Zwischenräume des Bewusstseins


Rupert Spira schreibt in Bezug auf die „Zwischenräume“ unserer bewussten Erfahrung:

„Allerdings gibt es auch Gelegenheiten im Wachzustand, bei denen die Erfahrung von Bewusstsein ohne Objekt gegenwärtig ist. Zum Beispiel die Momente des Wachzustands zwischen einer Wahrnehmung und der nächsten, wenn Bewusstsein für sich ist, ohne Objekt.


Diese Lücken oder Intervalle sind Erfahrungen in dem Sinne, dass Bewusstsein immer sich selbst erfährt, ob ein Objekt da ist oder nicht, aber sie haben keinen objektiven Inhalt.“

„Objektiver Inhalt“ meint in diesem Zusammenhang, dass diese Zwischenräume während des Wachens keinen dinglichen, inhaltlichen Bezugspunkt haben und uns daher nicht bewusst werden. Das Bewusstsein, dass da seiner selbst gewahr werden könnte, liegt - vom rationalen, deduktiven Denken her betrachtet - *normalerweise* auf der Ebene des Traums oder des Schlafes. Das Denken muss erst lernen, ohne Inhalt oder Objekt der Betrachtung „bei sich“ zu bleiben. Es geht aber nicht um Assoziationen oder Sich- Treiben- Lassen in einer Verträumtheit, sondern um eine andere, erweiterte Ebene unserer Bewusstheit oder- anthroposophisch ausgedrückt- um ein Hellwerden des schlafenden Willens, der uns immer begleitet, den wir aber nicht erinnern:

Erfahrung hört also nicht auf, wenn das Objekt entschwindet, nur der objektive Aspekt von Erfahrung, also Name und Form, endet. Erfahrung selbst, Erfahren selbst, geht weiter.

Mit dem anfänglichen Gewahrwerden unserer Zwischenräume treten wir heraus aus den räumlichen und zeitlichen Kategorien unseres Gegenwartsbewusstseins; wir treten ein in die Zeitlosigkeit. Es ist eine Bewusstheit ohne Form und ohne fixierten Inhalt. Die Kontinuität unseres Gegenwartbewusstseins und unserer Erinnerungen ist ein Konstrukt- eine Illusion. „Darunter“ liegt die zeit- und raumlose reine Gegenwärtigkeit, die unser ständiger Begleiter ist, die wir aber nicht bemerken. Ganz ihr hingeben können wir uns erst, wenn wir tatsächlich schlafen, d.h. wenn das illusionäre Gegenstandsbewusstsein schweigt.
Aber zugleich ist diese Gegenwärtigkeit auch der Schlüssel zur anfänglichen Erfahrung eines spirituellen Bewusstseins, das zwischen den Zeilen unserer Erfahrung gründet und das wir dort auch bewusst entdecken können.
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Quelle: Spira, Bewusstsein ist alles, Kirchzarten 2011, S. 126 ff

Kommentare

  1. ...das wäre dann ungefähr da - auf unser Bewusstsein bezogen - wo die grossen "Z" "verweilen, hier in den geschriebenen Texten.

    "..dass Bewusstsein immer sich selbst erfährt,..."

    Ob das denn nun wirlich so ist, es sich immer selbst erfährt?? Das Bewusstsein? Bringe nicht Ich es hervor und erhalte als Resultat das Bewusstsein, wie eine Art von Reflektion meines Gewahrens, Haltens von Wachheit? Ich mich selbst befindend und gewahrend dadurch, dass ich etwas aufrecht erhalte, was wir Bewusstsein nennen? Wäre nicht das bereits jener ominöse "schlafende" Wille in Stille, in dem ich mich umschaue, bevor ich kreiere?

    Handelt man und schickt den Willen dann auf "Tour", also Ich, kraft meiner Gegenwärtigkeit, gibt ihm eine Energie mit auf den Weg, dann entaltet er sich und WIRD in einem "Raum", der ihm Bewusstsein wäre, Geburtsstätte seiner selbst gewissermassen?

    Bewusste Erfahrung mit oder durch Objekte, da reflektiert meine willentliche Wachheit an ihnen und gibt mir eine Rückmeldung darüber, dass ich eigentlich wirklich wach sein könnte, in Freiheit, ohne die "Abhängigkeit" der Dingwelt, die ja doch "nur" Produkte sind, "bereits" und die in ihnen geformten Energien ihren Schöpfer vergessen haben.

