Kollektive geistige Obdachlosigkeit oder: Die unbestimmte Wut der Verschwörungstheoretiker

Geistige Balance halten
In der vierteljährlich erscheinenden europäischen Kulturzeitschrift Lettre International finden sich derartig viele anregende Artikel, dass es mir schwer fällt, einzelne heraus zu greifen - nennen wir aus dem Sommerheft 2016 zunächst Letizia Battaglias leidenschaftliches fotografisches und schriftliches Plädoyer gegen die Mafia in Sizilien, für die Freiheit und die „sizilianische Schule des Lebens“, Yitzhak Laors Betrachtungen über Hannah Arendt und Bertold Brecht - „Liebe, Tugend, Schuld und Sühne“ oder Mike Davis´, dem Stadt- und Terror- Philosophen, der hier über Klimapioniere seit den Zeiten Kropotkins berichtet, die ihre jeweils eifersüchtig ausgefochtenen systemischen Zustandsbeschreibungen vom Zustand des Planeten austragen: „Kropotkin, Mars, Asien - Von Eiszeiten, Wassermangel und Wüstenzonen“. Träume, Visionen, gedankliche Konstrukte, die gerade haussieren; Georges Nivat betrachtet Russlands „Traum des Weltreichs“- die wieder einmal aufgeflammte „Nostalgie nach dem großen Vaterland“. Ein Heft zum Thema Europa - da könnte man stets einiges anfügen. Ich möchte an Simon Glinvars persönliche Betrachtungen und Beobachtungen aus Dänemark anknüpfen, der episodisch aus dem Leben seines Großvaters berichtet, einem ehemaligen Polizeichef, der nun, im Alter beim Fischen plötzlich „am Außenbordmotor erstarrt war und seine Umgebung nicht mehr entschlüsseln konnte“. Es ist der Ausbruch einer fortschreitenden, sich schubweise vollziehenden Form von Demenz. In den zunächst phasenweise erscheinenden Bewusstseinsveränderungen kommt es dazu, „daß die Welt feindlich wirkt (..) und diese Feindlichkeit dürfte bei ihm das Gefühl gefördert haben, sich nirgendwo mehr zu Hause zu fühlen.“ Der Großvater geht durch einen Wechsel hindurch „von einem entgegenkommenden, freundlichen Milieu zu einem feindlichen“.

Glinvar fasst diese Auswirkungen der Demenz als Symptom der Zeit auf. Auch Europa verändert sein Gesicht und erlebt sich - zumindest stetig wachsende Mengen von Menschen - zunehmend als heimatlos. Die unbestimmte Wut des Irritierten wird im Kollektiv, das seinen Realitätsverlust und die Heimatlosigkeit als mentale Konstruktion erlebt, gelenkt auf diejenigen, die verantwortlich gemacht werden für die Überfremdung: Diejenigen, die physisch Heimatlosigkeit vor Augen führen wie z.B. Flüchtlinge. Die Flüchtlinge führen vor Augen, was der heimatlose gewordene Bürger intrinsisch - mental erlebt.

Glinvar führt die zahllosen Maßnahmen auf, die europäische Staaten und Gemeinden unternehmen, um dieses Vor- Augen- führen zu unterbinden. In Italien ist der Kampf um die Parkbänke entbrannt, deren missbräuchliche Nutzung scharf verfolgt wird. Der unerlaubte Aufenthalt im öffentlichen Raum ist längst zum Politikum geworden. Das Vor- Augen- führen der Heimatlosigkeit hat in Ungarn dazu geführt, dass „Obdachlosigkeit ganz einfach für gesetzwidrig erklärt“ wurde. Gerade lese ich in der Moskow Times, dass per Dekret jedes ungebührliche Verhalten in der Öffentlichkeit unter Strafe gestellt wird. Das ist ein weites Feld. Was als fremd und ungebührlich erscheint, liegt im Auge des Betrachters- in diesem Fall dem der Staatssicherheit.

Was aber führt zur flächendeckenden Entfremdung ganzer Bevölkerungsteile, zur grassierenden Wut, die so anfällig macht für simple politische Parolen? Ein Paradox zeigt sich ja auch darin, dass die Landesteile besonders anfällig dafür sind, die am wenigsten mit Flüchtlingen konfrontiert sind- so wie in Großbritannien die am vehementesten für den Brexit stimmten, die am meisten von der EU profitierten. In vielen solcher Symptome zeigt sich doch, wie sehr die mentale Konstruktion sich abgekoppelt hat vom Realen- und wie weit sie fortgeschritten ist. Überfremdung, Fremdbestimmung, aber auch Rassismus und neu aufgewachter Nationalismus sind heute Symptome eines grassierenden Realitätsverlusts, ja einer kollektiven geistigen Obdachlosigkeit.

In Russland ist diese Krise schon lange virulent; sie wird von den Strategen des Kreml souverän bedient, wie Ulrich Schmid in „Technologien der Seele. Vom Verfertigen der Wahrheit in der russischen Gegenwartskultur“ schreibt. Schon im Jahr 2000 wollten lediglich 24% der Russen noch in einem Land leben, das „der modernen Welt und ihren Einflüssen aufgeschlossen gegenübersteht“. Seitdem sinkt die Zahl der Weltoffenen weiter stetig. Stattdessen sucht man den Zusammenhalt unter nationalistischen Reflexen: „Das Imperium ist also ein Konzept, das wie kein anderes den Zusammenhalt Russlands garantieren kann“ (S. 118) - man hebt sich am liebsten wie in weiten Teilen der Rechten Westeuropas „von einem bürokratischen Staat westlicher Prägung ab, der bloß die Rahmenbedingungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens definiert“. (S. 119)

Der Staat soll offensichtlich die innere Heimatlosigkeit, Leere, als feindlich empfundene Umgebung ausfüllen mit emotionalen, verbindenden Inhalten. Er soll sinnstiftend sein. Putin ist daher auch für viele Heimatlose im Osten zum neuen Idol und Führer geworden und reagiert, indem er die Rolle als „Sammler der russischen Erde“ immer stärker ausfüllt. Dass Ausgrenzung, das Errichten von Mauern, Rassismus und Aussperren derer, die die Heimatlosigkeit als Flüchtlinge vor Augen führen, die Parolen und Aktionen sind, die die neuen Führer zu Idolen machen, zeigen die Charaktere von Orban bis Trump nur zu deutlich. Natürlich ist die Botschaft hohl. Aber sie wirkt.

