Abschied von Wilfrid Jaensch, der nicht wie Honig klingen wollte

Privates Bild von Marija Jaensch
Noch vor wenigen Wochen hat Wilfrid Jaensch in seinem Blog vermerkt "Wie gut, dass ich verschwinde!", und nun hat er das tatsächlich, schon lange durch seine chronische Atemnot gezeichnet, getan, was er in dem Spitta- Buch* (ein echtes Geistsucher- Buch im Dialog) so beschrieben hat als menschlichen Weg nach dem Tod:

"Beim Tod löst sich der sog. Ätherleib los und dehnt sich aus (3 Tage). Seit der Geschlechter-Trennung (Lemuria) hat dieser Ätherleib das Gegen-Geschlecht zum physischen Leib, ein Mann wird sich also weiblich erleben. Dies geschieht auch bei der ordnungsgemäßen Einweihung, aber mit einem Unterschied. (..) Der Ätherleib muss sich also ausdehnen, aber männlich-weiblich. Das heißt: Er muss den historischen Zustand erreichen, der vor der Geschlechter-Trennung bestanden hat. Er muss hyperboräisch werden. Denn was zeitlich vergangen ist, ist ätherisch dauernd, jederzeit erreichbar. Die Einweihung hat also zwei Aufgaben: den privaten, gegen- geschlechtlichen Ätherleib dieser bestimmten Biografie loszulösen, und zweitens: diesen privaten Ätherleib hinzugeben (zu vereinigen mit) an den kosmischen Ätherleib („Sonne“)....

Es ist klar, dass ein heutiger Mensch diese Ausweitung schrittweise lernen muss. Wenn man den sog. Ätherleib zum ersten Mal loslöst (er ist an den physischen Leib wie festgenagelt, gekreuzigt), hat man noch nicht die Werkzeuge, die man sich erst bilden muss, wenn man sich im Ätherischen bewusst und frei bewegen will. Das kann man noch nicht. Man dehnt sich also aus, aber man sieht nichts. Man bekommt Angst. Aus Angst klammert man sich an das Bekannte, nämlich an das Bewusstsein des physischen Leibes. Da man aber zugleich sich ausdehnt, hat man den Eindruck: der physische Leib schrumpft und erkaltet („das Gehirn erfriert“ = es schrumpft, löst sich ab, fällt weg). Selbstverständlich ist es kein Schrumpfen, sondern ein plötzliches Ausdehnen, dem gegenüber die bisherige Größe des Leibes als winzig erscheint."

Wilfrid Jaensch, der hier in seinem Schreiben an Spitta nicht nur referiert, sondern aus seinem Erfahrungsschatz berichtet, den er als geistiger Arbeiter erworben hatte, formulierte in seiner freien Art einen Initiations- so wie Sterbeprozess. Nun heißt es von ihm, der nun selbst im Tode seinen "privaten Ätherleib hinzugeben" hat, Abschied zu nehmen- von einem Quer- und Schrägdenker. Nehmen wir seine Selbst- Charakterisierung aus dem Spittabuch, um seine Stimme zu hören, die eben nie gefällig, nie einschmeichelnd, nie "wie Honig" klingen wollte:

"Hier liegt auch der Grund für meinen persönlichen Schreibstil. Wie oft haben Sie mir geschrieben, Sie seien „abgestoßen“. Dieser Widerwille ist beabsichtigt. Würde ich in objektiv- geschmeidigem Stil schreiben, dann würden die Gedanken, die ich zu schildern habe, in den Leser eindringen wie Honig. Das darf nicht sein. Ich muss die Persönlichkeit des Lesers wecken, also seinen eigenen Willen. Wo wird dieser Wille bewusst? Im Abstoßen, im Wider-Willen gegen den Autor. Das ist nichts anderes als das Erwachen des Eigenwillens im Leser. Als eigene Persönlichkeit kann er dann die Gedanken, die ich anbiete, durcharbeiten und mit ihnen ringen. Und deshalb präsentiere ich mich dem Leser nicht als Musterknabe, etwa als verkörperte Universalie oder „Eingeweihter“, sondern als widersprüchliche, vielseitige Persönlichkeit. Darin liegt nämlich die Wahrheit des irdischen Menschen. Ihr tritt die Wahrheit der Universalien gegenüber. Das Gegenüberstehen kann sich in Liebe verwandeln. Aber die Bedingung der Möglichkeit der Liebe ist: Selbstständigkeit der Partner. Deshalb tritt die Erde dem Universum gegenüber. Das ist das ganze Rätsel der Trennung zwischen Göttern und Menschen."

