Berühre mich nicht - Maria Magdalena und die Templer

Aus meiner Pinterest- Seite zu Magdalena
 Hier ein erster kleiner Hinweis auf Gordon Napiers Buch "Mary Magdalene: Biography of a Legend", in dem er als Historiker allen erdenklichen Spuren des Magdalenen- Kultes nachgeht, aus verschiedenen Kulturkreisen heraus, und Quellen bis hinzu bizarren gnostischen Kulten. Man sollte sich bei dieser Figur der Heilsgeschichte nicht vom katholischen Schwulst beirren lassen. Napier spannt den Bogen bis hin zu den antiken, vorchristlichen Religionen:
"Similarly a number of pre-Christian mythologies included stories of a goddess attending and anointing a slain god who returned from the dead, such as the Egyptian story of Isis and Osiris, or the Mesopotamian legend of Ishtar and Tammuz; this is a consideration that may in some way be linked to the story of Mary Magdalene’s presence at the Resurrection of Jesus."

Aber natürlich kommt Napiers auch in seinem Blog immer wieder spür- und nachlesbare Neigung zu den Templern durch: "Of comparable prominence among the early saints was she whom the Templars called 'the glorious Mary Magdalene'." In diesem Beitrag möchte ich etwas spekulieren über eine mögliche Verbindung gerade des Templerordens in der Tiefe seiner spirituellen Dimensionen zu dieser Gestalt. Aber, um es nochmals zu betonen, ich picke hier nur einige Aspekte aus einer umfassenden Darstellung heraus. Es gibt, um es noch anzufügen, sehr verschiedene Interpretationen über das weitere Leben Magdalenas (ein Name, der übrigens neben der Ortsbezeichnung ihrer Herkunft etymologisch auch schlicht auf den damals verfemten Frisörberuf verweist), denn nur in den gnostischen westlichen Legenden landete Magdalena im Gefolge oder in der Nachfolge von Josef von Arimathia im südlichen Frankreich und ist demnach vielleicht in der Provence begraben.

Mir kommt es in diesem Zusammenhang auf das "Berühre mich nicht" des Auferstandenen ihr gegenüber an- diese allererste Begegnung überhaupt, in der sie die Gegenwärtigkeit besaß, Ihn in dieser Gestalt, die ihr da gegenüber stand, zu realisieren. Napiers schreibt: "Jesus’ instruction to Mary not to touch him may be meant to show that at that stage he was in some mid-way state between the spiritual and corporeal. However this seems to contradict Matthew’s account, wherein the risen Christ does permit Mary Magdalene and her companion to embrace his legs. In fact, in the original Greek the phrase is Μή μου aπτου (mi mou aptou) which has a meaning more like ‘do not go on clinging to me’ or ‘do not seek to hold on to me’, so potentially (according to John’s Gospel) Mary was already touching Jesus when he spoke those words to her."

Wie kann man eine andersartige, realistischere Übersetzung dieser Art im Sinne von "do not go on clinging to me" verstehen? Ist es ein "Hänge nicht an dem, wie Du mich gekannt hast?" Oder etwa ein "Klammere Dich nicht an meine Erscheinung?" Dann kämen wir einem Mysterienspruch näher, der besagen würde, Magdalena solle sich ganz einlassen auf eine Qualität innerer Wahrnehmung, jenseits alles Persönlichen, jenseits der bloß visuellen Erscheinung. Das alleinige Medium zur Erkenntnis kann nur der reine, wache Ich- Sinn sein, über den sie zweifellos verfügte. Sie sollte sich lösen von den Erfahrungen, die sie - wie vermutet wird- über die persönliche Bekanntschaft mit Jesus - als Schwester von Lazarus- zur Person Jesu hatte. Gerade ihre zweifellos ebenso gemachte Lebenserfahrung mit unorthodoxen Positionierungen im Leben hatte sie stets in die Lage versetzt, die Einweihungsvorgänge, die ihr Herr an anderen vollzog, zu begreifen. Sie war dem Schwarm der Jünger daher weit voraus. Sie war die, die verstand, was er tat, wer er war. Sie war schon in die Lage des heutigen Bewusstseinsseelen- Menschen versetzt. Genau diese ihre besondere Reife in der Selbständigkeit, in der verstehenden Hinwendung machte es ihr möglich, als erste Ihn zu erkennen.

