Spirituelle Schmetterlingssammler

Ich bin müde der Sucht nach dem Sensationellen in der Anthroposophie, den Enthüllungen und scheinbaren Geheimnissen- dem, was sich so fremd in einer Welt des platten Rationalen darstellt und etwas verspricht, was über dieses dumpfe Sosein hinaus hebt. Verständlich, aber ermüdend. Es sind die Schmetterlingssammler, die in esoterischen Inhalten nach ein wenig Lebenssinn hangeln, um sich wohlig in einer Bedeutung einzurichten, die über sie selbst hinaus weist. Im Kern geht es nur darum, das eigene Selbstbild aufzubrezeln, um ein betörendes Dekor, das unangreifbar ist, weil man Okkultes eben nicht hinterfragen kann. So wird Anthroposophie zu einem Geschmacksverstärker in einem durchschnittlich faden Leben, das womöglich so schmeckt, wie eben ein mittelmäßiges Leben in einer Wohlstandsgesellschaft.

Die, die die ozeanischen Gefühle antreiben und die so oft auf vulgäre Art und Weise ihre Rechthaberei mit einer unangebrachten Arroganz betreiben, bemerken nicht, dass sie es sind, die Anthroposophie profanisieren, denn sie unterwerfen sie ihrer Selbstgefühligkeit. Sie meinen, sie hätten der Welt damit etwas voraus und seien gerüstet bis über den Tod hinaus. Aber diese Art von Rüstung ist nur eine Variante gewöhnlicher Beschränktheit. Von einer Lebenskrise, von einer Infragestellung der eigenen Konstrukte sind sie weit entfernt- und somit auch der Frage eines Parzifal vollkommen entfremdet. Die Frage, was einen selbst im Innersten zusammen hält, ist immer eine existentielle, und somit so weit vom bürgerlichen Zustand entfernt wie nur denkbar. Die blauen Blumen wachsen nicht im ozeanischen Benebeltsein.

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