Wilfrid Jaensch ist, wie Marija mitteilt, in der ersten Stunde des 17. Juni gestorben. Er wird anonym in einer Urne im Friedwald beigesetzt- ohne Feierlichkeit. Nach der langen schweren Zeit mit chronischer Luftnot war sein Tod wie eine "blitzschnelle Auflösung"- in einem friedlichen Übergang. Für die, die einen freien Geist lieben, den Honig als Schriftform aber nicht besonders mögen, wird Wilfrid Jaensch immer jemand sein, den man dringend gelesen haben sollte.


*Dietrich Spitta (Hrsg): Wilfrid Jaensch - ein moderner Geistesforscher

Kommentare

  1. Ist da Genemigung der Witwe so ein privates Bild zu veroefentlichen?

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  2. Lieber Michael,

    danke für deinen Beitrag. Die „Kommentarflut“ bietet die Gelegenheit, dass ein Hinweis meinerseits mitbedacht werden könnte.

    Info 3 betitelt einen Nachruf, von Jens Heisterkamp, für Wilfrid Jaensch inzwischen so: „Den Eigenwillen wecken“. Dabei bezieht man sich auf diesen Nachruf deinerseits. Du zitierst Wilfrid Jaensch:

    "Hier liegt auch der Grund für meinen persönlichen Schreibstil. Wie oft haben Sie mir geschrieben, Sie seien „abgestoßen“. Dieser Widerwille ist beabsichtigt. Würde ich in objektiv- geschmeidigem Stil schreiben, dann würden die Gedanken, die ich zu schildern habe, in den Leser eindringen wie Honig. Das darf nicht sein. Ich muss die Persönlichkeit des Lesers wecken, also seinen eigenen Willen. Wo wird dieser Wille bewusst? Im Abstoßen, im Wider-Willen gegen den Autor. Das ist nichts anderes als das Erwachen des Eigenwillens im Leser. Als eigene Persönlichkeit kann er dann die Gedanken, die ich anbiete, durcharbeiten und mit ihnen ringen.“

    Obwohl im Zitat der Eigenwille angesprochen ist, sehe ich den, für einen Nachruf, als zu kurz gegriffen an. Daran ich auch Wilfrid Jaensch mitbeteiligt, da er im hier Zitierten sich selbst zu kurz greift. Wer ihn studiert hat, der kann das Folgende bereits sehen.

    Das Wollen, die Texte von Wilfrid Jaensch so zu lesen, wie sie gelesen werden wollen, das tritt nicht bereits in Kraft, indem man sich mit seinen Texten zu befassen sucht. Auch dann nicht, wenn der in den Texten angelegte Widerwille sich in Eigenwille zu steigern vermag. Letzterer ist vorläufig bloß dafür vom Autor angerufen, das überhaupt Wille in Kraft tritt.

    So das gelingt, obliegt es einem jeden Leser, diesen Willen wiederum zu steigern. Dafür, das nun so ein Wille, Wilfrid Jaensch nennt das den guten Willen, zu freier Verfügung gestellt werden kann, anhand dessen ein Text von ihm sich selber willentlich zu denken beginnt. So auch das wiederum gelingt, kann man, wie Wilfrid Jaensch sagt: „die Gedanken, die ich anbiete, durcharbeiten und mit ihnen ringen.“

    Wesentlich für das darauf Folgende ist, das man den zuvor empfundenen Widerwillen aufrecht zu erhalten vermag, nachdem man Wilfrid Jaensch gelesen und „für gut befunden hat“.