Vielleicht kann man eine Parallelität zu den aus den Folterungen genügsam bekannten Besonderheiten der Templer- Einweihung ziehen, in der es zu einer Situation kam, in der rituell das Kruzifix bespuckt worden sein soll. Die Templer haben dafür - und für ihre okkulte Ausbildung der inneren Wahrnehmungsorgane- brennen müssen. Aber die Bespuckung kann man auch begreifen als eine rituelle Distanzierung vom Bild des Jesus. So wenig wie Maria Magdalena hängen sollte am Äußeren der Erscheinung Christi nach der Auferstehung, sondern durchzudringen aufgefordert wurde, die Ebene zu wechseln, und sich verstehend- selbständig jenseits aller Sensorik an Ihn zu wenden, sollten die Templer- Adepten nicht an dem Bild des Christus hängen bleiben - an der Symbolik-, sondern sich an Seine Präsenz wenden. Von ihnen wurde also zu Beginn dieser Phase ihrer Mysterien ein inneres Umwenden, das Betreten einer höheren Ebene, in gewiss schockierender Form, abverlangt. Das "Hänge nicht an der Erscheinung" galt als Erfordernis für bewusstes Erkennen für sie wie schon für Maria Magdalena.

Unvorbereitet war keine der Parteien. Maria Magdalena kannte sieben Kreise der inneren Befangenheit - man nannte das damals sieben Dämonen. In gnostischen Schriften aus dem Umkreis der Nassener ("Reflecting the latter tradition is the so-called Gospel of Mary Magdalene, fragments of which emerged in Egypt from the 1890s. Two Third-Century fragments of the text in Greek are known.."), tauchten Lehren von Jesus an Magdalena auf, die die Grade zur inneren Befreiung, die hier gemeint ist, ansprechen: "Mary's explanation of the vision involved the soul’s journey on various metaphysical levels to become free of ignorance. She said Christ had told her that she was blessed not to be disturbed by the sight of him, for ‘there where is the mind (nous) lies the treasure’. Later (after several missing pages) she is found speaking of the ‘seven manifestations of wrath’ (possibly analogous with the Biblical ‘seven demons‘." Es geht Magdalena also um eine Systematik, um frei von Unwissenheit zu werden- um eine innere, spezifisch christliche Schulung. Denn der Schatz liege - so Christus- im Verstehen (nous). 

Diese sieben essentiellen Ebenen zum christlichen Verstehen, in der Befreiung des haftenden Denkens, - so Napier- sind folgende: Dunkelheit (des Bewusstseins), Begehren, Ignoranz, Todesangst,  Verhaftetsein an Leib und Sinnen, vergiftete Weisheit (womöglich magisches Wissen), die letzte Selbstgerechtigkeit:

"‘The first manifestation is Darkness; the second Craving (or ‘desire’); the third Ignorance; the fourth Lethal Jealousy (or ‘fear of death’) the fifth Enslavement to the Body (or ‘power of flesh’) the sixth Intoxicated Wisdom (or ‘foolish reason’) the seventh Guileful Wisdom (or ‘self-righteous pedantry’). These are the seven manifestations of wrath, and they oppress the soul with questions.‘"

Am Ende dieser apokryphen Textstelle wird die ganze spirituelle Bedeutung der Anweisung angesprochen, wenn sie endet: "Henceforth I travel towards Repose, where time rests in the eternity of time. I go now into silence.”’ So gehe ich nun in die endgültige Ruhe hinein, in der die Zeit in der Zeitlosigkeit ruht. Ich gehe jetzt in die Stille.