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  2. Der schlafende Wille ist in meinen Augen schaffendes Sein- so etwas bringe nicht *ich* hervor, sondern es wirkt in mir. Worum es hier geht, ist, sich in dieses Wirken bewusst hinein zu stellen. Du hast aber recht, auch in meinen Augen klingt stets eine intuitive Note mit, etwas wie eine Entitäts- Erfahrung oder etwas wie Ich, aber in der Zeitlosigkeit. Das vermisst man bei Tolle u.a. schon.

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  3. Lieber Michael, freut mich, dass Du Dir den Spira besorgt hast und Du damit anscheinend etwas anfangen kannst (Du liest aber schnell, auf Seite 128 bin ich noch nicht einmal...).

    Es stimmt schon, der anthroposophische Begriff des "Ich" taucht in diesem Buch und bei Tolle nicht auf das Ich wird häufig synonym mit dem Ego genannt, bzw. Spira schreibt ja auch häufig ganz einfach "Körper-Geist"
    (Tolle spricht vom "Ich bin", andere Autoren aus der Ecke, wie z.B. auch Ramana Maharshi, auf den sich viele berufen, vom "Selbst").

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  4. Spira kann man sich einlesen; er ist bewundernswert systematisch und sehr bemüht um genaues Arbeiten. Aber, wenn man *Information* sucht, natürlich sehr trocken. Man kann aber auch mitgehen. Den *Ich-bin-Begriff* habe ich bei Tolle bisher nicht gefunden oder halt überlesen. Ich schaue ihn momentan auch lieber als Podcast; er beantwortet dabei Fragen. Sein Tolle-TV ist normalerweise kostenpflichtig, aber Versprengtes aus den letzten 10 Jahren bekommt man auch umsonst als Video- Podcasting. Besonders interessant ist es dabei, ihn in verschiedenen Jahren zu sehen und zu hören; seine ersten Auftritte so um 2003- da war er noch viel radikaler. Man sieht praktisch, wie er sich entwickelt. In den frühen Sitzungen wirkt er recht *jenseitig*; er hat seine persönliche Transformation wohl recht radikal erlebt und nähert sich seinen Hörern quasi langsam an.

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  5. "Der schlafende Wille ist in meinen Augen schaffendes Sein - "

    Da schaffen welche, ja, aber für ein Mich ist es ein potentielles schaffendes Sein, an das ich nur herankomme, wenn ich zwischen den "Gegenständen" hindurch in jenen "freien" Bereich eintrete und lerne mit zu machen.

    Und wie kommst Du ins Schaffen, oder schaust Du nur zu?
    Den Willen kann ich doch ergreifen und lenken, das ist doch geradezu sein Wesen, er wartet doch "nur" darauf, von mir erfasst zu werden. Wenn ich wach BIN, dann ist der Wille mein absolut universelles, durchs Denken zu lenkend-formendes "Material".

    "so etwas bringe nicht *ich* hervor, sondern es wirkt in mir."

    Ich finde mich darin vor, so erlebe ich es, daher sage ich auch gern, ich bin nicht allein. Und ich kann durchaus mitschaffen, mich auch anregen lassen, zusehen..., aber eben auch selbst schaffen, kreieren. Und das tue Ich, vielleicht erst, nachdem ich inspiriert wurde, aber ich habe mich inspirierren lassen und etwas dafür getan, dass es bei mir ankommt.

    Und wenn etwas "bei mir angekommen ist", dann leuchtet etwas auf, eine Energie, die ich durchaus mit zu formen in der Lage bin. Ich bin halt dabei und nicht nur Anwesender, Zuschauer in dem etwas wirkt. Das, was da wirkt, das kann ich "anfassen", ich bin frei, mehr oder weniger.

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  6. "Es ist die Erkenntnis ICH BIN, bevor du sagst :Ich bin dies oder ich bin das..."

    "Dieses Erkennen von ICH BIN, dieses Gefühl deiner eigenen Gegenwärtigkeit ist kein Gedanke."

    (E.Tolle "Jetzt..." S. 26 u. 30)

    Interessant, Deine Beobachtung über Tolles Entwicklung, ist mir so noch gar nicht aufgefallen. Es gibt auch auf Youtube allerlei Filme von ihm (Übrigends auch von R.Spira, leider nur auf englisch, aber man bekommt einen gewissen Eindruck - viel Freude weiterhin mit dem Buch!)

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  7. Ich seh`s so: Bewußtsein ist immer schon da. Es wabbert ein Nebel darüber.
    Die Elementarwesen der Erde z.B., sagt Steiner, sind vollkommen verwundert über den benebelten Zustand des Menschen. Sie (die Elementarwesen) selbst seien reines Denken und unmittelbare Aktion. Da sei nichts dazwischen. Sie wären Brücke zw. physischer Welt und spiritueller Welt.