Denn das Surreale schreitet stetig voran, begünstigt durch die Welt der Information und des Tratsches in unserer aller Tasche. Man sieht es an Hunderten von Smartphone- Getriebenen jeden Alters auf der Königsallee in Düsseldorf, die auf der Jagd nach einem seltenen virtuellen Pokemon- Wesen sind. Oder nach neuen, surreal- aggressiven Twitter- Posts Beatrix von Storchs. Man sieht das Surreale auch in den idyllischen Urlaubsorten, deren Authentizität durch die internationalen Anlagefonds, denen sie gehören, so gepflegt wird, dass sie zu einem museal- kitschigen Abbild ihrer selbst geworden sind. Ist Venedig noch Venedig- oder nicht vielmehr ein Abbild des Klischees, das Touristen von Venedig erwarten? Ist das chinesische Essen „chinesisch“? Bin ich ich selbst oder das Bild, das ich mir und dir von mir selbst vorstelle?

Da wird Authentizität doch zum sicheren Hafen. Sergio Benvenuto stellt („Verschwörungen überall“) im vorgestellten Lettre- Heft eine ganze, umfassende Palette gängiger Verschwörungstheorien vor, die die Sicherheit und Authentizität vermitteln, die offenbar global der Virtualität zum Opfer fällt. Er fängt mit dem gebildeten Somalier an, der sich ganz sicher ist, dass „jeder in Afrika weiß: daß „sie“ das Ebola- Virus verbreitet haben“ (S. 132). „Sie“ sind in diesem Fall (je nach Kontinent austauschbar) „die europäisch- amerikanischen Mächte, die Hydra, deren Ziel es ist, die Afrikaner auszurotten“. Nach einem Rundummarsch mit Abstechern zu den Protokollen von Zion (von zaristischen Agenten verfaßt und bereits 1921 entlarvt), Umberto Ecos letzten Bemerkungen zum „Komplottismus“ bezüglich des Jesuitenordens (etwas, dem Rudolf Steiner ausgiebig anhing) und einem Abstecher zu Neros konspirativem Manöver, den Brand von Rom den Christen anzuhängen, kommt Benvenuto zum Resümee, die konspirativen Legenden seien ein Instrument zur Realisierung kognitiver Resonanz- aber auch ein Vermeidungsinstrument, „mit dem eine kritische Konfrontation mit der Realität vermieden werden“ soll, vor allem durch „brachiale Reduktion von Komplexität“ (S. 133). Das macht dieses Medium der hohlen Botschaften so ideal zum Instrument politischer Manipulation der geistig Obdachlosen und Frustrierten, vor allem durch den Schein des „Authentischen“, den Demagogen von Trump bis Putin so gut beherrschen.

Lit:

Ulrich Schmid, „Technologien der Seele. Vom Verfertigen der Wahrheit in der russischen Gegenwartskultur“
Lettre international Sommer 2016. lettre.de


Kommentare

  1. Geistige Obdachlosigkeit erlebe ich, indem ich allen Höhen und Tiefen trotze. So trotzend empfinde ich mich ohne Bestimmung. Dieser Bestimmungs-losigkeit wiederum trotzend, empfinde ich mich in Selbstbestimmung. Auch ihr trotzend, offenbart sich das Empfinden: Sie hört mir zu.

    Dieses Zuhören ist durchwoben von Werten. Solchen, die in dem Lehrraum, der durch mein Trotzen geschaffen ist, Resonanz ausbilden.

    So kann ich mich in das Zuhören der Selbstbestimmung einstimmen. Still einander zuhörend, entpuppt sich die dabei waltende Stille der Selbstbe-stimmung als mir zugehörig.

    So eine selbst gewollte Obdachlosigkeit ist ebenso unbestimmt wie es die, im Titel erwähnte, unbestimmte Wut ist.

    Würde man an diese Wut die Stimme der Selbstbestimmung weiterreichen, wie täte sie sich auswirken? Würde sie Wut in heiligen, also heilenden Zorn wandeln?

    Und, dieser Zorn, wäre der stets inspiriert durch die im Geiste des Menschen selbst gesetzten Werte?

    Und, diese Werte, die im Lehrraum der Obdachlosigkeit aufträten, wäre ihnen innewohnend derjenige Wille, dessen Güte bereits diejenige Herkunft ist, der jegliche Heimat entspringt?

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    1. Burghard, Du sprichst von der Heilung, von der inneren Wandlung des Zorns, der sich zu Unrecht dem Fremden gegenüber aufbaut- Heilung im wortwörtlichen Sinn, im Sinn der Gnade. Die innere Leere, die lebendig getragen wird und sich wandelt zur Aufmerksamkeit. Wenn Steiner vom "metallischen" Empfinden in diesem Zusammenhang sprach, meinte er das Merkurielle- den Stern, der im Menschen erwacht. Es ist der Beginn des geistigen Lebens.

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    2. Wie wahr, das Wunder, die reine Güte inmitten der ausgehaltenen Leere zu entdecken.

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  2. Innere Realitätsverlust und innerer Heimatlosigkeit im Kollektiv als Zündung für Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Da soll eine geistige Obdachlosigkeit im Kollektiven gezielt therapiert werden durch die Vermittlung der Illusion "wir seien das überlegenere Volk und die anderen wären nicht würdig bei uns zu leben!"

    Schwarzer Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern:
    In Mecklenburg-Vorpommern hatte die rechtspopulistische AfD mehr Stimmen als die CDU von Merkel geholt und wurde zweitgrößte Partei. Mecklenburg-Vorpommern ist aber gleichzeitig das Bundesland mit der geringsten Zahl der Asylanträge in 2016.

    Die Statistik:
    5.627 Asylanträge wurden im ganzen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern in 2016 gestellt (1,2 % der Gesamtzahl bundesweit). Verschwindend gering in Vergleich zu den anderen Bundesländern. In NRW waren es beispielsweise 105.993. Insgesamt wurden im Jahr 2016 bis Juli in Deutschland 479.620 Anträge auf Asyl gestellt. Die neuen Bundesländer wurden vergleichsweise wenig belastet wie die Statistik zeigt:

    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/451902/umfrage/asylantraege-in-deutschland-nach-bundeslaendern/

    Uno Flüchtlingskommissar Filippo Grandi hat der Ausgang der Landtagswahl als paradox bezeichnet:

    "…das Bundesland, in dem gewählt wurde, hat die wenigsten Flüchtlinge und das beste Wirtschaftswachstum…"

    "…Es scheint also seltsam, dass es hier funktioniert hat, Flüchtlinge als Feinde darzustellen…"

    "…Kanzlerin Angela Merkel hat bisher einen pragmatischen und humanitären Ansatz in der Flüchtlingskrise gehabt….Um eine Leitperson zu sein, muss man die Ängste der Bürger anerkennen und in der Lage sein, diese zu steuern, während man an einer größeren Vision festhält…"

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wahl-in-mecklenburg-vorpommern-uno-fluechtlingskommissar-nennt-ergebnis-paradox-a-1111120.html

    Bemerkenswert auch die Videoanalyse auf der gleichen Webseite von Roland Nelles (Ressortleiter Politik und Mitglied der Chefredaktion von Spiegel Online):
    Es wird immer gesagt "man müsste die Sorgen, Nöten und Ängste der Bürger ernst nehmen".
    Die Statistik zeigt, dass das gerade in Mecklenburg-Vorpommern nicht der Fall war. Diese Scheinbegründung dürfte aber grundsätzlich mehr als fraglich sein und wird gerne als Verharmlosung für zutiefst rechtsradikales Gedankengut benutzt. Die Ursachen für Fremdenfeindlichkeit und Rassismus liegen ganz woanders. Durch Propaganda werden die Menschen gezielt die bösartige Illusion einer Überlegenheit des eigenen Volkes vermittelt.

