Wilfrid Jaenschs Lecture über den Guten Willen

Kommentare

  1. Eine gewöhnungsbedürftige, aber sehr interessante Ansicht. Und möglicherweise für mich persönlich ein weiteres Puzzleteil für´s bessere Verstehen so manches merkwürdigen Erlebnisses und auch ganz banaler, alltäglicher Erfahrungen.
    Danke für´s Zur-Verfügung-stellen.

    T.

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  2. Das ist so ein schöner und irgendwie ganz natürlicher ("eigenart"-gemäßer) Vortrag und eine Führung durch - scheinbar - selbstverständliche (= "überflüssig, solche zu hinterfragen") Gedanken-Räume, daß man exakter und genauer denkt, wenn man solches gehört, ihm, Herrn Jaensch zuhören konnte. Ich muß es ein zweites Mal hören, obwohl er so exakt erklärt, daß man kaum abschweifen kann, oder nicht in der Vorstellung hinterherkäme...
    m.butty

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    1. Ja, aber in dem, was Jaensch da vortrug, stecken Tiefen, die nur die gedankliche Demut - Zurücknahme - zum Vorschein bringt. Ich habe das auf Marija Jaenschs Blog erst nach ihrer Empfehlung gehört, und war so angetan, dass ich es auch hier gepostet habe.

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  3. Von W.Jaensch gibt es ja kaum noch Bücher; habe jetzt entdeckt, dass es im Flensburger Heft 83 ("Werte") ein längeres Interview mit ihm gibt (Interviewer: Arfst Wagner). Seine letzten Gedanken darin beziehen sich auf die Sonne und auf die Verstorbenen, sehr lesenswert; freut mich, dass ich ihn durch diesen Blog entdecken konnte.

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  4. Bei den meisten jungen Menschen zählt ja inzwischen doch auch eine starke Portion Pragmatismus, zumal die Nischen der Subkultur der alten BRD schon bis zum Jahr 2000 alle bankrott gegangen waren. Dazu die Agenda 2010 und der Druck, in Hartz Vier zu landen führt dazu, in der Jugend auf keinen Fall das Wagnis, biographisch zu experimentieren, einzugehn. Wie ich das noch aus den 80ern kannte. Wo aber auch noch Menschen, die heute für den ersten Arbeits-Markt längst tabu sind, sich noch in Nischen-Jobs halten konnten. Und sich womöglich gefangen haben, das dann als Experiment nachträglich ausgeben konnten.

    Es geht mir um die Frage von Schuld, Idealismus, und Bereinigung versus Reinheit. Der Idealismus hat sich verlagert auf das reine Konsumverhalten, biographische Experimente mit dem Idealismus kann sich nicht mehr jeder leisten, finde ich. Einerseits schränkt das die Heuchelei ein, aber nicht jeder Alternative war deshalb ein Drückeberger hinsichtlich seiner Verantwortung, der Antwort auf die arbeitsteilige Gesellschaft.

    Gerade bei idealistischen jungen Leuten gibt es das, was Steiner "spirituellen Egoismus" nannte. Das kann den Idealisten nicht zur Entspannung einladen, sondern er beginnt noch mehr zu rotieren in seiner verkopften Zwanghaftigkeit, Entsagung zu leben. Auf den aufsteigenden luziferischen Stolz, endlich ein halbes Jahr vegan zu leben, muß nun auch noch machtvoll verzichtet werden...


    Man möchte so rein bleiben, wie möglich, wenn man jung ist, und Idealist. Auch wenn das sich für Jüngere heute anders darstellt, als für meine Generation, die sogar noch die konventionelle Nische "Zivildienst, 21 Monate" mal hatte, zusätzlich zu freiweilligen sozialem Jahr, oder leben mit dem Ökobauer, im Risiko, keine marktkompatible Ausbildung zu erlangen..

    Eines Tages aber merkt man, daß man sich im Leben zwar immer noch entscheiden muß, doch jede Entscheidung führt in eine gewisse Unreinheit, in eine Schuld, die schon dadurch besteht, daß man "da ist". Ein Jugendfreund spielte weiland mit dem Gedanken, im "Selbstmord" einen Weg zu Erleuchtung und Befreiung zu sehn ... Das ist letztlich die Konsequenz der Vorstellung "von Reinheit", die Vernichtung des als unrein empfundenen Eigenwillens, im bloßen Dasein...

    Der Bäcker verarbeitet nicht seinen Liebeskummer in Brot, oder sagt "Bei dieser Serie Mischbrot hier hatte ich Zahnweh, aber wie!" Das sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen, ist ein Stück weit sterben!

    Ich kann Atomkraftgegner sein, und dennoch einen Job im Atomkraftwerk haben, weil ich Familie habe. Denn das Prinzip "Atomkraftwerk" wird nur durch einen viel größeren Konsenz aus der Welt gehn, als durch den Protest und Verzicht einzelner auf einen kleinen Arbeitsplatz.

    Eine Amalgamisierung von Beruf und Selbstverwirklichung war eine Illussion der 80er, diesen Luxus kann sich nicht jeder leisten, der fair überleben will und muß. Es mag so etwas geben, wie einen Berufswunsch... auch der reinigt sich durch Desillussionierungen..

    Eigentlich ist nur der Unsichtbare, damit "der Tote", oder "ein Engel" frei vom Eigenwillen. Allein die Tatsache, Raum zu beanspruchen, gesehen werden zu können, eventuell in einer Erbärmlichkeit sichtbar und unverborgen zu sein, löst ein Gefühl der Schuld, nämlich die Scham, aus.

    Diese Gedanken, und manche persönlichen "Fegefeuer" (diesseitige Kama-Loka) -Empfindungen, steigen in mir parallel zum Gehörten auf. Desillussionierendes, vieles "gut gemeinte" verbrennt einfach, sogar manche Art von empfundener Scham ist noch eine eigenwillige Anhaftung..

    m.butty

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  5. Hallo Rainer,

    Bücher von W. Jaensch? Schau mal hier: http://www.vamg.ch/Aktuell.5846.0.html

    Dort gehst Du rechts oben auf BÜCHERSHOP und dort auf Seite 4. Es werden die "Ordensregeln der Neuzeit" angezeigt. Dann gehst Du auf weitere EMPFEHLUNGEN. Fast alles zum 1/3 des Preises.

    Gruss ~ B.

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  6. Michaela: Der "Arbeitskampf" der Postler hat meiner Meinung nach indirekt zumindest mit dem, was W.Jaensch per Videobotschaft mitteilt, zu tun.

    Arbeit ist etwas, das uns volle Konzentration abverlangt. Auch Kampf braucht volle Konzentration.
    "Arbeitskampf" halte ich für ein Unwort des Jahrtausends. Ein Mischmasch. Wischiwaschi.
    Denn Arbeit und Gelderwerb sind de facto zwei Paar Schuhe.

    Beispiel: Vincent van Gogh musste sich erst Geld bei seinem Bruder leihen, um Farben usw. kaufen zu können, also um überhaupt arbeiten zu können. Und der arbeitete Tag und Nacht wie besessen, ohne dabei auf Erwerb zu schielen. So sehr liebte der seine Arbeit.
    Heutzutage - lange nach seinem Tode - haben nun Leute ihren Gelderwerb an der Arbeit dieses Künstlers, die etwa selber das Arbeiten wenig lieben, umso mehr lieben sie es, die Arbeiten anderer zu vermarkten.

    Fazit: Arbeit und Erwerb sind zwei Paar Schuhe.

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