    Wir Menschen dämmern dahin und finden zu Bewußtsein, erst Mal dank der Dinge, und die Elementarwesen wundern sich, dass wir es anders nicht hinkriegen.
    Wir reflektieren über Dinge und deren Inhalte. Das ist wie ein Üben an der Reflexion des Bewußtseins, auch wenn man/frau an dieser Reflexion ganz schön hart anstoßen kann. Das Reflektieren und das Aufnehmen über die Sinne hinterläßt dann Eindrücke in uns und die können wir weiter untersuchen. Die Eindrücke können bis ins kleinste Detail wahrgenommen, ausgefaltet werden. Durch diesen Prozeß formt sich das Ich immer mehr aus. Die Buddhisgten lassen dann die Dinge und Inhalte, nachdem sie sie ganz genau untersucht haben, ganz bewußt los und halten sich mit ihrem Bewußtsein/Achtsamkeit in den Zwischenräumen auf, da, wo Bewußtsein noch eingefaltet ist - auch Raum und Zeit , also Erfahrung ohne Reflexion ist.
    Wenn daheraus ein Wille auftaucht, ist er ganz unmittelbar. Da ist nichts mehr dazwischen. Da ist keiner mehr, der denkt, ich tue jetzt, sondern da ist unmittelbare TAT. Die Frage des Ichs, finde ich, stellt sich da nicht. Es weiß, dass es IST im Tun.
    Warum das Bewwußtsein eingedämmert ist, weiß ich nicht. Es möchte wieder bewußt werden. Dazu braucht es hier auf der Erde den physichen Körper und die Elementarwesen von Erde, Wasser, Luft und Feuer und das Ich, das mMn aus dem Bewußtsein herausgeboren wird, um sich sich selbst bewußt zu werden.
    So in etwas sind meine Gedanken und meine Wahrnehmungen.... vielleicht auch ein Versuch einer Synthese zweier Perspektiven.

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  8. das ist mal ein tipp. interessant ist, dass da diegleiche beobachtung nur mit anderen worten beschrieben steht, die sich bei kühlewind auch findet. er nennt den zwischenraum leere aufmerksamkeit und alle seine übungen in den letzten jahren zielten dahin, das erlebbar zu machen

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  9. Liebe Freuden, "Die Frage des Ichs, finde ich, stellt sich da nicht. Es weiß, dass es IST im Tun." So erlebe ich das auch. Das ist aber die *geistige* Seite. Das kleine Ich hat aber Angst vor dem Unbewussten, vor der Gegenwärtigkeit, es dämonisiert sie. Es delegiert gern sein eigenes Versagen in das vorgestellte "Unbewusste". Das kann eine unangenehme Eigendynamik bekommen.

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  10. Liebe Barbara, das ist fast noch systematischer als Kühlend. Ganz, ganz kleinschrittig und unendlich geduldig. Ein extrem systematischer Kopf. Und das Ganze hat Hand und Fuß.

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  11. Lieber Michael,
    ... ja, das sind dann die Ego-Geschichten.

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  12. Liebe Freuden, " ja, das sind dann die Ego-Geschichten." Ja, aber das ist nicht nur *privat*, es prägt unsere gesamte Kultur.

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  13. Spira sagt im obigen Video "Consciousness is not limited and is NOT PERSONAL.
    Demnach sind die Massenneurosen, die unsere Kultur prägen kollektive Egogeschichten.
    Irgendwie sind das dann die vermoderten Möbel, die im Raum - Raum verwendet Spira als Symbol für Bewußtsein - stehen. Der Raum selbst jedoch sei unabhängig von den Möbeln,die man da reinstelle...

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  14. Liebe Freuden, ja, das Bewusstsein ist nicht persönlich, sondern es ist. Aber wir durchdringen es mit Wärme, Interesse und Anteilnahme; und darin finden wir uns selbst.

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  15. Lieber Michael,
    wenn ich Steiner recht verstehe, sieht er das anders. In seinem Evolutionsmodell verändern die Möbel (Gedanken, Handlungen) sehr wohl den Raum. Dieser ist nicht unabhängig
    von den Möbeln...?

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  16. Liebe Freudean, ich glaube, da überstrapazierst Du das Bild von Spira. In der Sache selbst - dass wir nicht ganz aufgehen in unserer Erscheinung, in unseren Formen und unserem Leben - gibt es sicher keine Differenz zwischen Steiner und Spira.