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    1. Danke für die Hintergrund- Informationen, Zahlen und Fakten. Interessant auch: Je weiter östlich, desto mehr wird rechts gewählt.

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    2. »Ein Paradox zeigt sich ja auch darin, dass die Landesteile besonders anfällig dafür sind, die am wenigsten mit Flüchtlingen konfrontiert sind«

      Ähnliches zeigte sich auch bei unserer Bundespräsidenten-Stichwahl im Mai (wir warten gespannt auf die Wahlwiederholung am 2. Oktober): in Wien, das weitaus die meisten Asylwerber beherbergt, siegte Alexander van der Bellen souverän mit 63,32 % (Norbert Hofer erreichte hier nur 36,68% der gültigen Stimmen). In Bundesländern mit sehr viel weniger Asylwerbern sah es ganz anders aus.
      Ein Feindbild läßt sich eben am leichtesten malen, wenn der „Feind“ so weit weg ist, daß kaum jemand sich selber davon überzeugen kann, ob das Bild stimmt.

      Interessant finde ich auch, daß laut vorläufigem Ergebnis Merkels CDU weniger Stimmen (4%) verloren hat als die SPD (5%) oder die Linken (5,2%). Davon scheint bisher wenig die Rede zu sein...

      In seiner heutigen Rede in Den Haag machte der UNO-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein aufmerksam auf die strukturellen Gemeinsamkeiten zwischen westlichen Rechtspopulisten und dem IS, die sich gegenseitig hochschaukelten.

      Es ist eine brandgefährliche geistige Obdachlosigkeit.

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  3. Ja, hatte ich auch gesehen. Die Grafik dazu:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-in-mecklenburg-vorpommern-die-hochburgen-der-rechtspopulisten-a-1110955.html

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    1. Wie in Großbritannien, wo die Provinz vor allem gegen die Metropole wählt. In Berlin und London ziehen Start-ups, Jobs, Wissenschaft, Unis, Clubs, Kultur, Perspektive alles ab. Es bleiben Subventionen, Landwirtschaft und Tourismus.

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    2. Ja, sicher nur ein Effekt, wie in Sasa Stanisics "Vor dem Fest", das in der Uckermark spielt, in dem die verhassten Berliner den übrig gebliebenen Dörflern die Häuser weg kaufen, um Urlaub zu machen.

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  4. @ Ingrid H.

    "…Ein Feindbild lasst sich eben am leichtesten malen, wenn der „Feind“ so weit weg ist, dass kaum jemand sich selber davon überzeugen kann, ob das Bild stimmt…"

    Ja, sehr richtig. Außerdem:
    Propaganda ist keine Wirklichkeit, sondern Illusion, Lüge. Da wird etwas geschürt was im Leben so gar nicht vorhanden ist. Da lässt sich jedes Feindbild erzeugen, Hauptsache es eignet sich zur Instrumentalisierung und Mobilisierung des Kollektives. Dabei findet eine Art der Entmenschlichung durch Hass im Denken statt, muss stattfinden, sonst wären die Vorstellungen die man sich da bildet ganz und gar unerträglich.

    Wenn Menschenschicksale tatsächlich sichtbar und erlebbar sich, geht die Meinungsbildung meistens in eine ganz andere Richtung.

    Noch viel ausgeprägter war das im Dritten Reich erlebbar. Juden waren in der öffentlich verbreiteten Meinungsbildung weder Menschen noch Untermenschen, sondern eine verderbliche Rasse, irgendwelche Ungeheuer die es nur darauf abgesehen haben die Menschheit zu beherrschen und zu zerstören. Dem konnte nur durch radikale Vernichtung zuvorgekommen werden, so die damalige Machthaber.

    Auf der gesellschaftlichen Ebene gab es in der Zeit wo die "Endlösung" der Judenfrage noch nicht vollzogen war naturgemäß viele Menschen die Juden persönlich gekannt haben. Das ging auch gar nicht anders. In allen Schichten der Gesellschaft gab es jüdische Mitbürger. Sie wurden als Menschen erlebt und passten natürlich nicht in dem Bild der öffentlichen Denkzwänge. In den damaligen, diktatorialen Verhältnissen wurden persönliche, abweichende Ansichten in dieser Frage allerdings nicht toleriert, jede Äußerung war strengstens verboten.

    Vielen haben sich zur damaligen Zeit ihre persönliche Meinung so zurechtbiegen müssen, dass man gesagt hat: Die Juden die ich da gerade kenne sind ja eigentlich in Ordnung. Da Juden aber an sich ganz schlimm und gefährlich sind müssen die wenige Guten unter die Schlechten leiden und sollen auch sie ihrem Schicksal nicht entkommen. Was dieses Schicksal beinhaltet haben die meisten durchaus vermutet.

    Das sind alles äußerst dunkle Gedanken einer dunklen Zeit. Der Antisemitismus war und ist mit Sicherheit die bösartigste und folgenreichste Verschwörungsideologie die es je gegeben hat. Bewusstsein für solche Fragen, auch für die Ereignisse der Vergangenheit, sollte, so meine ich, an vorderster Stelle stehen um vergleichbare Ereignisse heute zu vermeiden.

    Deswegen dieser Beitrag.

