Alexander Dugin, Russlands Hexenmeister

Unter den politischen Spin- Doktoren gibt es immer wieder bemerkenswerte, vielschichtige Persönlichkeiten. Alexander Dugin fällt da auf vielerlei Art besonders auf - nicht erst seit schrillen TV - Beiträgen zum Ukraine - Konflikt („Kill! Kill! Kill“), nicht nur durch seine intensiven Kontakte zur europäischen Rechten seit 1990, durch seine ideologische Bedeutung für das Putin Regime; seit einigen Jahren ist er auch im Ausland zuverlässig dort vor Ort, wo ein Systemwechsel in Richtung Faschismus geplant und ein politischer Coup durchgeführt wird.

Letztes Beispiel ist seine Anwesenheit in Ankara in der Nacht des gescheiterten, wahrscheinlich inszenierten Militärputsches: „On the eve of the coup in Turkey, the Russian geopolitician and philosopher Alexander Dugin was in Ankara, where he gave a press conference. Among other things he said, he insisted that the same forces want the destruction of both Russia and Turkey and are threatening Turkish sovereingty. He said that President Erdogan understood now the situation and he added that the two countries are now inaugurating a new system of relations, not just restoring old ties, but moving towards a strategic alliance.“ Das Muster eines solchen provozierten Putsches findet sich in der russischen Geschichte - nicht zuletzt such unter Dugins aktiver Beteiligung- immer wieder. Manche solcher internationale Attacken gegen vorhandene demokratische Strukturen sind vorerst auch gescheitert- so in Griechenland (siehe Foto oben), wo Dugin die griechischen Faschisten des Golden Dawn 2014 ganz offen beriet .

Man darf davon ausgehen, dass die Destabilisierung der gesamten westlichen Region auf seiner eurasischen Agenda steht. Wo aber hat Dugin - abgesehen von seiner intensiven Bindung an KGB und FSB- seine Ursprünge, woher nimmt er diesen enormen destruktiven Einfluss?

Um 1980 existierten in Moskaus okkultem Untergrund Kreise wie die schwarzmagische Juschkinski- Gruppe mit Protagonisten wie Jewgeni Golovin, den der kaum 18jährige, hochbegabte Alexander Dugin bewunderte- eine Alternativszene mit dunklen Ritualen, in der Golovin als „Der Alchemist“ verehrt wurde: „They camped out on each other’s sofas, slept on floors, performed bizarre initiation rituals, engaged in alchemy and the transmutation of metals, pored over magic texts, created secret numerological codes, wrote in streams of consciousness, drank heavily, experimented with sex, drugs and occasionally fascism.“* Der Faschismus wurde bei diesen Okkultisten als notwendiges Ying zum Yang des Humanismus schlechthin gesehen: „Golovin was ‘a natural Russian phenomenon – a classical combination of aesthetic snobbishness, esoteric misanthropy, alcoholic inspiration, plus a hot peppering of black fantasy and American horror movies’. Golovin was also completely obsessed with the Third Reich, seeing in it a monstrous and mystical yin to humanity’s yang.“* Golovin sah sich und seine Anhänger als Schwarzen Orden der SS, traf sich zunächst konspirativ in Datschen und praktizierte eine Mischung zwischen Alternativkultur, okkulten Seancen und magischen Ritualen - gern verbunden mit extensivem Trinken.

Auf diese Gruppe stieß Dugin mit seiner charakteristischen, charismatischen Aura: „One evening, a young man appeared at the Klyazma dacha, brought by an acquaintance. He looked no more than 18. His head was shaved, but he had an aristocratic bearing and a quick wit. He was immediately charismatic, and came carrying a guitar. Strumming away around a bonfire in the evening sunset, he belted out a song: ‘Fuck the Damned Sovdep’“*. Dugin - der später in Gesprächen diese Zeit gern als jugendliche Oppositionshaltung verniedlichte- war selbst für diese Gruppe extrem, galt als ihr „Messias“ und sang Lieder, die den Massenmord verherrlichten. Wie Golovin selbst war Dugin schon in diesem Alter fähig, Andere zu „zombifizieren“ - d.h. durch seinen Eindruck willkürlich und gänzlich unter seinen Einfluss zu bekommen: „..subjects of Dugin’s art and his fascination with Nazism were all part and parcel of his total devotion to Golovin, who had a penchant for ‘zombifying’ his followers and teaching them to ‘zombify’ others.“* Dugin geriet in eine Art Ekstase, wenn er von millionenfachen Morden sang - etwa in seinem berühmten, oben genannten Song, in dem es um „20 Millionen in den Fluss, 20 Millionen in die Öfen, unsere Maschinengewehre werden niemanden verfehlen“ ging: „‘20 million in the river, 20 million in the ovens, our machine guns will not misfire’, after which ‘Alexander threw his head back and closed his eyes as if he were in ecstasy.“*