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  17. ..ja das Bild gefällt mir sehr gut. Du meinst, ich überstrapazier das?
    Wenn Du sagst, wir durchdringen das Bewußtsein mit Wärme,Interesse und Anteilnahme -verändert sich dann das Bewußtsein?

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  18. Ja, es verändert sich, indem es sich durch eine Dimension erweitert. Neben die Transparenz und schiere Lebens- und Gestaltungskraft tritt die Wärme eben noch mit dazu. In der Wärme können wir als Mensch ganz und gar leben, es ist unser Element. Diesbezüglich gibt es von Steiner, früher streng nur für Ärzte, die "Wärmemeditation". Peter Sorg hat sie heraus gebracht und besprochen.

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  19. Peter Selg, natürlich.

    http://www.amazon.de/Die-«Wärme-Meditation»-Geschichtlicher-Hintergrund-Beziehungen/dp/3723514413/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1314741114&sr=1-2

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  20. Siehst Du, das ist ein Punkt, den ich noch nicht klar hab für mich. Ich glaube auch, dass wir mit unserem Dasein das Bewußtsein, das nicht persönlich ist, verändern.
    Eine andere Perspektive ist, das das Bewußtsein unberührbar ist, dass es Handlungen und Gedanken spiegelt - eben das vielzitierte Beispiel mit dem Spiegel, der unberührbar bleibt indem er spiegelt.

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  21. PS: Spira sagt im video: "The mirrow is always the same, is always itself, independet of the coming and going..."
    "Der Spiegel ist immer derselbe, ist (bleibt) immer er selbst, unabhängig davon, was kommt und geht...."

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  22. Die Bewusstsseinsebene, die Du anspricht (die Steiner die "Ätherische" nennt), tritt i uns schon in zwei Formen auf: einer leibgebundenen und einer leibfreien. Das ist biologisch durch den Zahnwechsel angelegt. Unser ätherisch- freies Element wächst mit dem Älterwerden. In diese geistige Leiblichkeit leben wir uns tastend ein. Sie ist die Kraft, die in uns schafft. Aber sie ist zugleich natürlich eine Enklave in einem weiten biologischen Feld, voller Leben und Sinn in der Formung und Gestaltung. Diese Naturkraft finden wir in uns wieder. Je weiter wir uns im eigenen Haus zurecht finden (das mag schon noch dauern), wirken wir auch auf die natürliche Umgebung zurück. Erkenntnismäßig, aber auch von der direkten Wirkung auf die Natur. Es tut gut zu gärtnern, wollte ich damit nur sagen.

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  23. ...ich mach mir jetzt eine Wärmeflasche und geh ins Bett.
    Good night dear egoists!

    PS: Dear Mike, answer me tomorrow

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  24. Vielen Dank für die Hinweise auf Rupert Spira!
    Zu der Frage, ob die "Möbel" nun den "Raum" verändern oder nicht:

    Für mich ist das Bewußtsein dasjenige, das zwar selbst keine "Form" hat, aber jederzeit jegliche Form annehmen kann. Und insofern verändert es sich zwar in jedem Augenblick - aber dabei behält es gleichzeitig seine - unveränderliche - Fähigkeit, seine "Form" neuen "Inhalten" anzupassen… ähnlich dem, was Scaligero als das "reine Denken" schildert.

    Rupert Spira vergleicht nun dieses unveränderlich veränderungsfähige Bewußtsein mit dem "Raum", und die unendlich vielen Formen, die es annehmen kann, mit den "Möbeln".
    Aber das ist schließlich nur eines der unzähligen möglichen Bilder dafür - und ich glaube nicht, daß es in seinem Sinne wäre, wenn wir nun an diesem Bild (oder auch an einem anderen, beispielsweise dem vom Spiegel) kleben bleiben wollten. :-)


    Bei Rudolf Steiner lese ich von der Veränderung der Geistigen Welt im Laufe der Evolution. Und er spricht immer wieder auch von einer Art "Auftrag" an den Menschen - von der "Aufgabe" (um derentwillen wir "aus der Einheit herausgestellt" sind), hier auf Erden das "Ich", das "Selbst-Bewußtsein" zu entwickeln und auf diese Weise mitzuwirken an der Evolution der Geistigen Welt. Es geht ihm, soviel ich begriffen habe, darum, "Regionen", die wir ansonsten ohne Selbstbewußtsein "betreten", eben mit vollem Selbstbewußtsein zu durchleben.
    Allerdings habe ich nicht den Eindruck, Steiner würde diese "Regionen", eben die "Geistige Welt" (die er ja sehr differenziert schildert) gleichsetzen mit dem Bewußtsein.