    ~ B.

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  3. (...)Beim Tod löst sich der sog. Ätherleib los und dehnt sich aus (3 Tage). Seit der Geschlechter-Trennung (Lemuria) hat dieser Ätherleib das Gegen-Geschlecht zum physischen Leib, ein Mann wird sich also weiblich erleben(...)
    //
    Das ist schon wirklich sehr platt spekuliert!
    Unser Maskulin-Feminin-Empfinden beruht ja auf dem Ineinander-/Durcheinander-/Zusammenwirken eines physischen Leibes mit geschlechtlicher Ausprägung in die eine Richtung und einem ätherischen Leib mit geschlechtlicher Ausprägung in die andere Richtung (und das auch noch im Sinne eines 'negativen Abdruckes').
    Wir empfinden uns da eher als aufgespannt zwischen Polaritäten...
    //
    Dann zu sagen, 'wenn man den einen Teil wegnimmt, bleibt der andere übrig', ist ungefähr so schlau wie wenn man sag: 'Wenn ich von einem Magneten den einen Pol wegnehme, bleibt der andere Pol übrig...'

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  4. Im spezielle Fall von Wilfrid Jaensch gilt natürlich (wie ich den Schilderungen entnehme), dass sein physischer (in diesem Falle maskuliner) Leib durch Hinfälligkeit schon seit Längerem aus einem 'harmonischen' Verhältnis zum ätherischen Leib herausgefallen ist.
    Wenn dieser ätherische Leib im physischen dann nur noch auf unüberwindbare Hindernisse stößt, wächst die Sehnsucht, die Verbindung zu trennen und nur noch in einer der beiden Polaritäten zu existieren...
    Wenn man so über längere Zeit stirbt, treten an den 'Todeszonen' Einweihungsfragmente und Fetzen von Initiationserkenntnis auf, die fast zwangsläufig zu ụnwirschem Artikulieren über das geistig erlebte führen.
    Der Zusatnd, in keiner der Welten wirlich richtig leben zu können, zwischen den Welten verweilen zu müssen, macht den Menschen unwirsch.
    In der regelrechten Initiation darf ledoch weder der physische, noch der ätherische Leib dem Tod verfallen - die Zusände sind lediglich todesähnlich...

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    1. Etwas Besonderes an seinem Leben ist dabei sicher, dass er in seiner Situation zwischen den Welten nicht lethạrgisch geworden ist, sondern den Blick auf beide Welten aus der Dazwischen-Perspektive in seiner Arbeit genutzt hat.
      Ob (oder welche) seiner Bücher/Arbeiten in gesünderen Zeiten entstanden sind, vermag ich hier natürlich nicht zu überblicken...

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    2. Lieber Herr Birkholz, was das Erscheinen von Jaenschs Büchern betrifft, so reicht ein Blick auf die Erscheinungsjahre (1998-2003), um zu bemerken, dass die Krankheit, die nun zum Tod geführt hat, wohl kaum die "Erkenntnisgrundlage" für seine Arbeiten dargestellt haben kann. Jaensch markiert vielmehr in sprachlich kraftvoller, unkonventioneller Art und Weise bestimmte "Fixpunkte" eines Initiationsprozesses. Die zentralen Ikonen, die Jaensch darstellt - etwa die schwarze Madonna oder "Buddha"- haben imaginativen Charakter. Sie erschließen sich erst einem Denken, das sich beweglich in dieser sprachlebendigen, willentlich erlebenden Ebene bewegt. Was Initiation schlechthin betrifft, so bedeutet das rosenkreuzerische In Christo morimur, dass der zu Initiierende in der Tat durchgeht durch die Erfahrung der absoluten Hinfälligkeit. Das Vorübergehende des Selbsterlebens in einem leiblichen Produkt, die spezifische Persönlichkeitsstruktur in ihrer Gänze- das alles ist ja auch eine Art Todeserfahrung- zumindest was den bisherigen Status quo der Selbst- und Welterkenntnis betrifft.