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  5. Geistige Heimatlosigkeit geht bei Steiner Hand in Hand mit einer immer weiter gehenden ‘territorialen Differenzierung‘ bis zum mentalen Rumpelstilzchen-Wut:

    “Der Volkschauvinismus nimmt immer mehr und mehr überhand, bis er dazu führen wird, daß sich die Menschen in immer kleinere und kleinere Gruppen spalten, so daß schließlich die Gruppe zuletzt nur einen einzelnen Menschen umfassen könnte. Dann könnte es dahin kommen, daß die einzelnen Menschen auch in einen linken und rechten sich spalten würden, und in einen Krieg mit sich selbst kommen könnten, wo sich der rechte Mensch mit dem linken in den Haaren liegt.“ 191.272 (1919)

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  6. “Und im Osten ist zum Beispiel die Tragkraft des Bolschewismus [und des Eurasismus] darauf zurückzuführen, daß er eigentlich von den Menschen des Ostens, schon vom russischen Volke, wie eine Religionsbewegung aufgefaßt wird. … und daß die Träger wie neue Heilande angesehen werden, …“, 200.49

    Diese Religionsbewegung ist nach Steiner (1923) wieder zurückzuführen auf eine Verbindung des Eurasismus mit dem Schamanismus:
    “Da, östlich und westlich vom Gebiete des Ural und der Wolga, wird eine Ehe angestrebt zwischen Magismus und Bolschewismus. Was sich da abspielt, das erscheint der Menschheit so unbegreiflich, weil es sich in einer merkwürdigen Mythosform abspielt, weil sich das Luziferisch-Geistige des Bolschewikentums verbindet mit den ganz dekadent gewordenen Formen des Schamanentums, die herankommen nach dem Ural und der Wolga und dieses Gebiet überschreiten.“ 225.130 f.

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    1. Der Bolschewismus, den Steiner kannte und meinte, ist heute nicht mehr das Problem. Wenn man die Literatur über die politisch Agierenden im Kreml liest, dann sind das selbstironische, hoch gebildete, selbstreflektierte Taktiker, zum guten Teil mit Hipsterallüren und bestem kulturellem Geschmack. Dementsprechend sieht die Szene - von Literatur über Musik bis zu Restaurants in den russischen Metropolen auch aus- für eine Elite, zu der heute auch der FSB gehört, aber auch für eine Mittelschicht. "Eurasianismus" oder gar Renaissance des Stalinismus- das sind Memes, ideologische Kampfmittel, Wege der Manipulation, die wirklich souverän gehandhabt werden. Das sind sicher keine Leute, die sich wie in einer "Religionsbewegung" sehen.

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    2. Genau so ist es.
      Das Zusammenwirken Religion und Bolschewismus ist lange Vergangenheit und wurde in den 30ern durch Stalin beendet.
      Das heutige Russland hat mit dem Bolschewismus, dem Steiner Zusammenhänge mit einer seinerzeit schon überkommenen Geistigkeit (Schamanismus, aber auch Buddhismus, Lamaismus) und "Religionsbewegungen" attestierte, nicht das Geringste zu tun. Konstruierte Zusammenhänge mit dem heutigen Russland sind gefährliche Ablenkung, die Geistigkeit eines Sowjet-Bolschewismus, den Steiner fürchtete, lebt heute eher in luziferisch inspirierten Strömungen im heutigen Westen weiter.

      Steiner wies besorgt darauf hin, was für viele von uns möglicherweise wieder nur eine VT ist. Wenigstens eine "steinersche", sage ich jetzt mal, in der Hoffnung dass nicht wieder eindeutig rechte VT á la "Neuschwabenland-Absurditäten" mit solchen die bereits Steiner beschäftigten, also in irgendeiner Form Einfluss auf das Geistesleben seiner Zeit hatten, in einen Topf geworfen werden.
      Also beispielweise "Mahatma Lenin" und Co. ....(laut dem russischen Theosophen Nikolai Roerich in den 20er Jahren).

      Verlinke ungern, da ja alles wieder als VT auslegbar, hier aber doch mit interessanten und wenigstens teilweise historisch unanzweifelbaren Querverweisen auch über das Verhältnis Religion und Bolschewismus in der frühen Sowjetunion:
      http://info-buddhismus.de/Buddhismus_in_Russland.html

      Verweise auch auf mein posting vom 1. Mai 2015:

      https://egoistenblog.blogspot.it/2015/04/lichtfanger.html?showComment=1430517592309#c8857506108244357434

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    3. Über Roerich hat Prokofieff ausgiebig gearbeitet - Der Osten im Lichte des Westens, Teil 2, Dornach 1997. Interessantes Thema, worauf ich momentan nicht weiter eingehen kann, aus Zeitgründen

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  7. Für den Osero-Kreis ist der Eurasismus vielleicht instrumentell, aber ist er nicht eine Glaubenssystem oder politische Religion für die russische Bevölkerung, wie der Panslavismus und Bolschewismus in Steiners Zeit?

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    1. Das ist Inhalt der Untersuchung Clovers in 'Black Wind, white snow'. Kurz gesagt wird das Instrument Eurasismus in allen Krisen Russlands neu hervor geholt, kombiniert mit Schwärmereien bzgl der wilden, expansiven Steppenvölker- mindestens seit 1920. Heute mehr denn je. Aber es ist ein Mittel, eingesetzt von Medialen Profis und politischen Zynikern.

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  8. Dugins Eurasismus sei dann für uns eine Ideologie, aber für die Russen eine Imagination, eine mystische Religion?

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    1. Eine sehr säkulare Imagination von unerschöpflicher Macht, aus den Tiefen der Zeit, aus den Händen des Khans, weite Räume überrennend, jenseits des Russentums im engeren Sinne. Ein Trost, vor allem hervor gebracht von Insassen der Gulags, um nicht wahnsinnig zu werden- dann in eine fantastische "altenative" Geschichtsschreibung einfließend, heute politisch opportun, vor allem seit den Sanktionen des Westens.

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    2. Dmitrieva (2009) nennt es die ‘Steppenimagination‘.
      https://ojs.ub.uni-freiburg.de/behemoth/article/download/713/803

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    3. Eine sehr gute Quelle, in der doch wieder ein messianisches Element im synthetischen Eurasianismus deutlich wird - "kosmische Kultur". Was für eine überaus gefährliche Energie in diesen Visionen steckt!

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  9. @ Michael Eggert
    "…die politisch Agierenden im Kreml …sind … selbstironische, hoch gebildete, selbstreflektierte Taktiker, zum guten Teil mit Hipsterallüren und bestem kulturellem Geschmack…"

    Unter den politisch Agierenden und ihre Verbündeten in Wirtschaft, Gesellschafft und Kultur: Ja, Hipsterallüren wo man nur hinschaut. Westliche Dekadenz in für westliche Verhältnisse ungekannten Ausmaßen. Einhergehend mit einer grenzenlosen, menschenverachtende, zynische Aggressivität und verbunden mit einer inneren Leere. Die Putin-Mafia gebärdet ihre eigene Show-Welt, in immer schrillerem Kontrast zur sonstigen Gesellschaft. Musterhaft vorgeführt in
    "Heavy Metal Putin - PM rides into Night Wolves bike show on Harley trike" 50.000 waren dabei:

    https://www.youtube.com/watch?v=Dimx_hn-Wi0

    Über "bester kultureller Geschmack" lasst sich eben streiten…

    Auch Spitzenmusiker, Künstler von Putins Gnaden, wie beispielsweise Valery Gergiev, Anna Netrebko, Yuri Bashmet brüsten sich mit voller Überzeugung als Vertreter der Putin-Propaganda, in Worten und Künstlertaten, und werden reichlich belohnt.