 Gospel of Mary, page 16, lines 4-19 and 17,1-6

Hier Informationen und eine Abbildung zum Evangelium der Maria bei Wikipedia



Kommentare

  1. Da das Kruzifix mit seiner Bildhaftigkeit auftaucht, eine Erfahrung von diesem 3. Oktober.
    Um Mitternacht begann der Herzinfarkt sich als beginnender Schmerz zu manifestieren. Am Abend vorher bereits die merkwürdige Erfahrung im Solar-Plexus, als sich Bilder der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft immer wieder in sich einschlossen. Gegen sieben Uhr morgens rief ich den Notdienst. Nach 10 Minuten war Notarzt die Sanka da. Die erste Messung ergab keinen Infarkt. Mit Blaulicht in ein katholisches Krankenhaus. Als ich vom Transport-Bett auf das Bett der Notfallaufnahme geschoben wurde, sehe ich zwischen meinen Beinen ein sehr großes Kruzifix. Eine irgendwie groteske bildhafte Begegnung mit dieser Art des katholischen Verständnisses von Christus. Mir schien, als solle der Patient in der Not nicht getröstet werden, sondern die bildhafte Darstellung des Christus am Kreuz solle den Menschen irgendwie lähmen, fortan, eigentlich keine Heilung der Seele, sondern nur Unterwerfung.
    Glücklicherweise sei ein Spezialist anwesend, so hieß es. Ein Mann in Freizeitkleidung kam mit einem Ultraschallgerät, der Infarkt wurde entdeckt, es wurde telephoniert, eine Verlegung zu den Barmherzigen Brüdern vorbereitet.
    Als ich so nackt dalag, der operative Eingriff vorbereitet wurde, auf dem Altar der Technik, ein über zwei Meter großer Flachbildschirm, wo das Herz zu sehen war, merkwürdige Gebilde wurden von Motoren angetrieben, umkreisten den Oberkörper, bis sie ihre Stellung fanden, während der Operateur konzentriert, gekonnt seine Drähte in die Adern des Herzens einführte... ...es war wie eine Geburt durch die Gemeinschaft, ich ließ es geschehen.

    Es ereigneten sich esoterische Phänomene, welche die Ärzte nicht erklären konnten, sie sind gut ausgebildet, doch nur die physische Seite des Herzens. Nie werde ich das Gesicht des Oberarztes vergessen, der mich nach der Operation abholte, als er mich sah. Er machte etwas durch. Verhielt ich mich nicht typisch wie ein Herzinfarkt-Patient?! Ich hatte keinerlei Angstgefühle, sondern staunte, wie ob des Notrufes sich alles entfaltete....... . Ein kleines wichtiges Detail, genau vor 25 Jahren war hier Franz Joseph Strauß verstorben und an diesem Tage fuhren Mutter und Kinder in die Waldorfschule Wernstein.... .(laut Aussage der Ärzte verbleiben keine Schäden).

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    1. Glücklicherweise, lieber Ernst! Danke für das Mit-Teilen dieser Erfahrung an der Schwelle, und weiterhin gute Besserung.
      Herzliche Grüße
      Michael

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    2. Lieber Ernst! ...
      Auch von mir! Gute Besserung und viele Grüße!
      (Ich selbst habe zur Zeit eine... harmlose Ehec-Geschichte, auch nich angenehm jedoch.. :-(... naja, wir sind nicht allein. Und daher noch einen :-) Smiley!)
      mischa butty

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    3. Lieber Ernst, auch von mir alles Gute!
      Herzlich,
      Ingrid