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    3. Lieber Herr Eggert,
      die Erkrankung ist natürlich nicht Jaenschs Erkenntnisgrundlage!
      //
      Aber Erkrankung ist eben (oft) Audruck einer Dispossition, die weit über den ärztlich diagnostizierten Zeitraum eines Erkrankungsausbruches hinausreicht - jeder Mensch hat seine eigenen Dispositionen (dennoch oft archetypisch) als Lebensmotiv und -perspektive.
      //
      Das Interessante daran (worauf ich hinaus will) ist, dass das im Jaensch-Kontext charakterisierte SCHROFFE absolutes seelisch-konstitutionelles Leitsymtom von Menschen ist, die unter Luftnot leiden; der Schwingungsfluss aus Einatmen und Ausatmen wird jedes Mal SCHROFF unterbrochen.
      [15x/Minute, 900x/Stunde, 21600x/Tag, 7884000x/Jahr].
      Menschen mit stärksten Schmerzen oder hochfieberhaften septischen Erkrankungen tragen ganz andere Signaturen in der Äußerung ihrer Schwellenerlebnisse...
      //
      Es geht mit absolut nicht darum, Jaensch eine Interpretation überzustülpen - aber eines der Hauptthemen (soweit ich fündig geworden bin) ist ja neben dem Erkenntnisinhalt Jaenschs (beabichtigt auf Widerwille stossende) Ausdrucksform im Ringen um die Güte als einzige Methode zur Erkenntnis der Welt.
      Das obige, von Luftnot gezeichnete Bild weckte dabei deutlich Assoziationen im Kontext meiner persönlich/beruflichen Lebenserfahrungen.

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    4. Lieber Herr Birkholz- natürlich prägen Erkrankungen - oder sind vl auch Ausdruck und Seelisches. Das sollte mMn tatsächlich nicht zum Standpunkt der Interpretation eines Lesers werden. Auch die Verengung auf das "Schroffe" ist in meinen Augen eine Reduktion des Autors- darauf hat schon Burghard aufmerksam gemacht. Natürlich passt jeder Leser Neues in seine Perspektive ein. Das ist ein Teil der Freiheit. Der andere Teil ist die mögliche Wahrnehmung der Vielschichtigkeit und Quell- Fähigkeiten eines Querdenkers wie Jaensch.

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    5. @ Stephan: hast Du eigentlich den Vortrag angehört, auf den Michael hier aufmerksam macht? (@ Michael: herzlichen Dank! Wunderbar!)
      Er wurde vor einigen Monaten aufgenommen – nachdem Wilfried Jaensch die ihm laut Prognose der Ärzte verbliebene letzte Lebenszeit knapp überschritten hatte (an einer Stelle ist zu hören, daß er in besonderer Weise mit seinem Atem umzugehen hat).
      In diesem Vortrag finde jedenfalls ich nichts von einer krankheitsbedingten „Schroffheit“, wie Du sie beschreibst.
      Übrigens auch kein „Ringen um die Güte als einzige Methode zur Erkenntnis der Welt“ – sondern eine Schilderung, wie Jaensch es offenbar erlebt hat (was ich übrigens in vielen Punkten aufgrund eigener Erfahrungen bestätigen bzw nachvollziehen kann). :-) An einer Stelle ganz ausdrücklich „höflich“… will heißen: freilassend.
      Das einzige „Ringen“, das ich hier möglicherweise spüre (um es wirklich beurteilen zu können, müßte ich Jaenschs Sprechweise zu gesunden Zeiten kennen), ist das um die Deutlichkeit seiner Sprachlaute.
      Und falls die „Härte“ mancher Konsonanten einem solchen krankheitsbedingten Bemühen geschuldet sein sollte, hätte er allein dafür schon meine uneingeschränkte Bewunderung.