    Ich werde mir das Buch Rupert Spiras bestellen - es ist mir noch etwas rätselhaft (und geht für mich aus den Videos, die ich bisher gesehen habe, auch noch nicht hervor), wie er zu der Überzeugung kommt, das Bewußtsein, die "unlimited consciousness", sei alles.

    Wenn es einerseits um reines, um unpersönliches Denken bzw Bewußtsein geht und andererseits um Unbegrenztheit, Unendlichkeit - dann denke ich an die Mathematik:
    Eine Gerade ist eine unendliche Menge von Punkten. Und dennoch ist sie nicht alles. Sie ist nicht einmal alle Geraden, die es gibt - es gibt auch noch unendlich viele von ihr verschiedene Geraden.
    Und obwohl die Ebene, in der diese Gerade liegt, eine unendliche Menge von Geraden ist, so gibt es dennoch außer dieser Ebene noch unendlich viele andere, mit ihr nicht identische Ebenen…
    Und so weiter, wenn es auch mit jeder weiteren Dimension, die wir dazunehmen, schwieriger wird, es sich vorzustellen…

    In ähnlicher Weise zwar schwierig, aber nicht ganz unmöglich mitzudenken, ist es für mich mit den "Dimensionen" der "Geistigen Welt", die Rudolf Steiner so differenziert schildert.

    Oh.
    Und nun entdecke ich:
    Rupert Spiras Buch "Bewußtsein ist alles" heißt im Original "The Transparency of Things" - ein Titel, der, finde ich jedenfalls, auf eine ganz andere Spur führt.

    Ich bin gespannt.

    Herzlichen Gruß,

    Ingrid

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  25. Dear Mike,
    ich sehe jetzt, dass Du schon gestern geantwortet hast.
    Deinen Hinweis auf das Ätherische finde ich sehr hilfreich.
    Ja, es tut gut zu gärtnern, um so mit den Elementarwesen in Resonanz zu gehen und am Ätherischen anzudocken. Vielleicht einen Kühlewind lesen und ausprobieren, was er an Übungen für die leere Aufmerksamkeit vorschlägt. Es tut gut, in einem retreat gemeinsam mit anderen Menschen zu sein - alles Möglichkeiten, um solche Zwischenräume erfahrbar zu machen.
    Deinen Satz „In der Sache selbst - dass wir nicht ganz aufgehen in unserer Erscheinung, in unseren Formen und unserem Leben - gibt es sicher keine Differenz zwischen Steiner und Spira.“ finde ich sehr schön ...und warm.
    … weil, so fällt mir jetzt ein, der erste „Ausdruck“ der spirituellen Welt die Wärme ist. Zwar nicht meine Wärmeflasche, sondern eine Qualität, die Steiner bei der Erstehung des alten Saturn beschreibt. …. etwas, wo noch nichts Astralisches drinnen ist. Das kommt später dazu und ist auch, denk ich, die Basis vom Ego. … welchem manchmal kalt ist und dem eine warme Umarmung gut tut. Es irrt ja oft genug isoliert in der Welt umher und „weiß“ nicht mehr, dass das Ich eh mit Allem verbunden ist.
    Die Elementarwesen der Erde, so Steiner, stoßen mit Hilfe der Elementarwesen des Feuers/der Wärme, das Leben in seine Entfaltung. Das ist reiner spiritueller Wille, der sich unmittelbar ausdrückt. Gemeinsam mit den Elementarwesen von Wasser und Luft webt sich das Leben weiter und was in der Pflanze unbewußt gestaltet, wird im Menschen durch das Ich bewußt erfahrbar: sofern der Nebel sich lichtet und die Zwischenräume aufgehen.

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  26. Liebe Ingrid,
    ich glaube auch, dass Spiras Bewußtsein und die Geistige Welt Steiners nicht gleichzusetzen sind, auch wenn sich da irgendetwas trifft....
    Ich glaub was bei Steiner dazukommt, ist das was Du oben auch geschildert hast, nämlich die Aufgabe, die Veränderung der Geistigen Welt durch das Mitwirken des Menschen.….durch die Ich-Entwicklung
    Das Aus-der-Einheit-gefallen-sein erhält dadurch einen Sinn....
    Ich beschäftige mich gerade mit den Elementarwesen und deshalb erwähne ich sie wieder: es sind die Elementarwesen, die Kunde von der physischen Welt in die geistige Welt tragen. Die Achse Elementarwesen – geistige Welt ist direkt.