Mit den Jahren vervollkommnete Dugin diese Auftritte und legte sich selbst den Kunstnamen Hans Sievers zu, der für ihn aber offenbar mehr war als eine Attitüde - er war vielmehr ein Teil seiner Identität: „He adopted the nom de plume ‘Hans Sievers’, which added a hint of Teutonic severity to an already colourful and fairly camp militaristic–folklore style. The impression he created was, as his later collaborator Eduard Limonov described it, a ‘picture of Oscar Wildean ambiguity’. Sievers was not just a stage name: it was a complete persona and alter ego.“*

Hans - eigentlich Wolfram- Sievers** war eine real existierende Person des Nazi- Regimes gewesen- ein Okkultist im Dienst Heinrich Himmlers- „the Reichsgeschäftsführer, or director, of the Ahnenerbe, a Nazi organization set up by Heinrich Himmler to study esoteric and paranormal phenomena“ - der 1947 hingerichtet wurde wegen seiner mörderischen Experimente mit Gefangenen in Konzentrationslagern: „The real Sievers was hanged in 1947 by the Nuremburg court, charged with experimenting on concentration camp victims.“* Dugin war also nicht nur Vertreter einer okkult- magischen und faschistischen Untergrund- Gruppe, sondern empfand sich selbst als Alter Ego eines sadistischen SS- Mörders. Der Kreis, dessen „Messias“ der junge Dugin war, sah sich selbst als schwarzmagische Gruppierung an: „The Yuzhinsky circle was fascinated by anything esoteric, occult, mystical: from meditation to theosophy to black magic.“*

Dugin studierte - auch mit seinen hervorragenden Sprachkenntnissen und seiner hohen Intelligenz- daher entsprechende okkulte Literatur im Originaltext- zunächst vor allem René Guénon, Theosophie und meditative Techniken, dann - zentral für ihn bis heute - Julius Evola. Dugin war Anhänger Mussolini, vor allem von dessen „spirituellem Rassismus“. Aus den dunklen Schriften des Magiers Evola entnahm Dugin den Krieg als Idol zur Reinigung des Volkskörpers, um eine spirituell höher stehende Menschheit zu züchten: „he believed that war was a form of therapy, leading mankind into a higher form of spiritual existence.“ Aber natürlich war das höchste Ideal der ganzen Gruppe Hitler selbst. Man umgab sich mit entsprechenden Devotionalien.

1983 wurde der KGB auf ein Konzert Dugins aufmerksam, in dem er wiederum seine Lieder von den Massenmorden vortrug: „That December, as Hans Sievers, he gave a guitar concert for about 30 people in the Moscow art studio of Gennady Dobrov. At it he sang his most famous hit, ‘Fuck the Damned Sovdep’. Not long afterwards, as Dugin recalls, a group of plainclothes KGB officers appeared at the door of his family’s flat.“* Es folgte allerdings - trotz einiger Verhöre- keine Verhaftungswelle, sondern eine Art freundlicher Übernahme. Der KGB sponserte eine neue faschistische, antisemitische Organisation namens Pamjat, der Dugin weiterhin nahe stand, indem er z.B. krypto- faschistische Gangs und Fußball- Hooligans in Moskaus Straßen organisierte. Der KGB experimentierte wegen des Zerfalls der kommunistischen Ideologie mit solchen Extremen- sei es zunächst auch nur, um faschistische Dissidenten auszuspähen. Es zeigte sich aber, dass der Faschismus als politisches Mittel im neuen Russland zum geeigneten Instrument des Geheimdienstes wurde: „‘From Pamyat there grew a new generation of more extreme Nazi movements. In this way the KGB gave birth to Russian fascism.’