      Herzlichen Gruß in die Runde,
      Ingrid

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    6. Liebe Ingrid,
      dass Du (und ich auch) in dem Vortrag nicht von einer krankheitsbedingten „Schroffheit“ hörst, gehört ebenfalls zu der von mir beschriebenen Phänomenologie:
      Am Ende eines Leidensweges - kurz vor dem Tod - findet für den Menschen sehr oft (geradezu typischerweise) eine Verwandlung statt, bei der alle Kanten, die die Biografie und den Leidensweg gezeichnet haben, ganz aufgelöst und verschwunden sind (oder einfach keine Rolle mehr spielen) - die eigentlichen Lebensfrüchte können sich ungestört offenbaren.
      //
      Das Lebensthema 'Güte als einzige Methode zur Erkenntnis der Welt' habe ich eher in Diesem Kontext gefunden...
      //
      Aber ganz ausdrücklich möchte ich nochmal betonen, dass ich nicht Jaenschs Werk als Ergebnis seiner Erkrankung anschauen/beschreiben/erklären möchte/wollte, sondern dass das Bild seiner das Lebensende kennzeichnenden Erkrankung etwas von seiner eigentlichen Lebensthematik mit ausdrücken könnte...

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    7. Lieber Stephan,
      was mich an Deiner obigen Schilderung verwundert hat, ist Dein:

      »Wenn dieser ätherische Leib im physischen dann nur noch auf unüberwindbare Hindernisse stößt, wächst die Sehnsucht, die Verbindung zu trennen und nur noch in einer der beiden Polaritäten zu existieren.

      Der Zustand, in keiner der Welten wirklich richtig leben zu können, zwischen den Welten verweilen zu müssen, macht den Menschen unwirsch.«

      – wohingegen ich in Jaenschs Vortrag über die Zwillingschaft eben nicht nur eine Polarität finde… und auch nicht ein Leben zwischen den Welten, sondern in den unterschiedlichen Welten, abwechselnd (in bemerkenswerter Drei-Fältigkeit).

      Wie dem auch sei – die „Ordensregeln der Neuzeit“ hab ich mir vorhin aus dem Postkastl geholt; :-) der musikalische Untertitel hatte mich natürlich gleich angesprochen, daher hab ich mir das Buch schon vor ein paar Tagen bestellt.
      Nun bin ich gespannt, ob ich darin ein „Ringen“ um die Güte finden werde, oder einfach eine Anschauung (oder vielleicht auch ganz etwas anderes) - - -

      Herzlichen Gruß,
      Ingrid

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    8. Ich lese ja seit einiger Zeit gar nicht mehr weil immer, wenn ich bei einem Buch auf Seite 100 war, "etwas passierte". Allein schon, damit nicht soviel passiert, stellt mancher dann instinktiv sein Bücherlesen ein.
      Bei Herrn Jaensch will ich es noch einmal wissen. Ebenso bei Jostein Saether. Es muß doch noch möglich sein, statt exzerpieren und Seiten überfliegen, jooo, das geht immer noch... nein, es muß doch noch möglich sein, ein Buch zu lesen wie früher: Eben so, als hörte man eine Tonband-Aufnahme in einem analogen Redetempo.
      Lesen."Zu Fuß". Im Liegen, im Sessel, wenn es sehr spannend oder provokativ wird, auch mal erregt auf und ab schreitend...
      m.butty

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    9. Liebe Ingrid,

      ab Seite 39 -42 triffst Du in den "Ordensregeln" auf Gedankengänge, die in ihrer Weise, hier von Stephan eingebrachtes, aus der Sicht von Wilfrid Jaensch, anhand von Betrachtungen zu Leben und Sterben von Giordano Bruno, Rene Descartes, Emanuel Kant, zu beleuchten suchen.