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  27. Liebe Ingrid, ich sehe die Frage nach der Beziehung zwischen "Bewusstsein" und "geistiger Welt" so wie die Bibel das mit dem Alpha und dem Omega: http://www.kath.de/lexikon/symbole_kirchenraum/index.php?page=alpha_omega.php

    In dem Kleinsten ist das Grösste bereits enthalten. Oder umgekehrt. Das liegt daran, dass das angesprochene "Bewusstsein" in sich transparent ist. Es liegt nur an uns selbst, wie *weit* der Blick reicht.

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  28. Ich vermisse irgendwie den "egoistischen" Aspekt, kann das sein?

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  29. Na ja, wir haften halt an den Objekten, wir klammern uns daran, wir machen Mitmenschen zu Objekten, klammern uns daran, usw. Es geht ja nur darum, ein paar Momente des *Nicht- Haftens* heraus zu arbeiten.

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  30. Lieber Michael,
    "Es liegt nur an uns selbst, wie *weit* der Blick reicht."

    Ja.
    Und gerade deshalb fühle ich immer noch einen "inneren Widerstand" bei dem Satz "Bewußtsein ist alles": denn das scheint zu implizieren, daß im unbegrenzten, unpersönlichen Bewußtsein automatisch schon alles enthalten ist. Das wiederum könnte aber so verstanden werden, daß der *Blick* sich, wenn man einmal dieses "Unbegrenzte" erlebt, nicht noch mehr *weiten* könnte - oder?

    Ich denke daran, daß Rudolf Steiner sagt, die bewußte Vorstellung der Menschen vom "all-einigen Gott", zu dem man sich unmittelbar erheben kann, führe sie nicht weiter als bis zum Angelos, dem Engel. Damit aber gelangt jeder Mensch nur zu seinem eigenen Angelos*) - und somit kann es auf dieser "Ebene" keine wirkliche Verbindung geben zwischen den Menschen.

    Eine Verbindung bekommen wir dann höchstens, wenn wir in unserem gefühlsmäßigen Empfinden (also viel weniger klar bewußt) in der "Anbetung" des "Einen, Einzigen, Unbegrenzten, Unpersönlichen" aufsteigen zum Archangelos, zum Erzengel. Das ist sozusagen ein "Gruppenengel" - und wieder besteht hier die Gefahr, daß wir das Zusammenwirken der Erzengel übersehen und uns nur zum Archangelos unserer eigenen Gruppe hinneigen (und auf diese Weise beispielsweise beim Nationalismus landen…).

    Ebenso kann es uns mit den Archai ergehen, den Zeitgeistern - wir huldigen dann unserer eigenen Arché, die sich uns als der Geist unserers Zeitalters zeigt - und ignorieren, wenn nicht gar verachten, die übrigen Archai…


    Und lieber manroe, zu Deiner Frage nach dem "Egoismus":
    Rudolf Steiner bezeichnet gerade diese Verwechslung des eigenen Engels mit dem "einen Gotte" als "verkappten Egoismus" - und das Hinneigen zum eigenen Erzengel als "etwas Sozial-Egoistisches".



    Ich habe bisher noch nicht sehr viel anfangen können mit der Vorstellung der "geistigen Hierarchien" --- aber diesen Gedanken kann ich wirklich viel abgewinnen; sie erhellen mir meine eigenen "inneren Widerstände" gegen gewisse "Alles ist eins"-Erfahrungen…


    Herzlichen Gruß,

    Ingrid

    _____________
    *) "Die Angeloi, die unmittelbar über dem Menschen stehenden Wesenheiten, führen den Menschen durch die Pforte des Todes, führen ihn hindurch, sodaß er seinen Angelos an seiner Seite gewissermaßen hat, vom Tod zu neuer Geburt und führen ihn wiederum ins neue Leben ein. Die Angeloi sind dazu berufen, die einzelne menschliche Individualität hindurchzuführen durch die wiederholten Erdenleben." (GA 172, S 254)

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  31. Liebe Ingrid,

    das mit dem "egoistischen" Aspekt, ich für mich lasse das mit "dem" einen Gott offen, ich versuche es nicht zu benennen oder sonstwie in mir anzulegen, sondern bemühe mich nur darum mich innerlich umzusehen und die richtigen Fragen zu stellen an und aus dem heraus, was sich mir ergibt, durch diese Aktivität.

    Und in diesem Sinne, wie Michael mir antwortete, wenn immer es geht abzulassen von dem was andere sagen oder sonstige Objekte, weil es mir letzlich eh nichts bringt, letzlich, wenn ich versuchen muss, es in mir zu erfassen, selbst, meine Formen zu "generieren" - und darin erlebe ich den "egoistischen" Aspekt, es mit sich selbst zu probieren, selbst wenn ich zuhöre oder sonstwas lese. Das, was sich durch eine solche Aufnahme von Inhalten ergibt, versuche ich zu lösen von jeglichen "Objekten", um mich nicht innerlich auf die Bahn von Objekten zu bringen, dann würde ich anderen Energien nachlaufen oder von ihnen gelenkt. Was dann bliebe, Beschreibungen. "Was siehst Du?"