Alexander Dugin war der richtige Mann an der richtigen Stelle, weil er die post- sowjetische Pseudo- Ideologie vertrat: „But starting in the late 1980s, a number of elite groups in the central committee or the KGB appear to have engaged in projects to create independent political organizations and ideological projects, which, taken at face value, were naked alternatives to communism.“ Dugin wurde, ebenso wie der KGB- Offizier Schirinowski , zur ideologischen Speerspitze des neuen Russlands- durch Bücher, Parteigründungen, Kontakte zur europäischen faschistischen Elite, durch Schulungen des KGB- Nachwuchses- und schließlich durch direkten Einfluss auf den neuen Zaren, Putin, selbst.

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Zitate:
*Charles Clover, "Black Wind, White Snow: The Rise of Russia's New Nationalism"
** "Die Zeugenaussage von Sievers in den ersten Nürnberger Prozessen war einer der wichtigsten Anstöße zum Nürnberger Ärzteprozess. Bei seiner Vernehmung wurde man auf eine „Skelettsammlung“ des Anatomie-Professors August Hirt an der Reichsuniversität Straßburg aufmerksam. Wolfram Sievers hatte den Befehl dazu erteilt, 112 jüdische Häftlinge im KZ Natzweiler-Struthof zu ermorden, um ihre Skelette zu präparieren.[8] Einem Widerstandskämpfer, der heimlich Notizen machte, ist es zu verdanken, dass die Opfer Jahrzehnte später identifiziert werden konnten." Wikipedia

Kommentare

  1. Ein passender Titel zum Beitreg!
    Wer ist der zweite Mann im Bild? Jewgeni Golovin?

    Mein Eindruck:
    Die schlimmsten Befürchtungen die ich seit einigen Jahren hatte, so lange verfolge ich Alexander Dugin inzwischen, werden ständig von der Wirklichkeit überholt und werden immer wieder neu übertroffen. Es stellt sich die Frage was da noch weiteres dazu kommt und wozu das alles letztendlich führen soll.

    Das Buch von Charles Clover habe ich inzwischen in der Digitalversion und werde es mir in der nächsten Zeit zu Gemüte führen.

    Zur Türkei:
    Da waren immer wieder Gerüchte, bestätigte und unbestätigte, über eine Inszenierung des Staatsstreiches vom Diktator himself. In den allerletzten Tagen scheinen sich solche Theorien immer mehr zu bestätigen:

    http://www.n-tv.de/politik/Guelen-rechnet-mit-Erdogan-ab-article18712276.html

    Gülen gibt deutschen Medien Interview:
    Der Vorwurf hält sich hartnäckig. Jetzt versucht der einflussreiche türkische Geistliche Fethullah Gülen ihn zu erhärten. Er habe es bisher immer als eine Möglichkeit angesehen, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Putschversuch vom 15. Juli inszeniert haben könnte, sagte er der deutschen Presseagentur, der Wochenzeitung "Die Zeit" und dem spanischen Blatt "El Pais" in einem gemeinsamen Interview. "In den vergangenen Tagen kamen so viele Beweise ans Licht, dass dies zur Gewissheit wird", so Gülen. Erdogan habe den Coup Jahre im Voraus geplant, sagte der Prediger, der im Exil in den USA lebt. "Er hat nur auf die richtige Gelegenheit gewartet."

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    1. Zum Bild.
      Habe es gefunden: Ist Artemis Matthaiopoulos.
      Mitglied der neonationalsozialistischen griechischen Partei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte).

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    2. Mit Clover muss man in der ersten Hälfte etwas Geduld nehmen. Die Story der Entstehung des Begriffs Eurasien wird bis ins Detail ausgeführt. Andererseits gibt es Stränge - etwa, was die Dichterin Achmatowa und ihre Beziehung zu Stalin betrifft- die sind wie große russische Literatur. Echte Einblicke in die Sub- Geschichte des Landes. Man muss auch bedenken, dass Dugin selbst das Ganze nicht nur selbst als Skript gelesen, sondern auch kommentiert hat. Man bekommt auch noch seine Sichtweise unverstellt geliefert. Dadurch wird das Buch geradezu vielschichtig und einzigartig.

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  2. Dugin stammt aus eine GRU-Familie (Militärnachrichtendienst, wo auch Surkow diente) und ist Ausland-orientiert. Es gibt über Golovin eine Linie zu den Esoterikern Gurdjieff und Ouspensky.

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    1. Angeblich ist Dugins Vater wegen dessen Eskapaden- oder um Dugin zu disziplinieren- degradiert - d.h. zu den Eisenbahnern versetzt- worden.

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