      L. G. ~ B.

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    10. Liebe Ingrid,
      so findet eben jeder unterschiedliche Dinge im Leben...

      Du bermerkst im Vortrag über die Zwillingschaft eine bemerkenswerte Drei-Fältigkeit; ich finde eine Stelle, wo Jaensch das Leben zwischen den Welten nicht mehr so dreifaltig findet:
      1. Mai 2015 : "Wie schön, das ich verschwinde!"

      Aber wie gesagt:
      Das was mir an Jaensch auffällt (unabhängig davon, wie treu mein Blick ist), hat sicher nicht den Anspruch, Jaenschs Gesamtwesen zu beschreiben...

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  5. Michaela : Wilfrid Jaensch war mir persönlich unbekannt, und auch mir ist nicht bekannt, welche seiner Bücher er im gesunden Zustand schrieb, welche er verfasste, als er krank war. Doch das Video zeigt auf, dass er selbst während seiner Erkrankung geistig "voll da" war.
    Es ist wohl allgemein so : Eine geistige Verbindung zu einem Verstorbenen lässt sich eher dann realisieren, wenn uns der Tote bekannt war. Kurz bevor meine Mutter starb, besuchte ich sie in der Senioren - Residenz, wo sie zuletzt lebte. Sie war weit über 80 Jahre, schwer krank und objektiv gesehen bestand sie nur noch aus Haut und Knochen. Doch als ich zu ihr kam, sagte ich spontan zu ihr : Du siehst gut aus ! Denn für mein Empfinden strahlte sie, leuchtete, war umgeben von einem Leuchten. Sie strahlte Schönheit aus. Ich meine, das war der leuchtende Aetherleib, der ihren Körper verliess.
    Als mein Vater gestorben war, direkt nach seinem Tode spürte ich seine Präsenz, und de facto waren plötzlich sämtliche unserer Mobiltelefone samt Festnetztelefon ausser Betrieb. Eine Glühbirne knallte durch. Später erschien er mir im Traum, weiss gekleidet, und er bewegte seinen Kiefer hin und her, dann ging er zur Terrasse raus, wo ein Baum stand , eine Kiefer.
    Dieser Traum enthielt bedrohliche Atmosphäre. Ich führte ein Traum - Tagebuch, in dem Kiefernzweige dargestellt waren. Tagebuch aus China - Produktion. Rief meine Mutter an, erzählte ihr von dem Traum. Sie sagte, so viele Zapfen von der alten Kiefer habe es auf der Terrasse noch nicht gegeben wie in dem Jahr. Ein Gärtner stellte fest: Diese Kiefer bedrohte das Haus, sie war innen schon völlig marode. Der Baum musste gefällt und gerodet werden.
    Thema Aetherleib bei Mann und Frau : Ich habe bisher nicht erforscht, wie die Unterschiede sind.
    Steiner hat das wohl weiter erforschen können. Habe Vertrauen in ihn als Lehrer, auch wenn mir manches noch nicht aufgegangen ist. Vielleicht - das ist spekulativ, was ich eigentlich meiden will-
    vielleicht kann "man" über die Bücher des Wilfrid Jaensch zu seinem Geist eine Brücke bauen ?

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    1. Brücken bauen ist immer gut, aber Jaensch eignet sich, glaube ich, für "Suchende" weniger. Wo er im Spitta- Buch oder anderswo über die Schwarze Madonna oder über die Buddha- Erfahrung ausholt, da schildert er das, damit man diese Erfahrung nachvollziehen kann. Man kann Imaginatives aber nicht als Vorstellung (als Gedankenbild) aufbauen- man muss sich also, um Jaensch zu verstehen, zur Madonna und zum Buddha selbst aufmachen.