    Da lässt man sich auch gerne in der Kriegspropaganda einsetzen. Anna Netrebko in der Ost-Ukraine, Valery Gergiev in Syrien beim Palmyra-Konzert . Eine so Putin "erstaunliche humanitäre Aktion".

    Sputnik Deutschland dazu:

    "…Für mich ist es ergreifend, dass in dieser schweren Zeit Menschen gibt, die den Geschundenen dieses Landes wieder Mut zum Aufstehen geben. Wie schäbig ist da unsere Lügenpropaganda vom Zerstörungswahn der syrischen Regierung und des erneuten Anfachen des Konfliktes durch die USA und ihren Verbündeten… Kunst ist halt doch manchmal Waffe…."

    Augen und Ohren zu bei den vom syrische Diktator und dessen Moskauer Schutzherren Putin zur gleichen Uhrzeit und nur wenig entfernt verübten Verbrechen gegen die Menschlichkeit:

    Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von Dutzenden Toten und Verwundeten, darunter mehrere Kinder. Der Journalist Alaa Fatraoui, der das Lager bei der Stadt Sarmada nach den Angriffen besuchte berichtet gegenüber dem "Guardian" von grauenvollen Szenen. "Sie haben mitten ins Lager getroffen, viele Zelte sind verbrannt", sagte er. Es lägen viele Tote und Körperteile herum, er habe fast 30 Tote gesehen. "Das ist ein Racheakt gegen Zivilisten", sagte Fatraoui weiter. Es gäbe keine bewaffneten Männer in dem Camp. Das Lager soll nach Angaben des "Guardian" aus 500 Zelten bestehen mit durchschnittlich sechs oder sieben Familienmitgliedern je Zelt.

    Putin’s billionaire cellist on Palmyra ruins:
    Ganz vorne im Orchester saß der "Golden Boy" Sergej Roldugin, jener Cellist und Jugendfreund Putins (hat übrigens ziemlich grauenhaft solistisch gespielt!), dem die jüngst veröffentlichte „Panama-Papiere“ Briefkastenfirmen und Offshore-Konten zuschreiben, über die binnen kurzer Zeit zwei Milliarden Dollar geflossen seien.

    Putin erklärte dazu, der Cellist setze sein Geld für wohltätige Zwecke ein: "Soviel ich weiß, ist er Minderheitsaktionär in einem unserer Unternehmen und verdient dort ein bisschen Geld, natürlich nicht Milliarden, das ist Blödsinn". Er sei stolz auf solche Leute und besonders auf seinen Freund, denn: "Fast alles, was er da verdient, gibt er dafür aus, Musikinstrumente im Ausland zu kaufen und sie nach Russland zu bringen."

    Facebook-Kommentare dazu:

    …Ein großer Erfolg für russische Musik, endlich ist ein russischer Cellist im Top 4 der bestbezahlten Musiker der Welt gelandet. Die sogenannte Panama-Sonata hat's gemacht! …

    …Eine Frage bleibt offen. Wie viele Musikinstrumente sollen für zwei Milliarden gekauft werden? Ich glaube, sehr bald bekommt jede russische Familie einen Flügel ins Haus geliefert. Nee, zwei…

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    1. Die absurden Begründungen Putins für offensichtliche Geldwäsche zeigen nur, wie unangreifbar er ist, in eine irreale Lügen- Gegenwelt gehüllt wie in einen Mantel. Er handhabt das mit vollendetem Zynismus.

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    2. Die in London ansässige "syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" soll so ziemlich eine "one man show" sein und so gut wie nur aus einer Privatperson, einem syrischen Oppositionellen, mit Internetanschluss bestehen.
      Die meisten google - Ergebnisse lassen Zweifel an der Zuverlässigkeit der Meldungen durchklingen, einige grössere, auch öffentlich rechtliche Medien äussern zumindest eine gewisse Skepsis.
      Auch der wikipedia Eintrag ist sehr kritisch.
      Vor allem soll bei der Meldung von Opferzahlen nicht unterschieden werden, auf wessen Konto sie gehen, d.h. die Opferzahlen werden einfach zusammengezählt.

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    3. @ Rudolf

      Skepsis ist selbstverständlich wichtig bei der Einschätzung von Nachrichten aus Kriegsgebiete.

      Ihre Informationen treffen leider nur zu für die Ursprungsjahren der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bis 2012. Danach haben sich die Meldungen und Methoden allgemein als recht zuverlässig herausgestellt. Soweit wie möglich sollten sie und werden sie auch überprüft. Heute gilt die Stelle als zuverlässigste Quelle in Syrien. Wird natürlich von russischer Seite bestritten!

      Es werden im vorliegenden Fall mehrere Quellen verwendet (zusätzlich der Journalist Alaa Fatraoui). Die Ereignis-Hintergründe in Syrien zeigen dazu immer wieder in der gleichen Richtung. Bis heute! Spiegel und Guardian würde ich außerdem als Qualitätsmedien bezeichnen.

      Bitte benutzen Sie nur neuere Suchergebnisse und vermeiden Sie unbedingt die von Russland gesteuerten Propaganda-Netzwerke. Sie bieten von vorne bis hinten nur erlogenes. Außerdem sind möglichst mehrere, voneinander unabhängige Quellen zu vergleichen, evtl. auch internationale Quellen mit einzuschließen.

      Das ist eine Vorbedingung für seriöse Informationsbeschaffung.

      http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-luftangriff-auf-fluechtlingslager-toetet-dutzende-menschen-a-1090982.html

      https://www.theguardian.com/world/2016/may/05/airstrike-hits-refugee-camp-in-northern-syria-say-activists

      https://www.theguardian.com/world/2016/may/06/syrian-refugee-camp-bombing-airstrikes-sarmada-un-msf

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    4. @ Bobby

      ich legte meiner Bewertung sicherlich keine russlandgesteuerten Netzwerke zugrunde.
      Die von dir verlinkten Artikel lassen allesamt offen, wer nun konkret für das Massaker verantwortlich zeichnet.

      Die reale Beurteilung der Lage ist schwierig, die Trennlinie zwischen seriöser Berichterstattung und reiner Propaganda nicht eindeutig zu ziehen.

      Selbst der ARD, sicherlich auch ein Qualitätsmedium, ist geteilter Meinung über die "Syrische Beobachtungsstelle". Attestiert ihr zwar "absolut brauchbare Informationen zu liefern", unterstellt ihr andererseits aber, dass sich "die Informationen nicht unabhängig überprüfen lassen".
      Es wird auch explizit von "mangelnder Neutralität des Leiters" gesprochen, gut, mit der "könne man leben, wenn man es weiß". Auch von "nicht ganz aktuellen Berichten" ist die Rede, und dass "manche Berichte, schnell wieder dementiert werden".