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    4. Danke an alle, welche Genesungswünsche sandten, habe mich gefreut.
      Interessant war es doch, wie das vor einiger Zeit hereingestellte Bild von Herrn Jelle van der Mellen sich bewahrheitete: tatsächlich erhielt ich über Tage Sauerstoff zur Beatmung, das "Gefängnis" war zu eng, keine "Luft" mehr. Mir kündigte sich das Ereignis einige Tage vorher an. Nehme ich dies ernst, so war der Infarkt Folge eines magischen Vorgangs, in dem ich zur rechten Zeit intuitiv reagierte. Das Weitere lag nicht in meinen Händen. Interessant war, wie jetzt Jemand bei den "Egoisten" von meiner Person las und Herrn Rudolf Saacke schrieb der nun telephonisch und per mail Kontakt aufnahm. Passend zu dem neuen Beitrag von Michael zu dem angekündigten Auftreten einer weiteren Inkarnation von Rudolf Steiner, diesmal in Dornach und mit Kontaktversuch zu Judith von Halle, fand ich die Schrift "Die Entmachtung der Anthroposophischen Gesellschaft" von Rudolf Saacke. Interessant ist der enthaltene Urnenstreit zwischen Ita Wegmann und Marie Steiner, der mir bis jetzt nicht bekannt war.
      Der Urnenstreit wirft aber rückwirkend auch ein Licht auf Rudolf Steiner selbst, eine gewisse Unfähigkeit, die Realitäten der weiblichen Psychie zu erfassen?! Und so wundert es nicht, wenn so viele Inkarnationen Steiners auftreten mögen, wie Asche in der Urne. Nun soll die Asche ja nahe des Goetheanums verstreut sein und es hat schon etwas makaber-lustiges, wenn im Dezember eine der vielen Inkarnationen Steiners hin zum Goetheanum lustwandelt, vielleicht über den Rasen, der Asche.......

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    5. Habe den Titel nicht richtig geschrieben, korrekt:

      "Die Entmachtung der anthroposophsichen Bewegung"

      von Rudolf Saacke, hier der link:

      http://fvn-rs.net/index.php?option=com_content&view=article&id=5400:die-entmachtung-der-anthroposophischen-bewegung&catid=319:zu-dieser-seite&Itemid=23

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    6. Hallo,

      warum immer dieser Pessimismus und dies ewige Festhalten an dem was Anthroposophie nicht kann oder nicht konnte? Steiner wollte Menschen der Tat.
      Es gibt viele Beispiele für ein positives Gelingen der Bewegung, meist dort wo Lockerheit, Toleranz und Öffnung für ALLE Menschen stattfindet - z.B. in der Einrichtung Yärna in Schweden. Freunde von mir (Nicht-Anthroposophen) arbeiten gerade dort als Zimmermanns-Wandergesellen, verdienen sogar richtig Geld usw.
      Und vor allem - sind seit 3 Monaten total glücklich dort.

      Der Laden läuft.

      Järna-Links: http://www.manager-magazin.de/lifestyle/reise/a-784410.html

      : http://ytterjarna.se/de/guide/kulturcentrum-jarna/

      Gruss, Glas-ist-halb-voll

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    7. @Pessimismus

      Deine Worte brachten mich dazu, den Titel der Schrift von Herrn Straacke zu überdenken. Eine "Entmachtung" deutet auf Macht hin. Tatsächlich geht es in der Nachfolge Steiners um Machtkämpfe. Das Wort Entmachtung kann von verschiedenen Seiten her angegangen werden. Sicherlich sollte mit der AAG keine Macht ausgeübt werden.
      Habe Deinen link angeschaut,wirklich "schöne" anthroposophische Gebäude.
      Sind das aber "Taten" im Sinne von Rudolf Steiner?!

      Hörte heute Morgen im DLF das Wort "Wischiwaschi", ein Wort das Steiner auch benutzte.

      Schau Dir das Bild an:

      http://www.sueddeutsche.de/politik/fluechtlingspolitik-auf-dem-eu-gipfel-elendes-wischiwaschi-1.180444

      Hat das nun etwas mit Pessimismus zu tun. Zwei solch gegensätzliche Bilder, hier die europäischen Bilder des anthroposophischen Wohlstandes, des Handelns, einer gewissen Reife, des esoterischen Wohlergehens, ja ein lifestiyle, dort die ersaufenden Afrikaner.