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  32. Liebe Ingrid, angeregt durch Deinen Kommentar hab ich - während ich neugierig auf Michaels Antwort gewartet habe - gründlich nachgedacht und bin zu folgendem Resultat gekommen:
    Im unbegrenzten, unpersönlichen Bewußtsein sind Engel, Erzengel, Archai, Bodhisattvas, Buddhas, Ein-Gott, oder Viele Götter u.v.m.. als ungeformte Begriffe eingefaltet. In einem unausschöpfbaren Reservoir sind das potentielle Formen und Objekte der Menschheit, und einige davon wurden von Steiner durch Begriffe seiner und auch anderer Kulturen - sehr differenziert ausgeformt und beschrieben.
    In der Erfahrung der objektfreien Zwischräume geht es mMn nicht um Anbetung, weil die Anbetung nur zu einem bestimmten Bereich kommt, der an die eigene Vorstellung gebunden ist.
    Wenn man/frau die Erfahrung des Nicht-Begrenzten macht, so ist die „Weite“ oder die „Tiefe“ der Erfahrung immer davon abhängig, wie weit das persönliche Bewußtsein fähig ist, das Unbegrenzte im begrenzten Organismus und Bewußtsein zu fassen. Oder vielleicht besser ausgedrückt, … ist davon abhängig, wie weit der Einzelne sich dem Nicht-Begrenzten öffnen und es zulassen kann.
    Ich kann Michaels Hinweis, dass das Kleinste im Größten – und umgekehrt – enthalten ist viel abgewinnen:
    ich kann mir vorstellen, dass in der Erfahrung der „objektfreien Zwischenräumen“ z. B. spirituelle Welten, wie sie Steiner beschrieben hat, erfahrbar sind – selbst ohne ausgeformt zu sein.
    Ich kann mir auch vorstellen, dass für Menschen aus anderen Kulturbereichen, die nie von Christus gehört haben, dessen Essenz durch die Erfahrung der objektfreien Zwischenräume zugänglich wird.
    In dem unbegrenzten Bewußtsein ist Alles und Nichts gleichzeitig.
    So zumindest verstehe ich Spira wenn er schreibt: „Erfahrung hört also nicht auf, wenn das Objekt entschwindet, nur der objektive Aspekt von Erfahrung, also Name und Form, endet. Erfahrung selbst, Erfahren selbst, geht weiter...“
    Das ist klassische buddhistische Sichtweise. Es gibt ganz viele Übungen, die Objekt aufbauen und es dann loslassen. Die Erfahrung geht weiter, ohne Objekt, welches zuvor gründlich erforscht wird. Begriffe, seien sie noch so spirituell, sind nach östl.Sichtweise letztendlich Produkte „of the mind“ und damit begrenzt. Durch das Loslassen des Objekts/Begriffes wird dessen „Inhalt“ als Erfahrung
    im Organismus integriert.
    Es weist auch Steiner darauf hin, wie wichtig es ist, dass wir das, was wir über die spirituellen Welten erfahren integrieren. Denn wenn das Objekt/der Körper durch den Tod entschwindet, dann geht Erfahren selbst weiter....
    Steiner beschreibt sehr detailiert einen Teil von diesem „unausschöpfbaren Alles“ (das erklärt mMn warum sein Werk so umfangreich ist), die Zen Buddhisten fangen mit dem Nichts an und die Tibeter bauen Objekte auf und ab. Spira, so wie ich durch das Bißchen glaube verstanden zu haben, beschreibt eine Seite der selben Medaille.