      Nachvollziehbar ist natürlich die Einsicht, dass in für gewöhnliche Journalisten in schwer zugängliche Krisengebieten, die Informationen oft an Qualität und Wahrheitsgehalt zu wünschen übrig lassen.

      http://www.tagesschau.de/ausland/syrische-beobachtungsstelle-101.html

      Propaganda ist allerdings mit Sicherheit keine russische Spezialität, dies zu vertreten wäre schon einigermaßen blauäugig. Ich bin meilenweit davon entfernt, Darstellungen russischer Medien mehr Vertrauen entgegenzubringen als westlichen.
      Eins ist aber klar, dass wenn wir pauschalierend meinen, die Wahrheit liege nur auf einer Seite und sämtliche russischen Medien würden samt und sonders und nichts als Unwahrheiten, Lügen oder eben ausschließlich reine Propaganda bringen, dies auch ein sehr einengender und realitätsfremder Standpunkt wäre.

      So wie die Amerikaner haben sicherlich auch die Russen hegemoniale Machtansprüche auf Teile der Welt. Zu deren Durchsetzung bedienen sie sich sicherlich nicht wesentlich anderer Methoden, als die USA oder andere Großmächte.
      Aus ihrer eigenen Sicht, d.h. von ihrem eigenen Standpunkt aus betrachtet und aufgrund ihrer damit verbundenen Rechtfertigung der Durchsetzung eigener Interessen, handeln sie nicht unrichtiger als andere Mächte.
      Zu behaupten, dass russische Medien generell Lüge und Propaganda verbreiten, während westliche Medien oder die syrische Beobachtungsstelle die reine Wahrheit, wäre sehr wenig weitblickend, im Grunde ebenfalls Propaganda oder eben Gegen-Propaganda.

      Zu einer umfassenden Sicht der Dinge zu gelangen, fernab der einseitigen Rezeption von selektiver Berichterstattung und Propaganda der einen wie der anderen Seiten wäre zum Zwecke der richtigen Beurteilung eines jeden Konfliktes angebracht, da diese nur dadurch wirklich aufarbeit- und lösbar wären.

      Das traurige ist, dass ganze Nationen, deren Bevölkerung absolut nichts dafür kann, zwischen den Grossmachtkonflikten und Stellvertreterkriegen, und um so einen handelt es sich zweifelsfrei auch beim Syrien-Krieg, regelrecht aufgerieben werden.


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    5. Die Netzwerke der Propa der Russen sind doch nicht so blöd, zu sagen "wir sind Putins Propa-Agitatoren!"

      Die Gesellschaft ist auch da längst - nach meiner Empfindung - kreml-verursacht gespalten. Zuviele einstige "seriöse" sind, finanziell unterteppicht einige, nach drüben gegangen, Händeschütteln. Wenn schon Seehofer hingeht, um Händchen zu schütteln?
      Es geht über viele scheinbar voneinander unabhängige Kanälchen. Die einen sagen natürlich, daß sie für den lieben Kreml sind.

      Die anderen aber sagen, daß sie sehr "rußlandkritisch sind" und relativieren weiter, einfühlsam: "..und Propaganda, ha, das macht doch jeder. Im Westen nennt man es auch manchmal Werbung, für Produkte. Auch die Werbung beinhaltet wertvolle Deklaration und Information, aber eben auch den Stolz auf das Produkt! Die westlichen Eliten sind auf ihre Regierung stolz, die russischen Eliten auf ihre, und auf ihr russisches Volk. Es ist, ihr lieben Kinder, wie im Sport! Na und? Aber Putin wird sicher sehr ein sehr perfinder Mensch sein, man muß ihm zugute halten, daß er gern auf die Menschen zugeht, für sein Volk auch mal da ist, aber die USA sind auch perfide! Nur sind die Eliten nicht so volksnah.." So geht der Schleim.

      Es wird relativiert, und auch manchmal, nach dem Prinzip "Guter Cop, Böser Cop" wird der VT-Liebhaber in die Zange genommen, er bekommt scheinbar kremlkritische Artikel, mit bewußt inszenierten kollabierenden Meldungen, also Wechselbädern und Widersprüchen, doch immer mit dem Hinweis, daß die USA und "Merkel" und "Lügenpresse" (und "die Bilderberger!") genauso seien. Und dann kommt in einem verlinkten Blog oder TV-Kanal was ganz furchtbares, was die USA getan haben. Was alles in den Schatten stellt.

      Was mich bei Kremlins Agitpropas besonders abstößt, ist ihr Einsteigen in die spießbürgerliche Angst schlichter Gemüter vor "Stanismus". So erfährt man auf den einschlägigen Kanälen und Pages von "Menschenopfern der Bilderberger".

      Nein, ich konsumiere das nicht, ich kenn einige Adressen von früher, als ich naiver war, bevor es dort immer perverser wurde. Immerhin werden schlichte Gemüter zuhauf damit erreicht.

      Bedrückend ist, daß überall, auch bei Journalisten verkürzt argumentiert wird, und außenpolitische Fehler der USA, auch historische Versündigungen, zur Relativierung ausgeschlachtet werden für die aktive verlogene, lächelnd-zwinkernde, Menschenfeindlichkeit des Syndikats. Rudolf, es gibt keine Freiheit, und Pressefreiheit schon gar nicht in russischen Ballungsgebieten. Was im hinteren Sibierien ist, weiß ich nicht. In der Wäldern der Taiga darf man vielleicht offen reden, mag sein ... aber auch nicht zu jedem..

      Viel Spaß, Rudolf in Deinem Überzeugungs-Palast, in dem Du bis an Dein Lebensende, das ist ganz klar, zu bleiben Dir geschworen hast. Keine Hoffnung ! ?
      mischa

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    6. Ich meinte "spießbürgerliche Angst vor 'Satanismus', die ausgeschlachtet wird, um schlichten Gemütern beizubringen, Regierungsmitglieder würden Menschen opfern" Tippfehler. Ja, nuu, so krass geht manchmal kremlfreundliche Propaganda.

      Mit den Relativierungen aber, daß "jede Regierung" Propaganda mache, wurde Glasnost zerstört, und bei uns der Glauben von einfachen und von sogar klugen Leuten zerlöchert, daß es in den freien Staaten des alten "Westens" (Australien, Kanada, USA; Wetseuropa..) eine Bemühung im seriöse Faktenbericht-Erstattung je gab.

      Übel. In Rußland in den Ballungsräumen gibt es keine Freiheit. Nichts. Die Blogbetreiberin Irina Schlegel, die sich für die Ukraine engagiert, sagte sogar, daß es in der russischen Bevölkerung ein Problem gäbe: Die Menschen leben in keiner faktischen Realität mehr. Die Menschen in Rußland sind psychisch geschädigt ! ! !