      Mich erinnerte meine Ehefrau in den letzten Tagen an ein sehr frühes inneres Bild:
      das "neue Goetheaunum" wird mit den "Asylanten" gebaut.
      Es bewegte mich damals die innere Wahrnehmung.
      Wenn also die Asylanten in den schönen anthroposophischen Gebäuden wohnen,
      dann mag der von Dir angenommene Pessimismus überwunden sein.

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    8. @Herrn Seeler von
      Glas-ist-halb-voll (!)

      Nur kurz: Auch hier klingen erneut Worte des Pessimismus, der Kritik und einer gewissen düsteren Stimmung hindurch. Warum denn erneut ein negativ besetztes Wort wie 'Lifestyle' 'Wischiwaschi' wählen und nennen, wo doch gerade in Järna Menschen tatkräftig zupacken? (in Landwirtschaft, Gartenbau, Medizin, Kunst, Bildung etc.etc).

      Zudem - Man soll ja nun wirklich nicht wegschauen was Gesellschafts -und Weltprobleme betrifft, schon gar nicht bezügl. Afrika und anderen gebeutelten Ländern. Setzen Sie dem doch was entgegen, z.B. mit einem Projekt..Engagieren Sie sich und schauen Sie sich die Missstände und das Leid weiterhin an und umfangen es mit Liebe oder unterstützen entsprechende Orgnanisationen mental...

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    9. @Järna
      Wer das Werk Rudolf Steiners studiert, insoweit es die Vorträge umfasst, findet eine sehr merkwürdige Stelle. Da beschreibt Steiner, solange die Anthroposophen Unternehmen gründen wollen, sollen sie sie gründen. Ihre eigentliche Aufgabe ist es aber, die Menschen an der Schwelle des Todes zu begleiten. Auf den ersten Blick ein ganz "düsteres" Bild, das in Richtung tibetanisches Totenbuch weist.
      Das nun scheinbare "Düstere" ergibt sich einfach aus den Bemühungen, die Ereignisse um und nach dem Tode Rudolf Steiner aufklären zu wollen. Ob das gelint, ob es sinnvoll ist, sei dahingestellt. Wer sich mit der AAG verbunden weiß, kommt nicht umhin, die vor allem mündlich herumgeisternden Inhalte doch ernst zu nehmen.
      Ich habe Herrn Streit in Regensburg persönlich kennengelernt, erst später
      Hinweis von ihm gefunden:
      http://www.christian-rosenkreutz-zweig.de/downloads/aktuelles/JStreit.pdf
      Das "Düstere" stammt also von Steiner selbst und ist indirekt dadurch weiter entstanden, weil die AAG mit einer gewissen Lüge hinsichtlich der Weihnachtstagung weiterlebt. Das äußere "schöne Weihnachtsfest" des Westens, durchaus jetzt ähnlich den "schönen" Bildern in "Järna" täuscht eine dahinter stehende geistige Wirklichkeit vor, die es nicht gibt. Steiner verweist auf das düstere Bild, wenn Christus wiederkommt, wird er erst als Teufel verkannt werden, also ein sehr düsteres Bild, das er hinstellt. Das "Düstere" ist also durchaus aus der Geisteswissenschaft für sich geboren, möglicherweise dadurch - was ich früher schon vertrat - weil Steiner Mysterienverrat begangen hat........ .

