert man gar nicht so, und der ganze seelische Bereich schwappt da mit hinein. In diesen Gegenden ist man halt träumend. Wenn man ernsthaft kunstschaffend ist, lösen sich aber konzentriertes Betrachten, Schaffen, Empfinden und kritische Distanz ununterbrochen ab.
    Es gibt noch eine andere Sache, bei der ich aber weit ausholen müsste- das, was Steiner mit der "Ätherisation des Bluts" benennt und beschreibt. Das ist der Bereich der "freien Kräfte", die ursprünglich leibgebunden waren. Im meditativen Akt bewegt man sich ausschließlich im Bereich dieser "freien Kräfte". In der Entfaltung von Phantasie ist das anders. So ungefähr?

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  5. "Es gibt noch eine andere Sache, bei der ich aber weit ausholen müsste- das, was Steiner mit der "Ätherisation des Bluts" benennt und beschreibt. Das ist der Bereich der "freien Kräfte", die ursprünglich leibgebunden waren. Im meditativen Akt bewegt man sich ausschließlich im Bereich dieser "freien Kräfte". In der Entfaltung von Phantasie ist das anders.

    So ungefähr?"

    Ja, ungefähr so hört sich das an, wenn jemand mal zum Psychiater gehen sollte.

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  6. ... ne monseigneur, wenn man das erfasst, dann braucht man keinen mehr, weil die da eh nicht rankommen.
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    Ja, das fliesst ineinander. Ich versuche das aber für mich dennoch so auseinanderzusehen, das mir die Phantasie eine von mir ausgehende Kraft ist, mit oder durch die ich so etwas wie Bilderechos "produziere", durch die ich dann wahrnehme, was ich tue, selbst wenn ich auf Empfang schalte. Dies im Schöpferischen, im Reproduzierenden dann mit bereits bestehenden Bildern als Anregung. Und ins Geistige gehend scheint es mir so wie ganz auf Sehend oder Wahrnehmend geschaltet zu sein, da bin ich nur insofern beteiligt als dass meine Aufmerksamkeit als Epfangsorgan ... --- Oder durch die Phantasie gebe ich etwas hinzu, im ins Geistige gehend bin ich eine Art Projektionsfläche (?)

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  7. Lieber Manfred, ja, das ist ja eine rein künstlerische Tätigkeit, nur ohne Staffelei, ja ohne irgend etwas. Ein Bereich der Freiheit, der Gestaltung. Das Wichtigste ist wohl, dass man tatsächlich improvisieren kann, wie bei guten Musikern. Man muss sein Handwerk kennen, kennt die "Standards", begibt sich dann aber ins Improvisieren. Es gibt einen Wechsel zwischen Wollen und Zulassen, man muss sich manchmal zurück nehmen und sehen, was entsteht. Das muss man auch bei künstlerischer Arbeit. Diese Perspektivenwechsel sind schwierig, aber notwendig. Nicht immer so viel *machen*, sondern *aktiv still* sein. Aber zwischendurch facht man sicher gern an- sei es mit Bildern oder Mantren, sei es anders. Ich bevorzuge ein plastisches Arbeiten- eher Räume schaffend- Varianten der Körpergrenzen. Aber Andere sind eher visuell orientiert oder sind ganz und gar Horchende. Das ist vermutlich weder gut noch schlecht, sondern eben die individuelle Zugangsweise. Es ist sicher sehr gut, wenn man es auf seine Weise versucht. Man kann sich nirgends und an niemandem anlehnen. Das ist so, weil *hier* alles neu ist, ununterbrochen neu. Da kann man nur improvisieren.

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  8. ... und staunen -- und alles gibt es zweimal, auch die Sinne, bloß anders.

    Ich danke Dir für das Gespräch und wünsche eine gute Nacht.

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  9. "bloß anders"

    ... ja Manni, du bist "bloß anders" ...

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