      Ich kenne persönlich zwei kluge und aufgeklärte Ukrainerinnen, eine russischstämmige Amerikanismus-Studentin, und eine rein ukrainische Sekretärin in einem Unternehmen, beide aus der Umgebung Donbass, beide sagen, daß es mit den Rußlanddeutschen, die hier in Deutschland nur RT schauen, ein Graus wäre. Keine Gespräche möglich.

      Jedes Werbeplakat wird von vielen hier lebenden ganzen russischstämmigen Familien (!) für Propaganda gehalten. Man glaubt, daß muslimische Flüchtliche 2000 Euro Begrüßungsgeld bekämen, heimlich. Mit Richtmikrophonen hätten unsere Regierung notfalls alle Wohnungen unter Kontrolle. Und noch viel mehr Schrott. Hab im Augenblick nicht die Zeit, darüber sortiert etwas kompaktes mitzuteilen...

      mischa


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    7. @ Mischa,

      es geht nicht um "Systemvergleiche" mit an- und abschliessendem Urteil, welches am Ende aller Tage das Bessere, weniger Verlogene usw. wäre. Das ist und war nie mein Ziel.

      Es geht um die Überwindung von eigenen Fehlern und Widersprüchen im Einzelfall, Überwindung auch der Einseitigkeit, sprich des eigenen Überlegenheitsanspruchs, des Nichts "Eigenes" in Frage stellen Könnens, des nicht auf Augenhöhe begegnen können......anderen Menschen genauso wie anderen Denkrichtungen und Systemen.

      Das gegeneinander Aufwiegen von Propaganda, Lügen und Wahrheiten hätte nie kein Ende, ergo wäre es ein sinnloses Unterfangen.
      Auch hat kein einziger Mensch in allen seinen Ansichten recht oder unrecht, kein Mensch lügt immer oder aber sagt immer die Wahrheit. Einmal, weil niemand perfekt ist, und zum anderen, weil wie du selbst sagst, alles relativierbar ist, also jeder jeden in den eigenen Augen als Unwahrheit sich darstellenden Tatbestand, von einem anderen Standpunkt aus betrachtet, mitunter als wahr und richtig begründet darlegen kann.

      Die universellen Werte sind eben nicht die vollkommene Ablehnung und der Hass des Andersartigen und für uns nicht immer Verständlichen, das elitäre Denken und Empfinden, ich liege richtig, Punkt und Basta, weil ich es schon x Mal erklärt habe.....sondern vielmehr das aufeinander Zugehen.
      Auch das Bestreben andere zu verstehen, das eine oder andere uns fremd oder sogar auch falsch Erscheinende zu "begreifen", nicht gemeint als Verstehen, sondern als zumindest Stehen- und Wirkenlassen.
      Einzelne Standpunkte, wie auch Menschen, genauso wie andere Völker samt deren "Regierungen", andere Systeme, Philosophien usw...

      Zusammenfassend, das Problem ist nicht die Über- oder Unterlegenheit eines Standpunktes oder eines "Systems", sondern die geistige Abschottung, die spirituelle Schwarz-Weiss-Malerei, und - da man ja nicht alleine existent ist - der zwanghafte permanente Kampf gegen alles Andersartige, der letztlich in Richtung Negation des eigenen von Natur aus offenen Ichs führen könnte.

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    8. @ Rudolf
      Wenn Sie meinen… Ich werde Ihnen nicht widersprechen.
      Leider verdrehen Sie meine Äußerungen. Ich distanziere mich deshalb von Ihrer Wiedergabe.
      Genaues lesen ist Voraussetzung für eine sachliche Diskussion. Das gilt auch für die Inhalte.

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    9. @ Rudolf
      Das gilt auch für die Inhalte der Presseveröffentlichungen.

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    10. @ Bobby,

      welche Äußerung habe ich verdreht?
      Würde gerne mögliche eigene Fehler einsehen und ggf. richtigstellen.

      Bezüglich der Presseveröffentlichungen (der 3 von dir verlinkten) hatte ich nur geschrieben, dass diese offenlassen, wer der Urheber des Massakers war. Dies entspricht der Wahrheit.

      Spiegel:
      ..."Zunächst war unklar, wer die Luftangriffe geflogen hatte...."
      Danach kommt nichts mehr, außer einem Verweis auf die BBC: ".....Die BBC meldete unter Berufung auf Berichte, russische oder syrische Jets hätten die Angriffe geflogen......".
      Die Berichte klären uns also auch nicht weiter auf und werden auch nicht näher erläutert oder zugewiesen.


      Theguardian:

      "....The US said it has not confirmed who carried out the strike, but said no US or coalition aircraft were operating in the area. Syria’s military have denied any involvement.“We don’t know yet if it’s Syrian or Russian aircraft, but they struck in the middle of the camp and many of the tents have been burned,” said Alaa Fatraoui, a journalist who saw the aftermath......."

      Dass es russische oder syrische Jets waren, ist eine reine Feststellung bzw. Vermutung von Alaa Fatraoui, der nicht begründet, wie er zu diesem Schluss kommt und auch keine andere Quelle nennt.
      Wie kann er ausschließen, dass es nicht andere waren, wenn er sagt, es waren russische oder syrische? Gesehen hat er ja nichts, das gibt er zu!

      Ich möchte sehr gerne sachlich diskutieren.
      Den Vorwurf die zitierten Medienberichte nicht genau gelesen zu haben, weise ich jedenfalls hiermit zurück.

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    11. ..ich krieg noch einen Organismus, ich meinte oben "Amerikanistik", naja... und möge man mir meine Rechtschreibunksfelher und Tip-Schwächen verzeihn..
      (der manney-song ist aber auch klasse, nich nur das faschodoronlied :-) )
      mischa

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    12. @ Rudolf

      Wie erwünscht. Im Einzelnen:

      "…Die von dir verlinkten Artikel lassen allesamt offen, wer nun konkret für das Massaker verantwortlich zeichnet…"

      Vom syrische Diktator und dessen Moskauer Schutzherren Putin verübten Verbrechen gegen die Menschlichkeit habe ich im Beitrag beschrieben. Die Informationsquellen lassen lediglich offen ob die Verbrechen von Syrischer oder von Russischer Seite verübt worden sind. Russland oder Syrien sind verantwortlich. Einer von beiden oder gemeinsam. Beide Seiten agieren gemeinsam im Krieg. Das wird plausibel dargestellt, so meine ich.

      "…Propaganda ist allerdings mit Sicherheit keine russische Spezialität, dies zu vertreten wäre schon einigermaßen blauäugig…"

      Propaganda als russischer Spezialität habe ich nicht vertreten. Ich habe die Russische Netzwerke allerdings grundsätzlich als Propaganda und verlogen eingestuft wenn es um die Bewertung von Quellen geht. Sie sind unfrei und unter staatlicher Lenkung zu Propaganda deformiert worden und deshalb für diesen Zweck untauglich.