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    10. @Nachtrag zum Mysterienverrat
      Durch den oben erwähnten Anruf von Herrn Rudolf Straacke kam ich dazu, die erwähnte Schrift im Internet zu finden und die Vorgänge um das Ableben von Rudolf Steiner erstmals so zur Kenntnis zu nehmen. Auch die Vorgänge zu den Klassenstunden, das Mitschreiben. Nüchtern kann festgestellt werden, Steiner war nicht in der Lage, das was als "Mysterien" ausgewählten Menschen offenbart wurde, mit dem Siegel des Schweigens zu versehen. Das gilt auch für seine Mitgliedervorträge, die nach seiner Intention nicht mitgeschrieben werden sollten. Es entsteht die Frage, war Steiner nicht fähig, den Mangel an Reife festzustellen und dementsprechend zu Handeln. Er hätte seine Mitteilungen beenden müssen. So entstand eine Sucht, die weiter fortgeführt zu den "Dämonennägeln" einer Frau Halle führen und viele Anthroposophen in Bann schlägt. Insofern wird die Frage entstehen, hat das alte christliche Teufel-Christus-Prinzip als Erklärungsmodell für das menschliche Bewußtsein in der Gegenwart seine Berechtigung, oder führt dieses "alte" Europa in den Abgrund. Besteht ein Rest an Hoffnung, was als Ätherischer Christus von Steiner angekündigt wurde, wird sich im individuellen Menschen finden. Aus meinen Erfahrungen, ja, wenn auch der Weg durch eine "Düsternis" vorgegeben ist, denn der Mensch lebt ganz allgemein mit sich und anderen eine grundlegende Lüge, in einer Illusion des vermeintlichen Gerettetsein durch die Christliche Religion.... in ihrer bisherigen Ausgestaltung....

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    11. Lieber Herr Seler, ich denke, die Mysterien sind einerseits offenbar - das ist das Zeichen der Zeit -; andererseits für den Einzelnen verborgen, da sie von ihm selbst für sich in seiner Art erschlossen werden müssen. Es ist und bleibt ein "verborgenes Offenbares"- von daher macht es keinen Sinn mehr, von "Verrat" zu sprechen. Die andere Frage ist, ob man die Bildwelt und Sprachgestalt Steiners einfach weiter spinnt, wie es heute vielerorts geschieht, womöglich unterstützt durch Channel- Methoden. Die entstehende Faszination hat mit Mysterien nichts zu tun und verkommt schnell zu einer Freak- Show.

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    12. Lieber Herr Seler,

      zu dem Thema Weihnachten, hier ein interessanter Link zu einem Vortrag Steiners (den ich immer sehr gerne lese): http://www.anthroposophie.net/steiner/bib_steiner_weihnachten_inspirationsfest.htm


      Es gibt ja zahlreiche Weihnachtsaussagen Steiners. Auch solche, wo er das rein Äußerliche - z.B. das Beschenken der Kinder oder das so gemütlich bürgerliche Fest mit dem hell erleuchteten, immergrünen Tannenbaum (Christus/Ewigkeitssymbol) etc. - positiv darstellt,

      Was den ätherischen Christus in unserer Zeit betrifft, so wissen Sie doch um die Aussage des Jesus Christus: "Ich bin bei Euch alle Tage." Dies dann näher als Hände und Füße und als ein Bruder wird er uns beistehen in jeder Lage, sofern wir das möchten.

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  2. Bei Johannes heißt es (nach dem was überliefert ist) " Μή μου ἅπτου". Wörterbücher studieren find´ich ja höchst spannend (für deutsche Wörter kann ich immer wieder nur Grimm empfehlen, gibt es ja alles online heutzutage) ἅπτου/haptou kann bedeuten: http://www.degruyter.com/view/j/indo.1913.32.issue-1/9783110242720.319/9783110242720.319.png

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  3. Das Thema »Μή μου ἅπτου« hat auch schon Rainer Maria Rilke beschäftigt:

    Der Auferstandene

    Er vermochte niemals bis zuletzt
    ihr zu weigern oder abzuneinen,
    daß sie ihrer Liebe sich berühme;
    und sie sank ans Kreuz in dem Kostüme
    eines Schmerzes, welches ganz besetzt
    war mit ihrer Liebe größten Steinen.

    Aber da sie dann, um ihn zu salben,
    an das Grab kam, Tränen im Gesicht,
    war er auferstanden ihrethalben,
    daß er seliger ihr sage: Nicht –

    Sie begriff es erst in ihrer Höhle,
    wie er ihr, gestärkt durch seinen Tod,
    endlich das Erleichternde der Öle
    und des Rührens Vorgefühl verbot,

    um aus ihr die Liebende zu formen
    die sich nicht mehr zum Geliebten neigt,
    weil sie, hingerissen von enormen
    Stürmen, seine Stimme übersteigt.