    :-)… diesmal bin ich ganz ohne Elementarwesen ausgekommen

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  33. Liebe Ingrid, nein, ich denke nicht, dass Alles eins ist. Bewusstsein durchdringt natürlich alles, es ist Lebensessenz, Denksubstanz, quellender Urgrund des Seins. Aber, wie auch im Leben, ist mit Erkenntnis allein nichts getan. Auch nicht mit organischen Gefühlen, dass man das Gefühl hat, sich hier aufzulösen. Das ist alles möglich und man hört es in vielen Schilderungen.
    Was eine ganz andere Ebene herein bringt, ist das Empfinden. Es gibt einen Punkt, an dem man warm und herzlich wird. Erst an diesem Punkt beginnt eigentlich wieder eine persönliche Note. Dabei sind die Empfindungen nicht eigentlich *persönlich*. Es ist eine reine Wärme, und in ihr spürt man, was ein Mensch ist und auch, was man selbst ist. Am Grund wartet die warme Herzlichkeit. Die, glaube ich, ist überhaupt wesenhaft und in dieser Wärme ist man auch in der Lage, andere Wärme wesenhaft wahrzunehmen.
    Die Essenz, in der man sich in Wärme erlebt, bleibt aber immer das Bewusstsein oder: Das Licht.
    Vermutlich gibt es eine Substanz, aber viele Ebenen, die diese durchschneiden und immer neue Erfahrungen ermöglichen.

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  34. Nicht "organische Gefühle" (da greift das Rechtschreibprogramm von Google ein), ich meinte "ozeanische Gefühle".

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  35. Lieber Manroe, ja, ich denke auch, dass man das austarieren muss, immer wieder sorgfältig abwägen, wie viel Energie man wo da hinein steckt, und in welcher Situation. Es bekommt ja seinen eigenen Rhythmus. Es gibt sicher auch einen Punkt, an dem man damit sicherer umgeht und keinerlei Bemühung mehr notwendig ist. Es kommt und geht und ist eine ganz selbstverständliche Sache, ein Aspekt des Lebens. Aber es sollte nie quer zum Leben stehen oder etwas wegnehmen oder einen *seltsam* machen. Es ist so normal wie das Atmen.

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  36. Liebe Freudean, ich denke, man muss im Bewusstseinsstrom nicht verharren und da eine Selbstauflösung zelebrieren oder dergleichen. Man hat ja vorher eine Übung durchlaufen, um *hier* zu bestehen. Es ist wie eine verwandelte Kraft des Eisens, so wie das Eisen im Blut sicher mit zum Alltagsbewusstsein beiträgt. Die neuen Ebenen sind so schwer zu entdecken, weil sie einem so nah sind- näher geht es gar nicht. Man muss sich eben auf jeder Ebene neu entdecken. Was man im einzelnen daraus macht, ist dann eine andere Frage. Aber im Grunde, denke ich, fängt das Abenteuer an dem Punkt erst an.

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  37. Mit einer Aussage wie "Alles ist eins" ist, nach meinem Verständnis, zunächst einmal (in einem ersten Schritt) gemeint, dass alle Objekte im und für das Bewusstsein erscheinen. Ein "Objekt" in diesem Sinne kann ein Gedanke an Knäckebrot oder ein Gedanke an die Angeloi sein, eine Körperempfindung, ein Gefühl oder eine Wahrnehmung der Welt, usw. - unabhängig davon, welch ein Bedeutunsgehalt ein Objekt für mich hat (oder welche Konsequenzen ich für meine Lebensführung daraus ziehe).

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  38. Die "Zwischenräume" erscheinen ja nur aus unserer "Gefangenschaft" in der Dualität als solche. ICH bin und existiere im "Zwischenraum", handele aus ihm heraus. Objekte bannen meine Aufmerksamkeit, ich bin das so gewohnt, weil sie gewissermassen Zeugen, Garanten, Belege sind meines Handelns, ich identifiziere mich durch sie, "denke" und glaube ich, weil ich nicht darauf komme mich "umzudrehen", um den schöpferischen Quellort zu gewahren, den ich dann allerdings auch nicht als Objekt wahrnehemen würde, denn eigentlich gibt es gar keine Objekte...

    Wenn ich in wacher Spontanität handle, liege ich zumeist richtig, unmittelbar, und zwar nicht weil ich dies aus einer Gewohnheit tat, sondern wirklich dann un-Mittel-bar. Das sollte einem Beleg dafür sein (können),, dass mein wahres Wesen im "Zwischenraum" lebt und ist.

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  39. Lieber Michael „.. ich denke, man muss im Bewusstseinsstrom nicht verharren und da eine Selbstauflösung zelebrieren oder dergleichen.“ Darum geht’s ja auch überhaupt nicht. Wenn Bewusst-sein-strom erfahrbar ist, dann ist das das Gegenteil von Selbstauflösung oder Wegdämmern. Ist natürlich dämpfend, als feed-back so ziemlich das Gegenteil von dem zurück zu bekommen, was ich versucht hab auszudrücken. Mal schauen, was ich damit anfange. Den Hinweis „Die neuen Ebenen sind so schwer zu entdecken, weil sie einem so nah sind- näher geht es gar nicht“ und das, was Du über die Wärme sagst, kann ich gut annehmen.

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