      "…die Wahrheit liege nur auf einer Seite…"

      Auch das habe ich nicht gesagt.

      Ich meine aber, dass, wie sie es beschreiben, sämtliche russischen Medien (bis auf wenige unbedeutende Ausnahmen) "samt und sonders und nichts als Unwahrheiten, Lügen oder eben ausschließlich reine Propaganda" bringen. Ja, dieses ist nach meiner Ansicht ein nicht "einengender und realitätsferner" sondern ein sehr beengender aber sehr wohl realitätsnaher Standpunkt.

      "…Zu behaupten, dass russische Medien generell Lüge und Propaganda verbreiten, während westliche Medien oder die syrische Beobachtungsstelle die reine Wahrheit…"

      Habe ich behauptet "westliche Medien oder die syrische Beobachtungsstelle würden die reine Wahrheit" verbreiten?
      Auch hier wieder eine Verdrehung meiner Äußerungen.

      "…ich (Rudolf) legte meiner Bewertung sicherlich keine russlandgesteuerten Netzwerke zugrunde…"

      Auch dieses habe ich nicht gesagt…

      Allerdings:
      Man könnte beinahe meinen Sie führen sich hier auf wie ein Anwalt für Russischen Interessen.
      Was wollen Sie eigentlich?

      Das Thema ist für mich hiermit erledigt und abgeschlossen.

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    13. @ mischa

      Einen Organismus habe ich (noch) nicht bekommen…

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    14. @ mischa

      Und was ist mit dem
      "Panama Golden Boy Song" (Sergej Roldugin in Palmyra)
      https://www.youtube.com/watch?v=bGUrm5h1By4
      14:30-20:30
      Gegen Ende gibt es da reichlich Misstönen…
      …Zum Anlass passt das aber wunderbar!

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    15. guck:
      https://www.youtube.com/watch?v=CoQXJBO9l0I
      Sie sagte immer, sie sei nicht politisch gewesen, sondern eben ein Ästhetin ... sie wollte eben Filme machen, sonst nix..
      mischa

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    16. @ mischa

      Ja.
      Kunst und Propaganda:
      Die schöne Welt des Scheines im Dienste des Bösen

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    17. @ bobby
      Finden viele auch richtig cool. Anbei, "cool" (lockerlässig, später alles, was hipp, angesagt war) in den 90ern Jugendsprache (aufstrebend, Akzente setzend). Weiß gar nicht, wie man heute sagt. Egal...
      Ich kannte einen Typen, der war vollkommen angetan von Gaddafis Sonnenbrille, Prunkklamotten, und hielt Gaddafi für den "coolsten" Chief im Orient, der "soviel für seine Stämme getan hat". Selbiger Gaddafi-Verehrer zeterte gegen die Polizei, als bei der Stuttgard 21 Demo dem Mann, der eine Kastanie warf, mit dem Wasserwerfer ein Auge angeschossen wurde. Für mich übrigens, psychologisch besehn, kein Widerspruch. Der Neurechte identifiziert sich eben anders. Er ist auf Seiten aller hiesigen Rebellen, weil's ihn ärgert, nicht zu den Mächtigen zu zählen. Würden seine Fitzeks und Popps erst an der Macht sein, wär er ihr eifriger Polizist. Und säße auf Freikarte in Palmyra-Konzerten...
      Diktatoren sind heute eh alles coole Popstars. Eitel ("ästhetisch") war die Gewalt schon seit jeher. John Gotti läßt grüßen..
      mischa

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    18. ..und hier :-))
      Der fesche Feschismus, Uniform ist passeé ...
      http://www.sueddeutsche.de/kultur/armin-thurnher-feschismus-1.2969440
      mischa

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    19. @ Bobby,

      Ich bin sicherlich kein Anwalt russischer Interessen.
      Wenn schon, bemühe ich mich um eine ausgewogene sachliche Diskussion. Es erscheint mir einfach nicht sinnvoll und zielführend, so wie du es tust, zu einem einseitigen Ankläger nur der einen Seite zu werden.

      Abgesehen davon, dass es unlogisch und unbegründet ist, zu behaupten, entweder die Russen oder das Assad Regime hätten das Massaker verübt - man gibt ja zu dass man es nicht weiss , hat aber dennoch keiinen Anhaltspunkt ins Feld geführt, nach welchem eine andere Urheberschaft auszuschliessen ist, bleibt also bei einer reinen Behauptung und keinesfalls einer plausiblen Darstellung -, wäre es doch das naheliegendste einzugestehen, dass in jedem Konflikt, wenn schon, Verbrechen gegen die Menschlichkeit von allen Beteiligten verübt werden. So sind Kriege nun mal. Und Beteiligte gibt es in diesem Krieg wahrlich eine endlos lange Reihe.

      Was ist denn mit der unendlich langen Liste an Verbrechen des IS gegen die syrische Zivilbevölkerung, von denen ja der ganze Konflikt seinen Ausgang nahm? Wollen wir hier auch die Russen oder gar Assad selbst verantwortlich machen?

      Ausserdem habe ich nicht deine Aussagen "verdreht". Die von dir zitierten Passagen sind vielmehr Behauptungen von mir, die ich - das gebe ich zu - wahrscheinlich in etwas provokanter Weise, sozusagen als mögliche denkbare Antithesen, deiner doch sehr einseitigen Sichtweise gegenüberstellte.

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  10. Für diejenigen die sich das anhören wollen (Gergiev dirigiert Mariinski-Orchester in Palmyra):
    https://www.youtube.com/watch?v=bGUrm5h1By4

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    1. Ja, wirklich einmalig, wenn es auch hier ja nicht um eine Darbietung von absolut herausragender musikalischer Qualität geht.

      Neidvoll blicke ich auf die Beiwohnenden, welchen dieses Erlebnis zuteil wurde.
      Meine eigene geistige Teilnahme an diesem event an einem der eimaligsten Orte der Welt würde ich als eine Hommage sehen, sicherlich nicht an Russland, sondern einerseits an das syrische Volk und andererseits an eine der faszinierendsten Frauengestalten der Weltgeschichte, die Herrscherin Zenobia, welche 267 bis 272 dem römischen Imperium trotzte und in dieser Zeit Palmyra zu einer unbeschreiblichen wirtschaftlichen und kulturellen Blüte führte.
      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Zenobia

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    2. @ Rudolf

      Ihr Kommentar: Sehr vielsagend

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    3. "Ihr Kommentar: Sehr vielsagend"

      ...und doch erneut durchschaubar ;)

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    4. @ anonym

      und was liest denn dein "durchschauendes" Auge da heraus?

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