    Und ich möchte auch noch aufmerksam machen auf Rilkes Übersetzung des anonymen französischen Sermons »L’amour de Sainte Madeleine«, hier im Netz: http://rilke.de/phpBB3/viewtopic.php?f=13&t=5298#p16012

    Herzlichen Gruß in die Runde,
    Ingrid

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    1. Vielen Dank für diese lyrische Stimme. Rilke spricht ja die leidenschaftlich Liebende an- ein Aspekt, der auch in der Gnostik eine nicht unbeträchtliche Bedeutung hatte- bis hin zu der Vorstellung, Magdalena und Jesus seien ein Paar gewesen.

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  4. ... so viel zum Thema "antzünden" .... wobei ich nicht weiß, ob diese übertragene Bedeutung im Altgriechischen vorhanden war ...

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    1. In der Tat, die Figur Maria Magdalenas bietet die denkbar größte Projektionsfläche. Sie spiegelt natürlich auch das Frauenbild der jeweiligen Zeit, so wie die Vorstellungen von "Schuld". Dieses Klischee von Sünde und Erlösung Ist etwas, wozu diese Gestalt herhalten musste.

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  5. Ein Hinweis und eine Ergänzung von Elsbeth Weymann:
    Zu den Kommentaren im Blog hatte ich zu der Frage nach Μή μου ἅπτου"
    eine kurze Antwort auf Alexander Rabitsch geschrieben, die aber im Internet-Orkus verschwand.

    hápto = Verbgrundform ( kann hier nicht griechisch schreiben...habe das obere kopiert) heißt tatsächlich auch " anzünden",
    schon bei Homer so...und auch später.
    Da die Grundbedeutung: anfassen,berühren , verbinden ist
    betrifft das auch die Flamme in der Berührung mit dem , was sie zur Existenz des Feuers bringt.(Holz,Öl, Docht...)

    Es geht, denke ich, darum, dass der sich verwandelnde , gleichsam erst "wachsende" Auferstehungsleib noch nicht berührt werden kann.
    ( Vgl. später Thomas, wo die gegenteilige Aufforderung da ist.
    Anderer Mensch mit anderen geistig-spirituellen Fähigkeiten ...und anderer Zeitpunkt.)

    Außerdem natürlich : das Festhaltenwollen, etwas, das im Geistigen nicht geht.(Der Geist ist kein Sofa.)
    Sowie Petrus es ausspricht ,--- als er für die drei Gestalten seiner Geistesschau, --Moses, Elias, Christus --unbedingt "Hütten" bauen will, ----alles Geschaute verschwindet, alles wieder "irdisch" wird.

    Vergleicht man "noli me tangere" mit Μή μου ἅπτου , so ist auffällig, dass das Ich - hier Christus-- in der lateinischen Übersetzung des Evangeliums als Akkusativ-Objekt erscheint - "me"..also ein richtiges "Gegenüber" bezeichnet.
    Im griechischen Original dagegen erscheint die Ich-Form im Genitiv, der viel vielgestaltiger ist, einen Bereich, mehr einen Umkreis, etwas in Wandlung Begriffenes in Sprache bringt.
    Für mein Empfinden drückt die grammatikalische Form des Genitiv auch mit aus, wie sehr es hier um eine andere Sphäre geht, die nicht festgehalten werden kann und /oder darf. Dies entspricht ja auch in etwa der künstlerischen Intuition , die Rilke in seinem Gedicht in Sprache bringt.
    Einen Dank an Ingrid.

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  6. Höchst interresant ... auf die Idee, den casus zu untersuchen bin ich noch nie gekommen! Das ist mal wieder eine neue facette in der Perspektivensuche! Vielen Dank!

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