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    2. Hier noch ein schöner Text Wilfried Jaenschs zum Thema Abschied – entstanden vor bald 20 Jahren, im Zusammenhang mit dem „Tod“ Heiner Müllers; hier gepostet eine Woche nach Jaenschs „Tod“, als »Gruss von Wilfrid Jaensch und Heiner Müller«.

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    3. Ingrid, ich faß es nicht, was ein Text! Da schwingt der Geist "meiner" 80er Jahre mit drin, und "meiner" Art, mich als "links" zu empfinden, wider jeglichen idiotologisch ideologisch starren Kopf-Pallast, sondern so eine fließende erquicksilberne Intellektualität, der man zwar die Treppenhäuser der Städte anmerkt, mitnichten den Ton der Demeter Waldhörnchen. Ich sah dann, daß es bereits 90er Jahre war, nun, die 80er waren wie eine Welle am Strand noch ein Stück weit in die 90er gezischt, bis die Illussionen um die und den DDR-offnungen aufgesogen waren, und der stillere Weg in die Globalisierungszeit anfing. ... Da fing diese Art, "links" zu empfinden, immer mehr an, leiser, stumm, zurückgezogen zu leben... Ein spannender Text, dazu noch mit der alten kaffeegeölten Schreibmaschine geschrieben, wie mir scheint, wo das Farbband noch Zigaretten-Antrieb besaß..
      lg, m.butty

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    4. Tastaturfehler- "DDR-Hoffnungen" meinte ich, - nicht die Hoffnungen der Honeckers, Krenz und Modrows und der SED - sondern, es gab nach dem Mauerfall lange Zeit noch unterschwellige Hoffungen und Sehnsuchten auf politisch/kulturelle Wunder, bevor dann schließlich der banane Alltag einzog..
      m.butty

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  6. Der kürzlich verstorbene Philosoph Wilfrid Jaensch war ein mutiger Querdenker in genau diesem Sinne. Sechs Wochen vor seinem Tod (www.enzyklika.blogspot.de unter Apr 30 Geisteswillenschaft) spricht er, ausgehend von der Erklärung der Menschenrechte, von der Notwendigkeit einer Geisteswillenschaft. Was den Menschen in seinem Kern ausmache, was ihn in die Lage versetze sich als Mensch zu bezeichnen, das müsse dabei ins Auge gefasst werden. Und er gibt die verblüffende Antwort: „Erst wenn ich den anderen Menschen bedingungslos anerkenne, bin ich Mensch.“
    Weiter gedacht, bedeutet das nicht, dass ich nur insoweit zu einem Menschen sukzessive werden kann, wie ich „selbsttätig“ meine Vorstellungen, die sich zwischen mich und meine Mitmenschen immer wieder stellen mögen, stets aufs neue übersteige, bereit bin sie gleichsam zu „verbrennen,“ durch meine Verschleierungen wie hindurch zu treten? Klingt das in einem Europa, in dem in Bezug auf muslimische Mitbürgerinnen ein Verschleierungsverbot immer wieder gefordert wird nicht sehr irritierend? Die europäische Menschheit in ihrer Gesamtheit unter dem Schleier. Dieses Bild, ohne wenn und aber innerlich einmal zugelassen, zeigt in meinen Augen welche immense Aufgabe mit einer Geisteswillenschaft verbunden ist, welches Vermächtnis uns da Wilfrid Jaensch hinterlassen hat.
    Ich höre darin die Aufforderung, dass es an der Zeit ist die Erforschung der inneren Kraftgestalt im Denken gleicherweise wissenschaftlich, wie sozial ästhetisch, forschend und praktisch in die Hand zu nehmen. ...

    Dies sind nur drei Absätze aus meinem auf www.ich-quelle.blogspot.ch heute eingestellten Beitrag: „Von der inneren Umkehr“

    Bernhard Albrecht

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